Multiple Sklerose und Krafttraining

Wir hatten schon im letzten Artikel in dieser Reihe auf die Auswirkungen von körperlichem Training auf die Symptomatik und Krankheitsentwicklung bei MS hingewiesen.

In den folgenden Artikeln werden wir uns näher mit verschiedenen Trainingsformen beschäftigen.

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Generelle gesundheitliche Effekte von Krafttraining

Unabhängig von einer Erkrankung hat richtig eingesetztes Krafttraining (auch als progressives Widerstandstraining bezeichnet) mannigfaltige positive gesundheitliche und präventive Effekte. Dazu gehören:

  • Das Entgegenwirken eines Muskelabbaus (bedingt durch Alter, Krankheit, Bewegungsmangel)
  • Die Verbesserung der Koordination zwischen Nervensystem und Muskulatur
  • Die Verbesserung des Zusammenspiels der einzelnen Muskeln untereinander
  • Die Stabilisierung des muskulären Stützsystems (Krafttraining beugt so zum Beispiel Gelenkschäden oder Rückenbeschwerden vor!)
  • Die Erhöhung der Belastbarkeit von Bändern und Sehnen
  • Die Zunahme der Stabilität von Knochen (Verhinderung von Osteoporose)
  • Die Verbesserung der Insulinsensitivität
  • Die Erhöhung des Kalorienverbrauches
  • Der Abbau von Stresshormonen
  • Die Erhöhung des Testosteronspiegel (antientzündliche Wirkung)

Krafttraining und MS

Die positiven Effekte eines Muskeltrainings, um der Atrophie (Abnahme der Muskelsubstanz) entgegen zu wirken, die Koordination und damit die Stabilisierung von Gelenken zu erhalten und zu verbessern ist gerade bei einer MS-Erkrankung die Basis zum Erhalt der Gehfähigkeit und Bewegungsfähigkeit insgesamt. Progressives Muskeltraining der unteren Extremitäten [1] führte laut einer Studie aus dem Jahr 2009 [2] zu verbesserter Muskelkraft und einer Steigerung der funktionalen Kapazität bei Patienten mit MS. Das Ergebnis war signifikant besser als das der Kontrollgruppe ohne Training. Gute Ergebnisse wurden vor allem auch durch kombiniertes Kraft- und Ausdauertraining erzielt.

Die gegebenen Empfehlungen belaufen sich auf ein 2-3 maliges Training pro Woche, wobei große Muskelgruppen, besonders die der Beine, in 4-8 Übungen mit 1-3 Sätzen von jeweils 8-15 Wiederholungen trainiert werden. Angefangen bei 15 Wiederholungen und niedriger Intensität, wobei später die Zahl der Wiederholungen reduziert und die Intensität erhöht wird.

Besonders die Ruhephasen zwischen intensiveren Einheiten (48 Stunden) sollten hier Beachtung finden.

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2015 [3] von 20 nach strengen Kriterien ausgewählten Studien (von insgesamt 507 betrachteten Veröffentlichungen) mit Multiple Sklerose- und Parkinsonbetroffenen bestätigt diese Ergebnisse eindeutig. Es wurde festgestellt, dass Krafttraining die Muskelkraft bei Menschen mit Parkinson (15 % – 83,2 %) und Multipler Sklerose (4,5 % – 36 %) deutlich verbessert. Signifikante Verbesserungen der Mobilität (11,4 %) und des Krankheitsverlaufs wurden auch bei Menschen mit Parkinson-Krankheit nach dem Krafttraining festgestellt. Darüber hinaus wurden bei Personen mit Multipler Sklerose nach dem Krafttraining signifikante Verbesserungen der Fatigue (8,2 %), der funktionellen Kapazität (21,5 %), der Lebensqualität (8,3 %), der Kraft (17,6 %) und der elektromyographischen Untersuchung (Messung elektrischer Aktivität in ausgewählten Muskeln) (24,4 %) festgestellt. Krafttraining ist also extrem nützlich, um die Muskelkraft bei Morbus Parkinson und signifikant – wenn auch in geringerem Maße – bei Multipler Sklerose zu steigern.

Diese Ergebnisse wurden durch einen ganz aktuellen Review [4] aus dem Jahr 2022 ergänzt. Signifikante Verbesserungen zwischen Gruppen mit und ohne Krafttraining wurden bei der Kniestreckung und -beugung festgestellt, nicht jedoch bei der Zahl der Wiederholungen. Hinsichtlich der funktionellen Kapazität und des Gleichgewichts wurden signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen zugunsten der Gruppe mit Krafttraining beim “Timed Up and Go Test”, der Gehausdauer, der Gehgeschwindigkeit und des Gleichgewichts festgestellt. Die Ergebnisse hinsichtlich der optimalen Dosis waren hier uneinheitlich.

Fazit:

Die Studien haben gezeigt: Muskelkraft ist auch bei MS trainierbar und sollte hier, genau wie beim Ausdauertraining, all die positiven Effekte hervorrufen, die am Anfang dieses Artikels für das Krafttraining genannt generell genannt wurden.

Bei der Wahl der für Sie geeigneten Art des Krafttrainings und der Trainingsgeräte oder Hilfsmittel (Hanteln, Theraband etc.) sollten Sie sich von erfahrenen Physiotherapeuten unterstützen lassen. Ein regelmässiges, sich langsam steigerndes Krafttraining ca. 3 mal in der Woche ist sehr empfehlenswert.


Bisher erschienen in dieser Reihe:

Sport, Training und Bewegung bei MS: Eine Einführung

MS, Sport und Immunsystem

Multiple Sklerose und Training – Einfluss auf Symptome der MS


Wenn Sie schon noch mehr zum Thema Sport und MS wissen wollen, sei Ihnen die

🖹 Life-SMS Veröffentlichung: Sport und MS aus dem Jahr 2017 empfohlen, auf die wir in dieser Artikelserie an vielen Stellen zurückgreifen.


Referenzen

[1] Primär des Quadriceps femoris – „vierköpfiger Oberschenkelmuskel“ oder „vierköpfiger Oberschenkelstrecker“, schönes 3D-Modell auf http://flexikon.doccheck.com/de/Musculus_quadriceps_femoris

[2] Dalgas, U., Stenager, E., Jakobsen, J., Petersen, T., Hansen, H. J., Knudsen, C., Overgaard, K., Ingemann-Hansen, T., Nov. 2009. Resistance training improves muscle strength and functional capacity in multiple sclerosis. Neurology 73 (18), 1478-1484. http://view.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19884575

[3] Cruickshank, T. M., Reyes, A. R., & Ziman, M. R. (2015). A systematic review and meta-analysis of strength training in individuals with multiple sclerosis or Parkinson disease. Medicine, 94(4), e411. https://doi.org/10.1097/MD.0000000000000411

[4] Andreu-Caravaca, L., Ramos-Campo, D. J., Chung, L. H., Martínez-Rodríguez, A., & Rubio-Arias, J. Á. (2022). Effects and optimal dosage of resistance training on strength, functional capacity, balance, general health perception, and fatigue in people with multiple sclerosis: a systematic review and meta-analysis. Disability and rehabilitation, 1–13. Advance online publication. https://doi.org/10.1080/09638288.2022.2069295


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Multiple Sklerose und Training – Einfluss auf Symptome der MS

Wir hatten schon im letzten Artikel in dieser Reihe auf verschiedene Facetten des körperlichen Trainings und dessen Auswirkungen auf die Symptomatik aber auch die Pathogenese (Entstehung und Entwicklung von körperlichen und psychischen Erkrankungen) bei MS hingewiesen.

Betrachten wir in diesem Zusammenhang heute kurz fünf ausgewählte Aspekte: Gehbehinderung, Kognition, Fatigue, Depressionen und Lebensqualität.

Krafttraining mit Coaching

Gehbehinderung

Der Verlust der Mobilität zu Fuß ist ein typisches Merkmal der MS und deren Progression. Der Verlust der Gehfähigkeit ist dabei eine der belastendsten und beunruhigendsten Eigenschaften von MS. Folglich legen Patienten mit MS erheblichen Wert auf den Erhalt dieser Funktion. Es gibt klare Hinweise für Verbesserungen der Gehfähigkeit durch gezielte Trainingsübungen bei MS. Dies könnte durch Effekte auf das ZNS hervorgerufen werden (z.B. Integrität von kortikalen oder subkortikalen grauen Gehirnstrukturen wie Thalamus- oder Basalganglien) und/oder periphere physiologische Funktionen (z.B. kardiorespiratorische Kapazität oder Muskelkraft/Ausdauer). Per Definition ist eine Trainingsübung eine Komponente der körperlichen Aktivität, die geplant, strukturiert und über einen längeren Zeitraum wiederholt wird. Der springende Punkt ist dabei die spezifische Ausrichtung des Bewegungstrainings, welche sich am aktuellen Behinderungsgrad und der Fitness des Patienten orientieren muss.

