Zum Jahresausklang: Ihr persönliches Genesungsprojekt im Jahr 2025

Liebe Freundinnen, Freunde und Follower des Projekts Life-SMS!

Sicherlich wundern auch Sie sich, wie schnell dieses Jahr vergangen ist und sicherlich gab es sowohl positive als auch negative Momente. Niemand weiß genau, welche Kapriolen die Weltgeschichte im nächsten Jahr schlagen wird und damit wollen wir uns an dieser Stelle auch nicht beschäftigen.

Vielmehr beschäftigen wir uns intensiv mit den Möglichkeiten, dem eigenen Körper und Geist genügend Kraft und Ressourcen zur Verfügung zu stellen, um eine Stabilisierung und im Idealfall Schritte zur Heilung für von Multipler Sklerose Betroffene zur Verfügung zu stellen. Dabei gibt es keine „one fits for all“-Lösung, sondern es ist für die Betroffenen immer ein persönliches – und langfristiges – Projekt, die für sie passenden Methoden und Verhaltensweisen zu identifizieren.

In unserer kostenlosen E-Book-Publikation „MS ist keine Einbahnstraße – 2te und erweiterte Auflage“ wird genau dies anhand von 15 persönlichen Mut-Mach-Geschichten von MS-Betroffenen besonders deutlich. Vielleicht finden Sie ja zwischen den Tagen die Zeit, sich von diesen Erfahrungsberichten inspirieren zu lassen.

Grundsätzlich ist jetzt aber erst einmal Entspannung und Ruhe angesagt, nutzen Sie die Zeit des Übergangs für Gespräche und Feste mit der Familie und Freunden, lassen Sie es sich gut gehen und genießen Sie einfach soweit wie möglich das Leben und die  Gemeinschaft mit lieben Menschen.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen und Ihren Lieben eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Rutsch in ein glückliches, gesundes und erfolgreiches Jahr 2025. Lassen Sie sich nicht von Ihrem Genesungsprojekt abbringen!

Ihr

Life-SMS Team


PS: Für die Wissbegierigen unter Ihnen sind nachfolgend die Top 10 der meistgelesenen Artikel des Jahres aufgelistet – zum Nachlesen oder nochmaligen Lesen.

Wie Vitamin-D bei progressiver MS geschlechterspezifisch unterschiedlich wirkt: Einblicke aus einem Tiermodell | Life-SMS

Klingt unappetitlich, kann aber sehr wirksam bei MS sein: Fäkaltransplantation | Life-SMS

Permanente Muskelanspannung? Kann man die wegkleben? | Life-SMS

MS ist keine Einbahnstraße – 2te und erweiterte Auflage | Life-SMS

Gewusel im Kopf  | Life-SMS

Krebs bei Multiple-Sklerose-Patienten: die Auswirkungen krankheitsmodifizierender Therapien | Life-SMS

Künstliche Intelligenz – ein vielversprechender Einsatz bei Multipler Sklerose? | Life-SMS

Von wegen Fett weg – MS und das Wahls-Protokoll | Life-SMS

Die zentrale Rolle der Mitochondrien: Wichtige Perspektiven bei Autoimmunerkrankungen inkl. MS | Life-SMS

Magnesiumverbindung für das Gehirn | Life-SMS


Foto von Kelly Sikkema auf Unsplash


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Reizstrom für Nerven und Muskeln 

Allgemeine Information & Erfahrungsbericht 

Von Kirsten 

Elektronik kann Menschenleben retten! Neben dem Einsatzgebiet als Defibrillator oder Herzschrittmacher, hat sie in den letzten Jahren auch Einzug in viele Privathaushalte gefunden, um unsere Fitness zu tracken, Schritte zu zählen oder Herzfrequenz und Puls zu messen. Elektronische Geräte können außerdem bei Diabetikern Blutzuckerwerte ermitteln, Schwerhörigen zum besseren Hörvermögen verhelfen oder sehbehinderten Menschen Texte vorlesen. Da stellt sich nun doch die Frage, wie Elektronik speziell den MS-Erkrankten das Leben erleichtern könnte.  

Reizstromtherapie 

Bei meiner Recherche war ich erstaunt, eine Technik zu finden, die bereits vor ca. 50 Jahren entwickelt wurden, nämlich TENS. Hierfür werden Elektroden auf die zu behandelnden Körperstellen geklebt. Diese sind mit einem (tragbaren) Gerät verbunden, das in der Regel verschiedene Programme sowie regelbare Intensitätsstufen enthält. Beim Ausführen eines Programmes werden elektrische Impulse des Gerätes über die Elektroden auf die Hautoberfläche übertragen und dadurch das darunter liegende Gewebe stimuliert. Dabei ist der Reiz selbst nicht schmerzhaft, kann aber als Kribbeln auf der Haut spürbar sein, weshalb man auch von «Reizstrom-Therapie» spricht.  

TENS 

TENS ist eine Art der Reizstrom-/Elektrotherapie und steht für «Transkutane Elektrische Nervenstimulation». Das Ziel der Therapie ist häufig, afferente Nervenbahnen (also Nerven, die die Information von Sinneseindrücken wie Berührung, Temperatur oder Schmerz weiterleiten) so zu beeinflussen, dass die Schmerzweiterleitung zum Gehirn verringert oder im besten Fall sogar verhindert wird [1].  

Es gibt verschiedene Frequenzbereiche (z.B. niedrige (ca. 2-10 Hz) und hohe (ca. 80-120 Hz) Frequenzen [2]) und Intensitätsstufen der elektrischen Impulse, die bei TENS angewendet werden [3]. Denn Nervenfasern von Nerven des peripheren Nervensystems unterscheiden sich u.a. hinsichtlich Aufbau, Dicke und Leitungsgeschwindigkeit [4] und bedürfen deshalb – je nach Art der von Schmerzen betroffenen Nerven – auch unterschiedlicher Behandlung. 

