Life-SMS und sonst so: Remyelinisierung ist möglich aber…

An dieser Stelle weisen wir auf aktuelle Beiträge aus dem Netz hin, die einen engen Bezug zu unserem Kernthema lebensstil-orientierte und eigenverantwortliche Behandlung der MS haben. Die dort wiedergegebenen Meinungen dienen als Anregung zur kritischen Auseinandersetzung. Sie entsprechen nicht zwingend den von uns vertretenen Positionen, sind aber in allen Fällen eine Bereicherung der Diskussionsgrundlage. Neuerdings verweisen wir am Ende auch auf aktuelle frei verfügbare Studien – machen Sie sich selbst ein Bild!

Nerve connection

Remyelinisierung ist möglich, aber das Warten geht weiter [overcomingms.org, 2.10.2020]

Mit den Durchbrüchen der MS-Forschung fühlt es sich oft an wie „ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück“.  Wir lesen über einige neue Studien mit unglaublichen Ergebnissen, aber dann kommen wir zum Ende der Geschichte und sehen die berüchtigte Aussage „weitere Studien größeren Umfangs sind jetzt erforderlich“.  


Neues digitales Qualitätsmanagement für Multiple-Sklerose-­Patienten wird in Sachsen erprobt [aerzteblatt.de, 11.9.2020]

Ein neues Qualitätsmanagementsystem, das konsequent auf digitale Lösungen setzt und die Patientenperspektive gleichberechtigt einbezieht, erproben verschiedene Partner jetzt in Sachsen.


Im Geschäft mit Medikamenten gegen multiple Sklerose rangeln Pharmafirmen wie in fast keinem anderen Therapiegebiet [nzz.ch, 10.9.2020]

Novartis und Biogen haben mit Mitteln gegen MS lange Zeit viel Geld verdient. Doch nun droht ihnen starke Konkurrenz durch Generika. Roche hingegen ist erst vor kurzem ein eindrucksvoller Start geglückt.


Krankheiten, die Multiple Sklerose imitieren können [verywellhealth.com, 25.2.2020]

Eine Differentialdiagnose kann erforderlich sein, um die tatsächliche Ursache zu ermitteln.


Sport-Neuro-Immunologie – von der Grundlagenforschung in die Praxis [.zeitschrift-sportmedizin.de, 12.2019]

In dieser Übersichtsarbeit wird der aktuelle Wissensstand zu potentiell zugrunde liegenden Mechanismen der positiven Effekte von körperlicher Belastung auf die primäre und tertiäre Prävention bei neurologischen Erkrankungen (z. B. Multiple Sklerose, Parkinson-Krankheit) dargelegt.


Wie Multiple Sklerose die Lebenserwartung beeinflusst [verywellhealth.com, 6.8.2019]

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische, aber fast nie tödlich verlaufende Krankheit. Obwohl es Forschungsergebnisse gibt, die darauf hindeuten, dass einige Betroffene eine etwas kürzere Lebenserwartung haben als die Allgemeinbevölkerung, sterben die meisten Menschen mit MS an Krankheiten wie Herzkrankheit, Krebs oder Schlaganfall – genauso wie ansonsten gesunde Menschen.


Das Uhthoff-Phänomen bei Multipler Sklerose [verywellhealth.com; 23.7.2019]

Warum ein Anstieg Ihrer Körpertemperatur MS-Symptome auslösen kann. Es ist ein einzigartiges Zeichen bei MS, das durch eine vorübergehende Verschlechterung eines oder mehrerer Ihrer MS-Symptome gekennzeichnet ist, wenn die Kerntemperatur des Körpers erhöht ist, und sei es auch nur um einen kleinen Betrag, etwa ein halbes Grad.


Studien:

Nishanth K, Tariq E, Nzvere FP, Miqdad M, Cancarevic I. Role of Smoking in the Pathogenesis of Multiple Sclerosis: A Review Article. Cureus. 2020;12(8):e9564.

 

Takewaki D, Suda W, Sato W, et al. Alterations of the gut ecological and functional microenvironment in different stages of multiple sclerosis [published online ahead of print, 2020 Aug 24]. Proc Natl Acad Sci U S A. 2020;202011703. 

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Hochdosistherapie mit Vitamin D bei MS: Dr. Lemke – ein Protokollarzt – berichtet

Über das sogenannte “Coimbra-Protokoll” bzw. dessen Interpretation und Wirkung ist schon viel spekuliert, publiziert und diskutiert worden. Das Spektrum der Diskussion bildet auch heute noch einen breiten Bereich zwischen glückselig machender Therapie und Scharlatanerie ab. Ganz besonders kritisch ist, dass es eine nicht zu vernachlässigende Zahl von MS-PatientInnen gab und gibt, die meinten oder meinen mit Hilfe möglichst hoher Dosen Vitamin D ihre Probleme beseitigen zu können, in der Konsequenz mit einer Hyperkalzämie im Krankenhaus gelandet sind oder noch landen werden.

Umso erfreulicher ist es, dass der Mediziner Dr. Dirk Lemke, der sich seit einigen Jahren in einer Gemeinschaftspraxis mit dem Thema Hochdosistherapie mit Vitamin D bei Autoimmunerkrankungen beschäftigt, seine Beobachtungen aus einer Vielzahl von Behandlungen in einem Vortrag dargestellt hat. In den weiter unten verlinkten Vortragsteilen erklärt er auf der einen Seite die Grundzüge des Therapieansatzes, seine Anpassung auf das europäische Patientenspektrum sowie die daraus resultierende Anpassung des „Coimbra-Protokolls“, und auf der anderen Seite kann er die beachtlichen Ergebnisse aus seiner Praxis mit einer recht ansehnlichen Zahl von PatientInnen darstellen, zumindest was die schubförmige MS betrifft (41 Patienten). Aber auch in Bezug auf die sekundär progrediente MS und die primär progrediente MS gibt es erste Protokolldaten, wobei diese insgesamt weniger eindeutig sind. Der Vortrag wurde im September 2019 auf dem Kongress der Gesellschaft für evolutionäre Medizin und Gesundheit gehalten und aufgezeichnet.

[Video Teil 1/2]

Die Zahlen kommen aus seiner Praxis und es handelt sich hierbei einfach um die allerersten 100 PatientInnen, die er behandelt hat. Während des Betreuungszeitraum hat Dr. Lemke die Veränderungen bei den PatientInnen protokolliert und nach einem Jahr ausgewertet. Beeindruckend ist die Reduktion der Schübe, von im Mittel 25 pro Jahr vor Behandlungsbeginn auf 2 pro Jahr im betrachteten Patientenkollektiv.

Interessant ist dieser erste Teil des Vortrags insbesondere auch in Bezug auf die durch Genpolymorphismen ausgelöste mögliche Vitamin-D-Rezeptorresistenz und die Untersuchungen von Prof. Carlberg. Professor Carlberg entwickelte den sogenannten “Vitamin-D-Response-Index”, der anzeigt, wie gut ein Patient auf die Gabe von Vitamin D reagiert. Hier liegt im Endeffekt der Schlüssel zum Erfolg bei den Betroffenen. Die Vitamin-D-Dosis muss dem persönlichen “Vitamin-D-Response-Index” angepasst werden. Da die Bestimmung dieses Index über genetische Analysen nur sehr aufwendig möglich ist, behilft man sich beim Vitamin-D-Hochdosis-Protokoll mit der Messung des Parathormons, als Marker für die Wirkung des Vitamin D. Ein nicht gerade genauer Parameter.

[Video Teil 2/2]

In der Videofortsetzung geht es zunächst noch einmal um das Konzept der Vitamin-D-Rezeptorresistenz und die Frage, warum dieses Thema noch nicht in den medizinischen Fachgesellschaften angekommen ist. Herr Dr. Lemke stellt dar, dass eine größer werdende Gruppe von Ärzten, die mit einem Hochdosistherapie-Konzept arbeiten, alles daran setzen, dies in Zukunft zu ändern.

