Auf welche Themen soll ich mich denn konzentrieren? Therapiestress vermeiden!

MS-Betroffene stehen vor einem Dilemma: die Schulmedizin bietet nur sehr beschränkte Lösungen (bisher ohne Heilungsperspektive) an und von komplementärmedizinischen Ratschlägen – durchmischt mit Scharlatanerie – wimmelt es im Netz.

Photo by Daniel Lerman on Unsplash

Grundsätzlich gilt:

  • MS ist eine multifaktorielle Erkrankung und nur durch eine patientenspezifische Betrachtung beherrschbar oder im Einzelfall sogar heilbar.
  • Die ausschlaggebenden Faktoren sind bei fast jeder Patientin und bei jedem Patienten andere und im Allgemeinen nicht eindeutig identifizierbar.
  • Es gibt aber Gemeinsamkeiten und Gruppen von Faktoren, die heute schon bekannt sind und insofern über Lebensstilmaßnahmen modifiziert werden können. Auch diese Faktoren sind im Detail sehr vielfältig, sodass es für den Einzelnen schwierig ist, den für ihn idealen Stabilisierungs- und Genesungsweg zu finden.

Dennoch gibt es Leitplanken, die Betroffenen helfen können, den selbstbestimmten Kurs zu finden. Zunächst gilt es sich auf wesentliche Faktoren zu konzentrieren und somit der 80/20-Regel bzw. dem sogenannten Pareto-Prinzip zu folgen. Diese wesentlichen Faktoren sind heute aufgrund vieler Studien relativ gut bekannt. In der folgenden Liste sind diese, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, zusammengefasst.

8 wesentliche Faktoren

  • Vitamin D und Sonne
  • Gesunde Darmflora
  • Ausreichende und regelmäßige Bewegung (je nach den eigenen Möglichkeiten)
  • Antientzündliche und antioxidative Ernährung
  • Mentale Ausgewogenheit und Stressreduktion
  • Gesunder Schlaf
  • Soziale Aktivität und sinnhafte Arbeit (nicht zwingend bezahlt)
  • Reduktion und Minimierung der Schadstoffbelastung

Die bewusste Beachtung dieser Faktoren über die Umsetzung im eigenen Lebensstil ist zumindest auf der obersten Ebene mit überschaubaren Anstrengungen machbar.

Vitamin D und Sonne: Hier reicht es zunächst einen Zielwert für den Vitamin D-Spiegel im Serum zwischen 60 und 90 ng/ml zu erreichen und zusätzlich so oft wie möglich und regelmäßig das Sonnenlicht zu genießen (Sonnenbrände sind zu vermeiden).

Siehe auch Faktenblatt Vitamin D und Sonne

Bewegung und Sport: An dieser Stelle bestimmen die eigenen Möglichkeiten und das eigene Interesse die Auswahl des geeigneten Trainingsformats. Geeignetes Training fördert immens die Neuroplastizität, verhindert oder vermindert eine Insulinresistenz und verbessert Kraft und Koordination.

Siehe auch: Faktenblatt Sport und MS

Gesunde Darmflora: Zugegeben, kein einfaches Kapitel und eng mit der Ernährung verbunden. Hier helfen ein Verzicht auf Industriezucker und andere einfache Kohlenhydrate sowie bei vielen Erkrankten ein Verzicht Nahrungsmittel die Gluten und Weizenproteine enthalten. Eine Supplementierung mit Propionsäure ist anzuraten.

Siehe auch: Faktenblatt Darmflora und MS, Die kurzkettige Propionsäure beweist erneut ihr Potential in der MS-Behandlung und Geben Sie der “Gluten-Freiheit” eine Chance.

Antientzündliche und antioxidative Ernährung: Hier geht es unter anderem um eine kohlenhydratarme, ballaststoffreiche Ernährung sowie um den Verzehr von pflanzlichen Lebensmitteln mit einem hohen Gehalt an Polyphenolen und Flavonoiden. Auf Industriezucker oder “Life-Style-Getränke” muss soweit wie irgend möglich verzichtet werden. Gesunde Fette und Öle (Omega 3-Öl vorzugsweise aus Algen) sowie Olivenöl und Kokosöl sind ein Muss bei gleichzeitigem Verzicht auf industrielle Transfette und eine Reduktion der Aufnahme von Omega-6-Fettsäuren. Hinzu kommt dann noch eine patientenspezifische Supplementierung mit Mikronährstoffen, die mit einem ganzheitlich arbeitenden Therapeuten, der nach den Prinzipien der funktionellen Medizin arbeitet, besprochen werden sollte.

Siehe auch: Faktenblatt: Zucker und MS sowie Faktenblatt Fettsäuren und MS

Mentale Ausgewogenheit und Stressreduktion: Hier helfen Meditationstechniken wie Mindfulness-Meditation oder auch Yoga und andere Entspannungsmethoden. Aber auch das Spielen eines Instruments, das Singen oder auch nur der Musikgenuss sind hervorragende Methoden den überschießenden Cortisolspiegel im Zaum zu halten und die Genauslese in Richtung antientzündlicher Vorgänge zu modulieren.

Siehe auch: Warum sich Mindfulness- oder Achtsamkeitstraining lohnt!

Gesunder Schlaf: Ganz einfach ausgedrückt – ausreichender Schlaf hat eine heilende Wirkung. Es ist bekannt, dass Schlafstörungen bei MS-Patienten deutlich häufiger vorkommen, als in der Allgemeinbevölkerung. Insofern sind Maßnahmen zur Verbesserung des Schlafes ein Pflichtprogramm für Betroffene. Hier kann es sich lohnen, professionelle Hilfe (von Medizinern oder Schlafcoaches etc.) in Anspruch zu nehmen.

Siehe auch: Die Bedeutung des Schlafhormons Melatonin bei neurodegenerativen Erkrankungen – der zirkadiane Rhythmus, unentbehrlich für die Gehirnfunktion

und generell zum Verständnis: Gesunder Schlaf (bei unserem Schwesterprojekt Kompetenz statt Demenz)

Soziale Aktivität und sinnhafte Arbeit: Dieser Faktor wird leider oft unterschätzt. Suchen Sie sich eine Aufgabe, die Sie begeistert und teilen Sie die Aufgabe und deren Ergebnisse mit anderen Menschen. Falls das Ganze generationenübergreifend erfolgt, umso besser. Zusätzliche erfüllte Lebensjahre sind dann sehr wahrscheinlich.

