Die kurzkettige Propionsäure beweist erneut ihr Potential in der MS-Behandlung

Über die entscheidende Rolle der Darmmikrobiota (Darmflora) oder übergreifend des Mikrobioms haben wir schon des Öfteren berichtet. Eine Veröffentlichung aus dem letzten Jahr [1] unterstreicht noch einmal das Potential der Supplementierung mit kurzkettigen Fettsäuren bei der MS-Therapie. Die Autoren Alexander Duscha et. al. von der Ruhr-Universität Bochum weisen nach, dass Propionsäure den Krankheitsverlauf der Multiplen Sklerose durch einen immunmodulatorischen Mechanismus positiv beeinflusst.

Die Zusammenhänge sind in der nachfolgenden Infografik übersichtlich dargestellt:

 

Effekte der Propionsäure-Supplementierung bei MS Patienten nach [1]

Kurzkettige Fettsäuren und Studiendesign

Kurzkettige Fettsäuren werden von Darmbakterien aus unverdaulichen Nahrungsfasern verarbeitet und haben immunmodulatorische Eigenschaften. Die Autoren untersuchen die Effekte der Propionsäure (PA) bei Multipler Sklerose (MS). Serum und Stuhl von Probanden mit MS wiesen im Vergleich zu Kontrollen signifikant reduzierte PA-Mengen auf, insbesondere nach dem ersten Schub. In einer “Proof-of-Concept-Studie” verabreichten die Forscher PA (500 mg, 2 x täglich) an therapienaive MS-Patienten (Patienten, die bisher noch nicht behandelt wurden) und als Zusatz zu einer MS-Immuntherapie. Nach 2 Wochen PA-Einnahme wurde ein signifikanter und anhaltender Anstieg von funktionell kompetenten regulatorischen T-Zellen (Treg) beobachtet , während gleichzeitig die entzündungsfördernden Th1- und Th17-Zellen signifikant abnahmen. Mathematische Signifikanzanalysen zeigten eine reduzierte jährliche Schubrate, eine Stabilisierung des Behinderungsgrades und eine reduzierte Hirnatrophie (Abnahme des Gehirnvolumens) nach 3 Jahren PA-Einnahme. Eine funktionelle Mikrobiomanalyse zeigte zudem eine erhöhte Expression von Treg-Zell-induzierenden Genen im Darm nach PA-Einnahme. Außerdem normalisierte PA die mitochondriale Funktion und das Erscheinungsbild (Morphologie) der Treg-Zellen bei MS.

Schlussfolgerungen

Zusammenfassend kommen die Autoren zu dem Schluss, dass diese Studie, an der etwa 300 Personen mit MS teilnehmen, eindeutig eine dysbiotisches (fehlbesiedeltes) Darmmikrobiom und gleichzeitig einen Propionsäuremangel bei MS-Betroffenen nachwies. Die Propionsäure-Supplementierung hatte einen positiven Effekt auf immunologische, neurodegenerative und klinische Parameter bei MS-Patienten, einschließlich der Schubrate und des Fortschreitens der Behinderung.

Fazit: Insgesamt gehören das Darmmikrobiom und die Darmmikrobiota [2] zu den entscheidenden Faktoren in der Ätiologie (Ursachenforschung) bei der Multiplen Sklerose. Durch die Gabe von kurzkettigen Fettsäuren, in diesem Fall der Propionsäure, lassen sich Fehlbesiedelungen des Darms zu einem messbaren Teil beheben und positive immunmodulatorische Effekte auslösen. Patentienten sollten aber unbedingt beachten, dass klinische Effekte wie die Reduktion der Schubrate oder die Stabilisierung des Behinderungsgrades erst mittelfristig und langfristig auftreten und die Einnahme der Propionsäure insofern kontinuierlich oder zumindest über einen langen Zeitraum erforderlich ist.

