Vibrieren gegen die MS

Ganzkörper-Vibration (WBV) ist eine relativ neue Methode des neuromuskulären Trainings, die sich auf wichtige allgemeine Fähigkeiten wie Beweglichkeit und Anpassungsfähigkeit auswirkt.

Professionelle Vibrationsplatte

Ein Defizit in der Haltungskontrolle ist eines der häufigsten Symptome von MS. Es beginnt mit marginalen Instabilitäten im Gang und in der zweibeinigen Haltung bei Auftreten der Erkrankung. Es folgen Haltungsschwäche und häufige Unfälle. Das Fortschreiten der Erkrankung kann allmählich zu einer Behinderung durch einen vollständigen Verlust des Haltungsgleichgewichts führen. Die Ganzkörpervibration (WBV) ist eine Trainingsmethode mit bemerkenswerten Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem, die die Haltungskontrolle definiert, denn die Übertragung von mechanischen Schwingungen auf den menschlichen Körper führt zu physiologischen neuromuskulären Veränderungen.

So wurde WBV bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) angewendet und einige Studien zeigen, dass es die Muskelkraft, das Körpergleichgewicht, die Haltungskontrolle und die funktionelle Mobilität verbessern kann.

Drei MS-bezogene Studien

Eine frühere Studie 1 hatte gezeigt, dass WBV den individuellen Status bei MS-Patienten verbessert, indem es den PDDS (patient determined disease steps)-Wert reduziert und den MSFC (Multiple Sclerosis Functional Composite )-Wert erhöht. Beide Werte sind hoch korreliert mit dem EDSS (Expanded Disability Status Scale)-Wert – einer weit verbreiteten, akzeptierten Bewertung und Messung der Behinderung bei MS-Patienten. Weniger kompliziert ausgedrückt: Vibrationstraining kann eine sehr effektive und risikoarme Maßnahme zur Reduktion von MS-Symptomen sein und die Regeneration des Nervensystems fördern.

Zwei neue Studien wurden veröffentlicht, die einen wichtigen Einblick in die Effizienz von WBV bei MS-Patienten geben. Die erste davon 2 testete die Auswirkungen eines sechswöchigen WBV-Trainings auf die Haltungskontrolle. Die Effekte nach einem WBV-Training wurden mit einer Kontrollperiode ohne Intervention in der gleichen Patientengruppe verglichen. Die während der Kontrollperiode beobachteten Verschlechterungen der Haltungskontrolle wurden nach dem Einsatz der WBV nicht beobachtet. Dies gibt einen Hinweis darauf, dass WBV die Neurodegeneration mit Blick auf die Haltungskontrolle lindern kann.

Die zweite Studie 3 evaluierte die Wirkung des WBV-Trainings bei einer Gruppe von MS-Patienten und verglich die Ergebnisse mit einer Kontrollgruppe. Die WBV-Gruppe hatte eine bessere Leistung in allen Muskeltests (Kraft- und Ausdauertests) und eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität. Das Programm wurde von den Patienten gut vertragen und es wurde kein unerwünschtes Ereignis beobachtet.

Fazit:

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass WBV eine sichere und praktikable Methode ist, die effektiv in Rehabilitationsprogrammen eingesetzt werden kann, um die Kraft und Ausdauer der Kernmuskeln zu verbessern, Degenerationen bei der Haltungskontrolle abzufangen und das Invaliditätsniveau bei MS-Patienten zu senken. Es sollte als Bestandteil in multidisziplinäre Interventionen einbezogen werden, um das Fortschreiten der Krankheit zu verzögern.

Ganz konkret ist die Empfehlung: Probieren Sie doch das Vibrationstraining auf einer professionellen Vibrationsplatte einmal aus und lassen Sie sich dabei von einem erfahrenen Sporttherapeuten oder Physiotherapeuten anleiten. Wenige Minuten in Abständen von mindestens 48 Std. sind ausreichend. Mehr ist eher schädlich!

Bei Vibrationstrainern ist allerdings unbedingt darauf zu achten, dass die Vibrationsplatte seitlich in der Höhe alterniert. Platten, die lediglich in der Ebene schwingen sind höchstwahrscheinlich wirkungslos.

An dieser Stelle sei auch auf die Life-SMS-Veröffentlichung „Sport und MS“ aus dem Jahr 2017 verwiesen, in der das Thema ebenfalls aufgegriffen wurde.


Referenzen
  1. Yang, F., Estrada, E. F., & Sanchez, M. C. (2016). Vibration training improves disability status in multiple sclerosis: A pretest-posttest pilot study. Journal of the Neurological Sciences, 369, 96-101. doi:10.1016/j.jns.2016.08.013
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27653872
  2. Krause A, Lee K, Freyler K, Bührer T, Gollhofer A, Ritzmann R. Whole-body vibration impedes the deterioration of postural control in patients with multiple sclerosis. Multiple Sclerosis and Related Disorders ,Apr 2019, Volume 31 , 134 – 140.
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30991299
  3. Maryam Abbasi , Amin Kordi Yoosefinejad , Maryam Poursadeghfard , Farnaz Parsaei Jahromi , Alireza Motealleh , Sobhan Sobhani , Whole body vibration improves core muscle strength and endurance in ambulant Individuals with multiple sclerosis: a randomized clinical trial, Multiple Sclerosis and Related Disorders (2019)
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31071658

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Autophagie: Den äußerst segensreichen Wartungsmodus nutzen

Autophagie: die koerpereigene Reinigungsmaschine

Man kennt das: Ständig ist Müll zu entsorgen!


Und unseren Zellen geht es genau so; auch, wenn sie bei bester Gesundheit sind. Denn nur über eine spezielle Art der Müllentsorgung können sie überhaupt bei bester Gesundheit bleiben. Diesen Aufräumvorgang nennt man Autophagozytose (oder kurz Autophagie = Selbstverzehrung).

Dies ist ein wichtiger und kluger Prozess der Natur, um Zellen gesund und leistungsfähig zu halten. Anderenfalls „vermüllen“ die Zellen regelrecht, denn überraschend viele frisch hergestellte Proteine sind falsch zusammengefaltet. Andere Zellbestandteile werden mit der Zeit beschädigt oder einfach nicht mehr benötigt. Umgangssprachlich formuliert, frisst (verdaut) sich die Zelle dann teilweise selbst. Doch mit Selbstmord hat dies wenig zu tun, mehr mit Recycling.

