Hilfreiche Tipps im Umgang mit Covid-19 nicht nur für MS-Betroffene

Photo by Kelly Sikkema on Unsplash

Jeder Mensch kann sich mit Covid-19 infizieren, unabhängig davon, ob er eine Covid-19-Impfung erhalten hat oder nicht. Und jeder kann Personen in seinem Umkreis anstecken. Auch das ist unabhängig vom Impfstatus. Demnach ist ein rücksichtsvoller Umgang – mit sich selbst und dem perönlichen Umfeld in jedem Fall geboten.

Gerade für MS-Betroffene kann Covid-19 selbst bei milden Verläufen aufgrund des möglichen Fiebers und des Uthoff-Phänomens sehr unangenehme Folgen haben. Aufgrund der mit der erhöhten Körpertemperatur einhergehenden reduzierten Nervenleitfähigkeit stellen sich körpertemperaturabhängige Bewegungseinschränkungen ein, die zwar reversibel sind, aber zutiefst belastend wirken.

Die gute Nachricht: Es gibt Möglichkeiten, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen, denn Covid ist ein Grippe-Erreger. Je früher mit der Behandlung begonnen wird und je besser Ihr Körper auf die Auseinandersetzung mit einem Erreger vorbereitet ist, desto besser und effektiver kann der Körper den Kampf gegen das Virus aufnehmen. Dies gilt für Covid ebenso wie für alle anderen Viren in unserer Lebensumwelt. Gerade auch die derzeit grassierenden grippalen Infekte betreffen Menschen mit geschwächten Immunsystem besonders.

Die Ärztin Ruth Biallowons und „Functional Medicine Health Coach“ Corinna van der Eerden haben daher schon Anfang dieses Jahres einen Leitfaden geschrieben, der wichtige begleitende Maßnahmen für infiziere Personen beschreibt. Dieser Leitfaden ist zwar nicht zielgerichtet für Personen mit Autoimmunerkrankungen entwickelt worden, doch zusammen mit den Kenntnissen, die sich die Life-SMS-Follower im Laufe der Zeit erworben haben, finden sich darin sinnvolle Maßnahmen, die Betroffene eigenverantwortlich umsetzen können. Geben Sie den Leitfaden gerne auch an andere Interessierte weiter, die sich im Herbst und Winter mit Infekten herumschlagen oder sich davor schützen wollen.

In diesem Sinne wünschen wir gute Genesung!

Ihr

Life-SMS-Team


An dieser Stelle können Sie den Leitfaden gerne jederzeit kostenfrei herunterladen…


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Studie zeigt: Komplementärmedizin für MS-Betroffene in der Mehrzahl der Fälle hilfreich – Eigenverantwortung lohnt sich!

Wer kennt das nicht: Man geht zum Arzt oder zur Ärztin des Vertrauens und man erhält auf die Frage nach komplementärmedizinischen Behandlungsmöglichkeiten oft nur ein Achselzucken oder wird – schlimmstenfalls – als Esoteriker und Schwurbler in eine bestimmte Schublade gesteckt. Gerade die Neurologenzunft hat diesbezüglich Prachtexemplare hervorgebracht. Vielleicht sollte man ja einmal die Patientinnen und Patienten nach ihren Erfahrungen fragen?

Fragt die Patienten – eine sehr hilfreiche Analyse

Genau das hat eine polnische Forschergruppe gemacht und aktuell veröffentlicht. Sie untersuchten die Häufigkeit und Merkmale der Nutzung von Komplementär- und Alternativmedizin (KAM) bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) in Polen [1].

Die Daten wurden mittels eines selbst entworfenen Fragebogens mit 33 Fragen erhoben. Dieser wurde an MS-Patienten verteilt, die im Jahr 2016 in der MS-Abteilung der Abteilung für Neurologie der Medizinischen Universität Warschau, Polen, stationär behandelt wurden. Die Studiengruppe bestand aus 75 Patienten (47 Frauen, 28 Männer, Durchschnittsalter 44,6 ± 12,5 Jahre) mit klinisch definierter MS.

Ergebnisse

Dem Fragebogen zufolge hatten 48 Patienten (64 %) mindestens einmal eine alternative Behandlungsmethode genutzt. Die meisten Patienten gaben an, dass die Alternativmedizin eine mögliche (58 %) oder eine deutliche (43,7 %) positive Wirkung hatte. 61,4 % der KAM-Anwender berichteten über eine geringere Fatigue und 33,3 % über eine verbesserte Stimmung.

Einfluss der komplementären und alternativen Medizin (KAM) auf die Lebensqualität (nach [1])

Es gab unter anderem signifikante Zusammenhänge zwischen der erhöhten Verwendung von alternativmedizinischen Ansätzen und dem Fortschreiten der Krankheit und einer mangelnden Wirksamkeit von krankheitsmodifizierenden Therapien.

Es gab keine signifikanten Korrelationen zwischen der Verwendung von Alternativmedizin und dem Geschlecht, dem Wohnort, der Bildung, dem Familienstand oder dem beruflichen Status.

Die am häufigsten verwendeten Alternativmedizinprodukte insgesamt waren Vitamine (48 %), und mehrfach ungesättigte Fettsäuren (36 %); psychophysische Methoden (44 %), manuelle Therapien (24 %) und Entspannungstechniken (17,3 %) sowie Kräutermedizin (29,3 %). Ärzte wurden sowohl bei der konventionellen Behandlung (97,3 %) als auch bei der alternativen Medizin (67 %) als die zuverlässigste Autorität angesehen.

Die am häufigsten verwendeten komplementären und alternativen Arzneimittel (KAM), die nur zur Kategorie Ernährung (laut Definition in der Studie) gehören (nach [1])

Die am häufigsten verwendeten komplementären und alternativen Methoden (KAM), die zur Kategorie der psychophysischen Interventionen gehören (nach [1])

Patienten, die komplementäre und alternative Medizin nutzen, sprachen signifikant häufiger mit ihren Ärzten über dieses Thema (56 %) als Patienten, die keine alternative Medizin nutzten. Allerdings informierten 54 % der Patienten ihren Arzt nicht über die Verwendung von Alternativmedizin. Die Befragten gaben an, dass die Ärzte keine Diskussion darüber angeregt haben (55,9 %), aber 44 % der Patienten würden gerne die Möglichkeit haben, mit einem Arzt über Alternativmedizin zu sprechen.

Die Forscher schließen daraus:

“Obwohl die Wirksamkeit und Sicherheit der Alternativmedizin nicht bestätigt ist, sollte man bedenken, dass die meisten MS-Patienten alternative Methoden anwenden, insbesondere diejenigen mit einem schwereren Phänotyp. Ärzte und Ärztinnen werden meist als verlässliche Autoritäten wahrgenommen und sollten daher dieses Thema mit den Patienten besprechen…” und “…dementsprechend ist es möglich, Wechselwirkungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten zu vermeiden und dadurch die Wirksamkeit der Therapie und die Lebensqualität zu verbessern.”

Unsere Schlussfolgerungen

Die Studienautoren sind gewohnt zurückhaltend in ihren Aussagen und ja, die Zahl der Patienten ist mit 75 nicht besonders hoch, dennoch ist das Ergebnis richtungsweisend, insbesondere im Vergleich mit reinen Standardtherapien und mannigfaltiger damit verbundener Nebenwirkungen. Mehr als 56 % der Betroffenen vermelden eine Verbesserung der Lebensqualität und 20 % der Befragten eine Verbesserung klinisch messbarer Krankheitsmerkmale. Knapp 15 % der Befragten berichteten sogar über eine Reduktion der Krankheitsprogression.

Offensichtlich hat die Beschäftigung mit und das Ausprobieren von alternativen Methoden heilsame Effekte und führt zu einer stärkeren Selbstwirksamkeit. Selbstwirksamkeit bedeutet dabei, die innere Überzeugung zu haben, schwierige oder herausfordernde Situationen gut meistern zu können – und das aus eigener Kraft heraus.

