Wie im Newsfeed „Lange drauf gewartet: Erweiterung der MS-Leitlinie um wichtige Faktoren“ Ende März angekündigt, wollen wir uns etwas intensiver mit der MS-Leitlinie beschäftigen, die inzwischen mindestens einmal jährlich geprüft und aktualisiert wird und damit eine „Living-Guideline“ sein soll.
Übersicht zu den Hauptpunkten der MS-Leitlinie Kapitel C: Lebensstil-Management
Bis die Neuerungen in der neurologischen Praxis umgesetzt sind, ist es von Vorteil, wenn die Betroffenen ihre Rechte kennen – insbesondere in Bezug auf die neu aufgenommenen Kapiteln C „Lebensstil-Management“ und H „Patientenzentrierte Kommunikation“.
C1. Körperliche Aktivität und Bewegungstherapie
Beginnen wir – ganz Life-SMS-like – mit dem Lebensstilmanagement, wo unter „C1 Körperliche Aktivität, Sport und Training“ steht:
„Empfehlung C1 (starker Konsens): Ab dem Zeitpunkt der Diagnose soll jede Person mit MS über den Nutzen von Kraft‐und Ausdauertraining sowie über aktuelle Empfehlungen für körperliche Aktivität informiert werden. Bis EDSS 7.0 sollen nach WHO-Empfehlung minimal 75 Minuten intensives oder 150 Minuten moderates Ausdauertraining in der Woche erfolgen. Idealerweise sollte regelmäßig eine Erhebung des Fitnessstatus erfolgen. Das Ausmaß der körperlichen Aktivität sollte immer wieder abgefragt werden, um hier motivational wirksam werden zu können.“
Hier wird also der Terminus „informiert“ verwendet. Weiter oben (oberhalb der hier zitierten Passage) wird so formuliert: „Bewegungstherapie wird idealerweise ärztlich verordnet und durch einen Fachtherapeut oder eine Fachtherapeutin geplant und angeleitet.“
Oft bekamen bisher viele Neu-Diagnostizierte (und oft auch andere MS-Betroffene) bei Nachfrage nach einer Verordnung von regelmäßiger KGG (also Krankengymnastik am Gerät, was Krafttraining unter therapeutischer Anleitung ist) eine ablehnende Antwort in der Neurologie-Praxis ihres Vertrauens. Oder 2 x jährlich eine Verordnung über je 6 bis maximal 12 Einheiten pro Verordnung – womit man nicht weit kommt.
Dabei ist schon seit langem bekannt, dass die allgemeine Gebrechlichkeit und das Risiko von Stürzen geringer ist, je mehr die Muskulatur trainiert ist – am besten schon vor einer MS-bedingten Einschränkung! Weil Krafttraining nicht nur die Muskelkraft, sondern auch die Balance und motorische Alltagskompetenz verbessern kann und die allgemeine Mobilität ggf. länger erhalten bleiben kann. Und Hinweise, dass Training die mentale Gesundheit und Lebensqualität bei MS verbessert, gab es auch schon sehr lange.
Nun endlich dürften also mehr MS-Diagnostizierte Chancen auf regelmäßigere Verordnungen für KGG haben – zumindest, wenn Sie proaktiv danach fragen.
Folgende Detailempfehlungen zu diesem Kapitel stehen übrigens der Living Guideline: MS-Trainingsempfehlungen (nach Kalb 2020) • EDSS 0 – 6.5: Aerobes Training: 2-3x / Woche à 10-30 Minuten bei moderater Intensität (40–60% der maximalen Sauerstoffaufnahmekapazität bzw. maximalen Herzfrequenz) kombiniert mit 2-3x / Woche Krafttraining (5-10 Übungen mit je 8-15 Wiederholungen) sowie Beweglichkeits- und Balancetraining. Intensives aerobes Training: bis zu 5x / Woche à 40 Minuten mit 80% der maximalen Sauerstoffaufnahmekapazität bzw. maximalen Herzfrequenz, zusätzlich Hochintensitäts-Intervalltraining 1x / Woche mit 5 Intervallen von 30-90 Sekunden mit 90-100% der maximalen Herzfrequenz. Angestrebt werden sollten zusätzlich 150 Minuten in der Woche aktiver Lebensstil, bsp. mindestens 7500 Schritte / Tag. • Ab EDSS 7.0: Tägliches Training bis zu 20 Minuten, evtl. unterteilt in mehrere Einheiten oder auch ein Intervalltraining mit 6x 3 Minuten Belastung empfohlen. Zusätzlich wird Atemtraining und Beweglichkeitstraining empfohlen.
C.2 Ernährung und Gewicht
Kommen wir zum nächsten Kapitel „Ernährungs- und Gewichtsmanagement“, welches auch die Rolle des Mikrobioms und des Darms als immunologisches Organ erwähnt und die negativen Auswirkungen von Übergewicht und Adipositas auf den Krankheitsverlauf adressiert.
Im Wesentlichen entsprechen nun die Ernährungsempfehlungen denen, die hier bei Life-SMS schon seit vielen Jahren publiziert werden: eine pflanzenbetonte Kost (Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte), die Bevorzugung von Fetten aus Pflanzenölen (Olivenöl, Leinöl, Kokosfett), Nüssen und Fisch sowie Omega-3-Öl aus Algen und moderate Mengen an Milchprodukten. Kritisch zu bewerten ist die ausschließliche Orientierung an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), die zu kohlenhydratlastig sind. Besser ist es, sich an der MIND-Diät, der A.oder der mediterranen Ernährungsweise zu orientieren.
.Im Wesentlichen entsprechen nun die Ernährungsempfehlungen denen, die hier bei Life-SMS schon seit vielen Jahren publiziert werden: eine pflanzenbetonte Kost (Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte), die Bevorzugung von Fetten aus Pflanzenölen (Olivenöl, Leinöl, Kokosfett), Nüssen und Fisch sowie Omega-3-Öl aus Algen und moderate Mengen an Milchprodukten.
Wortwörtlich steht in der Leitlinie: Als Orientierung können die 2024 aktualisierten lebensmittelbasierten Ernährungsempfehlungen für Deutschland der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) dienen. Das 11-Punkte-Konzept dieser Empfehlungen umfasst: 1. Am besten Wasser trinken 2. Obst und Gemüse – viel und bunt 3. Hülsenfrüchte und Nüsse regelmäßig essen 4. Vollkorn ist die beste Wahl 5. Pflanzliche Öle bevorzugen 6. Milch und Milchprodukte jeden Tag 7. Fisch jede Woche 8. Fleisch und Wurst – weniger ist mehr 9. Süßes, Salziges und Fettiges – besser stehen lassen 10. Mahlzeiten genießen 11. In Bewegung bleiben und auf das Gewicht achten
Kritisch zu bewerten ist die ausschließliche Orientierung an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), die viel zu kohlenhydratlastig sind. Besser ist es, sich an der MIND-Diät, der A.D.A.M-Diät oder der mediterranen Ernährungsweise zu orientieren.
Punkt 6 können wir aus guten Gründen bei MS jedoch nur eingeschränkt empfehlen. Schauen Sie dazu – und zu weiteren ausführlichen Hinweisen – gerne den Ernährungsbereich der Life-MS Mind-Map an.
C.3 Vitamin D
Hier werden zwar (endlich) Empfehlungen zur Vitamin-D-Supplementierung gegeben und darauf hingewiesen, dass die Dosierung individuell angepasst werden sollte. Der angegebene Zielbereich ist bei Multiple Sklerose aber definitiv zu vorsichtig angesetzt:
Vitamin-D-Serumspiegel (25-Hydroxy-Cholecalciferol) in nmol/l (μg/l bzw. ng/ml) Suboptimale Versorgung: 30 – < 50 (12 – < 20) Zielbereich: 50-125 (20-50) Empfehlung (starker Konsens): Bei Patientinnen und Patienten mit Multipler Sklerose sollte der Vitamin-D-Spiegel überprüft werden. Besteht ein Mangel, soll dieser ausgeglichen werden, idealerweise durch eine tägliche oder wöchentliche medikamentöse Supplementation.
Bei Life-SMS bevorzugen wir – aus studienbasierten Gründen – bei MS einen Zielbereich von 60-90 ng/ml 25-Hydroxy-Cholecalciferol – und ganz klar besser eine tägliche statt wöchentliche (oder gar monatliche) Einnahme! Schließlich ist Vitamin D (trotz des irreleitenden Namens, der noch von der früheren falschen Einsortierung herrührt) ein Hormon und führt bei nicht regelmäßiger Einnahme daher zu Hormonschwankungen. Allenfalls eine Substitution „nur alle 2-3 Tage“ kann der Körper tolerieren, wenn man nicht täglich möchte, aber dann sollte man auch keinen Einnahmezeitpunkt vergessen.
Gut hingegen ist, dass man mit der Empfehlung, dass der Vitamin-D-Spiegel überprüft werden sollte, nun ein Anrecht darauf geltend machen können sollte – wenn auch leider nur, bis ein „Mangel“ behoben ist (der eigentlich viel höher angesetzt sein müsste; nämlich direkt unterhalb des sinnvollen Zielbereichs bei MS).
Schauen Sie gerne auch hier in unserer Mind-Map die Detailinfos zum Thema Vitamin D (und Sonne):
Fazit
Gut, dass inzwischen auch Lebensstiländerungen Eingang in die offizielle Leitlinie zu Multiple Sklerose gefunden haben. Betroffene, die bereits Krafttraining in einem physiologisch betreuten Training absolvieren, haben nun eher die Chance, dies regelmäßig(er) auf Krankenkassenkosten machen zu dürfen. Das sollte natürlch niemanden davon abhalten, nachdem eine Anleitung durch eine Physiotherapeutin oder Physiotherapeuten erfolgt ist, zuhause das Krafttraining eigenverantwortlich fortzusetzen.
Betroffene, die eine Ernährungsänderung in Angriff genommen haben oder dies wollen, haben eher die Chance, dafür in der Arztpraxis zumindest nicht mehr belächelt zu werden; und jenen, die ihren Vitamin-D-Status wissen wollen, dürfte dies dort nicht mehr so einfach verwehrt werden.
In einem der nächsten Newsfeeds schauen wir gerne auf weitere relevante Änderungen in dieser Living Guideline und ihre Bedeutung für Menschen mit Multipler Sklerose. Bleiben Sie also wie gewohnt neugierig auf diesen Kanal und uns treu! Ihr Team von Life-SMS
2 Screenshots mit dem jeweiligen Themenbereich der Life-MS Mind-Map
Titelfoto: Infografik zur neuen MS-Leitlinie mit Fokus auf Kapitel C1 bis C3: körperliche Aktivität und Bewegungstherapie, Ernährung und Gewicht sowie Vitamin D. Gestaltet mit ChatGPT 30.5.2026
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Anfang bis Mitte der 90er Jahre bekamen manche MS-Betroffene von engagierter, wissender Ärzteschaft den Rat zur Lebensstilanpassung: gesünder essen, mehr Ruhe & erholsamer Schlaf, weniger Stress, Verzicht auf Zucker, Alkohol, Nikotin und andere Drogen. Manchmal wurde es auch konkreter, z.B. in Bezug auf tierische Fettsäuren oder Nahrungsergänzung. Mache Betroffene, die sich daran hielten, merkten mehr oder weniger schnell, dass die Ratschläge sinnvoll waren. Als dann die ersten Medikamente speziell für MS zugelassen wurden (es waren Interferone), wurden jene Betroffene belächelt, die auf ihre erfolgreiche Lebensstilanpassung hinwiesen; Nee, das könne nicht helfen. Da müsse schon was Besseres her; z.B. dieses oder jenes Interferon-Präparat.
Seitdem halten sich die meisten der Neurologenschaft – und damit auch die MS-Diagnostizierten – an die Empfehlungen in der Leitlinie zur Diagnose und Therapie von Multiple-Sklerose.
2021 wurde diese letztmalig komplett neu erstellt und seitdem ist es eine „Living-Guideline“, da sie mindestens einmal jährlich geprüft und aktualisiert wird.
Heute, etwa 30 Jahre nach dem ersten MS-Medikamenten-(Interferon-)Einsatz, steht es schwarz auf weiß in diesen Richtlinien (letzte Version veröffentlicht im Febraur 2025), was damals schon einigen bekannt war. Denn die neuesten Überarbeitungen fokussieren verstärkt auf Patientenpartizipation und Therapieoptimierung. Endlich, aber leider für viele Betroffene zu spät!
Erfreulich dagegen, dass mit sogar zwei neuen Kapiteln, eines zum Lebensstil-Management, ein weiteres zur patientenzentrierten Kommunikation, die Patientenpartizipation nun deutlich in den Fokus rückt.