Die weiter oben schon angesprochene genetisch bedingte Ausprägung einer Vitamin-D-Rezeptorresistenz, führt dazu, dass es relevante Unterschiede bei der Dosierung im Vitamin-D-Hochdosisprotokoll zwischen Brasilien oder Südamerika und dem europäischen Raum (vornehmlich Kaukasier) geben muss. Die von Professor Coimbra eingesetzten Dosen mit 100.000 I.E./Tag und deutlich mehr, sind für PatientInnen in unserer Region deutlich zu hoch. Aus Dr. Lemkes Beobachtungen und Feinjustierungen in der Anwendung stellte sich heraus, dass die typische Vitamin-D-Dosis für PatientInnen in seiner Praxis irgendwo zwischen 50.000 und 60.000 I.E./Tag liegt. Alles was darüber hinausgeht, birgt die sehr große Gefahr eine Hyperkalzämie auszulösen, die schwere und sogar fatale gesundheitliche Folgen haben kann. In Einzelfällen können aber nach wie vor auch höhere Dosen angebracht erscheinen, sofern der behandelnde Arzt eine entsprechende Bewertung findet.

Die Ergebnisse seiner Untersuchungen sind wirklich beachtenswert; nicht nur dass die Schubfrequenz bei den PatientInnen mit RRMS massiv abnimmt (mehr als 90 %), sondern dass auch die Symptomatik in aller Regel in vielen Bereichen messbar besser wird. Insbesondere die Fatigue spricht sehr gut auf die hohen Vitamin-D-Gaben an (100 % der RRMS-PatientInnen spüren eine Besserung) und die Gehfähigkeit reagiert bei 82 % der RRMS-PatientInnen messbar positiv. Bei den RRMS-Betroffenen nimmt sogar der EDSS-Wert um 1,3 Punkte ab. Ein ähnliches Ergebnis gab es bisher nur bei sehr hohen Biotingaben. Ein Problem, was bleibt und nicht zu vernachlässigen ist, ist die potentielle Zunahme der Spastik, die bei 25 % der RRMS- und etwa 50 % der SPMS-/PPMS-PatientInnen auftritt.

Abschließend sei noch zu erwähnen, dass es sich hier nicht um eine wissenschaftliche Auswertung im Sinne einer medizinischen Studie handelt, sondern um die Auswertung der Beobachtungen innerhalb eines Behandlungsprotokolls. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass aufgrund von statistischen Einflüssen, kleinen Fallzahlen, nicht bekannten Kofaktoren und subjektiven Bewertungen, Ergebnisse überbewertet oder unterbewertet werden. Auch die Analyse derjenigen, die die Behandlung abgebrochen haben, fehlt in der Betrachtung. Dennoch zeigen diese Resultate, dass ein auf europäische Verhältnisse zugeschnittenes Behandlungsprotokoll mit relativ hohen Vitamin-D-Gaben signifikante Erfolge erzielen kann. Es bleibt zudem abzuwarten, wie sich die hochdosierte Vitamin-D-Einnahme über lange Zeiträume wie 5, 10 oder 20 Jahre, auswirkt.

Summa Summarum: Die auf europäische Verhältnisse angepasste Vitamin-D-Hochdosistherapie ist eine Therapieoption, die zumindest bei schubförmigen Verläufen in Betracht kommen kann. Sie ist aber kein Allheilmittel, sondern eine Behandlungsoption, die ausschließlich mit einem mit der Materie vertrauten Protokoll-Arzt diskutiert werden sollte und nach Abwägung aller Risiken eine – im Vergleich zu anderen pharmakologischen Behandlungsformen – aus heutiger Sicht risikoarme Option darstellt, sofern die Randbedingungen bzgl. der Ernährung eingehalten werden. Ein Versuch, diese Therapie auf eigene Faust zu starten und ohne medizinische und labortechnische Begleitung durchzuführen, ist aber ein Spiel mit dem Feuer – mit unter Umständen katastrophalem Ausgang. Wenn Sie also überlegen, tiefer in das Thema einzusteigen, wenden Sie sich bitte zwingend an einen „Protokoll-Arzt“, der sich mit der Vitamin-D-Hochdosistherapie bei MS auskennt (andere Autoimmunerkrankungen erfordern andere Dosierungen).

Zum Thema “Vitamin D, Sonne und MS” empfehlen wir im Übrigen unser gleichnamiges Faktenblatt, dass Sie hier herunterladen können. In vielen Fällen sind moderate Vitamin-D-Dosen zwischen 4.000 und 10.000 I.E./Tag und ausreichende regelmäßige Sonnenstrahlung das beste Mittel, um Ihren Krankheitsverlauf zu stabilisieren und den Genesungsprozess einzuleiten. Hierbei gibt es in jedem Fall keine negativen Nebenwirkungen aufgrund von Überdosierung (sofern Sie einen Sonnenbrand vermeiden).

Eine Liste der Coimbraprotokoll-Ärzte finden Sie hier…

Bleiben Sie gesund, kritisch und offen für die Möglichkeiten, die sich heute und in Zukunft bei der Lebensstil-orientierten MS-Therapie ergeben!

Ihr Team

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Impfen alleine ist nicht die Lösung: Schützen Sie sich vor Atemwegsinfektionen, gerade bei MS

Nein, wir steigen jetzt nicht in die Diskussion des “Für und Wider” bzgl. Grippeimpfung oder gar einer eventuellen Corona-Impfung ein. Dies mag jeder Mensch für sich selbst entscheiden. Uns geht es darum, Ihnen das Handwerkszeug an die Hand zu geben, das dafür sorgt, dass Ihr Immunsystem mit Atemwegsinfektionen optimal zurechtkommt und damit eine hohe Schutzwirkung vor grippalen Infekten, Grippe, Corona und Co. erreicht ist. Solange noch kein Impfstoff gegen COVID-19 zur Verfügung steht, stellt dieser Plan B übrigens heute die einzig sinnvolle Option in Bezug auf die aktuelle Pandemie dar. Dieser Beitrag ist insofern für jeden hilfreich, der aktiv an seiner Gesunderhaltung interessiert ist, aber gerade für MS-Erkrankte gilt es schwere Infektionen unbedingt zu vermeiden. Es handelt sich um ein Update eines im im März bei der Akademie für menschliche Medizin erschienenen Artikels.

Nachfolgend finden Sie eine Auflistung von 10 einfach umsetzbaren Maßnahmen, die helfen diesen Infektions-Schutzschirm zu bilden.

Sofern Dosierungen angegeben werden, beziehen sich diese auf einen Erwachsenen mit 70 Kg Körpergewicht:

1. Hygiene: häufiges gründliches Händewaschen mit (echter) Seife (siehe z.B.: https://www.infektionsschutz.de/haendewaschen/). Desinfektionsmittel im Übermaß sind eher schädlich (Schädigung der bakteriellen Hautflora).

2. Abstand halten bei allen Gelegenheit, wo der Verdacht auf irgendeine Atemwegsinfektion besteht und insbesondere von Personengruppen, die besonders gefährdet sind. Dies sind Menschen über 60, Personen mit supprimiertem oder geschädigtem Immunsystem, z.B. mit Cortison behandelten Personen, Menschen mit Autoimmunerkrankungen, die das Immunsystem unterdrückende Medikamente einnehmen, Diabetiker, Bluthochdruckpatienten, Krebspatienten, generell Personen mit schweren Vorerkrankungen.

3. Den Vitamin D Spiegel auf einen Blutwert zwischen 40 – 60 ng/ml bringen bzw. halten. Als Erhaltungsdosis wären das für einen Erwachsenen in etwa 5000 IE/d (siehe auch: Vitamin D-Einnahme).

4. Magnesium und Vitamin A als Kofaktoren zu Vitamin D supplementieren (400 mg/Tag Magnesium; Vitamin A, gleiche Dosierung wie bei Vitamin D, also 5000 IE/d; siehe auch: Vitamin D-Co-Faktor: Magnesium und Vitamin D-Cofaktoren: Vitamin K2, Vitamin A & Magnesium)

5. Für die Dauer der Infektionsperiode Zink (20 – 25 mg/Tag) und Selen (ca. 100 µg/Tag) supplementieren.

6. Alkoholkonsum minimieren, besser einstellen (vom Rauchen gar nicht zu reden)

7. Moderaten Sport treiben, möglichst an der freien Natur (Überanstrengung vermeiden, diese schädigt das Immunsystem).

8. Sonnenbad in der Mittagszeit (20 min), dabei unbedingt auf genügend hohe Temperaturen achten und vor Zug schützen (die UV-Strahlung in der Sonne trägt nicht nur zur Vitamin D-Bildung bei, sondern tötet Viren und Bakterien ab). Achtung: Zwar ist in unseren Breiten ist die Vitamin D-Bildung über die Sonne nur noch bis Mitte Oktober möglich, aber die Sonne und die UVA-Strahlung haben auch unabhängig davon positive Wirkungen (bei bewusster Dosierung).

