Genau hingeschaut: Weitere Neuerungen der MS-Leitlinie im Detail

Fortsetzung C (Lebensstil-Management) und H (patientenzentrierte Kommunikation)

Wie im Newsfeed „Lange drauf gewartet: Erweiterung der MS-Leitlinie um wichtige Faktoren“ Ende März angekündigt, wollen wir uns noch etwas intensiver mit der MS-Leitlinie beschäftigen, die inzwischen mindestens einmal jährlich geprüft und aktualisiert wird und damit eine „Living-Guideline“ sein soll.

Wir konzentrieren uns hierbei auf die neu aufgenommenen Kapiteln „Lebensstil-Management“ (Kapitel C) und Kapitel H „Patientenzentrierte Kommunikation“ und haben am 31. Mai in Teil 2:

Genau hingeschaut: Einige Neuerungen der MS-Leitlinie im Detail – C: Lebensstil-Management

schon die Kapitel

  • C1. Körperliche Aktivität
  • C2. Ernährung und Gewicht
  • C3. Vitamin D

vorgestellt.

Heute geht es im Kapitel C weiter mit Osteoporose, Mentale Gesundheit/Stress und Genussgiften. Anschließend werfen wir einen Blick auf das neue, längst überfällige Kapitel „Patientenzentrierte Kommunikation“ (H)

C4. Osteoporose

Aufgrund des Risikofaktors MS wird bei Frauen ab der Menopause und bei Männern ab dem 50. Lebensjahr ein Screening zur Früherkennung von Osteoporose empfohlen.

Es wurden zusätzliche Risikofaktoren für eine Osteoporose bei MS identifiziert:

  • Krankheitsdauer > 7 Jahre
  • EDSS > 3 und mehr als 15 g Glukokortikoid-Lebensdosis sowie
  • eine längerfristige Antidepressivatherapie

Außerdem gibt es ein erhöhtes Frakturrisiko, welches auf Grund mehrerer MS-Symptome zusätzlich vorliegt:
Einschränkungen der Gangsicherheit (Paresen, Spastik, eingeschränkte Bewegungskoordination), Sensibilitätsstörungen, Doppelbilder, verringerte Sehkraft, etc.

Zur Diagnostik sollen eine Knochendichtemessung gehören sowie Laboruntersuchungen (Ca, Phosphat, Na, Vitamin D, AP, Kreatininclearance, BB, CRP, Eiweißelektrophorese, TSH, AP und gGT).

Noch ist wahrscheinlich die neurologische Praxis die falsche Adresse dafür, aber dort können Sie nach einer entsprechenden Überweisung in eine orthopädische Praxis fragen, die diese Leistungen durchführen kann (nicht jede orthopädische Praxis kann dies anbieten!). Oder Sie fragen in Ihrer hausärztlichen Praxis.Die neurologische Praxis ist dafür wahrscheinlich noch die falsche Adresse, aber Sie können dort nach einer entsprechenden Überweisung in eine orthopädische Praxis fragen, die diese Leistungen anbietet (nicht jede orthopädische Praxis bietet dies an!). Alternativ können Sie auch in Ihrer hausärztlichen Praxis nachfragen.

Nehmen Sie das Thema Osteoporose jedenfalls nicht auf die leichte Schulter! Denn bereits ab der Lebensmitte sind viele Menschen von Osteoporose betroffen – selbst ohne zusätzliche Risikofaktoren der MS. Mit entsprechender Prophylaxe sollte man daher besser frühzeitig beginnen:

  • Steigerung der körperlichen Aktivität: besonders Seilspringen/Hüpfen, wenn dies noch geht (ab dem Vorstadium der Osteoporose, das man Osteopenie nennt, aber nicht mehr!); ein Galileo-Gerät bei der Physiotherapie nutzen (nur unter fachlicher Anleitung!)
  • Optimierung des Vitamin-D-Status (siehe Kapitel C.3 im letzten Newsfeed) inkl. Vitamin K2 plus Calcium-und Magnesiumzufuhr
  • Reduktion von Rauchen, Alkohol und ggf. anderen Drogen
  • Reduktion von Körpergewicht
  • Strategien zur Reduktion von Stürzen sowie Steigerung der allgemeinen körperlichen Fitness

