Durchtauchen – wie wir gelassen durch die Krise kommen

Ein Gastbeitrag für Life-SMS von Edda Wengler

Über die Autorin

Seit 2016 schreibt Edda Wengler unter dem Pseudonym „Felicitas Dorne“ für Life SMS.

Kurzbiographie: Nach einer glücklichen Kindheit in Mönchengladbach und Jahren der Wanderschaft landete sie in Wien, wo sie bis heute mit ihrer Familie lebt. Gegen alle Wetten schloss sie an der dortigen Universität das Studium der Publizistik, Kommunikationswissenschaft und Psychologie mit Auszeichnung ab. In jungen Jahren arbeitete sie als Hundesitterin und Kellnerin, Universitätstutorin, PR-Frau und Medizinjournalistin, bevor sie sich für eine Karriere in Marketing und Vertrieb in internationalen Konzernen entschied. Nach knapp 1400 Stunden berufsbegleitender Ausbildung unterstützt sie als fast fertige psychologische Beraterin KlientInnen mit und ohne MS, die ihre Probleme lösen, ihre Stärken entdecken und ihr Leben neu ausrichten wollen.

Weil die Krise auch ihr eigenes Leben vorübergehend auf „Pause“ gesetzt hat, schenkt sie den LeserInnen von Life-SMS 12 Stunden Einzelcoaching per Skype (oder Telefon) an den kommenden drei Freitagen 3.4., 10.4. und 17.4. jeweils um 10 Uhr, 12 Uhr, 14 Uhr und 16 Uhr, kostenlos, aber garantiert nicht umsonst. Termine vereinbaren Sie bitte ab sofort per E-Mail unter gesunddenken@gmx.at – solange der Vorrat reicht.


Durchtauchen

Wie wir gelassen durch die Krise kommen

[Hier gibt’s diesen Beitrag auch als pdf-Download….]

Leben mit Corona heißt Leben in der Warteschleife: Angesagt sind Homeoffice und Hamstern, pardon, Vorräte bis zum übernächsten Winter einlagern, statt Büro, Bewegungsfreiheit und Shoppingtouren. Leider kann uns keiner mit Sicherheit sagen, wann wir „back to new normal“ sein werden. Doch bis es soweit ist, könnten wir die Zeit der Krise nutzen, um unsere Seele zu stärken. Psychologische Beratung kann dabei helfen. Damit wir leichter durch Ungewissheit und Ängste, durch Lagerkoller, Fressanfälle und Scheidungswünsche durchtauchen, eventuell sogar mit derselben Kleidergröße. Und Ehering.

 

Ein Bild, das Wasser, draußen, Sport, fahrend enthält. Automatisch generierte Beschreibung
Foto: Jeremy Bishop on Unsplash

Meinungen und Maßnahmen von Experten aus Wissenschaft und Politik überholen sich in diesen Tagen gegenseitig. News von heute sind morgen längst Schnee von gestern. Verstand und Seele rennen keuchend hinterher, versuchen, alles einzuordnen und emotional zu verarbeiten. Plötzlich sind wir im falschen Film gelandet, ohne zu wissen, wann er enden wird.

Ängste und Ratlosigkeit machen sich breit, währenddessen wir tapfer versuchen, unser neues Leben zu stemmen. Treffen mit Verwandten und Freunden, der Besuch von Geschäften, Restaurants und Events, Fortbildung und Urlaub – alles erst mal abgesagt. Der unverzichtbare, wöchentliche Termin bei der Physiotherapeutin fällt ebenfalls flach. Das tut weh, buchstäblich. Stattdessen gewöhnen wir uns an Mundschutz, hochfrequentes Händewaschen samt rapider Hautalterung und Arbeit vom Küchentisch aus. Ganz ehrlich – all das kann schon einen kraftstrotzenden Gesunden überfordern, dafür braucht es keine Multiple Sklerose als Draufgabe.

Mit MS seelisch bestens gewappnet

Die gute Nachricht vorneweg: Als MS-Betroffene/r sind Sie Mitglied eines krisenerprobten Völkchens. Was in diesem Ausnahmezustand für Gesunde unbekanntes Land ist, kennen Sie längst. Im Idealfall kehrten Sie stabil und zuversichtlich von Ihrer beschwerlichen Reise zurück. Gesundheit ist ein kostbares Gut, das über Nacht zerbrechen kann? Diese schmerzliche Erfahrung mussten Sie typischerweise schon in jungen Jahren verarbeiten. Ungewissheit aushalten, etwa hinsichtlich des weiteren Krankheitsverlaufes, und trotzdem nicht vergessen im Hier und Jetzt zu leben? Sie wissen besser als ich, wovon ich wage zu reden. Das berühmte psychische Loch? Vermutlich waren Sie an diesem trostlosen, finsteren Ort, um so rasch wie möglich wieder herauszuklettern. Allein oder mit der Hilfe einer liebevollen Ehefrau oder eines mental starken Gefährten. Vielleicht mussten Sie sich von Ihrer Partnerschaft, Ihrem Arbeitsplatz oder Ihrem finanziellen Poster verabschieden? Die Chancen, dass Sie zumindest einen dieser Rückschläge verkraften mussten, bevor Sie zu neuen, glücklicheren Ufern aufbrechen konnten, stehen hoch. Während Sie diese vielfältigen Herausforderungen bewältigten, eigneten Sie sich gleichzeitig wertvolle neue Strategien und Fähigkeiten an, unbemerkt und nebenbei, die sich jetzt erneut abrufen lassen. Fazit: Menschen mit MS sind psychisch bestens gewappnet, herausfordernde Zeiten zu meistern. Sie sind Veteranen der Notsituation, Kriegerinnen und Kämpfer, kurz: echte Profis im Krisenmanagement.