Recyclingprozess

Das alte Material kann auf der einen Seite zwar schaden, auf der anderen Seite besteht es ja schließlich aus wertvollen Bausteinen, die nach Möglichkeit wieder verwendet müssen, damit eine jede Zelle mit ihrem begrenzten Energievorrat auskommt. Die Zellen verwerten alles noch Brauchbare, um neue Bausteine (v. a. Aminosäuren) zu generieren und können diese in Notzeiten zur Energiegewinnung auch als Brennstoff nutzen. Verständlich, dass gerade ein zeitweises Fehlen der essentiellen Aminosäuren (also jenen, die der Körper nicht selbst herstellen kann) das Notfallsystem in Hunger- bzw. Fastenperioden starten kann.

Proteine als Hemmer

Eine zu proteinreiche Ernährung hemmt hingegen den Reinigungsprozess und fördert nachweisbar den Alterungsprozess sowie auch Krebswachstum. Wer in mittleren Jahren (zwischen 50 und 65) ordentlich Protein futtert (20 Prozent der Kalorienaufnahme oder mehr im Vergleich zu weniger als zehn Prozent), dessen Sterblichkeitsrisiko ist um 74 Prozent erhöht. Wichtige Ausnahme hierbei: pflanzliche Proteine! Studien der Harvard-Universität (s.u.) legen nahe: Wer vermehrt auf pflanzliche Proteine setzt, etwa in Form von Bohnen, Linsen und Nüssen (statt auf Fleisch), darf sogar mit einem längeren Leben rechnen. Noch länger, wenn er nicht rein vegan lebt, sondern auch (nicht schadstoffbelasteten) fetten Meeresfisch isst. Das liegt daran, dass tierisches Protein in der Regel mehr essenzielle Aminosäuren enthält als pflanzliches Protein; der Reinigungsmodus wird also eher gehemmt. Aber dies nur nebenbei.

Die beschriebene molekulare Müllentsorgung ist also eine Art Selbstverdauungs-Programm von Zellen, damit diese gereinigt und entgiftet werden, sich verjüngen. Ohne Autophagie lagert sich der zelluläre Müll in den Zellen ab und behindert über kurz oder lang die reibungslose Funktionsweise der Zelle. Wenn Alternativmediziner von „Entschlackung“ sprechen, ist im Allgemeinen dies gemeint, wobei der Begriff selbst irreführend ist.

Fasten im Schlaf und bei Grippe

In jeder einzelnen Zelle im Körper ist Autophagie möglich (übrigens auch im Schlaf, was ja auch einer kleinen Fastenperiode gleichkommt; Breakfast ist also wörtlich zu nehmen). Im Immunsystem findet die Autophagie auch außerhalb der Zelle statt. Denn in Zeiten geringerer Energiezufuhr gehen Fresszellen (ja, die Makrophagen kann man tatsächlich so nennen) im gesamten Körper umher und suchen vermehrt nach infizierten Zellen, toten Zellen und Krankheitserregern. Wer mit einer Grippe krank im Bett liegt, mag nicht essen, weil der Körper Hungergefühle unterdrückt, um die nun besonders hilfreiche Autophagie zu aktivieren. Dadurch werden die Fresszellen des Immunsystems stärker aktiviert, um unbrauchbare Eigen- und Fremdsubstanz (externe Eindringlinge wie Viren, Bakterien und andere Krankheitserreger) zu erspähen und zu vernichten.

Reinemachen und ein Streik der Müllabfuhr

Zudem spielt die Autophagie eine wichtige Rolle dabei, wie die Immunantwort eines Organismus gesteuert wird. Fehler in den Kontrollmechanismen führen dazu, dass das Abwehrsystem körpereigene Bestandteile angreift und zerstört. Resultat solcher fehlgeleiteten Immunreaktionen sind Autoimmunerkrankungen wie die Multiple Sklerose. Genomweite Assoziationsstudien (GWAS) zeigen dies. Denn sowohl überzogenes Reinemachen als auch ein Streik der Müllabfuhr kann zu Autoimmunstörungen beitragen, je nachdem, in welchen Zellen die Müllabfuhr aus dem Lot gerät. Denn aus nicht rechtzeitig entsorgten toten Zellen treten entzündungsfördernde Substanzen aus.

Klar ist: zu wenig Autophagie schadet! Autophagie-Defekte führen in T-Zellen zur Anhäufung von überalterten Mitochondrien, die unter anderem reaktionsfreudige Sauerstoffspezies (ROS) freisetzen, was die T-Zellen vorzeitig absterben lässt. Auch fehlen den T-Zellen wegen ihrer schlechten Recycling-Quote ATP und Rohstoffe, sodass sie sich kaum noch aktivieren und zur Vermehrung anregen lassen.
Manchmal muss auch einfach nur der Abfuhrtakt erhöht werden: wenn Stress (wie z. B. Infektionen, Chemikalien oder UV-Licht) den Verschleiß von Zellkomponenten beschleunigt.
Eine funktionierende Autophagie, ein Reinigungsprozess, der die Vermehrung neuer, gesunder Zellen fördert, stellt hingegen einen Schutz vor Krankheiten wie Krebs, Demenz, Herzkrankheiten und bakteriellem Befall dar. Entartete Zellen, Ablagerungen und bösartige Bakterien haben schlechte Chancen, sich anzuhäufen, da sie gleich im Anfangsstadium abgebaut werden können.

Trotz Umbau geöffnet

Für ein gesundes Altern ist der Körper also auf eine Balance zwischen Baumaßnahmen und Abbaumaßnahmen angewiesen. Doch durch ständige Erreichbarkeit von Nahrung (und zu viel Nahrung insgesamt) sowie eine inaktive, bewegungsarme Lebensführung spielt die Autophagie bei vielen Menschen im Alltag kaum mehr eine Rolle.
Das häufige Essen in kurzen Abständen ist aus Sicht der Evolution völlig unnatürlich. Unser Körper ist erst seit relativ kurzer Zeit in der Menschheitsentwicklung damit konfrontiert. Stoffwechsel und Verdauungsapparat sind immer noch auf diese Lebensweise ausgerichtet – Bewegung kombiniert mit immer wiederkehrenden Phasen des Nichtessens. Deshalb nimmt man an, dass der Prozess der Autophagie ab einem Zeitraum von 14 -17 Stunden des Verzichts auf Nahrungszufuhr beginnt. Erhält der Körper aber ständig das (Insulin)Signal, dass ausreichend Energie von außen zugeführt wird, hält er Selbstverdauung nicht für notwendig.
Außerdem verlangsamt sich mit zunehmendem Alter die Fähigkeit zur Autophagie.