Siehe auch: Prof. Dr. Gerald Hüther – Gelassenheit hilft: Anregungen für Gehirnbenutzer (ddn 2009)

Reduktion und Minimierung der Schadstoffbelastung: An dieser Stelle sollten Sie einen Umweltmediziner zur Rate ziehen. Rauchen, Schwermetallbelastung und verschiedene aromatische Kohlenwasserstoffe sind Gift für Ihr Immunsystem und Ihren Körper.

Siehe auch: Dr. Stefan Dietsche zum Thema „Schadstoffe und Psyche“ und Tabakrauchen und MS-Progression: ein sofort vermeidbarer Faktor!


Selbstverständlich erfordern diese Felder im Einzelfall eine Beschäftigung mit den Details, dennoch geben sie Ihnen hoffentlich ein Rüstzeug und nötige Leitplanken auf dem Weg in die eigenverantwortliche und lebensstilorientierte Behandlung der MS.

Mindmap der Life-SMS Methodik

Zur Beschäftigung mit den Details empfehlen wir unsere Mindmap der Life-SMS Methodik, die Sie hier finden:

Ein Klick auf das “Thumbnail” öffnet die interaktive Kompetenzkarte in einem neuen Fenster.

Abschließend noch ein Tipp:

Vermeiden Sie Therapiestress, das heißt, wenn Sie mit einer Maßnahme angefangen haben, geben Sie sich Zeit um eine Wirkung zu spüren, springen Sie nicht von einem Supplement, einer Ernährungsweise, einer Trainingsart und einer Methodik zur Stressreduktion zur nächsten (sofern Sie keine negativen Wirkungen erfahren) und hören Sie in sich hinein. Ihr Körper und Ihr Geist werden Ihnen in aller Regel helfen, den für Sie gangbaren Weg zu finden. Aber scheuen Sie sich auch nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

In diesem Sinne bleiben und werden Sie gesund und folgen uns weiter!

Ihr

Life-SMS Team


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Raus an die Sonne, sie verspricht mehr Gesundheit als Vitamin D alleine

Wie wichtig das Sonnenhormon Vitamin D für die Stabilisierung und Behandlung der Multiplen Sklerose ist, haben wir ja schon ausführlich auf dieser Internetseite dargestellt. Dabei wird oft übersehen, dass der natürliche Weg der Vitamin D-Bildung zum Großteil über die UVB-Strahlung des Sonnenlichtes erfolgt. Darüber hinaus haben aber auch die anderen Strahlungsanteile der Sonne erhebliche gesundheitliche Wirkungen, die sich nicht nur auf die Vitamin D Bildung beziehen. UVA-Strahlung z.B. senkt nachweislich den Blutdruck und das Wechselspiel zwischen Serotonin- und Melatonin-Bildung im Körper wird durch den Tageslichtanteil des Sonnenspektrums maßgeblich beeinflusst. Wie auch schon in unserem Faktenblatt zum Thema “Sonne, Vitamin D und MS” dargestellt, ist also die Vitamin D-Supplementierung nur “die halbe Miete”. Kein Wunder übrigens, denn die Sonne war und ist ein wesentlicher Faktor der Evolution und bei bewusstem Genuss keine Bedrohung, sondern lebenswichtig.

Die Wirkung und Wichtigkeit des Sonnenlichts bei MS wird durch eine aktuelle Multizentren-Studie noch einmal deutlich unterstrichen. Die Autoren um Ostkamp et. al. [1] wiesen nach, dass ein erhöhtes Krankheitsrisiko für Multiple Sklerose (MS) ist mit einer reduzierten Sonnenexposition verbunden ist.

Diese Studie untersuchte die Beziehung zwischen Messungen der Sonnenexposition (Vitamin D, Breitengrad) und dem Schweregrad der MS im Rahmen von zwei multizentrischen Kohortenstudien (NationMS = 946 Teilnehmer, BIONAT = 990 Teilnehmer). Zusätzlich wurde die Effektmodifikation durch Medikamente und erhöhte Photosensitivität untersucht. Ein hoher Serum-Vitamin D-Wert war assoziiert mit einem reduzierten MS-Schweregrad-Score (MSSS), einem reduzierten Risiko für Schübe und geringerer Behinderungsakkumulation über die Zeit. Ein niedriger Breitengrad war assoziiert mit höherem Vitamin D-Level, niedrigerem MSSS, weniger Gadolinium-anreichernden Läsionen und geringerer Akkumulation der Behinderung. Die Assoziation des Breitengrades mit der Behinderung fehlte bei IFN-β-behandelten Patienten. Bei Patienten, die eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht aufwiesen, war ein niedrigerer Breitengrad mit einer höheren MRI -Aktivität assoziiert, während bei unempfindlichen Personen eine geringere MRI-Aktivität in niedrigeren Breitengraden auftrat.

In einem weiteren explorativen Ansatz wurde der Effekt von (UV)-Phototherapie auf das Transkriptom von Immunzellen von MS-Patienten anhand von Proben aus einer früheren Studie untersucht. Die Phototherapie induzierte eine Vitamin-D und Typ I IFN-Signatur (eine erhöhte Expression von Vitamin D und Typ I IFN-regulierten Genen), die am deutlichsten in in Monozyten, die aber auch in B- und T-Zellen nachgewiesen werden konnte. Die Typ I IFN-Signatur ist ansonsten bei MS-Patienten generell abgeschwächt.

Die Autoren kommen zu folgendem Schluss:

Zusammengefasst, deutet unsere Studie auf positive Effekte der Sonnenexposition auch bei einer etablierten MS hin, wie durch ein korrelatives Netzwerk zwischen drei Faktoren gezeigt wurde: Breitengrad, Vitamin D und Krankheitsschwere. Außerdem könnte eine direkte Induktion von Typ I IFNs durch Sonnenexposition ein weiterer Mechanismus der UV-vermittelten Immunmodulation bei MS sein.

Allerdings könnte die Sonnenexposition nachteilig für lichtempfindliche Patienten sein.

Was bedeutet das nun für Betroffene?

