Coenzym Q10 bei MS: Kann Supplementierung helfen?

Coenzym Q10 wird seit einigen Jahren als möglicher Baustein in der Begleitung von Multipler Sklerose diskutiert. Doch was steckt wirklich dahinter? Wir schauen uns an, welche Rolle dieses körpereigene Molekül im Energiestoffwechsel spielt und warum es gerade bei neurologischen Erkrankungen in den Fokus rückt. Dabei interessiert uns vor allem die Frage, ob eine gezielte Supplementierung tatsächlich einen Unterschied machen kann. Wir ordnen die aktuelle Studienlage ein und zeigen, wo Chancen liegen und wo Grenzen bestehen.

Die Grafik zeigt die Rolle von Coenzym Q10 im Energiestoffwechsel und Zellschutz. Auf der linken Seite wird ein Mitochondrium dargestellt, in dem Coenzym Q10 als Bestandteil der Atmungskette am Elektronentransport beteiligt ist und damit die Bildung von ATP unterstützt, der zentralen Energieform der Zelle. Auf der rechten Seite steht die Schutzfunktion im Mittelpunkt: Coenzym Q10 wird als antioxidativer Schutzfaktor dargestellt, der freie Radikale abfangen, oxidativen Stress reduzieren und die Regulation von Entzündungsprozessen unterstützen kann. Die Grafik macht sichtbar, dass Coenzym Q10 Energieproduktion und Zellschutz miteinander verbindet.
Die Grafik zeigt die Rolle von Coenzym Q10 im Energiestoffwechsel und Zellschutz. Auf der linken Seite wird ein Mitochondrium dargestellt, in dem Coenzym Q10 als Bestandteil der Atmungskette am Elektronentransport beteiligt ist und damit die Bildung von ATP unterstützt, der zentralen Energieform der Zelle. Auf der rechten Seite steht die Schutzfunktion im Mittelpunkt: Coenzym Q10 wird als antioxidativer Schutzfaktor dargestellt, der freie Radikale abfangen, oxidativen Stress reduzieren und die Regulation von Entzündungsprozessen unterstützen kann. Die Grafik macht sichtbar, dass Coenzym Q10 Energieproduktion und Zellschutz miteinander verbindet.

Coenzym Q10: Rolle im Energiestoffwechsel und Nervensystem

Coenzym Q10 ist ein zentraler Bestandteil der Energieproduktion in unseren Zellen (siehe Abbildung). Es wirkt in den sogenannten Mitochondrien, den „Kraftwerken“ der Zellen, die für die Bereitstellung von Energie verantwortlich sind. Dort ist Coenzym Q10 an der sogenannten Atmungskette beteiligt, einem mehrstufigen Prozess, bei dem Nährstoffe in Energie umgewandelt werden. Diese Energie liegt in Form von Adenosintriphosphat (ATP) vor, das als universeller Energieträger nahezu alle Körperfunktionen antreibt. Coenzym Q10 übernimmt dabei die Aufgabe eines Elektronentransporters, es hilft also dabei, geladene Teilchen zwischen verschiedenen Stationen der Atmungskette weiterzuleiten und so die Energieproduktion aufrechtzuerhalten.

Chemisch handelt es sich bei Coenzym Q10, auch Ubichinon genannt, um eine körpereigene Substanz, die in nahezu allen Zellen vorkommt. Der Name „Ubichinon“ leitet sich von „ubiquitär“ ab, was „überall vorkommend“ bedeutet. Der Körper kann Coenzym Q10 selbst herstellen, gleichzeitig nehmen wir es in kleineren Mengen auch über die Nahrung auf. Mit zunehmendem Alter oder bei bestimmten Erkrankungen kann die körpereigene Produktion jedoch abnehmen.

Gleichzeitig besitzt Coenzym Q10 eine zweite wichtige Funktion: Es wirkt als fettlösliches Antioxidans. Das bedeutet, es schützt Zellstrukturen, insbesondere die Zellmembran und die Mitochondrien selbst, vor sogenannten freien Radikalen. Diese aggressiven Moleküle entstehen unter anderem durch Stoffwechselprozesse und können zu oxidativem Stress führen, einem Zustand, bei dem die zelleigenen Schutzsysteme überfordert sind. Gerade im Nervensystem, das einen hohen Energiebedarf hat und besonders empfindlich auf solche Belastungen reagiert, spielt dieser Schutz eine entscheidende Rolle [1], [2].