Da einiges davon ganz auf der Linie der Empfehlungen von Life-SMS liegt, besprechen wir die Neuerungen hier ausführlicher. Es ist ja leider auch weiterhin davon auszugehen, dass im klinischen Alltag noch eine ganze Weile oft auf die medikamentöse Therapie fokussiert wird – entweder aus (Sprech)Zeitgründen oder weil noch nicht alle aus der Neurologenzunft die neuen Kapitel entdeckt und gelesen haben (teils auch aus Zeitgründen oder sogar aus Ignoranz), so dass diese Aspekte leider auch weiterhin häufig zu kurz kommen werden.
Heute folgt zunächst ein kurzer Überblick zu den 2 neuen Kapiteln. In einem kommenden Newsfeed bei Life-SMS gehen wir dann genauer auf die Kapitel C „Lebensstil-Management“ und danach auf das Kapitel H „Patientenzentrierte Kommunikation“ ein.
Kapitel C „Lebensstil-Management“
C1. Körperliche Aktivität und Bewegungstherapie
Die Leitlinie empfiehlt regelmäßige körperliche Aktivität als festen Bestandteil der MS-Therapie. Das Kapitel betont die Bedeutung von angepassten Sportprogrammen, die individuell an die jeweiligen Fähigkeiten und Einschränkungen angepasst werden können, um sowohl die physische Funktion als auch die Lebensqualität zu verbessern.
C2. Ernährungs- und Gewichtsmanagement
Dieser Bereich umfasst Empfehlungen zu einer ausgewogenen Ernährung gemäß aktuellen Ernährungsstandards mit Fokus auf kardiovaskuläre Gesundheit, Rolle des Mikrobioms und des Darms als immunologisches Organ. Die Leitlinie adressiert die negativen Auswirkungen von Übergewicht und Adipositas auf den Krankheitsverlauf.
C3. Vitamin D
Es werden klare Empfehlungen zur Vitamin-D-Supplementierung gegeben, wobei die Dosierung individuell angepasst werden sollte.
C4. Osteoporose
Aufgrund des Risikofaktors MS wird ein Screening bei Frauen ab der Menopause und bei Männern ab dem 50. Lebensjahr empfohlen zur Früherkennung einer Osteoporose.
C5. Mentale Gesundheit und Stress
Dieser Abschnitt behandelt die Bedeutung von Stressmanagement-Techniken wie Entspannungsverfahren und Resilienztraining. Die Leitlinie erkennt endlich an, dass psychische Belastungen den Krankheitsverlauf beeinflussen können.
C6. Genussgifte: Rauchen und Alkohol
Rauchen wird als signifikanter Risikofaktor für einen ungünstigeren Krankheitsverlauf identifiziert. Der Zusammenhang zwischen Tabakkonsum und erhöhter Schubrate sowie schnellerer Behinderungsprogression wird deutlich gemacht. Gleiches wird sogar für das Passivrauchen anerkannt!
Kapitel H “Patientenzentrierte Kommunikation”
Dieser Faktor wird wohl offensichtlich jetzt ernst genommen. Gerade im Hinblick auf die große Bandbreite an Therapiemöglichkeiten sei es notwendig, dass die Behandelnden nicht allein für die Betroffenen entscheiden (eventuell sogar gegen diese), sondern Arzt-Patienten-Gespräche MS-Diagnostizierte befähigen, für sich persönlich eine informierte Therapieentscheidung zu treffen. Denn die Nebenwirkungsprofile variieren von Medikament zu Medikament, und oft ist es ja eine individuelle Entscheidung, welche unerwünschten Wirkungen akzeptabel sind und welche man nicht tragen möchte.
Außerdem ist ‚Patient-Empowerment‘ wesentlich für die Compliance und damit für den Therapieerfolg.
FAZIT
Erfreulicherweise reflektiert die aktuelle Leitlinie Erkenntnisse und Zusammenhänge, über die wir bei Life-SMS schon seit ungefähr 10 Jahren berichten. Betroffene, die bereits Lebensstiländerungen umgesetzt haben oder dies jetzt tun, sind somit auch aus schulmedizinischer Sicht auf dem richtigen Weg.
Wie zu Beginn erwähnt, werden wir uns in einem der nächsten Newsfeeds an dieser Stelle ausführlicher mit Kapitel C „Lebensstil-Management“ und anschließend mit Kapitel H „Patientenzentrierte Kommunikation“ beschäftigen. Dabei werden wir auch auf mögliche Konsequenzen eingehen, die sich daraus ergeben können (z. B. Knochendichtemessung auf Rezept?).
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Da hat man schon eine nervige Erkrankung! Und dann gesellen sich im Laufe der Zeit auch noch Knochenstoffwechselstörungen wie Osteoporose dazu. Muss es denn so weit kommen?
Gemäss Fachliteratur haben MS-Erkrankte ein bis zu 10-fach (!) erhöhtes Osteoporose-Risiko gegenüber nicht Erkrankten [1]. Auch Knochenbrüche sind gemäss Studienlage bei MS-Erkrankten häufiger vorzufinden. So bestehe beispielsweise ein 3-fach erhöhtes Risiko, eine Hüftfraktur zu erleiden, im Vergleich zu nicht Erkrankten [1].
Aber wieso wird der Knochenstoffwechsel gestört? Wieso werden die Knochen weich (Osteomalazie), porös (Osteoporose) bzw. brüchig, wenn man doch eigentlich eine Nervenerkrankung hat? Und ist Osteoporose nicht eigentlich eine Alterserscheinung?
Die Osteoporose z.B. wird (anders als die «primäre» altersbedingte Osteoporose) bei MS-Erkrankten als «sekundäre» Osteoporose beschrieben (also als «Folge» der MS-Erkrankung). Sie wird allerdings nicht primär auf geschädigte Nerven, sondern vielmehr auf verschiedene Lebensumstände zurückgeführt, die den Knochenabbau fördern.
Entwicklungsstadien einer Osteoporose (Knochendichteveränderungen) bei einem Wirbelkörper
Körperliche Bewegung
Bewegungsmangel gilt im Allgemeinen als eine potenzielle Ursache der MS-begleitenden Osteoporose. Denn der Reiz, der das Knochenwachstum fördert, wird von der Muskulatur gegeben. Bewegt man sich nicht ausreichend, wird dieser Reiz nicht genügend erzeugt und das Gleichgewicht aus Knochenab- und Knochenaufbau verschiebt sich zu Ungunsten der Knochengesundheit. Die Elastizität der Knochen wird gemindert, so dass diese schneller unter Belastung brechen.
Für alle MS-Erkrankten, die körperlich nicht bzw. kaum eingeschränkt sind, wäre daher regelmässige Bewegung anzuraten. Das fängt schon an mit Spaziergängen, Feldenkrais, Yoga, Beckenboden-Training, Wassergymnastik, sportlicher Betätigung bis hin zum Ausdauertraining oder gezielten Muskelaufbau. Auch Koordinationstraining auf Balance-Boards oder speziellen Balance-Kissen (sofern Ihre Koordinationsfähigkeiten nicht allzu stark gemindert sind) unterstützt den Erhalt der Knochengesundheit. Im Alltag kann auch der Einsatz von Hilfsmitteln (wie z.B. Balance-Kissen auf dem Stuhl beim Sitzen) helfen, dem Knochenabbau etwas entgegenzuwirken.
Für Erkrankte, die körperlich stärker eingeschränkt sind, sind Physiotherapeuten bzw. Sportwissenschaftler im therapeutischen Bereich eine gute Anlaufstelle. Unterstützenden Muskelaufbau könnten Sie auch mit EMS-Training (EMS=Elektromyostimulation) in Absprache mit Ihrem Therapeuten erreichen. Wenn genügend Muskulatur vorhanden ist und Sie keine künstlichen Gelenke haben bzw. an Gelenkproblemen wie Arthrose leiden, könnte (in Absprache mit Ihrem Therapeuten) womöglich Vibrationstraining in Betracht gezogen werden [2], [3]. Für Rollstuhlfahrer gibt es inzwischen sogar spezielle Vibrationsvorrichtungen – wenn auch leider zu bisher nicht überschaubaren Preisen [4], [5]. Für Privatpersonen wäre eine solche Trainingsplatte wohl sehr kostenintensiv. Aber manche Therapeuten bieten Vibrationstraining an, so dass diese hierfür eine mögliche Anlaufstelle wären. Insgesamt gilt: Halten Sie sich bitte an die Anweisung Ihres behandelnden Therapeuten und an die Herstellervorschriften.
Des Weiteren könnte regelmässige Hippotherapie durchgeführt werden. Hierbei erfolgt eine Bewegungsübertragung des sich bewegenden (und speziell dafür ausgebildeten) Pferdes auf den darauf sitzenden Patienten – wodurch letztendlich die Muskulatur des Patienten trainiert wird. Bitte wenden Sie sich an Ihre Krankenkasse, ob diese die Kosten einer solchen Therapie übernimmt.
Seit etwa 20 Jahren wird in den USA u.a. Magnetfeldtherapie zur Behandlung von Knochenbrüchen eingesetzt [6]. In Deutschland wurde sie zur Behandlung von Schmerzen vor 10 Jahren als IGeL-Leistung eingestuft [7]. Neueste Forschung weist aber auf eine vermehrte Expression eines bestimmten Proteins (Wachstumsfaktor für Knochengewebe) hin, das durch die Magnetfeldtherapie induziert wird [8]. Verschiedene Studien zeigten prinzipiell gute Erfolge dieser Therapiemethode bei Osteoporose [9], [10]. Gewöhnlich werden die Kosten für eine solche Therapie nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, können dort aber sicherlich angefragt werden.
Mikronährstoffe
Begünstigt wird eine Abnahme der Knochengesundheit auch durch niedrige Vitamin-D-Werte. Denn Vitamin D ist sehr wichtig für den Knochenstoffwechsel, indem es die Aufnahme von Calcium und Phosphat aus dem Darm sowie deren Einbau in den Knochen fördert. Wird weniger Knochensubstanz auf- als abgebaut, kommt es auch hier wieder zu Störungen des Knochenstoffwechsels. Ein ausgeprägter Vitamin-D-Mangel zeigt sich im Erwachsenenalter u.a. in Osteomalazie, also der schmerzhaften Erweichung der Knochen. Bei Kindern würde sie sich in Form von Rachitis zeigen. Vitamin-D-Mangel äussert sich zudem in Muskelschwäche – was wiederum das Risiko, hinzufallen und sich dabei möglicherweise Knochen zu brechen, erhöht [11].
Für die Umwandlung des mit der Nahrung aufgenommenen Vitamin-D-Derivats in seine biologisch aktive Form (auch «Vitamin D3» genannt), braucht es u.a. Magnesium. Eine ausreichende Magnesium-Versorgung ermöglicht also, dass das Vitamin D seine Aufgabe im Knochenstoffwechsel bestmöglich ausführen kann.
Körpereigene Stoffe wie z.B. Homocystein scheinen den Knochenabbau voranzutreiben. Als einen möglichen therapeutischen Ansatz wird diesbezüglich der Einsatz von B-Vitaminen (insbesondere von Vitamin B12 und Folsäure) beschrieben [12]. Denn diese bauen (die für die Knochen toxische Substanz) Homocystein ab. Der Benefit einer B-Vitamine-Supplementierung auf die Knochengesundheit wurde bisher nur bei Personengruppen beschrieben, deren B-Vitamin-Werte niedrig waren – nicht aber bei Personengruppe, die bereits ausreichend hohe Werte aufwiesen [13]. Das Vermeiden eines Vitamin-B12- bzw. Folsäure-Mangels scheint also auch der Knochengesundheit förderlich zu sein.
Eine zuckerarme Ernährung scheint auch der Knochengesundheit ebenfalls dienlich zu sein. Denn Zuckerkonsum begünstige – Untersuchungen nach – zum einen eine erhöhte Ausscheidung von Calcium und Magnesium über den Urin [14]. Zum anderen würde die Aufnahme von Calcium und Vitamin D im Darm gehemmt. Beides würde die Knochengesundheit beeinträchtigen. Zudem scheinen Dysregulierungen im Glucosestoffwechsel (z.B. bei Insulinresistenz oder Diabetes) die Aktivität der knochenreparierenden Osteoblasten zu stören und gleichzeitig die der knochenabbauenden Osteoclasten zu erhöhen [15].