Ganzkörper Neuromodulation 

Doch TENS wird nicht nur eingesetzt, um Schmerzen zu lindern.  Vor Kurzem wurde z.B. ein Ganzkörper-Anzug zur Neuromodulation entwickelt, der u.a. den von Spastiken geplagten MS-Erkrankten Erleichterung verschaffen soll. Dieser «Exopulse Mollii Suit (Markenname)» nutzt TENS, um spastische und angespannte Muskeln zu entspannen sowie schwache Muskeln zu aktivieren [5],[6]. Er stimuliert mittels TENS also weniger die afferenten sondern vor allem die efferenten (motorischen) Nerven – nicht aber primär zum Muskelaufbau, wie es bei der «Elektrischen Muskel-Stimulation» (EMS) der Fall wäre [7].  

Je nach Ziel der Behandlung (Schmerzlinderung oder Reduktion von Spastiken/Muskelanspannungen) kann sich die Positionierung der Elektroden unterscheiden [8].   

Erfahrungsbericht 

Kürzlich erst hatte ich mich mit Behandlungsmöglichkeiten des Bruxismus (Zähneknirschen/-aufeinanderpressens) befasst. Dabei bin ich auf ein TENS-Gerät gestoßen, bei dem die Anwendung bei Bruxismus explizit beworben wurde  – zur Linderung von Schmerzen als auch zur Entspannung der Kiefermuskulatur [9].  

Für diese Anwendung werden gemäß Angaben des Herstellers (Stand: 08.Nov.2024) pro Gesichtshälfte je zwei Elektroden auf die Kieferpartie aufgebracht und eines von zwei verfügbaren Entspannungsprogrammen gewählt. Das Gerät bietet die Möglichkeit, die Intensität (Stufen 1-100) selbst einzustellen. Da ich ein solches Gerät bisher nicht verwendet hatte, wagte ich meinen ersten Versuch (ca. 30 Minuten) nur in der kleinsten Intensität. Die ersten Impulse nahm ich als Nadelstiche wahr, gefolgt von einer leichten Vibration bzw. leichtem Kribbeln. Das Programm wechselt immer wieder innerhalb von wenigen Sekunden zwischen diesen Impulsen und dem Kribbeln. Ich muss gestehen, dass ich die Nadelstiche anfangs nicht allzu angenehm empfand und mich auch nach mehreren Versuchen nicht getraut habe, die Intensität zu steigern. Allerdings war mein Kiefer nach der Behandlung tatsächlich etwas entspannter und warm, da anscheinend die Durchblutung etwas angeregt wurde. 

Da das Gerät nicht nur für die Anwendung bei Bruxismus ausgelegt ist, habe ich (mit einer relativ großen Elektrode) später meinen Nacken bearbeitet. Hierfür hatte der Hersteller ein anderes Programm empfohlen und ich spürte selbst bei Intensitätsstufe 10 keine Nadelstiche, sondern ein angenehmes Kribbeln unterhalb der Elektrode. Auch hier war nach meiner Behandlung die Körperstelle warm und etwas entspannter als vorher. Reizstrom-Therapie kann also durchaus eine entspannende Wirkung auf angespannte Muskeln haben und dabei angenehm sein.  

Insgesamt habe ich nur einen TENS-Geräte-Hersteller gefunden, der eines seiner Geräte explizit zur Behandlung von Bruxismus anbietet (Stand: 08. Nov.2024). Die Kiefermuskulatur ist relativ klein gegenüber vielen anderen Muskelgruppen, die mittels TENS behandelt werden. Daher ist es nicht verwunderlich, dass man dort kleine Intensitäten stärker und dadurch möglicherweise auch als unangenehmer wahrnimmt als bei größeren Muskeln.  

Seien Sie sich bewusst, dass jeder Mensch eine andere Reiz- bzw. Schmerzwahrnehmung hat. Was für den einen angenehm erscheint, muss nicht auch für eine andere Person angenehm sein. Im Allgemeinen sollte eine TENS-Behandlung keine Schmerzen verursachen. 

Insgesamt betrachtet fand ich es als Neuling allerdings schwierig, mich anfangs zurecht zu finden. Das fing schon damit an, dass das Gerät nicht nur über TENS-, sondern auch über EMS-Programme verfügt (typischer Frequenzbereich etwa 45-65 Hz [2]) – und ich erst einmal herausfinden musste, ob beide Methoden für einen MS-Erkrankten infrage kommen. EMS zielt vor allem auf efferente (also motorische) Nerven ab und beeinflusst damit speziell das Kontraktionsverhalten der Muskulatur. Diese Form der Elektrostimulation wird daher tendenziell von (Leistungs-)Sportlern zum unterstützenden Aufbau von Muskelgewebe sowie zur Muskelregeneration eingesetzt.

Eine EMS-Anwendung bei MS-Erkrankten wäre denkbar, wenn prinzipiell Muskelaufbau gewünscht wird. Als Therapie bei angespannten Muskelpartien sowie zur Schmerzbehandlung erscheint EMS daher weniger sinnvoll und möglicherweise auch kontraproduktiv, was unbedingt berücksichtigt werden sollte! Klären Sie daher den Einsatz bitte vorher mit einem Arzt ab. 

Informationen zu den verfügbaren Programmen fanden sich teilweise in der mitgelieferten Bedienungsanleitung, sowie einem Poster auf dem schematisch gezeigt wurde, wie die Elektroden zu platzieren wären. Informationen zur Platzierung der Elektroden bei Bruxismus und den hierfür empfohlenen Programmen konnte ich nur der Herstellerseite im Internet entnehmen. 

Für den Einstieg wäre es sicherlich empfehlenswert, sich von einem Arzt, Physiotherapeuten bzw. Fachpersonal einweisen lassen. 

Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, eine erhöhte Muskelanspannung zu behandeln, sofern Sie nicht zu stark eingeschränkt sind. Sie können auch deutlich kostengünstiger z.B. Ihren Körper mit Bewegung und Dehnen bearbeiten, um ähnliche Effekt zu erzielen. Allerdings erscheint mir persönlich eine TENS-Behandlung bei weiter fortgeschrittener Beeinträchtigung aufgrund von Spastiken oder Schmerzen durchaus Erleichterung zu bringen.  