Übereinstimmend zeigt die Studienlage, dass Bewegungstraining einen kleinen, aber wichtigen Effekt auf die Gehfähigkeit bei MS hat. Die Wirkung ist höher, wenn die Trainingsübungen und deren Einhaltung durch Dritte überwacht werden und einem strukturierten Programm folgen [1]. An dieser Stelle ist die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Physiotherapeuten oder Sportcoach mit MS-Erfahrung zu empfehlen.

Zudem haben Studien gezeigt, dass Personen mit Multipler Sklerose (MS), die intermittierend (als häufiger kurze Distanzen mit ausreichend Pausen dazwischen) gehen, weniger ermüden und längere Strecken zurücklegen als Personen, die kontinuierlich an einem Stück gehen. Zudem erhöhten sich die Ausdauer und die Gesamtgehstrecke [2] durch regelmäßiges intermittierendes Training.

Kognition

Eine kognitive Dysfunktion ist eine weitere häufige und belastende Konsequenz von MS und zeigt sich primär in Domänen der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit, des Lernens und des Gedächtnisses sowie der Exekutivfunktionen.

Verschiedene Studien deuten bisher darauf hin, dass aerobes Training die kognitive Leistung durch verstärkte Neuroplastizität in den mit kognitiver Leistung verbundenen Hirnarealen verbessern kann. Insgesamt steckt die Erforschung von Trainingsübungen und Kognition bei MS noch immer in den Anfängen und lässt aufgrund von methodischen Einschränkungen keine unumstößlichen Schlussfolgerungen zu. Ein signifikanter Einfluss ist aber als sicher anzunehmen.

Eine im Januar 2017 veröffentlichte Studie [3] liefert in diesem Zusammenhang gute Hinweise für eine signifikante Assoziation zwischen der kardiorespiratorischen Fitness und der kognitiven Verarbeitungsgeschwindigkeit bei Personen mit MS, die an einer Beeinträchtigung der kognitiven Verarbeitungsgeschwindigkeit leiden. Diese Untersuchung liefert somit die erste direkte Unterstützung für den Ansatz, aerobes Training für das Management und die Behandlung von MS-bezogenen kognitiven Beeinträchtigungen aktiv und erfolgreich zu nutzen. Weiter hat eine aktuelle Pilotstudie [4] aus dem Jahr 2021 des gleichen Studienleiters und anderen Multiple-Sklerose-Forschern gezeigt, dass Laufband-Training ein wirksames Mittel sein kann, um die negativen kognitiven Auswirkungen der Krankheit zu bewältigen.

Fatigue

Fatigue (chronische Müdigkeit) ist eines der häufigsten Belastungssymptome der MS. Fatigue tritt bei fast 80% der Patienten mit MS auf und hat bedeutende Auswirkungen auf die Verschlechterung des neurologischen Status und anderer Symptome wie Depression, Schmerz, Angst und kognitive Beeinträchtigung (Symptomatisches Clustering).

Schon im Jahr 2014 stellten Khan et.al. in einer Studie, die verschiedene Behandlungsformen bei Fatigue untersuchte fest: Nicht-pharmakologische Interventionen (sowohl Bewegung als auch psychologische/trainingsbezogene Interventionen) haben offenbar eine stärkere und signifikantere positive Wirkung auf die Verringerung der Auswirkungen oder des Schweregrads von Fatigue im Vergleich zu den üblicherweise verschriebenen pharmakologischen Wirkstoffen [5].

Dieses Ergebnis ist inzwischen durch eine weitere Metaanalyse [6] bestätigt worden: Die Ergebnisse dieser Studie, zeigen und bestätigen, dass körperliche Bewegung die Fatigue bei MS-Patienten deutlich verringert. Folglich wird ein regelmäßiges Bewegungsprogramm als Teil eines Rehabilitationsprogramms für MS-Patienten dringend empfohlen.

Depressionen

Depression und depressive Symptome sind recht häufige und belastende Symptome, die bei MS auftreten. Zum Beispiel zeigte eine Studie unter Nutzung der Daten von 4178 Personen aus dem britischen MS-Register, dass MS-Betroffene einen durchschnittlichen Wert von 7,6 auf der Krankenhausangst- und Depressionsskala (HADS) im Vergleich zum Referenzwert von 3,7 für die britische Bevölkerung hatten. HADS-Werte von mehr als 7 sind deutliche Hinweise auf substanzielle depressive Symptome.

Die Ergebnisse einer Metaanalyse aus dem Jahr 2015 ergaben eine signifikante Verringerung der Depressionsrate bei körperlichem Training gegenüber der der Kontrollgruppen [7]. Die Studien wurden eingeordnet nach Leitlinien der körperliche Aktivität (PAG). Einhaltung der PAGs bedeutete: 150 Minuten pro Woche Übungen mit moderater Intensität oder 75 Minuten pro Woche von kräftiger Intensität oder eine etwa gleichwertige Mischung aus moderaten und kräftigen Intensitäten der Übung. Die Interventionen, die den körperlichen Aktivitätsleitllinien entsprachen, ergaben einen Gesamteffekt von -0,38 beim HADS, verglichen mit -0,19 für 22 Studien, die nicht den Richtlinien für körperliche Aktivität entsprachen.

Weiter Analysen ergaben in der Zwischenzeit noch deutlich stärkere positive Effekte in Bezug auf depressive Symptome. Training kann also, sofern regelmäßig ausgeübt, Depressionen bei MS signifikant reduzieren.

Lebensqualität (Quality of Life)

Insgesamt behaupten Forscher oft, dass die aktuelle Datenlage für Schlussfolgerungen hinsichtlich der positiven Auswirkungen von Training auf HRQOL-Ergebnisse (gesundheitsbezogene Lebensqualität) bei Personen mit MS nicht ausreichend sei.

Sieht man sich allerdings einzelne Studien und Trainingsmethoden an – auch die weiter oben genannten – werden die Effekte plötzlich mehr als deutlich. Allein die Betrachtung zu den Vorteilen eines progressiven Krafttrainings über 12 Wochen auf Fatigue, Stimmung und Lebensqualität spricht Bände. Alle Punkte verbesserten sich signifikant und wurden über weitere 12 Wochen nach Beendigung des Trainings im Follow-up beibehalten [8].

Fazit: Sport und Training sind eine unverzichtbare Komponente der Lebensstilmaßnahmen bei der Behandlung der Multiple Sklerose und damit ein Muss aber auch eine Herausforderung für jeden Betroffenen. Die positiven Auswirkungen auf die funktionelle Gesundheit und den Behinderungsstatus sind heute eindeutig wissenschaftlich nachgewiesen. Betroffene sollten sich aber keinesfalls übernehmen und besser regelmäßig in Intervallen trainieren und ausreichend Regenerationsphasen zulassen. Suchen Sie sich eine Sport- oder Bewegungsart, die Sie begeistert, nicht überfordert, nur geringes Verletzungsrisiko hat und Erfolgserlebnisse verspricht.


Bisher erschienen in dieser Reihe:

Sport, Training und Bewegung bei MS: Eine Einführung

MS, Sport und Immunsystem


Wenn Sie mehr zum Thema Sport und MS wissen wollen, sei Ihnen auch die

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Referenzen

[1] Motl, R. W., Sandroff, B. M., Sep. 2015. Benefits of exercise training in multiple sclerosis. Current neurology and neuroscience reports 15 (9). URL http://view.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26223831

[2] Herbert Karpatkin, Jaya Rachwani, Rachel Rhodes, Lourdes Rodriguez, Rosie Rodriguez, Anna Rubeo & Evan Cohen (2022) The effect of intermittent vs. continuous walking on distance to fatigue in persons with multiple sclerosis, Disability and Rehabilitation, DOI: 10.1080/09638288.2021.2018055

[3] Sandroff, B. M., Motl, R. W., DeLuca, J., Jan. 2017. The influence of cognitive impairment on the Fitness-Cognition relationship in MS. Medicine and science in sports and exercise. http://view.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28121803

[4] Sandroff, B. M., Wylie, G. R., Baird, J. F., Jones, C. D., Diggs, M. D., Genova, H., Bamman, M. M., Cutter, G. R., DeLuca, J., & Motl, R. W. (2021). Effects of walking exercise training on learning and memory and hippocampal neuroimaging outcomes in MS: A targeted, pilot randomized controlled trial. Contemporary clinical trials, 110, 106563. https://doi.org/10.1016/j.cct.2021.106563

[5] Khan F, Amatya B, Galea M. Management of Fatigue in Persons with Multiple Sclerosis. Frontiers in Neurology. 2014;5:177.URL 10.3389/fneur.2014.00177