Aus verschiedenen Untersuchungen wissen wir, dass bei neurologischen Erkrankungen häufig sowohl die Energieproduktion in den Mitochondrien eingeschränkt ist als auch oxidativer Stress verstärkt auftritt. Diese Kombination kann langfristig zur Schädigung von Nervenzellen beitragen. Vor diesem Hintergrund erscheint der Einsatz von Coenzym Q10 biologisch plausibel, also wissenschaftlich nachvollziehbar, um sowohl die Energieversorgung der Zellen zu unterstützen als auch sie vor Schäden zu schützen. Ob und in welchem Ausmaß sich daraus konkrete klinische Vorteile bei Multipler Sklerose ergeben, wird derzeit noch untersucht, aber es gibt erste vielversprechende Ergebnisse.

Krankheitsmechanismen der Multiplen Sklerose und oxidative Belastung

Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der das Immunsystem körpereigene Strukturen angreift. Im Zentrum stehen dabei die Myelinscheiden, das sind schützende Hüllen um die Nervenfasern, die eine schnelle Weiterleitung von Nervenimpulsen ermöglichen. Werden diese Strukturen geschädigt, kommt es zu einer gestörten Signalübertragung, was die typischen neurologischen Symptome erklärt. Neben dieser immunologischen Komponente rückt zunehmend ein weiterer Mechanismus in den Fokus: die Rolle von oxidativem Stress und einer gestörten Funktion der Mitochondrien.

Oxidativer Stress beschreibt ein Ungleichgewicht zwischen schädlichen Molekülen, den sogenannten freien Radikalen, und den körpereigenen Schutzsystemen. Diese freien Radikale können Zellstrukturen angreifen und langfristig zu Schäden führen. Gerade im Gehirn ist dieses Gleichgewicht besonders empfindlich, da Nervenzellen einen hohen Energiebedarf haben und gleichzeitig nur begrenzte Regenerationsmöglichkeiten besitzen. Untersuchungen zeigen, dass bei Multipler Sklerose vermehrt Marker für oxidativen Stress nachweisbar sind, was darauf hinweist, dass diese Prozesse aktiv an der Krankheitsentwicklung beteiligt sind.

Parallel dazu wird eine gestörte Funktion der Mitochondrien beobachtet. Diese „Kraftwerke“ der Zellen sind für die Energieproduktion verantwortlich. Wenn ihre Funktion eingeschränkt ist, kann es zu einem Energiemangel in den Nervenzellen kommen. Diese Unterversorgung macht die Zellen anfälliger für Schäden und kann entzündliche Prozesse zusätzlich verstärken. Wir sehen also eine Kombination aus Entzündung, Energiemangel und oxidativer Belastung, die sich gegenseitig beeinflussen und die Krankheitsdynamik antreiben können.

Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum Substanzen wie Coenzym Q10 wissenschaftlich diskutiert werden. Sie setzen genau an diesen Mechanismen an, indem sie sowohl die Energieproduktion unterstützen als auch antioxidative Eigenschaften besitzen. Dennoch gilt es, diese theoretischen Überlegungen klar von klinisch belegten Effekten zu trennen, da die Komplexität der Erkrankung eine einfache Übertragung biologischer Mechanismen auf therapeutische Ergebnisse nicht immer zulässt [1], [2].

Coenzym Q10 bei Multipler Sklerose: Ergebnisse aus Studien

Coenzym Q10 wird in klinischen Studien bei Multipler Sklerose vor allem im Hinblick auf Fatigue, depressive Symptome und biologische Marker untersucht. Wir finden in mehreren randomisierten kontrollierten Studien, also Studien mit zufälliger Zuteilung zu Behandlungs- und Kontrollgruppen, erste konsistente Hinweise auf klinisch relevante Effekte. Besonders häufig untersucht wurde eine Dosierung von 500 mg täglich über etwa 12 Wochen. In einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie, bei der weder Teilnehmer noch Forschende wussten, wer das Präparat erhält, zeigte sich eine signifikante Verbesserung der Fatigue, gemessen mit der Fatigue Severity Scale, sowie depressiver Symptome, erfasst mit dem Beck-Depressionsinventar [3].

Neben diesen subjektiven Parametern wurden auch Veränderungen auf biologischer Ebene beobachtet. Mehrere Studien zeigen, dass Coenzym Q10 Marker des oxidativen Stresses reduzieren kann. Ein Beispiel ist Malondialdehyd, ein Abbauprodukt geschädigter Zellmembranen, dessen Werte unter Supplementierung sinken. Gleichzeitig steigt die Aktivität körpereigener Schutzsysteme wie der Superoxiddismutase, ein Enzym, das freie Radikale neutralisiert [4]. Diese Effekte wurden sowohl bei Dosierungen von 500 mg als auch bei 200 mg täglich beschrieben, wobei höhere Dosierungen in einigen Untersuchungen konsistentere Ergebnisse zeigen.

