Gastbeitrag: Hypnotherapie bei MS – Behandlung von Körper, Geist und Seele

Von Sabine Rochlitz

Wer die Multiple Sklerose nur eindimensional betrachtet, auf der rein körperlichen Ebene, wird ihr nicht gerecht. Die Seele, der Geist, oder wie immer man diese andere(n) Ebene(n) bezeichnen will, sollte einbezogen werden. Deshalb macht es durchaus Sinn, der Krankheit mit einer besonderen Form der Psychotherapie zu begegnen. Die Hypnotherapie, mit der ich selbst sehr gute Erfahrungen mache, ist übrigens für Behandlungen im Anwendungsbereich „psychische und soziale Faktoren bei somatischen Krankheiten“ seit 2006 wissenschaftlich anerkannt.

Als Begründer der modernen Hypnotherapie gilt Milton H. Erickson, der – selbst an Kinderlähmung erkrankt und zeitweise gelähmt – sich mittels Wahrnehmungen und Vorstellungen wieder zum Laufen brachte. Von den Erfolgen dieser Imaginationen inspiriert, beschäftigte er sich in seinem Studium der Psychologie und Medizin intensiv mit Hypnose und entwickelte eigene Techniken.

Kern seines Ansatzes: Jeder Mensch hat in sich, in seinem Unbewussten, die nötigen Ressourcen, um seine Herausforderungen zu lösen. Aufgabe der Hypnotherapie sei es, diese ausfindig und zugänglich zu machen. Ericksons Anliegen war es, Betroffene in den Mittelpunkt zu stellen und die Hypnose für sie maßzuschneidern. Die Hypnotherapie arbeitet vor allem ressourcen- und lösungsorientiert.

An mehreren deutschen Universitäten wird Hypnoseforschung betrieben, u. a. in Tübingen. Dirk Revenstorf, dort Professor für klinische Psychologie, definiert Hypnose als „eine Methode zur Behandlung bestimmter psychischer, psychosomatischer und medizinischer Probleme“. Der Begriff Hypnose wird meist für die Induktion, also Einleitung eines Trancezustandes verwendet, die Hypnotherapie bezeichnet die Anwendung der Hypnose.

 

Wassertropfen und Wellen
In Trance ist die Aufmerksamkeit des Hypnotisierten besonders fokussiert

Trance

Der Trance genannte besondere Bewusstseinszustand gehört zum natürlichen Repertoire des Menschen und wird auch in Alltagssituationen, dort allerdings unwillkürlich, erlebt: Wer ist nicht schon einmal in einem Buch förmlich versunken oder hat sich Tagträumen hingegeben? In der Hypnotherapie geht es darum, diesen besonders wachen Zustand, in dem die Aufmerksamkeit konzentriert ist, zuverlässig herbeizuführen.

Um Hypnose ranken sich viele Mythen, die meisten Menschen kennen sie vorrangig als Show-Element, glauben, dass dabei Dinge gegen den eigenen Willen passieren. Bei der medizinischen Anwendung ist das Gegenteil der Fall: Klient*innen haben jederzeit die volle Kontrolle über das, was mit ihnen geschieht und was sie tun, begegnen den Therapeut*innen partnerschaftlich auf Augenhöhe.

Das Besondere der Hypnose, die häufig als körperlich-emotionales Verfahren beschrieben wird: Anders als in eher kognitiv-betonten therapeutischen Methoden lässt sich in einer Trance das Bearbeitete quasi direkt erfahren. MRT-Aufnahmen zeigen, dass dabei die gleichen Hirnareale aktiv sind wie beim tatsächlichen Erleben. Der wesentliche Unterschied laut Revenstorf: Der Patient kann in hypnotischer Trance Suggestionen (Vorschläge) annehmen, ohne sie auf Übereinstimmung mit seinem gewohnten Selbstbild zu überprüfen.

Hypnotherapie wirkt auf mehreren Ebenen: Zum einen lassen sich mit ihrer Hilfe körperliche Symptome wie Missempfindungen oder Schmerzen direkt behandeln und verringern. Dies lässt sich vor allem durch das Ausblenden von Informationen wie Schmerzreize erreichen, die man abspaltet (dissoziiert), indem man die Gedanken auf etwas anderes fokussiert.

Visualisierungen, wie sie wohl auch Erickson für sich selbst genutzt hat, können wiederum dabei helfen, Bewegungsabläufe zu verbessern. Vergleichbar und bekannt ist vielleicht als ähnliche Methode das Mentaltraining, das Sportler*innen nutzen, um durch das detaillierte Vorstellen komplexer Bewegungsabläufe deren Ausführung in der Realität zu optimieren.

Der entspannende Effekt einer Trance hat zudem nachweisbar Einfluss auf das Entzündungsgeschehen im Körper. Messungen direkt nach einer Hypnosesitzung ergaben u.a. ein deutliches Absinken von Botenstoffen, die in Stresssituationen ausgeschüttet werden, um die Immunabwehr zu aktivieren und den Körper mit „vorsorglichen“ Entzündungsreaktionen auf Verletzungen „vorzubereiten“. Diese Abläufe sind eigentlich dafür gedacht und auch sinnvoll, um auf akuten Stress zu reagieren – und beinhalten normalerweise das anschließende „Runterregulieren“. Gerade bei chronischem Stress ist dieser Mechanismus jedoch häufig gestört, die aktivierten Abwehrzellen können sich dann auf körpereigenes Gewebe konzentrieren und dieses – wie bei der MS die Myelinschicht um die Nervenfasern – angreifen. So erklärt die heute gängige Hypothese einer Autoimmunkrankheit das Krankheitsgeschehen.

Psycho-Neuro-Immunologie

Ein besonders interessanter Ansatz bei Multipler Sklerose ist die Möglichkeit der direkten Beeinflussung des Immunsystems. Geschichtlich gesehen ist dies wohl eines der ältesten Einsatzgebiete der Hypnose: Wenn Warzen nach dem sogenannten Besprechen verschwinden, resultiert das vor allem aus den hypnotischen Anteilen der Methode. Deren Wirkung basiert auf den Erkenntnissen der Psycho-Neuro-Immunologie (PNI). Der relativ junge Forschungszweig untersucht die Zusammenhänge zwischen Seele und Körper sowie dem Immunsystem. Wissenschaftlich wurde in mehreren Studien belegt, dass sich das Immunsystem konditionieren lässt.