Was fördert die Autophagie in unseren Zellen?

In Studien wird deutlich, dass die Gesundheit i. d. R. profitiert, wenn die Autophagozytose im Alltag wieder mehr Platz gewinnt. Zum Glück gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, die Autophagie auf natürliche Weise zu aktivieren und zu steigern:

  • Fastenzeiten. Gerne auch als intermittierendes Fasten: eine beliebte Methode, um nahezu jeden Tag von den Vorzügen der Autophagie zu profitieren. Dies setzt voraus, dass Sie mindestens 12 Stunden am Stück nicht essen und diese Periode dann auf bis zu 16 Std. steigern. Dies ist die Zeit, die benötigt wird, um die Autophagie zu aktivieren. Das bedeutet dann, dass Sie alle Ihre Mahlzeiten für den Tag innerhalb eines Acht-Stunden-Fensters einnehmen müssen und während der übrigen Zeit des Tages (bzw. der Nacht) nichts essen dürfen. Liegen genügend Stunden zwischen dem letzten Essen eines Tages und dem ersten des nächsten Tages, kann man von der segensreichen Autophagozytose profitieren.
  • Sport: sowohl anaerober Sport (Krafttraining) als auch aerober Sport (Ausdauersport) in Form eines zyklischen Trainings: Jeden zweiten Tag ein halbe Stunde hochintensives Intervalltraining oder Widerstandstraining aktivieren die Autophagie.

Ernährung zur Verbesserung der Autophagie:

Durch bestimmte Nahrungsmittel/Nahrungsinhaltsstoffe können Sie auch unabhängig bzw. zusätzlich zum Fasten von einer gesteigerten Autophagozytose profitieren bzw. Ihre zelluläre Müllabfuhr ankurbeln, obwohl der Organismus Nahrung aufnimmt. Es gibt z. B. Hinweise darauf, dass natürlich vorkommende Substanzen wie Resveratrol (Bestandteil von roten Trauben) oder Polyamine in der Lage sind, die Autophagie zu induzieren. Ein natürliches Polyamin ist Spermidin, das auch in vielen Lebensmitteln vorkommt, wie z. B. in Weizenkeimen, frischem grünen Pfeffer, Pilzen, Sojabohnen (v. a. fermentiert), Zitrusfrüchten (v. a. Grapefruit). Da Spermidin sehr stabil ist, kann man es ohne Verluste genießen, z. B. als Zitrusfrüchte-Bergamotte-Tee. Weitere Kandidaten:

  • Curcumin aus frischem Kurkuma und Kurkuma-Extrakt
  • Grüntee (v.a. als Matcha = pulverisierter Grüntee)
  • Ingwer
  • Kaffee: Vermutlich können sekundäre Pflanzenstoffe, sogenannte Polyphenole im Kaffee die Autophagie ankurbeln. Aber tierisches Eiweiß hemmt die Autophagie (also keine Kuhmilch/Sahne in den Kaffee geben und dazu kein Ei, Joghurt, Butterbrot mit Käse/Wurst…).
  • Reishi (fernöstlicher Heilpilz)
  • Kohlgemüse (v.a. das in Brokkoli enthaltene Sulphoraphan)

Lebensstilstrategien und Nahrungsergänzungsmittel (NEM) zur Verbesserung der Autophagie:

  • Kalorienrestriktion ohne Fasten: chronisches leichtes Kaloriendefizit bei ausgewogener Ernährung. Japaner sind dafür bekannt, nur so viel zu essen, bis sie zu 80 % satt sind. Wer generell nicht bis zur absoluten Sättigung isst, der geht schon einen großen und unanstrengenden Schritt Richtung Autophagozytose.
  • kohlenhydratreduzierte Ernährung bis hin zur ketogenen Diät
  • Vitamin D (über Sonnenlicht oder/und als NEM)
  • Melatonin (Schlafhormon; als NEM)

FAZIT:

Ohne Autophagie werden Ihre Zellen irgendwann mit Toxinen und Abfallstoffen überlastet sein, anfangen zu versagen und letztendlich sterben. So werden sie selbst zum Zellmüll, der aber wiederum nicht weggeräumt werden kann, was Alterung und Krankheiten Tür & Tor öffnet. Autophagiedefekte tragen zu einer Vielzahl von Krankheiten bei, darunter Alzheimer und Parkinson (Demenz bedeutet oft toxischer „Zellschrott“ in den Nervenzellen des Gehirns).

Diesen Prozess im Hinterkopf zu behalten und jeden Tag ein paar der Methoden anzuwenden, die den Prozess der Autophagozytose aktivieren, macht definitiv auch bei MS Sinn (das zeigen inzwischen verschiedene Studien). Die Autophagozytose ist stark entzündungshemmend, stärkt das Immunsystem, beugt Depressionen vor und verlängert die Lebensspanne.

Über Fasten (mehr oder weniger und mit der Ihnen angenehmen Methode) können Sie viel erreichen. Zudem gibt es Autoimmunerkrankungen, bei denen bekannt ist, dass regelmäßiges Fasten zu einer starken Entzündungshemmung und zu einer Steigerung des Wohlbefindens und der Lebensqualität führt. Dazu gehört auch die Multiple Sklerose. Hierbei ist besonders das Potential der ketogenen Diät bei den progredienten Formen der MS hervorzuheben.

Die Aktivierung der körpereigenen Autophagie ist ein einfacher Weg, um Gesundheit zu fördern. Die gute Nachricht ist, dass dies nicht schwierig ist. Fasten scheint ein effizienter Weg zu sein; aber auch ausreichend Bewegung und das Hinzufügen bestimmter Nahrungsmittel helfen dabei.