Foto: Gerhard Wengler

Nicht mehr wir selbst

Dennoch. Ob mit oder ohne MS: Die Covid-19-Krise verändert uns. Unsere Wahrnehmung und unser Verhalten. Wir reagieren anders auf Irritationen von außen, sind weniger flexibel und weniger tolerant als im entspannten Normalzustand. Davon erzählen Paare, die sich zu ihrem eigenen Entsetzen wegen Kleinigkeiten in einem heftigen Streit wiederfinden. Wir beobachten es an Mitmenschen, die in Law-and-order-Manier knallhart jene anzeigen, die ihrer Meinung nach gegen behördliche Auflagen verstoßen, wie etwa der einsamen Raucher auf der Parkbank oder das Dreier-Grüppchen Jugendlicher auf der Straße. „Das Hauptsymptom der Krise ist Einengung. Alles ist fester und starrer. Wir hören ständig schlimme Nachrichten, und das macht etwas mit uns.“, erklärt die im Umgang mit Krisen erfahrene, derzeit in Wien tätige Lebensberaterin Gracia N. Grewe. „Wir lassen uns leichter verunsichern, sind weniger selbstbewusst und dünnhäutiger. Dadurch dringen auch unsere eigenen unangenehmen Verhaltensweisen leichter durch unseren seelischen Filter nach außen.“

Drohender Lagerkoller

Verschärft wird die seelische Einengung durch die räumliche. Statt morgens das Haus zu verlassen, sitzen viele von uns im Home-Office, eng auf eng mit unseren Liebsten, 24 Stunden täglich, von Montag bis Sonntag. Wir versuchen, uns auf die Telekonferenz zu konzentrieren, während der Partner nebenan lautstark telefoniert und die Kinder quengeln. Sich aus dem Weg zu gehen ist schwierig bis unmöglich. Verschärft durch den Platzmangel liegen die Nerven blank, können sich Spannungen leicht zu ernsthaften Streitigkeiten auswachsen.

Der Umgang mit der neuen Nähe ist umso schwieriger, je länger sie dauert. Helfen kann, sich den Mechanismus bewusst zu machen. Selbst mehr auf sein Verhalten zu achten, die sensiblen Antennen für sich und andere stärker auszufahren. Besonders wichtig ist, nicht jede kleine Bemerkung auf die Goldwaage zu legen – in einer Ausnahmesituation entschlüpft uns schon mal das eine oder andere unbedachte oder gereizte Wort. Für unseren Erste-Hilfe-Kasten: Auch wer seine bessere Hälfte aktuell kaum erträgt, und darauf brennt, die Scheidung einzureichen, sobald die erste Anwaltskanzlei wieder öffnet, übt sich besser in Geduld. (Natürlich nur, wenn keine Gewalt im Spiel ist.) Krisen sind keine verlässlichen Ratgeber, wenn es um weitreichende Entscheidungen geht.

Inzwischen gibt es eine lange Liste von Tipps und Tricks, die Dichte-Stress entschärfen und gegen Lagerkoller helfen. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass Sie noch nicht alles fünfzehnfach gelesen haben, finden Sie auch bei uns eine Toolbox mit garantiert selbst getesteten Maßnahmen (siehe weiter unten „Toolbox gegen die Krise“).

Mit der Angst konstruktiv umgehen

Die meisten von uns haben Angst. Oder Ängste, Mehrzahl. Unterschiedlich intensiv. Von mulmig bis Panik. Offen ausgesprochen oder entschieden weggeschoben. Angst um den Arbeitsplatz, um die Zukunft der Wirtschaft, davor, dass wir bald alle unter der Brücke schlafen müssen. Und vor „Big brother“, der gerade Morgenluft schnuppert.

Ganz vorn mit dabei: Angst vor Ansteckung, vor dem unsichtbaren Feind, der unsere geliebten Eltern oder Großeltern – zumindest – auf die Intensivstation befördern kann. Und uns Jüngere gleich mit, wenn wir Pech haben. Etwa, wenn wir angeschlagen sind oder wegen einer Autoimmunerkrankung wie MS unter Kortison oder Immunsuppressiva stehen. Machen wir uns nichts vor, für MS-PatientInnen ist es sinnvoll und gesund, in diesen Tagen lieber ein bisschen zu vorsichtig zu sein als allzu wagemutig.

Hamstern aus Panik

Angst wurde von der Evolution übrigens als Alarmsystem erfunden, um unser Leben zu schützen. Behandeln wir sie daher mit Respekt. Sie motiviert uns zu vernünftigem Verhalten, lässt uns kreativ werden und nach Lösungen suchen. Erst, wenn Angst in Panik umschlägt, wird es kritisch. Wenn sie uns lähmt statt anspornt, oder wenn sie uns trotz gut gefüllter Supermarkt-Regale zu überbordenden Hamsterkäufen treibt. Menschen mit frühkindlichen Mangelerfahrungen sind besonders anfällig dafür. Haben wir doch alle als Säuglinge gelernt, dass Nahrung nicht nur Sattsein bedeutet, sondern zusätzlich Wärme und Geborgenheit, Schutz und Zuwendung. Wer nie sicher sein konnte, dass „genug“ da war, reagiert auf befürchtete Versorgungsengpässe möglicherweise mit heftigen Ängsten. Auf der realen Ebene kann das gezielte, begrenzte Aufstocken von Vorräten also absolut Sinn machen, es beruhigt. Auf der Ebene der Psyche ist es wichtig, dass wir uns erlauben, die Befürchtung ernst zu nehmen. Wenn wir sie zulassen, dahinter schauen, offen aussprechen: „Ich habe Angst zu verhungern“, dann wird sie greifbarer. Sehen wir sie uns bei Tageslicht an, zerlegen sie in kleine Einzelteile und unterziehen sie einem Reality-Check. So lernen wir, mit Angst konstruktiv umzugehen. Und können uns überlegen, was uns alternativ zum Bunkern von Klopapier, Trockenhefe und Mehl das Gefühl von Kontrolle zurückgibt.