1975 gab ein Team um den Psychiater Robert Ader Ratten in einer Süßstofflösung ein Chemotherapeutikum, das Übelkeit auslöste, aber auch das Immunsystem unterdrückte. Viele Tiere starben, selbst wenn sie danach nur noch die süße Lösung ohne Medikament erhielten – ihr Immunsystem hatte gelernt. Heute befassen sich Forscher mit solchen Phänomenen auch beim Menschen. Eines ihrer Ziele ist es, die Medikamentendosis von Patient*innen zu reduzieren, die wegen einer Autoimmunerkrankung Immunsuppressiva einnehmen.

Entscheidend für den nachhaltigen Erfolg ist das regelmäßige Training in Form von Selbsthypnose. Dies kann zum Beispiel erfolgen, indem die in den Therapiesitzungen durchgeführten Trancen aufgezeichnet werden, so kann man sie jederzeit nutzen. Positiver Nebeneffekt: Man bekommt eine Methode an die Hand, mit der man aktiv etwas tun kann, um (wieder) Kontrolle über die Erkrankung zu erlangen.

Therapeutensuche

Da Hypnotherapie kein geschützter Begriff ist, sollte man bei der Suche nach qualifizierten Therapeut*innen auf Dachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie e. V. (DGH) und die Milton H. Erickson Gesellschaft für klinische Hypnose e. V. (M.E.G.) zurückgreifen, die vornehmlich Ärzt*innen, Psycholog*innen und Zahnärzt*innen ausbilden. Die M.E.G. hat stellvertretend für alle wissenschaftlich fundierten deutschsprachigen Hypnosegesellschaften eine Informationsplattform für Interessierte initiiert: www.hypnose.de.


Der Originalartikel ist erschienen in der Zeitschrift „Blickpunkt“ der MSK e.V., Ausgabe 2/2020, S. 32-35. Er ist auch im Internet zu lesen unter: https://www.multiple-sklerose-e-v.de/selbsthilfe/forschung-medizin/heilsame-trance

Dort finden sich auch weiterführende Links.

Der MSK e.V. gehört zu den empfohlenen Life-SMS-Partnern.

Ein weiterer ausführlicher Bericht der Autorin über ihre persönlichen Erfahrungen mit der Hypnotherapie erscheint in der nächsten Ausgabe des „Blickpunkt“ Ende September 2020 und wird voraussichtlich ebenfalls im Internet veröffentlicht.


Die Autorin

Sabine Rochlitz ist Journalistin und selbst an Multipler Sklerose erkrankt. Seit einiger Zeit lässt sie sich mittels Hypnotherapie behandeln. Überrascht und erfreut von deren positiver Wirkung hat sie sich zum Ziel gesetzt, andere Betroffene über diese Methode zu informieren.

 

 


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Was ist das Endocannabinoid-System? Eine Einführung mit Blick auf die MS (I)

Das endogene Cannabinoidsystem (ECS), benannt nach der Cannabis-Pflanze, die zu seiner Entdeckung führte, ist eines der wichtigsten physiologische System, die an der Sicherstellung und Erhaltung der menschlichen Gesundheit beteiligt sind. Endocannabinoide und ihre Rezeptoren kommen im ganzen Körper vor: im Gehirn, in Organen, Bindegeweben, Drüsen und Immunzellen. In jedem Gewebe erfüllt das Cannabinoidsystem unterschiedliche Aufgaben, aber das Ziel ist immer dasselbe: Homöostase, die Aufrechterhaltung eines stabilen inneren Milieus trotz Schwankungen in der äußeren Umgebung.

Cannaboide

Cannabinoide fördern die Homöostase auf jeder Ebene des biologischen Lebens, von der subzellulären Ebene bis zum Organismus und vielleicht bis zur Gemeinschaft und darüber hinaus. Ein wichtiges Beispiel: Autophagie, ein Prozess, bei dem eine Zelle einen Teil ihres Inhalts absondert, um selbst verdaut und recycelt zu werden, wird durch das Cannabinoidsystem vermittelt. Während dieser Prozess normale Zellen am Leben erhält und es ihnen ermöglicht, das Gleichgewicht zwischen der Synthese, dem Abbau und der anschließenden Wiederverwertung von Zellprodukten aufrechtzuerhalten, hat er eine tödliche Wirkung auf bösartige Tumorzellen, indem er sie veranlasst, sich in einem programmierten zellulären Selbstmord zu verzehren. Das Absterben der Krebszellen fördert natürlich die Homöostase und das Überleben auf der Ebene des gesamten Organismus.

Endocannabinoide und Cannabinoide finden sich auch an den Schnittpunkten der verschiedenen Systeme des Körpers und ermöglichen die Kommunikation und Koordination zwischen verschiedenen Zelltypen. An der Stelle einer Verletzung können Cannabinoide beispielsweise die Freisetzung von Aktivatoren und Sensibilisatoren aus dem verletzten Gewebe vermindern, die Nervenzelle stabilisieren, um ein übermäßiges Feuern zu verhindern, und nahegelegene Immunzellen beruhigen, um die Freisetzung von pro-inflammatorischen Substanzen zu verhindern. In der Summe also die Auslösung von drei verschiedenen Wirkungsmechanismen auf drei verschiedene Zelltypen (Gewebe, Nervenzelle, Immunzelle) zu einem einzigen Zweck: Minimierung der durch die Verletzung verursachten Schmerzen und Schäden.

Was sind Cannabinoid-Rezeptoren?

Seescheiden, winzige Nematoden und alle Wirbeltierarten haben das Endocannabinoidsystem als wesentlichen Teil des Lebens und der Anpassung an Umweltveränderungen gemeinsam. Durch den Vergleich der Genetik von Cannabinoidrezeptoren bei verschiedenen Arten schätzen Wissenschaftler, dass sich das Endocannabinoidsystem bei primitiven Tieren vor über 600 Millionen Jahren entwickelt hat.

Cannabinoidrezeptoren sind im ganzen menschlichen Körper vorhanden, eingebettet in Zellmembranen, und es wird angenommen, dass sie zahlreicher sind als jedes andere Rezeptorsystem. Wenn Cannabinoidrezeptoren stimuliert werden, kommt es zu einer Vielzahl von physiologischen Prozessen. Forscher haben zwei Cannabinoidrezeptoren identifiziert: CBR1, der vorwiegend im Nervensystem, im Bindegewebe, in den Keimdrüsen, Drüsen und Organen vorkommt; und CBR2, der vorwiegend im Immunsystem und den damit verbundenen Strukturen zu finden ist. Viele Gewebe enthalten sowohl CB1- als auch CB2-Rezeptoren, die jeweils mit einer anderen Wirkung verbunden sind.