Und ganz nebenbei werden Sie vielleicht ein wenig jünger (aussehen)…Sie werden sich zumindest so fühlen…

Dies wünscht Ihnen
Ihr Team von Life-SMS


Quellen:
  • Choi, I. Y., Piccio, L., Childress, P., Bollman, B., Ghosh, A., Brandhorst, S., Suarez, J., Michalsen, A., Cross, A. H., Morgan, T. E., Wei, M., Paul, F., Bock, M., … Longo, V. D. (2016). A Diet Mimicking Fasting Promotes Regeneration and Reduces Autoimmunity and Multiple Sclerosis Symptoms. Cell reports15(10), 2136-2146.
  • Mingyang Song; Teresa T. Fung; Frank B. Hu; et al (2016): Association of Animal and Plant Protein Intake With All-Cause and Cause-Specific Mortality. https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/article-abstract/2540540
  • Rubinsztein, D. C., Codogno, P., & Levine, B. (2012): Autophagy modulation as a potential therapeutic target for diverse diseases. Nature Reviews. Drug Discovery, 11(9), 709–730. http://doi.org/10.1038/nrd3802
  • Storoni, M., & Plant, G. T. (2015). The Therapeutic Potential of the Ketogenic Diet in Treating Progressive Multiple Sclerosis. Multiple sclerosis international2015, 681289.

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Vitamin D, Sonne und MS reloaded – Faktenblatt 2019 und Übersichtsvideo

Der Einfluss von Vitamin D und der Sonnenstrahlung auf die Multiple Sklerose wird seit Jahren teilweise kontrovers diskutiert. Wir haben schon im Jahr 2014 ein Faktenblatt zu diesem Thema herausgebracht und inzwischen haben sich die darin gemachten Aussagen mehr und mehr bestätigt. Selbst die Zweifler müssen inzwischen zugeben, dass es aus wissenschaftlicher und therapeutischer Sicht grob fahrlässig wäre, dem Vitamin D-Spiegel bei MS Patienten keine Beachtung zu schenken.

Zum Einstieg

Für uns Grund genug, den aktuellen Sachstand zum Thema in einem überarbeiteten Faktenblatt ausführlich darzustellen. Bevor wir näher zu den Inhalten kommen, sei Ihnen als Einstieg das Übersichtsvideo von Dr. med Arman Edalatpour unter dem Titel “Sonne und Vitamin D – Die erstaunliche Wirkung auf das Immun- und Nervensystem” empfohlen:

Inhalt des Faktenblatts

Das aktualisierte Faktenblatt hat sich inzwischen zu einem ausgewachsenen Dokument entwickelt und umfasst die folgenden Kapitel:

  • Hintergrund
  • Was bedeutet fehlende Sonneneinstrahlung?
  • Vitamin D und das Immunsystem
  • Konsequenzen für die Behandlung der MS
  • Hochdosis-Vitamin-D-Therapie im ganzheitlichen Therapie-Konzept bei Auto-Immunerkrankungen (Coimbra-Protokoll)
  • Sonne ist mehr als nur Vitamin D-Produktion
  • Konkrete Empfehlungen
  • Besonderer Hinweis: Interferon-β und Vitamin D
  • In aller Kürze
  • Die „Take-home Messages“
  • Relevante Studien

Wie erhalten Sie das aktuelle Faktenblatt Vitamin D/Sonne und MS 2019?

Ganz einfach! Bitte spenden Sie einen beliebigen Betrag zu Gunsten Life-SMS über betterplace und wir senden Ihnen einen Download-Link für das Faktenblatt in deutscher und englischer Version zu. Bitte beachten Sie: da dies kein automatisierter Versand ist, sondern manuell erfolgt, kann es wenige Tage dauern bis Sie den Downloadlink nach bestätigtem Spendeneingang erhalten.

Jetzt Spenden! Das Spendenformular wird von betterplace.org bereit gestellt.

Anmerkung für DauerspenderInnen: Sie erhalten den Download-Link nach dem Eingang der nächsten Spende, also nach dem 15.3., automatisch. Eine zusätzliche Spende ist somit nicht erforderlich.

Sobald wir 50% der für den aktuellen Spendenbedarf (Basisfinanzierung 2019) kalkulierten Mittel erreicht haben, werden wir das aktuelle Faktenblatt auch für Nicht-Spender freischalten. Sie unterstützen also mit Ihrer Spende auch Betroffene, die über keinerlei finanzielle Möglichkeiten verfügen.

Fazit zum Thema Vitamin D und Sonne aus heutiger Sicht:

Aus der aktuellen Datenlage ist ableitbar, dass Vitamin D das Risiko an einer MS zu erkranken und deren Verlauf positiv beeinflusst. Dieses konnte epidemiologisch, klinisch, radiologisch, immunologisch und durch genetische Studien nachgewiesen werden. Unabhängig von Vitamin D moduliert das natürliche Sonnenlicht das menschliche Immunsystem zusätzlich in positiver Weise. Die Kombination aus gezielter Supplementierung mit Vitamin D und ausreichend über das Sonnenlicht aufgenommener UV-Strahlung ist somit einer der besten natürlichen Wege, ein außer der Kontrolle geratenes Immunsystem wieder in Homöostase zu bringen.

Vor einer “Hochdosis Vitamin D-Therapie” auf eigene Faust muss ausdrücklich gewarnt werden. Die Folgen können gesundheitlich schädlich oder sogar fatal sein. Es gibt heute keinerlei Studiennachweise dafür, dass eine “Hochdosis Vitamin D Therapie” bei allen MS-Patienten angezeigt oder sinnvoll wäre. Sollten Sie sich für diese Art der Therapie interessieren, kontaktieren Sie bitte unbedingt Ärzte, die über eine entsprechende Qualifikation verfügten.


Unserer besonderer Dank gilt Dr. Maria Beatriz Harouche Vieira, MD, Neurologin und Pathologin, Mitglied der Neurologischen Akademie Brasilien, für die wertvollen Beiträge und hilfreichen Diskussionen bei der Aktualisierung und Erweiterung dieses Faktenblattes.