9. Viel Gemüse und rote Beeren essen, 250 mg Vitamin C über den Tag verteilt supplementieren (im Idealfall als Ester-C) oder reichlich Vitamin C reiche Früchte konsumieren

10. Omega 3-reiche Nahrung zu sich nehmen (fetter Seefisch, Algenöl)

Mit diesen 10 Maßnahmen, die preiswert und teilweise kostenlos sind, helfen Sie sich selbst und auch Ihren Mitmenschen, wenn Sie die Infos weitergeben und selbst vorleben. Sie tragen im besten Fall dazu bei, dass sich eine Infektionswelle nicht weiter ausbreitet und vor allem auch viele zukünftige Infektionserkrankungen ohne dramatische Konsequenzen überstanden werden können.

Wenn Sie es noch genauer wissen wollen, sei Ihnen dieses Spitzen-Gespräch zwischen Prof. Spitz und Herrn Apotheker Gröber empfohlen, dass nach wie vor hochaktuell ist.

Uwe Gröber & Prof. Jörg Spitz zu Corona, Influenza & Co – Wie stärke ich meine Abwehrkräfte

Download

Und für all diejenigen die es gerne ausführlich schriftlich hätten, gibt es hier den Download des entsprechenden Infoblattes von Herrn Apotheker Gröber. Dieses ist kostenlos, aber wir bitten Sie, falls für Sie verkraftbar, um eine für Sie angemessen erscheinende Spende zu Gunsten des Life-SMS-Projektes über betterplace.

Jetzt Spenden! Das Spendenformular wird von betterplace.org bereit gestellt.

Hier können Sie das Dokument: Groe_Spitzen-Gespräch_Corona_2020 kostenlos herunterladen!

In diesem Sinne bleiben Sie gesund und hellwach!

Ihr Life-SMS-Projekt


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Gastbeitrag: Hypnotherapie bei MS – Behandlung von Körper, Geist und Seele

Von Sabine Rochlitz

Wer die Multiple Sklerose nur eindimensional betrachtet, auf der rein körperlichen Ebene, wird ihr nicht gerecht. Die Seele, der Geist, oder wie immer man diese andere(n) Ebene(n) bezeichnen will, sollte einbezogen werden. Deshalb macht es durchaus Sinn, der Krankheit mit einer besonderen Form der Psychotherapie zu begegnen. Die Hypnotherapie, mit der ich selbst sehr gute Erfahrungen mache, ist übrigens für Behandlungen im Anwendungsbereich „psychische und soziale Faktoren bei somatischen Krankheiten“ seit 2006 wissenschaftlich anerkannt.

Als Begründer der modernen Hypnotherapie gilt Milton H. Erickson, der – selbst an Kinderlähmung erkrankt und zeitweise gelähmt – sich mittels Wahrnehmungen und Vorstellungen wieder zum Laufen brachte. Von den Erfolgen dieser Imaginationen inspiriert, beschäftigte er sich in seinem Studium der Psychologie und Medizin intensiv mit Hypnose und entwickelte eigene Techniken.

Kern seines Ansatzes: Jeder Mensch hat in sich, in seinem Unbewussten, die nötigen Ressourcen, um seine Herausforderungen zu lösen. Aufgabe der Hypnotherapie sei es, diese ausfindig und zugänglich zu machen. Ericksons Anliegen war es, Betroffene in den Mittelpunkt zu stellen und die Hypnose für sie maßzuschneidern. Die Hypnotherapie arbeitet vor allem ressourcen- und lösungsorientiert.

An mehreren deutschen Universitäten wird Hypnoseforschung betrieben, u. a. in Tübingen. Dirk Revenstorf, dort Professor für klinische Psychologie, definiert Hypnose als „eine Methode zur Behandlung bestimmter psychischer, psychosomatischer und medizinischer Probleme“. Der Begriff Hypnose wird meist für die Induktion, also Einleitung eines Trancezustandes verwendet, die Hypnotherapie bezeichnet die Anwendung der Hypnose.

 

Wassertropfen und Wellen
In Trance ist die Aufmerksamkeit des Hypnotisierten besonders fokussiert

Trance

Der Trance genannte besondere Bewusstseinszustand gehört zum natürlichen Repertoire des Menschen und wird auch in Alltagssituationen, dort allerdings unwillkürlich, erlebt: Wer ist nicht schon einmal in einem Buch förmlich versunken oder hat sich Tagträumen hingegeben? In der Hypnotherapie geht es darum, diesen besonders wachen Zustand, in dem die Aufmerksamkeit konzentriert ist, zuverlässig herbeizuführen.

Um Hypnose ranken sich viele Mythen, die meisten Menschen kennen sie vorrangig als Show-Element, glauben, dass dabei Dinge gegen den eigenen Willen passieren. Bei der medizinischen Anwendung ist das Gegenteil der Fall: Klient*innen haben jederzeit die volle Kontrolle über das, was mit ihnen geschieht und was sie tun, begegnen den Therapeut*innen partnerschaftlich auf Augenhöhe.

Das Besondere der Hypnose, die häufig als körperlich-emotionales Verfahren beschrieben wird: Anders als in eher kognitiv-betonten therapeutischen Methoden lässt sich in einer Trance das Bearbeitete quasi direkt erfahren. MRT-Aufnahmen zeigen, dass dabei die gleichen Hirnareale aktiv sind wie beim tatsächlichen Erleben. Der wesentliche Unterschied laut Revenstorf: Der Patient kann in hypnotischer Trance Suggestionen (Vorschläge) annehmen, ohne sie auf Übereinstimmung mit seinem gewohnten Selbstbild zu überprüfen.

Hypnotherapie wirkt auf mehreren Ebenen: Zum einen lassen sich mit ihrer Hilfe körperliche Symptome wie Missempfindungen oder Schmerzen direkt behandeln und verringern. Dies lässt sich vor allem durch das Ausblenden von Informationen wie Schmerzreize erreichen, die man abspaltet (dissoziiert), indem man die Gedanken auf etwas anderes fokussiert.

Visualisierungen, wie sie wohl auch Erickson für sich selbst genutzt hat, können wiederum dabei helfen, Bewegungsabläufe zu verbessern. Vergleichbar und bekannt ist vielleicht als ähnliche Methode das Mentaltraining, das Sportler*innen nutzen, um durch das detaillierte Vorstellen komplexer Bewegungsabläufe deren Ausführung in der Realität zu optimieren.

Der entspannende Effekt einer Trance hat zudem nachweisbar Einfluss auf das Entzündungsgeschehen im Körper. Messungen direkt nach einer Hypnosesitzung ergaben u.a. ein deutliches Absinken von Botenstoffen, die in Stresssituationen ausgeschüttet werden, um die Immunabwehr zu aktivieren und den Körper mit „vorsorglichen“ Entzündungsreaktionen auf Verletzungen „vorzubereiten“. Diese Abläufe sind eigentlich dafür gedacht und auch sinnvoll, um auf akuten Stress zu reagieren – und beinhalten normalerweise das anschließende „Runterregulieren“. Gerade bei chronischem Stress ist dieser Mechanismus jedoch häufig gestört, die aktivierten Abwehrzellen können sich dann auf körpereigenes Gewebe konzentrieren und dieses – wie bei der MS die Myelinschicht um die Nervenfasern – angreifen. So erklärt die heute gängige Hypothese einer Autoimmunkrankheit das Krankheitsgeschehen.