 

Referenzen:

[1] Duscha et al., Propionic Acid Shapes the Multiple Sclerosis Disease Course by an Immunomodulatory Mechanism, Cell (2020), https://doi.org/10.1016/j.cell.2020.02.035

[2] Faktenblatt Darmflora und MS (DSGiP 2015)

 


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Die Life-SMS-Methodik (IV) – Fettsäuren

In der Fortsetzung unserer Serie zur Life-SMS-Methodik beschäftigen wir uns heute mit dem Thema Fettsäuren. Anders als bei Vitamin D, sind die Aussagen bei Fettsäuren durchaus weniger eindeutig und  eher vielschichtig. Fettsäuren beziehungsweise der Fettsäure- Spiegel im Blut und die Anlagerung verschiedener Fettsäuren in den Zellmembranen sind entscheidend für eine optimale Körperfunktion und ein langfristiges Überleben der Zellen. Insbesondere auch die Neubildung von Myelinschichten basiert auf Fettsäuren.

Die Fettsäuren-Zusammensetzung spielt den verschiedenen Bereichen eine wesentliche Rolle, darunter mit Blick auf die MS vor allem auch für:

  • Gehirnfunktion und die Funktion des Nervensystems insgesamt,
  • entzündliche oder anti-entzündliche Vorgänge im Immunsystem und eine
  • gesunde Darmflora

Für eine anti-entzündliche Ernährung und die Optimierung des persönlichen Fettsäure-Spiegels ergibt sich daraus in einer ersten Übersicht das folgende Bild, welches auch in der Life-SMS-Mindmap zu finden ist:

2016-09-08-die-life-sms-methodik-fettsauren

Kernpunkte dabei sind:

Gesättigte Fettsäuren

  • Verzichten Sie soweit wie möglich auf langkettige gesättigte Fettsäuren wie Palmfett. Palmfett begünstigt insbesondere auch koronare Herzkrankheiten. Konzentrieren Sie sich bei gesättigten Fettsäuren auf Kokosöl und mittelkettige Fettsäuren. Supplementieren Sie ggf. Propionate. Verzichten Sie vollständig auf gehärtete Fette und Transfette (z.B. Margarine, Croissants, Schweinsohren, frittierte Produkte).

Mehrfach und einfach ungesättigte Fettsäuren

  • Führen Sie genügend frische Öle mit hohem Omega-3-Anteil zu. Entweder über frischen Fisch oder über Fischöl als Nahrungsergänzung aus Wildfang. Beachten Sie dabei unbedingt eine mögliche Schwermetallbelastung, je nach Fischsorte.
  • Nutzen Sie zusätzlich kaltgepresstes Leinöl  und Hanföl aus vorzugsweise biologischem Anbau und mit entsprechender Frische.
  • Verzehren Sie Ölsamen mit einem günstigen Omega-3/Omega-6 Verhältnis wie Chia, Hanfsamen oder Leinsamen.
  • Nutzen Sie unbedingt kaltgepresstes natives Olivenöl in großen Mengen in der Küche (vorzugsweise aus biologischem Anbau). Olivenöl ist reich an Vitamin E, welches essentiell für den Oxidationsschutz der empfindlichen Omega-3 Fettsäuren ist. Ohne Oxidationsschutz ist eine verstärkte Zufuhr von mehrfach ungesättigten Fettsäuren eher kritisch zu bewerten.
  • Reduzieren Sie den Zuckerkonsum und sorgen Sie für einen niedrigen Insulinspiegel Das vermindert die Bildung entzündlicher Botenstoffe (Prostaglandine Typ 2) aus Omega-6 Fettsäuren.
  • Nutzen Sie in der Küche ordentliche Mengen von Gelbwurz/Kurkuma (Hauptbestandteil von Curry) und Sesam, auch diese verhindern die Bildung der o.g. Stoffe aus Omega-6 Fettsäuren.

