Raus an die Sonne, sie verspricht mehr Gesundheit als Vitamin D alleine

Wie wichtig das Sonnenhormon Vitamin D für die Stabilisierung und Behandlung der Multiplen Sklerose ist, haben wir ja schon ausführlich auf dieser Internetseite dargestellt. Dabei wird oft übersehen, dass der natürliche Weg der Vitamin D-Bildung zum Großteil über die UVB-Strahlung des Sonnenlichtes erfolgt. Darüber hinaus haben aber auch die anderen Strahlungsanteile der Sonne erhebliche gesundheitliche Wirkungen, die sich nicht nur auf die Vitamin D Bildung beziehen. UVA-Strahlung z.B. senkt nachweislich den Blutdruck und das Wechselspiel zwischen Serotonin- und Melatonin-Bildung im Körper wird durch den Tageslichtanteil des Sonnenspektrums maßgeblich beeinflusst. Wie auch schon in unserem Faktenblatt zum Thema “Sonne, Vitamin D und MS” dargestellt, ist also die Vitamin D-Supplementierung nur “die halbe Miete”. Kein Wunder übrigens, denn die Sonne war und ist ein wesentlicher Faktor der Evolution und bei bewusstem Genuss keine Bedrohung, sondern lebenswichtig.

Die Wirkung und Wichtigkeit des Sonnenlichts bei MS wird durch eine aktuelle Multizentren-Studie noch einmal deutlich unterstrichen. Die Autoren um Ostkamp et. al. [1] wiesen nach, dass ein erhöhtes Krankheitsrisiko für Multiple Sklerose (MS) ist mit einer reduzierten Sonnenexposition verbunden ist.

Diese Studie untersuchte die Beziehung zwischen Messungen der Sonnenexposition (Vitamin D, Breitengrad) und dem Schweregrad der MS im Rahmen von zwei multizentrischen Kohortenstudien (NationMS = 946 Teilnehmer, BIONAT = 990 Teilnehmer). Zusätzlich wurde die Effektmodifikation durch Medikamente und erhöhte Photosensitivität untersucht. Ein hoher Serum-Vitamin D-Wert war assoziiert mit einem reduzierten MS-Schweregrad-Score (MSSS), einem reduzierten Risiko für Schübe und geringerer Behinderungsakkumulation über die Zeit. Ein niedriger Breitengrad war assoziiert mit höherem Vitamin D-Level, niedrigerem MSSS, weniger Gadolinium-anreichernden Läsionen und geringerer Akkumulation der Behinderung. Die Assoziation des Breitengrades mit der Behinderung fehlte bei IFN-β-behandelten Patienten. Bei Patienten, die eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht aufwiesen, war ein niedrigerer Breitengrad mit einer höheren MRI -Aktivität assoziiert, während bei unempfindlichen Personen eine geringere MRI-Aktivität in niedrigeren Breitengraden auftrat.

In einem weiteren explorativen Ansatz wurde der Effekt von (UV)-Phototherapie auf das Transkriptom von Immunzellen von MS-Patienten anhand von Proben aus einer früheren Studie untersucht. Die Phototherapie induzierte eine Vitamin-D und Typ I IFN-Signatur (eine erhöhte Expression von Vitamin D und Typ I IFN-regulierten Genen), die am deutlichsten in in Monozyten, die aber auch in B- und T-Zellen nachgewiesen werden konnte. Die Typ I IFN-Signatur ist ansonsten bei MS-Patienten generell abgeschwächt.

Die Autoren kommen zu folgendem Schluss:

Zusammengefasst, deutet unsere Studie auf positive Effekte der Sonnenexposition auch bei einer etablierten MS hin, wie durch ein korrelatives Netzwerk zwischen drei Faktoren gezeigt wurde: Breitengrad, Vitamin D und Krankheitsschwere. Außerdem könnte eine direkte Induktion von Typ I IFNs durch Sonnenexposition ein weiterer Mechanismus der UV-vermittelten Immunmodulation bei MS sein.

Allerdings könnte die Sonnenexposition nachteilig für lichtempfindliche Patienten sein.

Was bedeutet das nun für Betroffene?

Zusätzlich zur inzwischen weitgehend etablierten Supplementierung von Vitamin D bei MS-Betroffenen, ist die regelmäßige Nutzung bzw. der bewusste Genuss der Sonnenstrahlung für 10 – 20 Minuten täglich eine weiterer unterstützender Lebensstilfaktor bei der selbstverantwortlichen, lebensstil-orientierten Behandlung der MS.

Wichtig ist dabei, dass die Sonnenexposition regelmäßig und in kurzen Zeiträumen auf unbedeckter Hautoberfläche erfolgt. Sonnenbrände sind dabei unbedingt zu vermeiden, um das Risiko für Hautkrebs und eine verstärkte Hautalterung nicht zu erhöhen.

Hinweise zur bewussten, gesundheitsfördernden und sicheren Nutzung des Sonnenlichts finden sich hier:

Tipps zum richtigen Sonnen bei der SonnenAllianz….

Für MS-Betroffenen spielt natürlich auch das Uthoff-Phänomen eine Rolle, das heißt die wärmeinduzierte, zeitlich begrenzte Zunahme der MS-Symptomatik über den Zeitraum der Körpererwärmung. Insofern ist insbesondere an heißen Tagen Vorsicht geboten, sodass dann eher kürzere Zeiträume der Sonnenexposition von wenigen Minuten ggf. mit 1 – 2 Wiederholungen empfehlenswert sind und sich somit umsetzen lassen.

In diesem Sinne bleiben Sie gesund und nutzen die Kraft der Sonne. Nichts wie raus!

Ihr

Life-SMS Team


Referenzen:

[1] Ostkamp, P., Salmen, A., Pignolet, B., Görlich, D., Andlauer, T., Schulte-Mecklenbeck, A., Gonzalez-Escamilla, G., Bucciarelli, F., Gennero, I., Breuer, J., Antony, G., Schneider-Hohendorf, T., Mykicki, N., Bayas, A., Then Bergh, F., Bittner, S., Hartung, H. P., Friese, M. A., Linker, R. A., Luessi, F., … German Competence Network Multiple Sclerosis (KKNMS) and the BIONAT Network (2021). Sunlight exposure exerts immunomodulatory effects to reduce multiple sclerosis severity. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 118(1), e2018457118. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33376202/


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Online Webinar zum Lebensstil bei MS: Overcoming MS meets MS Ambulanz des UKE am 22.4.