[6] Razazian, N., Kazeminia, M., Moayedi, H. et al. The impact of physical exercise on the fatigue symptoms in patients with multiple sclerosis: a systematic review and meta-analysis. BMC Neurol 20, 93 (2020). https://doi.org/10.1186/s12883-020-01654-y

[7] Adamson, B. C., Ensari, I., Motl, R. W., Jul. 2015. Effect of exercise on depressive symptoms in adults with neurologic disorders: a systematic review and meta-analysis. Archives of physical medicine and rehabilitation 96 (7), 1329-1338.
http://view.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25596001

[8] Dalgas, U., Stenager, E., Jakobsen, J., Petersen, T., Hansen, H. J., Knudsen, C., Overgaard, K., Ingemann-Hansen, T., Apr. 2010. Fatigue, mood and quality of life improve in MS patients after progressive resistance training. Multiple sclerosis (Houndmills, Basingstoke, England) 16 (4), 480-490.

http://view.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20194584


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MS, Sport und Immunsystem

Eine große Zahl von wissenschaftlichen, klinischen und epidemiologischen Daten unterstützt das Konzept der positiven und negativen Auswirkungen von Training und Sport auf das Immunsystem. Diese Effekte sind sehr variabel, abhängig von der Art und Intensität der Belastung. Die Belastung auf das Individuum wiederum ist abhängig vom Alter, Gesundheitszustand, Trainingszustand, Geschlecht oder auch Stresslevel, um die wichtigsten zu nennen. Eine detaillierte Angabe zu diesen Belastungsgrößen zu machen, die für alle Menschen gelten soll, kann aus diesen Gründen nicht getroffen werden.

Immunologische Einflüsse bei moderatem Training

Die immunologischen Einflüsse von moderatem Training sind besonders gut bei Infektionen der oberen Atemwege untersucht worden und zeigen einen günstigen Einfluss auf das Immunsystem und eine Verringerung der Inzidenz der Erkrankungen. Nach jeder Periode moderater Bewegung zeigte sich, dass eine Erhöhung von Neutrophilen (Neutrophile Granulozyten sind verantwortlich für die unspezifische Abwehr von Infektionen mit Bakterien und Pilzen und sind an Entzündungsreaktionen beteiligt) und natürlichen Killerzellen auftritt, die für bis zu 3 Std. nach dem Training erhalten bleibt. Wird moderates Bewegungstraining für 12-15 Wochen nahezu täglich fortgesetzt, verringert sich die Anzahl der “Symptom-Tage” mit Atemwegsinfektionen um 25-50 Prozent im Vergleich zu Personen ohne Training. Neuere Untersuchungen zeigen, dass durch moderate körperliche Belastung ausgelöste Modulationen im Immunsystem das Risiko von Herzerkrankungen, bestimmte Arten von Krebs, Typ-2-Diabetes, Arthritis und Hautalterung sinkt [1].

Die Beweislage indiziert hier, dass ein aktiver Lebensstil bei günstiger Körperzusammensetzung (Relation von Muskulatur zu Fettgewebe) die Gefahr von chronischen systemischen Entzündungen reduziert, was einen Hauptfaktor chronischer Krankheiten darstellt. Dieser aktive Lebensstil und die günstige Immunmodulation werden unterstützt durch Stressmanagement, nährstoffreiche Ernährung, gesunde Schlafhygiene und regelmäßigem Aufenthalt (Bewegung!) in freier Natur (plus Sonnenlichtexposition). Anders ausgedrückt, können Muskeln als endokrine Organe im erweiterten Sinne verstanden werden. Bewegung und Training haben einen essentiellen Einfluss auf regulatorische Prozesse im Körper und besonders auch im Immunsystem. Das gilt genauso für die MS.

Immunsystem und Trainingsintensität

Vergleich des Sepsis-induzierten verus Übungs-induzierten Anstiegs der zirkulierenden Zytokine. Während der Sepsis kommt es zu einem deutlichen und raschen Anstieg des zirkulierenden Tumornekrosefaktors (TNF) -α, dem ein Anstieg des Interleukins (IL) -6 folgt. Im Gegensatz dazu ist der deutlichen Zunahme von IL-6 während des Trainings kein erhöhtes TNF-α vorangestellt [2].

Gegenteilig zu den beobachteten Effekten eines moderaten sportlichen Trainings oder Bewegungstrainings, zeigt ein intensives bis hochintensives Training eine Erhöhung der Infekthäufigkeit und sogar eine gewisse Immunsuppression (siehe Abbildung, drastischer Anstieg des Entzündungsmakers Interleukin 6 während des Trainings). Dies trifft vor allem bei anaeroben Belastungen zu, wie sie zum Beispiel bei intensiven, wiederholten Tempoläufen entstehen, die hohe Laktatspiegel provozieren. Extrem lange Belastungen und solche mit hohen exzentrischen Anteilen sind in diesem Zusammenhang ebenfalls zu nennen.

Auch bei diesem Punkt wirken natürlich wieder Lebensstilfaktoren mit ein, denn die oben genannten negativen Effekte verstärken sich durch starke und andauernde psychische Beanspruchungen, wie sie auch durch Wettkampfstress entstehen können.

Eine besondere Beachtung verdient auch die Regenerationsphase nach einer Trainingsbelastung, sowohl in Qualität als auch in Quantität. Eine überdauernde Missachtung der Regenerationszeit kann im schlimmsten Falle zu einem sogenannten Übertraining führen, vergleichbar mit einer Burn-out Erkrankung.

Symptomatische Auswirkungen von Sport und Training bei MS

Der Zusammenhang zwischen Bewegung und dem ICF (International Classification of Functioning, Disability and Health) Modell der MS-Pathogenese / Abkürzungen: *VO2max, Maximale Sauerstoffaufnahme [3]

Die obige Abbildung (ICF-Modell) versucht die Zusammenhänge zwischen dem Bewegungsverhalten (Sport, Training und Lebensstil) und der MS-Pathogenese (Entstehung und Entwicklung der MS mit allen daran beteiligten Faktoren) bildlich zu verdeutlichen. Das ICF-Modell skizziert die Konsequenzen der MS-Pathogenese, einschließlich der Effekte auf Körperstrukturen und -funktionen sowie auf Aktivität und gesellschaftlicher Teilnahme des Patienten. Bewegung kann positive Effekte auf all diese Bereiche haben, vom Einfluss auf zelluläre Prozesse (z.B. Entzündungshemmung) bis hin zu verbesserter Teilhabe des Patienten an sozialen Interaktionen.

Fazit

Wie schon im ersten Artikel zu dieser Themenreihe erwähnt, sollten sich gerade MS-Erkrankte beim Training und bei sportlichen Betätigungen auf keinen Fall überfordern, sondern durch moderates Kraft-, Koordinations- und Ausdauertraining versuchen langsam die eigene körperliche Leistungsfähigkeit zu steigern bzw. zu stabilisieren. Infekte, die durch ein über Leistungssport supprimiertes Immunsystem eingefangen werden, sind Gift für die persönliche Gesundwerdung.

Wir werden uns bei den folgenden Artikeln auf den Einfluss von Sport und Training auf die Körperfunktionen (insbesondere Mentalfunktion, Muskelkraft und Gleichgewicht), die Gehleistung und auf die Lebensqualität bei MS-Erkrankten konzentrieren.


Bisher erschienen in dieser Reihe:

Sport, Training und Bewegung bei MS: Eine Einführung


Wenn Sie schon jetzt mehr zum Thema Sport und MS wissen wollen, sei Ihnen die

🖹 Life-SMS Veröffentlichung: Sport und MS aus dem Jahr 2017 empfohlen, auf die wir in dieser Artikelserie an vielen Stellen zurückgreifen werden.

➡️ Im nächsten Artikel wird es darum gehen, auf welche MS-Symptome Sport und Training einen wesentlichen Einfluss haben.

Referenzen:

[1] Nieman, D. C. (2011). Moderate Exercise Improves Immunity and Decreases Illness Rates. American Journal of Lifestyle Medicine, 5(4), 338-345. doi:10.1177/1559827610392876

[2] Pedersen, B. K., Febbraio, M. A., Oct. 2008. Muscle as an endocrine organ: focus on muscle-derived interleukin-6. Physiological reviews 88 (4), 1379-1406.

URL http://dx.doi.org/10.1152/physrev.90100.2007

[3] Nach: Motl, R. W., Pilutti, L. A., Sep. 2012. The benefits of exercise training in multiple sclerosis. Nature reviews. Neurology 8 (9), 487-497.

URL http://view.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22825702


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Sport, Training und Bewegung bei MS: Eine Einführung

In diesem und den in loser Reihenfolge folgenden Artikeln werden wir uns mit der Frage beschäftigen, was Sport, Training und Bewegung für die Behandlung der Multiplen Sklerose und die Wiederherstellung verloren gegangener Fähigkeiten bedeuten können?

