Life-SMS und sonst so: MS ganzheitlich begleiten. Bewegung erleben und sicherer werden.


An dieser Stelle weisen wir auf aktuelle Beiträge aus dem Netz hin, die einen engen Bezug zu unserem Kernthema lebensstil-orientierte und eigenverantwortliche Behandlung der MS haben. Die dort wiedergegebenen Meinungen dienen als Anregung zur kritischen Auseinandersetzung. Sie entsprechen – außer bei Beiträgen von anderen Projekten der DSGiP – nicht zwingend den von uns vertretenen Positionen, sind aber in allen Fällen eine Bereicherung der Diskussionsgrundlage. Am Ende erwähnen wir gelegentlich zudem aktuelle möglichst frei verfügbare Studien, die unseren Ansatz untermauern. 

Machen Sie sich selbst ein Bild!

MS ganzheitlich begleiten. Bewegung erleben und sicherer werden mit Dr. Melanie Weiß [ms-perspektive.de, 29.6.2026]

MS ganzheitlich begleiten bedeutet, nicht nur auf Medikamente zu schauen, sondern auf den ganzen Menschen: Symptome, Alltag, Bewegung, Psyche, soziale Fragen und persönliche Ziele. Diesmal spreche ich mit Dr. Melanie Weiß, Fachärztin für Neurologie aus Wülfrath, über moderne MS-Versorgung, Bewegung als Therapie und ein medizinisch begleitetes Bewegungswochenende für Menschen mit Multipler Sklerose.

Mikrobiom 2026: Propionsäure steigert MS-Abwehr um 30 Prozent [ad-hoc.news.de, 5.6.2026]

Aktuelle Studien belegen den Einfluss von Darmbakterien auf Immunsystem und Krankheitsverläufe. Der Probiotika-Markt boomt weltweit.

Pflanzliche Ernährung als MS-Begleittherapie: 7 % weniger Demenzrisiko [it-boltwise, 2.6.2026]

Neue Daten verknüpfen pflanzliche Ernährung mit einem niedrigeren Demenzrisiko bei Multipler Sklerose und rücken damit Lebensstilfaktoren stärker in den klinischen Alltag.

Multiple Sklerose: 70 % bessern kognitiven Nebel durch tägliches Training [ad-hoc-news-de; 30.5.2026]

Studie zeigt: Stoffwechselprozesse beeinflussen MS-Verlauf. Ganzheitliche Ansätze mit Ernährung und Bewegung gewinnen an Bedeutung. Tägliches Training von 15 bis 20 Minuten verbessert die kognitiven Funktionen bei rund 70 Prozent der Betroffenen.

Ketogene Ernährung bei MS: Was Ernährung mit Energie, Fatigue & Entzündung zu tun hat [neurowerkstatt, youtube, 29.05.2026]

In diesem Video spricht Dr. Mareike Schwed mit Ilke Wolf, Apothekerin, MS-Mentorin, Coach und Autorin. Seit ihrer MS-Diagnose 2002 lebt sie gesund mit Multipler Sklerose und begleitet andere Betroffene. Thema ist ketogene Ernährung bei MS, Fatigue, Entzündungen sowie in Perimenopause und Menopause.

Alzheimer, MS, Tumoren: Im Gehirn läuft offenbar immer wieder derselbe Immun-Plan ab [smart-up.news.de, 5.4.2026]

Bei Alzheimer, Multipler Sklerose und Hirntumoren nutzt das Immunsystem im Gehirn offenbar immer wieder ähnliche Grundprogramme statt völlig verschiedener Einzelreaktionen. Entscheidend ist nicht nur, welches Immunprogramm aktiv ist, sondern auch, wo es im kranken Gewebe auftritt – etwa nahe Eiweißablagerungen, Läsionsrändern oder Tumorzellen.

Aktuelle Studie:

Zhuang Y, Meng J, Dai X, He M, Liu P, Gao S. Vitamin D for multiple sclerosis as an adjuvant therapy: A network meta-analysis of randomized controlled trials. Clin Nutr. 2026 Jul;62:106692. doi: 10.1016/j.clnu.2026.106692. Epub 2026 May 26. PMID: 42242131. 

Eine Vitamin-D-Supplementierung als Begleittherapie kann möglicherweise Rückfälle und das Fortschreiten der Behinderung verringern und weist dabei ein günstiges Sicherheitsprofil auf. Diese Ergebnisse sprechen dafür, eine Vitamin-D-Supplementierung bei der Behandlung von MS in Betracht zu ziehen, insbesondere bei Patienten mit Vitamin-D-Mangel. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/42242131/

Foto von Jaspinder Singh auf Unsplash


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Helfen Medikamente gegen Fatigue bei Multipler Sklerose? Nicht besser als Placebo!