Zusätzlich zur inzwischen weitgehend etablierten Supplementierung von Vitamin D bei MS-Betroffenen, ist die regelmäßige Nutzung bzw. der bewusste Genuss der Sonnenstrahlung für 10 – 20 Minuten täglich eine weiterer unterstützender Lebensstilfaktor bei der selbstverantwortlichen, lebensstil-orientierten Behandlung der MS.

Wichtig ist dabei, dass die Sonnenexposition regelmäßig und in kurzen Zeiträumen auf unbedeckter Hautoberfläche erfolgt. Sonnenbrände sind dabei unbedingt zu vermeiden, um das Risiko für Hautkrebs und eine verstärkte Hautalterung nicht zu erhöhen.

Hinweise zur bewussten, gesundheitsfördernden und sicheren Nutzung des Sonnenlichts finden sich hier:

Tipps zum richtigen Sonnen bei der SonnenAllianz….

Für MS-Betroffenen spielt natürlich auch das Uthoff-Phänomen eine Rolle, das heißt die wärmeinduzierte, zeitlich begrenzte Zunahme der MS-Symptomatik über den Zeitraum der Körpererwärmung. Insofern ist insbesondere an heißen Tagen Vorsicht geboten, sodass dann eher kürzere Zeiträume der Sonnenexposition von wenigen Minuten ggf. mit 1 – 2 Wiederholungen empfehlenswert sind und sich somit umsetzen lassen.

In diesem Sinne bleiben Sie gesund und nutzen die Kraft der Sonne. Nichts wie raus!

Ihr

Life-SMS Team


Referenzen:

[1] Ostkamp, P., Salmen, A., Pignolet, B., Görlich, D., Andlauer, T., Schulte-Mecklenbeck, A., Gonzalez-Escamilla, G., Bucciarelli, F., Gennero, I., Breuer, J., Antony, G., Schneider-Hohendorf, T., Mykicki, N., Bayas, A., Then Bergh, F., Bittner, S., Hartung, H. P., Friese, M. A., Linker, R. A., Luessi, F., … German Competence Network Multiple Sclerosis (KKNMS) and the BIONAT Network (2021). Sunlight exposure exerts immunomodulatory effects to reduce multiple sclerosis severity. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 118(1), e2018457118. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33376202/


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Hochdosistherapie mit Vitamin D bei MS: Dr. Lemke – ein Protokollarzt – berichtet

Über das sogenannte “Coimbra-Protokoll” bzw. dessen Interpretation und Wirkung ist schon viel spekuliert, publiziert und diskutiert worden. Das Spektrum der Diskussion bildet auch heute noch einen breiten Bereich zwischen glückselig machender Therapie und Scharlatanerie ab. Ganz besonders kritisch ist, dass es eine nicht zu vernachlässigende Zahl von MS-PatientInnen gab und gibt, die meinten oder meinen mit Hilfe möglichst hoher Dosen Vitamin D ihre Probleme beseitigen zu können, in der Konsequenz mit einer Hyperkalzämie im Krankenhaus gelandet sind oder noch landen werden.

Umso erfreulicher ist es, dass der Mediziner Dr. Dirk Lemke, der sich seit einigen Jahren in einer Gemeinschaftspraxis mit dem Thema Hochdosistherapie mit Vitamin D bei Autoimmunerkrankungen beschäftigt, seine Beobachtungen aus einer Vielzahl von Behandlungen in einem Vortrag dargestellt hat. In den weiter unten verlinkten Vortragsteilen erklärt er auf der einen Seite die Grundzüge des Therapieansatzes, seine Anpassung auf das europäische Patientenspektrum sowie die daraus resultierende Anpassung des „Coimbra-Protokolls“, und auf der anderen Seite kann er die beachtlichen Ergebnisse aus seiner Praxis mit einer recht ansehnlichen Zahl von PatientInnen darstellen, zumindest was die schubförmige MS betrifft (41 Patienten). Aber auch in Bezug auf die sekundär progrediente MS und die primär progrediente MS gibt es erste Protokolldaten, wobei diese insgesamt weniger eindeutig sind. Der Vortrag wurde im September 2019 auf dem Kongress der Gesellschaft für evolutionäre Medizin und Gesundheit gehalten und aufgezeichnet.

[Video Teil 1/2]

Die Zahlen kommen aus seiner Praxis und es handelt sich hierbei einfach um die allerersten 100 PatientInnen, die er behandelt hat. Während des Betreuungszeitraum hat Dr. Lemke die Veränderungen bei den PatientInnen protokolliert und nach einem Jahr ausgewertet. Beeindruckend ist die Reduktion der Schübe, von im Mittel 25 pro Jahr vor Behandlungsbeginn auf 2 pro Jahr im betrachteten Patientenkollektiv.

Interessant ist dieser erste Teil des Vortrags insbesondere auch in Bezug auf die durch Genpolymorphismen ausgelöste mögliche Vitamin-D-Rezeptorresistenz und die Untersuchungen von Prof. Carlberg. Professor Carlberg entwickelte den sogenannten “Vitamin-D-Response-Index”, der anzeigt, wie gut ein Patient auf die Gabe von Vitamin D reagiert. Hier liegt im Endeffekt der Schlüssel zum Erfolg bei den Betroffenen. Die Vitamin-D-Dosis muss dem persönlichen “Vitamin-D-Response-Index” angepasst werden. Da die Bestimmung dieses Index über genetische Analysen nur sehr aufwendig möglich ist, behilft man sich beim Vitamin-D-Hochdosis-Protokoll mit der Messung des Parathormons, als Marker für die Wirkung des Vitamin D. Ein nicht gerade genauer Parameter.

[Video Teil 2/2]

In der Videofortsetzung geht es zunächst noch einmal um das Konzept der Vitamin-D-Rezeptorresistenz und die Frage, warum dieses Thema noch nicht in den medizinischen Fachgesellschaften angekommen ist. Herr Dr. Lemke stellt dar, dass eine größer werdende Gruppe von Ärzten, die mit einem Hochdosistherapie-Konzept arbeiten, alles daran setzen, dies in Zukunft zu ändern.