Photo by Anupam Mahapatra on Unsplash

Wir werden die Begriffe “Sport” und “körperliches Training” synonym verwenden. Sie bezeichnen wiederholte, progressive körperliche Aktivitäten, die eine Anpassung des Körpers an erhöhte Belastung fördern. Diese Anpassungsvorgänge finden entweder in den Bereichen des Herz-Kreislaufsystems (verbesserte Kreislauf- und Stoffwechselfunktionen) statt, im Bereich der Muskulatur (Hypertrophie, Substratverwertung und Zellstoffwechsel), neurologisch (Koordination, Nervenreizleitungsgeschwindigkeit, Reflexe, Tiefensensibilität) oder in den entsprechenden Kombinationen.

Zusätzlich sind gerade im Falle der MS auch nachgewiesene positive Auswirkungen auf die Psyche, die kognitiven Funktionen und Fatigue wünschenswerte Effekte. Wer an Studien zum Thema MS und Sport oder Training interessiert ist, findet eine Auswahl auf der Seite Interventionsstudien in der Kategorie Sport und Bewegung.

Warum Sport und Training bei MS?

Durch die neurologischen, entzündlichen Prozesse der Demyelinisierung an den Axonen der Nervenzellen sind die physiologischen und mentalen Auswirkungen der Krankheit MS vielfältig. Körperliche Funktionen sind oft eingeschränkt, so zum Beispiel kardiovaskuläre Funktionen (Herz-Kreislaufsystem), neuromuskuläre Funktionen (Muskelschwäche und Einschränkungen des Gehens) und sensorische Funktionen (Einschränkungen in der Balance, Missempfindungen) summieren sich auf und führen zu mehr Inaktivität. Durch diese Inaktivität aber werden die physiologischen Auswirkungen verstärkt, ein Teufelskreis entsteht. “Use it or lose it” bedeutet für alle Menschen, dass Funktionen oder Systeme abgebaut werden, die unterhalb einer gewissen Reizschwelle genutzt werden.

Inaktivität und Bewegungsmangel sind ein eigenständiger Risikofaktor zur Entwicklung chronischer Erkrankungen. Das wird heute in unzähligen Studien belegt.

Bewegung und Sport sind entscheidend zur Entwicklung und Aufrechterhaltung der kardiorespiratorischen, muskulären, neurologischen, kognitiven, psychischen, hormonellen und metabolischen Gesundheit aller Menschen.

Die logische Frage, die sich nun stellt, ist: Welche Effekte können bei Menschen mit Multipler Sklerose durch ein körperliches Training erzielt werden – und ist es möglich, den körperlichen und/oder gar den mentalen Funktionseinschränkungen, wie zum Beispiel der Fatigue, Depression oder kognitiven Einschränkungen, entgegenzuwirken? Die Antwort – soviel sei vorweggenommen – ist „ja“!

Freude an der Bewegung

Bewegung bedeutet Lebensqualität, Erhaltung der Selbständigkeit, Erfahrung der Selbstwirksamkeit und ist rundum ein menschliches Grundprinzip. Wir sind eine Kombination von Körper und Geist, was uns natürlich schmerzlich bewusst wird, gerade wenn Alltagsbewegungen nicht mehr uneingeschränkt möglich sind oder sogar stetige Schmerzen verursachen.

Unser Alltag wird leider stetig bewegungsärmer. Irgendwo auf dem Weg zum Erwachsenwerden geht unsere kindliche Bewegungsfreude verloren, manchmal sogar schon vorher. Sport und Bewegung wirken stressreduzierend und können die Psyche regulieren, Glückshormone wollen ausgeschüttet werden! Das kann aber nur sinnvoll funktionieren, wenn mir auch gefällt, was ich da tue. Über kurz oder lang werde ich sonst das Bewegungstraining boykottieren und gute Gründe finden, aufzuhören. Das gilt natürlich insbesondere bei körperlichen Einschränkungen.

Das bedeutet: Die kindliche Bewegungsfreude in uns muss also wieder irgendwie mit an Bord! Es gibt immer mehr unterschiedliche Sportarten, outdoor oder indoor, in Gemeinschaft oder allein in der Natur, mit vielen Gadgets oder ohne, mit Trainer, im Verein oder selbst gesteuert. Die Möglichkeiten, etwas zu finden, das auch Freude macht, sind größer denn je. Bewegung KANN und SOLL wieder Spaß machen und es soll auch Ziel dieser Artikelserie und des Trainings sein, ein Stück weit dazu zu motivieren, die Freude an der Bewegung wieder zu entdecken und zu erleben.

FAZIT: Es muss auf keinen Fall ein Marathon sein, regelmäßiges Kraft-, Ausdauer- und/oder Koordinationstraining gemäß den eigenen Möglichkeiten und Interessen können völlig ausreichen, um den oben geschilderten Teufelskreis zu durchbrechen. Setzen sich erreichbare Bewegungs- oder Trainingsziele, die Sie, wenn irgend möglich, langsam steigern. Wenn es Ihnen hilft, besorgen Sie sich einen möglichst einfachen Schritt- oder Bewegungszähler und notieren Sie die Ergebnisse, Fortschritte aber auch Rückschläge. Das hilft das eigene ideale Bewegungsfeld und -niveau zu finden. Die heute verfügbaren APPs – mit allen möglichen Messdaten und Features – sind etwas für Sportbessene und Hochleistungssportler. MS-Betroffene mit körperlichen Einschränkungen werden dadurch eher demotiviert.

Mehr über Sport, Bewegung und MS

Zu diesem Themenkomplex sei Ihnen die kostenlose

🖹 Life-SMS Veröffentlichung: Sport und MS aus dem Jahr 2017 empfohlen, auf die wir in dieser Artikelserie an vielen Stellen zurückgreifen werden.

➡️ Im nächsten Artikel wird es um Sport, Bewegung und das Immunsystem gehen


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Auf welche Themen soll ich mich denn konzentrieren? Therapiestress vermeiden!

MS-Betroffene stehen vor einem Dilemma: die Schulmedizin bietet nur sehr beschränkte Lösungen (bisher ohne Heilungsperspektive) an und von komplementärmedizinischen Ratschlägen – durchmischt mit Scharlatanerie – wimmelt es im Netz.

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Grundsätzlich gilt:

  • MS ist eine multifaktorielle Erkrankung und nur durch eine patientenspezifische Betrachtung beherrschbar oder im Einzelfall sogar heilbar.
  • Die ausschlaggebenden Faktoren sind bei fast jeder Patientin und bei jedem Patienten andere und im Allgemeinen nicht eindeutig identifizierbar.
  • Es gibt aber Gemeinsamkeiten und Gruppen von Faktoren, die heute schon bekannt sind und insofern über Lebensstilmaßnahmen modifiziert werden können. Auch diese Faktoren sind im Detail sehr vielfältig, sodass es für den Einzelnen schwierig ist, den für ihn idealen Stabilisierungs- und Genesungsweg zu finden.

Dennoch gibt es Leitplanken, die Betroffenen helfen können, den selbstbestimmten Kurs zu finden. Zunächst gilt es sich auf wesentliche Faktoren zu konzentrieren und somit der 80/20-Regel bzw. dem sogenannten Pareto-Prinzip zu folgen. Diese wesentlichen Faktoren sind heute aufgrund vieler Studien relativ gut bekannt. In der folgenden Liste sind diese, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, zusammengefasst.

8 wesentliche Faktoren

  • Vitamin D und Sonne
  • Gesunde Darmflora
  • Ausreichende und regelmäßige Bewegung (je nach den eigenen Möglichkeiten)
  • Antientzündliche und antioxidative Ernährung
  • Mentale Ausgewogenheit und Stressreduktion
  • Gesunder Schlaf
  • Soziale Aktivität und sinnhafte Arbeit (nicht zwingend bezahlt)
  • Reduktion und Minimierung der Schadstoffbelastung

Die bewusste Beachtung dieser Faktoren über die Umsetzung im eigenen Lebensstil ist zumindest auf der obersten Ebene mit überschaubaren Anstrengungen machbar.

Vitamin D und Sonne: Hier reicht es zunächst einen Zielwert für den Vitamin D-Spiegel im Serum zwischen 60 und 90 ng/ml zu erreichen und zusätzlich so oft wie möglich und regelmäßig das Sonnenlicht zu genießen (Sonnenbrände sind zu vermeiden).

Siehe auch Faktenblatt Vitamin D und Sonne

Bewegung und Sport: An dieser Stelle bestimmen die eigenen Möglichkeiten und das eigene Interesse die Auswahl des geeigneten Trainingsformats. Geeignetes Training fördert immens die Neuroplastizität, verhindert oder vermindert eine Insulinresistenz und verbessert Kraft und Koordination.