Eine Versorgung mit Calcium ist lebenswichtig. Wir nehmen es täglich in einer Vielzahl verschiedener Lebensmittel auf – v.a. in Form von Milchprodukten und (kalkhaltigem) Trinkwasser [16]. Eine Unterversorgung erscheint bei normaler Ernährung wenig wahrscheinlich – und kann i.d.R. folglich vermieden werden, wenn es keine akuten Umstände gibt, die eine zusätzliche Calcium-Zufuhr erfordern. Während der Stosstherapie z.B. werden Sie gewöhnlich von Ihrem behandelnden Arzt mit Calcium- und Vitamin-D-Präparaten versorgt. Wichtig ist generell: Achten Sie vor allem auf eine genügende Bildung bzw. Zufuhr von Vitamin D und Magnesium!
Medikamente und Stress
Der Knochenabbau wird u.a. auch auf verschiedene Medikamente zurückgeführt. Insbesondere fördern Glucocorticoid-haltige Medikamente (wie sie z.B. hochdosiert in der Stosstherapie verabreicht werden) Osteoporose [17], [18] [19]. Ebenso erhöhen auch Antiepileptika das Osteoporose-Risiko [20]. Gemäss wissenschaftlicher Literatur werden Nebenwirkungen der Glucocorticoide-Therapie wie erhöhtes Osteoporose-Risiko (sowie erhöhtes Diabetesrisiko, Bluthochdruck, Herzbeschwerden oder Infektionen) ab einer täglichen Dosis von 5 mg Prednisolon (ein Glucocorticoid) pro Tag beschrieben – insbesondere bei einer länger dauernden Therapie [21]. Eine andere Quelle beschreibt ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche ab einer täglichen Dosis von 2,5 mg Prednison [22] (Vorstufe des Prednisolon [23]).
Seit vielen Jahren heisst es, dass die Stosstherapie keinen nennenswerten Effekt auf die Knochendichte haben würde [24], [25]. Als Erklärung findet man immer wieder, dass die Glucocorticoide zwar in sehr hohen Dosen, aber dafür nur kurzzeitig verabreicht werden. Da die Knochendichte zur Bestimmung des Osteoporose-Grades verwendet wird [26], würde sich demzufolge das Osteoporose-Risiko nur bei Langzeiteinnahme der Medikamente erhöhen. Bei der Knochendichte-Messung werden Knochen z.B. an Lendenwirbelsäule und Oberschenkelhals mit Röntgenstrahlung bestrahlt. Man vergleicht die Röntgenstrahlung, die durch den Knochen durchkommt mit der, die eingestrahlt wurde – und zieht hieraus Schlüsse über den Kalksalzgehalt des Knochens, der häufig als Indiz der Knochengesundheit herangezogen wird.
Schaut man sich jedoch die Mikroarchitektur des Knochens an, also die «trabekuläre Knochendichte», so findet man bereits nach einer (!) Stosstherapie (die üblicherweise 3-5 Tage mit 500-1000 mg Methylprednisolon durchgeführt wird) eine signifikante Verschlechterung gegenüber vorher [27]. Die schwammartige Netzstruktur im Inneren eines Knochens («trabekulärer» Knochen) bestimmt erheblich die Stabilität und Tragkraft des Knochens [28]. Wird diese Gerüststruktur (also die vielen Quervernetzungen im Knocheninneren) zerstört, wird der Knochen porös und das Frakturrisiko steigt. Hinweise: 5 mg Prednisolon würde einer Äquivalenz-Dosierung von 4 mg Methylprednisolon entsprechen [29]. Als «hohe» Dosierung gilt bereits 7.5 mg pro Tag [30].
Glukocortikoidhaltige Medikamente stören zudem den Vitamin D- und damit auch den Calciumstoffwechsel. Es kommt zu einer verminderten Aufnahme von Calcium und Phosphat im Darm und zu einer vermehrten Ausscheidung von Calcium, was wiederum zu einer vermehrten Demineralisation und zu einer ungenügenden Remineralisation des Knochens führt – um die Calciumwerte im Blut möglichst konstant zu halten.
Die Knochensubstanz wird hierdurch weicher und kann in eine Osteomalazie übergehen [31]. Zur Behandlung und Prävention der Osteomalazie wird vor allem Vitamin D verabreicht. Im Zusammenhang mit MS wurde bisher vor allem die Osteoporose (also eine Abnahme der Knochenmasse sowie eine Veränderung der Mikroarchitektur des Knochens) und kaum die Osteomalazie (also eine gestörte Mineralisierung der Knochensubstanz) untersucht. Beide führen zu einer verringerten Tragkraft der Knochen sowie zu deren leichterem Brechen.
Doch wie vermeidet man den Einsatz solcher Medikamente bzw. minimiert deren Nebenwirkungen auf die Knochen? Generell können bestimmte Lebensstilmassnahmen langfristig helfen, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen und somit den Einsatz potenziell knochenschädigender Medikamente zu reduzieren. Hierzu zählen, wie oben erwähnt, regelmässige körperliche Bewegung, ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen, das Vermeiden gesundheitsschädigender Einflüsse (z.B. durch Rauchen) sowie Stressreduktion. Denn Stress bedeutet erhöhte Cortisol- (also Glucocorticoid-) Werte und damit ein tendenziell erhöhtes Risiko des Knochenabbaus.
Besprechen Sie die Notwendigkeit einer hohen Dosierung sowie die Anwendungsdauer solcher Medikamente bitte vorher mit Ihrem Arzt. Möglicherweise wäre auch eine niedrigere Dosierung bzw. eine kürzere Therapiedauer ausreichend. Bereits seit einigen Jahrzehnten werden Glucocorticoide als Immunsuppressiva eingesetzt. Puls-/Stosstherapien wurden bereits in den 1970er Jahren mit einer Dosierung von 1000 mg (also 1 g) Methylprednisolon täglich beschrieben – nach Organtransplantationen, bei Lupus Nephritis oder rheumatoider Arthritis [32]. Diese Dosierung wurde zur Behandlung der MS übernommen – wenn für mich auch schwer nachvollziehbar ist, wie diese extrem hohe Dosierung überhaupt zustande kam.
Während der Stosstherapie erhalten Sie von Ihrem Arzt in der Regel Calcium- und Vitamin-D-Präparate. Doch benötigt der Körper auch in den darauffolgenden Wochen weiterhin Unterstützung beim Aufbau der Knochenmasse, die bedingt durch die Medikamente, reduziert wurde. Auch hier wieder: Bewegung, Stressreduktion, Mikronährstoffe wie Vitamin D und Magnesium und das Meiden weiterer Risikofaktoren (siehe unten).
Weitere Faktoren
Risikofaktoren von Osteoporose sind zudem Rauchen, regelmässiger Alkoholkonsum, Untergewicht sowie Hormonmangel [33]. Auch chronisch-entzündliche Darmerkrankungen werden mit einem erhöhten Osteoporose-Risiko assoziiert [34] – möglicherweise weil knochenaufbauende Substanzen nicht genügend vom Darm resorbiert werden können und weil auch hier u.a. Glucocorticoide als Therapie verabreicht werden, wenn auch in niedrigerer Dosierung, aber dafür länger als bei der Stosstherapie.
Fazit
Die Knochengesundheit gilt bei MS-Erkrankten als deutlich beeinträchtigt gegenüber nicht Erkrankten. Ursachen hierfür sind u.a. Bewegungsmangel, Medikamente, Stress sowie ungesunde Einflussfaktoren wie Rauchen oder häufiger Alkoholkonsum.
Die Knochengesundheit lässt sich positiv beeinflussen durch körperliche Bewegung, eine genügende Versorgung mit Mikronährstoffen (wie Vitamin D und Magnesium) und das Meiden ungesunder Lebens- bzw. Genussmittel (Zucker, Rauchen, häufiger Alkoholkonsum).
Referenzen
[1] O. Zimmermann and K. H. Stürner, ‘Osteoporose und Frakturen bei Multipler Sklerose – unterschätzt und ignoriert?’, Osteologie, vol. 28, no. 4, pp. 259–267, Nov. 2019, doi: 10.1055/a-1005-8190.
[8] S. Ding, G. Zhang, Y. Gao, Z. Hou, and F. Shao, ‘Investigating the preventive effects of pulsed electromagnetic fields on glucocorticoid-induced osteoporosis in rats’, Sci. Rep., vol. 15, no. 1, p. 2535, Jan. 2025, doi: 10.1038/s41598-025-86594-8.
[9] W. Zhang et al., ‘The Possible Role of Electrical Stimulation in Osteoporosis: A Narrative Review’, Medicina (Mex.), vol. 59, no. 1, p. 121, Jan. 2023, doi: 10.3390/medicina59010121.
[10] ‘(PDF) Pulsed Electromagnetic Field Promotes Bone Anabolism in Postmenopausal Osteoporosis through the miR-6976/BMP/Smad4 Axis’, ResearchGate, Dec. 2024, doi: 10.1155/2023/8857436.
[11] J. W. Nieves, ‘Osteoporosis: the role of micronutrients’, Am. J. Clin. Nutr., vol. 81, no. 5, pp. 1232S-1239S, May 2005, doi: 10.1093/ajcn/81.5.1232.
[12] J. Narváez et al., ‘Role of homocysteine and vitamin B in bone metabolism’, Rev. Colomb. Reumatol. Engl. Ed., vol. 27, no. 4, pp. 278–285, Oct. 2020, doi: 10.1016/j.rcreue.2019.12.008.
[13] M. Clements et al., ‘A 2-Year Randomized Controlled Trial With Low-Dose B-Vitamin Supplementation Shows Benefits on Bone Mineral Density in Adults With Lower B12 Status’, J. Bone Miner. Res. Off. J. Am. Soc. Bone Miner. Res., vol. 37, no. 12, pp. 2443–2455, Dec. 2022, doi: 10.1002/jbmr.4709.
[14] J. J. DiNicolantonio, V. Mehta, S. B. Zaman, and J. H. O’Keefe, ‘Not Salt But Sugar As Aetiological In Osteoporosis: A Review’, Mo. Med., vol. 115, no. 3, pp. 247–252, 2018.
[15] C. M. Karner and F. Long, ‘Glucose metabolism in bone’, Bone, vol. 115, pp. 2–7, Oct. 2018, doi: 10.1016/j.bone.2017.08.008.
[17] S. Gupta, I. Ahsan, N. Mahfooz, N. Abdelhamid, M. Ramanathan, and B. Weinstock-Guttman, ‘Osteoporosis and multiple sclerosis: risk factors, pathophysiology, and therapeutic interventions’, CNS Drugs, vol. 28, no. 8, pp. 731–742, Aug. 2014, doi: 10.1007/s40263-014-0173-3.
[21] G. Keyßer, ‘Sicherheitsaspekte der Therapie mit Glukokortikoiden bei rheumatoider Arthritis’, Z. Rheumatol., vol. 80, no. 4, pp. 295–304, 2021, doi: 10.1007/s00393-021-00972-x.
[22] I. Ilias, C. Milionis, and E. Zoumakis, ‘An Overview of Glucocorticoid-Induced Osteoporosis’, in Endotext, K. R. Feingold, B. Anawalt, M. R. Blackman, A. Boyce, G. Chrousos, E. Corpas, W. W. de Herder, K. Dhatariya, K. Dungan, J. Hofland, S. Kalra, G. Kaltsas, N. Kapoor, C. Koch, P. Kopp, M. Korbonits, C. S. Kovacs, W. Kuohung, B. Laferrère, M. Levy, E. A. McGee, R. McLachlan, M. New, J. Purnell, R. Sahay, A. S. Shah, F. Singer, M. A. Sperling, C. A. Stratakis, D. L. Trence, and D. P. Wilson, Eds., South Dartmouth (MA): MDText.com, Inc., 2000. Accessed: Feb. 21, 2025. [Online]. Available: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK278968/
[24] B. Frediani et al., ‘Effects of High Dose Methylprednisolone Pulse Therapy on Bone Mass and Biochemical Markers of Bone Metabolism in Patients with Active Rheumatoid Arthritis: A 12-Month Randomized Prospective Controlled Study’, J. Rheumatol..
[25] S. Zengin Karahan et al., ‘Lack of Association between Pulse Steroid Therapy and Bone Mineral Density in Patients with Multiple Sclerosis’, Mult. Scler. Int., vol. 2016, p. 5794910, 2016, doi: 10.1155/2016/5794910.
[27] J. Rymuza, K. Pelewicz, J. Przedlacki, and P. Miśkiewicz, ‘Therapy With Intravenous Methylprednisolone Pulses Is Associated With Loss of Bone Microarchitecture in Trabecular Bone Score -Assessment Among Patients With Moderate-to-Severe Graves’ Orbitopathy: A Pilot Study’, Front. Endocrinol., vol. 13, Jul. 2022, doi: 10.3389/fendo.2022.893600.
[30] M. R. Laurent et al., ‘Prevention and Treatment of Glucocorticoid-Induced Osteoporosis in Adults: Consensus Recommendations From the Belgian Bone Club’, Front. Endocrinol., vol. 13, p. 908727, Jun. 2022, doi: 10.3389/fendo.2022.908727.