Psycho-Neuro-Immunologie

Ein besonders interessanter Ansatz bei Multipler Sklerose ist die Möglichkeit der direkten Beeinflussung des Immunsystems. Geschichtlich gesehen ist dies wohl eines der ältesten Einsatzgebiete der Hypnose: Wenn Warzen nach dem sogenannten Besprechen verschwinden, resultiert das vor allem aus den hypnotischen Anteilen der Methode. Deren Wirkung basiert auf den Erkenntnissen der Psycho-Neuro-Immunologie (PNI). Der relativ junge Forschungszweig untersucht die Zusammenhänge zwischen Seele und Körper sowie dem Immunsystem. Wissenschaftlich wurde in mehreren Studien belegt, dass sich das Immunsystem konditionieren lässt.

1975 gab ein Team um den Psychiater Robert Ader Ratten in einer Süßstofflösung ein Chemotherapeutikum, das Übelkeit auslöste, aber auch das Immunsystem unterdrückte. Viele Tiere starben, selbst wenn sie danach nur noch die süße Lösung ohne Medikament erhielten – ihr Immunsystem hatte gelernt. Heute befassen sich Forscher mit solchen Phänomenen auch beim Menschen. Eines ihrer Ziele ist es, die Medikamentendosis von Patient*innen zu reduzieren, die wegen einer Autoimmunerkrankung Immunsuppressiva einnehmen.

Entscheidend für den nachhaltigen Erfolg ist das regelmäßige Training in Form von Selbsthypnose. Dies kann zum Beispiel erfolgen, indem die in den Therapiesitzungen durchgeführten Trancen aufgezeichnet werden, so kann man sie jederzeit nutzen. Positiver Nebeneffekt: Man bekommt eine Methode an die Hand, mit der man aktiv etwas tun kann, um (wieder) Kontrolle über die Erkrankung zu erlangen.

Therapeutensuche

Da Hypnotherapie kein geschützter Begriff ist, sollte man bei der Suche nach qualifizierten Therapeut*innen auf Dachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie e. V. (DGH) und die Milton H. Erickson Gesellschaft für klinische Hypnose e. V. (M.E.G.) zurückgreifen, die vornehmlich Ärzt*innen, Psycholog*innen und Zahnärzt*innen ausbilden. Die M.E.G. hat stellvertretend für alle wissenschaftlich fundierten deutschsprachigen Hypnosegesellschaften eine Informationsplattform für Interessierte initiiert: www.hypnose.de.


Der Originalartikel ist erschienen in der Zeitschrift „Blickpunkt“ der MSK e.V., Ausgabe 2/2020, S. 32-35. Er ist auch im Internet zu lesen unter: https://www.multiple-sklerose-e-v.de/selbsthilfe/forschung-medizin/heilsame-trance

Dort finden sich auch weiterführende Links.

Der MSK e.V. gehört zu den empfohlenen Life-SMS-Partnern.

Ein weiterer ausführlicher Bericht der Autorin über ihre persönlichen Erfahrungen mit der Hypnotherapie erscheint in der nächsten Ausgabe des „Blickpunkt“ Ende September 2020 und wird voraussichtlich ebenfalls im Internet veröffentlicht.


Die Autorin

Sabine Rochlitz ist Journalistin und selbst an Multipler Sklerose erkrankt. Seit einiger Zeit lässt sie sich mittels Hypnotherapie behandeln. Überrascht und erfreut von deren positiver Wirkung hat sie sich zum Ziel gesetzt, andere Betroffene über diese Methode zu informieren.

 

 


Photo by Levi XU on Unsplash

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Das Endocannabinoide-System: Eine Einführung mit Blick auf die MS (II)

Das endogene Cannabinoidsystem oder Endocannabinoidsystem (ECS), haben wir im letzten Newsfeed zu diesem Thema schon recht ausführlich dargestellt. Es bleibt natürlich die Frage wie wir den heutigen Kenntnisstand beim Umgang mit und zur Behandlungen der Multiplen Sklerose nutzen können. Der folgende Text ist im Vergleich zu anderen Beiträgen bei Life-SMS etwas wissenschaftlicher gehalten, was der Komplexität des Themas geschuldet ist. Dem schnellen Leser sei daher schon jetzt das Fazit am Ende des Artikels empfohlen.

Folgende Erkenntnisse bilden den Ausgangspunkt für weitere Überlegungen:

  • Die drei Schlüsselkomponenten des Endocannabinoidsystems (Endocanabinoide, Endocannabinoidrezeptoren und Enzyme) finden sich in fast jedem Hauptsystem des Körpers. Wenn etwas eine Zelle aus ihrer “Komfort-Zone” herausbringt, werden diese drei Schlüsselkomponenten des ECS genutzt, um die Homöostase wieder herzustellen bzw. aufrechtzuerhalten.
  • Der Endocannabinoide-Signalweg ist an der Regulation von Zelle, Gewebe, Organen und Homöostase des Organismus, Gehirnentwicklung, Neurotransmitterfreisetzung und der synaptische Plastizität und Zytokinfreisetzung aus den Mikroglia beteiligt und ist daher bei multiplen neurologischen Erkrankungen involviert.
  • Der Endocannabinoide-Signalweg ist bei den meisten neurologischen Erkrankungen verändert; Verstärker oder Inhibitoren (Hemmer) des Endocannabinoiden-Signalwegs können somit therapeutische Effekte haben, abhängig von den Krankheitsmerkmalen und der Rolle von CBR1 und CBR2.
  • Endocannabinoide können verschiedene Rezeptoren aktivieren, und ihre biosynthetischen und ihre Signalwege im Stoffwechsel werden oft mit anderen Mediatoren geteilt. Folglich wird das System als Teil eines erweiterten Signalsystems, des sogenannten Endocannabinoidoms, betrachtet.

Wie hängt das Ganze nun mit neurologischen Erkrankungen und insbesondere der MS zusammen?

Darm-Hirn-Achse

Verschiedene Endocannabinoidom-Rezeptoren und veränderte Spiegel der Endocannabinoidom-Liganden (Moleküle die an die Rezeptoren binden) können die negativen Auswirkungen einer Dysbiose (bakterielle Fehlbesiedlung) und die positiven Auswirkungen des Darm-Mikroorganismus Akkermansia muciniphila (siehe auch Faktenblatt Darmflora und MS) auf eine erhöhte Darm-Permeabilität (“Leaky gut”) und die daraus resultierende systemische Entzündung positiv modulieren.

Angesichts der sich ständig mehrenden Hinweise darauf, dass Veränderungen in der Darmmikrobiota eine wesentliche Ursache bei chronischen neuroinflammatorischen Erkrankungen sind, ist also die Aktivierung von Endocannabinoiden zur Reduktion des inflammatorischen Prozesses im Darm, gerade auch bei der MS, ein vielversprechender Weg.

Weitere Punkte

Die Wirkung von Endocannabinoiden, endocannabinoidähnlichen Mediatoren und Phytocannabinoiden bei verschiedenen neurologischen Erkrankungen ist vielschichtig, doch lassen sich einige Gemeinsamkeiten feststellen. Diese Verbindungen wirken oft der Infiltration von peripheren Immunzellen in das ZNS entgegen (gestörte Blut-Hirnschranke), einem sehr relevanten Faktor bei den meisten neurodegenerativen Erkrankungen und insbesondere der MS. Sie verschieben auch häufig die Erscheinungsbilder (Phänotypen) von Mikroglia (Immunzellen des ZNS) und infiltrierenden Makrophagen (Fresszellen) von pro- entzündlich nach anti- entzündlich, ein Effekt, der oft durch CB2, TRPV1 oder PPARγ vermittelt wird. Wenn CB1-Agonisten (Substanzen die diesen Rezeptor aktivieren) wirksam sind, reduzieren sie oft die Exzitotoxizität (neuronaler Zelltod durch einen Überschuss von Neurotransmittern vor allem Glutamat) der Nervenzelle; schützen also die Nervenzelle.

Zurück zu den Phytocannabinoiden

Wie schon im ersten Teil dieses Artikels erwähnt sind Phytocannabinoide pflanzliche Substanzen, die Cannabinoidrezeptoren stimulieren. Wir konzentrieren uns im Folgenden auf CBD (Cannabidiol).