Siehe auch: Faktenblatt Sport und MS

Gesunde Darmflora: Zugegeben, kein einfaches Kapitel und eng mit der Ernährung verbunden. Hier helfen ein Verzicht auf Industriezucker und andere einfache Kohlenhydrate sowie bei vielen Erkrankten ein Verzicht Nahrungsmittel die Gluten und Weizenproteine enthalten. Eine Supplementierung mit Propionsäure ist anzuraten.

Siehe auch: Faktenblatt Darmflora und MS, Die kurzkettige Propionsäure beweist erneut ihr Potential in der MS-Behandlung und Geben Sie der “Gluten-Freiheit” eine Chance.

Antientzündliche und antioxidative Ernährung: Hier geht es unter anderem um eine kohlenhydratarme, ballaststoffreiche Ernährung sowie um den Verzehr von pflanzlichen Lebensmitteln mit einem hohen Gehalt an Polyphenolen und Flavonoiden. Auf Industriezucker oder “Life-Style-Getränke” muss soweit wie irgend möglich verzichtet werden. Gesunde Fette und Öle (Omega 3-Öl vorzugsweise aus Algen) sowie Olivenöl und Kokosöl sind ein Muss bei gleichzeitigem Verzicht auf industrielle Transfette und eine Reduktion der Aufnahme von Omega-6-Fettsäuren. Hinzu kommt dann noch eine patientenspezifische Supplementierung mit Mikronährstoffen, die mit einem ganzheitlich arbeitenden Therapeuten, der nach den Prinzipien der funktionellen Medizin arbeitet, besprochen werden sollte.

Siehe auch: Faktenblatt: Zucker und MS sowie Faktenblatt Fettsäuren und MS

Mentale Ausgewogenheit und Stressreduktion: Hier helfen Meditationstechniken wie Mindfulness-Meditation oder auch Yoga und andere Entspannungsmethoden. Aber auch das Spielen eines Instruments, das Singen oder auch nur der Musikgenuss sind hervorragende Methoden den überschießenden Cortisolspiegel im Zaum zu halten und die Genauslese in Richtung antientzündlicher Vorgänge zu modulieren.

Siehe auch: Warum sich Mindfulness- oder Achtsamkeitstraining lohnt!

Gesunder Schlaf: Ganz einfach ausgedrückt – ausreichender Schlaf hat eine heilende Wirkung. Es ist bekannt, dass Schlafstörungen bei MS-Patienten deutlich häufiger vorkommen, als in der Allgemeinbevölkerung. Insofern sind Maßnahmen zur Verbesserung des Schlafes ein Pflichtprogramm für Betroffene. Hier kann es sich lohnen, professionelle Hilfe (von Medizinern oder Schlafcoaches etc.) in Anspruch zu nehmen.

Siehe auch: Die Bedeutung des Schlafhormons Melatonin bei neurodegenerativen Erkrankungen – der zirkadiane Rhythmus, unentbehrlich für die Gehirnfunktion

und generell zum Verständnis: Gesunder Schlaf (bei unserem Schwesterprojekt Kompetenz statt Demenz)

Soziale Aktivität und sinnhafte Arbeit: Dieser Faktor wird leider oft unterschätzt. Suchen Sie sich eine Aufgabe, die Sie begeistert und teilen Sie die Aufgabe und deren Ergebnisse mit anderen Menschen. Falls das Ganze generationenübergreifend erfolgt, umso besser. Zusätzliche erfüllte Lebensjahre sind dann sehr wahrscheinlich.

Siehe auch: Prof. Dr. Gerald Hüther – Gelassenheit hilft: Anregungen für Gehirnbenutzer (ddn 2009)

Reduktion und Minimierung der Schadstoffbelastung: An dieser Stelle sollten Sie einen Umweltmediziner zur Rate ziehen. Rauchen, Schwermetallbelastung und verschiedene aromatische Kohlenwasserstoffe sind Gift für Ihr Immunsystem und Ihren Körper.

Siehe auch: Dr. Stefan Dietsche zum Thema „Schadstoffe und Psyche“ und Tabakrauchen und MS-Progression: ein sofort vermeidbarer Faktor!


Selbstverständlich erfordern diese Felder im Einzelfall eine Beschäftigung mit den Details, dennoch geben sie Ihnen hoffentlich ein Rüstzeug und nötige Leitplanken auf dem Weg in die eigenverantwortliche und lebensstilorientierte Behandlung der MS.

Mindmap der Life-SMS Methodik

Zur Beschäftigung mit den Details empfehlen wir unsere Mindmap der Life-SMS Methodik, die Sie hier finden:

Ein Klick auf das “Thumbnail” öffnet die interaktive Kompetenzkarte in einem neuen Fenster.

Abschließend noch ein Tipp:

Vermeiden Sie Therapiestress, das heißt, wenn Sie mit einer Maßnahme angefangen haben, geben Sie sich Zeit um eine Wirkung zu spüren, springen Sie nicht von einem Supplement, einer Ernährungsweise, einer Trainingsart und einer Methodik zur Stressreduktion zur nächsten (sofern Sie keine negativen Wirkungen erfahren) und hören Sie in sich hinein. Ihr Körper und Ihr Geist werden Ihnen in aller Regel helfen, den für Sie gangbaren Weg zu finden. Aber scheuen Sie sich auch nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

In diesem Sinne bleiben und werden Sie gesund und folgen uns weiter!

Ihr

Life-SMS Team


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Helfen Medikamente gegen Fatigue bei Multipler Sklerose? Nicht besser als Placebo!

Wer von Multipler Sklerose betroffen ist, leidet häufig unter schwächender Müdigkeit (Fatigue), die es nicht selten unmöglich macht, grundlegende Alltagsaufgaben zu meistern. Hierdurch entsteht großer Leidensdruck und es verwundert nicht, dass zahlreiche Betroffene Abhilfe durch die Einnahme von Medikamenten suchen. Doch wie sinnvoll ist der pharmakologische Einsatz in diesem Fall überhaupt?

Photo by Ben White on Unsplash

Noch immer ist das weit verbreitete Symptom der MS-Fatigue in seiner Komplexität und seinen subjektiven Ausprägungen nicht gänzlich verstanden. Häufig werden sekundäre Ursachen, wie Schlafstörungen, Depressionen und Nebenwirkungen von Medikamenten in den Vordergrund gestellt, doch diese Faktoren sollten nicht mit der primären Fatigue verwechselt werden. Bei dieser handelt es sich um einen subjektiven Mangel an körperlicher oder geistiger Energie, der in direktem Zusammenhang mit dem Krankheitsprozess der Multiplen Sklerose steht.

Zahlreiche Theorien über die Ursachen der primären Fatigue wurden bereits formuliert. So wurden z.B. die Auswirkungen von entzündlichen Zytokinen, Anomalien der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse und kardiovaskuläre Dysregulationen untersucht, um dem Phänomen auf die Spur zu kommen. Jedoch gibt es bis heute keine Einigkeit bezüglich des Krankheitsvorgangs. Vieles liegt immer noch im Dunkeln. Dieser Mangel an Wissen führt dazu, dass es für Betroffene schwierig ist, eine geeignete Behandlung und den richtigen therapeutischen Ansatzpunkt zu finden.


Für Neugierige und Unterstützer: Spendenaktion der Akademie für menschliche Medizin zugunsten Life-SMS im Dezember … hier geht es zu den Details!

Behandlung der Fatigue bei MS

Die derzeitige medizinische Behandlung der MS-spezifischen Fatigue umfasst Ernährung, Bewegung, Verhaltensintervention wie auch die pharmakologische Behandlung. Es gibt Hinweise darauf, dass eine nicht-pharmakologische Therapie wirksam ist, um die Fatigue zu kontrollieren und zu minimieren. Gleichzeitig sind Belege, die den Einsatz von Medikamenten gegen Fatigue legitimieren sollen, minimal und widersprüchlich.

Nicht selten kommen bei der Behandlung der Fatigue Medikamente zum Einsatz, die eigentlich für andere Zwecke zugelassen wurden. Dieser Off-Label-Einsatz ist eher die Regel als die Ausnahme. Amantadin, Modafinil und amphetaminähnliche Stimulanzien (wie Methylphenidat und Amphetamin/Dextroamphetamin) gehören zu den am häufigsten verwendeten Medikamenten.

Ergebnisse der pharmakologischen Behandlung gleich Null

Sowohl Amantadin als auch Modafinil wurden in mehreren klinischen Studien zur Fatigue mit sehr widersprüchlichen Ergebnissen getestet: Einige Studien zeigten eine positive Wirkung, während andere keinen Nutzen zeigten. Methylphenidat wurde nie in einer randomisierten klinischen Studie für MS-bezogene Müdigkeit getestet. Solch frustrierende Ergebnisse halten viele Ärzte jedoch nicht davon ab, diese Medikamente weithin zu verschreiben.