Das Projekt OMS (Overcoming Multiple Sclerosis) war in den Jahren 2013 und 2014 ein wesentlicher Ideengeber für Life-SMS. Insofern ist das für den 22.4. um 17:00 Uhr geplante Online Webinar mit der UKE sicherlich eine interessante Gelegenheit das Thema Ernährung aktuell zu beleuchten.

Lebensstil und Ernährung bei MS – welche Empfehlungen lassen sich aus der Wissenschaft ableiten? Was kann man selbst tun, um ein möglichst aktives, gesundes Leben mit MS zu führen? Linda Boueke, Ambassador in Hamburg für Overcoming MS, präsentiert online das weltweit erprobte, evidenzbasierte Lifestyle Programm von OMS (nach Professor Dr. George Jelinek). Als Diskussionspartnerin hat sie Frau Dr. Karin Riemann-Lorenz, Oecotrophologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin in der MS Ambulanz des UKE, eingeladen. Sie stellt die aktuelle wissenschaftliche Lage und ihre daraus abgeleiteten Empfehlungen zur Ernährung bei MS vor. Es können Fragen im Chat gestellt werden.

Termin: 22.4.2021, 17-18.30 Uhr, über Zoom.


Bei Interesse schicken Sie einfach bis zum 20.4. eine Mail an die Adresse OMSAmbassadorHamburg@gmail.com dann schickt Ihnen die Organisatorin gerne eine Einladung zu.


Mehr zu OMS finden Sie auch unter: Neues von George Jelinek: OMS – Das evidenzbasierte Erholungsprogramm in 7 Schritten


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Hochdosiertes Biotin bei progressiver Multipler Sklerose – eine verblassende Hoffnung

Biotin (auch bekannt als Vitamin B7 oder Vitamin H) ist ein Cofaktor verschiedener Stoffwechselenzyme. Es ist wichtig für den Krebs-Zyklus: eine Reihe von chemischen Reaktionen, die in den Mitochondrien stattfinden, um Energie zu produzieren – genauer gesagt ATP, die Energieversorgung der Zelle. Es ist auch wichtig für die Synthese von Fettsäuren, die das Myelin bilden. In-vitro-Daten aus Astrozyten-Kulturen (die Mehrheit der Gliazellen im zentralen Nervensystem sind Astrozyten) haben zuvor eine therapeutische Wirkung von Biotin auf die Myelin-Integrität nahegelegt.

Hohe Dosen von Biotin haben sich als therapeutische Option bei der sogenannten „Biotin responsive basal ganglia disease“ erwiesen, einer neuro-metabolischen Erkrankung, die durch Mutationen im SLC19A3-Gen, das für einen Thiamintransporter kodiert, verursacht wird (1). Patienten mit Optikusneuropathien und Leukoenzephalopathien (Erkrankungen der weißen Substanz des Gehirns) sprachen ebenfalls auf hochdosiertes Biotin (HDB) an, was auf eine neue Form der „biotin-sensitiven Leukodystrophie“ schließen lässt (2).

Strukturformel von Biotin
Biotin Strukturformel

Basierend auf diesen Beobachtungen wurde die Hypothese aufgestellt, dass die Verabreichung von hochdosiertem Biotin (HDB) die Myelinreparatur fördert und vor Neurodegeneration schützt. Infolgedessen könnte es eine Behandlungsstrategie für progressive Multiple Sklerose (PMS) darstellen.

Im Jahr 2015 wurden in einer französischen Open-Label-Pilotstudie 23 Patienten mit PMS (entweder primär oder sekundär) mit 100 bis 600 mg/d (einer extrem hohen Dosis) Biotin für 2 bis 36 Monate (durchschnittlich 9 Monate) behandelt. Die Ergebnisse legten nahe, dass Biotin bei einigen Patientinnen die klinischen Folgen verbessern und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen könnte (3).

Im Jahr 2016 wurde eine randomisierte Studie veröffentlicht (die MS-MPI-Studie), die zeigte, dass 300 mg Biotin pro Tag in der Lage war, MS-bedingte Behinderungen bei 12,6 % der PMS-Patienten rückgängig zu machen und das Fortschreiten der Krankheit zu verringern (basierend auf EDSS). Dies war die einzige erfolgreiche Phase-3-Studie mit einem Medikament, von dem man annahm, dass es über einen anderen Mechanismus als Immunmodulation oder Immunsuppression wirkt. Dies wurde von den MS-Forschern als sehr bedeutsam erachtet und stimulierte weitere Studien, um die Wirksamkeit der Behandlung zu beweisen. Außerdem war Biotin sehr gut verträglich – es wurden keine Nebenwirkungen beschrieben. Es gab nur eine wichtige Sicherheitsbeobachtung:  HDB interferiert mit Biotin-basierten Labortests und kann daher das Schilddrüsenscreening, den Troponin-Test (Herzinfarktdiagnose) und andere Tests verändern. Es wurde auch über eine höhere Anzahl neuer oder sich vergrößernder MRI-Läsionen (Magnetresonanztomographie) in der Gruppe berichtet, die Biotin erhielt (ohne klinische Korrelation), was Bedenken hinsichtlich einer möglichen pro-inflammatorischen Wirkung von Biotin aufkommen ließ (4).

Seitdem sind verschiedene Studien mit kontroversen Ergebnissen veröffentlicht worden.  In einigen Studien zeigte die Behandlung mit HDB eine Verbesserung der neurologischen Symptome oder eine Verzögerung der Progressionsrate.  Andere Studien beschrieben keine Effekte oder sogar eine erhöhte Krankheitsaktivität (wie mehr aktive Läsionen im MRT) in der Interventionsgruppe.

Eine neue Phase-3-Studie (die SP12-Studie) wurde konzipiert, um die in der MS-SPI-Studie gemachten Beobachtungen zu replizieren und zu erweitern: die Verbesserung der Behinderungsergebnisse bei Patienten mit PMS. Es waren dieselben Autoren der vorherigen Studie beteiligt und sie waren sich ziemlich sicher, dass ähnliche Ergebnisse erzielt werden würden. Also wurden 642 Patienten randomisiert, um 2 Jahre lang das gleiche HDB-Medikament (MD1003) zu erhalten, das in der MS-SPI-Studie verwendet wurde. Die Ergebnisse wurden im November 2020 veröffentlicht, aber sie waren leider enttäuschend – HDB zeigte keine Vorteile im Vergleich zu Placebo und die Autoren kamen zu dem Schluss, dass HDB nicht zur Behandlung von PMS empfohlen werden kann (5).

Ist das das Ende des Weges mit Biotin in der MS-Behandlung?