Zur Vertiefung einzelner Aspekte empfehlen wir diese Newsfeeds aus dem Life-SMS-Blog:

C5. Mentale Gesundheit und Stress

Die Leitlinie erkennt ENDLICH an, dass psychische Belastungen den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen können.
Die Leitlinie EMPFIEHLT zwar lediglich, entsprechende Unterstützungsangebote (Beratung und Therapie) als Teil der Behandlung anzusehen (was vorher auch schon möglich war), trotzdem ist es schon ein Fortschritt, dass es jetzt Schwarz auf Weiß geschrieben steht:

„Für Stressbelastungen als Auslösefaktor von Schüben liegt eine gewisse Evidenz vor. Erste Kohortenstudien zeigen ferner, dass traumatische Lebensereignisse sich möglicherweise auf die Progression der Erkrankung auswirken.“

Das heißt, dass endlich jene, die am eigenen Körper die negativen Auswirkungen von Stress und Traumata auf eine vorliegende MS erleben, nicht mehr lächelnd mit der Bemerkung abgespeist werden können, dass dem nicht so sein könne.

Zudem kann die MS-Diagnose selbst und die Ungewissheit über den weiteren Verlauf einen erheblichen Stressfaktor darstellen.
Von daher kann die Bedeutung des Erlernens von Stressmanagement-Techniken wie Entspannungsverfahren und Resilienztraining sowie Reduktion psychischer Belastungen gar nicht hoch genug angesehen werden.

Zur Vertiefung dieses Aspektes schauen Sie gerne auch hier:

Schlafstörungen

Schlafstörungen werden als häufiges Symptom bei MS adressiert. Ausreichender und qualitativ hochwertiger Schlaf wird als wichtiger Faktor für die Krankheitsbewältigung und die allgemeine Gesundheit betrachtet.

Die Leitlinie gibt Empfehlungen zur Schlafhygiene und zur Optimierung der Erholungsphasen und den Hinweis, dass die Kombination von gesunder Ernährung, gesundem Schlaf und ausreichender körperlicher Aktivität das biologisches Altern und die (allgemeine) Mortalität signifikant verlangsamt. Diese Effekte sollten bei MS genutzt werden, um beschleunigte Hirnalterungsprozesse zu bremsen.

Wen es besonders betrifft, der sollte sich ggf. zu den (alle bisher schon im Kapitel E aufgeführten) Aspekten Fatigue, Kognitive Einschränkungen oder Schlafstörungen informieren.

Zur Vertiefung dieses Aspektes schauen Sie gerne auch hier:

C6. Genussgifte: Rauchen und Alkohol

Rauchen

Rauchen wird als signifikanter Risikofaktor für einen ungünstigeren Krankheitsverlauf identifiziert. Der Zusammenhang zwischen Tabakkonsum und erhöhter Schubrate sowie schnellerer Behinderungsprogression wird deutlich gemacht. Gleiches wird sogar für das Passivrauchen anerkannt!
Angst, Depression, sowie kognitive Einschränkungen werden bei aktiven Rauchern und Raucherinnen häufiger vorgefunden als bei nicht Rauchenden.
Die Leitlinie empfiehlt eine konsequente Raucherentwöhnung.

Alkohol

Zum Alkohol wird leider nur erwähnt, dass ein „üblicher“ Alkoholkonsum kein Risikofaktor zu sein scheint, an einer MS zu erkranken.
Darauf, ob es einen Einfluss auf den Verlauf einer bestehenden MS geben kann, wird leider nicht eingegangen.
Aber eine gesundheitlich unbedenkliche Menge Alkohol gibt es prinzipiell nicht. Jeder Tropfen kann den Körper belasten (es kommt zumindest auch auf die individuelle Entgiftungsfähigkeit an).
Alkohol erhöht das Risiko für Krebs, kann Leber, Herz, Hirn und Nerven schädigen und gilt sogar als Nervengift, was gerade bei MS sehr relevant ist.

Das Thema Tabakkonsum haben wir bei Life-SMS näher betrachtet:
Tabakrauchen und MS-Progression: ein sofort vermeidbarer Faktor!

Schauen Sie dazu – und zu weiteren wichtigen Hinweisen – auch gerne den Bereich „Umweltbelastungen“ der Life-MS Mind-Map an.