Eine neue Studie, die kürzlich in der Fachzeitschrift JAMA Neurology veröffentlicht wurde (1), will nun endlich Licht ins Dunkel bringen und stellt den tatsächlichen Nutzen von Medikamenten zur Behandlung der Müdigkeit bei MS-Patienten in Frage. Die Studie verglich Amantadin, Modafinil und Methylphenidat miteinander und mit Placebo. Das Ergebnis ist überraschend: Keines der getesteten Medikamente war bei der Verbesserung der MS-bezogenen Fatigue dem Placebo überlegen. Dies bedeutet, dass der von den Patienten berichtete Nutzen dieser Medikamente weitestgehend als Placebo-Effekt eingestuft werden muss und nicht auf eine Wirkung des Medikaments selbst zurückzuführen ist.

Die Autoren der Studie stellten zudem fest, dass der Anteil jener Teilnehmer, die über unerwünschte Ereignisse (Nebenwirkungen) berichteten, bei Amantadin, Modafinil und Methylphenidat im Vergleich zu Placebo höher war. Dies sind keine guten Argumente für eine medikamentöse Behandlung der Fatigue.

Nicht-medikamentöse Behandlungsformen mit positiven Ergebnissen

Auf der anderen Seite wurden bereits verschiedene nicht-medikamentöse therapeutische Strategien untersucht, die eindeutige Vorteile zeigten: Vitamin A verbesserte Ermüdungssymptome bei MS-Patienten im Vergleich zu Placebo (2). Verschiedene Ernährungsinterventionen, Übungsprogramme und kognitive Verhaltensberatung haben ebenfalls Vorteile gezeigt. So zeigte zum Beispiel eine kürzlich durchgeführte Studie (3), die einen hohen Verzehr von Gemüse und Obst empfahl, den Verzehr von tierischem und pflanzlichem Eiweiß förderte und Lebensmittel mit glutenhaltigem Getreide, Milchprodukten und Eiern ausschloß, eine signifikante Verringerung der Ermüdungssymptome. Frühere Studien mit pflanzlicher Ernährung (4) und andere Ernährungsinterventionen haben ähnlich positive Ergebnisse gezeigt.

Ganz ausschließen lässt sich nicht, dass auch hier der Placebo-Effekt eine Rolle spielt. Doch auch wenn die positiven Effekte von nicht-pharmakologischen Interventionen auf solche Placebo-Effekte zurückzuführen sind, sind Nebenwirkungen nicht vorhanden. Allein dies ist schon als Vorteil zu werten.

Fazit: Behandelnde Ärzte sollten erkennen, dass Interventionen, wie z.B. Übungsprogramme, die Umstellung auf eine gesunde Ernährung, die Teilnahme an kognitiver Verhaltensberatung oder die Teilnahme an Gruppenschulungsprogrammen über Multiple Sklerose, die Fatigue ohne die Nebenwirkungen von Medikamenten verbessern können. Nicht-pharmakologische Maßnahmen sollten bei der ärztlichen Beratung hervorgehoben und ordnungsgemäß verschrieben werden – sie sind die derzeit effizienteste Behandlung für Fatigue bei MS, wie die genannten Studien eindeutig belegen. Sollte Ihr Arzt diese Ergebnisse nicht kennen oder verneinen, empfiehlt sich eine zweite Meinung einzuholen.


Literaturhinweise:

  1. Nourbakhsh B, Revirajan N, Morris B, et al. Safety and efficacy of amantadine, modafinil, and methylphenidate for fatigue in multiple sclerosis: a randomised, placebo-controlled, crossover, double-blind trial. Lancet Neurol. 2020 Nov 23:S1474-4422(20)30354-9.
  2. Bitarafan S, Saboor-Yaraghi A, Sahraian MA, et al. Effect of Vitamin A Supplementation on fatigue and depression in Multiple Sclerosis patients: A Double-Blind Placebo-Controlled Clinical Trial. Iran J Allergy Asthma Immunol. 2016 Feb;15(1):13-9.
  3. Fellows Maxwell K, Wahls T, Browne RW, et al. Lipid profile is associated with decreased fatigue in individuals with progressive multiple sclerosis following a diet-based intervention: Results from a pilot study. PLoS One. 2019 Jun 18;14(6):e0218075
  4. Yadav V, Marracci G, Kim E, Spain R, et al. Low-fat, plant-based diet in multiple sclerosis: A randomized controlled trial. Mult Scler Relat Disord. 2016 Sep;9:80-90.

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Gastbeitrag: Aktiv gegen MS – What makes you running?

Ein Mutmach-Beitrag von Insa*

What makes you running?“ – wurde ich vor kurzem in einem Fragebogen gefragt. Meine Antwort: Den Kopf frei bekommen. Draußen sein. Fit bleiben. Sich stark fühlen. Damit können sich wohl 99 % aller LäuferInnen identifizieren.
Doch es gibt noch einen anderen Grund, warum ich laufe. Denn 2018 wurde bei mir Multiple Sklerose diagnostiziert. MS – eine Krankheit, die ja erst einmal nicht so viel mit Laufen zu tun hat, eher im Gegenteil. Heute trainiere ich für einen Halbmarathon und meinen ersten Marathon im September und bin schneller als je zuvor. Wie das kam? Davon möchte ich euch heute erzählen.

image: Insa beim Training
Insa beim Training

Aktiv gegen MS – meine Heilungsreise

„MS, sitzt man damit nicht irgendwann im Rollstuhl?“ – wurde ich neulich mal wieder gefragt. Klar, das kann passieren. Doch ich bin eine Kämpferin und habe mich damals, als ich die Diagnose bekommen habe, dazu entschieden, selbst aktiv zu werden und alles, was in meiner Macht steht zu tun, um gesund zu sein und zu bleiben.

Dass man selbst aktiv werden kann und einiges für seine Gesundheit tun kann, auch in Ergänzung zur Schulmedizin, habe ich durch meine Amenorrhö gelernt. Amenorrhö ist, wenn die Periode ausbleibt für einen Zeitraum von mehr als 3 Monaten. Bei mir war das mehr als zwei Jahre der Fall, von Sommer 2015 bis Ende 2017. Die Ärzte konnten mir nicht helfen. Ihre einzige Idee: Zurück zur Pille. Doch ich wollte keine künstlichen Hormone mehr nehmen und verstand die Amenorrhö als Zeichen meines Körpers, das gerade etwas nicht in Balance ist. Meine Heilungsreise begann ich auf meinem Blog www.prettyprettywell.com zu dokumentieren, mit dem ich mittlerweile schon vielen Frauen dabei helfen konnte, ihre Periode zurück zu bekommen. Heute vermute ich, dass meine Amenorrhö damals bereits etwas mit meiner späteren MS-Diagnose zu tun hatte.

Ich wollte zunächst einfach nur heilen. In Ruhe. Und die Diagnose so weit wie möglich ignorieren.

Mit der MS-Diagnose durchlief ich einen ähnlichen Prozess wie bei meiner Amenorrhö damals – erst ignorierte ich das Ganze. Dann wurde ich wütend, traurig, whatever. Schluchzte: Warum ich?! Dann krempelte ich die Ärmel hoch und machte mich auf meine Heilungsreise.

Die Macht der Worte

Auch mithilfe von lsms.info und Sven Böttcher begann ich Dinge zu identifizieren und zu ändern, die bei mir wahrscheinlich mit zum Ausbruch der Krankheit geführt haben.

Zudem war direkt für mich klar, mir nur positive Geschichten von Menschen, die ebenfalls mit MS diagnostiziert wurden, anzuhören und ich verzichtete komplett darauf, mich durch Foren und Chats im Internet zu klicken. Wenn Freunde und Bekannte von meiner Diagnose hörten und dann anfingen mit: „ah ich kenne auch jemanden mit MS…“, dann sagte ich immer zuerst: „Ist es eine gute Geschichte, oder nicht? Denn sonst möchte ich sie nicht hören.“ Das mag naiv klingen. Doch es war mein Rettungsanker damals, 2018, als meine Nerven blank lagen und ich mich langsam erholte.

Als Marketing-Frau, Bloggerin und Yogini weiß ich: Worte können mächtig sein. Deswegen sage ich auch NIE: Ich habe MS. Sondern immer: Ich wurde damit diagnostiziert. Selbst bei Ärzten habe ich schon Überweisungsscheine reklamiert. Auf einem stand mal: „blablabla wegen akuter Schübe.“ Das habe ich sofort ändern lassen. Denn den Schuh von Schüben im Plural ziehe ich mir nicht an, bislang hatte ich einen Schub und das soll gefälligst auch so bleiben.