Endocannabinoide sind die Substanzen, die unser Körper auf natürliche Weise herstellt, um diese Rezeptoren zu stimulieren. Die beiden am besten verstandenen dieser Moleküle heißen Anandamid und 2-Arachidonoylglycerin (2-AG). Sie werden bei Bedarf aus Arachidonsäurederivaten der Zellmembran synthetisiert, haben eine lokale Wirkung und eine kurze Halbwertszeit.

Metabolische Enzyme

Das dritte Mosaiksteinchen der Endocannabinoid-Trias umfasst die metabolischen Enzyme, die die Endocannabinoide innerhalb des ECS schnell zerstören, sobald sie verwendet werden. Die beiden großen Enzyme sind FAAH, das Anandamid abbaut, und MAGL, das 2-AG abbaut. Diese Enzyme sorgen dafür, dass Endocannabinoide nur dann eingesetzt werden, wenn sie gebraucht werden, aber nicht länger als nötig. Dieser Prozess unterscheidet die Endocannabinoide von vielen anderen molekularen Signalen im Körper, wie z.B. Hormonen oder klassischen Neurotransmittern, die für viele Sekunden oder Minuten wirken können oder für eine spätere Verwendung verpackt und gelagert werden.

Diese drei Schlüsselkomponenten des Endocannabinoidsystems (Endocanabinoide, CBRs und Enzyme) finden sich in fast jedem Hauptsystem des Körpers. Wenn etwas eine Zelle aus ihrer Komfort-Zone herausbringt, werden diese drei Säulen des ECS oft aufgefordert, die Homöostase wieder herzustellen bzw. aufrechtzuerhalten.

Aufgrund seinerzeit Rolle, die darin besteht, Dinge in ihre physiologische Komfort-Zone zurückzubringen, wird das ECS oft nur dann und dort eingesetzt, wo es benötigt wird. Dr. Vincenzo Di Marzo, Forschungsdirektor am Institut für Biomolekulare Chemie in Italien, drückte es so aus: „Die ECS wird oft nur dann und dort eingesetzt, wo sie gebraucht wird:

„Mit der ‚pro-homöostatischen Wirkung des ECS‘ meinen wir, dass dieses System chemischer Signale nach Abweichungen von der zellulären Homöostase vorübergehend aktiviert wird. Wenn solche Abweichungen unphysiologisch sind, versucht das vorübergehend aktivierte ECS raum- und zeitselektiv, die vorherige physiologische Situation (Homöostase) wiederherzustellen.”

Phytocannaboide

Phytocannabinoide sind pflanzliche Substanzen, die Cannabinoidrezeptoren stimulieren. Delta-9-Tetrahydrocannabinol, oder THC, ist die psychoaktivste und sicherlich die berühmteste dieser Substanzen, aber auch andere Cannabinoide wie Cannabidiol (CBD) und Cannabinol (CBN) gewinnen aufgrund ihrer vielfältigen heilenden Eigenschaften das Interesse der Forscher und sind heute auf dem Markt z.B. als CBD-Öl auch frei verfügbar. Die meisten Phytocannabinoide wurden aus Cannabis sativa isoliert, aber auch bei anderen Heilkräutern wie Echinacea purpura wurde festgestellt, dass sie nicht-psychoaktive Cannabinoide enthalten.

Interessanterweise verwendet die Cannabispflanze auch THC und andere Cannabinoide, um ihre eigene Gesundheit zu fördern und Krankheiten vorzubeugen. Cannabinoide haben antioxidative Eigenschaften, die die Blätter und Blütenstrukturen vor ultravioletter Strahlung schützen – Cannabinoide neutralisieren die schädlichen freien Radikale, die durch UV-Strahlen entstehen, und schützen so die Zellen. Beim Menschen verursachen freie Radikale Alterung, Krebs und beeinträchtigte Heilung. Antioxidantien, die in Pflanzen gefunden werden, werden seit langem als natürliche Ergänzungsmittel eingenommen, um Schäden durch freie Radikale zu verhindern.

THC aus Cannabisextrakt (Handelsname: SavitexⓇ) wird seit einigen Jahren ja schon zur Behandlung der Spastizität und von Schmerzen bei der Multiplen Sklerose eingesetzt. Auch synthetisches THC kommt in der medizinischen Forschung zum Einsatz und viele andere synthetische Cannabinoide werden in der Tierforschung eingesetzt. Einige haben eine bis zu 600-fache Wirksamkeit gegenüber THC.

Endocannabinoid-Regulierung der Entzündung

Entzündung ist eine natürliche Schutzreaktion des Immunsystems als Reaktion auf eine Infektion oder körperliche Schädigung. Der Zweck der Entzündung ist es, Krankheitserreger (Keime) oder beschädigtes Gewebe zu entfernen. Der entzündete Bereich wird dadurch erzeugt, dass Flüssigkeit und Immunzellen in den Bereich eindringen, um die schmutzige Arbeit zu erledigen und das Gewebe wieder in einen gesunden Zustand zurückzubringen.

Es ist wichtig, dass die Entzündung auf den Ort der Schädigung begrenzt ist und nicht länger als nötig anhält, was zu Schäden führen kann. Chronische Entzündungen und Autoimmunkrankheiten sind Beispiele dafür, dass das Immunsystem unangemessen aktiviert wird. Wenn dies geschieht, dauert die Entzündungsreaktion zu lange an, was zu einer chronischen Entzündung führt, oder sie richtet sich gegen gesunde Zellen, was als Autoimmunität bezeichnet wird. Und genau an dieser Stelle treffen wir auf den Zusammenhang zwischen MS und dem endocannabinoiden System.

Fazit: Während CB1R bei der Regulation der Neurostimulation der Neurotransmission in verschiedenen Hirnregionen eine Rolle spielt und hauptsächlich die psychoaktiven Effekte von Cannabinoiden vermittelt, kommt CB2R vorwiegend in den Zellen und Geweben des Immunsystems vor und vermittelt entzündungshemmende und immunmodulatorische Prozesse. Studien haben gezeigt, dass CB1R und CB2R die Aktivierung von T-Zellen, B-Zellen, Monozyten und Mikrogliazellen beeinflussen können, indem sie die Expression proinflammatorischer Zytokine hemmen und die Mediatoren hochregulieren, die die Entzündung auflösen.