Die weiter oben schon angesprochene genetisch bedingte Ausprägung einer Vitamin-D-Rezeptorresistenz, führt dazu, dass es relevante Unterschiede bei der Dosierung im Vitamin-D-Hochdosisprotokoll zwischen Brasilien oder Südamerika und dem europäischen Raum (vornehmlich Kaukasier) geben muss. Die von Professor Coimbra eingesetzten Dosen mit 100.000 I.E./Tag und deutlich mehr, sind für PatientInnen in unserer Region deutlich zu hoch. Aus Dr. Lemkes Beobachtungen und Feinjustierungen in der Anwendung stellte sich heraus, dass die typische Vitamin-D-Dosis für PatientInnen in seiner Praxis irgendwo zwischen 50.000 und 60.000 I.E./Tag liegt. Alles was darüber hinausgeht, birgt die sehr große Gefahr eine Hyperkalzämie auszulösen, die schwere und sogar fatale gesundheitliche Folgen haben kann. In Einzelfällen können aber nach wie vor auch höhere Dosen angebracht erscheinen, sofern der behandelnde Arzt eine entsprechende Bewertung findet.

Die Ergebnisse seiner Untersuchungen sind wirklich beachtenswert; nicht nur dass die Schubfrequenz bei den PatientInnen mit RRMS massiv abnimmt (mehr als 90 %), sondern dass auch die Symptomatik in aller Regel in vielen Bereichen messbar besser wird. Insbesondere die Fatigue spricht sehr gut auf die hohen Vitamin-D-Gaben an (100 % der RRMS-PatientInnen spüren eine Besserung) und die Gehfähigkeit reagiert bei 82 % der RRMS-PatientInnen messbar positiv. Bei den RRMS-Betroffenen nimmt sogar der EDSS-Wert um 1,3 Punkte ab. Ein ähnliches Ergebnis gab es bisher nur bei sehr hohen Biotingaben. Ein Problem, was bleibt und nicht zu vernachlässigen ist, ist die potentielle Zunahme der Spastik, die bei 25 % der RRMS- und etwa 50 % der SPMS-/PPMS-PatientInnen auftritt.

Abschließend sei noch zu erwähnen, dass es sich hier nicht um eine wissenschaftliche Auswertung im Sinne einer medizinischen Studie handelt, sondern um die Auswertung der Beobachtungen innerhalb eines Behandlungsprotokolls. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass aufgrund von statistischen Einflüssen, kleinen Fallzahlen, nicht bekannten Kofaktoren und subjektiven Bewertungen, Ergebnisse überbewertet oder unterbewertet werden. Auch die Analyse derjenigen, die die Behandlung abgebrochen haben, fehlt in der Betrachtung. Dennoch zeigen diese Resultate, dass ein auf europäische Verhältnisse zugeschnittenes Behandlungsprotokoll mit relativ hohen Vitamin-D-Gaben signifikante Erfolge erzielen kann. Es bleibt zudem abzuwarten, wie sich die hochdosierte Vitamin-D-Einnahme über lange Zeiträume wie 5, 10 oder 20 Jahre, auswirkt.

Summa Summarum: Die auf europäische Verhältnisse angepasste Vitamin-D-Hochdosistherapie ist eine Therapieoption, die zumindest bei schubförmigen Verläufen in Betracht kommen kann. Sie ist aber kein Allheilmittel, sondern eine Behandlungsoption, die ausschließlich mit einem mit der Materie vertrauten Protokoll-Arzt diskutiert werden sollte und nach Abwägung aller Risiken eine – im Vergleich zu anderen pharmakologischen Behandlungsformen – aus heutiger Sicht risikoarme Option darstellt, sofern die Randbedingungen bzgl. der Ernährung eingehalten werden. Ein Versuch, diese Therapie auf eigene Faust zu starten und ohne medizinische und labortechnische Begleitung durchzuführen, ist aber ein Spiel mit dem Feuer – mit unter Umständen katastrophalem Ausgang. Wenn Sie also überlegen, tiefer in das Thema einzusteigen, wenden Sie sich bitte zwingend an einen „Protokoll-Arzt“, der sich mit der Vitamin-D-Hochdosistherapie bei MS auskennt (andere Autoimmunerkrankungen erfordern andere Dosierungen).

Zum Thema “Vitamin D, Sonne und MS” empfehlen wir im Übrigen unser gleichnamiges Faktenblatt, dass Sie hier herunterladen können. In vielen Fällen sind moderate Vitamin-D-Dosen zwischen 4.000 und 10.000 I.E./Tag und ausreichende regelmäßige Sonnenstrahlung das beste Mittel, um Ihren Krankheitsverlauf zu stabilisieren und den Genesungsprozess einzuleiten. Hierbei gibt es in jedem Fall keine negativen Nebenwirkungen aufgrund von Überdosierung (sofern Sie einen Sonnenbrand vermeiden).

Eine Liste der Coimbraprotokoll-Ärzte finden Sie hier…

Bleiben Sie gesund, kritisch und offen für die Möglichkeiten, die sich heute und in Zukunft bei der Lebensstil-orientierten MS-Therapie ergeben!

Ihr Team

Life-SMS
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Impfen alleine ist nicht die Lösung: Schützen Sie sich vor Atemwegsinfektionen, gerade bei MS

Nein, wir steigen jetzt nicht in die Diskussion des “Für und Wider” bzgl. Grippeimpfung oder gar einer eventuellen Corona-Impfung ein. Dies mag jeder Mensch für sich selbst entscheiden. Uns geht es darum, Ihnen das Handwerkszeug an die Hand zu geben, das dafür sorgt, dass Ihr Immunsystem mit Atemwegsinfektionen optimal zurechtkommt und damit eine hohe Schutzwirkung vor grippalen Infekten, Grippe, Corona und Co. erreicht ist. Solange noch kein Impfstoff gegen COVID-19 zur Verfügung steht, stellt dieser Plan B übrigens heute die einzig sinnvolle Option in Bezug auf die aktuelle Pandemie dar. Dieser Beitrag ist insofern für jeden hilfreich, der aktiv an seiner Gesunderhaltung interessiert ist, aber gerade für MS-Erkrankte gilt es schwere Infektionen unbedingt zu vermeiden. Es handelt sich um ein Update eines im im März bei der Akademie für menschliche Medizin erschienenen Artikels.

Nachfolgend finden Sie eine Auflistung von 10 einfach umsetzbaren Maßnahmen, die helfen diesen Infektions-Schutzschirm zu bilden.