Generelles

  • Führen Sie eine Ausgangs-Analytik des Fettsäure-Spektrums durch und wiederholen Sie diese nach ca. 9 -12 Monaten. Ziel sollte ein Omega-6/Omega-3 Verhältnis im Vollblut von < 5:1 sein (ideal 2-3:1).
  • Behalten Sie Ihre Ernährungsweise bei, sobald sich ein Erfolg eingestellt hat.

Ausführliche Erklärungen, Hintergrundinformationen und Literaturhinweise finden Sie in unserem Faktenblatt Fettsäuren und MS. Laden Sie es sich gerne herunter!

In gleicher Weise empfehlen wir den Fachartikel “Kann mit Fischen gegen MS anschwimmen?” unseres Netzwerkpartners Dr. Schmiedel.

Fazit:

Um Missverständnissen vorzubeugen: Bei Fettsäuren gibt es kein Schwarz-Weiß-Bild. Wir sind sowohl auf gesättigte Fettsäuren als auch auf ungesättigte Fettsäuren in der Nahrung angewiesen, es kommt aber auf das Verhältnis und die Menge der Zufuhr an. Weiter werden Sie allein über eine Verbesserung der Fettsäure-Verhältnisse Ihre MS nicht heilen. Diese Maßnahme ist aber eine unverzichtbare notwendige Voraussetzung, um dem Körper die Energie und Basis für eine Stabilisierung, Regeneration und Gesundwerdung zu liefern, und damit ein wichtiger Baustein der Behandlung.

Noch mehr zu Thema Fettsäuren bei lsms.info in der Rubrik Fette und Öle!


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Was wir vom Vorkoster lernen können – mögliche positive Effekte der Propionsäure auf die Darmflora und neuro-entzündliche Prozesse

Nachdem sich die Sommerpause – je nach Bundesland – so langsam dem Ende zu neigt, wenden wir uns wieder einem unserer Lieblingsthemen zu: der Bedeutung der Darmflora bei Entstehung und Behandlung der MS.

Und manchmal kann man auch in eher unterhaltsamen Sendungen der öffentlich rechtlichen Sender noch etwas lernen, wie der Ausschnitt aus der Sendung  „Der Vorkoster“ (WDR, Sendung vom 12. Februar 2016) zeigt. Im Interview mit Björn Freitag beleuchtet  Prof. Dr. R. Gold, Direktor der Neurologischen Klinik, Neurologische Universitätsklinik, St. Josef Hospital, Ruhr-Universität Bochum  den Einfluss der Propionsäure bzw. deren Salze, sogenannter Propionate, auf Autoimmunerkrankungen.

 

Die Aussage von Prof. Gold ist überraschend eindeutig. Er empfiehlt durchaus die Nahrungsergänzung mit Propionaten als Schutz vor Autoimmunerkrankungen oder als ergänzende Behandlung bei instabilen Verläufen.

Ausgehend davon haben wir uns näher mit dem Thema auseinandergesetzt und die Hintergründe genauer beleuchtet. Der interessierte Leser findet dazu einen ausführlichen Artikel auf lsms.info:

Propionate können Entzündungsreaktionen bei MS unterdrücken

Fazit aus heutiger Sicht:

Propionate sind in der EU als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen und bieten eine zusätzliche Chance eine anti-entzündliche Darmflora aufzubauen bzw. wiederherzustellen. Zusammen mit einer starken Reduktion der Zufuhr langkettiger gesättigter Fettsäuren (z.B. über Reduktion von Fleischprodukten) und einer bewussten Erhöhung mehrfach-ungesättigter Omega 3-Fettsäuren in der Nahrung (fetter Seefisch, Leinöl,..) ergibt sich ein weiterer Mosaikstein für eine entzündungshemmenden Ernährung nicht nur bei MS.

Mehr zu diesem Thema auch in unserem Faktenblatt: Darmflora und MS

Ach ja, Vitamin D ist ebenso wichtig für eine gesunde Darmschleimhaut und -flora. Also nichts wie raus und die restliche Sonne des Sommers bewusst genießen.