Im Gegensatz zu den psychoaktiven Eigenschaften, die mit Δ9-THC in Verbindung gebracht werden, hat sich gezeigt, dass CBD beim Menschen und bei anderen Spezies eine sehr geringe Toxizität aufweist. Eingenommen und absorbiert wird CBD schnell im Körper verteilt und kann aufgrund seiner lipophilen Natur leicht die Blut-Hirn-Schranke passieren. Die Halbwertszeit von CBD beträgt etwa 9 Stunden und es wird bevorzugt im Urin ausgeschieden.

In Tiermodellen hat CBD die Fähigkeit gezeigt, Hirnschäden abzuschwächen, die mit neurodegenerativen und/oder ischämischen (minderdurchbluteten) Zuständen außerhalb des ECS verbunden sind. CBD scheint die synaptische Plastizität zu stimulieren und erleichtert die Neurogenese, was seine positiven Auswirkungen auf die Abschwächung psychotischer, ängstlicher und depressiver Verhaltensweisen erklären könnte. Die Mechanismen, die diesen Effekten zugrunde liegen, umfassen mehrere zelluläre Ziele, um den Spiegel des Wachstumsfaktors (BDNF: Brain-derived neurotrophic factor) zu erhöhen, die Mikrogliaaktivierung zu verringern und die Spiegel proinflammatorischer Mediatoren zu senken.

Die CBD-Forschung in Tiermodellen und am Menschen hat zahlreiche therapeutische Eigenschaften für die Funktion und den Schutz des Gehirns gezeigt, sowohl durch ihre direkte Wirkung auf das ECS als auch durch die Beeinflussung endogener Cannabinoide. Im Großen und Ganzen hat CBD anxiolytische, antidepressive, neuroprotektive, entzündungshemmende und immunmodulatorische Vorteile gezeigt. CBD vermindert die Produktion entzündungsfördernder Zytokine, beeinflusst die Mikrogliazellen zur Rückkehr in einen Zustand gewollter Aktivität, erhält die Gehirndurchblutung während ischämischer Ereignisse und reduziert vaskuläre Veränderungen und Neuroinflammation.

Fazit: Frei verfügbare CBD-Präparate können bei MS-Betroffenen eine Vielzahl positiver Effekte auslösen, dies betrifft unter anderem die positive Wirkung auf eine mögliche Darmbakterien-Fehlbesiedlung und das “Leaky gut” Syndrom, die Immunmodulation in Richtung anti-entzündlicher Vorgänge sowie antidepressive und neuroprotektive Wirkungen. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass auch Cannabidiol antispastische und schmerzlindernde Wirkungen hat. Aufgrund der relativ kurzen Halbwertszeit von CBD empfiehlt sich die tägliche Einnahme. Einen Versuch ist es in jedem Fall wert.

Falls Sie auf CBD-Öle zurückgreifen wollen, achten Sie bitte unbedingt auf die Herkunft. Viele im Internet angebotene Produkte sind zweifelhafter Herkunft, u.U. mit Pestiziden oder Herbiziden belastet oder weisen zweifelhafte Inhaltsstoffe auf. Greifen Sie auf Hersteller mit überprüfbaren Qualitätssicherungs- und Produktionsverfahren (erkennbar an Zertifikaten und Analysen) und möglichst biozertifizierte Produkte zurück. Mindestens 10% CBD-Anteil besser 20% erscheint dabei sinnvoll.

Photo by Esteban Lopez on Unsplash

Quellen:

Cristino, L., Bisogno, T. and Di Marzo, V. (2020) ‘Cannabinoids and the expanded endocannabinoid system in neurological disorders’, Nature Reviews Neurology. Springer US, 16(1), pp. 9–29. doi: 10.1038/s41582-019-0284-z.

Mecha, M. et al. (2019) ‘The endocannabinoid 2-AG enhances spontaneous remyelination by targeting microglia’, Brain, Behavior, and Immunity. Elsevier, 77(June 2018), pp. 110–126. doi: 10.1016/j.bbi.2018.12.013.

Rudroff T, Sosnoff J. Cannabidiol to Improve Mobility in People with Multiple Sclerosis. Front Neurol. 2018;9:183. Published 2018 Mar 22. doi:10.3389/fneur.2018.00183

De Filippis D, Esposito G, Cirillo C, et al. Cannabidiol reduces intestinal inflammation through the control of neuroimmune axis. PLoS One. 2011;6(12):e28159. doi:10.1371/journal.pone.0028159

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Life-SMS / lsms.info aktuell – die Sommerpause genießen!

Liebe Follower!

Wie in jedem Jahr – und das auch in ungewöhnlichen Zeiten – hat die Sommerpause begonnen. Insofern wünschen wir allen Freunden und Interessenten entspannte Sommertage, viel Licht und Natur zur Erholung und Regeneration.

Lassen Sie einfach mal los und genießen soweit wie möglich das Leben! Oder wie der Schriftsteller Paul Keller einmal sagte: “ Der Sommer macht den Menschen zum Träumer”.

Angenehme Sommerträume haben definitiv positive gesundheitliche Effekte.

Für die Wissbegierigen weisen wir aber auch an dieser Stelle auf aktuelle Beiträge aus dem Netz hin, die einen engen Bezug zu unserem Kernthema lebensstil-orientierte und eigenverantwortliche Behandlung der MS haben. Die dort wiedergegebenen Meinungen dienen als Anregung zur kritischen Auseinandersetzung. Sie entsprechen nicht zwingend den von uns vertretenen Positionen, sind aber in allen Fällen eine Bereicherung der Diskussionsgrundlage. Am Ende verweisen wir auch auf aktuelle zum Teil frei verfügbare Studien – machen Sie sich selbst ein Bild!

Aber wie gesagt – genießen Sie die freie Zeit und erholen Sie sich. Wir melden uns dann wieder im Laufe des Augusts.

Ihr Team

Life-SMS


Neurofilamente als Diagnose- und Prognosemarker für Multiple Sklerose [idw-online.de, 29.6.2020]

Forschende der Universitätsmedizin Mainz und des Kompetenznetz Multiple Sklerose e. V. belegen Nutzen eines Bluteiweißes als Biomarker für MS in der klinischen Praxis

NIH vergibt 7,2 Millionen Dollar an Cleveland Clinic für die Erforschung neuer diagnostischer Biomarker bei Multipler Sklerose [newsroom.clevelandclinic.org, 10.6.2020]

Mit dem Zuschuss wird eine multizentrische Studie unterstützt, um zu bewerten, ob ein neuer Biomarker, das so genannte Zentralvenen-Zeichen (CVS), als zuverlässiger diagnostischer Marker für MS dienen kann.

Osteoporose bei MS vorbeugen [curado.de, 15.6.2020]

MS-Patienten haben ein erhöhtes Risiko für Osteoporose (Knochenschwund). Bereits bei der Diagnose der MS ist die Knochendichte vieler MS-Patienten verringert. Die Gründe dafür sind noch nicht ausreichend erforscht. Forschende vermuten, dass ein Mangel an Vitamin D, wie er bei vielen MS-Patienten diagnostiziert wird, zu einer reduzierten Knochendichte beitragen kann. Vitamin D wird für den Knochenaufbau benötigt.

WIRKUNG BEI SYMPTOMEN MEHRFACHE SKLEROSE Fruchtschalenbestandteil kann neuronale Schäden reduzieren [pressetext.com/, 7.4.2020]

Mit Ursolsäure haben Forscher der Thomas Jefferson University nun einen Ansatz gefunden, der eine weitere Schädigung verringern und helfen kann, die schützenden Hüllen der Neuronen wieder aufzubauen. Ursolsäure ist in den Schalen von Obst wie Äpfeln oder Pflaumen und in manchen Kräutern enthalten.

Studie: Ernährung beeinflusst MS-Verlauf [gesundheitsstadt-berlin.de/, 16.3.2020]

Bestimmte Fettsäuren können das Darm-Mikrobiom von MS-Patienten so positiv beeinflussen, dass sich die Schubrate und das Behinderungsrisiko reduzieren lassen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Bochum, in der Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung am Patienten angewandt wurden.

233 Genvariationen für MS entdeckt [amsel.de, 21.2.2020]

Kann man bei einem einzelnen Menschen eine Multiple Sklerose voraussagen? Warum sind Frauen so viel häufiger betroffen als Männer? – Ein internationales Forschungsnetzwerk liefert mögliche Antworten.