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Curcumin als Therapeutikum bei MS sinnvoll nutzen

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Die meisten kennen Kurkuma (Gelbwurz) allenfalls als das Hauptgewürz in Curry. Die Wurzel hat – auch als gemahlenes Gewürz – einen leicht bitteren Geschmack und wird auch verwendet, um Curry, Senf, Butter, Käse oder anderen Lebensmitteln eine schöne gelbe Farbe zu geben.

Aber die Wurzel von Kurkuma (Curcuma longa) kann noch viel mehr. Schon lange schätzt man sie im asiatischen Raum wegen ihrer vielen gesundheitlichen Vorteile.

Die Kurkumawurzel hat eine komplexe Zusammensetzung

235 Einzelbestandteile sind bisher identifiziert, wovon die meisten natürliche Phenole und Terpene sind, die jeweils ihren eigenen therapeutischen Wirkungskreis besitzen. Bisher medizinisch am wichtigsten scheinen dabei unter den Phenolen die Curcuminoidverbindungen des wasserunlöslichen Extrakts aus Kurkuma zu sein, denn sie enthalten neben so schwer zu merkenden Namen wie Demethoxycurcumin (DMC), Bisdemethoxycurcumin (BMC) und Tetrahydrocurcumin auch das wichtige Curcumin, welches etwa 3–5% der gesamten Inhaltsstoffe der Wurzel ausmacht.

Curcumin spielt eine wichtige Rolle bei verschiedenen pharmakologischen Aktivitäten

So kann Curcumin bei der Behandlung von MS wirksam sein*, insbesondere bei den entzündungshemmenden Eigenschaften durch Hemmung der Freisetzung von proinflammatorischen (= entzündungsfördernden) Zytokinen wie IL-17.

In der ersten Entzündungsphase sind T-Zellen ein entscheidender Faktor für die MS-Progression, zusammen mit IL-17 und IL-22 tragen sie zur Entwicklung eines Bruchs in der Blut-Hirn-Schranke bei. Als Folge des Eintritts von T-Zellen in das ZNS beginnt die Entzündungskaskade und mehrere pathophysiologische Merkmale der MS führen vor allem zu Demyelinisierung und axonalen Schäden.

Curcumin hat eine hemmende Wirkung auf die Ausbreitung von CD4+T-Zellen durch verringernde Abgabe von entzündungsfördernden Zytokinen (wie IL-6, IL-1β, IL-17, Interferon (IFN)-γ, TNF-α, IL-12 und IL-23).

Die Wirksamkeit des Curcumins wissenschaftlich zu untermauern war sehr schwierig, da es sowohl instabil ist, als auch keine hohe Bioverfügbarkeit für den menschlichen Organismus hat. Es hat eine schlechte Wasserlöslichkeit, eine schlechte Absorption durch die Darmschleimhaut und eine geringe Stabilität im Blut. Aufgrund seines schnellen Leberstoffwechsels sind 60-70 % einer oralen Dosis schnell „beseitigt“.

Lösungen für dieses Problem

Daher ist es schwierig, Curcumin für wirksame medizinische Therapeutika zu nutzen. Da Studien aber deutlich zeigen, dass Curcumin eine  hohe antientzündliche und antioxidative Wirkung hat, haben Wissenschaftler über neuartige Wirkstoffverabreichungssysteme wie Nanoverkapselung und Liposomen nachgedacht, um dem Nachteil der Instabilität für die Medikamentenherstellung und -verabreichung auszugleichen.
Andere Forscher haben herausgefunden, wie man durch Kombination mit anderen Wirkstoffen die Bioverfügbarkeit von Curcumin erhöhen kann und so seine Wirksamkeit verbessert.

Geschickt kombinieren

So hat die Kombination von Nanoverkapselung von Curcumin unter Zugabe von Piperin (in Pfeffer), Quercetin (z.B. in Zwiebeln vorhanden) und Silibinin (aus der Mariendistel) einen verzögerten Leberstoffwechsel und verbesserte Absorption gezeigt. Besonders Piperin als Hemmer der Leber- und Darmverstoffwechslung und als Absorptionsverstärker führt zu einer höheren Konzentration von Curcumin im Blutserum.**

Übrigens: das seit 3000 Jahren bekannte Curry nutzt als Mischung aus Kurkuma und verschiedenen Pfeffersorten genau diese verstärkenden Eigenschaften aus.

Lesen Sie auch: „Kurkuma“ auf lsms.info.

Curcumin sinnvoll nutzen bei MS

Also darauf achten, dass therapeutisch hochdosiertes Curcuminextrakt (reines Pulver reicht nicht aus) mindestens mit einem Absorptionsverstärker kombiniert ist (meist ist es Piperin) und alles am besten in Nanopartikeln „verpackt“ ist.
So kann man die Wirksamkeit von Curcumin gegen Entzündungskrankheiten wie MS voll ausnutzen und gegebenenfalls die Progression der Multiplen Sklerose verlangsamen (bei Mäusen schon wissenschaftlich erwiesen – siehe auch unter *) – zumindest wenn keine Kontraindikationen bestehen (siehe ***).

Fazit

Die Autoren eines jüngst veröffentlichten Reviews zu Curcumin folgern: „Die Forschungen der vergangenen Jahre haben eine Reihe von Schlüsseleigenschaften des Curcumin definiert, insbesondere seine entzündungshemmende Wirkung, niedrige Kosten, Sicherheit und breite Verfügbarkeit. Daher kann diesen Pflanzenwirkstoff als geeigneter Kandidat für die Behandlung von MS angesehen werden.“

Dass Sie auch mit der Hilfe von Curcumin das Entzündungsgeschehen bei MS reduzieren können wünscht Ihnen

Ihr Team von Life-SMS


Quelle: Ghanaatian, N., Lashgari, N.-A. A., Abdolghaffari, A. H. H., Rajaee, S. M., Panahi, Y., Barreto, G. E., Butler, A. E., Sahebkar, A., Dec. 2018. Curcumin as a therapeutic candidate for multiple sclerosis: Molecular mechanisms and targets. Journal of cellular physiology.

URL http://view.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30536381


* Weitere Studien zu Curcumin:

Curcumin reduziert die Sekretion von MMP-9, ein Faktor, der die Wirksamkeit der BHS-Permeabilität erhöhen kann und so die Ausprägung von MS verbessert (Seyedzadeh et al., 2014).