Essen gegen die Angst

Ein enger Verwandter des Hamsterns sind übrigens Fressattacken. Auslöser sind, anders als vermutet, weder Langeweile noch häufigeres Kochen. „Wir essen im Übermaß, wenn der Angstpegel hoch ist. Dahinter steht der verständliche Wunsch, gut für uns zu sorgen. Wer vermehrt zu Essen, Zigaretten, Alkohol greift, könnte sich fragen, womit er sein Bedürfnis nach Wärme, Kontakt und Zuwendung sonst noch befriedigen könnte.“, rät Expertin Gracia N. Grewe. Manchmal hilft es schon, einen Freund oder eine Kollegin anzurufen. Schließlich kann man auch am Telefon ein Schwätzchen halten und miteinander einen Kaffee – ohne Zigarette, ohne Sahnetorte – trinken.“

Sehnsucht nach Nähe

Als Herdentiere sehnen wir uns nach Kontakt und dem Gefühl der Verbundenheit. In Zeiten günstiger Handytarife, Skype und Zoom sollte sich das einrichten lassen, auch wenn wir Umarmungen, das freundschaftliche Schulterklopfen oder die “Wangenbussis” vermissen.

„Der Wert von Beziehungen wird uns wieder bewusster“, betont Lebensberaterin Grewe. „Wir kümmern uns mehr um andere, um Alte und Nachbarn, rufen lang vernachlässigte Freunde an, um zu fragen, wie es ihnen geht. Wir geben der Supermarkt-Kassiererin neuerdings Trinkgeld und nehmen die guten Dinge nicht mehr für selbstverständlich.“

Es heißt, in jeder Krise liegt eine Chance – ein Spruch, über den ich mich stets geärgert habe, weil ich ihn als billiges Heftpflaster von keinesfalls in der Krise steckenden Besserwissern empfunden habe. Aber wer weiß, vielleicht liegt ja doch ein Körnchen Wahrheit darin. Und vielleicht gelingt es uns ja, unsere gestärkten seelischen Abwehrkräfte, sprich Resilienz, und unsere neu entdeckte Achtsamkeit in die Normalität 2.0. hinüberzuretten. Denn das wäre es allemal wert, zusätzlich zum Ehering.

 

Foto: Louis Hansel on Unsplash


TOOLBOX GEGEN DIE KRISE

Schaffen Sie Strukturen und erfinden Sie neue Rituale

Beides gibt Halt und Stabilität:

  • Gerade, wenn sich alles Zuhause abspielt und verschwimmt – trennen Sie Arbeits- von Freizeiten.
  • Kochen Sie gemeinsam, eventuell auch mit Kindern.
  • Zelebrieren Sie eine Mahlzeit für die ganze Familie als Höhepunkt des Tages.

Reden Sie bewusst und achtsam miteinander

  • Erzählen Sie von sich, von Ihren Gedanken und Bedürfnissen.
  • Pflegen Sie eine Kultur des Fragens: Was geht dir durch den Kopf? Wie fühlst du dich? Wie war dein Tag? Was ist richtig gut gelaufen? Was nicht so? Was würdest du brauchen?

Entwickeln Sie Sensibilität für Grenzen

  • Respektieren Sie, dass Ihr/e PartnerIn zwar anwesend, aber nicht permanent ansprechbar oder verfügbar ist.
  • Sagen Sie klar, wenn und wie lange Sie selbst nicht gestört werden wollen.
  • Geben Sie auch Ihrem Schulkind die Möglichkeit, ungestört zu arbeiten und sich voll und ganz auf eine Sache zu konzentrieren. Dabei bitte auf Pausen achten und kleine Turnübungen einbauen, z.B. Hampelmann. Das fördert nicht zuletzt den Lernerfolg.
  • Bei beengten Wohnverhältnissen definieren Sie Bereiche und Zeitfenster für gewisse Tätigkeiten – am Küchentisch werden untertags die Arbeitsmaterialien ausgebreitet, das Schlafzimmer dient als Entspannungszone und Yoga-Studio und zur Not kann man immer noch aufs „stille Örtchen“ flüchten.
  • Beim Musikhören und TV sorgen Kopfhörer für Privatsphäre.

Halten Sie Mediendiät

  • Definieren Sie vertrauenswürdige Nachrichten-Quellen.
  • Begrenzen Sie die Zeiten des News-Surfens.
  • Schalten Sie nachts das Handy auf Flugmodus oder verbannen es aus dem Schlafzimmer.

Bleiben Sie in Bewegung

  • Im Idealfall planen Sie die tägliche Sport- oder Bewegungseinheit ein, das stärkt nicht nur das Immunsystem, sondern baut Stress ab und hebt die Stimmung.
  • Achten Sie darauf sich nicht zu überanstrengen und passen Sie Ihre Bewegungs- oder Sporteinheit Ihren körperlichen Fähigkeiten an.
  • Installieren Sie eine App, die Sie auf sympathische Weise zum Workout motiviert.
  • Yoga, Qi Gong, eine Runde auf dem Hometrainer, Übungen mit Kurzhanteln, Gummiband oder Gymnastikball sind in der Regel auch zuhause durchführbar.
  • Ärger und Frust lassen sich zur persönlichen Lieblingsmusik wunderbar wegtanzen, ob allein oder zu zweit, ob sinnlich oder ausgelassen.
  • Ein täglicher Spaziergang mit oder ohne Rollstuhl, gemeinsam oder bewusst allein macht den Kopf wieder frei.

Räumen Sie auf

Den Schreibtisch, Küchenschrank oder E-Mail-Account. Nutzen Sie die frei gewordene Zeit, einmal gründlich auszumisten. Trennen Sie sich von ungetragener Kleidung, Taschenbüchern, Kosmetikpröbchen aus zwei Jahrzehnten und der geerbten Brockhaus-Sammlung. Spätestens seit Marie Kondos Bestseller haben wir schwarz auf weiß, dass uns kaum etwas so viel frische Energie geben wie radikales Wegwerfen.