Es gibt einige Punkte zu beachten:

  1. Die in all diesen Studien verwendete Dosis ist eine extrem hoch. In der Nahrung wird Biotin in Mikrogramm gefunden und in den meisten Nahrungsergänzungsmitteln, ist es nicht höher als 10 mg (10.000 mcg) dosiert. Aber die durchschnittliche Dosis, die in den Studien verwendet wurde, betrug 300 mg (300.000 mcg!!!). Vielleicht war das zu viel und ggf. spielt Biotin eine Rolle bei MS, aber nicht in einer so hohen Dosis. Als B-Vitamin ist es auf jeden Fall relevant für die Nervengesundheit.
  2. Es stimmt, dass die überwiegende Mehrheit der Personen mit PPMS in verschiedenen Kohorten nicht auf eine Biotintherapie ansprach. Aber auch in den Studien mit „negativen“ Ergebnissen, d. h. ohne statistisch relevante Nachweise, zeigten einige Patientinnen und Patienten eine Verbesserung der klinischen und/oder evolutiven Parameter.
  3. Biotinidase-Mangel: Biotinindase ist ein Enzym, das für die Abspaltung von Biotin aus körpereigenen und Nahrungsproteinen verantwortlich ist, um es für Stoffwechselreaktionen zu nutzen. Biotinidase-Mangel ist eine genetische Störung, die zu einem unterschiedlich starken Biotinmangel führt. Es gibt eine zunehmende Anzahl von Berichten über Personen, bei denen zunächst angenommen wurde, dass sie an Multipler Sklerose oder verwandten Krankheiten litten, die aber tatsächlich einen tiefgreifenden Biotinidase-Mangel hatten und auf eine relativ hohe Biotin-Dosis (10-20 mg/Tag) ansprachen (6,7). Es ist leicht zu vermuten, dass die in Studien eingeschlossenen Patienten, die auf eine Biotintherapie ansprachen, wahrscheinlich nicht an PPMS, sondern an Biotinidase-Mangel oder beidem litten. Aus diesem Grund sollte allen Patienten, die auf MS untersucht werden, ein enzymatischer Serumtest auf Biotinidase-Mangel vorgeschlagen werden. Könnte also ein Biotinidase-Mangel die in früheren MS/HDB-Studien beobachteten Fälle von Besserung erklären? Diese Frage muss noch beantwortet werden.
  4. Der Einfluss der HDB-Therapie auf Laborwerte ist nicht zu unterschätzen. Nicht nur Schilddrüsenhormon-Tests, sondern auch Prostata-Antigen und Vitamin D sind betroffen. Schwerwiegendere Folgen kann der Einfluss auf Troponin-Messungen haben, die zur Diagnose eines Herzinfarkts verwendet werden. In diesem Fall kann die Fehldiagnose eines solchen medizinischen Notfalls schwerwiegende Folgen haben.

Fazit:

Biotin ist wichtig für den Stoffwechsel der Nervenzellen und die Integrität des Myelins. Es kann eine Rolle bei der Behandlung von MS spielen, aber eine extrem hohe Dosis kann einen Umkehreffekt haben, die Entzündungsreaktion und die Krankheitsaktivität erhöhen. Bisher gibt es nicht genügend Beweise, um HDB für die Behandlung von PPMs einzusetzen, aber es kann die Symptome bei einer kleinen Gruppe von Patienten verbessern. Patienten, die an Biotinidase-Mangel leiden, werden sicherlich von einer Biotin-Behandlung profitieren, und da diese genetische Erkrankung MS-Symptome nachahmen kann, sollte der Genfehler bei allen MS-Patienten untersucht werden. Bitte beachten Sie unbedingt, dass HDB einige Labortests, einschließlich Schilddrüsenwerte und Herzenzyme, verändern kann.

Betroffene, die bisher positive Erfahrungen mit HDB gemacht haben, sollten insofern unbedingt untersuchen lassen, ob Sie unter einem Biotinidase-Mangel leiden und dann mit ärztlicher Begleitung die Biotineinnahme – in einer nachjustierten Dosierung – fortführen.

Abschließend ist hinzufügen, dass frühere Artikel zu diesem Thema auf diesem Kanal veraltet sind und nicht mehr den aktuellen Wissensstand wiedergeben. Aber das ist eine Eigenschaft wissenschaftlicher Ergebnisse. Sie müssen immer sorgfältig geprüft und wenn nötig in Frage gestellt werden. Trotzdem werden wir hier immer auch über neueste Forschungen berichten, damit Betroffene Chancen zu einem frühen Zeitpunkt erkennen und eigenverantwortlich mit entsprechender therapeutischer Begleitung wahrnehmen können.

Referenzen:

  1. Tabarki, B et al. Biotin-responsive basal ganglia disease revisited Clinical, radiologic and genetic findings. Neurology Jan 2013, 80 (3) 261-267
  2. Sedel, F et al. A novel biotin sensitive leukodystropy. J Inherit Metab. Dis 2011; 34-S267
  3. Sedel F et al. High doses of biotin in chronic progressive multiple sclerosis: a pilot study. Mult Scler Relat Disord. 2015 Mar;4(2):159-69.
  4. Tourbah, A et al. MD1003 (high-dose biotin) for the treatment of progressive multiple sclerosis: A randomized, double-blind, placebo-controlled study. Multi Scler 2016 Nov; 22(13):1719-1731
  5. Cree BAC et al. Safety and efficacy of MD1003 (high-dose biotin) in patients with progressive multiple sclerosis (SPI2): a randomised, double-blind, placebo-controlled, phase 3 trial. Lancet Neurol. 2020 Dec;19(12):988-997.
  6. Bottin L e al. Biotinidase deficiency mimicking neuromyelitis optica: Initially exhibiting symptoms in adulthood. Mult Scler. 2015 Oct;21(12):1604-7
  7. Deschamps R. Adult-onset biotinidase deficiency: two individuals with severe, but reversible optic neuropathy. J Neurol Neurosurg Psychiatry. 2018 Sep;89(9):1009-1010.
  8. Wolf B. Any individual with multiple sclerosis who markedly improves neurologically with high-doses of biotin should be evaluated for biotinidase deficiency. Mult Scler J Exp Transl Clin. 2020 Apr 29;6(2):205.

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Life SMS und sonst so – Teures Teva-Medikament: EU-Kommission leitet Kartellverfahren ein


An dieser Stelle weisen wir auf aktuelle Beiträge aus dem Netz hin, die einen engen Bezug zu unserem Kernthema lebensstil-orientierte und eigenverantwortliche Behandlung der MS haben. Die dort wiedergegebenen Meinungen dienen als Anregung zur kritischen Auseinandersetzung. Sie entsprechen nicht zwingend den von uns vertretenen Positionen, sind aber in allen Fällen eine Bereicherung der Diskussionsgrundlage. Neuerdings verweisen wir am Ende auch auf aktuelle frei verfügbare Studien – machen Sie sich selbst ein Bild!