[31] L. Cianferotti, ‘Osteomalacia Is Not a Single Disease’, Int. J. Mol. Sci., vol. 23, no. 23, Art. no. 23, Jan. 2022, doi: 10.3390/ijms232314896.
[32] R. Berkovich, ‘Treatment of acute relapses in multiple sclerosis’, Neurother. J. Am. Soc. Exp. Neurother., vol. 10, no. 1, pp. 97–105, Jan. 2013, doi: 10.1007/s13311-012-0160-7.
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Foto: Trainer Jakob entspannt aufgespannt in der Brücke; denn darum geht es bei der CANTIENICA®-Methode: sich in einer eher kraftvollen Position möglichst zu entspannen, damit die inneren Muskeln ins Arbeiten kommen!
Im letzten Newsfeed hier auf diesem Kanal berichteten wir über die CANTIENICA®-Methode – ein ganzheitliches Körpertraining zur Stärkung der Tiefenmuskulatur und Optimierung der Haltung. Heute gib es dazu als Vertiefung und vielleicht als Motivation, selbst nach CANTIENICA® Anleitungen zu schauen – vor Ort oder notfalls auch per Video – einen persönlichenr Anwendungsbericht.
Honigtropfen aufsaugen und aufrecht halten … … und dabei entspannt bleiben
Erfahrungsbericht von Birgit vom aKK – alternativmedizinisch-orientierter MS-Kontaktkreis Köln/Rheinland
So wie im letzten Jahr der Neuro-Athletik widmeten wir uns im jährlichen aKK-Kurs dieses Mal der CANTIENICA®-Methode. Die Übungsreihe umfasste vier Wochen mit je einer angeleiteten Stunde. Einige von uns haben noch einen Intensivtermin nach ca. zwei Monaten wahrgenommen.
Zwischen den vier ersten und der Zusatzeinheit übte ich mit einer Audiodatei, die uns Jakob dankenswerterweise aufgenommen hat. Und ich staunte, dass ich auch mit alleinigem „Nachüben“ solch einen Effekt im Körper erzielen konnte. Die Übungen sind physisch nicht so anstrengend wie z. B. klassisches Krafttraining und sind dadurch – auch in schwächeren Phasen – machbar. Dennoch wird der Körper gefordert.
Aller Anfang war seltsam
Wir lernten, dass jeder Knochen seinen Platz haben sollte. Und dass Steißbein, Beckenschaufeln und Sitzbeinhöcker beweglich sind. Das mutete sich für mich wie Ohrenwackeln an: Kann ja sein, dass es Menschen gibt, die das können, für mich ist das jedoch bloße Theorie.
Ein Ziel ist, die Bandscheiben nicht zu quetschen. Dabei hilft es die Muskeln zu aktivieren, die die Wirbelsäule aufrichten. Ihr ahnt es wahrscheinlich schon: Das sind nicht die, die wir üblicherweise nutzen. Es geht um die tieferen Muskeln an der Wirbelsäule. Das hat nichts mit den Schließmuskeln zu tun (die liegen weiter außen), sondern betrifft die wirbelsäulennahe Haltemuskuatur. Trotzdem profitiert der gesamte Beckenboden unterstützen. Was ich als besonders positiv empfinde ist, dass ich nicht mehr so viel „Müssen“ muss. Gerade nachts macht das einfach einen besseren Schlaf.
Viele Übungen und Sichtweisen korrespondieren mit mir bekannten Übungen aus Taiji und Qi Gong. Zum Beispiel ist der Kronenpunkt am Kopf auch bei diesen Übungsarten von Bedeutung. Auch das Atmen entlang der Wirbelsäule war jetzt keine Neuigkeit für mich.
Allerdings fordert diese andere Sicht auf meinen Körper diesen dann doch. Hier gilt es auch mit viel Vorstellungskraft zu arbeiten. Ich könnte jetzt nicht behaupten, dass ich bei den Übungen gemerkt habe, dass ich Steißbein, Sitzbeinhöcker & Co. bewegt habe. Für den Trainer war allerdings eine Bewegung meinerseits sichtbar. Und der Muskelkater am nächsten Tag an ungewohnten Stellen machte mir dann auch bewusst, dass ich da etwas bewegt habe, was nicht so alltäglich ist.
Der Trainer hat außerdem mit vielen schönen Bildern gearbeitet. So z. B., dass man mit einem Teil seines Unterfußes „Honigtropfen aus dem Boden“ aufsaugen sollte. Oder auch Gold durch die Gliedmaßen fließen lassen soll. Empfand ich als schöne und lohnenswerte Vorstellung, die mir die Körperarbeit leicht gemacht hat.
Aus “seltsam” wird Alltag
Für meinen Alltag bedeutet diese erweiterte Wahrnehmung: Ich bleibe bei meinem üblichen Krafttraining, allerdings mit einer weiteren Wahrnehmungsebene: Mein Rücken ist gerade! Denn Jakob betonte: So wie ihr ins Training reingeht (krummer oder gerader Rücken), so kommt ihr auch raus. Das habe ich bei meinem gewohnten Training (Krafttraining, Taiji und Qi Gong) beherzigt und das Ergebnis war und ist ein anderer Muskelkater. Vermutlich sind durch die aufrechtere Haltung andere Muskeln gefordert und die reagieren dann mit Muskelkater.
Apropos Schlaf: Jakob war so nett und zeigte uns, wie man auf der Seite schlafen kann, ohne die Bandscheiben zu quetschen. Also, es ist viel möglich, ohne, dass ich mein Leben komplett umstellen muss.
Alltag erweitern
Sicher wäre es am sinnvollsten, einige weitere Übungseinheiten zu buchen. Bis dahin jedoch behelfe ich mir mit ein paar Übungen, die uns Jakob zum Abschluss und zum Abrunden zur Verfügung gestellt hat. Dabei eine kurze Einheit, die nur 6 Minuten dauert. Ohnehin sind die Übungseinheiten nicht allzu lang, dennoch wirksam.
Ich mag es, wenn sich Übungsarten in unterschiedlichen Systemen wiederholen, nur dass der Blickwinkel jeweils ein anderer ist. Das bereichert meine Routinen und gibt mir bei meinem unermüdlichen Tun auch irgendwie Recht: Wenn verschiedene Ansätze zu ähnlichen Übungen führen, ist das höchstwahrscheinlich gut und wirksam. Deswegen habe ich auch den festen Plan, nochmals ein paar Übungseinheiten zu buchen. Und da ich das neu Gelernte als wirkliche Bereicherung erfahre, fällt es mir leicht, bis dahin weiter mit dem verfügbaren Übungsmaterial meinen Bandscheiben Raum zu verschaffen…sie danken es mir schon jetzt im Alltag…
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Hintergrund Das CANTIENICA®-Training ist ein ganzheitliches Körpertraining, das gezielt die Tiefenmuskulatur stärkt, die Haltung optimiert und die Bewegungsqualität verbessert. Entwickelt von Benita Cantieni, basiert es auf präzisen und bewussten Bewegungsabläufen, die darauf abzielen, den Körper in eine optimale, aufrechte Haltung zu bringen. Durch die Aktivierung der tiefen Muskelstrukturen – insbesondere des Beckenbodens, der Rückenmuskulatur und der Bauchmuskeln – wird die Grundlage für Stabilität und ein neues Körperbewusstsein geschaffen. Im Mittelpunkt des Trainings stehen schonende, kontrollierte Bewegungen, die Fehlhaltungen korrigieren und Verspannungen lösen. Der Beckenboden spielt dabei eine zentrale Rolle, da er als Basis für eine stabile Haltung fungiert und sowohl bei Alltagsbewegungen als auch bei sportlicher Aktivität entscheidend ist. Durch die präzise Ausrichtung werden Gelenke und Bänder entlastet, während gleichzeitig die Beweglichkeit und Stabilität des gesamten Körpers gefördert werden. Dies macht das Training nicht nur effektiv, sondern auch besonders schonend und nachhaltig. Ein besonderer Vorteil des CANTIENICA®-Trainings liegt in seiner Vielseitigkeit. Es kann individuell an die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Teilnehmenden angepasst werden und eignet sich daher für alle Altersgruppen und Fitnesslevels. Ob zur Verbesserung der Haltung, zur Linderung von Rückenschmerzen oder zur Prävention von Gelenkproblemen – die Übungen wirken nicht nur auf die Muskulatur, sondern fördern auch die Atmung und das allgemeine Wohlbefinden. Häufig wird das Training therapeutisch genutzt, etwa in der Rehabilitation oder zur Stärkung des Beckenbodens nach einer Schwangerschaft. In kleinen Gruppen oder im Einzelcoaching wird darauf geachtet, dass die Bewegungsabläufe präzise ausgeführt werden, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Mit seiner Kombination aus gezieltem Muskelaufbau, bewusster Körperwahrnehmung und einer nachhaltigen Verbesserung von Bewegungsgewohnheiten ist das CANTIENICA®-Training eine effektive Methode, die nicht nur den Körper stärkt, sondern auch langfristig zu einem besseren Lebensgefühl beiträgt.
Foto: Rückenschonend nach CANTIENICA®-Methode heben
Ein Erfahrungsbericht von Hildy
Ein „Muskelkätzchen“ haben, kann wertvoll sein
Sie wissen nicht, dass auch Sie ein Fell haben und wo dieses Zwerchfell ist? Sollten Sie aber! Sie denken, eine Krone steht nur den Adeligen zu, oder allenfalls noch einem Baum? Nein, auch Sie sollten Ihre Krone aufrichten! Sie haben Scham, wenn von Schambein die Rede ist? Dürfen Sie auf keinen Fall! Sie haben die Sonne in sich noch nicht entdeckt? Sie sind überkreuz mit Ihrem Kreuzbein? Sie halten den Beckenboden für das Gegenteil des Speicherbodens? Und denken, Sie hätten nur einen Sitzbeinhöcker (weil Sie vielleicht nur einen einzigen Hocker besitzen?)?
Dann kann es Zeit werden für CANTIENICA®!
Sie kennen schon Pilates und wissen, wie Sie besonders die tiefer liegenden, aber umso wichtigeren Muskelstränge ansprechen können? Die, die Ihre Mitte bilden und stabilisieren. Das „Powerhouse“. Wenn nicht, macht nichts. Es geht um mehr als Powerhouse! Und es geht tiefer! Tiefer als Sie sich bisher vorzustellen vermögen. Und das ist gut so. Das ist besser!
Vergessen Sie Kieser-Training – und vor allem gewöhnliches Beckenbodentraining.
Und machen es besser. Viel besser! Vom wirklich richtigen Weg, Kisten zu heben angefangen (sofern Sie dies mit MS oder anderen Einschränkungen können: mit geradem, horizontalen Rücken und der richtigen Anspannung der Tiefenmuskulatur) bis zum richtigen Sitzen, Aufstehen und Stehen. Das meiste auch – und gerade mit! – eventuellen MS-Beeinträchtigungen.
Sie haben schon Fehlhaltungen oder wollen diesen – gerade unter Aspekten der Erkrankung – gezielt vorbeugen? Sie wollen Rückenschmerzen lindern oder verhindern?
Am Anfang steht die Körperwahrnehmung
Mit der richtigen Bewegung bzw. Bewegungssteuerung lassen sich Degenerationen vermeiden oder abmildern, teilweise auch wieder rückgängig machen. „Was, wenn du keinen Beckenschiefstand (oder keine Skoliose) hast, sondern machst?“ „Was, wenn du daran durch das richtige Verhalten und Bewegen was ändern kannst oder vorbeugen kannst?“ „Wer schrumpft, nur weil ein paar Lebensjahre zusammenkommen, ist nicht aufgespannt. Wer einen Buckel macht, ist nicht aufgespannt. Wer sich krumme Beine angewöhnt hat, ist nicht aufgespannt. Wer Schäden an den Bandscheiben hat. Wer Arthrose hat. Wer Plattfüße hat. Ist. Nicht. Wirklich. Aufgespannt.“
So sieht das die Begründerin von „CANTIENICA® Körper in Evolution“, die Schweizerin Benita Cantieni – und zwar aus eigener leidvoller Erfahrung in ihren jungen Jahren. Nun, im Alter, ist sie durch ihren intensiven, suchenden und verstehenden Dialog mit dem Körper, nicht nur nach langer Zeit endlich schmerzfrei geworden, sondern kann auch Sie von dieser besonders sanften, aber besonders wirkungsvollen Methode profitieren lassen.