Lesenswerte Studien

Duscha, A. et al. (2020) ‘Propionic Acid Shapes the Multiple Sclerosis Disease Course by an Immunomodulatory Mechanism’, Cell, pp. 1–14. doi: 10.1016/j.cell.2020.02.035.

Fazit: Die Supplementation mit Propionat hatte eine positive Wirkung auf die immunologischen, neurodegenerativen und klinischen Parameter bei MS-Patienten, einschließlich der Rückfallrate und des Fortschreitens der Behinderung.

de Oliveira LRC, Mimura LAN, Fraga-Silva TFC, et al. Calcitriol Prevents Neuroinflammation and Reduces Blood-Brain Barrier Disruption and Local Macrophage/Microglia Activation. Front Pharmacol. 2020;11:161. Published 2020 Mar 12. doi:10.3389/fphar.2020.00161 [open access]

Fazit: Die Ergebnisse dieser Studie weisen darauf hin, dass eine frühe Intervention mit 15-Dihydroxyvitamin D3 den neuroinflammatorischen Prozess, der das Kennzeichen der EAE- und MS-Immunpathogenese ist, steuern kann und daher als Zusatztherapie für MS-Patienten erforscht werden sollte.


Feng, X. et al. (2019) ‘Vitamin D enhances responses to interferon-β in MS’, Neurology(R) neuroimmunology & neuroinflammation, 6(6). doi: 10.1212/NXI.0000000000000622.
[open access]

FAZIT: Vitamin D verstärkt die IFN-β-Induktion von mehreren Proteinen und kehrt auch die Th1/Th2-Verzerrung bei MS um, die mit IFN-β allein beobachtet wird. Die Kombination von Vitamin D und IFN-β hat einen potentiellen Nutzen bei der Linderung von MS.

Simpson, S., Van Der Mei, I., Lucas, R. M., Ponsonby, A. L., Broadley, S., Blizzard, L., … Valery, P. (2018). Sun exposure across the life course significantly modulates early multiple sclerosis clinical course. Frontiers in Neurology, 9(FEB). https://doi.org/10.3389/fneur.2018.00016
[open access]

Schlussfolgerung: Wir fanden heraus, dass eine vorausgehende Sonnenexposition vor einer späteren Umwandlung in MS und vor Schüben schützt. Während konsistente Zusammenhänge zwischen der Sonnenexposition nach Beginn der Sonnenexposition oder dem 25(OH)D-Gehalt im Serum und dem klinischen Verlauf nicht offensichtlich waren, möglicherweise verdeckt durch Verhaltensänderungen, zeigten diejenigen Teilnehmer, die ihre Sonnenexposition merklich erhöhten, eine verringerte MS-Konversions- und Rückfallgefahr, was auf eine positive Wirkung der Sonnenexposition auf den klinischen Verlauf schließen lässt.

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Was ist das Endocannabinoid-System? Eine Einführung mit Blick auf die MS (I)

Das endogene Cannabinoidsystem (ECS), benannt nach der Cannabis-Pflanze, die zu seiner Entdeckung führte, ist eines der wichtigsten physiologische System, die an der Sicherstellung und Erhaltung der menschlichen Gesundheit beteiligt sind. Endocannabinoide und ihre Rezeptoren kommen im ganzen Körper vor: im Gehirn, in Organen, Bindegeweben, Drüsen und Immunzellen. In jedem Gewebe erfüllt das Cannabinoidsystem unterschiedliche Aufgaben, aber das Ziel ist immer dasselbe: Homöostase, die Aufrechterhaltung eines stabilen inneren Milieus trotz Schwankungen in der äußeren Umgebung.

Cannaboide

Cannabinoide fördern die Homöostase auf jeder Ebene des biologischen Lebens, von der subzellulären Ebene bis zum Organismus und vielleicht bis zur Gemeinschaft und darüber hinaus. Ein wichtiges Beispiel: Autophagie, ein Prozess, bei dem eine Zelle einen Teil ihres Inhalts absondert, um selbst verdaut und recycelt zu werden, wird durch das Cannabinoidsystem vermittelt. Während dieser Prozess normale Zellen am Leben erhält und es ihnen ermöglicht, das Gleichgewicht zwischen der Synthese, dem Abbau und der anschließenden Wiederverwertung von Zellprodukten aufrechtzuerhalten, hat er eine tödliche Wirkung auf bösartige Tumorzellen, indem er sie veranlasst, sich in einem programmierten zellulären Selbstmord zu verzehren. Das Absterben der Krebszellen fördert natürlich die Homöostase und das Überleben auf der Ebene des gesamten Organismus.

Endocannabinoide und Cannabinoide finden sich auch an den Schnittpunkten der verschiedenen Systeme des Körpers und ermöglichen die Kommunikation und Koordination zwischen verschiedenen Zelltypen. An der Stelle einer Verletzung können Cannabinoide beispielsweise die Freisetzung von Aktivatoren und Sensibilisatoren aus dem verletzten Gewebe vermindern, die Nervenzelle stabilisieren, um ein übermäßiges Feuern zu verhindern, und nahegelegene Immunzellen beruhigen, um die Freisetzung von pro-inflammatorischen Substanzen zu verhindern. In der Summe also die Auslösung von drei verschiedenen Wirkungsmechanismen auf drei verschiedene Zelltypen (Gewebe, Nervenzelle, Immunzelle) zu einem einzigen Zweck: Minimierung der durch die Verletzung verursachten Schmerzen und Schäden.

Was sind Cannabinoid-Rezeptoren?

Seescheiden, winzige Nematoden und alle Wirbeltierarten haben das Endocannabinoidsystem als wesentlichen Teil des Lebens und der Anpassung an Umweltveränderungen gemeinsam. Durch den Vergleich der Genetik von Cannabinoidrezeptoren bei verschiedenen Arten schätzen Wissenschaftler, dass sich das Endocannabinoidsystem bei primitiven Tieren vor über 600 Millionen Jahren entwickelt hat.

Cannabinoidrezeptoren sind im ganzen menschlichen Körper vorhanden, eingebettet in Zellmembranen, und es wird angenommen, dass sie zahlreicher sind als jedes andere Rezeptorsystem. Wenn Cannabinoidrezeptoren stimuliert werden, kommt es zu einer Vielzahl von physiologischen Prozessen. Forscher haben zwei Cannabinoidrezeptoren identifiziert: CBR1, der vorwiegend im Nervensystem, im Bindegewebe, in den Keimdrüsen, Drüsen und Organen vorkommt; und CBR2, der vorwiegend im Immunsystem und den damit verbundenen Strukturen zu finden ist. Viele Gewebe enthalten sowohl CB1- als auch CB2-Rezeptoren, die jeweils mit einer anderen Wirkung verbunden sind.

Endocannabinoide sind die Substanzen, die unser Körper auf natürliche Weise herstellt, um diese Rezeptoren zu stimulieren. Die beiden am besten verstandenen dieser Moleküle heißen Anandamid und 2-Arachidonoylglycerin (2-AG). Sie werden bei Bedarf aus Arachidonsäurederivaten der Zellmembran synthetisiert, haben eine lokale Wirkung und eine kurze Halbwertszeit.

Metabolische Enzyme

Das dritte Mosaiksteinchen der Endocannabinoid-Trias umfasst die metabolischen Enzyme, die die Endocannabinoide innerhalb des ECS schnell zerstören, sobald sie verwendet werden. Die beiden großen Enzyme sind FAAH, das Anandamid abbaut, und MAGL, das 2-AG abbaut. Diese Enzyme sorgen dafür, dass Endocannabinoide nur dann eingesetzt werden, wenn sie gebraucht werden, aber nicht länger als nötig. Dieser Prozess unterscheidet die Endocannabinoide von vielen anderen molekularen Signalen im Körper, wie z.B. Hormonen oder klassischen Neurotransmittern, die für viele Sekunden oder Minuten wirken können oder für eine spätere Verwendung verpackt und gelagert werden.

Diese drei Schlüsselkomponenten des Endocannabinoidsystems (Endocanabinoide, CBRs und Enzyme) finden sich in fast jedem Hauptsystem des Körpers. Wenn etwas eine Zelle aus ihrer Komfort-Zone herausbringt, werden diese drei Säulen des ECS oft aufgefordert, die Homöostase wieder herzustellen bzw. aufrechtzuerhalten.