Zur Info vorab: Die aktuelle Veröffentlichung „MS ist keine Einbahnstraße: Mehr Geschichten aus dem wahren Leben mit Multipler Sklerose“ ist nun auch im ePUB-Format zum Download verfügbar. Hier geht’s zum Download…


Teures Teva-Medikament: EU-Kommission leitet Kartellverfahren ein [augsburger-allgemeine.de, 4.3.2021]

Die EU-Kommission ermittelt wegen möglicher Wettbewerbsverzerrung bei einem Multiple-Sklerose-Medikament gegen den Pharmakonzern Teva. Es werde geprüft, ob Teva die Einführung preiswerter Konkurrenzprodukte zu seinem Kassenschlager Copaxone rechtswidrig verzögert habe, teilte die Brüsseler Behörde am Donnerstag mit.

 

Gut gegen Multiple Sklerose: Körper profitiert von Sonnenlicht [idw-online.de; 14.1.2021]

„Sonnenlicht beeinflusst den Schweregrad der MS offenbar positiv“, erklärt Prof. Dr. Nicholas Schwab von der Klinik für Neurologie in Münster und Leiter der groß angelegten Untersuchung.

 

Multiple-Sklerose-Spezialisten nehmen Stellung zur mRNA-Impfung [univadis.de/, 11.1.2021]

Die neue Technik der mRNA-Vakzinierung, die gegenwärtig so erfolgreich als Covid-Impfung eingesetzt wird, ist nicht ohne weiteres auf Erkrankungen wie die Multiple Sklerose übertragbar. Dies betonen Neurologen und MS-Experten des Kompetenznetzes Multiple Sklerose in einer aktuellen Stellungnahme.

 

Wie eine Ärztin trotz Multipler Sklerose wieder laufen lernte [sz-magazin.sueddeutsche.de, 8.1.2021]

Nur wenige Jahre nach ihrer MS-Diagnose saß die US-Medizinprofessorin Terry Wahls bereits im Rollstuhl. Geheilt ist sie heute nicht, aber sie hat die Erkrankung im Griff – weil sie verstand, welche Rolle Stress und Ernährung in ihrem Fall gespielt haben.

 

Multiple Sklerose: 2 Rote-Hand-Briefe [doccheck.com, 12.11.2020]

Fingolimod und Dimethylfumarat: Für diese Medikamente zur Behandlung von Multipler Sklerose wurden nun Rote-Hand-Briefe veröffentlicht.

 

An Overview of Muscle Twitches – Multiple sclerosis is one possible cause [verywellhealth.com/ 30.11.2019]

Muscle twitching occurs when nerves misfire, causing groups of muscle fibers to contract. This is common to multiple sclerosis (MS), due to nerve fiber damage that affects signaling between your nerves and muscles.

 


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Die kurzkettige Propionsäure beweist erneut ihr Potential in der MS-Behandlung

Über die entscheidende Rolle der Darmmikrobiota (Darmflora) oder übergreifend des Mikrobioms haben wir schon des Öfteren berichtet. Eine Veröffentlichung aus dem letzten Jahr [1] unterstreicht noch einmal das Potential der Supplementierung mit kurzkettigen Fettsäuren bei der MS-Therapie. Die Autoren Alexander Duscha et. al. von der Ruhr-Universität Bochum weisen nach, dass Propionsäure den Krankheitsverlauf der Multiplen Sklerose durch einen immunmodulatorischen Mechanismus positiv beeinflusst.

Die Zusammenhänge sind in der nachfolgenden Infografik übersichtlich dargestellt:

 

Effekte der Propionsäure-Supplementierung bei MS Patienten nach [1]

Kurzkettige Fettsäuren und Studiendesign

Kurzkettige Fettsäuren werden von Darmbakterien aus unverdaulichen Nahrungsfasern verarbeitet und haben immunmodulatorische Eigenschaften. Die Autoren untersuchen die Effekte der Propionsäure (PA) bei Multipler Sklerose (MS). Serum und Stuhl von Probanden mit MS wiesen im Vergleich zu Kontrollen signifikant reduzierte PA-Mengen auf, insbesondere nach dem ersten Schub. In einer “Proof-of-Concept-Studie” verabreichten die Forscher PA (500 mg, 2 x täglich) an therapienaive MS-Patienten (Patienten, die bisher noch nicht behandelt wurden) und als Zusatz zu einer MS-Immuntherapie. Nach 2 Wochen PA-Einnahme wurde ein signifikanter und anhaltender Anstieg von funktionell kompetenten regulatorischen T-Zellen (Treg) beobachtet , während gleichzeitig die entzündungsfördernden Th1- und Th17-Zellen signifikant abnahmen. Mathematische Signifikanzanalysen zeigten eine reduzierte jährliche Schubrate, eine Stabilisierung des Behinderungsgrades und eine reduzierte Hirnatrophie (Abnahme des Gehirnvolumens) nach 3 Jahren PA-Einnahme. Eine funktionelle Mikrobiomanalyse zeigte zudem eine erhöhte Expression von Treg-Zell-induzierenden Genen im Darm nach PA-Einnahme. Außerdem normalisierte PA die mitochondriale Funktion und das Erscheinungsbild (Morphologie) der Treg-Zellen bei MS.

Schlussfolgerungen

Zusammenfassend kommen die Autoren zu dem Schluss, dass diese Studie, an der etwa 300 Personen mit MS teilnehmen, eindeutig eine dysbiotisches (fehlbesiedeltes) Darmmikrobiom und gleichzeitig einen Propionsäuremangel bei MS-Betroffenen nachwies. Die Propionsäure-Supplementierung hatte einen positiven Effekt auf immunologische, neurodegenerative und klinische Parameter bei MS-Patienten, einschließlich der Schubrate und des Fortschreitens der Behinderung.

Fazit: Insgesamt gehören das Darmmikrobiom und die Darmmikrobiota [2] zu den entscheidenden Faktoren in der Ätiologie (Ursachenforschung) bei der Multiplen Sklerose. Durch die Gabe von kurzkettigen Fettsäuren, in diesem Fall der Propionsäure, lassen sich Fehlbesiedelungen des Darms zu einem messbaren Teil beheben und positive immunmodulatorische Effekte auslösen. Patentienten sollten aber unbedingt beachten, dass klinische Effekte wie die Reduktion der Schubrate oder die Stabilisierung des Behinderungsgrades erst mittelfristig und langfristig auftreten und die Einnahme der Propionsäure insofern kontinuierlich oder zumindest über einen langen Zeitraum erforderlich ist.