Genau dazu möchten wir Sie ermuntern. Selbstverständlich gibt es auch in der Komplementärmedizin Geldmacherei und Scharlatanerie, aber mit Hilfe unseres Projektes, der Life-SMS Mindmap und ganzheitlich orientierter Therapeuten schaffen Sie es sicher und eigenverantwortlich, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Referenz:

[1] Podlecka-Piętowska, A., Sugalska, M., Janiszewska, K., Wall-Szczech, A., Cyganek, A., Szejko, N., & Zakrzewska-Pniewska, B. (2022). Complementary and alternative medicine in multiple sclerosis: a questionnaire-based study. Neurologia i neurochirurgia polska, 10.5603/PJNNS.a2022.0059. Advance online publication. https://doi.org/10.5603/PJNNS.a2022.0059Full version


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Multiple Sklerose und Ausdauertraining – ideal in Kombination mit Krafttraining

Wir sind im letzten Artikel in dieser Reihe auf die Auswirkungen von Krafttraining auf die Symptomatik bei MS eingegangen.

Ausdauertraining ist eine weitere sehr empfehlenswerte nicht-pharmakologische Maßnahme für Menschen mit MS. Es gibt seit langem Studienbelege dafür, dass Ausdauertraining die aerobe Fitness und die gesundheitsbezogene Lebensqualität bei MS verbessert, mit erkennbaren Auswirkungen auf die funktionelle Kapazität [1, 2]. Die bisher berichteten Auswirkungen des Ausdauertrainings auf die muskuläre Leistungsfähigkeit und die wahrgenommene Ermüdung waren nicht besonders stark ausgeprägt. Es wurde aber vermutet, dass Ausdauertraining in Kombination mit Krafttraining die positiven Effekte von Bewegungstraining bei Personen mit MS noch verstärken könnte [3].

Photo by CHUTTERSNAP on Unsplash: Trainingsgeräte für das Ausdauertraining




Genau diese Vermutung wurde in einer randomisierten Studie aus dem Jahr 2021 nachgewiesen [4], auf die wir im Folgenden näher eingehen werden.

Effekte eines kombinierten Ausdauer- und Krafttrainings bei Frauen mit Multipler Sklerose: Eine randomisierte, kontrollierte Studie

In dieser Studie wurden 27 Frauen mit MS wurden nach dem Zufallsprinzip entweder der Kontrollgruppe (CON: n = 13) oder der Experimentalgruppe (EXP: n = 14) zugeteilt. Die Teilnehmerinnen der EXP-Gruppe trainierten 12 Wochen lang zweimal pro Woche, gefolgt von einer 12-wöchigen Pause. Sowohl die CON- als auch die EXP-Gruppe wurden vor und nach der 12-wöchigen Interventionsphase sowie 12 Wochen nach Beendigung des Trainings (Follow-up) getestet, wobei Muskelkraft, Müdigkeit, Depression und Lebensqualität gemessen wurden.

Messgrößen

Muskelkraft: Die maximale bewusste isometrische Kontraktion (MVIC) ist eine gängige Methode zur Messung der Muskelkraft bei Menschen mit MS. Eine kalibrierte Kraftmesszelle zeichnete die Muskelkraft (N) während einer isometrischen bewussten Kontraktion der Kniestrecker in einer Beinstreckmaschine auf. Die Kraft wird im Falle einer isometrischen Kontraktion gemessen, ohne dass sich das Gelenk bewegt.

Dynamische Kraft: Die maximale dynamische Kraft wurde anhand von sogenannten 1RM-Bewegungen an den Geräten für bilaterale Beinstreckung, Brustpresse und Rudern im Sitzen ermittelt. Kurz gesagt, 1RM ist dabei definiert als die schwerste Last, die nur einmal über einen vollen Bewegungsbereich gehoben werden kann.

Fatigue: Die italienische Version der Modified Fatigue Impact Scale (MFIS) kam an dieser Stelle zum Einsatz.

Depressive Symptomatik: Das Vorhandensein und der Schweregrad von depressiven Symptomen wurden anhand der italienischen Version des Beck Depression Inventory-II (BDI-II) ermittelt.

Lebensqualität: Die italienische Version des Fragebogens zur Lebensqualität bei Multipler Sklerose (MSQOL-54) wurde zur Messung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität verwendet.

Ergebnisse

Die Ergebnisse konnten sich mehr als nur sehen lassen. Betrachten wir zuerst die körperlichen Effekte.

Nach Abschluss der Trainingsphase:

Absolute Änderung der Messwerte inkl. statistischer Fehler

Nach 12 Wochen ohne Training:

Die Effekte in der Trainingsgruppe waren also einen Faktor 2 – 4 positiver ausgeprägt als in der Kontrollgruppe. Nach Abschluss des Trainingszeit ging lediglich die dynamische Kraft und damit auch die Ausdauer bei der Beinstreckung in den folgenden 12 Wochen ohne weiteres Training zurück.


Jetzt folgt der Blick auf die Auswertungen der verschiedenen Fragebögen:

Nach Abschluss der Trainingsphase:

Nach 12 Wochen ohne Training:

An diesen Auswertungen sieht man deutlich die Wichtigkeit eines kontinuierlichen Trainings. Dies wird besonders deutlich an der Zunahme des Wertes in der Unterkategorie Fatigue und bei der Abnahme der Ratings für die Lebensqualität in den 12 Wochen ohne weiteres Training.

Die hohen Schwankungsbreiten sind zumindest durch die noch immer recht geringe Zahl von Teilnehmerinnen zu erklären und die sehr unterschiedliche Ausprägung der MS-Symptomatik bei den Betroffenen. Die Tendenz ist aber eindeutig.

Fazit:

In dieser Studie wird erstmals die Wirksamkeit eines kombinierten Ausdauer- und Krafttrainingsprogramms für Personen mit MS beschrieben. Die aktuellen Ergebnisse deuten sehr stark darauf hin, dass diese Art Trainingsprogramm zu einer Steigerung der Muskelkraft führt, die mit einer Verbesserung der wahrgenommenen Müdigkeit, der depressiven Symptome und der gesundheitsbezogenen Lebensqualität einhergeht. Diese Veränderungen blieben auch nach einer 12-wöchigen Trainingspause zum Teil bestehen, allerdings zeigt sich die Wichtigkeit der kontinuierlichen Fortführung eines solchen Trainingsansatzes. Diese und andere Studien haben gezeigt, dass ein kombiniertes Training von Muskelkraft und Ausdauer eine mehr als empfehlenswerte Maßnahme zur Stabilisierung und Verbesserung des Gesundheitszustandes bei MS-Betroffenen ist. Suchen Sie sich Gleichgesinnte und kommen Sie in Bewegung, immer den eigenen körperlichen Bedingungen entsprechen und ohne Überanstrengung – Körper und Geist werden es Ihnen danken.


Bisher erschienen in dieser Reihe:

Sport, Training und Bewegung bei MS: Eine Einführung

MS, Sport und Immunsystem

Multiple Sklerose und Training – Einfluss auf Symptome der MS

Multiple Sklerose und Krafttraining


Wenn Sie mehr zum Thema Sport und MS wissen wollen, sei Ihnen auch die

🖹 Life-SMS Veröffentlichung: Sport und MS aus dem Jahr 2017 empfohlen, auf die wir in dieser Artikelserie an vielen Stellen zurückgreifen.