Warum ich laufe

Ich war schon immer eine Läuferin – zu Schulzeiten als Leichtathletin, während Studium und meiner Arbeit als Marketing-Strategin zum Ausgleich. Eben zu besagtem Kopf frei kriegen, draußen sein, fit bleiben und sich stark fühlen.
Ich liebte schon immer das Gefühl, wenn man morgens vor die Haustür geht, die ersten Atemzüge im Freien nimmt und dann lostrabt, die ersten Meter läuft, bis man ein Stück Grün erreicht.
Ich liebte es, die Musik aufzudrehen und mich von Florence and the Machine & Co. durch den Park tragen zu lassen – so muss es sich anfühlen zu fliegen.
Ich liebte es, mit noch klopfendem Herzen und weiten, freien Lungen nach einem Lauf nach Hause zu kommen und meine Muskeln zu spüren.

Laufen als Therapie

Um mit der ganzen MS-Sache klarzukommen, habe ich ebenfalls 2018 eine Therapie angefangen, eine Gesprächstherapie. Das war gut und ich habe auch recht viel geweint jedes Mal am Anfang. Doch mit meiner zunehmenden Genesung wurden die wöchentlichen Termine „auf der Couch“ immer mühseliger. Ich merkte: Das, was ich brauchte, war keine Gesprächstherapie. Ich brauchte das Laufen! So brach ich die Therapie ab und schwor mir, meine Montagabende von nun an statt auf der Couch draußen beim Laufen zu verbringen.
Long runs statt Therapie! Oder besser: Long runs als Therapie.
(Ich spreche hier nur aus meiner Erfahrung. In vielen Fällen macht eine Therapie sicherlich absolut Sinn und wahrscheinlich sollte jeder mal ein paar Stunden „auf der Couch“ verbringen. Bei mir hat es schließlich auch mehr als 20 Sessions gedauert bis ich gesagt habe: Ok, ich glaube es reicht jetzt.)

Meine Entscheidung habe ich noch keinen einzigen Tag lang bereut. Das Laufen macht einfach so sehr meinen Kopf frei und bringt mich zurück in meine Kraft. Das Laufen ist meine Rettung und ich glaube auch, dass es sich positiv auf meine Hormonbalance auswirkt. Noch viel mehr, seit ich eine neue Laufgruppe gefunden habe! Auch diese Gemeinschaft von gleichgesinnten Powerfrauen ist es, die zu meiner Heilung beiträgt.

So geht es mir heute

Heute, fast 2 Jahre nach meiner Hiobsbotschaft, fühle ich mich stärker als je zuvor. Mir geht es sehr gut, das zeigen nicht nur mein Symptomtagebuch, sondern auch meine letzten MRT-Berichte: Die Krankheit befindet sich in Remission steht da, ist also am Abklingen. Keine neuen Entzündungen.

Sicherlich habe ich das meiner Gluten- und Kuhmilch-freien Ernährung, Supplements, Meditation und Mindset-Arbeit, wenig Disstress (der schlechte Stress) und auch meiner Basistherapie mit Ocrevus zu verdanken, die ich bis letzten August gemacht habe, zuletzt mit einer halben Dosis. Und sicherlich haben auch das Laufen und Sport im Allgemeinen, inklusive Yoga, einen großen Teil dazu beigetragen.

Trotzdem bleibt natürlich ein bisschen Angst immer zurück. Das Damoklesschwert einer solchen Diagnose wird wohl mein Leben lang über mir schweben. Was aber auch ok ist; denn es erinnert mich jeden Tag daran, wie endlich das Leben ist und wie dankbar man für jeden Tag sein kann, der einem geschenkt wird.

Dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, den Marathon im September in Berlin zu laufen, mein erster bislang. Über meine Laufreise berichte ich auf Instagram @prettyprettywell und in einer monatlichen Kolumne in der Fit For Fun.

Und obwohl das Laufen schon immer wichtig für mich war, so hat es mittlerweile eine neue Bedeutung für mich hinzugewonnen. Denn ich laufe nicht mehr nur für mich und meine Gesundheit, sondern möchte auch allen anderen zeigen, dass eine solche Diagnose kein Weltuntergang sein muss. Sondern, dass es auch eine Chance sein kann.

In dem Sinne: Lasst es euch gut gehen, Pretties!

Und kommt gern zum Anfeuern am 27. September 2020 nach Berlin, ich freue mich.

Eure Insa


Insa ist 32 Jahre alt und lebt als Bloggerin, freie Journalistin & Yoga-Lehrerin in Berlin. 2018 wurde bei ihr eine schubförmige MS diagnostiziert – ein Schock, der schließlich ihre Leidenschaft zum Laufen neu entfachte. Unter dem Motto „Jetzt erst recht!“ trainiert sie für ihren ersten Marathon im September – und ist so schnell wie nie zuvor.

*Der Text ist ein Auszug aus der zweiten Auflage der Life-SMS Veröffentlichung “MS ist keine Einbahnstraße”, die noch vor dem Sommer in diesem Jahr erscheinen soll.

Mehr zum Thema Sport bei MS auch in unserem aktuellen Faktenblatt!

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Einfache Schutzmaßnahmen für den Nachwuchs von MS-Betroffenen: Fettleibigkeit und Vitamin D-Mangel vermeiden

Mehrere frühere Beobachtungsstudien haben gezeigt, dass ein erhöhter Body-Mass-Index (BMI) in der Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Multipler Sklerose (MS) verbunden ist. In einer dieser Studien (der sog. Nurse Health Study) wurde für Frauen ein BMI von 30 kg/m² im Alter von 18 Jahren mit einem mehr als zweifach erhöhten MS-Risiko in Verbindung gebracht!

Solche Studie sind jedoch aufgrund von Verwechslungen und umgekehrter Kausalität anfällig für Verzerrungen: Es ist nicht möglich zu bestimmen, ob der BMI das Risiko von MS erhöht oder ob MS zu einem erhöhten BMI führt oder ob MS-Patienten aufgrund anderer assoziierter Faktoren zu einem erhöhten BMI neigen. Außerdem sind Beobachtungsstudien wie ein „Schnappschuss“ einer Bevölkerungsgrppe in einem bestimmten Zeitraum und können nicht bestimmen, wie hoch das Risiko wäre, wenn sich die Umweltbedingungen ändern würden.

Daher verwendet man eine andere Art der Datenanalyse, um die Zusammenhänge zwischen Varianten (Umweltfaktoren) und genetischen Merkmalen zu erforschen und um damit kausale Rückschlüsse ziehen zu können. Man nennt dieses Verfahren Mendel’sche Randomisierung (MR). Sie soll das genetische Risiko einer Population bestimmen, unabhängig von anderen Faktoren, die das zu untersuchende Risiko erhöhen oder verringern könnten. Diese Tatsache macht die MR zu einem nützlichen Instrument, das hilft, echte kausale Beziehungen von epiphänomenologischen Erscheinungen zu entkoppeln.

Solche MR-Analysen haben die Hinweise aus Beobachtungsstudien bestätigt, dass der BMI in der Kindheit/im frühen Erwachsenenalter ein wichtiger veränderbarer Risikofaktor für MS ist (2) – und sie verdeutlichen, dass Multiple Sklerose den BMI-Status NICHT beeinflusst.

Unabhängige MR-Analysen haben auch gezeigt, dass bei niedrigem Vitamin-D-Spiegel die Wahrscheinlichkeit einer MS stark erhöht ist (3). Andere Studien haben gezeigt, dass ein genetisch erhöhter BMI die Vitamin-D-Werte senkt (was die Ergebnisse von Beobachtungsstudien erneut bestätigt).

Nun stellt sich die Frage, ob ein erhöhter BMI das MS-Risiko ausschließlich durch Senkung der Vitamin-D-Werte beeinflusst? Oder sind beide – also ein hoher BMI und eine niedrige Vitamin-D-Versorgung – unabhängige kausale Risikofaktoren für MS?

Eine neue ebenfalls auf mendel’scher Randomisierung basierende Studie (1), die die zuvor gefundenen Ergebnisse bekräftigen und die Fragen zum BMI und zu Vitamin D als Risikofaktoren für MS lösen sollte, liegt jetzt vor. Die Autoren verwendeten eine große genetische Datenbank und verglichen die Ergebnisse mit früheren epidemiologischen und früheren MR-Studien bei MS.

Sie zeigten, dass ein genetisch-bedingt erhöhter BMI in der Kindheit ein kausaler Risikofaktor für MS ist, unabhängig vom Vitamin-D-Status. Sie zeigten auch, dass jede genetisch bedingte Erhöhung des Vitamin D im Blut mit einer 43%igen Verringerung der Wahrscheinlichkeit verbunden ist, an MS zu erkranken – was die Beweise für die kausale Rolle von Vitamin D in der Entstehung von MS verstärkt.

Es ist wichtig, sich vor Augen zu halten, dass eine mendel’sche Randomisierung das genetische Risiko untersucht. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass die hier gefundenen Risikoraten durch Maßnahmen, die den analysierten Faktor beeinflussen, verändert (verbessert) werden könnten.