Wer von Multipler Sklerose betroffen ist, leidet häufig unter schwächender Müdigkeit (Fatigue), die es nicht selten unmöglich macht, grundlegende Alltagsaufgaben zu meistern. Hierdurch entsteht großer Leidensdruck und es verwundert nicht, dass zahlreiche Betroffene Abhilfe durch die Einnahme von Medikamenten suchen. Doch wie sinnvoll ist der pharmakologische Einsatz in diesem Fall überhaupt?

Photo by Ben White on Unsplash

Noch immer ist das weit verbreitete Symptom der MS-Fatigue in seiner Komplexität und seinen subjektiven Ausprägungen nicht gänzlich verstanden. Häufig werden sekundäre Ursachen, wie Schlafstörungen, Depressionen und Nebenwirkungen von Medikamenten in den Vordergrund gestellt, doch diese Faktoren sollten nicht mit der primären Fatigue verwechselt werden. Bei dieser handelt es sich um einen subjektiven Mangel an körperlicher oder geistiger Energie, der in direktem Zusammenhang mit dem Krankheitsprozess der Multiplen Sklerose steht.

Zahlreiche Theorien über die Ursachen der primären Fatigue wurden bereits formuliert. So wurden z.B. die Auswirkungen von entzündlichen Zytokinen, Anomalien der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse und kardiovaskuläre Dysregulationen untersucht, um dem Phänomen auf die Spur zu kommen. Jedoch gibt es bis heute keine Einigkeit bezüglich des Krankheitsvorgangs. Vieles liegt immer noch im Dunkeln. Dieser Mangel an Wissen führt dazu, dass es für Betroffene schwierig ist, eine geeignete Behandlung und den richtigen therapeutischen Ansatzpunkt zu finden.


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Behandlung der Fatigue bei MS

Die derzeitige medizinische Behandlung der MS-spezifischen Fatigue umfasst Ernährung, Bewegung, Verhaltensintervention wie auch die pharmakologische Behandlung. Es gibt Hinweise darauf, dass eine nicht-pharmakologische Therapie wirksam ist, um die Fatigue zu kontrollieren und zu minimieren. Gleichzeitig sind Belege, die den Einsatz von Medikamenten gegen Fatigue legitimieren sollen, minimal und widersprüchlich.

Nicht selten kommen bei der Behandlung der Fatigue Medikamente zum Einsatz, die eigentlich für andere Zwecke zugelassen wurden. Dieser Off-Label-Einsatz ist eher die Regel als die Ausnahme. Amantadin, Modafinil und amphetaminähnliche Stimulanzien (wie Methylphenidat und Amphetamin/Dextroamphetamin) gehören zu den am häufigsten verwendeten Medikamenten.

Ergebnisse der pharmakologischen Behandlung gleich Null

Sowohl Amantadin als auch Modafinil wurden in mehreren klinischen Studien zur Fatigue mit sehr widersprüchlichen Ergebnissen getestet: Einige Studien zeigten eine positive Wirkung, während andere keinen Nutzen zeigten. Methylphenidat wurde nie in einer randomisierten klinischen Studie für MS-bezogene Müdigkeit getestet. Solch frustrierende Ergebnisse halten viele Ärzte jedoch nicht davon ab, diese Medikamente weithin zu verschreiben.

Eine neue Studie, die kürzlich in der Fachzeitschrift JAMA Neurology veröffentlicht wurde (1), will nun endlich Licht ins Dunkel bringen und stellt den tatsächlichen Nutzen von Medikamenten zur Behandlung der Müdigkeit bei MS-Patienten in Frage. Die Studie verglich Amantadin, Modafinil und Methylphenidat miteinander und mit Placebo. Das Ergebnis ist überraschend: Keines der getesteten Medikamente war bei der Verbesserung der MS-bezogenen Fatigue dem Placebo überlegen. Dies bedeutet, dass der von den Patienten berichtete Nutzen dieser Medikamente weitestgehend als Placebo-Effekt eingestuft werden muss und nicht auf eine Wirkung des Medikaments selbst zurückzuführen ist.

Die Autoren der Studie stellten zudem fest, dass der Anteil jener Teilnehmer, die über unerwünschte Ereignisse (Nebenwirkungen) berichteten, bei Amantadin, Modafinil und Methylphenidat im Vergleich zu Placebo höher war. Dies sind keine guten Argumente für eine medikamentöse Behandlung der Fatigue.