Hinweis 

Geräte, die mit elektrischen Impulsen arbeiten, dürfen nicht bei jedem Menschen angewendet werden – vor allem wenn Sie bereits Geräte zur Steuerung elektrischer Impulse wie z.B. Herzschrittmacher in Ihrem Körper tragen. Klären Sie daher vorher mit Ihrem Arzt ab, ob Sie ein solches Gerät anwenden dürfen. Es gibt auch Ärzte und Therapeuten, die mit Reizstrom arbeiten und ihn somit ihren Patienten als Therapie anbieten. In einem solchen Set-up würden nicht Sie selbst, sondern der behandelnde Arzt / Therapeut die Elektroden fachgerecht platzieren und das Gerät bedienen. Oder Sie würden möglicherweise eine fachgerechte Einweisung erhalten. Halten Sie sich bitte auch an die Hinweise des Herstellers. Angaben zum Hersteller des von mir getesteten Gerätes finden Sie bei den Referenzen. 

Fazit

«Transkutane Elektrische Nervenstimulation» (TENS) kann bei MS-Erkrankten eingesetzt werden, um Schmerzen zeitweise zu reduzieren oder angespannte Muskeln zu entspannen.  

Bei der Behandlung spürt man ein Kribbeln unterhalb der/den Elektrode(n), weshalb diese Methode eine Art der «Reizstrom-Therapie» darstellt. Kürzlich wurde sogar ein neuromodulierender Ganzkörper-Anzug entwickelt, der mittels TENS Spastiken vermindert und Muskeln aktiviert.  

Es kann sich lohnen auch in Ihrer Physiotherapiepraxis nachzufragen, ob dort TENS-Geräte vorhanden sind und unter Anleitung ausprobiert werden können. 


Bildquelle

Beispielhaftes TENS-Gerät mit runden Aufklebe-Pads; created using OpenAI’s DALL-E tool. 

Referenzen

[1] “Transkutane elektrische Nervenstimulation,” Wikipedia. Jul. 22, 2024. Accessed: Oct. 27, 2024. [Online]. Available: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Transkutane_elektrische_Nervenstimulation&oldid=246974062

[2] “TENS Gerät / Die TENS Therapie und das EMS Training und ihre Einsatzgebiete:” Accessed: Nov. 09, 2024. [Online]. Available: https://www.tensshop.de/informationen/die-tens-therapie-und-das-ems-training-und-ihre-einsatzgebiete/ 

[3] “Transcutaneous electrical nerve stimulation,” Wikipedia. Nov. 08, 2024. Accessed: Nov. 08, 2024. [Online]. Available: https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Transcutaneous_electrical_nerve_stimulation&oldid=1256097131 

[4] “Nervenleitgeschwindigkeit,” Wikipedia. Dec. 07, 2023. Accessed: Nov. 08, 2024. [Online]. Available: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Nervenleitgeschwindigkeit&oldid=239959984 

[5] “Exopulse Mollii Suit | Vermindert Spastik, aktiviert die Muskeln.,” Ottobock. Accessed: Nov. 08, 2024. [Online]. Available: https://www.ottobock.com/de-ch/product/28XP1000 

[6] N. Riachi, M. A. Chalah, R. Ahdab, F. Arshad, and S. S. Ayache, “Effects of the TENS device, Exopulse Mollii Suit, on pain related to fibromyalgia: An open-label study,” Neurophysiol. Clin. Clin. Neurophysiol., vol. 53, no. 4, p. 102863, Aug. 2023, doi: 10.1016/j.neucli.2023.102863. 

[7] S. Eich, “Exopulse Mollii Suit testen – für Menschen mit spastischen Lähmungen,” rahm GmbH. Accessed: Nov. 08, 2024. [Online]. Available: https://www.rahm.de/mollii-suit-fuer-menschen-mit-spastischen-laehmungen/ 

[8] Mariangela, “Elektrostimulation: Worum handelt es sich, wie funktioniert sie?,” I-Tech Medical Division. Accessed: Nov. 09, 2024. [Online]. Available: https://itechmedicaldivision.com/de/elektrostimulation/ 

[9] “TENS Schmerztherapie bei Bruxismus | axion,” axion Shop. Accessed: Oct. 27, 2024. [Online]. Available: https://axion.shop/pages/tens-anwendung-bruxismus 


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Knirschen oder Pressen? – Zeigen wir dem Bruxismus die Zähne 

Von Kirsten 

Kennen Sie das? Man wacht morgens auf und fühlt sich wie gerädert. Die Muskeln haben im Schlaf viel zu viel Arbeit geleistet. Und auch die Kiefermuskulatur hat kräftig mitgewirkt. Zähne wurden unbewusst geknirscht und/oder stark aufeinander gepresst – was im Allgemeinen als «Bruxismus» bekannt ist.  

Da viele MS-Erkrankte im Allgemeinen eine erhöhte Muskelanspannung aufweisen, ist es nicht verwunderlich, dass oft auch die Kieferregion betroffen ist. Zu diesem Thema wurden bisher nicht allzu viele wissenschaftliche Studien durchgeführt. Doch die, die es gibt, weisen darauf hin, dass Bruxismus [1] bzw. das daraus resultierende Krankheitsbild «Craniomandibuläre Dysfunktion» (CMD, also eine Funktionsstörung des Kiefergelenks) häufiger bei MS-Erkrankten vorzufinden ist als in den Vergleichsgruppen [2], [3]. In einer Studie wurde ausserdem eine erhöhte Hypermobilität (also verstärktes Zähneknirschen) des Unterkiefers bei MS-Erkrankten beschrieben [4]. Zeigen auch zukünftige Studien ähnliche Ergebnisse, würde dies den Zusammenhang zwischen MS und Bruxismus weiter untermauern. Bruxismus würde demzufolge kaum bei betroffenen MS-Erkrankten komplett verschwinden, wenn die MS-spezifische Muskelanspannung/Spastiken tatsächlich den Bruxismus verstärken. Aber eine Besserung der Bruxismus-Symptomatik wäre durchaus möglich. 