 

Referenzen:

[1] Duscha et al., Propionic Acid Shapes the Multiple Sclerosis Disease Course by an Immunomodulatory Mechanism, Cell (2020), https://doi.org/10.1016/j.cell.2020.02.035

[2] Faktenblatt Darmflora und MS (DSGiP 2015)

 


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Stoffwechselverbesserungen und Reduktion des Oxidationszustandes mit ketogener Ernährung bei MS-Patienten

Über die Chancen einer ketogenen Ernährungsweise bei MS-Betroffenen haben wir schon des Öfteren berichtet (siehe auch: Was ist eigentlich ketogene Ernährung – Chancen bei der Behandlung der MS?).

Eine neuere Studie hat sich mit dem Sättigungseffekt einer ketogenen Diät und ihrer Auswirkung auf die Stärkung der Muskulatur und den Oxidationszustand bei Multiple-Sklerose-Patienten beschäftigt [1].

Hintergrund

Es ist nachgewiesen, dass Multiple Sklerose (MS) Energiegewinnungsstörungen auf mitochondrialer Ebene – also im Energiezentrum der Zellen – hervorruft, die mit dem Verlust von Muskelmasse verbunden sind. Ketonkörper, hauptsächlich Beta-Hydroxybutyrat (BHB), beseitigen diese Energieversorgungsstörungen wieder und bewirken Sättigung, Veränderungen in der Körperzusammensetzung (u.a. Fett- und Muskelmasse) und eine Abnahme des hormonabhängigen Hungergefühls. Verantwortlich für letzteres ist die verminderte Bildung von Ghrelin im Zustand der Ketose (Fastenstoffwechsel). Ghrelin ist ein appetitanregendes Peptid, welches in der Bauchspeicheldrüse und der Magenschleimhaut produziert wird. Ziel dieser Studie war es, mögliche Verbesserungen der Körperkomposition und des Oxidationsniveaus bei Patienten mit MS durch die sättigende Wirkung einer ketogenen Diät nachzuweisen.

 

Fettstoffwechsel und MCTs –aus Faktenblatt Zucker und Multiple Sklerose
Fettstoffwechsel und MCTs –aus Faktenblatt Zucker und Multiple Sklerose [2]

Ketonkörper haben neuroprotektive Wirkungen bei energetischen Störungen auf mitochondrialer Ebene, die bei verschiedenen neurologischen Erkrankungen, wie Epilepsie, Parkinson oder Alzheimer sowie Multipler Sklerose nachgewiesen wurden. Diese Neuroprotektion beruht auf verschiedenen Mechanismen. Zum einen ist der Ketonkörper Beta-Hydroxybutyrat (BHB) in der Lage, bestimmte Rezeptoren zu aktivieren, die zur Aufrechterhaltung der Homöostase beitragen und bei Stoffwechsel- und Entzündungsstörungen positiv wirken.

Zum anderen können ketogene Diäten Veränderungen in der Art und Weise bewirken, wie das Gehirn mit Energie versorgt wird, indem sie die Transporter für mittelkettige Triglyceride oder auch MCT (mittelkettige Fettsäuren) erhöhen und den Glukosetransporter verringern, die für den Transfer von Ketonkörpern bzw. Glukose durch die Blut-Hirn-Schranke (BHS) verantwortlich sind. Eine möglicherweise bestehende Insulinresistenz der Gehirnzellen wird damit umgangen [2]. Dies gilt insbesondere im Hippocampus und im präfrontalen Kortex, Regionen, die bei MS-Patienten beeinträchtigt sind. Darüber hinaus sind Ketonkörper an weiteren Mechanismen beteiligt, die mit der Muskelfunktion zusammenhängen. So hat BHB mehrfache Effekte, die es zu einem Stoffwechselprodukt machen, das Oxidationsstress und Entzündungen reguliert, welche charakteristische Hauptfaktoren sind, die mit Muskelschwund verbunden sind. Daher zeigen Ketonkörper muskelaufbauende (anabole) und den Muskelabbau hemmende (antikatabole) Aktivität im Skelettmuskel, dies gilt insbesondere für BHB. Schließlich stellen Ketonkörper die Aktivität die Zellatmungskette wieder her, die bei MS verschlechtert ist.

Die Studie

Die Pilotstudie wurde mit 27 MS-Patienten durchgeführt, die 4 Monate lang eine mediterrane isokalorische (gleicher Kaloriengehalt) und ketogene Diät erhielten. Es wurden anthropometrische Messungen (Körperumfang, Bauchfett & Co.) durchgeführt sowie das Sättigungs- und Hungerempfinden bewertet. Zusätzlich wurden BHB und andere Oxidationsmarker gemessen und das Ghrelin bestimmt. Alle Messungen wurden vor und nach der Intervention durchgeführt.

Die Autoren kommen zu folgender Schlussfolgerung:

Eine ketogene Diät erhöht die fettfreie Muskelmasse bei gleichzeitiger Abnahme der Fettmasse und verringert Entzündungen und Oxidation bei MS-Patienten, möglicherweise auch als Folge einer Erhöhung des Sättigungsgefühls und einer Abnahme des Hungergefühls.

Diese Veränderungen könnten mit der Verbesserung des metabolischen Profils der Patienten zusammenhängen, was sich in einem Anstieg der Werte zeigte, die mit weniger Oxidation und Entzündung einhergehen. Die gezeigten Stoffwechselveränderungen und Veränderungen der Körperzusammensetzung können einen positiven Einfluss auf die klinische Entwicklung der MS haben. Folglich könnte diese Art der Ernährung eine therapeutische Alternative darstellen, indem sie andere Behandlungsformen ergänzt.

Fazit:

Eine ketogene Ernährungsweise bietet bei MS durchaus Chancen, gerade mit Blick auf die Minimierung und den Stopp des entzündlichen, degenerativen Zweiges der Erkrankung. Wie alle spezifischen Ernährungsformen, ist sie weder eine Wunderdiät noch ist sie eine „One fits for all – Methode“. Jeder Stoffwechsel ist patientenspezifisch. Während die einen gut mit der Diät zurechtkommen, führt sie bei anderen zu erheblichen Einschränkungen des Wohlgefühls und kann nicht längerfristig umgesetzt werden. Im Zweifel sollte ärztliche Beratung oder die eines erfahrenen Ernährungscoaches eingeholt werden. Zumindest sollte man sich über Fachliteratur über die Hintergründe und Umsetzung von streng kohlenhydratarmen Ernährungsweisen informieren [3].