Referenzen

[1] Petajan JH, Gappmaier E, White AT, Spencer MK, Mino L, Hicks RW. Impact of aerobic training on fitness and quality of life in multiple sclerosis. Ann Neurol. (1996) 39:432–41. doi: 10.1002/ana.410390405, full text

[2] Mostert S, Kesselring J. Effects of a short-term exercise training program on aerobic fitness, fatigue, health perception and activity level of subjects with multiple sclerosis. Mult Scler. (2002) 8:161–8. doi: 10.1191/1352458502ms779oa, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11990874/

[3] Dalgas U, Stenager E, Ingemann-Hansen T. Multiple sclerosis and physical exercise: recommendations for the application of resistance-, endurance- and combined training. Mult Scler. (2008) 14:35–53. doi: 10.1177/1352458507079445, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17881393/

[4] Correale L, Buzzachera CF, Liberali G, Codrons E, Mallucci G, Vandoni M, Montomoli C and Bergamaschi R (2021) Effects of Combined Endurance and Resistance Training in Women With Multiple Sclerosis: A Randomized Controlled Study. Front. Neurol. 12:698460. doi: 10.3389/fneur.2021.698460, full text


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Life-SMS und sonst so: Sommerpause und ein paar News

Liebe Leserinnen und Leser,

der Sommer ist da und viele bereiten sich auf eine schöne Urlaubszeit und eine erholsame Periode zuhause oder auf Reisen vor. Dazu wünschen wir Ihnen alles Gute und Liebe.

Lassen Sie möglichst los, kümmern Sie sich liebevoll um sich selbst, Ihre Lieben und Freunde und genießen Sie jeden Augenblick. Das Leben ist es wert! Und vor allem, schalten Sie auch mal digital ab. Trotz aller beunruhigender Nachrichten, die Natur interessiert sich weder für Viren noch Despoten, sondern sie lebt, gedeiht und entwickelt sich fort. Es ist also auch erlaubt, das Jetzt und die kleinen Momente des Glücks zu genießen.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen einen schönen Sommer, gute Erholung und viel Kraft für die Rückkehr in den Alltag danach. Wir melden uns im Laufe des Augusts zurück.

Für die ganz Wissbegierigen sind weiter unten einige lesenswerte Links angefügt (die Sie aber gerne auch noch nach den Ferien verfolgen können) oder Sie stöbern im Archiv nach noch nicht gelesenen Beiträgen der letzten Jahre.

Ihr Life-SMS Team


An dieser Stelle weisen wir auf aktuelle Beiträge aus dem Netz hin, die einen engen Bezug zu unserem Kernthema lebensstil-orientierte und eigenverantwortliche Behandlung der MS haben. Die dort wiedergegebenen Meinungen dienen als Anregung zur kritischen Auseinandersetzung. Sie entsprechen nicht zwingend den von uns vertretenen Positionen, sind aber in allen Fällen eine Bereicherung der Diskussionsgrundlage. Am Ende erwähnen wir zudem aktuelle – möglichst frei verfügbare – Studien, die unsere Methodik untermauern. Machen Sie sich selbst ein Bild!


ERNÄHRUNG UND MULTIPLE SKLEROSE: Was nutzt eine ketogene Diät bei MS? [daz.online.de, 23.6.2022]

Auf Kohlenhydrate verzichten, dafür mehr gesunde Fette und viel Protein: Profitieren Menschen mit Multipler Sklerose von einer ketogenen Diät?

MS: Migräneattacke von neuem Schub unterscheiden [esanum.de, 30.5.2022]

Eine Migräneattacke mit ihrer vollen Last an Schmerz- und Begleitsymptomatik verunmöglicht den Betroffenen häufig, zur Arbeit zu gehen, normale Alltagsaktivitäten zu bewältigen, ihre Kinder zu versorgen oder mit Freunden oder Angehörigen zu interagieren. Neurologin Prof. Saloua Mrabet beschreibt, dass MS-Kranke, die dieses erleben, zusätzlich von der Frage geplagt werden: Habe ich jetzt einen neuen Schub?

Ein Bremer Neurologe erklärt: Kommt eine Impfung gegen MS? [butenunbinnde.de, 29.5.2022]

Die Behandlung von Multipler Sklerose hat sich weiterentwickelt. Jetzt sorgt ein Befund für Aufsehen: Ein Virus soll MS auslösen. Der Neurologe Thomas Duning erklärt, was dran ist.

Kampf gegen MS [volksblatt.at, 21.5.2022]

Dass die Diagnose einer unheilbaren Krankheit wie Multiple Sklerose nicht zur Selbstaufgabe führen muss, sondern sich mit einem ausgeprägten Kampfgeist wieder viel ins Positive bewegen kann, zeigt der betroffene Arzt Stefan Hainzl in seinem Buch „Comeback“ auf.

Viren können Multiple Sklerose auslösen: Die Langzeitfolgen viraler Infektionen [spektrum.de, 27.4.2022]

Immer mehr wird darüber bekannt, was Viren dauerhaft im Körper anrichten. Befeuert durch Long Covid, wächst das Interesse der Forschung an dem Thema – und damit die Hoffnung auf einen Impfstoff gegen Multiple Sklerose.

Norwegische Langzeitstudie: Kindheitstraumata erhöhen womöglich Risiko für Multiple Sklerose [fitbook.de, 15.4.2022]

Dass die Kindheit eine äußerst sensible Entwicklungsphase in unserem Leben ist, dürfte mittlerweile den meisten Menschen bekannt sein. Nun hat eine große norwegische Studie herausgefunden, dass traumatische Erlebnisse in der Kindheit das Risiko für die chronische Nervenerkrankung Multiple Sklerose erhöhen könnten.

Vitamin B12 and Multiple Sclerosis [verywellhealth.com, 4.6.2021]

Vitamin B12, clinically known as cobalamin is a water-soluble micronutrient that, among other things, is important to the normal function of the nervous system. Because of this role, it’s been …


Photo © Anno Jordan


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Multiple Sklerose und Krafttraining

Wir hatten schon im letzten Artikel in dieser Reihe auf die Auswirkungen von körperlichem Training auf die Symptomatik und Krankheitsentwicklung bei MS hingewiesen.

In den folgenden Artikeln werden wir uns näher mit verschiedenen Trainingsformen beschäftigen.

Photo by Kelly Sikkema on Unsplash

Generelle gesundheitliche Effekte von Krafttraining

Unabhängig von einer Erkrankung hat richtig eingesetztes Krafttraining (auch als progressives Widerstandstraining bezeichnet) mannigfaltige positive gesundheitliche und präventive Effekte. Dazu gehören:

  • Das Entgegenwirken eines Muskelabbaus (bedingt durch Alter, Krankheit, Bewegungsmangel)
  • Die Verbesserung der Koordination zwischen Nervensystem und Muskulatur
  • Die Verbesserung des Zusammenspiels der einzelnen Muskeln untereinander
  • Die Stabilisierung des muskulären Stützsystems (Krafttraining beugt so zum Beispiel Gelenkschäden oder Rückenbeschwerden vor!)
  • Die Erhöhung der Belastbarkeit von Bändern und Sehnen
  • Die Zunahme der Stabilität von Knochen (Verhinderung von Osteoporose)
  • Die Verbesserung der Insulinsensitivität
  • Die Erhöhung des Kalorienverbrauches
  • Der Abbau von Stresshormonen
  • Die Erhöhung des Testosteronspiegel (antientzündliche Wirkung)

Krafttraining und MS

Die positiven Effekte eines Muskeltrainings, um der Atrophie (Abnahme der Muskelsubstanz) entgegen zu wirken, die Koordination und damit die Stabilisierung von Gelenken zu erhalten und zu verbessern ist gerade bei einer MS-Erkrankung die Basis zum Erhalt der Gehfähigkeit und Bewegungsfähigkeit insgesamt. Progressives Muskeltraining der unteren Extremitäten [1] führte laut einer Studie aus dem Jahr 2009 [2] zu verbesserter Muskelkraft und einer Steigerung der funktionalen Kapazität bei Patienten mit MS. Das Ergebnis war signifikant besser als das der Kontrollgruppe ohne Training. Gute Ergebnisse wurden vor allem auch durch kombiniertes Kraft- und Ausdauertraining erzielt.

Die gegebenen Empfehlungen belaufen sich auf ein 2-3 maliges Training pro Woche, wobei große Muskelgruppen, besonders die der Beine, in 4-8 Übungen mit 1-3 Sätzen von jeweils 8-15 Wiederholungen trainiert werden. Angefangen bei 15 Wiederholungen und niedriger Intensität, wobei später die Zahl der Wiederholungen reduziert und die Intensität erhöht wird.