Auch entzündliche Prozesse scheinen beeinflusst zu werden. In einer kontrollierten Studie führte die Einnahme von Coenzym Q10 zu einer Reduktion proinflammatorischer Zytokine wie TNF-α und IL-6. Zytokine sind Botenstoffe des Immunsystems, die Entzündungsreaktionen steuern. Gleichzeitig wurde das Enzym MMP-9 reduziert, das an Gewebeabbauprozessen beteiligt ist [5]. In einer weiteren Studie mit Patienten, die zusätzlich Interferon-β-1a erhielten, zeigte sich bereits nach drei Wochen bei 200 mg täglich eine Verschiebung des Zytokinprofils in Richtung eines entzündungshemmenden Musters sowie eine Verbesserung von Fatigue- und Schmerzwerten [6].

Wenn wir diese Ergebnisse zusammenführen, entsteht ein in sich stimmiges Bild. Coenzym Q10 wirkt auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Es unterstützt die Energieproduktion in den Zellen, reduziert oxidativen Stress und beeinflusst entzündliche Prozesse. Diese biologischen Effekte spiegeln sich in einigen Studien auch in einer Verbesserung von Symptomen wie Fatigue und depressiver Stimmung wider. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit, also eine zusammenfassende Auswertung mehrerer Studien, bestätigt diese Tendenz und weist darauf hin, dass insbesondere höhere Dosierungen über mehrere Wochen mit stabileren Effekten verbunden sind [7].

Gleichzeitig ist es wichtig, die Aussagekraft der bisherigen Studien realistisch einzuordnen. Viele Untersuchungen wurden mit überschaubaren Teilnehmerzahlen durchgeführt und über einen begrenzten Zeitraum beobachtet. Dennoch liefern sie wertvolle Hinweise und eine solide Grundlage für weitere Forschung. Insgesamt zeigt sich, dass Coenzym Q10 ein vielversprechender Ansatz in der begleitenden Betrachtung von Multipler Sklerose sein kann, dessen Potenzial derzeit weiter wissenschaftlich untersucht wird.

Wirkung von Q10 auf Fatigue, Entzündung und Lebensqualität

Coenzym Q10 zeigt in Studien zur Multiplen Sklerose vor allem bei Symptomen wie Fatigue, also einer anhaltenden Erschöpfung, sowie bei entzündlichen Prozessen interessante Effekte. Wir sehen, dass insbesondere die Kombination aus verbesserter Energieproduktion in den Mitochondrien und reduzierter oxidativer Belastung eine zentrale Rolle spielt. Fatigue entsteht bei Multipler Sklerose unter anderem durch einen gestörten Energiestoffwechsel in den Nervenzellen. Indem Coenzym Q10 hier als Bestandteil der zellulären Energiegewinnung wirkt, kann es dazu beitragen, diese Prozesse zu stabilisieren [8].

Parallel dazu beeinflusst Coenzym Q10 entzündliche Signalwege. Studien zeigen, dass unter Supplementierung proinflammatorische Zytokine wie TNF-α und IL-6 reduziert werden können. Diese Botenstoffe sind maßgeblich an der Aufrechterhaltung chronischer Entzündungsprozesse beteiligt. Gleichzeitig wurde in einigen Untersuchungen eine Zunahme entzündungshemmender Zytokine beobachtet, was auf eine Verschiebung des Immungleichgewichts hinweist [9]. Diese immunmodulatorischen Effekte gelten als wichtiger Ansatzpunkt, da Entzündung eine zentrale Rolle in der Krankheitsaktivität der Multiplen Sklerose spielt.

Auch im Hinblick auf die Lebensqualität zeigen sich relevante Zusammenhänge. In klinischen Studien berichten Teilnehmer unter Coenzym Q10 nicht nur über eine Reduktion von Fatigue, sondern auch über Verbesserungen in Bereichen wie Stimmung, Schmerzempfinden und allgemeinem Wohlbefinden. Diese Veränderungen werden häufig mit standardisierten Fragebögen erfasst, die verschiedene Dimensionen der Lebensqualität abbilden [10]. Besonders deutlich treten diese Effekte in Studien mit höheren Dosierungen und längerer Einnahmedauer hervor.