Bruxismus kann neben verstärktem Zahnabrieb verschiedene Auswirkungen nach sich ziehen, wie z.B. Schmerzen im Gesichts-, Kopf- und Nackenbereich, Tinnitus, Schwindel, Schluckbeschwerden oder Migräne [1]. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Auswirkungen von Bruxismus einzudämmen so gut es geht.  Hierfür gibt es verschiedene Ansätze, die Sie in Betracht ziehen können: 

Stressreduktion & Achtsamkeit 

Entspannung kann helfen, das Anspannen der Kiefermuskulatur etwas zu reduzieren. Wenden Sie daher regelmässig Entspannungstechniken (wie z.B. Bewegung, Yoga, etc.) an, um Ihren Stresslevel zu minimieren. Entspannungstechniken können ein Stück weit helfen, das (nächtliche) Zähneknirschen oder -aufeinanderpressen zu minimieren – vor allem, wenn sie seelisch (und deswegen auch körperlich) stärker als sonst angespannt sind.  

Im Rahmen von Stressreduktion und Entspannung sei vor allem das Thema Achtsamkeit erwähnt – denn oft findet Bruxismus unbewusst statt. Er kann aber für die Dauer, in dem man sich dessen bewusst ist, minimiert werden. In diesem Zusammenhang könnte also ein regelmässiger «BodyScan» etwas Erleichterung bringen. Der BodyScan ist ein Element der «Mindfulness-Based Stress Reduction» (also der Stressbewältigung durch Achtsamkeit), der in den 1970er-Jahren von einem Universitätsprofessor entwickelt wurde [5] und den man auch ohne fremde Hilfsmittel gut daheim durchführen könnte. Siehe auch: Warum sich Mindfulness- oder Achtsamkeitstrainning lohnt! | Life-SMS 

Dabei konzentriert man sich gedanklich auf seinen Körper und spürt in sich hinein. Hierbei werden u.a. Blockaden und Verspannungen bewusst wahrgenommen und könnten dementsprechend auch bewusst etwas minimiert werden (sofern es Ihrem Körper möglich ist). Regelmässiges «Training» wird Sie vermutlich sensibilisieren, Ihre Anspannung schneller wahrzunehmen und dadurch früher entgegensteuern zu können. 

Aufbissschiene 

Um die Zähne vor Abrieb zu schützen, CMD zu minimieren und auch ein wenig Entlastung der Kiefermuskulatur zu erreichen, wäre es sinnvoll, nachts eine Aufbissschiene (auch Knirscherschiene genannt) zu verwenden. Hierfür gibt es verschiedene Anbieter. Oder Sie lassen sich von Ihrem Zahnarzt beraten.  

Die Häufigkeit des Zähneknirschens / -pressens wird durch die Aufbissschiene zwar nicht unbedingt minimiert. Aber die Auswirkungen werden reduziert, da die Belastung nicht direkt auf einzelne Zähne konzentriert, sondern auf die grössere Fläche der Aufbissschiene verteilt wird. Die Anspannung der Kiefermuskulatur fällt ein bisschen niedriger aus – was durchaus angenehmer ist, als wenn man die Schiene nicht verwenden würde. Aber die Ursache wird nicht behoben, und so bleibt oft eine gewisse Grundanspannung weiterhin bestehen. 

Dehnungsgeräte 

Kürzlich erst kam «das kleinste Entspannungstool der Welt» auf den Markt. Dabei handelt es sich um zwei kleine Silikonkissen, die 3x täglich für jeweils 3 Minuten auf die seitlichen Backenzähne des Unterkiefers gelegt werden. Sie dienen als eine Art Abstandshalter zwischen Ober- und Unterkiefer. Sobald man (unterbewusst) den Unterkiefer zum Oberkiefer führen will, erinnern die Silikonkissen daran, dass man das nicht tun sollte. Während des Trainings ist der Mund locker geschlossen – u.a. damit der Speichel (der während des Trainings zahlreich gebildet wird) den Mund nicht verlässt. Der Hersteller wirbt mit der Dehnung des Kiefergelenks, der Aktivierung des Vagus Nervs sowie der Entspannung der Muskulatur [6] (Stand: 11. Okt. 2024).  

Ich habe es getestet und empfand nach der ersten Anwendung etwas Erleichterung in der Kieferregion, die aber nach etwa einer halben Stunde von meiner gewohnten Muskelanspannung vertrieben wurde. Eine regelmässige Anwendung kann durchaus vielversprechender sein als einzelne Anwendungen. Nach dem Training war meine Nackenmuskulatur allerdings weiterhin ähnlich stark angespannt wie vorher. Es wirkte etwas «unausgeglichen» zwischen Nacken- und Kiefermuskulatur. Während des Trainings mit den Silikonkissen bzw. auch sonst wäre es sicherlich vorteilhaft, die Nackenmuskulatur miteinzubeziehen und zu dehnen (siehe nächstes Kapitel). 

Auch andere Hersteller bieten Geräte zur Dehnung der Kiefermuskulatur an. Hierbei unterscheidet sich z. T. das Material sowie der Preis. Einige Geräte werden vorne zwischen den Schneidezähnen (also bei offenem Mund) verwendet, wodurch die Speichelproduktion geringer ausfallen sollte als bei Geräten, die weiter hinten im Mund angewendet werden. Als kostengünstige Variante könnte z.B. auch ein Korken verwendet werden (sofern er schadstofffrei produziert wurde). Allgemein werden Dehnungsgeräte nur wenige Minuten am Tag verwendet, sollten aber für langfristige Erfolge regelmässig angewendet werden.

Dehnen 

Generell erscheint Dehnen sinnvoll, um Spannung aus der angespannten Muskulatur herauszunehmen. Sie können prinzipiell ihre Dehnübungen auch ohne die oben genannten Trainingsgeräte durchführen. Dabei sollten sie aber viel Achtsamkeit einfliessen lassen. Denn das Feedback – das Sie durch die Trainingsgeräte bekommen würden, wenn Sie unbewusst ihre Dehnung verringern (was bei Bruxismus recht wahrscheinlich ist) – fällt weg. Beachten Sie bitte, dass die Mundöffnung zum Dehnen nicht extrem geöffnet werden sollte, um eine Verrenkung des Unterkiefers zu vermeiden.  Zu Dehnübungen finden sich viele Quellen in Büchern oder im Internet. Oder Sie suchen einen Physiotherapeuten auf, der sie durch sinnvolle Dehnübungen und deren richtige Ausführung führt.  
Auch manche CranioSacral-Therapeuten (Teilbereich der Osteopathie) sind darauf spezialisiert, mit spezielleren CranioSacral-Behandlungen bestehenden Bruxismus zu lindern.