Wir möchten zu diesem Thema auch nochmal auf diesen Artikel hinweisen:
Rauchen und MS: Erkrankungsrisiko um 50% erhöht [ad-hoc-news.de, 28.05.2026]

Kapitel H: Patientenzentrierte Kommunikation

Der „Halbgott in Weiß“ (und das weibliche Äquivalent) sollen endlich ausgedient haben und eine Arzt-Patienten-Beziehung (auch hier natürlich jeweils mit den weiblichen Entsprechungen) auf Augenhöhe endlich das neue Maß werden.
Das soll schon bei der Diagnoseübermittlung beginnen. Durch angemessene Rahmenbedingungen, z.B. nach dem SPIKES-Modell:

SPIKES-Modell:
Setting: geeigneten Gesprächsrahmen schaffen
Perception: Kenntnisstand (Wahrnehmung) der Patientin / des Patienten ermitteln
Invitation: Informationsbedarf der Patientin / des Patienten ermitteln
Knowledge: Wissensvermittlung
Exploration of Emotions: Emotionen wahrnehmen, ansprechen und mit …
…Empathie reagieren
Strategy and Summary: Planen und zusammenfassen

Es soll angeboten werden, eine Vertrauensperson in die Gesprächssituation einzubeziehen. Damit Sie die Leitlinie (Ärzteschaft) „beim Wort“ nehmen können, zitieren wir hier die Passagen dazu:

Es „sollen die individuellen Präferenzen, Bedürfnisse, Sorgen und Ängste der Betroffenen erhoben und berücksichtigt werden. Wenn Betroffene dafür mehrere Gespräche benötigen, soll das Angebot zu weiteren Gesprächen gemacht werden.“

Weiter ist dies Konsens:

„Personen mit Multiple Sklerose sollen über alle für sie relevanten Therapieoptionen, deren Erfolgsaussichten und deren mögliche Auswirkungen informiert werden. Sie sollen über Risiken der Immuntherapie und über die Folgen eines Therapieverzichts aufgeklärt werden.
Dabei soll das Recht, auf eine Aufklärung zu verzichten, bei bestehendem Wunsch der Patientinnen oder Patienten respektiert werden.
Die informierte und selbstbestimmte Entscheidung von Personen mit MS für oder gegen empfohlene medizinische Maßnahmen soll respektiert werden.“


Und:

„Qualifizierte, sachdienliche und neutrale Informationsmaterialien sollen Menschen mit MS zur Verfügung gestellt werden.“


Inwiefern die Prospekte der Hersteller von Immuntherapien, die man üblicherweise in die Hand gedrückt bekommt, neutral sind, bleibt erstmal fraglich. Auch, ob und was stattdessen eingesetzt wird/werden könnte.

Aber gerade bei der Vielfalt an Therapiemöglichkeiten und den nicht nur stark variierenden sondern evtl. auch stark belastenden Nebenwirkungsprofilen wäre es sehr wichtig, hier wirklich neutral und ergebnisoffen beraten zu werden.

Außerdem ist ein informierter Patient die Basis für den Therapieerfolg. Dieser Faktor wird wohl offensichtlich jetzt ernst genommen. Und dies ist zumindest schon mal ein Anfang.
Jetzt sind Sie am Zug: Bleiben Sie am Ball, wenn Ihnen neutrale, vollständige Informationen fehlen!

Fazit

Die Leitlinie betont die Bedeutung eines ganzheitlichen Gesundheitsansatzes, der über die reine MS-Behandlung hinausgeht und die allgemeine Gesundheit der Patienten und Patientinnen fördert.

Die Leitlinien sollten auch in der Praxis mehr Beachtung finden, insbesondere bei Fragen zur körperlichen Aktivität und Rehabilitation, Ernährung, Vitamin D und Osteoporose, mentaler Gesundheit und patientenzentrierten Kommunikation, wobei letztere allein schon zum Thema mentale Gesundheit positiv oder negativ beitragen kann – was bisher Glückssache war (je nach Gegenüber) und hoffentlich zukünftig vermehrt positiv verläuft. Dies wünschen wir Ihnen und uns allen.


