Interventionsstudien

Wider die Borniertheit!

Diese Studien sollen Ihnen bei der Argumentation für Ihren Weg der selbstverantwortlichen MS-Behandlung helfen und zusätzliche Sicherheit geben. Es handelt sich ausschließlich um Interventionsstudien, Metaanalysen und Studien mit besonderer Aussagekraft. Die Studien sind nach Kategorien geordnet und neuere Studien werden zuerst genannt.

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Ernährung

Fettsäuren

Duscha, A. et al. (2020) ‘Propionic Acid Shapes the Multiple Sclerosis Disease Course by an Immunomodulatory Mechanism’, Cell, pp. 1–14. doi: 10.1016/j.cell.2020.02.035.

Die Supplementation mit Propionat hatte eine positive Wirkung auf die immunologischen, neurodegenerativen und klinischen Parameter bei MS-Patienten, einschließlich der Rückfallrate und des Fortschreitens der Behinderung.


Maxwell, K. F. et al. (2019) ‘Lipid profile is associated with decreased fatigue in individuals with progressive multiple sclerosis following a diet-based intervention: Results from a pilot study’, PLoS ONE, 14(6), pp. 1–19. doi: 10.1371/journal.pone.0218075.

Durch gezielte Anpassung des Fettsäureprofils über Ernährungsintervention sind signifikante Verbesserungen der Fatigue (50% Reduktion des FSS-Score) bei MS-Patienten mit progressiven Verlaufsformen verbunden.


Mikronährstoffe

Alpha-Liponsäure

Spain R, Powers K, Murchison C, et al. Lipoic acid in secondary progressive MS: A randomized controlled pilot trial. Neurol Neuroimmunol Neuroinflamm. 2017;4(5):e374. Published 2017 Jun 28. doi:10.1212/NXI.0000000000000374

Fazit: 1200 mg/d Alpha-Liponsäure zeigte eine 68%ige Reduzierung der jährlichen prozentuale Veränderung des Hirnvolumens (PCBV) und deutete auf einen klinischen Nutzen bei SPMS hin, wobei Sicherheit, Verträglichkeit und Compliance über 2 Jahre hinweg günstig blieben.


Khalili M, Soltani M, Moghadam SA, Dehghan P, Azimi A, Abbaszadeh O. Effect of alpha-lipoic acid on asymmetric dimethylarginine and disability in multiple sclerosis patients: A randomized clinical trial. Electron Physician. 2017;9(7):4899–4905. Published 2017 Jul 25. doi:10.19082/4899

Fazit: Wenn man bedenkt, dass ADMA(Asymmetric dimethylarginine) durch oxidativen Stress bei MS-Patienten produziert wird und zu einer Zunahme der Entzündung führt, könnte ALA bei ihnen das Potenzial für positive Effekte haben, indem es zum Teil den Plasmaspiegel von ADMA senkt und das Fortschreiten der Krankheit stoppt.


Schreibelt G, Musters RJ, Reijerkerk A, et al. Lipoic acid affects cellular migration into the central nervous system and stabilizes blood-brain barrier integrity. J Immunol. 2006;177(4):2630–2637. doi:10.4049/jimmunol.177.4.2630

Zusammenfassend zeigt die Studie, dass LA eine schützende Wirkung auf die Entwicklung von EAE hat, nicht nur durch die Beeinflussung der Migrationskapazität von Monozyten, sondern auch durch die Stabilisierung der BHS, was LA zu einem attraktiven therapeutischen Mittel für die Behandlung von MS macht.


Biotin

Guillevin C, Agius P, Naudin M, et al. 1 H-31 P magnetic resonance spectroscopy: effect of biotin in multiple sclerosis. Ann Clin Transl Neurol. 2019;6(7):1332–1337. doi:10.1002/acn3.50825

Es konnte nachgewiesen werden, dass sowohl die Fähigkeit zur Remyelinisierung der Zellen als auch deren Energieversorgung deutlich verbessert wurden. Beides wirkt sich dann positiv auf den Behinderungsgrad aus. 


Peyro Saint Paul, L. et al. (2016) ‘Pharmacokinetics and pharmacodynamics of MD1003 (high-dose biotin) in the treatment of progressive multiple sclerosis’, Expert Opinion on Drug Metabolism & Toxicology, 12(3), pp. 327–344. doi: 10.1517/17425255.2016.1136288.

Die ersten vielversprechenden Ergebnisse bei der Behandlung von progredienten Formen der Multiplen Sklerose mit hochdosiertem Biotin.


Vitamin A

Bitarafan S, Saboor-Yaraghi A, Sahraian MA, et al. Effect of Vitamin A Supplementation on fatigue and depression in Multiple Sclerosis patients: A Double-Blind Placebo-Controlled Clinical Trial. Iran J Allergy Asthma Immunol. 2016;15(1):13–19.