Besonders die Ruhephasen zwischen intensiveren Einheiten (48 Stunden) sollten hier Beachtung finden.

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2015 [3] von 20 nach strengen Kriterien ausgewählten Studien (von insgesamt 507 betrachteten Veröffentlichungen) mit Multiple Sklerose- und Parkinsonbetroffenen bestätigt diese Ergebnisse eindeutig. Es wurde festgestellt, dass Krafttraining die Muskelkraft bei Menschen mit Parkinson (15 % – 83,2 %) und Multipler Sklerose (4,5 % – 36 %) deutlich verbessert. Signifikante Verbesserungen der Mobilität (11,4 %) und des Krankheitsverlaufs wurden auch bei Menschen mit Parkinson-Krankheit nach dem Krafttraining festgestellt. Darüber hinaus wurden bei Personen mit Multipler Sklerose nach dem Krafttraining signifikante Verbesserungen der Fatigue (8,2 %), der funktionellen Kapazität (21,5 %), der Lebensqualität (8,3 %), der Kraft (17,6 %) und der elektromyographischen Untersuchung (Messung elektrischer Aktivität in ausgewählten Muskeln) (24,4 %) festgestellt. Krafttraining ist also extrem nützlich, um die Muskelkraft bei Morbus Parkinson und signifikant – wenn auch in geringerem Maße – bei Multipler Sklerose zu steigern.

Diese Ergebnisse wurden durch einen ganz aktuellen Review [4] aus dem Jahr 2022 ergänzt. Signifikante Verbesserungen zwischen Gruppen mit und ohne Krafttraining wurden bei der Kniestreckung und -beugung festgestellt, nicht jedoch bei der Zahl der Wiederholungen. Hinsichtlich der funktionellen Kapazität und des Gleichgewichts wurden signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen zugunsten der Gruppe mit Krafttraining beim “Timed Up and Go Test”, der Gehausdauer, der Gehgeschwindigkeit und des Gleichgewichts festgestellt. Die Ergebnisse hinsichtlich der optimalen Dosis waren hier uneinheitlich.

Fazit:

Die Studien haben gezeigt: Muskelkraft ist auch bei MS trainierbar und sollte hier, genau wie beim Ausdauertraining, all die positiven Effekte hervorrufen, die am Anfang dieses Artikels für das Krafttraining genannt generell genannt wurden.

Bei der Wahl der für Sie geeigneten Art des Krafttrainings und der Trainingsgeräte oder Hilfsmittel (Hanteln, Theraband etc.) sollten Sie sich von erfahrenen Physiotherapeuten unterstützen lassen. Ein regelmässiges, sich langsam steigerndes Krafttraining ca. 3 mal in der Woche ist sehr empfehlenswert.


Bisher erschienen in dieser Reihe:

Sport, Training und Bewegung bei MS: Eine Einführung

MS, Sport und Immunsystem

Multiple Sklerose und Training – Einfluss auf Symptome der MS


Wenn Sie schon noch mehr zum Thema Sport und MS wissen wollen, sei Ihnen die

🖹 Life-SMS Veröffentlichung: Sport und MS aus dem Jahr 2017 empfohlen, auf die wir in dieser Artikelserie an vielen Stellen zurückgreifen.


Referenzen

[1] Primär des Quadriceps femoris – „vierköpfiger Oberschenkelmuskel“ oder „vierköpfiger Oberschenkelstrecker“, schönes 3D-Modell auf http://flexikon.doccheck.com/de/Musculus_quadriceps_femoris

[2] Dalgas, U., Stenager, E., Jakobsen, J., Petersen, T., Hansen, H. J., Knudsen, C., Overgaard, K., Ingemann-Hansen, T., Nov. 2009. Resistance training improves muscle strength and functional capacity in multiple sclerosis. Neurology 73 (18), 1478-1484. http://view.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19884575

[3] Cruickshank, T. M., Reyes, A. R., & Ziman, M. R. (2015). A systematic review and meta-analysis of strength training in individuals with multiple sclerosis or Parkinson disease. Medicine, 94(4), e411. https://doi.org/10.1097/MD.0000000000000411

[4] Andreu-Caravaca, L., Ramos-Campo, D. J., Chung, L. H., Martínez-Rodríguez, A., & Rubio-Arias, J. Á. (2022). Effects and optimal dosage of resistance training on strength, functional capacity, balance, general health perception, and fatigue in people with multiple sclerosis: a systematic review and meta-analysis. Disability and rehabilitation, 1–13. Advance online publication. https://doi.org/10.1080/09638288.2022.2069295


Und wenn Sie helfen wollen, dass Life-SMS Ihnen weiterhin wertvolle Informationen bereitstellen kann, dass unser Projekt weiterlebt, unterstützen Sie uns über drei einfache Wege!
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Multiple Sklerose und Training – Einfluss auf Symptome der MS

Wir hatten schon im letzten Artikel in dieser Reihe auf verschiedene Facetten des körperlichen Trainings und dessen Auswirkungen auf die Symptomatik aber auch die Pathogenese (Entstehung und Entwicklung von körperlichen und psychischen Erkrankungen) bei MS hingewiesen.

Betrachten wir in diesem Zusammenhang heute kurz fünf ausgewählte Aspekte: Gehbehinderung, Kognition, Fatigue, Depressionen und Lebensqualität.

Krafttraining mit Coaching

Gehbehinderung

Der Verlust der Mobilität zu Fuß ist ein typisches Merkmal der MS und deren Progression. Der Verlust der Gehfähigkeit ist dabei eine der belastendsten und beunruhigendsten Eigenschaften von MS. Folglich legen Patienten mit MS erheblichen Wert auf den Erhalt dieser Funktion. Es gibt klare Hinweise für Verbesserungen der Gehfähigkeit durch gezielte Trainingsübungen bei MS. Dies könnte durch Effekte auf das ZNS hervorgerufen werden (z.B. Integrität von kortikalen oder subkortikalen grauen Gehirnstrukturen wie Thalamus- oder Basalganglien) und/oder periphere physiologische Funktionen (z.B. kardiorespiratorische Kapazität oder Muskelkraft/Ausdauer). Per Definition ist eine Trainingsübung eine Komponente der körperlichen Aktivität, die geplant, strukturiert und über einen längeren Zeitraum wiederholt wird. Der springende Punkt ist dabei die spezifische Ausrichtung des Bewegungstrainings, welche sich am aktuellen Behinderungsgrad und der Fitness des Patienten orientieren muss.

Übereinstimmend zeigt die Studienlage, dass Bewegungstraining einen kleinen, aber wichtigen Effekt auf die Gehfähigkeit bei MS hat. Die Wirkung ist höher, wenn die Trainingsübungen und deren Einhaltung durch Dritte überwacht werden und einem strukturierten Programm folgen [1]. An dieser Stelle ist die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Physiotherapeuten oder Sportcoach mit MS-Erfahrung zu empfehlen.

Zudem haben Studien gezeigt, dass Personen mit Multipler Sklerose (MS), die intermittierend (als häufiger kurze Distanzen mit ausreichend Pausen dazwischen) gehen, weniger ermüden und längere Strecken zurücklegen als Personen, die kontinuierlich an einem Stück gehen. Zudem erhöhten sich die Ausdauer und die Gesamtgehstrecke [2] durch regelmäßiges intermittierendes Training.

Kognition

Eine kognitive Dysfunktion ist eine weitere häufige und belastende Konsequenz von MS und zeigt sich primär in Domänen der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit, des Lernens und des Gedächtnisses sowie der Exekutivfunktionen.

Verschiedene Studien deuten bisher darauf hin, dass aerobes Training die kognitive Leistung durch verstärkte Neuroplastizität in den mit kognitiver Leistung verbundenen Hirnarealen verbessern kann. Insgesamt steckt die Erforschung von Trainingsübungen und Kognition bei MS noch immer in den Anfängen und lässt aufgrund von methodischen Einschränkungen keine unumstößlichen Schlussfolgerungen zu. Ein signifikanter Einfluss ist aber als sicher anzunehmen.