Aufgrund seinerzeit Rolle, die darin besteht, Dinge in ihre physiologische Komfort-Zone zurückzubringen, wird das ECS oft nur dann und dort eingesetzt, wo es benötigt wird. Dr. Vincenzo Di Marzo, Forschungsdirektor am Institut für Biomolekulare Chemie in Italien, drückte es so aus: „Die ECS wird oft nur dann und dort eingesetzt, wo sie gebraucht wird:

„Mit der ‚pro-homöostatischen Wirkung des ECS‘ meinen wir, dass dieses System chemischer Signale nach Abweichungen von der zellulären Homöostase vorübergehend aktiviert wird. Wenn solche Abweichungen unphysiologisch sind, versucht das vorübergehend aktivierte ECS raum- und zeitselektiv, die vorherige physiologische Situation (Homöostase) wiederherzustellen.”

Phytocannaboide

Phytocannabinoide sind pflanzliche Substanzen, die Cannabinoidrezeptoren stimulieren. Delta-9-Tetrahydrocannabinol, oder THC, ist die psychoaktivste und sicherlich die berühmteste dieser Substanzen, aber auch andere Cannabinoide wie Cannabidiol (CBD) und Cannabinol (CBN) gewinnen aufgrund ihrer vielfältigen heilenden Eigenschaften das Interesse der Forscher und sind heute auf dem Markt z.B. als CBD-Öl auch frei verfügbar. Die meisten Phytocannabinoide wurden aus Cannabis sativa isoliert, aber auch bei anderen Heilkräutern wie Echinacea purpura wurde festgestellt, dass sie nicht-psychoaktive Cannabinoide enthalten.

Interessanterweise verwendet die Cannabispflanze auch THC und andere Cannabinoide, um ihre eigene Gesundheit zu fördern und Krankheiten vorzubeugen. Cannabinoide haben antioxidative Eigenschaften, die die Blätter und Blütenstrukturen vor ultravioletter Strahlung schützen – Cannabinoide neutralisieren die schädlichen freien Radikale, die durch UV-Strahlen entstehen, und schützen so die Zellen. Beim Menschen verursachen freie Radikale Alterung, Krebs und beeinträchtigte Heilung. Antioxidantien, die in Pflanzen gefunden werden, werden seit langem als natürliche Ergänzungsmittel eingenommen, um Schäden durch freie Radikale zu verhindern.

THC aus Cannabisextrakt (Handelsname: SavitexⓇ) wird seit einigen Jahren ja schon zur Behandlung der Spastizität und von Schmerzen bei der Multiplen Sklerose eingesetzt. Auch synthetisches THC kommt in der medizinischen Forschung zum Einsatz und viele andere synthetische Cannabinoide werden in der Tierforschung eingesetzt. Einige haben eine bis zu 600-fache Wirksamkeit gegenüber THC.

Endocannabinoid-Regulierung der Entzündung

Entzündung ist eine natürliche Schutzreaktion des Immunsystems als Reaktion auf eine Infektion oder körperliche Schädigung. Der Zweck der Entzündung ist es, Krankheitserreger (Keime) oder beschädigtes Gewebe zu entfernen. Der entzündete Bereich wird dadurch erzeugt, dass Flüssigkeit und Immunzellen in den Bereich eindringen, um die schmutzige Arbeit zu erledigen und das Gewebe wieder in einen gesunden Zustand zurückzubringen.

Es ist wichtig, dass die Entzündung auf den Ort der Schädigung begrenzt ist und nicht länger als nötig anhält, was zu Schäden führen kann. Chronische Entzündungen und Autoimmunkrankheiten sind Beispiele dafür, dass das Immunsystem unangemessen aktiviert wird. Wenn dies geschieht, dauert die Entzündungsreaktion zu lange an, was zu einer chronischen Entzündung führt, oder sie richtet sich gegen gesunde Zellen, was als Autoimmunität bezeichnet wird. Und genau an dieser Stelle treffen wir auf den Zusammenhang zwischen MS und dem endocannabinoiden System.

Fazit: Während CB1R bei der Regulation der Neurostimulation der Neurotransmission in verschiedenen Hirnregionen eine Rolle spielt und hauptsächlich die psychoaktiven Effekte von Cannabinoiden vermittelt, kommt CB2R vorwiegend in den Zellen und Geweben des Immunsystems vor und vermittelt entzündungshemmende und immunmodulatorische Prozesse. Studien haben gezeigt, dass CB1R und CB2R die Aktivierung von T-Zellen, B-Zellen, Monozyten und Mikrogliazellen beeinflussen können, indem sie die Expression proinflammatorischer Zytokine hemmen und die Mediatoren hochregulieren, die die Entzündung auflösen.

Im kommenden zweiten Teil dieser Artikelserie befassen wir uns daher mit der Frage inwieweit die Modulation von CB1R und CB2R über Cannabinoide vorteilhaft ist bei der Behandlung von Autoimmunkrankheiten und insbesondere der Multiplen Sklerose (MS).

Bleiben Sie dran….


Photo by Rick Proctor on Unsplash

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Wider die Borniertheit: Interventionsstudien und andere Quellen bei MS


Nahezu jede und jeder Betroffene wird es schon erlebt haben. Man geht zum Arzt – meist zum Neurologen – fragt nach natürlichen oder lebensstil-orientierten Behandlungsmethoden bei der Multiplen Sklerose – und schaut oftmals in leere Augen, schlimmstenfalls in eine aggressiv gerunzelte Stirn “Kommen Sie mir bloß nicht mit so etwas, alles gefährlicher Humbug!”. Hoffentlich haben Sie letzteres noch nicht erlebt.

Wie geht man damit um? Man versucht sich breiter zu informieren, zum Beispiel über die Webseiten von Life-SMS und lsms.info, und findet dann vielleicht auch die “Mindmap” zur lebensstilorientierten Behandlung der MS. Nun kann man natürlich immer noch sagen, man kann ja viel behaupten, wo sind denn die Beweise?

Aus diesem Grund haben wir auch außerhalb des hinter Life-SMS stehenden Expertennetzes eine Auswahl von aktuellen Studien und Reviews kategorisiert und zusammen mit den von den Autoren getroffenen Schlußfolgerungen chronologisch aufgelistet. Diese Studien sollen Ihnen bei der Argumentation für Ihren Weg der selbstverantwortlichen MS-Behandlung helfen und zusätzliche Sicherheit geben. Es handelt sich ausschließlich um Interventionsstudien, Metaanalysen und Studien mit besonderer Aussagekraft.

Interventionsstudien – gerne auch doppelblind-placebokontrolliert – sind dabei die Interessantesten, da sie die Effekte einer Behandlung direkt bewerten. Allerdings muss es nicht immer eine doppelblind-placebokontrollierte Studie sein, denn auch ohne Verblindung werden Effekte sichtbar und manche Interventionen können die Autoren ohnehin nicht verblinden (z.B. im Bewegungsbereich oder bei mentalen Interventionen). Metaanalysen sind insofern interessant, als dass sie mehrere oder sogar viele Einzelanalysen statistisch “poolen”. Allerdings ist das “poolen” mehrerer Studien schwierig und kann statistische Fehler aufweisen, da die Datenbasis nicht vergleichbar ist. Auch die Auswahl der Studien kann einen “Bias” (systematischen Fehler) aufweisen. Ein positives Resultat einer Metastudie gibt aber zumindest zusätzliche Sicherheit. Reviews sind ebenfalls sehr hilfreich, da sie ein Themengebiet aus einer übergreifenden Sicht betrachten und zusammenfassend darstellen.

Wenn Sie also einem kurzen Überblick über den Hintergrund verschiedener Behandlungsansätze und der Wissenschaft dahinter interessiert sind, gehen Sie einfach auf diese Seite: https://lifesms.blog/interventionsstudien/

Sie finden dort auch die direkten Links zu den Studien auf Pubmed und manche sind auch in der Vollversion frei verfügbar. Wenn Sie das Ganze zum Mitnehmen ausdrucken wollen, genügt ein Klick auf die rechte Maustaste und “Drucken” und Sie erhalten die Seite in einem recht übersichtlichen Druckformat.