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For the English speaking community: Factsheet – Fatty acids and MS

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Thanks to the translation effort of two volunteers of Life-SMS we are happy to release the factsheet Fatty acids and MS also in an English version.

Fatty Acids are basic components of the human cells and, additionally, have several importaFettstoffwechsel SAN OMEGA EN cornt roles in the human body (see box on the right). Apart from trans fats, every fatty acid has its particular role. Basically, there are no “good” or “bad” ones. Nevertheless, a big imbalance between the several groups can cause serious health problems.  Nowadays, this imbalance is present especially between the saturated and the (poly)unsaturated fatty acids and, regarding the latter, between the so-called Omega-3 and Omega-6 fatty acids. They can’t be synthesized by the human body itself and therefore are called “essential fatty acids”.

Read more…

The download of the factsheet is free of charge. However we would be happy about a small donation (e.g. 3 €) under:  https://www.betterplace.org/en/projects/16807

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MS und Fettsäuren – komplexes Thema, aber beherrschbar

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Das Thema Fettsäuren wird – insbesondere bei Herz-Kreis-Lauferkrankungen – seit mehreren Dekaden kontrovers diskutiert. Fette sind wichtige Bausteine im Körper und haben eine Reihe von wichtigen Aufgaben. Abgesehen von den Transfettsäuren haben alle Fettsäuren eine bestimmte Funktion im menschlichen Körper. Es gibt grundsätzlich keine „schlechten“ oder „guten“ Fettsäuren. Dennoch kann ein großes Ungleichgewicht innerhalb der Fettsäure-Gruppen signifikante gesundheitliche Probleme hervorrufen. Dieses Ungleichgewicht besteht heute insbesondere im Verhältnis zwischen gesättigten und ungesättigten Fettsäuren und innerhalb der mehrfach ungesättigten Fettsäuren zwischen den sogenannten Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Letztere kann der Mensch nicht selbst herstellen und sie werden als essentielle Fettsäuren bezeichnet.

Um sich der Sache zu nähern ist eine Betrachtung unserer genetischer Grundlagen sinnvoll:

Während seit Beginn der landwirtschaftlichen Revolution große Veränderungen in unserer Ernährung stattgefunden haben, haben sich unsere Gene in den letzten 10.000 Jahren nicht verändert. Die spontane Mutationsrate für die Kern-DNA wird auf 0,5% pro Million Jahre geschätzt. In der Tat sind unsere Gene also heute nahezu identisch mit den Genen unserer Vorfahren in der Altsteinzeit vor 40.000 Jahren, in der unser genetisches Profil eingerichtet wurde. Das damit verbundene Problem wird in der Abbildung [nach Simopoulus 2008: The Importance of the Omega-6/Omega-3 Fatty Acid Ratio in Cardiovascular Disease and Other Chronic Diseases. In: Experimental Biology and Medicine 233 (6), S. 674–688.] auf einen Blick sichtbar. Weder die Fettsäuren noch der Antioxidantiengehalt in der heutigen ErnährungHistorie Fettsäuren (Pharmakon) 2014-09 entsprechen unserem genetischen Profil.

Der Gesamtfettanteil innerhalb der Ernährung stieg von ca. 20% auf 35% bei gleichzeitiger Verdopplung des Anteils von gesättigten Fettsäuren. Zum ersten Mal tauchen mit Beginn des letzten Jahrhunderts zudem künstliche oder herstellungsbedingte Transfettsäuren in der Nahrung auf, und das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3-Fettsäuren änderte sich im Laufe der Jahrhunderte von ca. 1,5:1 auf 15:1. Der Ausbruch von Zivilisationskrankheiten ist somit vorprogrammiert, eine schleichende Entzündung innerhalb des Körpers wird zum Standardproblem und chronische Erkrankungen nehmen zu.

Was das für die Ernährung bei MS und für die Vorbeugung anderer neurodegenerativer Erkrankungen bedeutet lesen Sie in unserem Faktenblatt „Fettsäuren und MS“ auf lsms.info.


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