Im kommenden zweiten Teil dieser Artikelserie befassen wir uns daher mit der Frage inwieweit die Modulation von CB1R und CB2R über Cannabinoide vorteilhaft ist bei der Behandlung von Autoimmunkrankheiten und insbesondere der Multiplen Sklerose (MS).

Bleiben Sie dran….


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Magnesiumverbindung für das Gehirn

Magnesium und seine Aufgaben

Magnesium ist der zweithäufigste intrazelluläre Mineralstoff und wird bei Hunderten von biochemischen Vorgängen und enzymatischen Reaktionen im Körper benötigt.

• Es verbessert die Aufnahme von Calcium und Kalium und hilft so nicht nur bei der Entstehung von Knochen und Zähnen. Während Calcium die Muskeln stimuliert, sorgt Magnesium dafür, dass sie sich wieder entspannen.
• Es wird für den Stoffwechsel der Zellen und für die Energieproduktion und -speicherung benötigt (stellt indirekt ATP zur Verfügung).
• Magnesium beruhigt das Nervensystem, wirkt antidepressiv und ist wichtig für die Neurotransmitteraktivität, die Erregungsleitung zwischen Nerven und Muskeln, gesunden Schlaf und vor allem die Vitamin-D-Verstoffwechslung.
• Es ist bei der Proteinsynthese, dem Abbau von Fettsäuren, dem DNA-Metabolismus und der Hormonregulierung beteiligt.
• Des Weiteren unterstützt Magnesium neben dem Glukose-Insulin-Stoffwechsel auch den Säure-Basenhaushalt und wirkt als Schutz gegen Entzündungen und eine Nervenüberstimulation durch Glutamat (welche sich in Spasmen äußern kann).
• Außerdem scheint eine besondere Form des Magnesiums (s.u) eine wichtige Rolle beim Erhalt einer gesunden kognitiven Funktion zu spielen.

Zu viel aufgenommenes Magnesium wird bei einem gesunden Menschen über den Darm ausgeschieden und kann Durchfall verursachen. Eine herabgesetzte Nierenfunktion kann bei hochdosierter Magnesiumeinnahme aber zu einer Überdosierung führen.
Bei Magnesiumpräparaten werden organische Verbindungen, wie z.B. Tri-Magnesiumdicitrat, Magnesiumaspartat und -glycinat besser aufgenommen als anorganische Verbindungen (Magnesiumkarbonat, -oxid) und führen auch seltener zu Durchfällen.

Bevor Sie weiterlesen, vergessen Sie bitte nicht, dieses Projekt lebt ausschließlich von Spenden und uns fehlen in der aktuellen Spendenperiode bis Ende April 2018 noch ca. 740 €. Eine relevante Summe für unsere Projekt. Ein Klacks für eine Gruppe von 400 Followern! Hier geht’s zu betterplace….

Detailliert erklärt Dr. Arman Edalatpour in zwei Videos das Wichtigste zu Magnesium:

Problem Magnesiumspiegel

Unglücklicherweise ist es schwierig, einen optimalen Magnesiumspiegel im Gehirn zu erhalten. Dieser nimmt während des Alterungsprozesses ab und die meisten Magnesiumpräparate durchdringen nicht die Bluthirnschranke.
Zudem können viele Faktoren zu einem Magnesiummangel führen, z.B.
• chronische Erkrankungen
• Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt (welche die Aufnahme von Magnesium vermindern)
• psychischer und physischer Stress
• Mangel an B-Vitaminen.

Alles gerade bei MS-Betroffenen relevant!

Neue Erkenntnisse: Magnesium L-Threonat

Magnesium L-Threonat ist eine Form von Magnesium mit außergewöhnlich regenerierenden Fähigkeiten, da es die Bluthirnschranke überwinden kann und so im Gehirn die Menge der synaptischen Verbindungen zwischen den Gehirnzellen aufrecht erhalten kann.
Die Dichte der Synapsen (Kontaktstellen zwischen den Neuronen), die für die Lern- und Speicherfähigkeit essentiell sind, ist vom Alter abhängig. Die Verabreichung von Magnesium-L-Threonat könnte zur Verbesserung der Lernfähigkeit, des Arbeitsspeichers im Gehirn, des Kurz- und Langzeit- sowie des räumlichen Gedächtnisses führen.

Die ersten stichhaltigen Studien mit Ratten wurden ausgewertet und es wurde eine deutliche Erhöhung der Dichte und der Plastizität der Synapsen im Hippocampus (Gehirnregion, in der das Gedächtnis angesiedelt ist) festgestellt. Eine Humanstudie wird gerade durchgeführt.

Magnesium L-Threonat kann somit wahrscheinlich:

• für einen optimalen Magnesiumhaushalt im Gehirn sorgen,

• damit das Erinnerungsvermögen, die Wahrnehmungsfähigkeit und die kognitive Funktion unterstützen,

• die Qualität und Quantität synaptischer Verbindungen zwischen Hirnzellen aufrechterhalten und wichtige Signalwege unterstützen und

• evtl. zur Prävention von Erkrankungen wie Alzheimer/Demenz beitragen.

Noch gibt es nicht viele Anbieter; entsprechend hoch ist der Preis.
Doch ein Versuch kann sich gerade für die MS-Betroffenen lohnen, die ihre kognitiven Fähigkeiten verbessern wollen.

Quelle: http://www.drperlmutter.com/wp-content/uploads/2015/01/MagT-Nureon-article-2010.pdf

Mehr zu Dr. Edalatpour auch im Netzwerk Spitzen-Gesundheit der AMM….


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Die Bedeutung des Schlafhormons Melatonin bei neurodegenerativen Erkrankungen – der zirkadiane Rhythmus, unentbehrlich für die Gehirnfunktion

Andalucía Andaluía

„Zirkadian“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „über einen Tag“. Bei Menschen ist der durchschnittliche Zyklus etwa 24,2 Stunden lang. Zwei Gene, CLOCK und BMAL1, produzieren Proteine, die eine Struktur bilden, die an DNA bindet, um die Aktivität anderer Gene zu kontrollieren. Diese innere Uhr regelt etwa 10 Prozent der gut 20.000 menschlichen Gene. Diese orchestrieren die Rhythmen von Schlaf, Essen, Körpertemperatur, Hormonspiegel und anderer Prozesse. Unter den Zielgenen finden sich drei in der Periodenfamilie (PER1, PER2 und PER3) und zwei in der Cryptochrom-Familie (CRY1 und CRY2), die wiederum Proteine ​​produzieren, die die Aktivität von CLOCK und BMAL1 blockieren. Diese Rückkopplungsschleife bewirkt die Oszillationen, was dann zu den zirkadianen Rhythmen führt.