Diese Ergebnisse bestätigen somit, dass Maßnahmen wie die Kontrolle der Gewichtszunahme und die Aufrechterhaltung eines zufriedenstellenden Vitamin D-Niveaus im Blut bei Personen mit erhöhtem genetischen Risiko – also insbesondere dem Nachwuchs von MS Erkrankten – einen signifikanten Einfluss auf die MS-Prävention haben können.

Aufgrund der hohen Prävalenz von Adipositas bei Kindern und der hohen Prävalenz von Vitamin-D-Mangel bei Jugendlichen in Deutschland und der ganzen Welt heißt das…

Fazit für alle Eltern in Kürze:

Schickt Eure Kinder raus in die Sonne, supplementiert – wenn erforderlich – Vitamin D und sorgt für ausreichend Bewegung, Sport und ein entsprechende Ernährung, um Eure Kinder schlank und gesund zu erhalten.

Mehr zum Thema Vitamin D, Sonne und MS auch im aktuellen Faktenblatt zu diesem Thema!

Sonnige Grüße für viel Gesundheit schickt Ihnen

Ihr Team von Life-SMS


Quellen:

  1. Jacobs, BM; Noyce, AJ; Giovannoni, G; Dobson, R. BMI and Low vitamin D are causal factors for multiple sclerosis. Neurol Neuroimmunol Neruoinflamm Mar 2020 7(2): e662
  2. Mokry LE, Ross S, Timpson NJ, Sawcer S, Davey Smith G, Richards JB (2016) Obesity and Multiple Sclerosis: A Mendelian Randomization Study. PLoS Med 13(6): e1002053.
  3. Mokry LE, Ross S, Ahmad OS, Forgetta V, Smith GD, Leong A, et al. (2015) Vitamin D and Risk of Multiple Sclerosis: A Mendelian Randomization Study. PLoS Med 12(8): e1001866.

Photo:

Vidar Nordli-Mathisen


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Freigegeben: Life-SMS Veröffentlichung – MS und Sport als Download

Allen SpenderInnen unseren herzlichen Dank, wir haben die Spenden-Halbjahresziele inzwischen erreicht!

Aber natürlich leben wir nach wie vor von Ihrer Unterstützung und es gilt: bei Spenden ab 30 € gibt es zusätzlich zwei Exemplare unseres Küchenposters und ab 50 € fünf Exemplare auf Wunsch frei Haus.


Jetzt zum Thema Sport und MS

Sie können die aktuelle Veröffentlichung an dieser Stelle bei lsms.info herunterladen.

[Der Download ist frei! Unabhängig davon, ob Sie schon gespendet haben, es noch tun wollen oder einfach nur die Dokumentation lesen möchten.]

Die Wichtigkeit des Themas ergibt sich sehr schön aus diesem Schaubild:

Übersicht: MS - Sport, Training und Bewegung
Copyright Life-SMS / DSGIP 2017

Die Abbildung nach dem ICF-Modell (International Classification of Functioning, Disability and Health ) versucht die Zusammenhänge zwischen dem Bewegungsverhalten (Sport, Training und Lebensstil) und der MS-Pathogenese (Entstehung und Entwicklung der MS mit allen daran beteiligten Faktoren) bildlich zu verdeutlichen. Das ICF-Modell skizziert die Konsequenzen der MS-Pathogenese, einschließlich der Effekte auf Körperstrukturen und -funktionen sowie auf Aktivität und gesellschaftlicher Teilnahme des Patienten. Bewegung kann positive Effekte auf all diese Bereiche haben, vom Einfluss auf zelluläre Prozesse (z.B. Entzündungshemmung) bis hin zu verbesserter Teilhabe des Betroffenen an sozialen Interaktionen.

Details siehe: Sport und MS – Eine Life-SMS-Publikation 2017

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie aus dieser Veröffentlichung Anregungen und Ideen für eigenes körperliches Training entnehmen und umsetzen könnten!

Bleiben und werden Sie gesund!

Ihr Life-SMS Team


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3 gute Gründe, warum wir uns am 9.9. in Köln sehen sollten…

Nun ist die Ferienzeit auch bei Life-SMS vorbei und es geht in die nächste Runde. Wir hoffen, Sie hatten schöne Sommertage und konnten Kraft für die zweite Jahreshälfte sammeln.

Wie unseren “Followern” und Lesern bekannt, findet am 9.9.2017 ab 14:30 Uhr unser Jahresseminar zu Lebensstilfaktoren und deren möglichen positiven Auswirkungen auf den Verlauf der MS statt. Wir haben uns in diesem Jahr für die Themenkomplexe TCM (Traditionelle Chinesische Medizin), Sport und Bewegung sowie Vitamin D (Update) entschieden.

Das vollständige Programm finden Sie hier. Bitte melden Sie sich  schnellst möglich formlos mit Angabe der Personenzahl unter a.jordan@dsgip.de an. Sie helfen uns damit sehr bei der Organisation der Veranstaltung.

Warum diese Themen?

  1. Die Traditionelle Chinesische Medizin kann als sanfte Alternative und Ergänzung zur westlichen Medizin verstanden werden. Schon häufig haben Heilkräuter oder Heilpilze aus dem Kreis der TCM die Grundlage für Medikamente geschaffen, die dann Eingang in das Angebot der westlichen Pharmazie gefunden haben. Bei MS wurde zum Beispiel das Medikament Fingolimod (Handelsname GilenyaⓇ) aus den Wirkstoffen eines chinesischen Heilpilzes abgeleitet. Da in der TCM natürliche Kombinationen von Wirkstoffen zum Einsatz kommen, treten die bekannten Nebenwirkungen pharmakologisch hergestellter “Reinsubstanzen” nicht auf. Insofern lohnt es sich das “Gebäude der TCM” besser zu verstehen und Frau Dr. Schlink wird versuchen eine Antwort auf die Frage zu geben, für wen der TCM-Ansatz geeignet ist und für wen nicht?
  2. Sport und Bewegung sind ein unverzichtbarer Bestandteil der lebensstil-orientierten MS-Behandlung. Durch die Auswirkungen der MS sind körperliche Funktionen oft eingeschränkt. Kardiovaskuläre Funktionen (Herz-Kreislaufsystem), neuromuskuläre Funktionen (Muskelschwäche und Einschränkungen des Gehens) und sensorische Funktionen (Einschränkungen in der Balance, Missempfindungen) summieren sich auf und können zu mehr Inaktivität führen. Durch diese Inaktivität aber werden die physiologischen Auswirkungen der MS verstärkt, ein Teufelskreis entsteht, der durchbrochen werden muss. Doch, wie viel Bewegung und Sport ist richtig für mich, wie kann ich mich gezielt – auch bei körperlichen Einschränkungen – auftrainieren und damit einen positiven Impuls für das Immunsystem und das Nervenwachstum generieren? Der Mediziner Dr. Thums behandelt seit Jahren erfolgreich MS-Patienten mit einem ganzheitlichen Ansatz, bei dem Sport und Bewegung eine wesentliche Rolle einnehmen und wird versuchen auf diese Fragen eine Antwort zu geben.
  3. Vitamin D und Sonnenlicht werden schon seit Start des Life-SMS Projektes und der Informationsplattform lsms.info als wesentliche Komponenten der MS-Behandlung verstanden. Die positiven Aussagen im von Life-SMS schon im Jahr 2014 veröffentlichten Faktenblatt “Vitamin D und MS” wurden inzwischen eindrucksvoll bestätigt und sogar übertroffen. Heute bestehen nur wenig Zweifel an der schubreduzierenden Wirkung eines guten Vitamin D-Spiegels. Man vermutet eine “Plateaubildung” ab einem bestimmten Blutwert, oberhalb dessen keine weitere Wirkung erwartet wird. Aber auch das ist fraglich und keineswegs entschieden, wie Berichte über das sogenannte “Coimbra-Protokoll” – eine Hochdosistherapie mit Vitamin D – zeigen. Wir fassen die Faktenlage zusammen und versuchen ein Update zu diesen Fragestellungen zu geben.

Es gibt noch einen vierten wichtigen Punkt: Wir sind komplett pharmaunabhängig, müssen nichts verkaufen und werden vollständig aus privaten Mitteln getragen.

Also genug Gründe um am 9.9. nach Köln zu kommen!

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

Ihr

Life-SMS Team

 


Aktuelles:

Unsere aktuelle Spendenaktion zum Thema Sport und MS

Die Anmeldung zum Life-SMS Jahresseminar am 9.9.2017 in Köln

Allen bisherigen und den zukünftigen Spenderinnen und Spendern an dieser Stelle herzlichen Dank! Themenfelder:

TCM, Sport und MS, Update Vitamin D inkl. Bemerkungen zur Hochdosistherapie

Es fehlen nur noch ca. 1.700 € bis zur allgemeinen Freischaltung der Veröffentlichung! Anmeldung: formlos via a.jordan@dsgip.de
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