Achten Sie bitte darauf, wenn Sie ohne Hilfsmittel den Kiefer dehnen, dass Sie nicht extrem trainieren, um dem Modetrend der ausgeprägten Kieferpartie («perfect Jawline») nachzukommen. Denn das wäre eher kontraproduktiv und könnte die Bruxismus-Symptomatik verschlimmern. 

Wichtig ist generell: Beziehen Sie das Dehnen von Schulter- und Nackenpartie mit ein, um einen stärkeren und etwas nachhaltigeren Effekt zu erzielen.  

Faszienrolle, -bälle & Triggerpunkt-Drücker  

Diese gibt es fürs Gesicht in verschiedenen Materialien und Ausführungen. Der Einsatz soll Giftstoffe abtransportieren, die Durchblutung anregen und dadurch die betroffene Region entspannen. Dabei sollte die Anwendungsrichtung gemäss Anleitung eingehalten werden, damit die Gewebe-Elastizität unterstützt und Verklebungen gelöst werden. Man findet auf Webseiten der Hersteller z. T. Anleitungen zur Gesichts- / Kiefermassage [7] (Stand: 22.Okt.2024).  

Generell sollte bei der Behandlung die Muskulatur möglichst lockergelassen werden. Den Druck, den Sie mit den Hilfsmitteln ausüben, können Sie manuell selbst regeln. Er sollte aber gerade in der Gelenkregion nicht zu stark ausfallen, um das Gelenk nicht zu schädigen. Eine sanfte und regelmässige Anwendung ist auch hier einer einmaligen bzw. starken Ausübung vorzuziehen.
Insgesamt gilt: Halten Sie sich bitte an die Angaben des Herstellers bzw. Ihrer Physiotherapeutin oder Ihres Arztes.  

Massageroller & Gua Sha 

Inzwischen verkaufen auch Kosmetikunternehmen Massageroller fürs Gesicht. Es gibt sogar geschliffene Kristallplatten fürs Gesicht (Gua Sha), die u.a. damit beworben werden, die Lymphbahnen zu aktivieren und Giftstoffe abzutransportieren. Es wird auch empfohlen, Öle bzw. Cremes damit einzumassieren. Insgesamt betrachtet, können Massageroller helfen, ein bisschen Entspannung zu bringen. Das Einmassieren von Kosmetikprodukten mag einen gewissen Wohlfühlfaktor bzw. ein Ritual mit sich bringen, das Ihnen womöglich guttut. Dies bringt Ihre Aufmerksamkeit auf die verspannte Kiefermuskulatur. Durch das Bewusstwerden kann ein aktives (aber vermutlich nicht vollständiges) Lösen der Verspannung hervorgerufen werden – was zumindest kurzfristig ein wenig Erleichterung bringen kann. 

Auch hier gilt: nicht zu viel Druck aufwenden, um Kiefer(-Gelenke) nicht zu schädigen.
Insgesamt gilt: Halten Sie sich bitte an die Angaben des Herstellers bzw. Ihres Physiotherapeuten.  

Infrarot-Lichttherapie 

Gemäss Bundesamt für Strahlenschutz kann Infrarot-Strahlung die lokale Durchblutung fördern und Muskelverspannungen senken [8] (Stand: 19. Okt. 2024). Daher werden manche Infrarot-Lampen auch als Medizinprodukt verkauft und z. B. folgendermassen beworben: «Wohltuende Wärmestrahlung […] ideal zur Anwendung bei […] Verspannungen […]» [9] (Stand: 19. Okt. 2024). Es gibt verschiedene Modelle und Grössen – auch eine, mit der man das Gesicht zu Therapiezwecken für einige Minuten bestrahlen kann.  

Durch die lokale Wärme entspannt sich also die Gesichtsmuskulatur ein wenig. Nicht jedem MS-Erkrankten bekommt Wärme gut, weshalb jeder individuell eine Infrarot-Therapie abwägen sollte. Aus meiner Erfahrung heraus kommt man bei einer Infrarot-Therapie in der Regel nicht ins Schwitzen und sie ist weit angenehmer als die Sommerhitze. Die Infrarot-Strahlung ist auch nur lokal und für ein paar Minuten (also für die Dauer der Therapie) präsent und könnte jederzeit von Ihnen abgeschaltet werden. 

Zusätzlich kann die Infrarot-Therapie auch auf der Nackenmuskulatur angewendet werden – um einen besseren Effekt im Hinblick auf die Bruxismus-Thematik zu erzielen. 

Prinzipiell sind die Augen während der Anwendung geschlossen zu halten (genauso wie man nicht mit offenen Augen in die Sonne schauen soll). Anwendungsdauer sowie der Abstand zur Lampe sollte gemäss Herstellerangaben ebenso befolgt werden. Im Falle von Entzündungen sollte im Allgemeinen keine Infrarot-Therapie angewendet werden. Besprechen Sie dies bitte vorab mit Ihrem Arzt. 

Es sei darauf hingewiesen, dass es sich bei Infrarot nicht um UV-Licht handelt, sondern um Wärmestrahlung. Daher treten auch keine UV-bedingten Beschwerden oder Risiken wie z.B. Sonnenbrand auf. 

Die Infrarot-Lichttherapie bitte nicht verwechseln mit LED-Lichttherapie-Masken, die u.a. zur Gesichtspflege angeboten werden. Diese verwenden in der Regel kein Infrarot-Licht und haben somit wenig Effekt auf die Muskelentspannung. 