Ein abschließender Hinweis: Wissenschaft macht nie absolute Aussagen “ex cathedra”, sondern gibt den Stand der aktuellen Forschung wieder. Studien können fehlerhaft oder gefärbt sein und werden durch neue Erkenntnisse inhaltlich überholt. Von daher ist es wichtig auf dem Laufenden zu bleiben und wir bei Life-SMS verfolgen die relevanten Themengebiete kontinuierlich weiter. Von daher finden Sie die aktuellsten Studien immer an erster Stelle und einige können auch im Lauf der Zeit wieder aus der Liste verschwinden, aber das ist das Zeichen der Weiterentwicklung wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Fazit: Lassen Sie sich nicht auf dem Weg der eigenverantwortlichen Behandlung der Multiplen Sklerose beirren und machen sich selbst soweit wie möglich ein Bild! Nutzen Sie belastbare Informationen, um Ihre Entscheidung bei jeder Art der Behandlung zu untermauern und sich nicht verunsichern zu lassen. Wir von Life-SMS hoffen dabei unseren Beitrag zu leisten!

PS: Und wenn Ihnen einmal eine wichtige Studie auffällt, senden Sie uns gerne einen entsprechenden Link zu!


Photo: Stephen A. Schwarzman Building, New York City, USA


 

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Krebs bei Multiple-Sklerose-Patienten: die Auswirkungen krankheitsmodifizierender Therapien

Das Immunsystem spielt sowohl bei Multipler Sklerose (MS) als auch bei Krebs eine wichtige Rolle. Während es bei MS übermäßig stimuliert zu sein scheint, was zu einer ausgeprägten Entzündungsreaktion und ihren Folgen führt, scheint bei Krebs ein immunosuppressiver Zustand zu verhindern, dass die Krebszellen ordnungsgemäß zerstört werden.

Die derzeitigen krankheitsmodifizierenden Therapien (DMTs) für MS zielen darauf ab, die angeborene und adaptive Immunantwort auf einen weniger entzündlichen Grad zu modulieren. Sie sollen den MS-Patienten Vorteile bieten, indem sie die Neuroinflammation, die Symptome und das Fortschreiten der Krankheit verringern. Sie haben aber auch das Potenzial, Krebs als unerwünschte Begleiterscheinung zu fördern.infusion with medication

Es besteht bereits allgemeine Übereinstimmung darüber, dass Immunsuppressiva-Therapien zu einem erhöhten Krebsrisiko bei MS-Patienten geführt haben, und dieses Risiko hängt mit der familiären Krebsvorgeschichte des Patienten, der Dauer der Behandlung und der kumulativen Dosis zusammen. Diese Tatsache veranlasste einige Studien dazu, orale und intravenöse Therapien zusammen mit anderen Krebsrisikofaktoren, wie Alkohol und Rauchen, einzubeziehen.

Laut Daten, die auf dem Kongress der Europäischen Akademie für Neurologie (EAN) 2019 vorgestellt wurden, haben Patienten mit MS im Vergleich zu Menschen ohne MS ein um 14% höheres Risiko, an allen Arten von Krebs zu erkranken. Dieses Risiko scheint mit immunsuppressiven Medikamenten und der Dauer der Behandlung zusammenzuhängen. Diese Komorbidität stellt sowohl in der Diagnose als auch in der Therapie eine Herausforderung für die Kliniker dar. Es ist schwierig, die Symptome einer neuen Krankheit zuzuordnen, wenn die MS selbst so viele verschiedene Symptome verursachen kann. Und es ist auch sehr schwierig, Krebs im Zusammenhang mit der Autoimmunität der MS zu behandeln.

In einer kürzlich in Frontiers in Immunology veröffentlichten Übersicht beschreiben die Autoren, wie die einzelnen DATs mit den Krebserkrankungen zusammenhängen. Sie schlagen vor, dass zukünftige Bemühungen darauf gerichtet sein sollten, ein klareres Verständnis des relativen Krebsrisikos bei Patienten, die ein bestimmtes Medikament einnehmen, zu erlangen und Richtlinien für die Behandlung von Patienten mit MS und Krebs in der Vorgeschichte zu erstellen, die Kandidaten für DMTS sind.

Die medizinischen Fachkräfte müssen sich dieses möglichen Zusammenhangs bewusst sein. Bei der Wahl eines Immunsuppressivums müssen die Familiengeschichte und andere Krebsrisikofaktoren berücksichtigt werden. Ein effizientes Monitoring und Screening auf bösartige Krebserkrankungen sollte periodisch individuell beim Einsatz von DMTS durchgeführt werden.

Schlussfolgerung:

Die Beziehung zwischen MS und Krebs ist komplex. Man muss sich vor Augen halten, dass die Einnahme von Medikamenten mit immunsuppressiver Wirkung das Krebsrisiko bei Patienten mit MS erhöht. Diese Tatsache sollte zu einem effizienteren Screening auf Malignität bei MS-Patienten führen. Dies gilt insbesondere für Hautkrebs. Ein guter Neurologe sollte dies bei der Therapieentscheidung und in der nachfolgenden Therapie berücksichtigen. Fragen Sie ruhig gezielt nach!


Der hier hauptsächlich betrachtete Review [1] verfolgt die Entwicklung der MS-Medikation seit den Anfängen 1993 bis heute und verweist auf insgesamt 196 Paper und Studien. Statistische Ergebnisse haben immer nur begrenzte Auswirkungen auf den einzelnen Patienten, helfen aber dabei, bewusste Entscheidungen für oder gegen ein medikamentöse Behandlung zu treffen. Wir werden dieses und verwandte Themen auch weiterhin betrachten und über wichtige neue Erkenntnisse berichten.

Photo by Marcelo Leal on Unsplash


Referenzen:

  1. Melamed E, Lee MW. Multiple Sclerosis and Cancer: The Ying-Yang Effect of Disease Modifying Therapies. Front Immunol. 2020;10:2954. Published 2020 Jan 10. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31998289
  2. Lebrun, C., Vermersch, P., Brassat, D. et al. Cancer and multiple sclerosis in the era of disease-modifying treatments. J Neurol 258, 1304–1311 (2011). https://doi.org/10.1007/s00415-011-5929-9

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Empfohlener Videoblog: MS mit-ilke – Der Schubnotfallplan auch ohne Kortison

Manche Zeitgenossen kommen überraschender Weise unabhängig von den eigenen Überlegungen zu den gleichen Ergebnissen und man merkt es erst nach einigen Jahren. Manchmal braucht die Vorsehung also auch etwas Zeit.

Ilke war 18 Jahre schubfrei und hat als Apothekerin nicht nur die Erfahrung einer Betroffenen, sondern auch den fachlich-wissenschaftlichen, pharmazeutischen Hintergrund, um fundierte Aussagen zu machen. Das sind hervorragende Grundlagen für eine Verlinkung mit Life-SMS.

Das Credo ihres Video-Blogs und Newsletters ist 100% deckungsgleich mit unserem Grundansatz: mache Dich schlau, ändere Deinen Lebensstil und übernehme Selbstverantwortung. Und bitte, verfalle nicht in Panik, suche die Techniken die es Dir erlauben wieder klar zu denken und überlege erst dann die nächsten Schritte!

Zum Einstieg also hier das aktuelle Video: Multiple Sklerose Schub, was nun? Dein Plan langfristig gesund zu bleiben, auch ohne Cortison

 

 

Darüber hinaus hat Ilke auch ganz praktische Tipps im Portfolio – schauen Sie sich doch zum Beispiel mal Ilkes Wildkräuterführung an…

Eine gute Gelegenheit Kräuter zu sammeln, dabei Vitamin zu tanken und in der Folge wertvolle Pflanzenstoffe zu genießen. Hier zieht der Spruch „fragen Sie Ihre Ärztin oder Apothekerin“ endlich einmal!

In diesem Sinne empfehlen wir unbedingt, Ilkes YouTube-Kanal zu abonnieren und sind auf neue Themen gespannt!

Bleiben Sie gesund und uns treu!

Ihr

Life-SMS Team


 

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