 

Referenzen und weitere Infos:

[1] Benlloch, M. et al. (2019) ‘Satiating effect of a ketogenic diet and its impact on muscle improvement and oxidation state in multiple sclerosis patients’, Nutrients. MDPI AG, 11(5). doi: 10.3390/nu11051156.

[2] Faktenblatt Zucker und Multiple Sklerose: DSGIP Life-SMS Projekt 2015

[3] Wahl, Terry, Dr.: Wahls, Terry: Multiple Sklerose erfolgreich behandeln – mit dem Paläo-Programm. Kirchzarten: VAK Verlags GmbH, 2014.

 

 

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MS ist keine Einbahnstraße: 2te und erweiterte Auflage – zum freien Download

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist geschafft, wir haben das Jahr 2021 erreicht und hoffen alle, dass die bedrückende Zeit der Einschränkungen und Ängste im Laufe des Jahres überwunden werden kann. Wir wünschen Ihnen jedenfalls ein in jeder Hinsicht glückliches und gesundes neues Jahr.

Pünktlich zum Jahresbeginn können wir Ihnen eine in jedem Fall erfreuliche Nachricht überbringen. Gut zwei Jahre ist es her, dass wir die erste Sammlung mit persönlichen Erfolgsgeschichten MS-Betroffener veröffentlicht haben. Schon damals hatten wir angekündigt, dass diese Sammlung keine Eintagsfliege sein soll, sondern die kontinuierliche Erweiterung geplant ist. Die erweiterte zweite Ausgabe liegt nun vor und umfasst weitere 8 sehr individuelle Geschichten über den selbstbestimmten Umgang mit der MS-Erkrankung. Das E-Book steht ab sofort der Allgemeinheit zum freien Download im PDF-Format zur Verfügung. Eine EPUB-Version ist in Arbeit.

Unser besonderer Dank gilt den nunmehr 15 Autorinnen und Autoren, die in großer Offenheit und oft sehr emotional über ihren ganz persönlichen Weg im Umgang mit der Erkrankung schreiben. Sie wollen damit Hoffnung und Anregungen für den Gesundungsweg anderer Betroffener vermitteln. Die Geschichten sollen ihnen nach wie vor dabei helfen, das Dogma der Unheilbarkeit von Autoimmunerkrankungen kritisch zu hinterfragen und sie zur Beschreitung des eigenverantwortlichen Weges zum Umgang mit dieser, aber natürlich auch anderer chronischer Erkrankungen zu motivieren.

Sie erhalten das E-Book nach dem “Pay as you like”-Prinzip ab sofort über diese Seite:

Download MS ist keine Einbahnstraße – 2. erweiterte Ausgabe 2020

Schon im 13ten Jahrhundert erkannte Thomas von Aquin: “Gesundheit ist weniger ein Zustand als eine Haltung. Und sie gedeiht mit der Freude am Leben.” Lassen Sie sich also nicht von Ihrem Weg abbringen, akzeptieren Sie gewisse Einschränkungen, lassen Sie sich Zeit und genießen Sie das Leben. Therapiestress ist auf Ihrem Genesungsweg mindestens genauso schädlich wie anderweitiger Stress.

Abschließend danken wir ganz herzlich den vielen Spenderinnen und Spendern, die unser Projekt über Jahre kontinuierlich finanziell unterstützen für Ihr Vertrauen und Ihren substantiellen Beitrag. Ohne Sie wäre unser Projekt nicht lebensfähig. Bleiben Sie gesund und seien Sie gespannt auf Neues im Jahr 2021!

Ihr

Life-SMS Team

Nachlese zwischen den Tagen und einen guten Rutsch ins Jahr 2021…

Lieber Life-SMS/lsms Fans und Follower!

Was für ein Jahr liegt nun fast hinter uns!? Jede und jeder hat in diesem Jahr sicherlich ganz eigene ungewohnte und unerwartete Erfahrungen gemacht und das nicht nur im positiven Sinne. Es bleibt vielleicht die Erkenntnis, dass das Leben nicht komplett planbar ist und es sehr auf den persönlichen “Mindset” ankommt in welcher Form innere und äußere Krisen bewältigt werden können.

MS-Betroffenen sprechen wir damit sicher aus der Seele und man würde sich wünschen, dass auch Nichtbetroffene anfangen würden, über den Zusammenhang zwischen Lebensstil und Erkrankung einmal etwas genauer nachzudenken.

Photo by Raisa Milova on Unsplash

Auch in diesem Jahr haben wir wieder einiges veröffentlicht, was derartige Zusammenhänge aufzeigt und Ansätze zum selbstverantwortlichen Umgang mit der MS aufzeigt. Und da die Tage noch kurz sind und der Winter so langsam doch näher kommt, gibt es ggf. die Gelegenheit nachzulesen, was sich bei Life-SMS so getan hat. Die Top 15 der meistgelesenen Beiträge im Jahr 2020 sind somit nachfolgend noch einmal aufgeführt:

  1. Impfen alleine ist nicht die Lösung: Schützen Sie sich vor Atemwegsinfektionen, gerade bei MS
  2. Empfohlener Videoblog: MS mit-ilke – Der Schubnotfallplan auch ohne Kortison
  3. Vibrationstraining verbessert den Behinderungsgrad bei Multipler Sklerose: Ergebnisse einer Pilotstudie
  4. Krebs bei Multiple-Sklerose-Patienten: die Auswirkungen krankheitsmodifizierender Therapien
  5. Das Coimbra-Protokoll: Praxis-Test bestanden oder toxisch bedenklich?
  6. Curcumin als Therapeutikum bei MS sinnvoll nutzen
  7. Magnesiumverbindung für das Gehirn
  8. Wider die Borniertheit: Interventionsstudien und andere Quellen bei MS
  9. Die fünfte Säule der Überwindung von Autoimmunerkrankungen wie MS – Darmgesundheit
  10. Autophagie: Den äußerst segensreichen Wartungsmodus nutzen
  11. Was ist das Endocannabinoid-System? Eine Einführung mit Blick auf die MS (I)
  12. Das Endocannabinoide-System: Eine Einführung mit Blick auf die MS (II)
  13. Gastbeitrag: Durchtauchen – wie wir gelassen durch die Krise kommen
  14. Gastbeitrag: Hypnotherapie bei MS – Behandlung von Körper, Geist und Seele
  15. Helfen Medikamente gegen Fatigue bei Multipler Sklerose? Nicht besser als Placebo!

Vielleicht ist ja der ein oder andere Punkt dabei, den Sie verpasst haben oder bei dem Sie über eine nähere Beschäftigung mit der Thematik nachdenken.