Wenn wir diese Ergebnisse zusammenführen, wird deutlich, dass Coenzym Q10 nicht nur auf molekularer Ebene wirkt, sondern sich diese Effekte in bestimmten klinischen Symptomen widerspiegeln können. Die Verbesserung von Energieverfügbarkeit, die Reduktion von oxidativem Stress und die Modulation von Entzündungsprozessen greifen ineinander und können gemeinsam zu einer spürbaren Entlastung im Alltag beitragen. Gleichzeitig bleibt die individuelle Ausprägung dieser Effekte unterschiedlich, was die Bedeutung einer differenzierten Betrachtung unterstreicht.

Grenzen der Studienlage und Einordnung der Coenzym Q10 Supplementierung

Coenzym Q10 zeigt in den bisherigen Studien bei Multipler Sklerose ein konsistentes Bild in Bezug auf biologische Effekte und bestimmte Symptome. Gleichzeitig ist es wichtig, die vorhandene Datenlage differenziert einzuordnen. Viele der vorliegenden Studien sind randomisierte kontrollierte Studien, also methodisch hochwertige Untersuchungen, umfassen jedoch oft eher kleinere Patientengruppen und beobachten die Effekte über Zeiträume von wenigen Wochen bis Monaten. Das bedeutet nicht, dass die Ergebnisse weniger relevant sind, sondern dass sie vor allem Aussagen über kurzfristige Effekte ermöglichen [11].

Ein weiterer Aspekt betrifft die untersuchten Endpunkte. In vielen Studien stehen sogenannte weiche Endpunkte im Vordergrund, also subjektiv erlebte Symptome wie Fatigue, Stimmung oder Lebensqualität. Diese sind für Betroffene hoch relevant, lassen sich jedoch schwerer objektiv messen als sogenannte harte Endpunkte wie Schubrate oder Veränderungen im MRT, also bildgebenden Verfahren des Gehirns. Für diese langfristigen Krankheitsparameter liegen derzeit noch weniger Daten vor [12].

Auch die Dosierung und Dauer der Supplementierung variieren zwischen den Studien. Während einige Untersuchungen mit 200 mg täglich arbeiten, zeigen andere Studien mit 500 mg konsistentere Effekte. Gleichzeitig ist noch nicht abschließend geklärt, welche Dosierung langfristig optimal ist und wie sich unterschiedliche Einnahmezeiträume auf die Ergebnisse auswirken [13]. Hinzu kommt, dass die Aufnahme von Coenzym Q10 ins zentrale Nervensystem begrenzt sein kann, was für die Interpretation der Effekte ebenfalls eine Rolle spielt.

Wenn wir diese Punkte zusammen betrachten, ergibt sich ein ausgewogenes Bild. Die bisherigen Studien liefern überzeugende Hinweise auf biologische und symptomatische Effekte, insbesondere im Bereich Fatigue, Entzündung und oxidativer Stress. Für die Praxis bedeutet das: Coenzym Q10 kann als ergänzender Ansatz betrachtet werden, dessen Einsatz individuell geprüft und im Kontext des gesamten Therapiekonzepts bewertet werden sollte.

Fazit: Was wir daraus ableiten können

Wenn wir die Studienlage, die biologischen Mechanismen und die klinischen Beobachtungen zusammenführen, entsteht ein klares Bild: Coenzym Q10 ist kein Wundermittel, aber ein sinnvoller und wissenschaftlich plausibler Baustein, der bei Multipler Sklerose gezielt an mehreren zentralen Prozessen ansetzt. Wir sehen Effekte auf die Energieproduktion in den Zellen, auf oxidativen Stress und auf entzündliche Prozesse. Gleichzeitig zeigen Studien, dass insbesondere Symptome wie Fatigue und depressive Verstimmungen positiv beeinflusst werden können.

Für uns ergibt sich daraus eine konkrete Konsequenz: Wir sollten eine längerfristige Supplementierung mit Coenzym Q10 unbedingt in Betracht ziehen. Uns zwar als einen Baustein in der selbstbestimmten lebensstilorientierten Behandlung der MS, der individuell geprüft und sinnvoll integriert werden kann. Dabei lohnt es sich, den Blick zu weiten. Coenzym Q10 wirkt nicht nur im Kontext von Multipler Sklerose, sondern spielt auch bei kardiovaskulären Erkrankungen und im fortgeschrittenen Lebensalter eine wichtige Rolle für Energie, Zellschutz und Vitalität.