Sofern Dosierungen angegeben werden, beziehen sich diese auf einen Erwachsenen mit 70 Kg Körpergewicht:

1. Hygiene: häufiges gründliches Händewaschen mit (echter) Seife (siehe z.B.: https://www.infektionsschutz.de/haendewaschen/). Desinfektionsmittel im Übermaß sind eher schädlich (Schädigung der bakteriellen Hautflora).

2. Abstand halten bei allen Gelegenheit, wo der Verdacht auf irgendeine Atemwegsinfektion besteht und insbesondere von Personengruppen, die besonders gefährdet sind. Dies sind Menschen über 60, Personen mit supprimiertem oder geschädigtem Immunsystem, z.B. mit Cortison behandelten Personen, Menschen mit Autoimmunerkrankungen, die das Immunsystem unterdrückende Medikamente einnehmen, Diabetiker, Bluthochdruckpatienten, Krebspatienten, generell Personen mit schweren Vorerkrankungen.

3. Den Vitamin D Spiegel auf einen Blutwert zwischen 40 – 60 ng/ml bringen bzw. halten. Als Erhaltungsdosis wären das für einen Erwachsenen in etwa 5000 IE/d (siehe auch: Vitamin D-Einnahme).

4. Magnesium und Vitamin A als Kofaktoren zu Vitamin D supplementieren (400 mg/Tag Magnesium; Vitamin A, gleiche Dosierung wie bei Vitamin D, also 5000 IE/d; siehe auch: Vitamin D-Co-Faktor: Magnesium und Vitamin D-Cofaktoren: Vitamin K2, Vitamin A & Magnesium)

5. Für die Dauer der Infektionsperiode Zink (20 – 25 mg/Tag) und Selen (ca. 100 µg/Tag) supplementieren.

6. Alkoholkonsum minimieren, besser einstellen (vom Rauchen gar nicht zu reden)

7. Moderaten Sport treiben, möglichst an der freien Natur (Überanstrengung vermeiden, diese schädigt das Immunsystem).

8. Sonnenbad in der Mittagszeit (20 min), dabei unbedingt auf genügend hohe Temperaturen achten und vor Zug schützen (die UV-Strahlung in der Sonne trägt nicht nur zur Vitamin D-Bildung bei, sondern tötet Viren und Bakterien ab). Achtung: Zwar ist in unseren Breiten ist die Vitamin D-Bildung über die Sonne nur noch bis Mitte Oktober möglich, aber die Sonne und die UVA-Strahlung haben auch unabhängig davon positive Wirkungen (bei bewusster Dosierung).

9. Viel Gemüse und rote Beeren essen, 250 mg Vitamin C über den Tag verteilt supplementieren (im Idealfall als Ester-C) oder reichlich Vitamin C reiche Früchte konsumieren

10. Omega 3-reiche Nahrung zu sich nehmen (fetter Seefisch, Algenöl)

Mit diesen 10 Maßnahmen, die preiswert und teilweise kostenlos sind, helfen Sie sich selbst und auch Ihren Mitmenschen, wenn Sie die Infos weitergeben und selbst vorleben. Sie tragen im besten Fall dazu bei, dass sich eine Infektionswelle nicht weiter ausbreitet und vor allem auch viele zukünftige Infektionserkrankungen ohne dramatische Konsequenzen überstanden werden können.

Wenn Sie es noch genauer wissen wollen, sei Ihnen dieses Spitzen-Gespräch zwischen Prof. Spitz und Herrn Apotheker Gröber empfohlen, dass nach wie vor hochaktuell ist.

Uwe Gröber & Prof. Jörg Spitz zu Corona, Influenza & Co – Wie stärke ich meine Abwehrkräfte

Download

Und für all diejenigen die es gerne ausführlich schriftlich hätten, gibt es hier den Download des entsprechenden Infoblattes von Herrn Apotheker Gröber. Dieses ist kostenlos, aber wir bitten Sie, falls für Sie verkraftbar, um eine für Sie angemessen erscheinende Spende zu Gunsten des Life-SMS-Projektes über betterplace.

Jetzt Spenden! Das Spendenformular wird von betterplace.org bereit gestellt.

Hier können Sie das Dokument: Groe_Spitzen-Gespräch_Corona_2020 kostenlos herunterladen!

In diesem Sinne bleiben Sie gesund und hellwach!

Ihr Life-SMS-Projekt


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Aus gegebenem Anlass: Wie schützt man sich vor Corona?

Auch wenn es wie eine Binsenweisheit erscheint, aber der Schutz vor viralen Infektionen ist gerade für immungeschwächte Menschen extrem wichtig. Insbesondere MS-Patienten, die immunsuppremiert sind oder mit immunmodulierenden Medikamenten umgehen, sollten extrem vorsichtig sein. In diesem Zusammenhang wurde gerade in einem anderen Stiftungsprojekt, der SonnenAllianz, ein lesenswerter Artikel mit einem Videobeitrag von Dr. von Helden veröffentlicht (unten im Beitrag), den wir an dieser Stelle empfehlen…


Fazit: Nicht wirklich überraschend, ist ein Vitamin D-Spiegel in einer Bandbreite zwischen 60 und 90 ng/ml im Blutserum ein wichtiger Schutzfaktor vor viralen Infektionen. Das alleine reicht sicher nicht aus, wirkt aber hervorragend schützend im Verbund mit anderen Lebensstilmaßnahmen zur Stärkung des Immunsystems. Gerade immungeschwächte Menschen können bei Beachtung dieses Faktors enorm profitieren.

Und noch ein kleiner Nachtrag: Es lohnt sich jetzt wieder raus in die Sonne zu gehen, jetzt produzieren wir in der Mittagszeit auch wieder Vitamin D über das Sonnenlicht und UVB-Strahlung tötet Viren ab!

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Das Coimbra-Protokoll: Praxis-Test bestanden oder toxisch bedenklich?

Spitzen-Gespräch: Coimbra-Protokoll bei Autoimmunerkrankungen

Prof. Dr. med. Ulrich Amon ist Facharzt für Dermatologie & Allergologie mit dem Schwerpunkt Autoimmunerkrankungen und Autoinflammation. Darüber hinaus ist er Zertifizierter Arzt für das Coimbra-Protokoll und war bereits mehrfach Referent beim Kongress für menschliche Medizin (2016 & 2018) mit spannenden Vorträgen.