Auch in diesem Jahr danken wir unseren Unterstützerinnen und Unterstützern – sei es in Form von Spenden oder inhaltlichen Beiträgen – herzlich für die großzügige Förderung des Projektes. Nur mit Ihrer Hilfe gelingt es das Projekt lebensfähig zu halten und auf dem aktuellen Stand zu halten. Ein lebendiger Ausdruck dieser Unterstützung ist die in wenigen Tagen anstehende allgemeine Veröffentlichung von:

“MS ist keine Einbahnstraße – Mehr Geschichten aus dem wahren Leben mit Multipler Sklerose – 2te und erweiterte Auflage”

Diese zweite und erweiterte Ausgabe umfasst nunmehr 15 beeindruckende und oft sehr emotionale Geschichten von Betroffenen, die Ihren Weg mit der MS gefunden haben und zeigen, dass der selbstverantwortliche Umgang mit der Erkrankung zu Ihrer ganz persönlichen Stabilisierung oder “Gesundwerdung” geführt hat. Es lohnt sich also dran zu bleiben!

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen noch ein entspannende Zeit zwischen den Tagen einen guten Rutsch in ein in jeder Hinsicht gesundes neues Jahr 2021.

Bleiben Sie gesund, hellwach und und treu!

Ihr

Life-SMS Team

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Helfen Medikamente gegen Fatigue bei Multipler Sklerose? Nicht besser als Placebo!

Wer von Multipler Sklerose betroffen ist, leidet häufig unter schwächender Müdigkeit (Fatigue), die es nicht selten unmöglich macht, grundlegende Alltagsaufgaben zu meistern. Hierdurch entsteht großer Leidensdruck und es verwundert nicht, dass zahlreiche Betroffene Abhilfe durch die Einnahme von Medikamenten suchen. Doch wie sinnvoll ist der pharmakologische Einsatz in diesem Fall überhaupt?

Photo by Ben White on Unsplash

Noch immer ist das weit verbreitete Symptom der MS-Fatigue in seiner Komplexität und seinen subjektiven Ausprägungen nicht gänzlich verstanden. Häufig werden sekundäre Ursachen, wie Schlafstörungen, Depressionen und Nebenwirkungen von Medikamenten in den Vordergrund gestellt, doch diese Faktoren sollten nicht mit der primären Fatigue verwechselt werden. Bei dieser handelt es sich um einen subjektiven Mangel an körperlicher oder geistiger Energie, der in direktem Zusammenhang mit dem Krankheitsprozess der Multiplen Sklerose steht.

Zahlreiche Theorien über die Ursachen der primären Fatigue wurden bereits formuliert. So wurden z.B. die Auswirkungen von entzündlichen Zytokinen, Anomalien der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse und kardiovaskuläre Dysregulationen untersucht, um dem Phänomen auf die Spur zu kommen. Jedoch gibt es bis heute keine Einigkeit bezüglich des Krankheitsvorgangs. Vieles liegt immer noch im Dunkeln. Dieser Mangel an Wissen führt dazu, dass es für Betroffene schwierig ist, eine geeignete Behandlung und den richtigen therapeutischen Ansatzpunkt zu finden.


Für Neugierige und Unterstützer: Spendenaktion der Akademie für menschliche Medizin zugunsten Life-SMS im Dezember … hier geht es zu den Details!

Behandlung der Fatigue bei MS

Die derzeitige medizinische Behandlung der MS-spezifischen Fatigue umfasst Ernährung, Bewegung, Verhaltensintervention wie auch die pharmakologische Behandlung. Es gibt Hinweise darauf, dass eine nicht-pharmakologische Therapie wirksam ist, um die Fatigue zu kontrollieren und zu minimieren. Gleichzeitig sind Belege, die den Einsatz von Medikamenten gegen Fatigue legitimieren sollen, minimal und widersprüchlich.

Nicht selten kommen bei der Behandlung der Fatigue Medikamente zum Einsatz, die eigentlich für andere Zwecke zugelassen wurden. Dieser Off-Label-Einsatz ist eher die Regel als die Ausnahme. Amantadin, Modafinil und amphetaminähnliche Stimulanzien (wie Methylphenidat und Amphetamin/Dextroamphetamin) gehören zu den am häufigsten verwendeten Medikamenten.

Ergebnisse der pharmakologischen Behandlung gleich Null

Sowohl Amantadin als auch Modafinil wurden in mehreren klinischen Studien zur Fatigue mit sehr widersprüchlichen Ergebnissen getestet: Einige Studien zeigten eine positive Wirkung, während andere keinen Nutzen zeigten. Methylphenidat wurde nie in einer randomisierten klinischen Studie für MS-bezogene Müdigkeit getestet. Solch frustrierende Ergebnisse halten viele Ärzte jedoch nicht davon ab, diese Medikamente weithin zu verschreiben.

Eine neue Studie, die kürzlich in der Fachzeitschrift JAMA Neurology veröffentlicht wurde (1), will nun endlich Licht ins Dunkel bringen und stellt den tatsächlichen Nutzen von Medikamenten zur Behandlung der Müdigkeit bei MS-Patienten in Frage. Die Studie verglich Amantadin, Modafinil und Methylphenidat miteinander und mit Placebo. Das Ergebnis ist überraschend: Keines der getesteten Medikamente war bei der Verbesserung der MS-bezogenen Fatigue dem Placebo überlegen. Dies bedeutet, dass der von den Patienten berichtete Nutzen dieser Medikamente weitestgehend als Placebo-Effekt eingestuft werden muss und nicht auf eine Wirkung des Medikaments selbst zurückzuführen ist.

Die Autoren der Studie stellten zudem fest, dass der Anteil jener Teilnehmer, die über unerwünschte Ereignisse (Nebenwirkungen) berichteten, bei Amantadin, Modafinil und Methylphenidat im Vergleich zu Placebo höher war. Dies sind keine guten Argumente für eine medikamentöse Behandlung der Fatigue.

Nicht-medikamentöse Behandlungsformen mit positiven Ergebnissen

Auf der anderen Seite wurden bereits verschiedene nicht-medikamentöse therapeutische Strategien untersucht, die eindeutige Vorteile zeigten: Vitamin A verbesserte Ermüdungssymptome bei MS-Patienten im Vergleich zu Placebo (2). Verschiedene Ernährungsinterventionen, Übungsprogramme und kognitive Verhaltensberatung haben ebenfalls Vorteile gezeigt. So zeigte zum Beispiel eine kürzlich durchgeführte Studie (3), die einen hohen Verzehr von Gemüse und Obst empfahl, den Verzehr von tierischem und pflanzlichem Eiweiß förderte und Lebensmittel mit glutenhaltigem Getreide, Milchprodukten und Eiern ausschloß, eine signifikante Verringerung der Ermüdungssymptome. Frühere Studien mit pflanzlicher Ernährung (4) und andere Ernährungsinterventionen haben ähnlich positive Ergebnisse gezeigt.