„Wird die Wirbelsäule konsequent aufgespannt, so optimiert sich ihre Schwingung, ihre Kurve. Hohlkreuz, Rundrücken, Buckel, Wirbelsäulenverkrümmung, Beckenschiefstand können auf schonende, einfache Art nachhaltig behoben werden.“
Doch zuvor muss das Becken auf- und in seine optimale Lage ausgerichtet werden. Danach folgt alles andere, in gezieltem Training. Sie verstehen in einem CANTIENICA®-Training, wie Sie Kisten wirklich heben sollten, wie Sie den Beckenboden wirklich trainieren sollten (nämlich nicht seine Muskulatur, die man schon nach einiger Zeit bewusster Körperwahrnehmung spürt, sondern die ganz innen liegenden Muskelschichten, die man eher nicht direkt sondern über Umwege anspricht, um sie effektiv zu trainieren). Und das gilt für männlich genauso wie für weibliche Trainierende! Und für jung genauso wie für alt! Und für Menschen ohne MS genauso wie für jene mit MS!
Kernstabilität – nicht nur für Äpfel wichtig
Das stetig weiterentwickelte Programm „CANTIENICA® Körper in Evolution“ ist die „Grundversorgung“ für einen sich natürlich gesund bewegenden Körper, und ein „Wartungsprogramm,“ mit dem sich Schwachstellen gezielt verbessern lassen.
„Man kann in jedem Alter mit dem Training anfangen, denn der Körper ist in der gesamten Lebenszeit lernfähig. Knochen und Knorpel sind lebenslang formbar und regenerierbar und Bänder, Sehnen, Muskeln, Faszien verändern sich bereitwillig, wenn man sie gezielt fordert“, meint Benita Cantieni aus Erfahrung – inzwischen nicht nur an ihr selbst sondern an ganz vielen Praktizierenden in über 30 Jahren CANTIENICA®-Methode mit ganz vielen ausgebildeten Trainerinnen und Trainern.
Das CANTIENICA®-Training ist eine Methode, die besonders wirksam ist zur Stärkung und Stabilisierung der Tiefenmuskulatur des Körperzentrums – insbesondere des Beckenbodens und der Wirbelsäule. Im CANTIENICA® werden die Muskeln eher aufgespannt statt angespannt. Unter „anspannen“ verstehen viele „fest machen“ und genau das soll es nicht sein! Sondern sich auch in einer eher kraftvollen Position (wie z.B. der Brücke) möglichst zu entspannen, damit die inneren Muskeln ins Arbeiten kommen und können.
Dadurch wird die Stützmuskulatur des Körpers nach und nach gestärkt und man erhält eine Kernstabilität, die die Haltung verbessert und die Grundlage legt für einen reibungsloseren, schmerzfreien Gebrauch von Gelenken, Muskeln, Sehnen, Faszien, Bändern…also des ganzen Körpers.
Auch bei Blasenschwäche/Inkontinenz (nicht nur für Frauen!) wichtig.
Mit dieser therapeutischen Fitnessmethode kann jede und jeder etwas Gutes für die Haltung, Gelenkigkeit, Schmerzfreiheit und Bewegungsfreude tun. Die CANTIENICA®-Methode aktiviert zwar immer den ganzen Körper – und im wahrsten Sinne der Worte von der Sohle bis zum Scheitel – , aber viele Übungen können für Menschen jeden Alters und Fitnesszustandes angepasst werden.
Goldrichtig und -wichtig für alle
Unbeschwerte Bewegungsfähigkeit hängt von der Integration der Beckenboden-, Becken- und Hüftmuskulatur in alle Bewegungsabläufe ab. Der Beckenboden als muskuläres Zentrum und die Wirbelsäule als knöchernes Zentrum mit allen haltenden Muskeln werden dabei bewusst gestärkt und aufgerichtet.
„Bewegt der Mensch sich bewusst und gut, lassen sich Krümmungen, Senkungen, Deformationen, Abnützungen und Degenerationen ggf. vermeiden (teilweise wieder normalisieren). Wie bei einer komplexen Maschine hängt die Lebensdauer der Gelenke, Organe, Muskeln, Sehnen, Faszien, Bänder, Nerven vom sorgfältigen Gebrauch ab. Die CANTIENICA®-Methode lehrt den adäquaten Gebrauch des Körpers.“
Sie ist Haltungstraining mit ganzheitlichen Trainingsmöglichkeiten; von sanft-vernetzend bis sportlich-herausfordernd kann es für jeden Anfangszustand werden. Auch die, die denken, sie seien topfit, werden neue Muskelzonen spüren lernen – und sind den anderen kaum voraus!
Am besten ist es, wenn man mit Übungen beginnt, die von der Trainerin oder dem Trainer genau angeleitet werden und die durch das Coaching und das geschulte Auge der Trainerin oder des Trainers sauber ausgeführt werden. Ab der Einführung kann man (am besten täglich; am besten nebenbei; am besten schon beim Aufstehen) eigenständig weiterüben.
Bei mir beginnt es direkt morgens: Seit ich beim Waschen am Becken meine Wirbelsäule bewusst strecke (gerader Rücken statt krummer, und Po nach weiter hinten strecken während der Scheitel nach vorne „wächst“), das Gleiche beim Haare bürsten über der Wanne, habe ich dabei keine Rückenschmerzen mehr – und demnächst hoffentlich durch mein Üben, das den Bandscheiben bewusst Raum geben soll und durch die Stärkung der innersten Haltemuskulatur so auch insgesamt weniger Rückenprobleme. Zumindest das Knirschen in meiner Halswirbelsäule ist schon leiser geworden und manchmal sogar ganz weg.
Das Üben geht teils nebenbei (z.B. beim Anstehen an einer Warteschlange oder sonstigen Wartesituationen); und ich ende erst abends im Bett; nämlich damit, dass ich den Nacken länger mache, indem ich aktiv den Scheitel zum Kopfende des Bettes schiebe statt mich einzurollen. Zwischendurch kommen immer wieder Übungs“stationen“, wo man imaginär „Gold fließen lassen“ oder „Honig aufsaugen“ soll oder ähnlich schöne, bildhafte Vorstellungen, um wichtige Verbindungen zwischen unterschiedlichen Muskeln zu erspüren. Diese Übungen sind jedenfalls ihr eigenes Gold wert – und goldrichtig für mich.
Aber für jede und jeden gibt es andere Knackpunkte – natürlich auch abhängig von der eigenen Mobilisation. Für viele mit Rollstuhl, Rollator oder Gehstöcken wird die aktive Aufrichtung im Vordergrund stehen; ohne sich zur Seite oder zu sehr nach vorne zu neigen. Gerade auch für diese wichtige Haltungsarbeit bietet sich CANTIENICA® als bewusstes, aber sanftes Training der innersten Stützmuskulatur an.
Fazit
Das CANTIENICA®-Training stellt – neben Feldenkrais und Pilates – eine weitere Methode zur eigenverantwortlichen MS-Behandlung dar, die Betroffene ausprobieren sollten.
Als nächster Newsfeed folgt hier ein Erfahrungsbericht einer Übenden aus dem CANTIENICA®-Kurs für den aKK – alternativmedizinisch-orientierter MS-Kontaktkreis. Und ohne viel vorwegzunehmen, können wir ein paar Zitate aus dem Unterricht verraten: „Zwerchfell wie Schwimmring ausdehnen, dann zur Krone heben, Brustbeinsonne aufgehen lassen.“ „Jetzt mit Fußsohlen-V’s am Beckenboden arbeiten.“ „Gold fließen lassen! „Sit-up’s sind Körperverletzung. So machen Sie es besser!“ „Sie könnten nach dem Training ein „Muskelkätzchen“ haben 😉!“
Und Sie selbst sind nun gespannt wie ein Flitzebogen? Das ist die richtige Anspannung für die Fortsetzung…bald hier auf diesem Kanal…bleiben Sie also dran.
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An dieser Stelle weisen wir auf aktuelle Beiträge aus dem Netz hin, die einen engen Bezug zu unserem Kernthema lebensstil-orientierte und eigenverantwortliche Behandlung der MS haben. Die dort wiedergegebenen Meinungen dienen als Anregung zur kritischen Auseinandersetzung. Sie entsprechen – außer bei Beiträgen von anderen Projekten der DSGiP – nicht zwingend den von uns vertretenen Positionen, sind aber in allen Fällen eine Bereicherung der Diskussionsgrundlage. Am Ende erwähnen wir zudem aktuelle möglichst frei verfügbare Studien, die unseren Ansatz untermauern –
Deutschland ist im Fußball-EM-Fieber. Doch nicht nur zuschauen macht Freude – auch selbst sportlich aktiv zu sein, hat viele positive Auswirkungen auf Körper und Psyche. Das trifft nachweislich auch bei Menschen mit Multipler Sklerose (MS) zu. AMSEL, Aktion Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg e.V., ermutigt deshalb MS-Erkrankte, regelmäßig Bewegung und Sport in den Alltag einzubauen.
Forschende unter Federführung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) haben nun untersucht, welche Besonderheiten in Kindheit und Jugend das Erkrankungsrisiko beeinflussen könnten.
Atmen gegen Alzheimer: In diesem Zusammenhang erscheint eine aktuelle Studie, die darauf hindeutet, dass eine spezielle Atemtechnik Stress reduzieren und möglicherweise das Alzheimer-Risiko verringern könnte, wie ein Hoffnungsschimmer.
[Bem.: auch mit Blick auf mögliche kognitive Probleme bei MS in interessant]
Researchers recently compared outcomes between patients who followed a 6-month weight-loss intervention program and those who received treatment as usual. Participants in the intervention group received digital technology to help them reach their goals; the usual-care group received only monthly newsletters via email. At 6 months, MS patients in the intervention group lost an average of 8.6% of their body weight, versus just 0.7% among participants in the usual-care group.
Berlin – Forschende der Universitätsmedizin Mainz konnten aufzeigen, dass eine weizenhaltige Ernährung die Erkrankungssymptome bei Multipler Sklerose (MS) verstärken kann. Dabei verstärkten die Amylase-Trypsin-Inhibitoren-Proteine (ATI-Proteine, kurz ATI), nicht aber die im Weizen enthaltenen Glutenproteine die Entzündung im Gehirn.
Aktuelle Studie:
Poggioli R, Hirani K, Jogani VG, Ricordi C. Modulation of inflammation and immunity by omega-3 fatty acids: a possible role for prevention and to halt disease progression in autoimmune, viral, and age-related disorders. Eur Rev Med Pharmacol Sci. 2023 Aug;27(15):7380-7400. doi: 10.26355/eurrev_202308_33310. PMID: 37606147. Full text: https://www.europeanreview.org/wp/wp-content/uploads/7380-7400.pdf
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Das Klima wird wärmer, der Sommer naht endlich, die Temperaturen steigen. Und damit auch die Angst vor dem Uhthoff-Phänomen, das zu einer vorübergehenden Verschlechterung einiger MS-Symptome führen kann.
Als Gegenmaßnahmen wurde bisher u.a. empfohlen, bei sommerlichen Temperaturen Anstrengungen zu vermeiden, Sport eher in der kühleren Jahreszeit auszuüben, die pralle Sonneneinwirkung zu meiden und sich mit Wasser bzw. Kühlkleidung abzukühlen [1], [2]. Klingt zunächst nach guten gemeinten Ratschlägen. Doch bedeuten diese leider auch, dass man sich einschränken soll. Und dass Bewegung bzw. Sport (und damit auch deren Benefits) womöglich zu kurz kommen könnten. Aber muss das wirklich sein? Oder geht das vielleicht auch anders?
Betrachten wir nun die verschiedenen Arten der Thermoregulation, die unser Körper leisten kann – und wie wir diese bei MS für unser Wohlbefinden nutzen können.
Wärmestrahlung
Da gibt es z.B. die Wärmestrahlung, bei der Wärme als Infrarotstrahlung über das Blut zur Haut und somit vom Körperinneren nach Außen abgestrahlt wird. Diese Wärmestrahlung wird u.a. gestört durch hohe Aussentemperaturen. Sowie durch falsche Kleidung, die zu einem Hitzestau zwischen Haut und Kleidung führen kann. Was kann hier Abhilfe schaffen?
Funktionskleidung, die einen Wärmeaustausch mit der Luft ermöglicht und somit einen möglichen Hitzestau reduziert bzw. verhindert.
Auch das Tragen kurzer statt langer Kleidung hat einen positiven Effekt. Gerade die Hautstellen, die viel trainiert werden und somit viel Energie produzieren, sollten nach Möglichkeit frei von Kleidung sein, um vor allem dort die Energie möglichst effizient abstrahlen zu können. So ist es nicht verwunderlich, dass z.B. Muskelshirts keine Ärmel besitzen.