In diesem (zweiten) Spitzen-Gespräch zwischen Prof. Ulrich Amon und Prof. Jörg Spitz geht es um das Coimbra-Protokoll bei Autoimmunerkrankungen. Das Coimbra-Protokoll ist eine ärztlich begleitete Therapie von Autoimmunerkrankungen in Form einer Komplex-Therapie v.a. mit hoher Substitution von Vitamin-D.

Die beiden Professoren beleuchten die wissenschaftlichen Hintergründe, Erfahrungen, Voraussetzungen, Risiken und Perspektiven dieses Behandlungsansatzes.

Folgende Themen werden dabei ausführlich thematisiert und fachkundig zwischen den beiden Medizinern besprochen:
• Wissenschaftliche Hintergründe der Vitamin-D-Sensitivität und des Coimbra-Protokolls
• Vitamin-D als immunprotektives Schutzhormon
• Wirkung von Vitamin K 2
• Erfahrungen mit dem Coimbra-Protokoll bei dermatologischen Autoimmunerkrankungen
• Voraussetzungen, Chancen und Risiken der Anwendung des Coimbra-Protokolls
• Ergebnisse des Coimbra-Protokolls
• Perspektiven und Weiterentwicklung des Coimbra-Protokolls
• Coimbra-Netzwerk und Austausch mit Kollegen – und vieles mehr…

Fazit:
Das Coimbra-Protokoll kann für MS-Erkrankte ein erfolgreicher Weg Richtung Gesundung oder Stabilisierung sein, aber nie ohne engmaschige ärztliche Betreuung durch einen für dieses strenge Protokoll zertifizierten Arzt und nur bei ausreichender Compliance empfehlenswert! Wenn die zwingenden Bedingungen nicht eingehalten werden können, kann das fatatle Folgen haben.

Mehr zum Thema Vitamin D, Sonne und MS auch in unserem aktuellen Faktenblatt!

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Einfache Schutzmaßnahmen für den Nachwuchs von MS-Betroffenen: Fettleibigkeit und Vitamin D-Mangel vermeiden

Mehrere frühere Beobachtungsstudien haben gezeigt, dass ein erhöhter Body-Mass-Index (BMI) in der Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Multipler Sklerose (MS) verbunden ist. In einer dieser Studien (der sog. Nurse Health Study) wurde für Frauen ein BMI von 30 kg/m² im Alter von 18 Jahren mit einem mehr als zweifach erhöhten MS-Risiko in Verbindung gebracht!

Solche Studie sind jedoch aufgrund von Verwechslungen und umgekehrter Kausalität anfällig für Verzerrungen: Es ist nicht möglich zu bestimmen, ob der BMI das Risiko von MS erhöht oder ob MS zu einem erhöhten BMI führt oder ob MS-Patienten aufgrund anderer assoziierter Faktoren zu einem erhöhten BMI neigen. Außerdem sind Beobachtungsstudien wie ein „Schnappschuss“ einer Bevölkerungsgrppe in einem bestimmten Zeitraum und können nicht bestimmen, wie hoch das Risiko wäre, wenn sich die Umweltbedingungen ändern würden.

Daher verwendet man eine andere Art der Datenanalyse, um die Zusammenhänge zwischen Varianten (Umweltfaktoren) und genetischen Merkmalen zu erforschen und um damit kausale Rückschlüsse ziehen zu können. Man nennt dieses Verfahren Mendel’sche Randomisierung (MR). Sie soll das genetische Risiko einer Population bestimmen, unabhängig von anderen Faktoren, die das zu untersuchende Risiko erhöhen oder verringern könnten. Diese Tatsache macht die MR zu einem nützlichen Instrument, das hilft, echte kausale Beziehungen von epiphänomenologischen Erscheinungen zu entkoppeln.

Solche MR-Analysen haben die Hinweise aus Beobachtungsstudien bestätigt, dass der BMI in der Kindheit/im frühen Erwachsenenalter ein wichtiger veränderbarer Risikofaktor für MS ist (2) – und sie verdeutlichen, dass Multiple Sklerose den BMI-Status NICHT beeinflusst.

Unabhängige MR-Analysen haben auch gezeigt, dass bei niedrigem Vitamin-D-Spiegel die Wahrscheinlichkeit einer MS stark erhöht ist (3). Andere Studien haben gezeigt, dass ein genetisch erhöhter BMI die Vitamin-D-Werte senkt (was die Ergebnisse von Beobachtungsstudien erneut bestätigt).

Nun stellt sich die Frage, ob ein erhöhter BMI das MS-Risiko ausschließlich durch Senkung der Vitamin-D-Werte beeinflusst? Oder sind beide – also ein hoher BMI und eine niedrige Vitamin-D-Versorgung – unabhängige kausale Risikofaktoren für MS?

Eine neue ebenfalls auf mendel’scher Randomisierung basierende Studie (1), die die zuvor gefundenen Ergebnisse bekräftigen und die Fragen zum BMI und zu Vitamin D als Risikofaktoren für MS lösen sollte, liegt jetzt vor. Die Autoren verwendeten eine große genetische Datenbank und verglichen die Ergebnisse mit früheren epidemiologischen und früheren MR-Studien bei MS.

Sie zeigten, dass ein genetisch-bedingt erhöhter BMI in der Kindheit ein kausaler Risikofaktor für MS ist, unabhängig vom Vitamin-D-Status. Sie zeigten auch, dass jede genetisch bedingte Erhöhung des Vitamin D im Blut mit einer 43%igen Verringerung der Wahrscheinlichkeit verbunden ist, an MS zu erkranken – was die Beweise für die kausale Rolle von Vitamin D in der Entstehung von MS verstärkt.

Es ist wichtig, sich vor Augen zu halten, dass eine mendel’sche Randomisierung das genetische Risiko untersucht. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass die hier gefundenen Risikoraten durch Maßnahmen, die den analysierten Faktor beeinflussen, verändert (verbessert) werden könnten.

Diese Ergebnisse bestätigen somit, dass Maßnahmen wie die Kontrolle der Gewichtszunahme und die Aufrechterhaltung eines zufriedenstellenden Vitamin D-Niveaus im Blut bei Personen mit erhöhtem genetischen Risiko – also insbesondere dem Nachwuchs von MS Erkrankten – einen signifikanten Einfluss auf die MS-Prävention haben können.

