Einflussfaktoren bei MS: Das Salz in der Suppe ist es wahrscheinlich nicht…

Im Jahr 2013 veröffentlichten Kleinewietfeld et al. in Nature eine Studie, die zeigte, dass Kochsalz (Natriumchlorid) bei Mäusen, die mit einer salzhaltigen Diät gefüttert werden, eine schwerere Form von EAE (MS-Modell im Tierversuch) entwickelten, was mit dem vermehrten Eindringen peripher induzierter Antigen-spezifischer Th17-Zellen in das zentrale Nervensystem im Einklang stand. Die Autoren schlossen daraus, dass eine erhöhte Zufuhr von Speisesalz ein umweltbedingter Risikofaktor für die Entstehung von Autoimmunerkrankungen wie MS durch die Induktion pathogener Th17-Zellen sein könnte.

Wir hatten damals schon gewisse Zweifel an dieser Aussage, da aus epidemiologischer Sicht dann in Ländern mit hohem Kochsalzkonsum, die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) deutlich erhöht sein müsste. Der Blick auf die MS-Weltkarte 2013 zeigt das nicht. Im Gegenteil, bei den beiden “Kochsalzweltmeisterkonsumenten” Portugal und Japan kommt MS vergleichsweise eher selten vor.

In einer aktuellen Kohortenstudie wurde die Kochsalzaufnahme über einen validierten Fragebogen zur Häufigkeit der Nahrungsaufnahme, der alle 4 Jahre an 80.920 Krankenschwestern und Krankenpfleger in der Nurses‘ Health Study (NHS) (1984-2002) und 94.511 Teilnehmer in der Nurses‘ Health Study II (NHSII) (1991-2007) ausgehändigt wurde, bestimmt und hinsichtlich des MS-Risikos bewertet.

Die Autoren Cortese et. al. schließen aus den Ergebnissen: “Diese Studie liefert Beweise dafür, dass eine erhöhte Natriumchloridaufnahme in der Nahrung das MS-Risiko nicht erhöht, anders als in früheren experimentellen Studien angedeutet. Eine mäßige Kochsalzzufuhr über die Nahrung ist jedoch im Hinblick auf die Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen günstig.”

Fazit:

Ein erhöhter Kochsalzkonsum scheint kein bestimmender Faktor für das MS-Risiko zu sein. Inwieweit eine stark salzhaltige Ernährungsweise die Progression der Erkrankung begünstigt, kann heute nicht abschließend gefolgert werden. Der von Kleinewietfeld beschriebene Mechanismus betrifft nicht die MS, sondern lediglich das MS-Mausmodell EAE, sollte aber durchaus bedacht werden. Wenn man sich an einen moderaten Kochsalzkonsum hält, kann man den möglichen Einflussfaktor Kochsalz auf die MS-Erkrankung aus heutiger Sicht vernachlässigen.

 


Quellen:

Cortese, M., Yuan, C., Chitnis, T., Ascherio, A., Munger, K. L., Aug. 2017. No association between dietary sodium intake and the risk of multiple sclerosis. Neurology.

URL: http://view.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28842447

Kleinewietfeld, M., Manzel, A., Titze, J., Kvakan, H., Yosef, N., Linker, R. A., … Hafler, D. A. (2013). Sodium Chloride Drives Autoimmune Disease by the Induction of Pathogenic Th17 Cells. Nature, 496(7446), 518–522.

URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3746493/


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TCM, Sport, Vitamin D und MS – Nachlese zum Life-SMS Jahresseminar vom 9.9.2017 in Köln

Für diejenigen, die nicht dabei sein konnten, an dieser Stelle eine kurze Nachlese zum Jahresseminar letzten Samstag in Köln. Zunächst sei all denen gedankt, die den teilweise weiten Weg aus dem gesamten Bundesgebiet und sogar aus Wien auf sich genommen habe, um in Köln dabei zu sein. Mit mehr als 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war die Veranstaltung schon ein bemerkenswerter Erfolg.

An dieser Stelle sei es uns erlaubt einen Teilnehmerkommentar zu zitieren:

Die Referenten in Köln

“Ich möchte mich auf diesem Wege sehr herzlich für das überaus interessante und lehrreiche Seminar bedanken, das unter ihrer aktiven Mitwirkung am vergangenen Samstag in Köln stattgefunden hat. Mit Frau Dr. Schlink und Herrn Dr. Thums haben Sie zwei erstklassige Referenten gewinnen können, die beide ihren jeweiligen „Stoff“, die traditionelle chinesische Medizin bzw. die Sportmedizin, super „rübergebracht“ haben. Auch Ihre Ausführungen zum Coimbraprotokoll waren hochspannend und haben Appetit auf weitere Informationen gemacht. Die fast vier Stunden sind wie im Fluge vergangen und haben mir als MS-Patienten eine Fülle an Anregungen und Ideen für den weiteren Weg geliefert. Dafür nochmals mein aufrichtiger Dank!”

 

Was kam oder kommt noch für diejenigen dabei heraus, die keine Gelegenheit hatten in Köln dabei zu sein?

Wir sind dabei, die oben genannten Themenschwerpunkte weiter auszuarbeiten und einer breiten Leserschaft zur Verfügung zu stellen. Heute schon ist die aktuelle Life-SMS Veröffentlichung “MS und Sport – Was Sport, Training und Bewegung für die Behandlung der Multiplen Sklerose und die Wiederherstellung verlorengegangener Fähigkeiten bedeuten” für SpenderInnen als Download verfügbar (siehe auch hier). Die von Dr. Thums angesprochenen Themen Kraft- und Ausdauertraining werden in dieser Publikation ebenfalls ausführlich beleuchtet.

Der von Frau Dr. Schlink beeindruckend erläuterte Themenkreis “TCM als ganzheitlicher Ansatz bei MS” wird derzeit aufbereitet und sollte in den nächsten 6 Wochen auf Life-SMS/lsms.info aktenkundig werden. Wir halten Sie auf dem Laufenden!

Und “last not but not least” beginnen wir derzeit mit der Überarbeitung des Faktenblatts Vitamin D und MS aus dem Jahr 2014. Neben der heute weit größeren Anzahl von Studien, die den Zusammenhang zwischen Vitamin D-Spiegel und MS-Risiko nachweisen, gibt es eine wachsende Zahl von Interventionsstudien, die die Sinnhaftigkeit einer Vitamin D-Supplementation zur Schubvermeidung oder – reduzierung nachweisen. Das trifft insbesondere auch für die Kombination von Vitamin D mit immunmodulierenden Medikamenten zu.

Es lohnt sich also am Ball zu bleiben.

 


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