Eine im Januar 2017 veröffentlichte Studie [3] liefert in diesem Zusammenhang gute Hinweise für eine signifikante Assoziation zwischen der kardiorespiratorischen Fitness und der kognitiven Verarbeitungsgeschwindigkeit bei Personen mit MS, die an einer Beeinträchtigung der kognitiven Verarbeitungsgeschwindigkeit leiden. Diese Untersuchung liefert somit die erste direkte Unterstützung für den Ansatz, aerobes Training für das Management und die Behandlung von MS-bezogenen kognitiven Beeinträchtigungen aktiv und erfolgreich zu nutzen. Weiter hat eine aktuelle Pilotstudie [4] aus dem Jahr 2021 des gleichen Studienleiters und anderen Multiple-Sklerose-Forschern gezeigt, dass Laufband-Training ein wirksames Mittel sein kann, um die negativen kognitiven Auswirkungen der Krankheit zu bewältigen.

Fatigue

Fatigue (chronische Müdigkeit) ist eines der häufigsten Belastungssymptome der MS. Fatigue tritt bei fast 80% der Patienten mit MS auf und hat bedeutende Auswirkungen auf die Verschlechterung des neurologischen Status und anderer Symptome wie Depression, Schmerz, Angst und kognitive Beeinträchtigung (Symptomatisches Clustering).

Schon im Jahr 2014 stellten Khan et.al. in einer Studie, die verschiedene Behandlungsformen bei Fatigue untersuchte fest: Nicht-pharmakologische Interventionen (sowohl Bewegung als auch psychologische/trainingsbezogene Interventionen) haben offenbar eine stärkere und signifikantere positive Wirkung auf die Verringerung der Auswirkungen oder des Schweregrads von Fatigue im Vergleich zu den üblicherweise verschriebenen pharmakologischen Wirkstoffen [5].

Dieses Ergebnis ist inzwischen durch eine weitere Metaanalyse [6] bestätigt worden: Die Ergebnisse dieser Studie, zeigen und bestätigen, dass körperliche Bewegung die Fatigue bei MS-Patienten deutlich verringert. Folglich wird ein regelmäßiges Bewegungsprogramm als Teil eines Rehabilitationsprogramms für MS-Patienten dringend empfohlen.

Depressionen

Depression und depressive Symptome sind recht häufige und belastende Symptome, die bei MS auftreten. Zum Beispiel zeigte eine Studie unter Nutzung der Daten von 4178 Personen aus dem britischen MS-Register, dass MS-Betroffene einen durchschnittlichen Wert von 7,6 auf der Krankenhausangst- und Depressionsskala (HADS) im Vergleich zum Referenzwert von 3,7 für die britische Bevölkerung hatten. HADS-Werte von mehr als 7 sind deutliche Hinweise auf substanzielle depressive Symptome.

Die Ergebnisse einer Metaanalyse aus dem Jahr 2015 ergaben eine signifikante Verringerung der Depressionsrate bei körperlichem Training gegenüber der der Kontrollgruppen [7]. Die Studien wurden eingeordnet nach Leitlinien der körperliche Aktivität (PAG). Einhaltung der PAGs bedeutete: 150 Minuten pro Woche Übungen mit moderater Intensität oder 75 Minuten pro Woche von kräftiger Intensität oder eine etwa gleichwertige Mischung aus moderaten und kräftigen Intensitäten der Übung. Die Interventionen, die den körperlichen Aktivitätsleitllinien entsprachen, ergaben einen Gesamteffekt von -0,38 beim HADS, verglichen mit -0,19 für 22 Studien, die nicht den Richtlinien für körperliche Aktivität entsprachen.

Weiter Analysen ergaben in der Zwischenzeit noch deutlich stärkere positive Effekte in Bezug auf depressive Symptome. Training kann also, sofern regelmäßig ausgeübt, Depressionen bei MS signifikant reduzieren.

Lebensqualität (Quality of Life)

Insgesamt behaupten Forscher oft, dass die aktuelle Datenlage für Schlussfolgerungen hinsichtlich der positiven Auswirkungen von Training auf HRQOL-Ergebnisse (gesundheitsbezogene Lebensqualität) bei Personen mit MS nicht ausreichend sei.

Sieht man sich allerdings einzelne Studien und Trainingsmethoden an – auch die weiter oben genannten – werden die Effekte plötzlich mehr als deutlich. Allein die Betrachtung zu den Vorteilen eines progressiven Krafttrainings über 12 Wochen auf Fatigue, Stimmung und Lebensqualität spricht Bände. Alle Punkte verbesserten sich signifikant und wurden über weitere 12 Wochen nach Beendigung des Trainings im Follow-up beibehalten [8].

Fazit: Sport und Training sind eine unverzichtbare Komponente der Lebensstilmaßnahmen bei der Behandlung der Multiple Sklerose und damit ein Muss aber auch eine Herausforderung für jeden Betroffenen. Die positiven Auswirkungen auf die funktionelle Gesundheit und den Behinderungsstatus sind heute eindeutig wissenschaftlich nachgewiesen. Betroffene sollten sich aber keinesfalls übernehmen und besser regelmäßig in Intervallen trainieren und ausreichend Regenerationsphasen zulassen. Suchen Sie sich eine Sport- oder Bewegungsart, die Sie begeistert, nicht überfordert, nur geringes Verletzungsrisiko hat und Erfolgserlebnisse verspricht.


Bisher erschienen in dieser Reihe:

Sport, Training und Bewegung bei MS: Eine Einführung

MS, Sport und Immunsystem


Wenn Sie mehr zum Thema Sport und MS wissen wollen, sei Ihnen auch die

🖹 Life-SMS Veröffentlichung: Sport und MS aus dem Jahr 2017 empfohlen, auf die wir in dieser Artikelserie an vielen Stellen zurückgreifen werden.


Referenzen

[1] Motl, R. W., Sandroff, B. M., Sep. 2015. Benefits of exercise training in multiple sclerosis. Current neurology and neuroscience reports 15 (9). URL http://view.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26223831

[2] Herbert Karpatkin, Jaya Rachwani, Rachel Rhodes, Lourdes Rodriguez, Rosie Rodriguez, Anna Rubeo & Evan Cohen (2022) The effect of intermittent vs. continuous walking on distance to fatigue in persons with multiple sclerosis, Disability and Rehabilitation, DOI: 10.1080/09638288.2021.2018055

[3] Sandroff, B. M., Motl, R. W., DeLuca, J., Jan. 2017. The influence of cognitive impairment on the Fitness-Cognition relationship in MS. Medicine and science in sports and exercise. http://view.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28121803

[4] Sandroff, B. M., Wylie, G. R., Baird, J. F., Jones, C. D., Diggs, M. D., Genova, H., Bamman, M. M., Cutter, G. R., DeLuca, J., & Motl, R. W. (2021). Effects of walking exercise training on learning and memory and hippocampal neuroimaging outcomes in MS: A targeted, pilot randomized controlled trial. Contemporary clinical trials, 110, 106563. https://doi.org/10.1016/j.cct.2021.106563

[5] Khan F, Amatya B, Galea M. Management of Fatigue in Persons with Multiple Sclerosis. Frontiers in Neurology. 2014;5:177.URL 10.3389/fneur.2014.00177

[6] Razazian, N., Kazeminia, M., Moayedi, H. et al. The impact of physical exercise on the fatigue symptoms in patients with multiple sclerosis: a systematic review and meta-analysis. BMC Neurol 20, 93 (2020). https://doi.org/10.1186/s12883-020-01654-y

[7] Adamson, B. C., Ensari, I., Motl, R. W., Jul. 2015. Effect of exercise on depressive symptoms in adults with neurologic disorders: a systematic review and meta-analysis. Archives of physical medicine and rehabilitation 96 (7), 1329-1338.
http://view.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25596001

[8] Dalgas, U., Stenager, E., Jakobsen, J., Petersen, T., Hansen, H. J., Knudsen, C., Overgaard, K., Ingemann-Hansen, T., Apr. 2010. Fatigue, mood and quality of life improve in MS patients after progressive resistance training. Multiple sclerosis (Houndmills, Basingstoke, England) 16 (4), 480-490.

http://view.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20194584


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Life-SMS und sonst so: Herpesvirus als eine Ursache für MS

An dieser Stelle weisen wir auf aktuelle Beiträge aus dem Netz hin, die einen engen Bezug zu unserem Kernthema lebensstil-orientierte und eigenverantwortliche Behandlung der MS haben. Die dort wiedergegebenen Meinungen dienen als Anregung zur kritischen Auseinandersetzung. Sie entsprechen nicht zwingend den von uns vertretenen Positionen, sind aber in allen Fällen eine Bereicherung der Diskussionsgrundlage. Am Ende erwähnen wir zudem aktuelle – möglichst frei verfügbare – Studien, die unsere Methodik untermauern. Machen Sie sich selbst ein Bild!