Unser Eindruck aus der aktuellen Forschung ist klar: Wer beginnt, die eigenen gesundheitlichen Stellschrauben besser zu verstehen und gezielt zu nutzen, kann mehr Einfluss nehmen, als oft angenommen wird. Coenzym Q10 kann dabei ein sinnvoller erster Schritt sein.

Wer tiefer in diese und andere Zusammenhänge eintauchen möchte, findet auf Life-SMS | Lebensstilmaßnahmen bei MS eine Vielzahl fundierter Beiträge rund um Multiple Sklerose, Mikronährstoffe und ganzheitliche Ansätze.

Referenzen

[1] Nährstoffallianz DSGIP. Coenzym Q10. https://naehrstoffallianz.dsgip.de/naehrstoff/q10/

[2] LSMS.Info DSGIP. Coenzym Q10. https://lsms.dsgip.de/ernahrung/mikronahrstoffe/coenzym-q10/

[3] Sanoobar M, Dehghan P, Khalili M et al. Coenzyme Q10 as a treatment for fatigue and depression in multiple sclerosis patients: A double blind randomized clinical trial. Nutr Neurosci. 2016;19:138–143.

[4] Sanoobar M, Eghtesadi S, Azimi A et al. Coenzyme Q10 supplementation reduces oxidative stress and increases antioxidant enzyme activity in patients with relapsing–remitting multiple sclerosis. Int J Neurosci. 2013;123:776–78

[5] Sanoobar M, Eghtesadi S, Azimi A et al. Coenzyme Q10 supplementation ameliorates inflammatory markers in patients with multiple sclerosis: a double blind, placebo controlled randomized clinical trial. Nutr Neurosci. 2015;18:169–176.

[6] Moccia M, Capacchione A, Lanzillo R et al. Coenzyme Q10 supplementation reduces peripheral oxidative stress and inflammation in interferon-β1a-treated multiple sclerosis. Ther Adv Neurol Disord. 2019;12.

[7] Salekzamani S, Pakkhesal S, Babaei M et al. Coenzyme Q10 supplementation in multiple sclerosis: A systematic review. Mult Scler Relat Disord. 2024;93:106212.

[8] Mehrabani S, Askari G, Miraghajani M et al. Effect of coenzyme Q10 supplementation on fatigue: A systematic review of interventional studies. Complement Ther Med. 2019;43:181–187.

[9] Moccia M, Capacchione A, Lanzillo R et al. Coenzyme Q10 supplementation reduces peripheral oxidative stress and inflammation in interferon-β1a-treated multiple sclerosis. Ther Adv Neurol Disord. 2019;12.

[10] Salekzamani S, Pakkhesal S, Babaei M et al. Coenzyme Q10 supplementation in multiple sclerosis: A systematic review. Mult Scler Relat Disord. 2024;93:106212.

Grafik

Eigene Darstellung mit KI-Unterstützung auf Basis der im Artikel genannten wissenschaftlichen Quellen zu Coenzym Q10, Energiestoffwechsel und Zellschutz. DSGiP 2026


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Wie Vitamin-D bei progressiver MS geschlechterspezifisch unterschiedlich wirkt: Einblicke aus einem Tiermodell

Bei der Behandlung von progressiver MS könnte ein Schlüssel in der Vitamin-D-Supplementierung liegen – doch die Wirkung ist nicht bei allen gleich. Forschungen zeigen, dass Männer und Frauen unterschiedlich darauf reagieren. Dieser Artikel bringt Licht ins Dunkel der geschlechtsspezifischen Unterschiede und erläutert, wie diese Erkenntnisse unser Verständnis und die Behandlung von MS deutlich verbessern könnten

Sonne, fetter Seefisch und Supplemente als Vitamin D-Quellen

Progressive MS und Vitamin-D: Ein Überblick über eine aktuelle Studie

Die Rolle von Vitamin D in der Behandlung von Multipler Sklerose (MS), insbesondere der progressiven Form der Erkrankung, ist ein Forschungsgebiet, das in den letzten Jahren zunehmend Beachtung gefunden hat. Eine jüngst veröffentlichte Studie [1] hebt die Bedeutung von Vitamin D hervor und wirft ein neues Licht auf die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Reaktion auf dieses Vitamin bei progressiver MS.

Progressive bzw. progediente Verlaufsformen der MS (PMS) unterscheiden sich von anderen Formen der MS durch ihren stetigen Verlauf ohne Remissionen, was die Behandlung und das Management der Krankheit erschwert. Vitamin D, das oft als „Sonnenvitamin“ bezeichnet wird, spielt eine wichtige Rolle im Immunsystem und hat entzündungshemmende Eigenschaften, die bei Autoimmunerkrankungen wie MS von Vorteil sind. Wir berichten schon seit Jahren über diese Zusammenhänge.