Fast jede Zelle im Körper trägt diese Maschinerie in sich und außerhalb des Gehirns kontrollieren zelluläre Uhren lokale zirkadiane Prozesse, vor allem im Herzen und in der Lunge. Aber der Kern des zirkadianen Systems ist der sogenannte suprachiasmatische Kern (SCN), eine stecknadelkopfgroße Region innerhalb einer größeren Struktur tief im Gehirn, dem Hypothalamus. Der SCN fungiert als zentraler Schrittmacher und sendet Signale, die alle anderen Uhren synchronisieren. Es kontrolliert auch die Konzentrationen von Melatonin und Cortisol, zweier Hormone, die für den Schlafzyklus wichtig sind. Der SCN empfängt Signale von seiner Umgebung – das wichtigste davon ist das Tageslicht, das von den Netzhäuten empfangen wird und über diesen Weg den SCN mit dem 24-Stunden-Zyklus synchronisiert.

Eine Störung dieses zirkadianen Prozesses hat – wie sich leicht nachvollziehen lässt – massive negative gesundheitliche Folgen. Das Schlafhormon Melatonin und seine Stoffwechselprodukte besitzen dabei mehrere Funktionen, einschließlich antioxidativer , immunmodulatorischer und entzündungshemmender Auswirkungen. Melatonin hat immunmodulatorische Eigenschaften, die an der Regulierung der zellulären und humoralen Immunität beteiligt sind. Es stimuliert die Produktion von natürlichen Killerzellen, Monozyten und Leukozyten, verändert die Balance der T-Helferzellen (Th)-1 und Th-2 und erhöht die Produktion von für die Entzündungsbekämpfung relevanten Zytokinen. Infolgedessen verbessert Melatonin generell den klinischen Verlauf von Krankheiten mit entzündlicher Ätiologie (Ursache) und gerade diese Eigenschaften sind in Bezug auf die MS von hoher Bedeutung.

Ganz einfach ausgedrückt – ausreichender Schlaf hat eine heilende Wirkung.

Es ist bekannt, dass Schlafstörungen bei MS-Patienten häufiger vorkommen, als in der Allgemeinbevölkerung. Die Studienergebnisse schwanken zwischen 24% und 50% Häufigkeit bei MS-Patienten. Diese Schlafstörungen gehen einher mit einer Dysregulation der Melatoninproduktion und lösen somit einen gefährlichen Teufelskreis aus (siehe oben). Ein weiterer wichtiger Punkt mit Blick auf die MS ist, dass Depressionen, eine häufige Komorbidität bei MS, ebenfalls eng mit niedrigen Melatonin-Niveaus zusammenhängen.

Die Beziehung zwischen Melatonin und MS-Progression ist weit weniger untersucht. Eine finnische Genomstudie berichtete allerdings, dass Polymorphismen in TPH 2- und MTNR1B-Genen das Risiko und die Anhäufung von Behinderungen in der progressiven Verlaufsform der MS modulieren können. Dieser Befund impliziert, dass eine Dysregulation des Melatonins – in einer noch nicht erforschten Weise – die Zunahme der Behinderungsprogression erleichtert.

In der Konsequenz muss also alles getan werden, um einen natürlichen Schlafrhythmus und ein gesundes Melatonin-Niveau wiederherzustellen. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten, zu denen wir in einem gesonderten Artikel noch etwas sagen werden, aber auch eine Supplementierung mit Melatonin kann durchaus angebracht sein. Insbesondere in den Fällen, in denen andere Möglichkeiten bisher nicht zum Erfolg geführt haben.

Fazit:

Einerseits wirkt Melatonin als Antioxidans bei einer Krankheit mit dokumentierter oxidativer Stresspathophysiologie (wie MS). Auf der anderen Seite hat es die Fähigkeit den zirkadianen Rhythmus in einer mit dem Schlafstörungen verbundenen Krankheit, ebenfalls wieder die MS, zu normalisieren. Insofern kann es ein weiterer Baustein der Stabilisierung und Heilung bei der MS-Erkrankung sein.

Wichtig dabei ist, dass Melatonin ein hohes Maß an Sicherheit zeigt, gut toleriert wird und bei sachgemäßer Verwendung auch in vergleichsweise hohen Dosen (die üblicherweise nicht nötig sind) keine Nebenwirkungen hat. Zur Frage der möglichen Supplementierung und geeigneten Dosierung sprechen Sie aber bitte Ihren behandelnden Arzt an.


Literatur für Experten

Farez, M. F., Calandri, I. L., Correale, J., Quintana, F. J., Oct. 2016. Anti-inflammatory effects of melatonin in multiple sclerosis. BioEssays : news and reviews in molecular, cellular and developmental biology 38 (10), 1016-1026.

URL http://view.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27561251

Adamczyk-Sowa, M., Pierzchala, K., Sowa, P., Polaniak, R., Kukla, M., Hartel, M., Aug. 2014. Influence of melatonin supplementation on serum antioxidative properties and impact of the quality of life in multiple sclerosis patients. Journal of physiology and pharmacology : an official journal of the Polish Physiological Society 65 (4), 543-550.

URL http://view.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25179086

Adamczyk-Sowa, M., Pierzchala, K., Sowa, P., Polaniak, R., Kukla, M., Hartel, M., Aug. 2014. Influence of melatonin supplementation on serum antioxidative properties and impact of the quality of life in multiple sclerosis patients. Journal of physiology and pharmacology : an official journal of the Polish Physiological Society 65 (4), 543-550.

URL http://view.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25179086


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Die zweite Chance: kostenloser Kurs zum Thema Mindfulness bei der Monash University ab 6.2.2017

Mindfulness for Wellbeing and Peak Performance

Wir hatten schon im letzten Jahr über das Angebot der Monash University und des Teams um den Allgemeinmediziner und “Mindfullness Coordinator” Professor Craig Hasselt und den klinischen Psychologen Dr. Richard Chambers berichtet, die Technik der Achtsamkeit einem breiten Publikum über einen Online-Kurs kostenlos zu vermitteln und zugänglich zu machen.