• Die Verhinderung der Bildung reaktiver Sauerstoffspezies und der Phosphorylierung der Myosin-Lichtkette ist eine weitere Rolle von Curcumin bei der Verhinderung von BHS-Störungen (K. Kimura, Teranishi, Fukuda, Kawamoto, & Nishida, 2008).

• Axon-Degeneration, das endgültige zerstörerische Stadium in der Pathogenese der MS, kann durch den Effekt von Curcumin auf die Reduzierung der Freisetzung von Stickoxid (NO) über den JNK-Phosphorylierungsweg kontrolliert werden (Tegenge et al., 2014).

• Natarajan und Bright fanden 2002 in Mausstudien heraus, dass Curcumin-behandelte Mäuse eine geringere Ausbreitung neuronaler ag-spezifischer Th1-Zellen und eine Reduktion der IFN-γ-Produktion zeigten.

• Einige Studien (Darvesh et al., 2012; Tang & Taghibiglou, 2017; Tizabi, Hurley, Qualls, & Akinfiresoye, 2014) weisen auf das positive Potenzial von Curcumin hin bei der Behandlung mehrerer neurologischer Erkrankungen, einschließlich Demenz, Alzheimer, Parkinson und MS.


** (Kakarala et al., 2010; Martins, Leyhausen, Volk, & Geurtsen, 2015; Rinwa, Kumar, & Garg, 2013; Shoba et al., 1998).


*** Kontraindikationen:
Gallenblasen-Probleme: Kurkuma kann Gallenblase-Probleme verschlimmern > nicht verwenden – oder nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt – bei Gallensteinen oder Gallengangsobstruktion.
Blutungsprobleme: Kurkuma könnte die Blutgerinnung verlangsamen. Dies könnte das Risiko von Blutergüssen und Blutungen bei Menschen mit Blutgerinnungsstörungen erhöhen.
Diabetes: Curcumin könnte bei Diabetikern den Blutzuckerspiegel senken.
Eisenmangel: Die Einnahme von hohen Kurkumadosen könnte die Aufnahme von Eisen verhindern > ggf. entsprechend gegensteuern.
Blutgerinnung: Es kann zusätzliche Blutungen während und nach Operationen verursachen > die Curcumin-Substitution mindestens 2 Wochen vor einer geplanten schweren Operation unterbrechen.
Hormonähnlich: Curcumin könnte wie das Hormon Östrogen wirken. Allerdings zeigen einige Untersuchungen, dass Kurkuma die Wirkung von Östrogen in einigen hormonsensitiven Krebszellen reduziert.


Foto: © Hildy Ueberhofen


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Besser in Kombi: Vitamin D3 und Omega3-Fettsäuren

 

Einzeln nicht so wirksam

Verschiedene Studien zur Substitution von Vitamin D3 kamen immer wieder zu dem Schluss, dass die Einzelsubstitution von Vitamin D3 keinen Einfluss auf die Reduzierung von systemischen Entzündungen bei MS-Betroffenen haben soll. Wenn man bedenkt, dass es für MS-Betroffene Empfehlungen gibt, von 5.000 -10.000 I.E. Vitamin D pro Tag zu nehmen und beim Coimbra-Protokoll sogar noch bis zum Zehnfachen davon, waren die Dosierungen in diesen Studie auch nicht besonders hoch (20.000 I.E. pro Woche für 2 Jahre lang in einer Studie von James et al. bzw. 50.000 I.E. pro Woche für 8 Wochen in einer anderen). Zudem spielt vor allem auch der Ausgangs-Vitamin D-Spiegel eine wichtige Rolle. Heute ist erwiesen, das MS-Patienten einen Vitamin D-Spiegel von mindestens 60 ng/ml im Blut erreichen sollten und dass dies sehr wohl schubreduzierend und immunologisch positiv wirkt.

[siehe z.B.: Vitamin D and multiple sclerosis: An update. Multiple sclerosis and related disorders, Vol. 14 (May 2017), pp. 35-45 by Charles Pierrot-Deseilligny, Jean-Claude C. Souberbielle]

Auch bei Studien zur Substitution von Omega 3-Fettsäuren ergab sich häufig das Bild, dass diese keinen Effekt auf die Reduzierung von oxidativem Stress bei MS-Betroffenen haben sollen, obwohl hier die Dosierungen dem Krankheitsbild der MS angemessener waren: In mehreren Studien etwa 2000 mg Omega 3-Fettsäuren pro Tag für 18 Wochen bis 5 Monate bzw in einer Studie gar ein Jahr lang 4 g (also 4000 mg!) Fischöl pro Tag (wobei hier nicht die Qualität des Fischöls bekannt ist).

Hingegen konnte eine neue (wenn auch kleine) Studie nun zeigen, dass bei der Kombination von Vitamin D3 und Omega3-Fettsäuren sehr wohl auch ohne Megadosierungen ein Einfluss auf den Krankheitsverlauf der MS besteht. Dazu wurden etwa 30 TeilnehmerInnen täglich 2 x 1000 mg Omega 3-Fettsäuren plus 50.000 I.E. Vitamin D (alle 14 Tage) verabreicht und etwa gleich vielen TeilnehmerInnen täglich eine gleich aussehende Kapsel mit Sonnenblumenöl gleicher Farbe und gleichen Geschmacks.

Gemeinsam effektiver

In der Wirkstoffgruppe stellte man fest, dass dadurch vorhandene Stoffwechselabnormalitäten (v.a. im Insulin- und Cholesterinstoffwechsel) stärker korrigiert und oxidativer Stress und Entzündungen besser abgemildert wurden, als in der randomisierten Placebogruppe. Die antioxidative Kapazität wurde erhöht und der EDSS-Wert verbessert.

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Fazit

Omega3-Fettsäuren und Vitamin D3 scheinen synergetisch zu arbeiten. Insgesamt ergab sich eine signifikant positive Beeinflussung der Krankheitsaktivität. Das Ergebnis legt an MS erkrankten Menschen nahe, sich nicht nur für eine Substitution von Vitamin D3 oder Omega 3-Fettsäuren zu entscheiden, sondern beides zu substituieren. Eine Aussage die unseren multimodalen Ansatz unterstützt.