Aufgrund der hohen Prävalenz von Adipositas bei Kindern und der hohen Prävalenz von Vitamin-D-Mangel bei Jugendlichen in Deutschland und der ganzen Welt heißt das…

Fazit für alle Eltern in Kürze:

Schickt Eure Kinder raus in die Sonne, supplementiert – wenn erforderlich – Vitamin D und sorgt für ausreichend Bewegung, Sport und ein entsprechende Ernährung, um Eure Kinder schlank und gesund zu erhalten.

Mehr zum Thema Vitamin D, Sonne und MS auch im aktuellen Faktenblatt zu diesem Thema!

Sonnige Grüße für viel Gesundheit schickt Ihnen

Ihr Team von Life-SMS


Quellen:

  1. Jacobs, BM; Noyce, AJ; Giovannoni, G; Dobson, R. BMI and Low vitamin D are causal factors for multiple sclerosis. Neurol Neuroimmunol Neruoinflamm Mar 2020 7(2): e662
  2. Mokry LE, Ross S, Timpson NJ, Sawcer S, Davey Smith G, Richards JB (2016) Obesity and Multiple Sclerosis: A Mendelian Randomization Study. PLoS Med 13(6): e1002053.
  3. Mokry LE, Ross S, Ahmad OS, Forgetta V, Smith GD, Leong A, et al. (2015) Vitamin D and Risk of Multiple Sclerosis: A Mendelian Randomization Study. PLoS Med 12(8): e1001866.

Photo:

Vidar Nordli-Mathisen


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Vitamin D-Hochdosistherapie: eine bilanzierte Betrachtung

Manchmal ist es wirklich erfreulich, wenn erfahrene Mediziner auf Veranstaltungen öffentlich über eigene Erfahrungen mit Therapiemethoden berichten. So vor kurzem geschehen bei einem Symposium, bei dem Dr. med. Edmund Blab über “Vitamin D Höchstdosis – als therapeutischer Weg für Autoimmunerkrankungen” berichtete und den Hype zu Coimbra zurück auf den Boden durchaus positiver Erfahrungen brachte:

Zu Multipler Sklerose sagte er unter anderem: „MS ist sozusagen der Grund gewesen, warum Professor Coimbra sich das angetan hat, mit dem Protokoll zu beginnen. Für die chronisch progressive Multiple Sklerose gibt es keine schulmedizinische Therapie und damit hat er begonnen sozusagen diese Therapie zu etablieren und ich muss sagen, ich habe bei ihm zwei Patienten gesehen, die 15 Jahre mit der Hochdosis oder Höchstdosis der Therapie betreut wurden und die sich in diesen 15 Jahren eine Spur verbessert haben, aber nicht verschlechtert haben. Das heißt sie können normal weiterleben, aber die Erwartung, die an die Vitamin D Höchstdosis herangetragen wird, die heilt jetzt alles aus, die muss ich enttäuschen. Es sind Verbesserungen im Sommer, die Hitzeempfindlichkeit geht weg, gewisse andere Dinge, die bei der MS da sind, sind weniger. Aber jetzt man darf sich nicht der Illusion hingeben, dass auch wenn diese Herde abheilen im Gehirn, dass dann plötzlich alles in Ordnung ist…“ (ab Min.  23:57).

Dies entspricht der vorsichtig positiven Bewertung für einige Betroffene, die wir auch bisher widergespiegelt haben, sofern eine Höchstdosistherapie von einem erfahrenen Arzt begleitet wird.

Mehr zum Thema auch im aktuellen Faktenblatt Vitamin D, Sonne und MS 2019… (Download)

In diesem Sinne, genießen Sie die derzeitige Sonne in Maßen zu Ihrer Gesundung und bleiben Sie uns treu

Ihr

Life-SMS Team


Und wenn Sie helfen wollen, dass unser Projekt weiterlebt, unterstützen Sie uns über drei einfache Wege!

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Faktenblatt Vitamin D, Sonne und MS 2.0 freigeschaltet!

Passend zum internationalen Tag der Sonne am vergangenen Freitag haben wir mehr als 50% des Spendenziels für die laufende Periode erreicht und können das Update des Vitamin D-Faktenblatts in deutscher und englischer Sprache zum allgemeinen Download freischalten. Beide Versionen sind hier verfügbar unabhängig davon, ob Sie spenden oder nicht, aber selbstverständlich freuen wir uns über jede Spende!

Sonne ist mehr als nur Vitamin D-Produktion

Neuere Studien deuten darauf hin, dass es auch signifikante positive Auswirkungen der Sonneneinstrahlung auf das immunologische System durch Nicht-Vitamin-D-Wege geben kann. Eine Studie (Zivadinov 2013) mit MS-Patienten zeigte, dass die Sommersonnenexposition mit einem erhöhten Volumen der grauen Substanz und Gesamthirnvolumen in MRT-Bildern von MS-Patienten verbunden war, unabhängig vom 25-OH-Vitamin-D-Status.

Der Nicht-Vitamin-D- (oder teilweise unabhängige) Weg ist bisher noch wenig bekannt. UV-Strahlung verursacht lokale Immunsuppression, was zu einer geringeren Überempfindlichkeitsreaktion führt. Sie kann in der Haut gebildete tolerogene dendritische Zellen stimulieren und IL-10 (ein günstiges Zytokin) produzieren, was zur Stimulation von lokalen regulatorischen T-Zellen (TREGs) und auch TREGs in Lymphknoten führt. TREGs schließen sich schließlich über die Blutbahn dem allgemeinen Immunsystem an, in dem sie eine positive Wirkung entfalten können (Pierrot 2017).

Darüber hinaus hilft das Sonnenlicht, die Melatoninsekretion zu begrenzen, die die Proliferation und Aktivität der T-Zellen modulieren kann (Hart 2011). Andere UV-induzierte Mediatoren (cis-Urocaninsäure und Oxidationsprodukte von DNA, Lipiden und Proteinen) können ebenfalls zur nachfolgenden systemischen Immunmodulation beitragen (Zivadinov 2013). Urocaninsäure entsteht unter dem Einfluss von UV-Strahlung aus Histidin (nicht-essentielle Aminosäure) in der Epidermis und hat einen direkten Einfluss auf die Bildung von T-Zellen und schützende immunmodulatorische Eigenschaften (Correale 2013).