Der 6-wöchige Kurs wird nun ab dem 6.2. nochmals angeboten. Zur Anmeldung geht es hier:

https://www.futurelearn.com/courses/mindfulness-wellbeing-performance/

Einen guten Eindruck der Kursinhalte und der diskutierten Fragestellungen vermitteln auch die wöchentlichen Zusammenfassungen (Feedback-Videos) von Craig Hasselt und Richard Chambers, die ohne Anmeldung über youtube verfügbar sind. Als Beispiel hier die Rückblende zur ersten Woche:

Nach unserer eigenen Erfahrung lässt sich der Kurs auch zeitlich gut zu  bewältigen und ist extrem hilfreich. Er ist angereichert mit einer Fülle von Zusatzmaterialien und jedem Teilnehmer ist es selbst überlassen, inwieweit er in die wissenschaftlichen Grundlagen einsteigt.

Denjenigen „Followern“, die weniger anglophil orientiert sind, sei an dieser Stelle nochmals der Gastbeitrag:

Für Sie gelesen und gehört: MBSR – Die Kunst, das ganze Leben zu umarmen.

empfohlen.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine achtsame Zeit!

Ihr 

Life-SMS Team

 


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Noch gut 14 Tage kostenlos: The connection – ein beeindruckender Film über die Verbindung von Geist und Körper

Superlativen sind immer gefährlich, aber im Fall dieser Dokumentation würde ich behaupten, dass es das Beste ist, was es über die enge Beziehung zwischen Geist und Körper und damit wissenschaftlich betrachtet über die Psychoneuroimmunologie in den letzten beiden Jahren veröffentlicht worden ist.

2016-11-01-17_34_26-nature-connectionIn dieser verrückten, geschäftigen, modernen Welt gesund zu bleiben ist nicht einfach

Für die Journalistin Shannon Harvey, wurde die Suche nach einer Lösung für dieses Problem sehr persönlich, als bei ihr eine Autoimmunerkrankung diagnostiziert wurde, die keine bekannte Ursache und angeblich unheilbar war. Nachdem ihr von ihrem Arzt eröffnet wurde, dass sie im Rollstuhl enden könnte, erkannte sie, dass sie selbst handeln musste. Dies inspirierte zu einer zehnjährigen Reise, bei der sie mehr als $ 30.000 für konventionelle und alternative Behandlungen verbrauchte, Tausende von wissenschaftlichen Papieren durchforstete und die Welt bereiste, um Dutzende von Pionieren der Gesundheitsforschung bei führenden Institutionen wie Harvard und Stanford zu interviewen.

Der Film ist ein Plädoyer für die Life-SMS-Methodik und den selbstverantwortlichen Umgang mit der Multiplen Sklerose, zumal auch unser Impulsgeber Prof. George Jelinek zu Wort kommt.

Hier geht’s direkt zum Film!

Also nutzen Sie die nächsten 2 Wochen und verstehen Sie mehr über die „Connection“. Den Film gibt es (zumindest in der Kaufversion) auch mit deutschen Untertiteln.

Wir wünschen Ihnen eine gesundmachende Erfahrung!


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[Foto: unsplash.com / Simon Forster]

Warum sich Mindfulness- oder Achtsamkeitstrainning lohnt!

Auf die positiven Effekte von “Mindfulness-Training” hatten wir ja schon im Rahmen der Information über den Online-Kurs bei der Monash University hingewiesen.

Mindfulness, “Selbstmitgefühl” und Wohlbefinden hängen eng zusammen:

Mit dem Achtsamkeitstraining übt man u.a. eine bestimmte und im allgemeinen eine unterschiedliche Haltung gegenüber sich selbst zu entwickeln. Dazu gehört freundlich, einfühlsam und mitfühlend gegenüber sich selbst zu werden. Ein sehr wichtiges Element der “Achtsamkeitstechnik”!

Wenn sich Anfänger zu sehr auf die Achtsamkeit konzentrieren und nicht sofort erfolgreich sind – nach dem Motto: ich kann meinen Geist nicht davon abhalten, umher zu wandern – werden sie sehr oft wütend auf sich selbst und extrem selbstkritisch, was das Problem aber nur noch verschlimmert. Die Haltung, die man stattdessen mit der Achtsamkeitstechnik kultiviert, bedeutet nicht nur achtsam zu werden und präsent zu sein, sondern gleichzeitig nicht reaktiv und wertend zu sein. Eine Art und Weise, die akzeptierend ist und Selbstmitgefühl ausdrückt.

2016-10-15-16_43_03-meditation-7-hd-photos-curated-by-adam-anthony-_-unsplash

Die Tatsache unsere eigenen Menschlichkeit zu akzeptieren und damit aufzuhören selbst auf uns einzuschlagen, ist ein wichtiger Schritt in der Reduzierung der Stressantwort auf innere und äußere Einflüsse. Wir können zwar sehr gut auf uns selbst einprügeln, bekommen wird es uns allerdings auf keinen Fall. Wenn wir dagegen mehr Selbstmitgefühl (eine Art Haltung der Güte zu uns selbst) entwickeln, wird es für uns einfacher mit den alltäglichen Belastungen umzugehen und mehr Toleranz und mehr Geduld für andere zu entwickeln. Wenn wir uns dagegen oft absichtlich selbstkritisch verhalten, hat dies die entgegengesetzte Wirkung. Das wütend auf uns selbst sein äußert sich in einer negativen Reaktion oder Haltung gegenüber anderen Menschen.

Eines der der häufigsten Missverständnisse über Achtsamkeit und Meditation ist:  

„Oh, das bedeutet über sich selbst nachzudenken“. Die Wahrheit ist eigentlich das Gegenteil davon. Wir denken fast ständig über uns selbst nach und die Achtsamkeit ist eine Möglichkeit, sich von diesem rein intern orientierten Denken und ständigen Planen zu lösen und in ein einer mitfühlenden Haltung die Gegenwart und das Jetzt zu akzeptieren und zu begreifen. Die Selbstabsorption, also eine egozentrisch Art von geistiger Aktivität, die für viele zur Standardhaltung (mind set) geworden ist, kann somit durch Achtsamkeit durchbrochen werden.