Geschlechtsspezifische Reaktionen auf Vitamin-D bei progressiver MS

In der Diskussion um geschlechtsspezifische Reaktionen auf Vitamin-D bei der Behandlung von progressiver Multipler Sklerose (MS) bietet die aktuelle Studie aufschlussreiche Daten. Um den Mangel an geeigneten Tiermodellen für PMS zu beheben, hatte das Forschungsteam ein Tiermodell entwickelt, das die zellulären Merkmale der fortschreitenden Krankheitsphase gut nachbildet. Untersucht wurde, wie männliche und weibliche Dark Agouti Ratten, auf Vitamin-D-Supplementierung reagieren.

Die Forscher fanden signifikante Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Tieren. Weibliche Ratten wiesen eine bessere TAC (Total Antioxidative Capacity = Antioxidative Gesamtkapazität) und höhere Mengen an PP (Protektive Polyphenole) auf. Darüber hinaus zeigten weibliche Tiere eine bessere Myelin-Erhaltung, eine geringere Mikroglia-Aktivierung und ein besseres neuronales Überleben, während sie mehr apoptotische Zellen aufwiesen als männliche Ratten.

Infobox

Microglia sind spezialisierte Makrophagen-ähnliche Zellen im Zentralnervensystem (ZNS), die als Immunwächter fungieren. Sie machen etwa 10-15% der Zellen im Gehirn aus. Aktivierte Microglia tragen durch Freisetzung schädlicher Substanzen, Phagozytose und Förderung der Neuroinflammation maßgeblich zur Pathogenese der MS bei. Eine Modulation der Microglia-Aktivierung ist daher ein vielversprechender Ansatz für neue Therapiestrategien.

Phagozytose ist ein aktiver Prozess, bei dem spezialisierte Zellen, sogenannte Phagozyten, feste Partikel, Mikroorganismen oder andere Zellen aus der extrazellulären Umgebung aufnehmen und in ihr Zellinneres transportieren. 

Bei den weiblichen Tieren wurde sogar eine Verzögerung der Erreichung des Höhepunkts der Krankheit festgestellt. Insgesamt profitierten beide Geschlechter von der VD-Supplementierung, was sich in deutlich weniger kortikalen, neuroaxonalen und oxidativen Schäden zeigte. Unerwarteterweise hatten männliche Ratten einen noch höheren Gesamtnutzen, was höchstwahrscheinlich auf Unterschiede in der oxidativen Kapazität und den Abwehrsystemen der beiden Geschlechter zurückzuführen ist.

Diese Ergebnisse unterstützen die Hypothese, dass Vitamin D eine protektive Rolle in der Pathophysiologie der MS spielt, indem es zur Stabilität der Myelinscheiden beiträgt und entzündliche Prozesse im Zentralnervensystem moduliert. Es wirkt also auf Prozesse, die direkt die mit der Progression von MS assoziiert sind.

Eine Aussage, die von Life-SMS schon seit Jahren getroffen wird!

Die Erkenntnisse aus dieser Studie unterstreichen zudem die Notwendigkeit, geschlechtsspezifische Unterschiede in der Behandlung der progressiven MS zu berücksichtigen. Sie werfen auch Licht auf die möglichen Mechanismen, durch die Vitamin D seine Schutzwirkung in männlichen und weiblichen Organismen unterschiedlich entfalten kann. Diese Ergebnisse sind entscheidend für die Entwicklung zukünftiger, personalisierter Therapieansätze, die auf das Geschlecht und individuelle Reaktionen der Patienten abgestimmt sind. Weitere Forschung in diesem Bereich wird dazu beitragen, die Behandlungsmöglichkeiten für alle Betroffenen zu verbessern und zu optimieren.

Fazit

Zusammenfassend gibt die in der Zeitschrift „Nutrients“ veröffentlichte Studie „Sex Differences under Vitamin D Supplementation in an Animal Model of Progressive Multiple Sclerosis“ von Haindl et al. (2024) signifikante Einsichten in die geschlechtsspezifischen Reaktionen auf Vitamin D bei progressiver Multipler Sklerose (MS) und unterstreicht die Bedeutung weiterer Forschung in diesem Bereich. Die Ergebnisse zeigen, dass Vitamin D das Potential hat, neuroprotektive Effekte zu verstärken und die Entzündungsaktivität im Gehirn zu modulieren, was zu einer Verlangsamung der Krankheitsprogression führen kann. Diese Entdeckungen sind besonders wertvoll, da sie dazu beitragen können, die Behandlungsmöglichkeiten für progressive MS zu erweitern und zu personalisieren, indem sie spezifische Unterschiede in der Reaktion auf die Behandlung zwischen den Geschlechtern beleuchten.