Ihr Team von Life-SMS


Quelle:

https://www.dgn.org/leitlinie/diagnose-und-therapie-der-multiplen-sklerose-neuromyelitis-optica-spektrum-erkrankungen-und-mog-igg-assoziierten-erkrankungen

Zur Vertiefung einzelner Aspekte:

Übersicht zu Lebensstil-Faktoren bei MS: Die Life-MS Mind-Map

Bilder:

  • 2 Screenshots mit dem jeweiligen Themenbereich der Life-MS Mind-Map
  • Titelfoto: Infografik zur neuen MS-Leitlinie mit Fokus auf Kapitel C4 – C6: Osteoporose; Mentale Gesundheit/Stress; Genussgifte: Rauchen und Alkohol und Kapitel H: Patientenzentrierte Kommunikation. Gestaltet mit ChatGPT.

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Genau hingeschaut: Einige Neuerungen der MS-Leitlinie im Detail – C: Lebensstil-Management

Wie im Newsfeed „Lange drauf gewartet: Erweiterung der MS-Leitlinie um wichtige Faktoren“ Ende März angekündigt, wollen wir uns etwas intensiver mit der MS-Leitlinie beschäftigen, die inzwischen mindestens einmal jährlich geprüft und aktualisiert wird und damit eine „Living-Guideline“ sein soll.

Infografik zur neuen MS-Leitlinie mit Fokus auf Kapitel C1 bis C3: körperliche Aktivität und Bewegungstherapie, Ernährung und Gewicht sowie Vitamin D. Die Grafik zeigt Empfehlungen zu Kraft- und Ausdauertraining, pflanzenbetonter Ernährung mit Blick auf Darm und Mikrobiom sowie zur Vitamin-D-Kontrolle mit ergänzendem Life-SMS-Tipp zum oberen Zielbereich von 60 bis 90 ng/ml.
Übersicht zu den Hauptpunkten der MS-Leitlinie Kapitel C: Lebensstil-Management

Bis die Neuerungen in der neurologischen Praxis umgesetzt sind, ist es von Vorteil, wenn die Betroffenen ihre Rechte kennen – insbesondere in Bezug auf die neu aufgenommenen Kapiteln C „Lebensstil-Management“ und H „Patientenzentrierte Kommunikation“.

C1. Körperliche Aktivität und Bewegungstherapie

Beginnen wir – ganz Life-SMS-like – mit dem Lebensstilmanagement, wo unter „C1 Körperliche Aktivität, Sport und Training“ steht:

Empfehlung C1 (starker Konsens):
Ab dem Zeitpunkt der Diagnose soll jede Person mit MS über den Nutzen von Kraft‐und Ausdauertraining sowie über aktuelle Empfehlungen für körperliche Aktivität informiert werden. Bis EDSS 7.0 sollen nach WHO-Empfehlung minimal 75 Minuten intensives oder 150 Minuten moderates Ausdauertraining in der Woche erfolgen. Idealerweise sollte regelmäßig eine Erhebung des Fitnessstatus erfolgen. Das Ausmaß der körperlichen Aktivität sollte immer wieder abgefragt werden, um hier motivational wirksam werden zu können.

Hier wird also der Terminus „informiert“ verwendet.
Weiter oben (oberhalb der hier zitierten Passage) wird so formuliert:
Bewegungstherapie wird idealerweise ärztlich verordnet und durch einen Fachtherapeut oder eine Fachtherapeutin geplant und angeleitet.

Oft bekamen bisher viele Neu-Diagnostizierte (und oft auch andere MS-Betroffene) bei Nachfrage nach einer Verordnung von regelmäßiger KGG (also Krankengymnastik am Gerät, was Krafttraining unter therapeutischer Anleitung ist) eine ablehnende Antwort in der Neurologie-Praxis ihres Vertrauens. Oder 2 x jährlich eine Verordnung über je 6 bis maximal 12 Einheiten pro Verordnung – womit man nicht weit kommt.

Dabei ist schon seit langem bekannt, dass die allgemeine Gebrechlichkeit und das Risiko von Stürzen geringer ist, je mehr die Muskulatur trainiert ist – am besten schon vor einer MS-bedingten Einschränkung!
Weil Krafttraining nicht nur die Muskelkraft, sondern auch die Balance und motorische Alltagskompetenz verbessern kann und die allgemeine Mobilität ggf. länger erhalten bleiben kann.
Und Hinweise, dass Training die mentale Gesundheit und Lebensqualität bei MS verbessert, gab es auch schon sehr lange.