Nicht-medikamentöse Behandlungsformen mit positiven Ergebnissen

Auf der anderen Seite wurden bereits verschiedene nicht-medikamentöse therapeutische Strategien untersucht, die eindeutige Vorteile zeigten: Vitamin A verbesserte Ermüdungssymptome bei MS-Patienten im Vergleich zu Placebo (2). Verschiedene Ernährungsinterventionen, Übungsprogramme und kognitive Verhaltensberatung haben ebenfalls Vorteile gezeigt. So zeigte zum Beispiel eine kürzlich durchgeführte Studie (3), die einen hohen Verzehr von Gemüse und Obst empfahl, den Verzehr von tierischem und pflanzlichem Eiweiß förderte und Lebensmittel mit glutenhaltigem Getreide, Milchprodukten und Eiern ausschloß, eine signifikante Verringerung der Ermüdungssymptome. Frühere Studien mit pflanzlicher Ernährung (4) und andere Ernährungsinterventionen haben ähnlich positive Ergebnisse gezeigt.

Ganz ausschließen lässt sich nicht, dass auch hier der Placebo-Effekt eine Rolle spielt. Doch auch wenn die positiven Effekte von nicht-pharmakologischen Interventionen auf solche Placebo-Effekte zurückzuführen sind, sind Nebenwirkungen nicht vorhanden. Allein dies ist schon als Vorteil zu werten.

Fazit: Behandelnde Ärzte sollten erkennen, dass Interventionen, wie z.B. Übungsprogramme, die Umstellung auf eine gesunde Ernährung, die Teilnahme an kognitiver Verhaltensberatung oder die Teilnahme an Gruppenschulungsprogrammen über Multiple Sklerose, die Fatigue ohne die Nebenwirkungen von Medikamenten verbessern können. Nicht-pharmakologische Maßnahmen sollten bei der ärztlichen Beratung hervorgehoben und ordnungsgemäß verschrieben werden – sie sind die derzeit effizienteste Behandlung für Fatigue bei MS, wie die genannten Studien eindeutig belegen. Sollte Ihr Arzt diese Ergebnisse nicht kennen oder verneinen, empfiehlt sich eine zweite Meinung einzuholen.


Literaturhinweise:

  1. Nourbakhsh B, Revirajan N, Morris B, et al. Safety and efficacy of amantadine, modafinil, and methylphenidate for fatigue in multiple sclerosis: a randomised, placebo-controlled, crossover, double-blind trial. Lancet Neurol. 2020 Nov 23:S1474-4422(20)30354-9.
  2. Bitarafan S, Saboor-Yaraghi A, Sahraian MA, et al. Effect of Vitamin A Supplementation on fatigue and depression in Multiple Sclerosis patients: A Double-Blind Placebo-Controlled Clinical Trial. Iran J Allergy Asthma Immunol. 2016 Feb;15(1):13-9.
  3. Fellows Maxwell K, Wahls T, Browne RW, et al. Lipid profile is associated with decreased fatigue in individuals with progressive multiple sclerosis following a diet-based intervention: Results from a pilot study. PLoS One. 2019 Jun 18;14(6):e0218075
  4. Yadav V, Marracci G, Kim E, Spain R, et al. Low-fat, plant-based diet in multiple sclerosis: A randomized controlled trial. Mult Scler Relat Disord. 2016 Sep;9:80-90.

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Alfacalcidol (Vitamin D-Stoffwechselzwischenstufe) erfolgreich bei Fatigue eingesetzt

Fatigue ist eines der häufigsten Probleme bei Multipler Sklerose, bis zu 90% der Patienten leiden darunter.

Das Vitamin-D-Analogon Alfacalcidol – könnte  hier helfen, wie eine kürzlich im Multiple Sklerose Journal erschienenen Studie über Vitamin D bei Fatigue zeigt. In dieser israelischen Studie erhielten 158 Patienten mit starker MS-Fatigue Alfacalcidol Alfacalcidol (1 mcg/d, Probandenzahl=80) oder ein Placebo (Probandenzahl=78). Die Forscher fanden heraus, dass Alfacalcidol eine sichere und wirksame Behandlung von Müdigkeit bei Patienten mit MS darstellt. Außerdem war die Lebensqualität gegenüber der Placebogruppe erhöht und die Schubrate reduziert. Diese Ergebnisse legen nahe, dass Alfacalcidol, ein Medikament, ähnlich wie das natürliche Vitamin D, eine sichere Behandlungsoption für MS-bedingte Fatigue sein kann. Es sind keine schwerwiegenden Nebenwirkungen aufgetreten.

Alfacalcidol ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Vitamine, der in der Leber rasch zum aktiven Vitamin D (Calcitriol) metabolisiert wird. Da es bereits hydroxyliert ist, muss es nicht wie Cholecalciferol an der Niere aktiviert werden, sondern nur noch in der Leber. Es wird u.a. bei Erkrankungen eingesetzt, bei denen der Vitamin-D-Metabolismus in der Niere beeinträchtigt ist.