Foto: Dickens Sikazwe on Unsplash


Raus aus den alten Schuhen

Wer allein lebt, hat es jetzt besonders schwer. Isolation ist keine anregende Gesprächspartnerin. Ich würde mich freuen, wenn Sie sich einen Ruck geben und aufraffen, jemanden anzurufen. Ja, heute noch. Ein erwachsenes Kind, einen alten Freund oder einfach den Menschen, der Ihnen als erstes spontan in den Sinn kommt. Der oder die Angerufene wird vielleicht überrascht sein und sich freuen. Falls nicht, was ich für unwahrscheinlich halte, rufen Sie einfach Nr. 2 auf Ihrer Liste an. Reden sie. Denn Reden hilft in der Krise. Reden hilft gegen Einsamkeit. Sie könnten auch eine Beratungshotline anrufen, oder sich bei einem Kontaktkreis melden. Oder sogar bei einem Verein, der sich mit Themen beschäftigt, die Sie einmal interessiert haben. Früher. Könnte man diese nicht wiederbeleben? Um selbst wieder ein bisschen mehr … zu leben? Mehr Freude und Energie zu spüren? Bitte beschäftigen Sie sich mit positiven Dingen, mit Tieren und Pflanzen, anregenden Büchern, Komödien, Kunst oder Musik. Und vergessen Sie nicht zu flirten, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Einfach, um nicht komplett aus der Übung zu kommen. Man weiß ja nie. Lassen Sie Schwarzseher, Angsthasen und Weltuntergangs-Propheten außen vor. Meiden Sie MS-Foren, in denen nur geklagt und gejammert wird, denn das schadet nicht nur Ihrer zarten Seele, sondern nachweislich Ihrem Immunsystem. Kultivieren Sie Ihren Optimismus bei jeder Gelegenheit, denn der lässt sich trainieren wie ein Muskel.

Noch eine Idee darf ich Ihnen mitgeben: Hätten Sie nicht Lust, ein Dankbarkeitstagebuch zu beginnen? Die Wissenschaft hat längst bewiesen, dass Schreiben seelischer Hausputz ist. Diese einfache Methode ist sogar antidepressiv wirksam. Gerade in der Krise tut es gut, sich schriftlich klar zu machen, woraus das kleine Glück besteht. Beantworten Sie sich selbst schriftlich (!) jeden Tag folgende Fragen: Was hat mich heute berührt? Was war schön? Für welche Tätigkeit, für welchen menschlichen Kontakt (auch am Telefon oder per Internet), welches kleine Geschenk des Tages bin ich heute dankbar? Notieren Sie täglich einige Zeilen; ich verspreche, dass sich nach einem Monat etwas verändert hat.

Ich zähle auf Sie. Alles Gute! 

Ihre

Edda Wengler


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Aus gegebenem Anlass: Wie schützt man sich vor Corona?

Auch wenn es wie eine Binsenweisheit erscheint, aber der Schutz vor viralen Infektionen ist gerade für immungeschwächte Menschen extrem wichtig. Insbesondere MS-Patienten, die immunsuppremiert sind oder mit immunmodulierenden Medikamenten umgehen, sollten extrem vorsichtig sein. In diesem Zusammenhang wurde gerade in einem anderen Stiftungsprojekt, der SonnenAllianz, ein lesenswerter Artikel mit einem Videobeitrag von Dr. von Helden veröffentlicht (unten im Beitrag), den wir an dieser Stelle empfehlen…


Fazit: Nicht wirklich überraschend, ist ein Vitamin D-Spiegel in einer Bandbreite zwischen 60 und 90 ng/ml im Blutserum ein wichtiger Schutzfaktor vor viralen Infektionen. Das alleine reicht sicher nicht aus, wirkt aber hervorragend schützend im Verbund mit anderen Lebensstilmaßnahmen zur Stärkung des Immunsystems. Gerade immungeschwächte Menschen können bei Beachtung dieses Faktors enorm profitieren.

Und noch ein kleiner Nachtrag: Es lohnt sich jetzt wieder raus in die Sonne zu gehen, jetzt produzieren wir in der Mittagszeit auch wieder Vitamin D über das Sonnenlicht und UVB-Strahlung tötet Viren ab!

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Update Biotin bei MS: frühere Ergebnisse zur heilsamen Wirkung bestätigt

Auf die möglicherweise für einen größeren Teil von Patienten, die an den progredienten Formen der Multiplen Sklerose leiden, positiven Wirkungen von hochdosiertem Biotin (300 mg Vitamin B7/Tag) haben wir schon vor ca. 3 Jahren berichtet.

Im Jahr 2019 wurden inzwischen bei einer weiteren kleinen Gruppe von Patienten (19 Betroffene mit SPMS und PPMS) mit Hilfe der zerebralen Mehrkernmagnetresonanzspektroskopie (MMRS) und der klinischen Auswertung vor und nach 6 Monaten Behandlung mit Biotin signifikante Verbesserungen im Zellstoffwechsel sowie bei den klinischen Symptomen der MS beobachtet. Dies betraf auf der einen Seite die Anstiege des Verhältnisses der Zellmembran-Metaboliten Phosphomonoester zu Phosphodiestern (PME/PDE) und des Zellenergieträgers Adenosintriphosphat (ATP) sowie eine Reduktion der Laktatresonanzen und auf der anderen Seite eine Verbesserung des EDSS-Neuroscores. Diese Ergebnisse stimmen mit den vermuteten Stoffwechselwegen überein, die die positive Biotinwirkung heute erklären.

Einfacher ausgedrückt konnte nachgewiesen werden, dass sowohl die Fähigkeit zur Remyelinisierung der Zellen als auch deren Energieversorgung deutlich verbessert wurden. Beides wirkt sich dann positiv auf den Behinderungsgrad aus. So wurde z.B. eine signifikante Zunahme des Gehbereichs über 6 Minuten eindeutig nachgewiesen (+ 50 m), was gut zu früheren Studienergebnissen passt. Weiter beobachteten die Forscher eine Verbesserung der EDSS bei sieben Patienten (37%) und das Ausbleiben des Fortschreitens der Behinderung bei 12 Patienten (63%).