Nun endlich dürften also mehr MS-Diagnostizierte Chancen auf regelmäßigere Verordnungen für KGG haben – zumindest, wenn Sie proaktiv danach fragen.

Folgende Detailempfehlungen zu diesem Kapitel stehen übrigens der Living Guideline:
MS-Trainingsempfehlungen (nach Kalb 2020)
• EDSS 0 – 6.5:
Aerobes Training: 2-3x / Woche à 10-30 Minuten bei moderater Intensität (40–60% der maximalen Sauerstoffaufnahmekapazität bzw. maximalen Herzfrequenz) kombiniert mit 2-3x / Woche Krafttraining (5-10 Übungen mit je 8-15 Wiederholungen) sowie Beweglichkeits- und Balancetraining.
Intensives aerobes Training: bis zu 5x / Woche à 40 Minuten mit 80% der maximalen Sauerstoffaufnahmekapazität bzw. maximalen Herzfrequenz, zusätzlich Hochintensitäts-Intervalltraining 1x / Woche mit 5 Intervallen von 30-90 Sekunden mit 90-100% der maximalen Herzfrequenz.
Angestrebt werden sollten zusätzlich 150 Minuten in der Woche aktiver Lebensstil, bsp. mindestens 7500 Schritte / Tag.
• Ab EDSS 7.0:
Tägliches Training bis zu 20 Minuten, evtl. unterteilt in mehrere Einheiten oder auch ein Intervalltraining mit 6x 3 Minuten Belastung empfohlen. Zusätzlich wird Atemtraining und Beweglichkeitstraining empfohlen.

C.2 Ernährung und Gewicht

Kommen wir zum nächsten Kapitel „Ernährungs- und Gewichtsmanagement“, welches auch die Rolle des Mikrobioms und des Darms als immunologisches Organ erwähnt und die negativen Auswirkungen von Übergewicht und Adipositas auf den Krankheitsverlauf adressiert.

Im Wesentlichen entsprechen nun die Ernährungsempfehlungen denen, die hier bei Life-SMS schon seit vielen Jahren publiziert werden: eine pflanzenbetonte Kost (Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte), die Bevorzugung von Fetten aus Pflanzenölen (Olivenöl, Leinöl, Kokosfett), Nüssen und Fisch sowie Omega-3-Öl aus Algen und moderate Mengen an Milchprodukten. Kritisch zu bewerten ist die ausschließliche Orientierung an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), die zu kohlenhydratlastig sind. Besser ist es, sich an der MIND-Diät, der A.oder der mediterranen Ernährungsweise zu orientieren.

.Im Wesentlichen entsprechen nun die Ernährungsempfehlungen denen, die hier bei Life-SMS schon seit vielen Jahren publiziert werden: eine pflanzenbetonte Kost (Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte), die Bevorzugung von Fetten aus Pflanzenölen (Olivenöl, Leinöl, Kokosfett), Nüssen und Fisch sowie Omega-3-Öl aus Algen und moderate Mengen an Milchprodukten.

Wortwörtlich steht in der Leitlinie:
Als Orientierung können die 2024 aktualisierten lebensmittelbasierten Ernährungsempfehlungen für Deutschland der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) dienen.
Das 11-Punkte-Konzept dieser Empfehlungen umfasst:
1. Am besten Wasser trinken
2. Obst und Gemüse – viel und bunt
3. Hülsenfrüchte und Nüsse regelmäßig essen
4. Vollkorn ist die beste Wahl
5. Pflanzliche Öle bevorzugen
6. Milch und Milchprodukte jeden Tag
7. Fisch jede Woche
8. Fleisch und Wurst – weniger ist mehr
9. Süßes, Salziges und Fettiges – besser stehen lassen
10. Mahlzeiten genießen
11. In Bewegung bleiben und auf das Gewicht achten

Kritisch zu bewerten ist die ausschließliche Orientierung an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), die viel zu kohlenhydratlastig sind. Besser ist es, sich an der MIND-Diät, der A.D.A.M-Diät oder der mediterranen Ernährungsweise zu orientieren.