Auch aus Sicht der Neuroplastizität ist dieses ständige Üben einer neuen Haltung ein essentieller Schritt. Alles was wir üben oder kontinuierlich pflegen wird “hart verdrahtet” (durch die Schaffung neuer neuronaler Verbindungen) und das umfasst auch Dinge wie Achtsamkeit und Selbstbewusstsein, Sanftmut, Freundlichkeit sowie Mitgefühl für sich selbst und andere.

Praktizieren bedeutet also aktiv diese Fähigkeiten zu schaffen.

Mindfulness kann uns helfen, zu erkennen, dass wir in einer Art Standardeinstellung gefangen sind  und eröffnet uns Wege eine Umprogrammierung (das Lernen neuer Fähigkeiten) zu starten. Wir alle – ob erkrankt oder nicht – erfahren im Leben Leid und Unannehmlichkeiten. Das Problem ist die zusätzliche Selbstkritik (ich bin schuld), die dem Problem eine weitere Schicht Leid hinzufügt. Wenn wir stattdessen erkennen, dass dieser kritische Prozess genau jetzt bei uns abläuft und dass eine zusätzliche Stressantwort getriggert wird, können wir damit unsere Haltung in Bezug auf den Auslöser des Stresses  modifizieren.  Worüber wir hier sprechen ist das Gegenteil von Vermeidung. Es ist die Schaffung von Akzeptanz, Achtsamkeit und einem bewussten Umgang mit äußeren und inneren Stressoren.

Weil Geist und Körper so eng verbunden sind, erzeugt die ständige Aktivierung der Stressantwort, auch wenn wir sie gar nicht brauchen, einen Verschleiß in unserem biologischen System – dem System Mensch. Man spricht hierbei von der allostatischen Last – der Körper versucht ständig durch physiologische und psychologische Verhaltensänderungen die Stabilität beizubehalten. Kurzfristig ist eine solche Reaktion wünschenswert, bei chronischer Belastung führt dies unweigerlich zu Systemproblemen bis hin zum Systemversagen. Das Risiko für Autoimmunerkrankungen und kardiovaskuläre Probleme steigt immens, das ständige Ausschütten von Cortisol führt zu einer Ausdünnung der Knochen und viel schlimmer noch es schädigt das Gehirn.

Fazit

Mit der Achtsamkeitstechnik wurde eine Methode entwickelt, eine unangemessene Aktivierung der Stressantwort auszuschalten und die Höhe der allostatischen Last zu reduzieren. In Studien konnte eine Reduktion entzündlicher Vorgänge, eine Verbesserung der Immunabwehr und eine Reduktion von kardiovaskulären Problemen, aber interessanterweise auch Auswirkungen auf unsere DNA nachgewiesen werden. Ein hohes Stresslevel beschleunigt die Alterung auf DNA-Ebene und Achtsamkeitstraining ist in der Lage die genetische Reparatur zu verbessern und den Alterungsprozess zu verlangsamen.

Also werden Sie achtsam – es lohnt sich!


Ein gute, kostenlose App zum Mindfulness-Training ist zum Beispiel bei Smiling Mind zu finden: http://www.smilingmind.com.au/


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Foto: https://unsplash.com/@dingzeyuli

Gastbeitrag: Bindungsenergetische Therapie

Gastbeiträge sind für uns bei lsms.info und Life-SMS  von großem Wert, insbesondere auch dann, wenn sie helfen den Blick auf Therapieformen zu lenken, die vielleicht noch nicht in aller Munde sind.

Um so mehr freut es uns, dass sich Anja Klock, Heilpraktikerin aus Hamburg und seit 2015 Mitglied des Life-SMS-Therapeuten-Netzwerkes, die Zeit genommen hat Ihre Erfahrungen mit der Bindungsenergetischen Therapie in einem lesenswerten Gastbeitrag mit uns zu teilen.

Die Bindungsenergetische Therapie ist eine Psychotherapie mit Mind-Body-Elementen:

„So schaut der bindungsenergetische Therapeut nicht nur auf das Leid, das der Betroffene mindestens im Kopf hat und unter vertrauten Umständen auch wagen kann mitzuteilen. Nein, der Therapeut wendet sich ebenso dem Herzen des Betroffenen zu. Das tun wir mit all den, uns zur Verfügung stehenden, Sinnen – mit unseren, in Ausbildung und stetiger Fortbildung speziell dafür geschulten „Bindungsfähigkeiten“: Zuhörend und achtsam über das Ohr (Gespräch), über Hand-Haut Kontakt (z.B. im Gesicht) oder mit einer speziellen, resonanzbildenden Technik, die wir „die ruhende Hand über dem Herzen“ nennen. Diese Technik ist ein Alleinstellungsmerkmal der bindungsenergetischen Therapie und befähigt den Klienten einen einfachen, direkten und sicheren Zugang zu den wirklichen Herzensangelegenheiten zu bekommen.“

Lesen Sie jetzt die vollständige Geschichte im Gastbeitrag:  Bindungsenergetische Therapie!

csm_2016-08-28_16_37_48-artem_kovalev___unsplash_a0e7b26bddBesonders Menschen mit chronischen Erkrankungen und Schmerzen, wie MS-Betroffene, finden nicht immer die Hilfe, die sie suchen. Viele Betroffene spüren intuitiv, dass ihr Leiden etwas mit ihrem inneren Stress zu tun hat und empfinden (sehr oft zu recht) eine Abwehr gegen die ständige Einnahme von Medikamenten. Mit den Techniken der Mind-Body-Medizin kann hier oft weit mehr in Richtung Linderung und Gesundung erreicht werden als mit pharmakologischen Eingriffen. Diese Therapien aktivieren ganz massiv die Heilkraft des inneren Arztes. Der Therapeut ist dabei ein Auslöser und Katalysator der Heilungsprozesse, er heilt aber nicht selbst. Oder wie Prof. Hüther es formuliert 

„Keiner kann Heilen – Heilung ist immer Selbstheilung“

Siehe auch die Videobeiträge im Bereich „Psychoneuroimmunologie“

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Darmbakterien: Baumeister der Myelinscheiden?