Diese Erkenntnisse legen weiter nahe, dass eine patientenspezifische Supplementierung mit Vitamin D in die Behandlungsstrategien für MS integriert werden muss. Die Notwendigkeit für personalisierte Medizin wird immer deutlicher, um die Behandlungsergebnisse zu verbessern und den Betroffenen ein längeres, qualitativ hochwertigeres Leben zu ermöglichen.

Schlussfolgerung für Betroffene

Wir empfehlen daher allen Betroffenen, regelmäßig den Vitamin-D-Spiegel im Blut zu messen und einen Wert von 60 – 90 ng/ml anzustreben. Gerade bei Patienten mit einer progredienten Verlaufsform der MS und insbesondere bei Männern kann dies einen entscheidenden Beitrag zur Stabilisierung des Gesundheitszustandes leisten und eine Verschlechterung vermeiden. Dies gilt aus unserer Sicht vor allem auch mit Blick auf den Übergang von schubförmiger auf sekundär progediente bzw. progressive MS.

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Quelle:

[1] Haindl MT, Üçal M, Tafrali C, Wonisch W, Erdogan C, Nowakowska M, Adzemovic MZ, Enzinger C, Khalil M, Hochmeister S. Sex Differences under Vitamin D Supplementation in an Animal Model of Progressive Multiple Sclerosis. Nutrients. 2024; 16(4):554. https://doi.org/10.3390/nu16040554; https://www.mdpi.com/2072-6643/16/4/554

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Das Cannabinoid BCP aus Copaiba als potentere CBD-Alternative

Im Jahr 2020 haben Sie über den Life-SMS-Blog in 2 Teilen Wissenswertes zu Cannabinoiden wie THC und CBD erfahren.

Was ist das Endocannabinoid-System? Eine Einführung mit Blick auf die MS (I)

Das Endocannabinoide-System: Eine Einführung mit Blick auf die MS (II)

Wegen seiner positiven Wirkungsmöglichkeiten bei MS gingen wir v.a. auf das Cannabidiol (CBD) ein.
Sie erinnern sich an das Fazit?
Frei verfügbare CBD-Präparate können bei MS-Betroffenen eine Vielzahl positiver Effekte auslösen; dies betrifft unter anderem die positive Wirkung auf eine mögliche Darmbakterien-Fehlbesiedlung und das “Leaky gut” Syndrom, die Immunmodulation in Richtung anti-entzündlicher Vorgänge sowie antidepressive und neuroprotektive Wirkungen. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass auch Cannabidiol antispastische und schmerzlindernde Wirkungen hat. Aufgrund der relativ kurzen Halbwertszeit von CBD empfiehlt sich die tägliche Einnahme.

Da CBD im Gegensatz zum THC ja hauptsächlich über den CB2-Rezeptor wirkt, hat es obige positive Wirkungen aber kaum psychoaktive Reaktionen (für welche THC bei den einen beliebt und bei den anderen sehr unbeliebt und teilweise gesundheitsbeeinträchtigend ist).

Heute stellen wir ein weiteres gesundheitsförderndes Cannabinoid vor, dass dem CBD sogar überlegen sein kann: BCP

Beta-Caryophyllen (BCP )

Es findet sich z.B. in hochkonzentriertem Black-Pepper-Öl aber in größeren Mengen v.a. im Harz des südamerikanischen Copaifera-Baumes, das Copaiba genannt wird.

Copaifera_officinalis_-_Köhler–s_Medizinal-Pflanzen-047

Die wichtigste chemische Komponente des Copaifera-Baum-Harzes Copaiba ist Oleoresin mit Beta-Caryophyllen (BCP), eine chemische Substanz, die auch zu den Cannabinoiden gezählt wird. Denn als Cannabinoid gilt eine Substanz, die mindestens einen CB-Rezeptor anspricht.