Es ist auch wichtig, die Rolle der Sonne bei der Auslösung der Bildung von Serotonin (auch Glückshormon genannt) im Gehirn zu erwähnen. Serotonin spielt nicht nur bei Depressionen eine wichtige Rolle, sondern regt auch die Bildung neuer Nervenzellen an.

Also vergessen Sie nicht bewusst und regelmäßig die Sonne zu genießen!


Die SonnenAllianz

Passend zu den vielfältigen positiven gesundheitlichen Wirkungen des Sonnenlichts hat unser Partnerprojekt die SonnenAllianz gerade eine Spendenaktion gestartet, bei der Spenderinnen oder Spender, die das Projekt SonnenAllianz und die damit verbundene Aufklärung über die gesundheitliche Bedeutung von Licht und Vitamin D unterstützen, den Zugang zum

Vortrag “Krebszellen mögen keine Sonne” vom Sonnen- und Vitamin D-Experten Prof. Dr. Jörg Spitz in der Vollversion als Download erhalten!

 

Mehr dazu an dieser Stelle….

Selbstverständlich erhalten auch neue und aktuelle UnterstützerInnen und Unterstützer von Life-SMS diesen Zugang (unsere Dauerspender automatisch mit der nächsten Dankesmail).

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen sonnige Tage und erhellende Erkenntnisse bei der Lektüre des Faktenblatts und ggf. beim Anschauen des Vortragsvideos!

Ihr

Team Life-SMS


Vollständige Referenzen: siehe Faktenblatt Vitamin D, Sonne und MS


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Vitamin D, Sonne und MS reloaded – Faktenblatt 2019 und Übersichtsvideo

Der Einfluss von Vitamin D und der Sonnenstrahlung auf die Multiple Sklerose wird seit Jahren teilweise kontrovers diskutiert. Wir haben schon im Jahr 2014 ein Faktenblatt zu diesem Thema herausgebracht und inzwischen haben sich die darin gemachten Aussagen mehr und mehr bestätigt. Selbst die Zweifler müssen inzwischen zugeben, dass es aus wissenschaftlicher und therapeutischer Sicht grob fahrlässig wäre, dem Vitamin D-Spiegel bei MS Patienten keine Beachtung zu schenken.

Zum Einstieg

Für uns Grund genug, den aktuellen Sachstand zum Thema in einem überarbeiteten Faktenblatt ausführlich darzustellen. Bevor wir näher zu den Inhalten kommen, sei Ihnen als Einstieg das Übersichtsvideo von Dr. med Arman Edalatpour unter dem Titel “Sonne und Vitamin D – Die erstaunliche Wirkung auf das Immun- und Nervensystem” empfohlen:

Inhalt des Faktenblatts

Das aktualisierte Faktenblatt hat sich inzwischen zu einem ausgewachsenen Dokument entwickelt und umfasst die folgenden Kapitel:

  • Hintergrund
  • Was bedeutet fehlende Sonneneinstrahlung?
  • Vitamin D und das Immunsystem
  • Konsequenzen für die Behandlung der MS
  • Hochdosis-Vitamin-D-Therapie im ganzheitlichen Therapie-Konzept bei Auto-Immunerkrankungen (Coimbra-Protokoll)
  • Sonne ist mehr als nur Vitamin D-Produktion
  • Konkrete Empfehlungen
  • Besonderer Hinweis: Interferon-β und Vitamin D
  • In aller Kürze
  • Die „Take-home Messages“
  • Relevante Studien

Wie erhalten Sie das aktuelle Faktenblatt Vitamin D/Sonne und MS 2019?

Ganz einfach! Bitte spenden Sie einen beliebigen Betrag zu Gunsten Life-SMS über betterplace und wir senden Ihnen einen Download-Link für das Faktenblatt in deutscher und englischer Version zu. Bitte beachten Sie: da dies kein automatisierter Versand ist, sondern manuell erfolgt, kann es wenige Tage dauern bis Sie den Downloadlink nach bestätigtem Spendeneingang erhalten.

Jetzt Spenden! Das Spendenformular wird von betterplace.org bereit gestellt.

Anmerkung für DauerspenderInnen: Sie erhalten den Download-Link nach dem Eingang der nächsten Spende, also nach dem 15.3., automatisch. Eine zusätzliche Spende ist somit nicht erforderlich.

Sobald wir 50% der für den aktuellen Spendenbedarf (Basisfinanzierung 2019) kalkulierten Mittel erreicht haben, werden wir das aktuelle Faktenblatt auch für Nicht-Spender freischalten. Sie unterstützen also mit Ihrer Spende auch Betroffene, die über keinerlei finanzielle Möglichkeiten verfügen.

Fazit zum Thema Vitamin D und Sonne aus heutiger Sicht:

Aus der aktuellen Datenlage ist ableitbar, dass Vitamin D das Risiko an einer MS zu erkranken und deren Verlauf positiv beeinflusst. Dieses konnte epidemiologisch, klinisch, radiologisch, immunologisch und durch genetische Studien nachgewiesen werden. Unabhängig von Vitamin D moduliert das natürliche Sonnenlicht das menschliche Immunsystem zusätzlich in positiver Weise. Die Kombination aus gezielter Supplementierung mit Vitamin D und ausreichend über das Sonnenlicht aufgenommener UV-Strahlung ist somit einer der besten natürlichen Wege, ein außer der Kontrolle geratenes Immunsystem wieder in Homöostase zu bringen.

Vor einer “Hochdosis Vitamin D-Therapie” auf eigene Faust muss ausdrücklich gewarnt werden. Die Folgen können gesundheitlich schädlich oder sogar fatal sein. Es gibt heute keinerlei Studiennachweise dafür, dass eine “Hochdosis Vitamin D Therapie” bei allen MS-Patienten angezeigt oder sinnvoll wäre. Sollten Sie sich für diese Art der Therapie interessieren, kontaktieren Sie bitte unbedingt Ärzte, die über eine entsprechende Qualifikation verfügten.


Unserer besonderer Dank gilt Dr. Maria Beatriz Harouche Vieira, MD, Neurologin und Pathologin, Mitglied der Neurologischen Akademie Brasilien, für die wertvollen Beiträge und hilfreichen Diskussionen bei der Aktualisierung und Erweiterung dieses Faktenblattes.


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