Quelle: Kouchaki, E., Afarini, M., Abolhassani, J., Mirhosseini, N., Bahmani, F., Masoud, S. A. A., Asemi, Z., Jul. 2018. High-dose ω-3 fatty acid plus vitamin d3 supplementation affects clinical symptoms and metabolic status of patients with multiple sclerosis: A randomized controlled clinical trial. The Journal of nutrition. URL http://view.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29982544


© Foto: Karin Jung/pixelio.de


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Von Wilhelm von Ockham über Sir Bradford Hill zu Prof. Coimbra – Autoimmunerkrankungen und Vitamin D

Professor Coimbra erläutert in diesem Vortrag persönlich die Grundlagen seines Behandlungsprotokolls. Zwei grundsätzliche Überlegungen spielen dabei eine Rolle. Erstens das, was in der Philosophie als “Ockhams Rasiermesser” oder Prinzip der Parsimonie bekannt ist, die These, dass die beste Theorie diejenige ist, die ein bestimmtes Phänomen am besten und am einfachsten beschreibt und zweitens die sogenannten Bradford-Hill-Kriterien. Sir Bradford Hill, ein englischer Statistiker, bewies schon 1950, dass Rauchen Lungenkrebs verursacht und schuf damit die Grundlage für Kausalitätsbetrachtungen in der Medizin.

Und das sind in Prof. Coimbras Interpretation die Bradford-Hill-Kriterien für die Ursache einer Erkrankung:

  • Stärke: Eine starke Assoziation zwischen zwei Phänomen ist häufiger auf Kausalität begründet, als die bei einer schwachen Assoziation gegeben ist.
  • Folgerichtigkeit: Übereinstimmende Beobachtungen durch verschiedene Wissenschaftler an verschiedenen Risikopopulationen erhöht die Wahrscheinlichkeit einer kausalen Beziehung.
  • Spezifität: Kausalität ist anzunehmen, wenn ein Faktor eine spezifische Population beeinflusst.
  • Zeitlichkeit: Die Faktoren sind direkt oder umgekehrt proportional.
  • Plausibilität: Ein plausibler Mechanismus zwischen Ursache und Wirkung ist hilfreich, aber nicht notwendig (die Kenntnisse über die Zusammenhänge sind noch beschränkt).
  • Stimmigkeit: Eine Übereinstimmung zwischen epidemiologischen Daten und Ergebnissen aus dem Labor erhöht die Gewissheit, dass eine Kausalität besteht.
  • Experiment: Manchmal ist es möglich, experimentell Annahmen aus epidemiologischen Daten zu überprüfen – was aber fallweise an ethische Grenzen stößt. [Vergleiche auch seine Allegorie mit den Fallschirmspringern]
  • Analogie: Der Effekt ähnlicher Wirksubstanzen und Risikofaktoren konnte schon gezeigt werden.

Aus Sicht von Prof. Coimbra erfüllen Vitamin D-Resistenz und Vitamin D-Mangel alle neun Bradford-Hill-Kriterien und da seiner Ansicht nach bei fast allen Autoimmunpatienten eine Vitamin D-Resistenz vorliegt, ist damit die Grundlage für die Vitamin D-Hochdosistherapie gegeben.

Aber jetzt genug der Vorrede, verfolgen Sie nun Prof. Coimbras Vortrag und bilden Sie sich selbst eine Meinung. Es war Prof. Coimbras persönlicher Wunsch, diesen Vortrag einer breiten Öffentlichkeit frei verfügbar zu machen und insofern ist er auch hier zeitlich unbegrenzt verfügbar.

Fazit und Bewertung: Das Coimbra-Protokoll ist eine interessante und für viele Patienten u.U. vielversprechende Behandlungsform. Es gibt leider noch keine Aussage darüber bzw. kein Verfahren um festzustellen, welche Patienten auf dieses Behandlungsprotokoll bei welchen Dosen von Vitamin D positiv reagieren. Forschungsprojekte dazu laufen derzeit an verschiedenen Instituten. Wenn Sie sich also mit dem Coimbra-Protokoll befassen und ggf. anfreunden wollen, nehmen Sie dringend Kontakt zu einem der ausgebildeten Protokollärzte auf. Ein Selbstversuch ohne ärztliche Begleitung könnte tödliche Folgen haben und vergessen Sie nicht, das Coimbra-Protokoll ist mehr als nur eine Hochdosis-Vitamin D-Therapie! Es schließt eine Lebensstiländerung, weitere Supplemente und die strikte Umsetzung der damit verbundenen Randbedingungen mit ein.

Ein Tipp noch für die Leser mit beschränkten Englischkenntnissen. Nutzen Sie die automatische Übersetzung bei Youtube. Hier wird z.B. beschrieben, wie das geht…..

[Der Vorspann von Prof. Spitz in der Übersetzung von Deutsch in Deutsch verspricht dann allerdings einige Lacher]


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Raus in die Sonne – aber ganz bewusst!

MS und Sonne

Eine häufige Folge der MS ist, dass Betroffene sich weniger im Freien in der Sonne aufhalten und sich vor allem weniger gern direkter Sonneneinstrahlung aussetzen wollen oder können. Sei es aufgrund erhöhter Sonnenbrandneigung oder weil sie Hitze allgemein nicht mehr gut vertragen und dann immobiler sind. Das Uhthoff-Phänomen lässt grüßen. Oft sind auch die allgemein geringere Mobilität oder, wie bei vielen Arbeitenden, das enorme „Indoor-Arbeitspensum“ unserer Zeit Gründe für den Sonnenmangel.

Wie viele inzwischen wissen, besteht dabei insbesondere die Gefahr eines zu niedrigen Vitamin D-Spiegels, der bei MS-Betroffenen aber unbedingt im höheren bis hohen Bereich liegen sollte. Doch der einfache Ersatz von Sonnenlicht durch die Supplementation von Vitamin D3 als Nahrungsergänzungsmittel (oder in extrem hohen Dosen praktisch als Medikament) vernachlässigt andere Effekte des Sonnenlichts und insbesondere des UVA- und UVB-Anteils. Supplementation ist also nur die zweitbeste Lösung, aber sicher als Ergänzung sinnvoll.