Genau wie CBD-Öl kann hochwertiges Copaiba-Öl eine gesunde Entzündungsreaktion unterstützen und eine positive Beeinflussung der Stimmung haben. Es ist auch ein starkes Antioxidans, das die Gesundheit des Immunsystems fördert – gerade bei Multiple Sklerose alles wichtig. Aber Beta-Caryophyllen (BCP) interagiert ausschließlich mit CB2- und nicht mit den psychoaktiv wirksamen CB1-Rezeptoren – es ist sogar hundertprozentig THC-frei, da dieses gar nicht im Copaifera-Baumharz vorhanden ist – und kann deswegen gefahrlos angewendet werden. Der THC-Gehalt in CBD-Ölen darf übrigens offiziell nicht höher als 0,2 % sein, aber dies wird von vielen Herstellern und Anbietern gar nicht getestet.

Copaiba-Öl beeinflusst die Zellkommunikation, sowie die neurale Reizübertragung

Durch den Einfluss von Betacaryophyllene (BCP) auf das endocannabinoide System wird u.a. die mitochondriale Funktion erhöht (Zellstoffwechsel), Schmerz reduziert und Neurodegeneration vermindert.
Copaiba-Öl kann so nicht nur unterstützend sein für die Gesundheit des Herz- Kreislauf-, Immun-, Verdauungs- sondern auch des Nerven- und Atmungssystems. Es ist der Hauptbestandteil Caryophyllen, dem die neuroprotektive Wirkung und kardiovaskuläre Vorteile zugesprochen werden – und der in CBD-Öl in wesentlich niedrigerer Konzentration vorhanden ist.
Von hochkonzentriertem Copaiba-Öl reichen 1 bis 2 Tropfen z.B. in Wasser oder Tee, um die Gesundheit zu unterstützen.
BCP kann nicht nur das Nervensystem und gegen chronische Entzündungen unterstützen, sondern wie CBD auch Anspannung (mentale wie muskuläre) und ängstliche und niedergeschlagene Gefühle lindern. Zudem hat es noch eine schützende Wirkung auf Nieren, Leber und andere Organe.

Konkrete Anwendungsbeispiele

Copaiba statt CBD-Öl klappt prima zum Einschlafen und ggf. um Spastiken (auch organische wie z.B. verkrampfter Darm) zu lockern (wirkt beruhigend auf das Nervensystem und die Muskulatur) und es kann wie CBD auch schmerzstillend wirken – je nach Schmerzursache (sehr gut z.B. bei Zahnnervschmerzen; hierzu einfach einen Tropfen auf das Zahnfleisch um die betroffene Stelle auftupfen).
Äußerlich angewendetes Copaiba (z.B. sich die Hände oder Füße damit einreiben) kann wohl einen ähnlichen anspannungslösenden Effekt haben wie eine innerliche Anwendung. Die innerliche ist hierbei jedoch meist stärker. Allerdings ist für die Einnahme ein hochwertiges, hochreines Öl, welches dafür zugelassen ist, unabdingbar! Daher erklären sich teils die Preisunterschiede.
Es gibt hochwertige Copaiba-Produkte (reinste ätherische Öle), die 55% BCP (Beta-Carophyllen) enthalten. Die CB2-Aktivierung korreliert mit der Konzentration von BCP (je mehr BCP desto mehr Aktivierung). CBD-Öl enthält 35% BCP und es wird vermutet, dass genau dieses BCP in CBD-Öl für dessen positiven Eigenschaften verantwortlich ist, weshalb es Sinn macht, direkt reineres BCP in Form eines guten Copaiba-Produktes einzunehmen (dann könnte der positive Effekt höher sein).

Fazit: Copaiba kann eine sinnvolle, da potentere Alternative zu CBD-Produkten sein. Beide können bei MS-Betroffenen eine Vielzahl positiver Effekte auslösen; dies betrifft unter anderem die Immunmodulation in Richtung anti-entzündlicher Vorgänge sowie antidepressive, neuroprotektive und schmerzlindernde Wirkungen.

Genau wie bei CBD-Ölen gilt hier:
Falls Sie ein Copaiba-Öl anwenden möchten, achten Sie bitte unbedingt auf die Herkunft. Viele im Internet angebotene Produkte sind zweifelhafter Herkunft, u.U. mit Pestiziden oder Herbiziden belastet oder weisen zweifelhafte Inhaltsstoffe auf. Greifen Sie auf Hersteller mit überprüfbaren Qualitätssicherungs- und Produktionsverfahren (erkennbar an Zertifikaten und Analysen) Produkte zurück.

© Illustration: Franz Eugen Köhler, Köhler’s Medizinal-Pflanzen

Quellen:

Copaiba – ein kleiner wissenschaftlicher Einblick

Der Unterschied zwischen Copaiba-Öl und Cannabis-Öl

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