Herpesvirus scheint Ursache für Multiple Sklerose zu sein [berliner-zeitung.de, 13.1.2022]

Das Epstein-Barr-Virus (EBV) könnte die Schlüsselrolle bei der Ausbildung einer Multiplen Sklerose (MS) spielen. Eine Infektion mit dem weit verbreiteten Erreger erhöhe das Risiko für die Autoimmunerkrankung etwa um den Faktor 32, berichten amerikanische Forscher in einer aktuellen Studie im Fachblatt Science.

Alzheimer, MS und Co: Neuer Behandlungsansatz entdeckt [heilpraxisnet.de, 18.12.2021]

Eine bisher noch wenig erforschte Gruppe von lymphoiden Immunzellen, die sogenannten Innate Lymphoid Cells (ILC) 3, kann bei der Autoimmunerkrankung MS Entzündungsreaktionen fördern oder verstärken.

GADOLINIUM-Kontrastmittel – Ablagerung und Entgiftung [dguht,de, 17.12.2021]

Gadolinium (Gd) ist ein Metall mit magnetischen Eigenschaften und somit als Kontrastmittelverstärker der Magnetresonanztomographie (MRT) gut geeignet. Da es sich in stark durchbluteten Geweben (wie Tumoren) anreichert, ist die Bildgebung sehr gut.

The Immune System and Multiple Sclerosis (MS) [verywellhealth.com, 9.12.2021]

A healthy immune system protects you from harmful substances entering your body and causing infection or disease. In multiple sclerosis (MS), your immune system malfunctions and starts attacking your central nervous system (CNS).

Längere Einnahme von Cortison steigert Osteoporose-Risiko [wn.de, 19.11.2021]

Eine Langzeitbehandlung mit Cortison-Präparaten kann Osteoporose verursachen. Vorbeugend sollte solch eine Therapie deshalb von Beginn an von einer kalziumreichen Ernährung und der Gabe von Vitamin D begleitet werden. Das rät die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh).

13 Symptome und Anzeichen eines Vitamin-D-Mangels [vital.de, 14.9.2021]

Vitamin D ist ein hormonartiges Vitamin, welches durch UV-B-Strahlung in unserer Haut gebildet wird. Besonders im Winter kommt es in hiesigen Breitengraden jedoch häufig zu einem Vitamin-D-Mangel.

Uhthoff’s Phenomenon in Multiple Sclerosis [verywellhealth.com, 18.6.2021]

Why a rise in your body temperature can trigger MS symptoms

Vitamin B12 deficiency and Multiple Sclerosis [verywellhealth.com, 4.6.2021]

Vitamin B12 plays a key role in helping to maintain myelin—the sheath, or layer, of protein and fatty material that surrounds nerves, including those in the brain and spinal cord. It’s the myelin sheath around individual nerve cells that insulates them and makes it possible for electrical signals to be transmitted quickly and efficiently.


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Studienhinweise:

Tobin, D., Vige, R. and Calder, P. C. (2021) ‘Review: The Nutritional Management of Multiple Sclerosis With Propionate.’, Frontiers in immunology, 12(July), p. 676016. doi: 10.3389/fimmu.2021.676016.

Piędel, F. et al. (2021) ‘Correlation between vitamin D and alterations in MRI among patients with multiple sclerosis’, Annals of Agricultural and Environmental Medicine, 28(3), pp. 372–377. doi: 10.26444/aaem/127062.

Gheitasi, M., Bayattork, M., Andersen, L. L., Imani, S., & Daneshfar, A. (2021). Effect of twelve weeks pilates training on functional balance of male patients with multiple sclerosis: Randomized controlled trial. Journal of bodywork and movement therapies, 25, 41–45.


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MS, Sport und Immunsystem

Eine große Zahl von wissenschaftlichen, klinischen und epidemiologischen Daten unterstützt das Konzept der positiven und negativen Auswirkungen von Training und Sport auf das Immunsystem. Diese Effekte sind sehr variabel, abhängig von der Art und Intensität der Belastung. Die Belastung auf das Individuum wiederum ist abhängig vom Alter, Gesundheitszustand, Trainingszustand, Geschlecht oder auch Stresslevel, um die wichtigsten zu nennen. Eine detaillierte Angabe zu diesen Belastungsgrößen zu machen, die für alle Menschen gelten soll, kann aus diesen Gründen nicht getroffen werden.

Immunologische Einflüsse bei moderatem Training

Die immunologischen Einflüsse von moderatem Training sind besonders gut bei Infektionen der oberen Atemwege untersucht worden und zeigen einen günstigen Einfluss auf das Immunsystem und eine Verringerung der Inzidenz der Erkrankungen. Nach jeder Periode moderater Bewegung zeigte sich, dass eine Erhöhung von Neutrophilen (Neutrophile Granulozyten sind verantwortlich für die unspezifische Abwehr von Infektionen mit Bakterien und Pilzen und sind an Entzündungsreaktionen beteiligt) und natürlichen Killerzellen auftritt, die für bis zu 3 Std. nach dem Training erhalten bleibt. Wird moderates Bewegungstraining für 12-15 Wochen nahezu täglich fortgesetzt, verringert sich die Anzahl der “Symptom-Tage” mit Atemwegsinfektionen um 25-50 Prozent im Vergleich zu Personen ohne Training. Neuere Untersuchungen zeigen, dass durch moderate körperliche Belastung ausgelöste Modulationen im Immunsystem das Risiko von Herzerkrankungen, bestimmte Arten von Krebs, Typ-2-Diabetes, Arthritis und Hautalterung sinkt [1].

Die Beweislage indiziert hier, dass ein aktiver Lebensstil bei günstiger Körperzusammensetzung (Relation von Muskulatur zu Fettgewebe) die Gefahr von chronischen systemischen Entzündungen reduziert, was einen Hauptfaktor chronischer Krankheiten darstellt. Dieser aktive Lebensstil und die günstige Immunmodulation werden unterstützt durch Stressmanagement, nährstoffreiche Ernährung, gesunde Schlafhygiene und regelmäßigem Aufenthalt (Bewegung!) in freier Natur (plus Sonnenlichtexposition). Anders ausgedrückt, können Muskeln als endokrine Organe im erweiterten Sinne verstanden werden. Bewegung und Training haben einen essentiellen Einfluss auf regulatorische Prozesse im Körper und besonders auch im Immunsystem. Das gilt genauso für die MS.

Immunsystem und Trainingsintensität

Vergleich des Sepsis-induzierten verus Übungs-induzierten Anstiegs der zirkulierenden Zytokine. Während der Sepsis kommt es zu einem deutlichen und raschen Anstieg des zirkulierenden Tumornekrosefaktors (TNF) -α, dem ein Anstieg des Interleukins (IL) -6 folgt. Im Gegensatz dazu ist der deutlichen Zunahme von IL-6 während des Trainings kein erhöhtes TNF-α vorangestellt [2].