Der Effekt des Sonnenlichts ist die Summe seiner (teils noch unbekannten) Wirkungen

Sonne bedeutet mehr, als nur Vitamin D-Bildung über die Haut. Man weiß, dass sich der Vitamin D-Status im Blut nur bei kaukasisch-abstammenden Ethnien (wie den meisten hier in Deutschland) durch Sonnenexposition deutlich erhöhen lässt.

Bei afrikanisch- und lateinamerikanisch-abstammenden Ethnien funktioniert das nur beschränkt, trotzdem gibt es auch für sie ein reduziertes MS-Risiko bei intensiverer Sonnenexposition im Vergleich zu solchen Dunkelhäutigen, deren Haut dem Sonnenlicht nur wenig ausgesetzt war. Dieses verminderte Risiko für MS durch hohe Sonneneinstrahlung während der gesamten Lebenszeit ist unabhängig von jeglicher Ethnie.

Noch ist nicht klar, welche weiteren Faktoren des Sonnenlichtes bei MS für einen positiveren Krankheitsverlauf relevant sind (bzw. vor dieser Erkrankung schützen können). Aber immer klarer wird, dass die direkte Sonneneinstrahlung auf die Haut (natürlich eine Zeit lang ohne Sonnenschutz!), also der direkte Kontakt mit dem Sonnenlicht – und dies vor allem im Sommer – einen signifikanten Einfluss auf die MS haben kann und die Krankheitsaktivität reduziert. Das ist immunologisch nachweisbar!

Eine weitere Studie belegt diesen Sonnenlicht-Effekt – aber was ist hierfür verantwortlich?

Eine im März 2018 in Neurology veröffentlichte Studie eines Teams rund um Helen Tremlett (Zentrum für Gehirngesundheit und Fakultät für Medizin (Neurologie), Universität von British Columbia in Vancouver, Canada) – mit relativ vielen Krankenschwestern in den USA als Studienteilnehmerinnen (ausgewertet wurden dabei 151 MS-Fälle u. 231 Kontrollpersonen) – bestätigt nun, dass das Leben in US-Staaten mit hoher UVB-Exposition während der Kindheit und in den Jahren vor Ausbruch der MS mit einem niedrigeren MS-Risiko verbunden ist. Daher wird vermutet, dass eventuell die UVB-Strahlen der ausschlaggebende Faktor sein könnten, indem sie die die Zahl der regulatorischen Zellen (Treg) erhöhen. Evtl. ist es aber auch (zusätzlich) das komplexe Zusammenspiel zwischen Serotonin- und Melatoninbildung, welches durch das über die Augen-Retina aufgenommene Sonnenlicht gesteuert wird.

Zudem hat auch die UVA-Strahlung immunologische Effekte: Erst 1987 wurde entdeckt, daß das allgemein nur als Umweltgift bekannte Stickstoffmonoxid (NO) durch Sonnenstrahlung über die Haut produziert wird und ein wichtiger Mediator für die Regulation von Blutfluß und Plättchenfunktion ist. Kurz danach wurde auch die Bedeutung von NO als Effektormolekül der Immunabwehr und als Neurotransmitter erkannt.

Man kann also sagen: Die Natur hat sich durchaus etwas bei der Ausprägung und Nutzung des Sonnenstrahlenspektrums gedacht!

Gesunde UVB-Strahlung!?

Wie dem auch sei, Resultat der hier betrachteten Studie ist, dass die über mehrere Jahre beobachteten Frauen ein um 45 % geringeres Risiko für MS hatten, wenn sie in US-Staaten mit hoher oder höchster UVB-Strahlung lebten gegenüber denen, die in UVB-armen Regionen lebten. Wenn sie bis zu ihrem 15. Lebensjahr in der UVB-reichen Region lebten, lag ihr Risiko sogar 51% niedriger im Vergleich zu jenen, die während ihrer Kindheit nicht solch hohen UVB-Dosen ausgesetzt waren. Frauen in Regionen mit hoher UVB-Exposition, die mindestens bis zu ihrem 15. Lebensjahr während der Sommermonate zudem viele Outdooraktivitäten unternahmen, konnten sogar von einem um 55 % reduziertem Risiko profitieren, im Erwachsenenalter an MS zu erkranken, gegenüber jenen, die eher Stubenhocker waren.

Bisher waren UV-Strahlen (auch UVB) dafür gefürchtet, dass sie Hautkrebs verursachen können. Wie immer, kommt es auf die Dosis an. Aktuelle Studien zeigen, dass eine regelmäßige moderate UVB-Exposition das Hautkrebsrisiko (weißer Hautkrebs) sogar deutlich reduziert. Es gibt übrigens auch erste Hinweise darauf, dass MS-Patienten seltener an Hautkrebs erkranken als Nicht-MSler. Das gilt zumindest solange sie Sonnenbrand vermeiden und darauf achten, dass der gesamte Kopfbereich inkl. Dekollté Sonnenexposition nicht so gut verträgt! Hier ist die Hautkrebsgefahr generell höher.

Fazit:

Nutzen Sie die heilende und präventive Kraft der Sonne, vor allem in der Zeit von April – Oktober. Setzen Sie sich, wenn möglich täglich, über kurze Zeiträume 10 – 20 Minuten der Sonne mit ungeschützter Haut aus. Vermeiden Sie dabei nicht nur jeden Sonnenbrand sondern auch eine zu starke Erhitzung des Körpers. Gehen Sie lieber mehrmals täglich ins Freie, sodass Ihre Mobilität nicht über das Uhthoff-Phänomen belastet wird. Ihre Gesundheit und Ihr Immunsystem werden es Ihnen danken.

Mehr zum richtigen Umgang mit der Sonne auch bei der SonnenAllianz!

 


Quellen:

Helen Tremlett, Feng Zhu, Alberto Ascherio and Kassandra L. Munger. Sun exposure over the life course and associations with multiple sclerosis. Neurology, March 7, 2018 DOI: 10.1212/WNL.0000000000005257 [ABSTRACT]

Reichrath, J., Saternus, R., & Vogt, T. (2017). Endocrine actions of vitamin D in skin: Relevance for photocarcinogenesis of non-melanoma skin cancer, and beyond. Molecular and Cellular Endocrinology, 453, 96-102. [ABSTRACT]

[Photo by Gabe Pangilinan: https://unsplash.com/photos/L8A9vHN6PjE%5D


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