Und schließlich kann Wärme auch gerade dann abgestrahlt werden, wenn eine gute Durchblutung gewährleistet ist – und somit Bewegung auch an warmen Tagen durchaus sinnvoll erscheint – sofern Ihnen dies möglich ist und Sie es nicht übertreiben!
Wärmeleitung
Gemäß den Gesetzen der Physik fließt Wärme immer nur in Richtung niedrigerer Temperatur [3]. Das heißt also, dass wir unsere Körper durch Kontakt mit kalten Gegenständen bzw. Medien durchaus abkühlen können. Der ein oder anderen von Ihnen dürfte in diesem Zusammenhang schon Erfahrungen mit Kühlkleidung gemacht haben. Forschungen in diesem Bereich belegen tatsächlich eine Reduktion der Fatigue und damit eine gesteigerte Leistungsfähigkeit [4], [5]. Trotz einer Vielzahl an wissenschaftlichen Belegen für die Wirksamkeit von Kühlkleidung bei MS, kann man diese bisher leider nicht auf Kosten der Krankenkassen verordnet bekommen. Bestrebungen dies zu ändern, gibt es bereits seit vielen Jahren [6]. Sollten Sie sich Kühlkleidung anschaffen wollen, achten Sie bitte darauf, dass diese weitestgehend luftdurchlässig ist und nicht zu einem Hitzestau (siehe vorheriges Kapitel) führt. Kühltücher z.B. für Arme, Nacken oder Stirn können hier durchaus eine wohltuende Wirkung zeigen. Leider sind einige Kühlkleidungen eher für Motorradfahrer konzipiert als für MS-Erkrankte. Sie setzen z.B. bei Kühlwesten eher auf die Verdunstungskälte (siehe nächstes Kapitel) durch den Fahrtwind und sind somit für MS-Hitzegeplagte ohne äussere sowie genügende Windeinwirkung weniger empfehlenswert.
Sie können sich natürlich auch abkühlen, indem Sie hin und wieder kaltes Wasser über die Hände laufen lassen oder ein kaltes Fußbad nehmen (sofern Sie nicht zu Blasenentzündungen neigen oder akut daran leiden). Selbst das Kneippsche Unterarmbad hat hier einen positiven Effekt, eben auch weil es neben dem kühlenden Effekt des Wassers die Durchblutung und somit die Wärmeabstrahlung fördert (siehe vorheriges Kapitel). Auch Barfußlaufen auf kalten Böden (sofern Sie keine Blasenentzündung haben bzw. dazu neigen) kann helfen, eine übermässige innere Hitze zu vermeiden bzw. zu reduzieren. Bei stärkerer körperlicher Belastung sollte allerdings von Barfussaktivitäten abgesehen werden, um andere Gelenke (wie z.B. die Kniee) nicht übermäßig zu strapazieren.
Schließlich können Sie Bewegung/Sport in kühlen Medien ausführen. Also kann Bewegung/Sport in Innenräumen durch den Einsatz von Ventilatoren angenehmer gestaltet werden. Und gerade im Sommer ist das Schwimmen im kühlen Nass eine effektive Massnahme, um Überhitzung wenigstens zeitweise gut zu vermeiden und dennoch die Muskulatur sanft zu lockern.
Schwitzen
Durch Schwitzen gelangt ein wässriges Sekret aus den Schweißdrüsen an die Hautoberfläche. Verdunstet dieses, empfinden wir dies als Kälte (auch bekannt als Verdunstungskälte). Das Schwitzen wird daher im Allgemeinen als Teil der Thermoregulation unseres Körpers betrachtet, die die Temperatur im Körperinneren möglichst konstant halten soll.
Allerdings zeigen viele MS-Erkrankte eine tendenziell später einsetzende und geringere Schweißproduktion als nicht erkrankte [7]. Man könnte nun schlussfolgern, dass somit auch die Thermoregulation gestört wäre und möglicherweise hierdurch u.a. das Uhthoff-Phänomen begünstigen könnte. Gemäß wissenschaftlichen Studien scheinen allerdings temperatur-induzierte MS-Symptome nicht die Folge einer übermäßigen Erhöhung der inneren Körpertemperatur (Kerntemperatur) aufgrund von Störungen der Thermoregulation zu sein [8], da bei der Kontrollgruppe ein ähnlich großer Temperaturanstieg bei Hitzeeinwirkung zu verzeichnen war. Das verminderte Schwitzen selbst hätte somit also keinen allzu großen Effekt auf die Thermoregulation des Körpers, die hauptsächlich vom Hypothalamus geregelt wird.
Schwitzen hat zudem noch weitere Funktionen, wie z.B. die Regulierung des Salzhaushalts. Neben den Nieren unterstützt also auch die Haut mit ihren Schweißdrüsen die Ausscheidung von Natrium- und anderen Ionen, insbesondere aus dem darunter liegenden Gewebe [9]. Natriumionen spielen bei der Erregung von sensorischen Nerven sowie der Schmerzempfindung eine große Rolle [10]. Eine neurodegenerative Wirkung von erhöhten Natriumkonzentrationen auf Nervenzellen wurde bereits in der wissenschaftlichen Literatur beschrieben [11]. Eine Temperaturerhöhung (z.B. ausgelöst durch Sport/Bewegung) wurde außerdem mit einem erhöhten Natriumtransport ins Axon in Verbindung gebracht – und könnte somit die Verstärkung von MS-Symptomen durch Hitze erklären [11]. Das Ausschwemmen von Natriumionen durch Schwitzen kann folglich eine Übererregung von sensorischen Nerven und somit das Ausmaß des Uhthoff-Phänomens reduzieren [11], [12].
Das Schwitzen scheint also mit der Nervengesundheit und unserem Wohlbefinden in Verbindung zu stehen. Menschen, die wenig schwitzen, profitieren zwar tendenziell weniger von diesem Effekt – aber: Schwitzen ist trainierbar! Regelmäßiger Sport/Bewegung sowie Saunagänge können durchaus dazu beitragen, die Schweißrate langfristig zu erhöhen und somit den wohlbringenden Benefit zu steigern [13]. Achten Sie dabei stets auf eine ausreichende Trinkmenge. Stressen Sie Ihren Körper gerade zu Beginn nicht zu extrem – um das Ausmaß hitzebedingter MS-Symptome nicht unnötig groß werden zu lassen. Versuchen Sie es zunächst mit weniger intensiven Trainingseinheiten bzw. niedertemperierten Sauna und steigern Sie sich mit der Zeit Stück für Stück, soweit es Ihnen möglich ist.
Abkühlung von Innen
Eine weitere vielversprechende und einfache Möglichkeit, um die körperliche/sportliche Belastungsfähigkeit zu steigern, ist die Einnahme von kühlen Getränken. Studienergebnisse zeigen, dass die Belastungsgrenzen durch eisgekühltes Wasser positiv beeinflusst werden können. Probanden konnten durch den Konsum von 1,5 °C kaltem Wasser vor und während des Trainings um 30 % längere Trainingseinheiten absolvieren als die Kontrollgruppe, die 37 °C warmes Wasser eingenommen hatte – ohne dass Körper- und Hauttemperatur sowie Puls beeinflusst wurden [14].
Fazit für den Umgang von MS-Erkrankten mit Sommerhitze
Um den Sommer trotz MS bestmöglich zu genießen und aktiv zu bleiben, ist es wichtig, gezielte Maßnahmen zu ergreifen, die Überhitzung verhindern und das Wohlbefinden fördern. Hier kommt noch einmal die Maßnahmen-Übersicht:
1. Tragen Sie Funktionskleidung, die einen Wärmeaustausch ermöglicht. Kurze, luftdurchlässige Kleidung hilft, Wärme effektiv abzuleiten und einen Hitzestau zu vermeiden.
2. Pfarrer Kneipp lässt grüßen: nutzen Sie kaltes Wasser, um sich abzukühlen. Kühlkleidung, kalte Fußbäder, oder das Einlassen kalten Wassers über die Hände können wohltuend sein. Barfußlaufen auf kühlen Böden kann ebenfalls helfen, sollte aber bei starker körperlicher Belastung zur Schonung der Gelenke vermieden werden.
3. Verlegen Sie sportliche Aktivitäten in kühlere Innenräume und nutzen Sie Ventilatoren. Schwimmen im kühlen Wasser ist besonders effektiv, um Überhitzung zu vermeiden und die Muskulatur zu lockern.
4. Schwitzen kann man trainieren. Regelmäßige Bewegung und Saunagänge können die Schweißabsonderungsrate erhöhen, was die Thermoregulation verbessert. Beginnen Sie mit weniger intensiven Einheiten und steigern Sie sich langsam, sofern Sie Saunagänge vertragen.
5. Trinken Sie gekühlte Getränke vor und während des Trainings, um die Belastungsfähigkeit zu steigern. Dies kann die Trainingsdauer und -intensität erhöhen, ohne die Körpertemperatur zu beeinflussen.
Mit diesen Maßnahmen können MS-Betroffene auch bei sommerlicher Hitze aktiv bleiben und von den positiven Effekten der Bewegung profitieren. Bleiben Sie motiviert und passen Sie die Empfehlungen Ihren individuellen Bedürfnissen an. Denken Sie daran, dass jeder Mensch individuell reagiert. Probieren Sie einzelne Maßnahmen aus, spüren Sie deren Wirkung nach und entscheiden Sie erst dann, ob Sie weitermachen und andere Möglichkeiten hinzufügen oder einzelne ersetzen.
[4] F. Özkan Tuncay and M. Mollaoğlu, “Effect of the cooling suit method applied to individuals with multiple sclerosis on fatigue and activities of daily living,” J. Clin. Nurs., vol. 26, no. 23–24, pp. 4527–4536, 2017, doi: 10.1111/jocn.13788.
[5] C. J. Stevens, G. Singh, B. Peterson, N. T. Vargas, and J. D. Périard, “The effect of cooling garments to improve physical function in people with multiple sclerosis: A systematic review and meta-analysis,” Mult. Scler. Relat. Disord., vol. 78, p. 104912, Oct. 2023, doi: 10.1016/j.msard.2023.104912.
[7] A. Saari et al., “Sweating impairment in patients with multiple sclerosis,” Acta Neurol. Scand., vol. 120, no. 5, pp. 358–363, Nov. 2009, doi: 10.1111/j.1600-0404.2009.01164.x.
[10] M. Devor, “Sodium Channels and Mechanisms of Neuropathic Pain,” J. Pain, vol. 7, no. 1, Supplement, pp. S3–S12, Jan. 2006, doi: 10.1016/j.jpain.2005.09.006.
[11] M. Kanagaratnam, C. Pendleton, D. Souza, J. Pettit, J. Howells, and M. Baker, “Diuretic sensitive electroneutral Na + movement and temperature effects on central axons,” J. Physiol., vol. 595, Feb. 2017, doi: 10.1113/JP273963.
[12] T. Coates, O. Woolnough, J. Masters, G. Asadova, C. Chandrakumar, and M. Baker, “Acute temperature sensitivity in optic nerve axons explained by an electrogenic membrane potential,” Pflugers Arch., vol. 467, Feb. 2015, doi: 10.1007/s00424-015-1696-2.
[14] G. K. Chaseling, D. Filingeri, M. Barnett, P. Hoang, S. L. Davis, and O. Jay, “Cold Water Ingestion Improves Exercise Tolerance of Heat-Sensitive People with MS,” Med. Sci. Sports Exerc., vol. 50, no. 4, pp. 643–648, Apr. 2018, doi: 10.1249/MSS.0000000000001496.
Allgemeiner Hinweis
Dieser Artikel wurde durch einen Vortrag von Dr. Alexander Tallner inspiriert.
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Kennen Sie das? Ihre Muskeln spannen selbst in Ruhe an, obwohl sie das gar nicht sollten? Nicht nur Ihre Muskeln sind unentspannt. Sie insgesamt sind es – eben auch verstärkt durch diese permanente Muskelanspannung. Und diese führt u.a. auch immer wieder zu Kopfschmerzen.
Irgendwie läuft da etwas falsch! Irgendetwas sagt meinen Muskeln, dass sie permanent arbeiten müssen. Irgendwas, das unbewusst abläuft. Mir fällt diese Muskelanspannung immer wieder auf und dann kann ich die Muskulatur bis zu einem gewissen Grad bewusst “loslassen”. Das passiert leider nicht bis zum Grad der vollständigen Entspannung. Aber es ist dennoch ein erleichterndes Gefühl. Das Problem hierbei ist allerdings, dass diese Muskelentspannung nur von kurzer Dauer ist und ich unbewusst wieder in dieser permanenten Anspannung ankomme.
Da ich also noch in der Lage bin, die Anspannung bewusst ein wenig zu lösen, sollte ich mir dies zu Nutze machen. Ich muss also etwas finden, das meine Rückmeldung zwischen Muskeln und Hirn ein wenig beeinflussen kann.