Punkt 6 können wir aus guten Gründen bei MS jedoch nur eingeschränkt empfehlen. Schauen Sie dazu – und zu weiteren ausführlichen Hinweisen – gerne den Ernährungsbereich der Life-MS Mind-Map an.

C.3 Vitamin D

Hier werden zwar (endlich) Empfehlungen zur Vitamin-D-Supplementierung gegeben und darauf hingewiesen, dass die Dosierung individuell angepasst werden sollte. Der angegebene Zielbereich ist bei Multiple Sklerose aber definitiv zu vorsichtig angesetzt:

Vitamin-D-Serumspiegel (25-Hydroxy-Cholecalciferol) in nmol/l (μg/l bzw. ng/ml)
Suboptimale Versorgung: 30 – < 50 (12 – < 20)
Zielbereich: 50-125 (20-50)
Empfehlung (starker Konsens): Bei Patientinnen und Patienten mit Multipler Sklerose sollte der Vitamin-D-Spiegel überprüft werden. Besteht ein Mangel, soll dieser ausgeglichen werden, idealerweise durch eine tägliche oder wöchentliche medikamentöse Supplementation.

Bei Life-SMS bevorzugen wir – aus studienbasierten Gründen – bei MS einen Zielbereich von 60-90 ng/ml 25-Hydroxy-Cholecalciferol – und ganz klar besser eine tägliche statt wöchentliche (oder gar monatliche) Einnahme!
Schließlich ist Vitamin D (trotz des irreleitenden Namens, der noch von der früheren falschen Einsortierung herrührt) ein Hormon und führt bei nicht regelmäßiger Einnahme daher zu Hormonschwankungen. Allenfalls eine Substitution „nur alle 2-3 Tage“ kann der Körper tolerieren, wenn man nicht täglich möchte, aber dann sollte man auch keinen Einnahmezeitpunkt vergessen.

Gut hingegen ist, dass man mit der Empfehlung, dass der Vitamin-D-Spiegel überprüft werden sollte, nun ein Anrecht darauf geltend machen können sollte – wenn auch leider nur, bis ein „Mangel“ behoben ist (der eigentlich viel höher angesetzt sein müsste; nämlich direkt unterhalb des sinnvollen Zielbereichs bei MS).

Schauen Sie gerne auch hier in unserer Mind-Map die Detailinfos zum Thema Vitamin D (und Sonne):

Fazit

Gut, dass inzwischen auch Lebensstiländerungen Eingang in die offizielle Leitlinie zu Multiple Sklerose gefunden haben.
Betroffene, die bereits Krafttraining in einem physiologisch betreuten Training absolvieren, haben nun eher die Chance, dies regelmäßig(er) auf Krankenkassenkosten machen zu dürfen. Das sollte natürlch niemanden davon abhalten, nachdem eine Anleitung durch eine Physiotherapeutin oder Physiotherapeuten erfolgt ist, zuhause das Krafttraining eigenverantwortlich fortzusetzen.

Betroffene, die eine Ernährungsänderung in Angriff genommen haben oder dies wollen, haben eher die Chance, dafür in der Arztpraxis zumindest nicht mehr belächelt zu werden; und jenen, die ihren Vitamin-D-Status wissen wollen, dürfte dies dort nicht mehr so einfach verwehrt werden.

In einem der nächsten Newsfeeds schauen wir gerne auf weitere relevante Änderungen in dieser Living Guideline und ihre Bedeutung für Menschen mit Multipler Sklerose.
Bleiben Sie also wie gewohnt neugierig auf diesen Kanal und uns treu!
Ihr Team von Life-SMS


Quelle:

https://www.dgn.org/leitlinie/diagnose-und-therapie-der-multiplen-sklerose-neuromyelitis-optica-spektrum-erkrankungen-und-mog-igg-assoziierten-erkrankungen

Zur Vertiefung einzelner Aspekte:

Übersicht zu Lebensstil-Faktoren bei MS: Die Life-MS Mind-Map

Bilder:

  • 2 Screenshots mit dem jeweiligen Themenbereich der Life-MS Mind-Map
  • Titelfoto: Infografik zur neuen MS-Leitlinie mit Fokus auf Kapitel C1 bis C3: körperliche Aktivität und Bewegungstherapie, Ernährung und Gewicht sowie Vitamin D. Gestaltet mit ChatGPT 30.5.2026


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