Cross-Taping / Kinesio-Taping 

Wie bereits im Artikel über Aku-Taping beschrieben, kann das Anbringen von speziellen Tapes auf angespannten Körperstellen durchaus Linderung bringen. Im Zusammenhang mit Bruxismus wurden bereits Studien durchgeführt, die auf einen Benefit der Tapes hinweisen [10], [11].
Informationen, wie sie dort (auf die Wangen) angebracht wurden, können den entsprechenden Quellen bzw. dieser Webseite entnommen werden (sofern diese dort weiterhin verfügbar ist): [12] (Stand: 26. Okt. 2024).
Sie können Informationen auch in Büchern wie diesem finden: [13].
Oder Sie wenden sich an einen Physiotherapeuten bzw. ihren Zahnarzt. 

Prinzipiell sollte aber darauf hingewiesen werden, dass Sie Tapes nur anwenden sollten, wenn Sie diese auch vertragen. Vereinzelt könnte es z.B. zum Juckreiz oder Hautausschlag kommen. In solchen Fällen wäre es gut, wenn Sie sich stattdessen auf andere Therapiemöglichkeiten konzentrieren würden. Manchmal muss man auch nur den individuell passenden Hersteller finden, da diese unterschiedliche Substanzen für ihre Tapes verwenden und Individuen unterschiedlich empfindlich auf diese reagieren.

Weitere Informationen 

Eine ausführliche Zusammenstellung verschiedenster Therapieansätze werden auch in Büchern beschrieben, wie z.B. in diesem: [13].
Ausserdem sind die meisten Physiotherapeuten prinzipiell eine gute Anlaufstelle. 

Allgemeiner Hinweis 

Bitte beachten Sie, dass im Allgemeinen die Anleitung des Herstellers einzuhalten ist. Bei Entzündungen oder Erkrankungen (bei Bruxismus vor allem im Gesichts- / Mundbereich) sowie Erkrankungen wie Osteoporose und Geschwüren sollten ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt generell keine Geräte – weder äusserlich noch innerlich – eingesetzt werden. Auch bei der Einnahme von Medikamenten wie z.B. Blutverdünnern sollte von einer Anwendung (insbesondere Faszienrolle) abgesehen werden.  

Besprechen Sie den Einsatz von Geräten bzw. Therapien am besten generell vorab mit Heilberuflern. Zielgerichtete Übungen unter Anleitung sowie das korrekte Anbringen von Kinesio-Tapes könnten Sie bei einem Physiotherapeuten erhalten. Oder lassen Sie sich von Ihrer Zahnärztin beraten. 

Prinzipiell wäre es auch gut, nicht mehrere Therapieansätze gleichzeitig auszuüben, sofern dies nicht explizit vom Hersteller bzw. den Heilkundigen/Therapeuten empfohlen wird. So sollte z. B. der Einsatz von Infrarot-Licht nicht unbedingt in Kombination mit Taping der zu beleuchtenden Körperstellen stattfinden. Ebenso könnte der Einsatz von Gesichtscremes mit Infrarot-Licht bzw. das Taping eingecremter Haut zu unerwünschten (Haut-)Reaktionen führen. 

Fazit

MS-Erkrankte scheinen nach bisherigem Wissenstand häufiger von Bruxismus betroffen zu sein als Nicht-Erkrankte.  Seine Auswirkungen wie Zahnabrieb und Gesichtsschmerzen können aber durch eine Aufbissschiene minimiert werden. 

Zur Entspannung der Kiefermuskulatur gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie z.B. Dehnen oder Massieren. Es sollte darauf geachtet werden, dass nicht zu extrem gedehnt bzw. nicht zu stark massiert wird, um potenzielle Gelenkschäden zu minimieren. Nach Möglichkeit sollten auch Schulter- und Nackenpartien miteinbezogen werden.  

Auch der Einsatz von Infrarotlicht kann zur Entspannung der Kiefermuskulatur beitragen – sofern Sie diese spezielle Art der (Tiefen)Wärme gut tolerieren.  

Beachten Sie bitte, dass nicht unbedingt mehrere Therapien gleichzeitig angewendet werden sollten, wie z.B. Infrarot-Beleuchtung von getapten Körperpartien.

Auch an dieser Stelle ist es wieder ein persönliches Forschungsprojekt, den Ursachen und den Methoden zur Beseitigung dieser auf die Spur zu kommen. Machen Sie sich auf den Weg! 


Bildquelle

Handelsübliche Knirschschiene
Mik81, Public domain, via Wikimedia Commons 

Referenzen

[1] “Bruxismus,” Wikipedia. Sep. 06, 2024. Accessed: Oct. 26, 2024. [Online]. Available: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Bruxismus&oldid=248361437

[2] “Prevalence of temporomandibular disorders in people with multiple sclerosis: A systematic review and meta-analysis: CRANIO®: Vol 0, No 0.” Accessed: Oct. 26, 2024. [Online]. Available: https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/08869634.2022.2137129

[3] N. Manchery, J. D. Henry, and M. R. Nangle, “A systematic review of oral health in people with multiple sclerosis,” Community Dent. Oral Epidemiol., vol. 48, no. 2, pp. 89–100, 2020, doi: 10.1111/cdoe.12512.

[4] D. E. Williams, J. E. Lynch, V. Doshi, G. D. Singh, and A. R. Hargens, “Bruxism and temporal bone hypermobility in patients with multiple sclerosis,” Cranio J. Craniomandib. Pract., vol. 29, no. 3, pp. 178–186, Jul. 2011, doi: 10.1179/crn.2011.026.

[5] “Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion,” Wikipedia. Aug. 13, 2024. Accessed: Oct. 26, 2024. [Online]. Available: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Achtsamkeitsbasierte_Stressreduktion&oldid=247672171

[6] “TJ-Motion® – Optimale Unterstützung zum Lösen von Verspannungen,” TJ Motion B2C. Accessed: Oct. 26, 2024. [Online]. Available: https://tj-motion.de/

[7] “Foam roller face,” BLACKROLL. Accessed: Oct. 26, 2024. [Online]. Available: https://blackroll.com/exercises/exercises-by-body-area/foam-roller-face

[8] “Anwendungen von Infrarotstrahlung in Medizin und Wellness,” Bundesamt für Strahlenschutz. Accessed: Oct. 26, 2024. [Online]. Available: https://www.bfs.de/DE/themen/opt/anwendung-medizin-wellness/infrarot/infrarot.html

[9] B. GmbH, “Infrarotlampe IL 21,” Beurer. Accessed: Oct. 26, 2024. [Online]. Available: https://www.beurer.com/de/p/61601/

[10] M. Volkan-Yazici, M. E. Kolsuz, N. Kafa, G. Yazici, C. Evli, and K. Orhan, “Comparison of Kinesio Taping and manual therapy in the treatment of patients with bruxism using shear-wave elastography-A randomised clinical trial,” Int. J. Clin. Pract., vol. 75, no. 12, p. e14902, Dec. 2021, doi: 10.1111/ijcp.14902.