Zufällig (und eigentlich auch nicht im Kontext mit MS) bin ich dabei auf Aku-Taping gestossen. Aku-Taping ist eine Weiterentwicklung des kinesiologischen Tapings, das Meridiane und Akupunkturpunkte der traditionell chinesischen Medizin mit einbezieht. Bei dieser Therapie werden spezielle Klebebänder auf bestimmte Körperstellen geklebt. Bei Knieschmerzen z.B. werden in einem bestimmten Muster Klebestreifen entlang des schmerzenden Kniegelenks angebracht und verbleiben dort für einige Tage.
Nun ist MS nicht unbedingt eine Krankheit, die primär zu Knieschmerzen führt. Aber ich muss gestehen, dass die Klebebänder durchaus eine entspannende Wirkung zeigen. Ich habe mir Klebebänder nicht am Knie, sondern im Brust- und Halswirbelbereich anbringen lassen und durfte erstaunt feststellen, dass sich meine unbewusste Muskelanspannung dadurch zeitweise reduziert hat. Und das nicht nur direkt am Rücken, sondern auch darüber hinaus. Denn auch wenn diese Klebestreifen keine tatsächliche Haltefunktion ausüben (wie es bei Stützkorsetts der Fall wäre), hat es dennoch einen positiven Einfluss auf die Muskeln. Irgendwie haben diese Klebebänder (bzw. die überklebten Rezeptoren meiner Haut) meinem Hirn mitgeteilt, dass da etwas ist, was mich “hält”. Das hat wiederum meinen Muskeln suggeriert, dass sie das nicht tun müssen – zumindest nicht in dem bisherigen übermässigen Ausmass.
In wissenschaftlicher Literatur wurde im Kontext mit dem Myofasziales Schmerzsyndrom bereits beschrieben, dass kinesiologisches Taping hilfreich bei Schwellungen und Entzündungen ist, Schmerzen lindert, den Lymphfluss sowie den Blutfluss fördert, Reparaturvorgänge im Gewebe beschleunigen und motorische Funktionen verstärken bzw. vermindern kann [1]. Es wurde ausserdem festgestellt, dass die Position der angebrachten Tapes durchaus Einfluss auf die Effizienz der positiven Wirksamkeit zeigt [2].
Mir persönlich hilft das Aku-Taping immer wieder. Ob andere Taping-Therapien den gleichen Effekt zeigen, wie das Aku-Taping, kann ich nicht sagen. Das habe ich nicht ausprobiert. Es wäre aber denkbar.
Bitte beachten Sie bei dieser Therapie, dass es unterschiedliche Klebebänder (bzw. Hersteller von Klebebändern) gibt, die z.T. unterschiedliche Klebstoffe verwenden und daher unterschiedlich verträglich sein können. Bei einer Sorte z.B. fängt meine Haut nach 2 Tagen an zu jucken. Bei einer anderen Sorte ist dies nicht der Fall.
Meiner Muskulatur helfen diese Klebebänder meist aber auch noch einige Tage länger, also auch nachdem ich die Bänder entfernt habe. Aber leider hält der Effekt nicht auf Dauer an; und so wiederhole ich – gerade in Zeiten verstärkter Muskelanspannung – diese Therapie immer mal wieder.
Leider kann ich mir die Bänder nicht selbst am Rücken anbringen. Das Abziehen hingegen ist mir unter der Dusche (also im nassen Zustand) ohne Hilfe möglich. Was das Anbringen der Bänder betrifft, ist es daher hilfreich, wenn Sie z.B. ein Familienmitglied oder jemand aus Ihrem Freundeskreis mit einbinden können. Es braucht nicht viel Zeit, sollte aber dennoch nach Anleitung (z.B. aus einem Buch) erfolgen. Oder Sie finden einen Therapeuten in Ihrer Nähe, der Taping anbietet.
Hinweise zur Anwendung
Auch wenn Taping grundsätzlich nebenwirkungsfrei ist sollten Sie die folgenden Punkte beachten:
Wenn das Aku-Tape zu straff angelegt wird, kann es zu Durchblutungsstörungen und Verlangsamung des Blutflusses kommen.
Bei empfindlicher Haut können Hautreizungen oder Allergien durch den Klebstoff des Tapes auftreten.
Eine falsche Anlagetechnik oder zu starke Dehnung des Tapes kann die Bewegungsfreiheit einschränken und Gelenkbewegungen behindern.
Bei offenen Wunden oder Infektionen im Anlagebereich ist von einer Anwendung abzuraten, da das Tape die Heilung beeinträchtigen kann.
In seltenen Fällen kann es durch die Reizung der Haut zu Muskelverkrampfungen oder Schmerzen kommen.
Bei Auftreten von Beschwerden sollte das Tape umgehend entfernt werden.
Fazit
Heilsame Effekte des kinesiologischen Tapings wurden bereits in wissenschaftlicher Literatur beschrieben. Gerade auf das weit verbreiteten MS-Symptom der erhöhten Muskelanspannung kann es positiven Einfluss nehmen.
Aus dem kinesiologischen Taping wurde außerdem das Aku-Taping entwickelt, das u.a. die Meridiane aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) beim Klebemuster berücksichtigt.
Da das korrekte Positionieren der Tapes die wohlbringende Wirkung verstärkt, sollte das Anbringen durch einen Therapeuten bzw. anhand einer Anleitung erfolgen. Insgesamt kann es sich also für MS-Betroffene mit erhöhter Muskelspannung Taping-Verfahren, insbesondere auch das Aku-Taping, ausprobieren.
Weitere Infos zum Aku-Taping können Sie z.B. den Büchern weiter unten entnehmen: [3],[4],[5]
Referenzen
[1] A. S. Alqahtani and S. Parveen, ‘Kinesio Taping as a Therapeutic Tool for Masticatory Myofascial Pain Syndrome—An Insight View’, Int. J. Environ. Res. Public. Health, vol. 20, no. 5, p. 3872, Feb. 2023, doi: 10.3390/ijerph20053872.
[2] G. Öztürk, D. G. Külcü, N. Mesci, A. D. Şilte, and E. Aydog, ‘Efficacy of kinesio tape application on pain and muscle strength in patients with myofascial pain syndrome: a placebo-controlled trial’, J. Phys. Ther. Sci., vol. 28, no. 4, pp. 1074–1079, Apr. 2016, doi: 10.1589/jpts.28.1074.
[3] H. U. Hecker and K. Liebchen, Aku-Taping – Wirksam bei akuten und chronischen Schmerzen und Beschwerden, vol. 4. Trias Verlag in Georg Thieme Verlag KG, 2019. [Online]. Available: https://shop.thieme.de/Aku-Taping/9783432109473
[4] H. U. Hecker, K. Liebchen, H. M. Koch, and A. T. Römer, Aku-Taping – Akupunkturpunkte, viszerale und myofasziale Triggerpunkte, vol. 1. Karl F. Haug Verlag, 2014. [Online]. Available: https://shop.thieme.de/Aku-Taping/9783830477877
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Eine kürzlich erschienene Übersichtsarbeit zur Rolle der Mitochondrien [1] bei verschiedenen Erkrankungen und im gesunden Körper zeigt noch einmal sehr deutlich, dass wir mit den Lebensstilinterventionen von Life-SMS auf dem richtigen Weg zur Stabilisierung und Gesundung sind.
Mitochondrien, die Kraftwerke unserer Zellen, tun mehr als nur Energie zu erzeugen. Sie spielen eine Schlüsselrolle bei zahlreichen Prozessen, wie dem Ausgleich des Kalzium- und Eisenspiegels, der Produktion von Hormonen und Neurotransmittern und der Interaktion mit anderen Körpersystemen wie der zirkadianen Uhr, der Darmmikrobiota und dem Immunsystem. In vielerlei Hinsicht sind die Mitochondrien ein entscheidendes Bindeglied für die Erhaltung unserer Gesundheit. Wenn jedoch die Funktion der Mitochondrien gestört ist, kann dies zu verschiedenen Gesundheitsproblemen führen, darunter das metabolische Syndrom, neurodegenerative Erkrankungen, Krebs und Autoimmunerkrankungen.
Detaillierter Aufbau eines (tierischen) Mitochondriums
Die oben genannte Übersichtsarbeit konzentriert sich speziell auf den Zusammenhang zwischen mitochondrialer Dysfunktion und neurologischen Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson und damit auch Multipler Sklerose (MS) sowie auf neuroinflammatorische Störungen wie das chronische Müdigkeitssyndrom und chronische Schmerzen. Das Gehirn, eines der Organe mit dem höchsten Energiebedarf, ist in hohem Maße auf die Mitochondrien angewiesen. Wenn mitochondriale Funktionen wie Energieproduktion, Kalziumhomöostase und Immunabwehr gestört sind, kann dies schwerwiegende Auswirkungen auf Neuronen und Neurogliazellen haben. Eine gestörte Mitochondriendynamik kann auch zu einer Neuroinflammation führen, die ein häufiges Merkmal vieler neurologischer Erkrankungen ist.
Interessanterweise können Gliazellen (eine Art von Neuroglia) durch ungesunde Ernährungsgewohnheiten aktiviert werden, was dann zu einer Neuroinflammation führt. Ein Ungleichgewicht der Fettsäuren, ein Übermaß an Zucker und ein Mangel an Mikronährstoffen und Polyphenolen in der Ernährung können zu diesem Prozess beitragen. Darüber hinaus kann das Darmmikrobiom die Gesundheit des Gehirns beeinflussen, wobei eine Dysbiose (ein Ungleichgewicht der Darmbakterien) mit zahlreichen neurologischen Pathologien in Verbindung gebracht wird.
Das Hormon Melatonin wird als wichtiger Akteur bei der Bekämpfung der Neuroinflammation hervorgehoben. Es kann Immunzellen von einem entzündungsfördernden Zustand in einen entzündungshemmenden Zustand versetzen und hat schützende, antioxidative Eigenschaften, die Prozesse hemmen können, die Neurodegeneration und Entzündungen fördern.
Der Bericht befasst sich auch mit potenziellen therapeutischen Strategien zur Wiederherstellung der Gesundheit der Mitochondrien. Ein solcher Ansatz ist die Hormesis – eine evolutionäre Anpassungsreaktion, bei der ein milder Stressor die Toleranz eines Organismus gegenüber toxischeren Stressfaktoren erhöht. Dies entspricht im Wesentlichen der Idee „was dich nicht umbringt, macht dich stärker“. Hormetische Strategien oder „Mitohormese“ könnten zur Förderung der Widerstandsfähigkeit und Gesundheit der Mitochondrien eingesetzt werden, um chronischen Krankheiten und vorzeitiger Alterung vorzubeugen.
Diese Strategien könnten verschiedene Arten von Auslösern beinhalten, wie z. B. Bewegung, kontrollierter oxidativer Stress, Kalorienrestriktion, Temperaturstressoren (z.B. Kälte; Hitze ist bei MS eher zu meiden) und die Verwendung von phytochemischen Substanzen (z.B. Polyphenole, Flavonoide). In Intervallen und in der richtigen Kombination eingesetzt, könnten diese Strategien dazu beitragen, die Gesundheit der Mitochondrien zu erhalten, die Effizienz des Immunsystems zu fördern und die metabolische und neurologische Flexibilität zu verbessern.
Die Autoren weisen darauf hin, dass moderne Lebensgewohnheiten wie Bewegungsmangel, Überfluss an Nahrungsmitteln, Schlafstörungen, Mikronährstoffmangel und Umweltschadstoffe zu erheblichem mitochondrialem Stress und Dysfunktion führen können. Dies können die Kennzeichen vieler Krankheiten und chronischer Zustände sein. Hormetische Eingriffe zum Schutz und zur Wiederherstellung der Mitochondrienfunktion könnten daher einen weitreichenden Nutzen für die Gesundheit haben und möglicherweise chronischen Krankheiten vorbeugen.
Fazit:
Es ist wichtig zu verstehen, dass unser Lebensstil einen direkten Einfluss auf die Gesundheit unserer Mitochondrien hat, die wiederum eine entscheidende Rolle bei vielen Krankheiten spielen. Durch die Wahl eines gesunden Lebensstils können wir die Gesundheit unserer Mitochondrien fördern und damit das Risiko für viele Krankheiten senken, aber auch selbst therapeutisch aktiv werden. Gerade für Menschen mit MS ist es an der Zeit, diesen entscheidenden Zusammenhang zwischen mitochondrialer Gesundheit und Lebensstil zu erkennen und entsprechend zu handeln.
Die Grundlagen findet dazu findet man u.a. in unserem Projekt und der Life-SMS-Mindmap!