Ganz ausschließen lässt sich nicht, dass auch hier der Placebo-Effekt eine Rolle spielt. Doch auch wenn die positiven Effekte von nicht-pharmakologischen Interventionen auf solche Placebo-Effekte zurückzuführen sind, sind Nebenwirkungen nicht vorhanden. Allein dies ist schon als Vorteil zu werten.

Fazit: Behandelnde Ärzte sollten erkennen, dass Interventionen, wie z.B. Übungsprogramme, die Umstellung auf eine gesunde Ernährung, die Teilnahme an kognitiver Verhaltensberatung oder die Teilnahme an Gruppenschulungsprogrammen über Multiple Sklerose, die Fatigue ohne die Nebenwirkungen von Medikamenten verbessern können. Nicht-pharmakologische Maßnahmen sollten bei der ärztlichen Beratung hervorgehoben und ordnungsgemäß verschrieben werden – sie sind die derzeit effizienteste Behandlung für Fatigue bei MS, wie die genannten Studien eindeutig belegen. Sollte Ihr Arzt diese Ergebnisse nicht kennen oder verneinen, empfiehlt sich eine zweite Meinung einzuholen.


Literaturhinweise:

  1. Nourbakhsh B, Revirajan N, Morris B, et al. Safety and efficacy of amantadine, modafinil, and methylphenidate for fatigue in multiple sclerosis: a randomised, placebo-controlled, crossover, double-blind trial. Lancet Neurol. 2020 Nov 23:S1474-4422(20)30354-9.
  2. Bitarafan S, Saboor-Yaraghi A, Sahraian MA, et al. Effect of Vitamin A Supplementation on fatigue and depression in Multiple Sclerosis patients: A Double-Blind Placebo-Controlled Clinical Trial. Iran J Allergy Asthma Immunol. 2016 Feb;15(1):13-9.
  3. Fellows Maxwell K, Wahls T, Browne RW, et al. Lipid profile is associated with decreased fatigue in individuals with progressive multiple sclerosis following a diet-based intervention: Results from a pilot study. PLoS One. 2019 Jun 18;14(6):e0218075
  4. Yadav V, Marracci G, Kim E, Spain R, et al. Low-fat, plant-based diet in multiple sclerosis: A randomized controlled trial. Mult Scler Relat Disord. 2016 Sep;9:80-90.

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Life-SMS und sonst so: Remyelinisierung ist möglich aber…

An dieser Stelle weisen wir auf aktuelle Beiträge aus dem Netz hin, die einen engen Bezug zu unserem Kernthema lebensstil-orientierte und eigenverantwortliche Behandlung der MS haben. Die dort wiedergegebenen Meinungen dienen als Anregung zur kritischen Auseinandersetzung. Sie entsprechen nicht zwingend den von uns vertretenen Positionen, sind aber in allen Fällen eine Bereicherung der Diskussionsgrundlage. Neuerdings verweisen wir am Ende auch auf aktuelle frei verfügbare Studien – machen Sie sich selbst ein Bild!

Nerve connection

Remyelinisierung ist möglich, aber das Warten geht weiter [overcomingms.org, 2.10.2020]

Mit den Durchbrüchen der MS-Forschung fühlt es sich oft an wie „ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück“.  Wir lesen über einige neue Studien mit unglaublichen Ergebnissen, aber dann kommen wir zum Ende der Geschichte und sehen die berüchtigte Aussage „weitere Studien größeren Umfangs sind jetzt erforderlich“.  


Neues digitales Qualitätsmanagement für Multiple-Sklerose-­Patienten wird in Sachsen erprobt [aerzteblatt.de, 11.9.2020]

Ein neues Qualitätsmanagementsystem, das konsequent auf digitale Lösungen setzt und die Patientenperspektive gleichberechtigt einbezieht, erproben verschiedene Partner jetzt in Sachsen.


Im Geschäft mit Medikamenten gegen multiple Sklerose rangeln Pharmafirmen wie in fast keinem anderen Therapiegebiet [nzz.ch, 10.9.2020]

Novartis und Biogen haben mit Mitteln gegen MS lange Zeit viel Geld verdient. Doch nun droht ihnen starke Konkurrenz durch Generika. Roche hingegen ist erst vor kurzem ein eindrucksvoller Start geglückt.


Krankheiten, die Multiple Sklerose imitieren können [verywellhealth.com, 25.2.2020]

Eine Differentialdiagnose kann erforderlich sein, um die tatsächliche Ursache zu ermitteln.


Sport-Neuro-Immunologie – von der Grundlagenforschung in die Praxis [.zeitschrift-sportmedizin.de, 12.2019]

In dieser Übersichtsarbeit wird der aktuelle Wissensstand zu potentiell zugrunde liegenden Mechanismen der positiven Effekte von körperlicher Belastung auf die primäre und tertiäre Prävention bei neurologischen Erkrankungen (z. B. Multiple Sklerose, Parkinson-Krankheit) dargelegt.


Wie Multiple Sklerose die Lebenserwartung beeinflusst [verywellhealth.com, 6.8.2019]

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische, aber fast nie tödlich verlaufende Krankheit. Obwohl es Forschungsergebnisse gibt, die darauf hindeuten, dass einige Betroffene eine etwas kürzere Lebenserwartung haben als die Allgemeinbevölkerung, sterben die meisten Menschen mit MS an Krankheiten wie Herzkrankheit, Krebs oder Schlaganfall – genauso wie ansonsten gesunde Menschen.


Das Uhthoff-Phänomen bei Multipler Sklerose [verywellhealth.com; 23.7.2019]

Warum ein Anstieg Ihrer Körpertemperatur MS-Symptome auslösen kann. Es ist ein einzigartiges Zeichen bei MS, das durch eine vorübergehende Verschlechterung eines oder mehrerer Ihrer MS-Symptome gekennzeichnet ist, wenn die Kerntemperatur des Körpers erhöht ist, und sei es auch nur um einen kleinen Betrag, etwa ein halbes Grad.


Studien:

Nishanth K, Tariq E, Nzvere FP, Miqdad M, Cancarevic I. Role of Smoking in the Pathogenesis of Multiple Sclerosis: A Review Article. Cureus. 2020;12(8):e9564.

 

Takewaki D, Suda W, Sato W, et al. Alterations of the gut ecological and functional microenvironment in different stages of multiple sclerosis [published online ahead of print, 2020 Aug 24]. Proc Natl Acad Sci U S A. 2020;202011703. 

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