[11] A. Keskinruzgar, A. O. Kucuk, G. Y. Yavuz, M. Koparal, Z. G. Caliskan, and M. Utkun, “Comparison of kinesio taping and occlusal splint in the management of myofascial pain in patients with sleep bruxism,” J. Back Musculoskelet. Rehabil., vol. 32, no. 1, pp. 1–6, 2019, doi: 10.3233/BMR-181329.

[12] “Sleep Bruxism? K Tape may help,” Advanced Physical Therapy Education Institute. Accessed: Oct. 26, 2024. [Online]. Available: https://www.aptei.ca/library-article/sleep-bruxism-k-tape-may-help/

[13] Kruse Gujer, Astrid, “Klebe und rolle den Kieferschmerz weg.” Accessed: Oct. 27, 2024. [Online]. Available: https://shop.tredition.com/booktitle/Klebe_und_rolle_den_Kieferschmerz_weg/W-1_113664


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Personalisierte Behandlung bei MS zwingend erforderlich – 3 Prospekte vom Neurologen reichen nicht aus!

Eine kürzlich veröffentlichte Studie von Gross et al. [1] zeigt auf beeindruckende Weise, dass die herkömmliche „One-Size-Fits-All“-Therapie bei Multipler Sklerose (MS) unzureichend ist. Bisher werden MS-Behandlungen oft nach standardisierten Protokollen durchgeführt, was jedoch die enorme Heterogenität der Erkrankung nicht berücksichtigt. Die Analyse der hochdimensionalen Blutsignaturen von MS-Patienten im Frühstadium zeigt, dass es verschiedene immunologische Profile gibt – sogenannte Endophänotypen –, die jeweils unterschiedliche Krankheitsverläufe anzeigen und auch unterschiedlich auf Therapien ansprechen.

Die Studie macht deutlich, dass eine genaue Immunanalyse vor jeder Therapieentscheidung unerlässlich ist, um eine Behandlung gezielt und patientenindividuell planen zu können – 3 Prospekte, die einem eventuell bei einem Neurologen in die Hand gedrückt werden mit dem Hinweis: „Suchen Sie sich eine Behandlung aus“, reichen definitiv nicht aus.

Ziele

Ziel der Studie war es, die Heterogenität der Immunsignaturen von Patienten mit Multipler Sklerose (MS) zu untersuchen, um verschiedene immunologische Profile – oder „Endophänotypen“ – zu bestimmen, die unterschiedliche Krankheitsverläufe widerspiegeln könnten. Durch die Analyse hochdimensionaler Blutsignaturen (komplexe Datensätze, die aus der Analyse von Blutproben gewonnen werden und eine Vielzahl von Merkmalen oder Dimensionen aufweisen) bei MS-Patienten im Frühstadium versuchten die Forscher, Subtypen von Immundysregulationen zu identifizieren, die mit bestimmten klinischen Verläufen korrelieren und so eine Grundlage für personalisierte MS-Behandlungen bieten.

Hintergrund

Wie unsere Follower wissen, ist die Multiple Sklerose durch komplexe Autoimmunprozesse gekennzeichnet, die zu einer Schädigung des zentralen Nervensystems führen, doch der Verlauf ist individuell sehr unterschiedlich. Herkömmlichen Behandlungsansätzen, die in erster Linie auf allgemeine Immunreaktionen abzielen, fehlt es an Präzision, um dieser Variabilität Rechnung zu tragen. Jüngste Bemühungen in Bereichen wie der Onkologie haben das Potenzial endophänotypbasierter, individualisierter Behandlungsstrategien aufgezeigt.

Bei der MS-Behandlung ist ein personalisierter Ansatz jedoch noch nicht umgesetzt worden, was zum einen auf ein begrenztes Verständnis der Immunmechanismen zurückzuführen ist, die den unterschiedlichen Krankheitsverläufen zugrunde liegen, und zum anderen natürlich aufwendig ist und mehr bedeutet als den Patienten nach Schema A, B oder C zu behandeln. Diese Studie, die mit großen Kohorten von therapienaiven MS-Patienten durchgeführt wurde, schließt diese Lücke, indem sie Signaturen von Immunzellen und Proteinen identifiziert, die als Grundlage für patientenspezifische Behandlungen dienen könnten.

Methode

Die Forscher setzten hochdimensionale Durchflusszytometrie und Serumproteomik ein, um Immunsignaturen bei 309 neu diagnostizierten und 232 validierten MS-Patienten zu bewerten. Durch unüberwachtes Clustering klassifizierten sie die Patienten anhand der zellulären Immunsignaturen in drei verschiedene Endophänotypen. Diese Endophänotypen wurden anschließend validiert und im Zusammenhang mit klinischen Parametern wie Rückfallraten, Fortschreiten der Behinderung und Magnetresonanztomographie (MRT) analysiert. Dieser methodische Ansatz wurde durch ein maschinelles Lernmodell verstärkt, das darauf trainiert wurde, den Krankheitsverlauf und die Wirksamkeit der Behandlung auf der Grundlage der Immunprofil-Daten vorherzusagen.

Ergebnisse

Es ergaben sich drei primäre Endophänotypen:

  1. Entzündlich (E3): Gekennzeichnet durch ein hohes Maß an Immunaktivität, z. B. erhöhte Rückfallquoten und schwerere Entzündungsmarker, einschließlich verstärkter Gadolinium-Läsionen in MRT-Scans.
  2. Degenerativ (E1): Gekennzeichnet durch Anzeichen struktureller Schäden und ein schnelleres Fortschreiten der Behinderungsmessgrößen, verbunden mit erhöhten Markern für die Neurodegeneration.
  3. Intermediär (E2): Zeigt eine Mischung aus Merkmalen sowohl des entzündlichen als auch des degenerativen Endophänotyps, mit mäßigen Indikatoren für das Fortschreiten der Krankheit.