In ihrer letzten Folge beschreibt die sehr erfahrene Feldenkrais-Lehrerin und Praktikerin Eva Weißmann (s.u.) praktische Feldenkrais-Übungen für von MS Betroffene undalle anderen Interessierten, die Sie (unabhängig vom Schweregrad z.B. einer Multiplen Sklerose) selbst durchführen können.
Hinweis: Die Feldenkrais-Methode ersetzt nicht die medizinische Versorgung und nicht eine sportliche Betätigung, welche in maßvoller Weise immer und für jeden sinnvoll ist.
Sei es, dass Sie liegen, sitzen, gehen oder in welcher Position auch immer Sie sich befinden: Schenken Sie sich einige Minuten, um inne zu halten, sich zu spüren und auch Ihren seelischen Zustand und das Arbeiten des Gehirns wahrzunehmen.
Spüren Sie sich weiterhin, auch wenn und während Sie Ihre Position verändern. Von hier ab beschreibe ich die Übung Variante 1, nämlich stehend oder sitzend, mit Anpassungen. Weiter unten finden Sie die Variante 2, die für verschiedene Positionen gilt und Arten zu liegen, am Boden zu sitzen, mit Rollator, im Rollstuhl usw.
Im Stehen bietet sich eine Schrittstellung an, im Sitzen das Gewicht auf der Stuhlkante, im Liegen viele Veränderungen.
Wenn Sie stehen: Auf welchen Bereichen Ihrer Fußsohlen geben Sie Gewicht zur Erde hinab oder fühlen Berührung zum Boden, auf den Fersen, Zehen, Ballen? Dies zu beobachten, ist mit Stock, Rollator, Rollstuhl und auch in vielerlei Positionen möglich –> s. Variante 2 unten.
Stellen Sie sich vor, Sie atmen in Ihre Fußsohlen hinein und atmen dort auch aus, also zwischen Boden und Fußgewölbe, in ruhiger Verfassung, etwa 20 Atemzüge
Lassen Sie das los. Lassen Sie auch das Denken und Beurteilen los. Vielleicht wollen Sie die Augen schließen. Gehen Sie Ihren Bildern nach, Tönen oder einem Bedürfnis, beispielsweise sich hinzulegen, zu singen…
Im Stehen oder Sitzen: Schaukeln Sie sich ein wenig, sanft und entspannt. Sie verlagern minimal Ihr Gewicht nach vorne in Richtung Fußballen bzw. Oberschenkel, und langsam zurück, etwa drei mal. Bewegen Sie Ihr Gewicht ganz fein, so dass Sie sich sicher fühlen. Sie können sich auch an einem Geländer oder Möbel … halten. Verlagern Sie nun Ihr Gewicht ebenso sachte nach hinten in Richtung Fersen bzw. in Richtung hinter die Sitzbeinhöcker, und zurück, so dass Sie die Fußsohlen bzw. Ihr Becken fühlen, auch die Füße, Beine und vielleicht sogar andere Körpergebiete. Verlagern Sie danach Ihr Gewicht sanft nach rechts und wiederum aufmerksam zurück, schließlich nach links und zurück.
Falls Sie es nicht bereits probiert haben: Vergleichen Sie Ihr Bewegen und Spüren auf der rechten und der linken Körperseite. Tun Sie dies mit Neugier und nicht mit Bewertungen.
Nach einer kurzen Pause machen Sie kleine Kreise mit dem Gewicht oder anders gesagt: bei der Berührung auf den Fußsohlen.
Wiederholen Sie alles besonders sanft und aufmerksam, so dass Sie nach heute oder nach etlichen Tagen, Wochen … dabei Ihre Wirbel spüren oder andere feine Gelenkbewegungen.
Wenn Sie mögen, können Sie dies als Tanzen bezeichnen und vor Freude tanzen.
Dazu empfehle ich drei Bücher:
a) Christensen, Julia F.; Chang, Dong-Seon, Tanzen ist die beste Medizin, Core Verlag 2018
b) Hüther, Gerald, Lieblosigkeit macht krank, Herder Verlag 2021
c) Dürckheim, Karlfried Graf Dürkheim, Hara. Die Erdmitte des Menschen, Barth-Verlag 1983
Kehren Sie zu einer Ruheposition zurück und zum bewussten Atem. Beobachten Sie jetzt, wie und wo im Körper Sie Atem und Bewegung wahrnehmen.
Schenken Sie sich während und nach dem Üben Stille und eine Pause, damit Ihr Nerven-, Immun- und Blutsystem den Wandel einverleiben können.
Die Übung stärkt – sofern Sie mit Geduld und regelmäßig über einen langen Zeitraum üben – Ihre Eigentätigkeit, Ihre Kompetenz im Bewegen und im Denken, Freude und Leichtigkeit für viele Aufgaben.
Dies ist auch eine friedensstiftende und heilende Übung in einer Krisenzeit und in zwischenmenschlichen Situationen.
Bevor Sie weiterlesen, vergessen Sie bitte nicht, das Projekt Life-SMS lebt ausschließlich von Spenden!
Sie können den gesamten Text der 5 Feldenkrais-Folgen von Eva Weißmann bei uns auch als PDF-Datei herunterladen. Auch das ist prinzipiell kostenlos, aber wir freuen uns über Ihre freiwillige Spende – nach dem „Pay as you like Prinzip“. Das heißt: Einfach vor dem Download Ihren gewünschten Spendenbetrag über betterplace (Button „Jetzt spenden“) mit der gewünschten Zahlungsart spenden. Danach können Sie für Schritt 2, dem eigentlichen Textdownload, auf den grünen Button unten klicken.
Wir empfehlen einen Betrag von 5 bis 10 € pro Download.
Egal ob und wie viel Sie spenden, die Veröffentlichung steht Ihnen unabhängig davon zur Verfügung. Ihre Spende hilft, derartige Ausarbeitungen auch in Zukunft kostenlos anbieten zu können.
Falls Sie liegen, knien, in Vierfüßler-Position sind u.v.a.m., spüren Sie hier zuallererst Ihren Atem und die Flächen, auf denen das Gewicht Ihres Körpers ruht oder vielleicht ein wenig in Bewegung ist. Verlagern Sie nun bewußt Ihr Gewicht in verschiedene Richtungen, in aller Ruhe, mehrmals und mit feiner Aufmerksamkeit:
• nach vorne und ebenso langsam zurück,
• nach hinten und ebenso sachte zurück,
• nach hinten und zurück, nach links und zurück nach rechts und zurück
• und schließlich kreisend.
Möglicherweise spannen Sie sich teilweise unnötig an und können diese Spannungen sein lassen. Das Ausatmen hilft dabei.
Ab hier gelten die entsprechenden Vorschläge der Variante 1 (s.o.; ab „Vergleichen Sie Ihr Bewegen und Spüren auf der rechten und der linken Körperseite. Tun Sie dies mit… „).
ÜBUNG B
ZUR GANZHEIT DES KÖRPERS –
das Spüren der Zusammenhänge bringt Erleichterungen
ATEM: Lassen Sie den Atem geschehen, was immer Sie tun: das Geschenk des Odems
ich ermuntere Sie zum ZULASSEN DES ATMENS WÄHREND ALLER ÜBUNGEN, und spüren Sie, wo Sie atmen
KOPFbzw. HALS: GANZ LANGSAM UND WENIG nach rechts drehen, zurück drehen zur Mitte – nach links drehen und zurück drehen; nicht auf die Position kommt es an, sondern auf das Wahrnehmen der Bewegungen (von Wirbeln…)
ARME – BRUSTKORB – WIRBELSÄULE : Zum Singen von Tönen und anderen Klängen bewegen Sie einen Arm nach oben und zurück, loslassend, den anderen ebenfalls. Danach bewegen Sie die Arme in andere Richtungen, schließlich: fühlen Sie sich frei, beide Arme in alle Richtungen zu bewegen, auch sich überkreuzend, UND SPÜREN Sie: wie werden Ihre Wirbelsäule, die Rippen, die Schultern, Achseln (Lymphe !) und Ihr Atmen davon beeinflusst?
AUFRICHTUNG UND MUSKELN: Es geht um die Lebendigkeit des Hara. Körperlich gesagt: das Powerhouse, Perineum, Beckenboden, die Oberschenkelmuskeln und das gesamte Becken/die Bauchgegend können viel profitieren von einer lotrechten und doch unangestrengten Haltung. Bringen Sie im Stehen oder beim Sitzen das Becken in die Lotrechte und setzen Sie dann den Brustkorb, danach auch den Hals und den Kopf über das Becken. Lassen Sie dies wieder los, entspannen Sie sich. Spüren Sie dabei die Bewegungen und die verschiedenen die Formen Ihrer Wirbelsäule sowie den Wechsel zwischen einer vertikalen Zentralachse und einer mehr kurvigen Linie.
BECKEN: Im Sitzen heben Sie eine Seite Ihres Beckens ein klein wenig sanft weg vom Stuhl (oder vom Boden, falls Sie auf der Erde oder dem Teppich sitzen) und lassen Sie das wieder los. Sie können auch unter eine Beckenseite etwas unterlegen und dann wieder wegnehmen. Nehmen Sie die Bewegungen wahr und andere Körperempfindungen. – Pause – Nun heben Sie die andere Seite Ihres Beckens und lassen sie wieder herabsinken – beobachten sie Ihren gesamten Körper.
FÜßE: In einer bequemen Lage oder anderen Haltung zappeln Sie mit den Füßen und machen weitere sanfte, wohlige Bewegungen, auch mit den Zehen. Dann bringen Sie die Füße sachte abwechselnd in die Positionen „flex“ (gebeugt, angewinkelt) und „gestreckt“.
BEINE: In Rückenlage drehen Sie langsam und wenig Ihre Beine nach innen (rollen) = aufeinander zu und spüren Sie dabei die Füße und die Hüftgelenke (Legen sie die Hände unterhalb des Nabels und neben dem Schambein, also in die Leisten = über den Hüftgelenken)
– ein BEIN: winkeln Sie ein Bein an und, indem Sie es im Bogen über außen bewegen, stellen Sie es auf. Das Gewicht des Beines spüren Sie nun auf Ihrer Fußsohle. Vielleicht können Sie dies auch mit Ihrem anderen Bein (versuchen). Stellen Sie beide Beine auf, falls Sie das können. Nun versuchen Sie, Ihren Körper, hauptsächlich das Becken, etwas von der Unterlage wegzudrücken, also anzuheben: dies kann gut geschehen, indem Sie die Beine/Füße oder 1 Fuß hinab zur Unterlage stoßen oder schieben. Schließlich bewegen Sie Becken und Beine wieder langsam zurück. Spüren Sie sich.
Nach mehreren Tagen des Probierens und Übens vergleichen Sie: Was hat sich verändert?
Sie können diese Reihenfolge für ein paar Tage wählen. Dann können Sie die Reihenfolge umkehren. Das hat die Wirkung, dass mehr und mehr der gesamte Leib als Ganzheit gespürt wird, eben in seiner Vernetztheit. Leben spielt sich nach der Weise der Kybernetik ab. So werden auch viele Muskeln loslassen, wenn sie nicht gebraucht werden, und sie werden kräftiger für diejenigen Momente und Funktionen, wofür sie nötig sind. Dies gilt auch für den Atem, die Aktivität von Lunge, Bauch, Rippen, Nase…
Sie werden mehr und mehr fein differenzieren, wie sich die einzelnen Gelenke gegenseitig beeinflussen und helfen. (Kinästhesie)
Schließlich können Sie variieren mit verschiedenen Reihenfolgen; Ihrer Intuition und Ihrem Interesse folgen.
Ihre Eva Weißmann
Eva Weißmann ist Feldenkrais-Lehrerin, Choreographin und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Während ihrer akademischen und pädagogischen Karriere hat sie sich bereits intensiv mit Bewegung befasst, seit 40 Jahren mit der Feldenkraismethode; ihre weitere Ausbildung absolvierte sie u.a. in der Tiefenpsychologie von Dr. Arnold Mindell. Sie gibt besonders gerne Feldenkrais-Einzelbehandlungen, unterrichtet aber auch Feldenkrais-Lektionen in der Gruppe, Meditation, Yoga, Tanz, Supervision und Fortbildungen. Sie hat mehrere Bücher geschrieben und Artikel, darunter „Feldenkrais für Menschen mit MS“.
Haben Sie die ersten 4 Teile der kleinen Feldenkrais-Serie von Frau Weißmann verpasst oder möchten Sie die Serie vor oder nach dem Praktizieren obiger Übungen noch einmal lesen und spüren, was sich verändern darf und kann; wie Lernen zum Sein wird… dann freuen Sie sich sicher über diese praktische Link-Sammlung:
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