Fazit: Die Ergebnisse zeigten eine signifikante Verbesserung in der Behandlungsgruppe für Müdigkeit und Depression. Die Vitamin-A-Supplementierung half während der Interferon-Therapie im Behandlungsprozess und verbesserte die psychiatrischen Ergebnisse bei den entzündungshemmenden Mechanismen.


Fragoso YD, Stoney PN, McCaffery PJ. The evidence for a beneficial role of vitamin A in multiple sclerosis. CNS Drugs. 2014;28(4):291–299. doi:10.1007/s40263-014-0148-4

Fazit: Vitamin A wirkt in Synergie mit Vitamin D, und die immunologische Homöostase, die durch diese Vitamine gewährleistet wird, sollte nicht zugunsten von nur einem von ihnen aus dem Gleichgewicht geraten.


Vitamin D und Sonne

de Oliveira LRC, Mimura LAN, Fraga-Silva TFC, et al. Calcitriol Prevents Neuroinflammation and Reduces Blood-Brain Barrier Disruption and Local Macrophage/Microglia Activation. Front Pharmacol. 2020;11:161. Published 2020 Mar 12. doi:10.3389/fphar.2020.00161 [free access]

Die Ergebnisse dieser Studie weisen darauf hin, dass eine frühe Intervention mit 15-Dihydroxyvitamin D3 den neuroinflammatorischen Prozess, der das Kennzeichen der EAE- und MS-Immunpathogenese ist, steuern kann und daher als Zusatztherapie für MS-Patienten erforscht werden sollte.


Linden J, Granåsen G, Salzer J, Svenningsson A, Sundström P. Inflammatory activity and vitamin D levels in an MS population treated with rituximab. Mult Scler J Exp Transl Clin. 2019;5(1):2055217319826598

Die entzündliche Aktivität in dieser mit Rituximab behandelten Multiple-Sklerose-Gruppe, die zunehmend eine Vitamin-D-Supplementierung verwendete, war extrem gering. Höhere 25-Hydroxy-Vitamin-D-Spiegel waren mit positiven Ergebnissen verbunden.


Simpson S Jr, der Mei IV, Taylor B. The Role of Vitamin D in Multiple Sclerosis: Biology and Biochemistry, Epidemiology and Potential Roles in Treatment. Med Chem. 2018;14(2):129–143. doi:10.2174/1573406413666170921143600

Fazit: Es gibt eine Fülle von epidemiologischen Beweisen, sowohl direkte als auch indirekte, sowie eine signifikante biologische Plausibilität, die eine Rolle von Vitamin D bei der Entstehung und dem Fortschreiten der Multiplen Sklerose belegen.


Darwish, H., Haddad, R., Osman, S. et al. Effect of Vitamin D Replacement on Cognition in Multiple Sclerosis Patients. Sci Rep 7, 45926 (2017). https://doi.org/10.1038/srep45926

Fazit: Ein Vitamin-D3-Auffüllung durch Supplementierung kann die kognitive Leistung bei MS-Patienten erhöhen und die Lebensqualität des Patienten erheblich verbessern.


Hartl C, Obermeier V, Gerdes LA, Brügel M, von Kries R, Kümpfel T. Seasonal variations of 25-OH vitamin D serum levels are associated with clinical disease activity in multiple sclerosis patients. J Neurol Sci. 2017;375:160‐164. doi:10.1016/j.jns.2017.01.059

Fazit: Zusammenfassend lässt sich sagen, dass saisonale Schwankungen der 25-(OH)-D-Serumspiegel umgekehrt mit der klinischen Krankheitsaktivität bei MS-Patienten assoziiert waren. 


Miclea, A. et al. (2017) ‘Vitamin D supplementation differentially affects seasonal multiple sclerosis disease activity’, (May), pp. 1–6. doi: 10.1002/brb3.761.

Die Studie zeigte die Modulation der Aktivität der saisonalen MS-Krankheit durch Vitamin-D-Supplementierung. Angesichts der markanten Verringerung der vierteljährlichen Rückfallrate im späten Winter/frühen Frühling weisen die Daten auf eine positive Wirkung der Supplementierung von MS-Patienten mit Vitamin D hin, insbesondere in dieser Jahresperiode.


Zivadinov, R. et al. (2013) ‘Interdependence and contributions of sun exposure and vitamin D to MRI measures in multiple sclerosis’, Journal of Neurology, Neurosurgery and Psychiatry, 84(10), pp. 1075–1081. doi: 10.1136/jnnp-2012-304661.

Die Sonnenexposition kann von Vitamin D unabhängige direkte positive Auswirkungen auf die MRT-Messungen der Neurodegeneration bei MS haben.


Soilu-Hänninen, M. et al. (2012) ‘A randomised, double blind, placebo controlled trial with vitamin D 3 as an add on treatment to interferon β-1b in patients with multiple sclerosis’, Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry, 83(5), pp. 565–571. doi: 10.1136/jnnp-2011-301876.