Fazit: Die schon seit 2016 bekannten vielversprechenden Ergebnisse bei der Behandlung von progredienten Formen der Multiplen Sklerose mit hochdosiertem Biotin wurden erneut bestätigt. Im Gegensatz zu allen anderen schulmedizinisch bisher eingesetzten Behandlungsverfahren, handelt es sich hier um eine Behandlung, die (weitestgehend nebenwirkungsfrei) bei einem relativ hohen Anteil von Patienten mit SPMS oder PPMS zu Stabilisierungs- und Verbesserungseffekten führen kann. Dieser Ansatz kann nur befürwortet werden. Leider wird es noch vermutlich viele Jahre dauern, bis diese Behandlungsmethode – wenn überhaupt – Eingang in die Leitlinien der MS-Behandlung finden wird. Den heute Betroffenen bleibt also nichts anderes übrig, als sich an Mediziner zu wenden, die über den Tellerrand hinaus blicken, progressiv und ganzheitlich agieren und gemeinsam mit ihren Patienten diese Therapieform diskutieren und evaluieren.

Die ärztliche Begleitung ist zwingend zu empfehlen, da es sich hier um pharmakologisch wirksame hohe Biotin-Dosen handelt, die mit klinischen Laboruntersuchungen interferieren und diese verfälschen. Dies gilt insbesondere für die Bestimmung von Biomarkern wie Hormonen, Herz-, Tumor- oder Infektionsmarkern, bei denen eine Verfälschung fatale Folgen haben kann.


Quelle: 

Guillevin C, Agius P, Naudin M, et al. 1 H-31 P magnetic resonance spectroscopy: effect of biotin in multiple sclerosis. Ann Clin Transl Neurol. 2019;6(7):1332–1337. doi:10.1002/acn3.50825


Mehr zur Historie von Biotin bei MS auch diesem Übersichtsartikel der Firma Hevert: Hochdosiertes Biotin bei progredienter Multipler Sklerose


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Einfache Schutzmaßnahmen für den Nachwuchs von MS-Betroffenen: Fettleibigkeit und Vitamin D-Mangel vermeiden

Mehrere frühere Beobachtungsstudien haben gezeigt, dass ein erhöhter Body-Mass-Index (BMI) in der Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Multipler Sklerose (MS) verbunden ist. In einer dieser Studien (der sog. Nurse Health Study) wurde für Frauen ein BMI von 30 kg/m² im Alter von 18 Jahren mit einem mehr als zweifach erhöhten MS-Risiko in Verbindung gebracht!

Solche Studie sind jedoch aufgrund von Verwechslungen und umgekehrter Kausalität anfällig für Verzerrungen: Es ist nicht möglich zu bestimmen, ob der BMI das Risiko von MS erhöht oder ob MS zu einem erhöhten BMI führt oder ob MS-Patienten aufgrund anderer assoziierter Faktoren zu einem erhöhten BMI neigen. Außerdem sind Beobachtungsstudien wie ein „Schnappschuss“ einer Bevölkerungsgrppe in einem bestimmten Zeitraum und können nicht bestimmen, wie hoch das Risiko wäre, wenn sich die Umweltbedingungen ändern würden.

Daher verwendet man eine andere Art der Datenanalyse, um die Zusammenhänge zwischen Varianten (Umweltfaktoren) und genetischen Merkmalen zu erforschen und um damit kausale Rückschlüsse ziehen zu können. Man nennt dieses Verfahren Mendel’sche Randomisierung (MR). Sie soll das genetische Risiko einer Population bestimmen, unabhängig von anderen Faktoren, die das zu untersuchende Risiko erhöhen oder verringern könnten. Diese Tatsache macht die MR zu einem nützlichen Instrument, das hilft, echte kausale Beziehungen von epiphänomenologischen Erscheinungen zu entkoppeln.

Solche MR-Analysen haben die Hinweise aus Beobachtungsstudien bestätigt, dass der BMI in der Kindheit/im frühen Erwachsenenalter ein wichtiger veränderbarer Risikofaktor für MS ist (2) – und sie verdeutlichen, dass Multiple Sklerose den BMI-Status NICHT beeinflusst.

Unabhängige MR-Analysen haben auch gezeigt, dass bei niedrigem Vitamin-D-Spiegel die Wahrscheinlichkeit einer MS stark erhöht ist (3). Andere Studien haben gezeigt, dass ein genetisch erhöhter BMI die Vitamin-D-Werte senkt (was die Ergebnisse von Beobachtungsstudien erneut bestätigt).

Nun stellt sich die Frage, ob ein erhöhter BMI das MS-Risiko ausschließlich durch Senkung der Vitamin-D-Werte beeinflusst? Oder sind beide – also ein hoher BMI und eine niedrige Vitamin-D-Versorgung – unabhängige kausale Risikofaktoren für MS?

Eine neue ebenfalls auf mendel’scher Randomisierung basierende Studie (1), die die zuvor gefundenen Ergebnisse bekräftigen und die Fragen zum BMI und zu Vitamin D als Risikofaktoren für MS lösen sollte, liegt jetzt vor. Die Autoren verwendeten eine große genetische Datenbank und verglichen die Ergebnisse mit früheren epidemiologischen und früheren MR-Studien bei MS.

Sie zeigten, dass ein genetisch-bedingt erhöhter BMI in der Kindheit ein kausaler Risikofaktor für MS ist, unabhängig vom Vitamin-D-Status. Sie zeigten auch, dass jede genetisch bedingte Erhöhung des Vitamin D im Blut mit einer 43%igen Verringerung der Wahrscheinlichkeit verbunden ist, an MS zu erkranken – was die Beweise für die kausale Rolle von Vitamin D in der Entstehung von MS verstärkt.

Es ist wichtig, sich vor Augen zu halten, dass eine mendel’sche Randomisierung das genetische Risiko untersucht. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass die hier gefundenen Risikoraten durch Maßnahmen, die den analysierten Faktor beeinflussen, verändert (verbessert) werden könnten.

Diese Ergebnisse bestätigen somit, dass Maßnahmen wie die Kontrolle der Gewichtszunahme und die Aufrechterhaltung eines zufriedenstellenden Vitamin D-Niveaus im Blut bei Personen mit erhöhtem genetischen Risiko – also insbesondere dem Nachwuchs von MS Erkrankten – einen signifikanten Einfluss auf die MS-Prävention haben können.