Gegenteilig zu den beobachteten Effekten eines moderaten sportlichen Trainings oder Bewegungstrainings, zeigt ein intensives bis hochintensives Training eine Erhöhung der Infekthäufigkeit und sogar eine gewisse Immunsuppression (siehe Abbildung, drastischer Anstieg des Entzündungsmakers Interleukin 6 während des Trainings). Dies trifft vor allem bei anaeroben Belastungen zu, wie sie zum Beispiel bei intensiven, wiederholten Tempoläufen entstehen, die hohe Laktatspiegel provozieren. Extrem lange Belastungen und solche mit hohen exzentrischen Anteilen sind in diesem Zusammenhang ebenfalls zu nennen.

Auch bei diesem Punkt wirken natürlich wieder Lebensstilfaktoren mit ein, denn die oben genannten negativen Effekte verstärken sich durch starke und andauernde psychische Beanspruchungen, wie sie auch durch Wettkampfstress entstehen können.

Eine besondere Beachtung verdient auch die Regenerationsphase nach einer Trainingsbelastung, sowohl in Qualität als auch in Quantität. Eine überdauernde Missachtung der Regenerationszeit kann im schlimmsten Falle zu einem sogenannten Übertraining führen, vergleichbar mit einer Burn-out Erkrankung.

Symptomatische Auswirkungen von Sport und Training bei MS

Der Zusammenhang zwischen Bewegung und dem ICF (International Classification of Functioning, Disability and Health) Modell der MS-Pathogenese / Abkürzungen: *VO2max, Maximale Sauerstoffaufnahme [3]

Die obige Abbildung (ICF-Modell) versucht die Zusammenhänge zwischen dem Bewegungsverhalten (Sport, Training und Lebensstil) und der MS-Pathogenese (Entstehung und Entwicklung der MS mit allen daran beteiligten Faktoren) bildlich zu verdeutlichen. Das ICF-Modell skizziert die Konsequenzen der MS-Pathogenese, einschließlich der Effekte auf Körperstrukturen und -funktionen sowie auf Aktivität und gesellschaftlicher Teilnahme des Patienten. Bewegung kann positive Effekte auf all diese Bereiche haben, vom Einfluss auf zelluläre Prozesse (z.B. Entzündungshemmung) bis hin zu verbesserter Teilhabe des Patienten an sozialen Interaktionen.

Fazit

Wie schon im ersten Artikel zu dieser Themenreihe erwähnt, sollten sich gerade MS-Erkrankte beim Training und bei sportlichen Betätigungen auf keinen Fall überfordern, sondern durch moderates Kraft-, Koordinations- und Ausdauertraining versuchen langsam die eigene körperliche Leistungsfähigkeit zu steigern bzw. zu stabilisieren. Infekte, die durch ein über Leistungssport supprimiertes Immunsystem eingefangen werden, sind Gift für die persönliche Gesundwerdung.

Wir werden uns bei den folgenden Artikeln auf den Einfluss von Sport und Training auf die Körperfunktionen (insbesondere Mentalfunktion, Muskelkraft und Gleichgewicht), die Gehleistung und auf die Lebensqualität bei MS-Erkrankten konzentrieren.


Bisher erschienen in dieser Reihe:

Sport, Training und Bewegung bei MS: Eine Einführung


Wenn Sie schon jetzt mehr zum Thema Sport und MS wissen wollen, sei Ihnen die

🖹 Life-SMS Veröffentlichung: Sport und MS aus dem Jahr 2017 empfohlen, auf die wir in dieser Artikelserie an vielen Stellen zurückgreifen werden.

➡️ Im nächsten Artikel wird es darum gehen, auf welche MS-Symptome Sport und Training einen wesentlichen Einfluss haben.

Referenzen:

[1] Nieman, D. C. (2011). Moderate Exercise Improves Immunity and Decreases Illness Rates. American Journal of Lifestyle Medicine, 5(4), 338-345. doi:10.1177/1559827610392876

[2] Pedersen, B. K., Febbraio, M. A., Oct. 2008. Muscle as an endocrine organ: focus on muscle-derived interleukin-6. Physiological reviews 88 (4), 1379-1406.

URL http://dx.doi.org/10.1152/physrev.90100.2007

[3] Nach: Motl, R. W., Pilutti, L. A., Sep. 2012. The benefits of exercise training in multiple sclerosis. Nature reviews. Neurology 8 (9), 487-497.

URL http://view.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22825702


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Sport, Training und Bewegung bei MS: Eine Einführung

In diesem und den in loser Reihenfolge folgenden Artikeln werden wir uns mit der Frage beschäftigen, was Sport, Training und Bewegung für die Behandlung der Multiplen Sklerose und die Wiederherstellung verloren gegangener Fähigkeiten bedeuten können?

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Wir werden die Begriffe “Sport” und “körperliches Training” synonym verwenden. Sie bezeichnen wiederholte, progressive körperliche Aktivitäten, die eine Anpassung des Körpers an erhöhte Belastung fördern. Diese Anpassungsvorgänge finden entweder in den Bereichen des Herz-Kreislaufsystems (verbesserte Kreislauf- und Stoffwechselfunktionen) statt, im Bereich der Muskulatur (Hypertrophie, Substratverwertung und Zellstoffwechsel), neurologisch (Koordination, Nervenreizleitungsgeschwindigkeit, Reflexe, Tiefensensibilität) oder in den entsprechenden Kombinationen.

Zusätzlich sind gerade im Falle der MS auch nachgewiesene positive Auswirkungen auf die Psyche, die kognitiven Funktionen und Fatigue wünschenswerte Effekte. Wer an Studien zum Thema MS und Sport oder Training interessiert ist, findet eine Auswahl auf der Seite Interventionsstudien in der Kategorie Sport und Bewegung.

Warum Sport und Training bei MS?

Durch die neurologischen, entzündlichen Prozesse der Demyelinisierung an den Axonen der Nervenzellen sind die physiologischen und mentalen Auswirkungen der Krankheit MS vielfältig. Körperliche Funktionen sind oft eingeschränkt, so zum Beispiel kardiovaskuläre Funktionen (Herz-Kreislaufsystem), neuromuskuläre Funktionen (Muskelschwäche und Einschränkungen des Gehens) und sensorische Funktionen (Einschränkungen in der Balance, Missempfindungen) summieren sich auf und führen zu mehr Inaktivität. Durch diese Inaktivität aber werden die physiologischen Auswirkungen verstärkt, ein Teufelskreis entsteht. “Use it or lose it” bedeutet für alle Menschen, dass Funktionen oder Systeme abgebaut werden, die unterhalb einer gewissen Reizschwelle genutzt werden.

Inaktivität und Bewegungsmangel sind ein eigenständiger Risikofaktor zur Entwicklung chronischer Erkrankungen. Das wird heute in unzähligen Studien belegt.

Bewegung und Sport sind entscheidend zur Entwicklung und Aufrechterhaltung der kardiorespiratorischen, muskulären, neurologischen, kognitiven, psychischen, hormonellen und metabolischen Gesundheit aller Menschen.

Die logische Frage, die sich nun stellt, ist: Welche Effekte können bei Menschen mit Multipler Sklerose durch ein körperliches Training erzielt werden – und ist es möglich, den körperlichen und/oder gar den mentalen Funktionseinschränkungen, wie zum Beispiel der Fatigue, Depression oder kognitiven Einschränkungen, entgegenzuwirken? Die Antwort – soviel sei vorweggenommen – ist „ja“!

Freude an der Bewegung

Bewegung bedeutet Lebensqualität, Erhaltung der Selbständigkeit, Erfahrung der Selbstwirksamkeit und ist rundum ein menschliches Grundprinzip. Wir sind eine Kombination von Körper und Geist, was uns natürlich schmerzlich bewusst wird, gerade wenn Alltagsbewegungen nicht mehr uneingeschränkt möglich sind oder sogar stetige Schmerzen verursachen.