Die Patienten der Vitamin-D-Gruppe zeigten weniger neue T2-Läsionen und eine signifikant geringere Anzahl T1-verstärkender Läsionen sowie eine Tendenz zu einer geringeren Zunahme von Behinderungen und zu einem verbesserten zeitlichen Gehverhalten.

Sport und Bewegung

Ausdauertraining

Motl, R. W., Sandroff, B. M., Sep. 2015. Benefits of exercise training in multiple sclerosis. Current neurology and neuroscience reports 15 (9).
http://view.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26223831

Fazit: Insgesamt deuten die Nachweise für den Nutzen von Bewegungstraining bei MS darauf hin, dass die Zeit reif ist für die Förderung von Bewegung durch Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen, insbesondere Neurologen, als zentraler Teil der klinischen Versorgung und des Managements von MS-Patienten.


Motl, R. W., Pilutti, L. A., Sep. 2012. The benefits of exercise training in multiple sclerosis. Nature reviews. Neurology 8 (9), 487-497.

http://view.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22825702

Zusammenfassung: Es wird Training vorgeschlagen, um Entzündungen, Neurodegeneration und Strukturen des ZNS zu beeinflussen, aber die derzeitigen Erkenntnisse sind begrenzt. In diesem Review diskutieren wir Erkenntnisse aus klinischen Studien, die auf günstige Auswirkungen von Bewegungstraining auf die Muskelkraft, die aerobe Kapazität und die Gehfähigkeit sowie auf Müdigkeit, Gang, Gleichgewicht und Lebensqualität hinweisen. Es werden Probleme mit aktuellen Studien und Bereiche zukünftiger Forschung hervorgehoben.


Kileff, J., Ashburn, A., Mar. 2005. A pilot study of the effect of aerobic exercise on people with moderate disability multiple sclerosis. Clinical rehabilitation 19 (2), 165-169.
http://view.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15759531

Fazit: Die Ergebnisse dieser Pilotstudie deuten darauf hin, dass sich die allgemeine Behinderung und Mobilität durch das aerobe Training verbessert hat. Ein positiver Behandlungseffekt in dieser kleinen Studie legt die Notwendigkeit einer größeren Studie nahe. Das Wissen darüber, wie man eine prädiktive Herzfrequenz ermittelt und wie die Auswirkungen des Radfahrens bei Menschen mit MS überwacht werden können, wird als Grundlage für zukünftige klinische Studien dienen.


Prosperini, L., Fortuna, D., Giannì, C., Leonardi, L., Marchetti, M. R. R., Pozzilli, C., 2013. Home-based balance training using the wii balance board: a randomized, crossover pilot study in multiple sclerosis. Neurorehabilitation and neural repair 27 (6), 516-525.
http://view.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23478168

Fazit: Ein WBBS-Training zu Hause könnte möglicherweise eine effektive, engagierte und ausgewogene Rehabilitationslösung für Menschen mit MS darstellen. Das Risiko von Verletzungen im Zusammenhang mit dem WBBS-Training sollte jedoch sorgfältig gegen die Vorteile abgewogen werden.


Koordinations- und Balancetraining

Yang, F., Estrada, E. F., Sanchez, M. C., Oct. 2016. Vibration training improves disability status in multiple sclerosis: A pretest-posttest pilot study. Journal of the neurological sciences 369, 96-101.
http://view.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27653872

Fazit: Die Ergebnisse legen nahe, dass Vibrationstraining eine vielversprechende Alternative zur Verringerung des Behinderungsgrades bei Menschen mit MS sein könnte.


Paltamaa, J., Sjögren, T., Peurala, S. H., Heinonen, A., Oct. 2012. Effects of physiotherapy interventions on balance in multiple sclerosis: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Journal of rehabilitation medicine 44 (10), 811-823.
http://dx.doi.org/10.2340/16501977-1047

Fazit: Die Ergebnisse weisen auf kleine, aber signifikante Auswirkungen der Physiotherapie auf die Balance bei Menschen mit Multipler Sklerose hin, die einen leichten bis mittleren Grad an Behinderung haben. Es fehlen jedoch Belege für schwer behinderte Menschen, so dass weitere Forschung erforderlich ist.


Krafttraining

Dalgas, U., Stenager, E., Jakobsen, J., Petersen, T., Hansen, H. J., Knudsen, C., Overgaard, K., Ingemann-Hansen, T., Nov. 2009. Resistance training improves muscle strength and functional capacity in multiple sclerosis. Neurology 73 (18), 1478-1484.
http://view.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19884575

Fazit: Zwölf Wochen intensives progressives Widerstandstraining der unteren Extremitäten führt bei Patienten mit Multipler Sklerose zu Verbesserungen der Muskelkraft und der Funktionsfähigkeit, wobei die Effekte nach 12 Wochen selbstbestimmter körperlicher Aktivität anhalten.