Aufgrund der hohen Prävalenz von Adipositas bei Kindern und der hohen Prävalenz von Vitamin-D-Mangel bei Jugendlichen in Deutschland und der ganzen Welt heißt das…

Fazit für alle Eltern in Kürze:

Schickt Eure Kinder raus in die Sonne, supplementiert – wenn erforderlich – Vitamin D und sorgt für ausreichend Bewegung, Sport und ein entsprechende Ernährung, um Eure Kinder schlank und gesund zu erhalten.

Mehr zum Thema Vitamin D, Sonne und MS auch im aktuellen Faktenblatt zu diesem Thema!

Sonnige Grüße für viel Gesundheit schickt Ihnen

Ihr Team von Life-SMS


Quellen:

  1. Jacobs, BM; Noyce, AJ; Giovannoni, G; Dobson, R. BMI and Low vitamin D are causal factors for multiple sclerosis. Neurol Neuroimmunol Neruoinflamm Mar 2020 7(2): e662
  2. Mokry LE, Ross S, Timpson NJ, Sawcer S, Davey Smith G, Richards JB (2016) Obesity and Multiple Sclerosis: A Mendelian Randomization Study. PLoS Med 13(6): e1002053.
  3. Mokry LE, Ross S, Ahmad OS, Forgetta V, Smith GD, Leong A, et al. (2015) Vitamin D and Risk of Multiple Sclerosis: A Mendelian Randomization Study. PLoS Med 12(8): e1001866.

Photo:

Vidar Nordli-Mathisen


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Life-SMS 2020 – Rückblick, Ausblick und Durchblick


Joshua Earle

Zugegeben, dieses Jahr beginnen wir mit unsere regelmäßige Kommunikation etwas verspätet. Das soll aber nicht heißen, dass wir diesen Punkt vernachlässigen, sondern manchmal braucht man eben etwas Zeit, um nach einer willkommenen kreativen Pause mit frischem Schwung weiterzumachen.

Bevor wir uns mit dem Jahr 2020 befassen, nun schon traditionell, die Rückblende auf die Artikel (Neudeutsch: Posts), die im Jahr 2019 am häufigsten gelesen oder als besonders interessant bewertet wurden.

Hier die Liste der Top 10 zum Nachlesen und zur Vertiefung:

1

Magnesiumverbindung für das Gehirn

20,89%

2

Zelliebe von Lisa Kellner

12,29%

3

Und es wirkt doch – Gemüselutscher leben besser mit MS

10,29%

4

Persönliche Highlights des Jahresseminars „MS und Psyche“- ein Gastbeitrag

10,18%

5

MS ist keine Einbahnstraße: Betroffene berichten

10,05%

6

Vibrationstraining verbessert den Behinderungsgrad bei Multipler Sklerose: Ergebnisse einer Pilotstudie

9,22%

7

Curcumin als Therapeutikum bei MS sinnvoll nutzen

9,02%

8

Gegen die MS zurück zum Meer

7,89%

9

Die fünfte Säule der Überwindung von Autoimmunerkrankungen wie MS – Darmgesundheit

7,03%

10

Autophagie: Den äußerst segensreichen Wartungsmodus nutzen

3,13%

100,00%

[Für die Statistiker unter uns: die Prozentzahlen beziehen sich auf knapp 8000 Direktaufrufe von Posts.]


Ausblick 2020

Ein Schwerpunkt der Arbeit in 2020 ist nachwievor die zweite erweiterte Ausgabe des eBooks “MS ist keine Einbahnstraße” mit neuen Patientenberichten und Erfolgsgeschichten. Wir haben den Zeitaufwand etwas unterschätzt und planen nunmehr die Veröffentlichung für die erste Jahreshälfte.

Für diejenigen, die die erste Ausgabe verpasst haben, geht es hier zum Download der aktuellen Ausgabe als eBook im PDF oder ePub Format!

Bitte vergessen Sie nicht für den Download einen kleineren oder größeren Betrag als Anerkennung bei betterplace zu spenden!

Durchblick

Wir werden uns übrigens in den nächsten Monaten noch etwas stärker um das Thema Mikronährstoffe und diesbezüglich um die Entzauberung von Mythen und die Darlegung von wissenschaftlichen Fakten kümmern. Auch das Thema Cannabinoide und das System der Cannabinoid-Rezeptoren im menschlichen Gehirn und Körper stehen auf der To-Do-List.

Darüber hinaus beginnen wir schon jetzt mit der Planung unseres Jahresseminars im Herbst, bei dem es voraussichtlich um die Fortführung des Themas “MS und Psyche” gehen wird.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen alles Gute für 2020 und viele neue Erkenntnisse zur selbstbestimmten Behandlung der MS. Empfehlen Sie uns bitte gerne weiter!

Ihr

Life-SMS Team


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Persönliche Highlights des Jahresseminars „MS und Psyche“- ein Gastbeitrag

Im Rückblick gehen die Zählungen auseinander. Waren es 120 Gäste? Oder doch 130? Oder noch mehr? – Egal. Wir alle sind am 2.11. in Köln in die „Residenz am Dom“ gepilgert, um am Life SMS-Jahresseminar 2019 „MS und Psyche“ teilzunehmen: Gekommen sind Fremde und Freunde, die einander schon im Vorraum freudestrahlend begrüßen; Betroffene und Begleiter, Menschen mit und ohne Gehhilfen und Gerätschaften; ein Teilnehmer sitzt lässig auf einem spacig umgebauten Segway, kurvt mühelos elegant um die eigene Achse, ich denke kurz an Science Fiction, aber das Ding ist tatsächlich echt. MS macht kreativ, offensichtlich. Lösungsorientiert. Und bringt uns zusammen. Aus der Stadt, dem Umland, aus der Schweiz und aus Österreich. Und das hat sich gelohnt.

Zum Auftakt begrüßt uns Hildy Ueberhofen so herzlich wie professionell. Sie wird uns durch den Nachmittag führen, moderieren und das Mikro bei den Fragerunden durch den Saal zum Publikum bringen. Spannende und informative Stunden erwarten uns, Überraschungen inklusive.