Manchmal liefert die Forschung wirklich überraschende Ergebnisse. Anfang April wurde in der Zeitschrift Translational Psychiatry ein Artikel zu einer Studie veröffentlicht, die vielleicht den stärksten Beweis liefert, dass Darmbakterien eine direkte körperliche Wirkung auf das Gehirn haben können. Die Forscher denken, dass es eines Tages möglich sein kann, demyelinisierende Krankheiten wie Multiple Sklerose und auch psychiatrische Störungen zu behandeln, indem die Zusammensetzung der mikrobiellen Darmflora der eine oder anderen Weise verändert wird. (Bem.: Das denken wir übrigens schon seit längerer Zeit)
Darmbakterien E. coli
Das Ganze wurde zwar zunächst nur im Mausversuch gezeigt, aber mit dem gleichen Ansatz wie in einer früheren Studie, verglichen die Forscher Genexpressionsniveaus in keimfreien Mäusen mit denen bei normalen Tieren. Sie identifizierten etwa 90 Gene, die in den keimfreien Tieren unterschiedlich exprimiert wurden und zu ihrer Überraschung fanden sie, dass bei einer Handvoll dieser Gene bekannt war, dass sie eine Rolle in der Myelinisierung spielen. Diese Gene scheinen im präfrontalen Kortex von keimfreien Mäusen viel aktiver als bei anderen Tieren zu sein. Einige der Gene, die sie identifiziert haben kodieren Proteine, die die strukturelle Komponenten von Myelin bilden, während andere eine regulatorische Rolle bei der Myelinbildung spielen.

Leider ist heute noch nichts über die ideale Zusammensetzung der Darmflora für eine optimale Remyelinisierung bekannt, allerdings weiß man schon heute, dass die Zusammensetzung der Mikrobiota einen entscheidenden Faktor bei neurodegenerativen Erkrankungen spielt. Derartige Erkenntnisse könnten daher schließlich zu neuen Behandlungen führen, die über Präbiotika, Probiotika, oder sogar Fäkal-Transplantationen neue Behandlungsmöglichkeiten bei Multipler Sklerose und anderen demyelinisierenden Erkrankungen eröffnen.

Hier kann die Studie in der Vollversion nachgelesen werden:

Hoban, A. E., et al. (2016). Regulation of prefrontal cortex myelination by the microbiota. Transl. Psychiatry, DOI: 10.1038/tp.2016.42

Eine gute Zusammenfassung findet sich in theguardian vom 5. April.

Was uns über den Zusammenhang Darmflora und MS bekannt ist, können Sie im entsprechenden Faktenblatt nachlesen: Faktenblatt Darmflora und MS

Fazit: Bei MS-Patienten kann die Darmflora ein entscheidender Faktor bei der Stabilisierung und Erholung sein. Sprechen Sie mit einem Arzt oder Therapeuten, der sich dieses Umstands bewusst ist und die Sache ernst nimmt.


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MRT-Scans: Doch nicht so harmlos wie gedacht?

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Unsere (und nicht nur unsere) kritische Haltung zum Nutzen allzu häufiger MRT-Scans ist auf lsms.info schon hinreichend beschrieben; siehe: Bildgebende Verfahren (MRT).

Ganz aktuell kommt aber ein Argument hinzu, was inzwischen sogar den Berufsverband der Deutschen Nuklearmediziner zu einer warnenden Pressemitteilung veranlasste:

„Berlin, Januar 2016 – Das Metall Gadolinium, ein Bestandteil von Kontrastmitteln für die bildgebende Diagnostik im Rahmen einer Magnetresonanztomographie (MRT), kann sich nach der Untersuchung im Gehirn ablagern. Bislang ist unklar, ob die Ablagerungen zu gesundheitlichen Schäden führen. Der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN) rät jedoch, die Kontrastmittel vorerst nur bei unvermeidbaren Untersuchungen einzusetzen. Das Herz etwa lasse sich auch mit einer Myokardszintigraphie oder Ultraschall untersuchen, so der Verband. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat eine Prüfung zu Gadolinium eingeleitet.“ [Quelle: Nuklearmediziner empfehlen alternative Untersuchungen fürs Herz].

MRT-Schnitt durch ein  normales menschliches Gehirn
MRT-Schnitt durch ein normales menschliches Gehirn

Gadolinium ist ein Metall aus der Gruppe der seltenen Erden und wird intravenös verabreicht, um beispielsweise Tumore oder entzündliche Vorgänge im Gehirn oder Rückenmark darzustellen.

Wie eine Gruppe japanischer Wissenschaftler im Rahmen einer aktuellen Studie darstellt, wäre es möglich, dass sich Gadolinium-Ionen aus ihrem Chelat-Komplex lösen und in bestimmten Hirnstrukturen anlagern könnten. Ob es dadurch zu einer Schädigung kommt, konnte in der Studie jedoch nicht festgestellt werden. Es gibt deshalb derzeit noch keine darauf bezogenen Einschränkungen in der Verwendung von Gadolinium-haltigen Kontrastmitteln. Allerdings hat auch die amerikanische FDA eine Untersuchung zur Prüfung der Risiken durch Gadolinium eingeleitet und ruft zu folgendem auf: „We urge health care professionals, patients, and parents/caregivers to report possible side effects involving GBCAs to the FDA MedWatch program“

Für die Experten unter unseren Lesern ist die vollständige Studie hier frei einsehbar:

Kanda, Tomonori; Ishii, Kazunari; Kawaguchi, Hiroki; Kitajima, Kazuhiro; Takenaka, Daisuke (2014): High Signal Intensity in the Dentate Nucleus and Globus Pallidus on Unenhanced T1-weighted MR Images: Relationship with Increasing Cumulative Dose of a Gadolinium-based Contrast Material. In: Radiology 270 (3), S. 834–841. DOI: 10.1148/radiol.13131669.

Und die Konsequenz für uns in Bezug auf MRTs muss somit um einen Halbsatz erweitert werden:

  • Zu Beginn Ihrer Erkrankung bzw. in der Basisdiagnostik ist ein MRT-Bild sinnvoll, um z. B. einen Tumor als Ursache Ihrer Beschwerden auszuschließen.
  • Die prognostische Aussagekraft von MRT-Kontrollen im MS-Verlauf ist höchst umstritten.
  • Die Lage und Auftreten der Läsionen und die Beschwerden des Patienten sind nicht „korreliert“ – sprich: Weniger Läsionen bedeuten nicht zwingend weniger Beschwerden.
  • Für Wissenschaftler sind MRT-Bilder hilfreich. Lassen Sie sich von Ihrem Neurologen erklären, wieso MRT-Bilder für Sie hilfreich sein sollten und bei durchaus bestehenden ungeklärten Risiken der MRT-Untersuchung regelmäßig angewandt werden sollten.

Bleiben Sie uns treu und wenn Sie mögen, fördern Sie uns auf betterplace.org!


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