Unser Alltag wird leider stetig bewegungsärmer. Irgendwo auf dem Weg zum Erwachsenwerden geht unsere kindliche Bewegungsfreude verloren, manchmal sogar schon vorher. Sport und Bewegung wirken stressreduzierend und können die Psyche regulieren, Glückshormone wollen ausgeschüttet werden! Das kann aber nur sinnvoll funktionieren, wenn mir auch gefällt, was ich da tue. Über kurz oder lang werde ich sonst das Bewegungstraining boykottieren und gute Gründe finden, aufzuhören. Das gilt natürlich insbesondere bei körperlichen Einschränkungen.

Das bedeutet: Die kindliche Bewegungsfreude in uns muss also wieder irgendwie mit an Bord! Es gibt immer mehr unterschiedliche Sportarten, outdoor oder indoor, in Gemeinschaft oder allein in der Natur, mit vielen Gadgets oder ohne, mit Trainer, im Verein oder selbst gesteuert. Die Möglichkeiten, etwas zu finden, das auch Freude macht, sind größer denn je. Bewegung KANN und SOLL wieder Spaß machen und es soll auch Ziel dieser Artikelserie und des Trainings sein, ein Stück weit dazu zu motivieren, die Freude an der Bewegung wieder zu entdecken und zu erleben.

FAZIT: Es muss auf keinen Fall ein Marathon sein, regelmäßiges Kraft-, Ausdauer- und/oder Koordinationstraining gemäß den eigenen Möglichkeiten und Interessen können völlig ausreichen, um den oben geschilderten Teufelskreis zu durchbrechen. Setzen sich erreichbare Bewegungs- oder Trainingsziele, die Sie, wenn irgend möglich, langsam steigern. Wenn es Ihnen hilft, besorgen Sie sich einen möglichst einfachen Schritt- oder Bewegungszähler und notieren Sie die Ergebnisse, Fortschritte aber auch Rückschläge. Das hilft das eigene ideale Bewegungsfeld und -niveau zu finden. Die heute verfügbaren APPs – mit allen möglichen Messdaten und Features – sind etwas für Sportbessene und Hochleistungssportler. MS-Betroffene mit körperlichen Einschränkungen werden dadurch eher demotiviert.

Mehr über Sport, Bewegung und MS

Zu diesem Themenkomplex sei Ihnen die kostenlose

🖹 Life-SMS Veröffentlichung: Sport und MS aus dem Jahr 2017 empfohlen, auf die wir in dieser Artikelserie an vielen Stellen zurückgreifen werden.

➡️ Im nächsten Artikel wird es um Sport, Bewegung und das Immunsystem gehen


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Das MRT zeigt: Vitamin D ist Pflichtprogramm gerade auch bei immunmodulierten Patienten

MRT: Photo von MART PRODUCTIONvon Pexels

Eine aktueller Review beschäftigte sich mit der Frage der im MRT-Bild (Magnetresonanztomograph) nachweisbaren Auswirkungen einer Vitamin D-Supplementierung bei MS-Patienten [1].

Die wesentlichen Aussagen

Eine erhöhte Vitamin-D-Konzentration im Blut steht in Zusammenhang mit einer reduzierten Demyelinisierung, die durch T2-gewichtete und gadoliniumverstärkte MRT-Untersuchungen bestimmt wird. Eine Vitamin-D-Supplementierung bei MS-Patienten wurde mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit neuer Läsionen und einer Abnahme des Volumens bestehender Läsionen in Verbindung gebracht, wie in T1-gewichteten MRT-Scans beobachtet wurde. Bei Patienten, die eine Vitamin-D-Supplementierung erhielten, wurde ein Anstieg der TGF-Beta-Spiegel festgestellt, was auf einen Mechanismus hindeutet, durch den Cholecalciferol (Vitamin D3) die MS-Prognose verbessern kann.

Der TGF-Beta (Transformierender Wachstumsfaktor Beta) ist ein Zytokin im neuro-endokrino-immunologischen Netzwerk TGF-Beta trägt als Effektorzytokin von regulatorischen T-Lymphozyten zur Verhinderung von chronischen Immunaktivierungen bei.

Bei Patienten mit klinisch isoliertem Syndrom (CIS) wurde eine inverse Korrelation zwischen der Vitamin-D-Konzentration und dem Risiko neuer Läsionen in T2-gewichteten MRT-Scans festgestellt. Darüber hinaus senkte die Vitamin-D-Zufuhr bei diesen Patienten das Risiko einer Progression zur klinisch definitiven Multiplen Sklerose (CDMS). Die tägliche Einnahme von Vitamin D während einer Fingolimod-Behandlung korrelierte stark mit einer geringeren Anzahl neuer Läsionen. Eine hochdosierte Vitamin-D-Supplementierung während der Interferon-Beta-1a-Behandlung war mit einem geringeren durchschnittlichen Prozentsatz an Läsionen im Vergleich zum Volumen vor der Behandlung verbunden, was durch die T2-gewichtete MRT-Analyse ermittelt wurde.

Bedeutung für Patienten unter immunmodulatorischer Behandlung

Diese Veröffentlichung unterstützt schon länger bekannte Ergebnisse (mindestens seit 2012) für Patienten unter immunmodulatorischer oder -suppressiver Behandlung. Neben Fingolimod (Gilenya) [2] gilt dies insbesondere auch für Interferon-Beta [3, 4] und Natalizumab (Tysabri) [5]. Bei diesen Studien wurden zum Teil auch ganz konkrete positive Auswirkungen auf die Schubrate und Krankheitsprogression untersucht und gezeigt.

Fazit

Auch wenn es gebetsmühlenartig klingt: Ein guter Vitamin D-Spiegel ist eine notwendige Voraussetzung für eine Stabilisierung der MS-Erkrankung. Für MS-Patienten sind Vitamin D Werte zwischen 60 bis 90 ng/ml im Blutserum empfehlenswert. Gerade für Patienten unter immunmodulatorischer Behandlung ist die Supplementierung mit Vitamin D ein wichtiger Zusatzfaktor, der die gewünschten Ergebnis in puncto Reduktion der Läsionslast und Schubrate bzw. Krankheitsprogression greifbarer erscheinen lässt. Sollte Ihr Neurologe anderer Meinung sein, weisen Sie ihn doch auf die erdrückende Studienlage hin und ergreifen im Ernstfall selbst die entsprechenden Maßnahmen.

Mehr zum Thema Vitamin D und MS finden Sie auch in unserem diesbezüglichen Faktenblatt:

Vitamin D/Sonne und Multiple Sklerose

Referenzen:

[1] Piędel, F. et al. (2021) ‘Correlation between vitamin D and alterations in MRI among patients with multiple sclerosis’, Annals of Agricultural and Environmental Medicine, 28(3), pp. 372–377. doi: 10.26444/aaem/127062.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34558256/

[2] Ferre’ L, Clarelli F, Sferruzza G, et al. Basal vitamin D levels and disease activity in multiple sclerosis patients treated with fingolimod. NeurolSci. 2018; 39(8): 1467–1470.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29756179/

[3] Fitzgerald KC, Munger KL, Köchert K, et al. Association of Vitamin D Levels With Multiple Sclerosis Activity and Progression in Patients Receiving Interferon Beta-1b. JAMA Neurol. 2015; 72(12): 1458–1465.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26458124/

[4] Stewart N. 2012: Stewart, N.; Simpson, S.; van der Mei, I.; Ponsonby, A.-L; Blizzard, L.; Dwyer, T. et al. (2012): Interferon- and serum 25-hydroxyvitamin D interact to modulate relapse risk in MS. In: Neurology 79 (3), p. 254–260.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22700816/

[5] Scott, T. F., Hackett, C. T., Dworek, D. C., Schramke, C. J., Jul. 2013. Low vitamin d level is associated with higher relapse rate in natalizumab treated MS patients. Journal of the neurological sciences 330 (1-2), p. 27-31.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23602794/


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