Die Organisatorin und die Vortragenden im Gruppenfoto
Die Organisatorin und die Vortragenden

 

Gifte erkennen und vermeiden

Die erste bereitet uns Dr. Stefan Dietsche, Zahnmediziner sowie Umweltmediziner aus Leidenschaft: Denn die Probleme der Seele sind entgegen landläufiger Meinung keineswegs zwingend psychisch verursacht, durch Stress oder Konflikte. „Vielmehr liegen Gründe für z.B. Depressionen oft in der Körperchemie, verursacht durch Neurotoxine.“ Buchautor Dietsche erzählt anschaulich von all den Gefahren, die darauf lauern, unseren Körper zu vergiften, die zu „stummen, chronischen Entzündungen und in weiterer Folge zu Autoimmunerkrankungen“ führen: Amalgam in Zahnfüllungen und dessen unsachgemäße Entfernung, Nickel in Zahnspangen, Formaldehyd in Kindermöbeln, Titan in Implantaten. Schimmelpilze, Lösungsmittel, Weichmacher, Duftstoffe und – nicht zu vergessen – Elektrosmog. „Willkommen in der Epidemie der Moderne!“, sagt Dietsche. Mir wird angst und bange, trotz seiner humorvollen Präsentation. Kann ich diesen vielfältigen Schadstoffen, die meinen kostbaren Biocomputer im Kopf bedrohen, denn noch entkommen? Doch, es gibt Abhilfe und Vorsichtsmaßnahmen: das Vermeiden fluorhaltiger Zahnpasten, Verzicht auf Weichspüler, regelmäßiges Stoßlüften zur Vorbeugung gegen Schimmel, gründliche Zahn- und Mundhygiene, u.v.m. Beruhigend zu wissen. Mein persönlicher Vorsatz: Ab sofort das Handy nachts auf Flugmodus stellen (der Wecker funktioniert trotzdem) und beim Wählen vom Ohr weghalten, denn gerade beim Verbindungsaufbau entsteht intensive Strahlung.

Eine Übersicht zu Schadfaktoren, Chronische Entzündung & Psyche (ⒸDr. med. Stefan Dietsche)
Schadfaktoren, Chronische Entzündung & Psyche (ⒸDr. med. Stefan Dietsche)

Mikronährstoffe und Psyche

Die zweite Vortragende ist die Ernährungs- und Sportmedizinerin Dr. Elke Mantwill. Sie referiert über den Zusammenhang zwischen „Mikronährstoffen und Psyche“. Ich nehme mit, dass es Sinn macht, Werte zu messen, eventuell sogar Cortisol im Speichel. Denn die über den Tag erhobene Kurve gibt bei vielen seelisch-körperlichen Symptomen Aufschluss darüber, ob wir in einer chronischen Neurostress-Reaktion leben, mit Reizbarkeit, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, oder im Gegenteil, schon ins Burnout gekippt sind. Und auch hier spiegelt die ausgebrannte Psyche mit Antrieblosigkeit, „Chronic Fatigue Syndrome“, sozialem Rückzug und Depression die hormonelle Situation wider. Frei nach dem Motto: Nix geht mehr, Adrenalin, Noradrenalin, Insulin, DHEA, das Wohlfühl-Hormon Dopamin – alles gut und wichtig, aber leider ausverkauft.

Die Ursachen für Neurostress und Burnout sind vielfältig, und natürlich hängt bei ganzheitlicher Betrachtung alles zusammen: Hormone, Stoffwechsel, Immunsystem, Darm, Psyche etc. Gegenmaßnahmen: professionelle Beratung durch die Spezialistin, individueller Mix an Nahrungs-Ergänzungsmitteln, gezielte Antistress-Ernährung, moderate Bewegung und – der Dauerbrenner – Stressabbau.

Die Cortisolkurve als Maß für Stress und Burnout (ⒸDr. med. Elke Mantwill)
Die Cortisolkurve als Maß für Stress und Burnout (ⒸDr. med. Elke Mantwill)

 

Dass ein Senken des Stresslevels zum Gesund werden beiträgt, ist unumstritten. Mitunter muss man dafür allerdings sein Leben komplett auf den Kopf stellen. Das beweist Benedikt van Almsick, der über „Emotionale Aspekte der Multiplen Sklerose aus Sicht der traditionellen chinesischen Medizin“ spricht.

Der wichtigste Mensch in Ihrem Leben

Der Kölner Heilpraktiker steht vor unserem Saal voller Menschen gut sichtbar auf erhöhter Bühne. Ohne sich zu schonen, teilt er mit uns persönlichste Details der eigenen Biographie, aus der Zeit „davor und danach“, eine Zeitrechnung, zweigeteilt durch den Einschnitt der Diagnose MS. Jede Menge Mut und Offenheit berühren. Emotionen klingen durch wie das schwache Echo vergangener Katastrophen. Van Almsick hat vorsorglich angekündigt, dass das passieren könne. Er erzählt von seinem Job als hoch bezahlter IT-Spezialist. Vorher. Von seiner schwierigen Kindheit. Und von seiner Erkrankung. Von der katastrophalen Phase, als er von Schub zu Schub taumelte. Davon, wie er beschoss, den einträglichen Job zusammen mit dem Gefühl der Sinnlosigkeit an den Nagel zu hängen. Sein Haus zu verkaufen. Den Freundeskreis auszutauschen. Sich scheiden zu lassen. Und eine neue Ausbildung zu beginnen.

Heute ist er schon seit langem schubfrei. Zum zweiten Mal verheiratet. Glücklich diesmal. Seine Frau, eine Kollegin, sitzt hinter mir, beteiligt sich an der anschließenden Fragerunde.

Seit mehr als zehn Jahren lebt Van Almsick seine Berufung als Heilpraktiker. Seinen Patienten hilft er mit Akupunkturnadeln und der Kenntnis jener Punkte, die dazu beitragen Emotionen zu klären und Leidenschaften zu entdecken. Und mit heilsamen Botschaften:

➢MS ist dramatisch genug, um aufzuwachen und das eigene Leben komplett zu überdenken

➢Versuchen Sie, Ihre Emotionen zu nutzen statt sie zu unterdrücken

➢Eine Idee von „Jetzt darf ich auch mal“ ist gesund und notwendig

➢Machen Sie etwas Verrücktes, was Sie immer wollten, aber sich nie getraut haben!

