Sommerpause und der Sommerwein ist kein Krankheitstreiber bei MS

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist wieder einmal Zeit in die Sommerpause zu gehen und das ist nicht nur in Bezug auf die tägliche Arbeit wichtig, sondern auch in Bezug auf den immer noch angsterfüllten Umgang mit der Pandemie. Lassen Sie einfach einmal los, gönnen Sie sich schöne Tage an der Sonne und in der Natur und kümmern Sie sich um die schönen Seiten des Lebens und Ihre Lieben. Oder wie es der deutsche Arzt und Priester Johannes Scheffler alias Angelus Silesius im 17 Jhdt. einmal ausdrückte:

“Christ, du bedarfst nicht viel zur ewigen Seligkeit; es hilft ein einzigs Kraut, das heißt Gelassenheit.”

Und das gilt natürlich für alle Menschen, nicht nur für Christen. Zur Gelassenheit trägt übrigens auch eine aktuelle Studie bei, die unter dem Titel:

“Alkohol als Freund oder Feind bei Autoimmunerkrankungen: eine Rolle für das Darmmikrobiom?” [1],

die Wirkung des Alkohols bei verschiedenen Autoimmunerkrankungen in den Fokus genommen hat.

Im Markgräflerland

Alkohol und seine Wirkungen bei Autoimmunerkrankungen

Alkohol hat mannigfaltige Effekte im Körper. In hohen Dosen destabilisiert Alkohol die Darmbarriere und kann zu einer Dysbiose (bakteriellen Fehlbesiedlung) und einem Anstieg des bakteriellen Liposaccharids (LPS) führen. Letzteres kann Toll-like-Rezeptoren (TLR) auf Immunzellen stimulieren und führt zu einem Anstieg von Monozyten, T-Zellen, Zytokinen und Immunglobulin (IgG)-Spiegeln sowie einer Abnahme von B-Zellen. Die zirkulierenden entzündlichen Zytokine, IgGs und Immunzellen tragen ihrerseits zu Endorganschäden bei. Bei niedrigen bis moderaten Dosen hat sich gezeigt, dass Alkohol das Risiko und die Progression von Autoimmunerkrankungen vermindert. Obwohl der genaue Mechanismus nicht gut verstanden ist, könnte Alkohol in geringen Mengen eine positive Auswirkung auf die Entzündung über die Zunahme von Akkermansia muciniphila und anderen schützenden Darmmikroben haben sowie zu einer Zunahme von Acetat, mehrfach ungesättigten Fettsäuren (PUFAs), High-Density-Lipoprotein (HDL) und Stickstoffmonoxid (NO) beitragen.

Multiple Sklerose

Auch bei MS gibt es Hinweise auf eine schützende Wirkung von mäßigem Alkoholkonsum in Bezug auf die Verringerung des Krankheitsrisikos und/oder der Krankheitsprogression. Mehrere große Bevölkerungsstudien haben bei beiden Geschlechtern einen dosisabhängigen inversen Zusammenhang zwischen Alkohol und MS-Risiko bei beiden Geschlechtern gezeigt. Mäßiger Rotweinkonsum scheint mit einem niedrigeren Expanded Disability Status Scale-Score (EDSS) zu korrelieren, was auf eine funktionelle Verbesserung hindeutet, obwohl in einer Studie Patienten mit mäßigen Alkoholkonsum eine Zunahme des T2-Läsionsvolumens im MRT des Gehirns aufwiesen. Umgekehrt zeigten mehrere Studien, dass hohe Dosen von Alkohol zu einem erhöhten Risiko für MS beitragen, insbesondere bei Männern.

Auch im Mausmodell der MS, der experimentellen Autoimmun-Enzephalomyelitis (EAE), wurde schon 2019 gezeigt, dass sich vor allem bei männlichen Mäusen die Krankheitsscores unter einer moderaten Alkohol-Diät verbesserten [2].

Fazit: Insgesamt deuten die derzeitigen Erkenntnisse auf einen dosisabhängigen Zusammenhang zwischen Alkohol und Krankheitsschwere bei mehreren Autoimmunkrankheiten, einschließlich MS hin. Bei niedrigen bis mittleren Dosen scheint Alkohol schützende Effekte zu haben, während er bei höheren Konsummustern zur Abhängigkeit führen und zu nachteiligen symptomatischen Auswirkungen auf den Organismus und zur Verschlechterung der Autoimmunerkrankung beitragen kann. Das bedeutet, dass gegen das gelegentliche Glas Wein am Abend oder auch ein Bier nichts einzuwenden ist, sofern man generell Alkohol gut verträgt. Ist letzteres nicht der Fall, lässt man aber besser die Finger davon.

In diesem wünschen wir Ihnen einen schönen Sommer 2021, gelassene Tage und angenehme Sommerabende, ggf. mit einem Gläschen Wein, und mit Freunden und Familie! In der zweiten Augusthälfte geht es weiter.

Ihr

Life-SMS Team


[1] Caslin, B. et al. (2021) ‘Alcohol as friend or foe in autoimmune diseases: a role for gut microbiome?’, Gut Microbes. Taylor & Francis, 13(1), p. 1916278. doi: 10.1080/19490976.2021.1916278, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34224314/ [free access]

[2] Caslin, B., Maguire, C., Karmakar, A., Mohler, K., Wylie, D., & Melamed, E. (2019). Alcohol shifts gut microbial networks and ameliorates a murine model of neuroinflammation in a sex-specific pattern. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 116(51), 25808–25815. https://doi.org/10.1073/pnas.1912359116


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