➢Denken Sie daran: Sie sind der wichtigste Mensch in Ihrem Leben!

Großzügige Gäste

Blitzlichter angeregter Pausengespräche. Eine jugendlich wirkende Dame erzählt mir, wie traurig es sie macht, nächste Woche Frührente beantragen zu müssen, ich fühle mit ihr. Einer anderen Teilnehmerin ist es gelungen, ihre Sehnerv-Entzündung zu heilen, restlos. Allein mit Hilfe ihrer Vorstellungskraft. Während wir plaudern, wandern Spenden in die Dose, denn das Projekt muss sich selbst tragen, die meisten Gäste sind großzügig, geben mit einem Lächeln. Dankeschön.

Den Abschlussvortrag hält Diplomphysiker Anno Jordan, Mastermind des Life-SMS-Projektes. Seine „Fünf Messages zu Mitnehmen“ beinhalten: die Psyche ernst nehmen, den oft gering geschätzten Placebo-Effekt retten, weil er kostenlos viel bewirken kann, den dunklen Zwilling „Nocebo-Effekt“ vermeiden, Spiritualität, Dankbarkeit, Achtsamkeit und Meditations-Praxis kultivieren. Atemtechniken können den Weg in die Entspannung abkürzen. Begeisterter Schluss-Applaus belohnt den Impulsvortrag, gleichzeitig die anderen Sprecher und die Wahl des diesjährigen Themenschwerpunkts „Psyche“.

Fest steht, die Psyche ist ein weites Land, in das sich Reisen lohnen. Manche Gegenden kennen wir gut, andere zeigen sich als noch unerforschte weiße Flecken auf unserer inneren Landkarte. Nicht nur, aber auch bei MS-Patienten. Daher: Fortsetzung folgt 2020. Wir sehen uns beim Seminar. Same time, same place. Sie und ich. Und 150 andere. Mindestens.

Edda Wengler


Sie haben es dieses Jahr nicht geschafft dabei zu sein? Dann können Sie gerne die .pdfs der Vorträge an der weiter unten genannten Stelle herunterladen. Wir wären aber für eine kleine Spende zugunsten des Projektes bei betterplace sehr dankbar!

Hier finden Sie den Spendenlink:

https://www.betterplace.org/de/projects/16807-life-sms-lebensstilmassnahmen-bei-multipler-sklerose

Und hier geht’s zum Folien-Download:

https://drive.google.com/open?id=1pUh8ltXSiLDU4u59DXVqYbOugOlxN9rp

 


Life-SMS bedankt sich ganz herzlich bei unserer Unterstützerin Edda Wengler für den lebendigen Bericht und den facettenreichen Gastbeitrag!

 

Ihr

Life-SMS Team

Weihnachten steht vor der Tür – Einkaufen mit WeCanHelp und für Life-SMS Spenden generieren

Zugegeben, die letzten Wochen waren aufgrund der Vor- und Nacharbeit zu unserem Jahresseminar vom 2.11.2019 etwas kommunikationsärmer. Dies wird sich aber nun wieder ändern, doch bevor wir ausführlich über das Jahresseminar berichten, sei ein Hinweis in eigener Sache erlaubt.

Wie unsere treuen Leserinnen und Leser wissen, ist die DSGiP mit dem Projekt Life-SMS bei WeCanHelp registriert. Eine ideale Möglichkeit für alle “Online-Shopper” einen Teil des Umsatzes ohne eigene Mehrkosten gemeinnützigen Projekten zugute kommen zu lassen. So können Sie zuverlässig und ohne eigenes Geld in die Hand nehmen zu müssen Life-SMS unterstützen, einfach ganz nebenbei beim Einkauf.

Zur Erinnerung: Statt eine Vermittlungsprovision zu zahlen, spenden viele Onlineshops (wie HRS, booking.com, office discount, db-ticket, Lufthansa, Fressnapf, Galeria Kaufhof, IKEA, LIDL, MediaMarkt, Tchibo und 6000 andere) für jeden Online-Einkauf typischerweise 1-5% des Einkaufswerts an gemeinnützige Organisationen, die beim Portal WeCanHelp registriert sind.

Wie geht es?

Einfach vor der ersten Nutzung über https://www.wecanhelp.de/lifesms registrieren und dabei die DSGiP als Standardauswahl festlegen.

Jeder kann aber auch OHNE Registrierung ganz schnell und einfach die DSGiP mit Einkäufen, direkten Spenden und Charity-SMSen unterstützen. Wer sich als Nutzer registriert, hat allerdings einen größeren Funktionsumfang und kann z.B. seine individuelle Statistik mit Gutschriften der Partner-Shops und direkten Spenden einsehen.

Am besten gleich installieren, damit kein Spendenshop übersehen wird:

Die WeCanHelp-App für iPhones und Smartphones

https://qrcode.appack.de/Bildungsspender 

Und den Browseralarm für Firefox, Chrome oder Opera:

https://www.wecanhelp.de/lifesms/shop-alarm


Nur zur Sicherheit sei angemerkt: Das ist keine Aufforderung zum Online-Shoppen, wir raten grundsätzlich zum regionalen Einkauf, sofern möglich und sinnvoll. Wenn Sie aber Online-Shoppen, dann nutzen Sie bitte WeCanHelp zugunsten von Life-SMS. Denn wer kauft heute noch Bahn- oder Flugtickets am Schalter?

Und eines ist sicher: beim Online-Einkauf ohne Nutzung von WeCanHelp landet das prinzipiell zur Verfügung stehende Geld in den Taschen der “shareholder” und nicht bei einem gemeinnützigen Projekt. Das können Sie über ein paar wenige zusätzliche Klicks verhindern!

In diesem Sinne bedanken wir uns vorab für Ihre Unterstützung!

Ihr

Life-SMS Team


Und wenn Sie helfen wollen, dass unser Projekt weiterlebt, unterstützen Sie uns über drei einfache Wege!

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