Jeder Endophänotyp wies ein unterschiedliches Profil der Immunzellzusammensetzung und der Proteinkonzentration auf, wobei der entzündliche Typ (E3) einen höheren Anteil an proinflammatorischen T-Zellen aufwies, während der degenerative Typ (E1) Immunprofile zeigte, die mit strukturellen ZNS-Schäden in Verbindung gebracht wurden. Bezeichnenderweise erwiesen sich eher zelluläre Immunparameter als lösliche Proteine als besonders aussagekräftig für die Identifizierung von Endophänotypen, was darauf hindeutet, dass zellbasierte Signaturen einen besseren Einblick in Krankheitsmechanismen bieten.

Konsequenzen für die MS-Behandlung

Die Ergebnisse der Studie haben tiefgreifende Auswirkungen auf die MS-Behandlung. Es zeigte sich, dass herkömmliche Therapien wie Interferon-beta (IFN-β) bei Patienten mit dem entzündlichen E3-Endophänotyp, die unter IFN-β ein kontinuierliches Fortschreiten der Krankheit zeigten, nur begrenzt wirksam waren. Im Gegensatz dazu waren alternative Therapien wie Glatirameracetat (GA) und Dimethylfumarat (DMF) bei diesen Patienten wirksamer und normalisierten spezifische Immunveränderungen. Der degenerative Endophänotyp (E1) sprach ebenfalls unterschiedlich auf die Behandlungen an, wobei einige Therapien bei der Verlangsamung des neurodegenerativen Fortschreitens wirksam waren. Durch die Kategorisierung von MS-Patienten nach ihren Immunsignaturen vor Beginn der Behandlung könnten Kliniker die Ergebnisse durch personalisierte Therapien verbessern, die auf die für jeden Endophänotyp spezifische Immundysregulation abzielen.

Fazit aus Life-SMS-Sicht

Diese Studie unterstreicht das Potenzial für einen Paradigmenwechsel in der MS-Behandlung, bei dem die Therapien auf die einzigartigen Immunprofile der Patienten zugeschnitten werden. Sie zeigt auch, dass unsere Zurückhaltung mit Blick auf die heutigen Standardtherapien gut begründet ist, da diese im Ernstfall genau in die falsche Richtung wirken können, mindestens aber unwirksam sein können und signifikante Nebenwirkungen auslösen können.

Unser Ansatz, eigenverantwortlich mögliche krankheitsauslösende Faktoren zu eliminieren und dem Körper alle notwendigen Ressourcen zur Stabilisierung zur Verfügung zu stellen (Mikronährstoffe, Mentaltraining, Bewegung etc.), ist eine personalisierte Behandlung, die Sie heute schon nebenwirkungsfrei und erfolgreich durchführen können. Legen Sie jetzt los!

Quellen

[1] Catharina C. Gross et al. ,Multiple sclerosis endophenotypes identified by high-dimensional blood signatures are associated with distinct disease trajectories.Sci. Transl. Med.16,eade8560(2024).DOI:10.1126/scitranslmed.ade8560

Foto von National Institute of Allergy and Infectious Diseases auf Unsplash


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Gewusel im Kopf 

von Kirsten 

Vermutlich hatten Sie schon mal ein Gewusel im Kopf. Da gibt man alles und dennoch drehen sich die Informationen im Hirn nur im Kreis. Kein klarer Gedanke in Sicht bzw. am Ende der Nervenbahnen und schon ist man trotz höchster Konzentration völlig unkonzentriert und gestresst. Einfach zu viel Traffic im Kopf. Und selbst das gut eingebläute Einmaleins ist nicht mehr so einfach abrufbar. Was also tun?  

Erst mal Pause machen!  

Sie haben dafür keine Zeit? – Ja, genau dann sollten Sie sich möglichst eine Pause gönnen, den Gang etwas herunterschalten! Ärgern Sie sich nicht über Ihre eingeschränkte Leistungsfähigkeit, denn das führt nur zu noch mehr Stress. Und dieser führt wiederum zu mehr Traffic im Hirn und vermindert dadurch zusätzlich die Denkfähigkeit. Ein Teufelskreis. 

Stress und seine Bedeutung für die Hirnaktivität 

Da sollte man meinen, dass Stress die Aufmerksamkeit erhöht. Stellen Sie sich vor, da steht ein Säbelzahntiger vor Ihnen und Sie müssen sehr schnell eine Entscheidung treffen – kämpfen oder weglaufen. Diese Entscheidung muss blitzschnell stattfinden, ihre Hirnzellen müssen superschnell arbeiten und eine Aktion einleiten. Für diesen Prozess sind bestimmte Neurotransmitter verantwortlich, die besonders in Stresssituationen getriggert werden. Und diese ermöglichen eine Beschleunigung der Informationsverarbeitung. Aber ist das auch wirklich immer der Fall? 

Sie erinnern sich vielleicht noch an Prüfungssituationen in Ihrem Leben, z.B. in Ihrer Schulzeit? Da hat Ihr Hirn vermutlich auf Höchstleistung gearbeitet und Sie waren danach erst mal erschöpft – eben weil diese Höchstleistung viel Energie kostet. Stellen Sie sich vor, Sie hätten direkt danach eine weitere Prüfung ablegen müssen. Hätten Sie dafür noch die nötige Energie gehabt? Und hätten Ihre Hirnzellen noch so gut funktioniert wie in dieser ersten Prüfung? Oder hätte Ihnen eine Pause vor der zweiten Prüfung doch noch einigen Vorteil gebracht? 

Sie merken, dass Stress in Maßen (!) durchaus die kognitiven Fähigkeiten steigert. Langfristig ist er allerdings gerade für ergebnisorientiertes Denken äusserst kontraproduktiv [1]. Denn stressende Neurotransmitter wie Cortisol und Noradrenalin blockieren gemeinsam Hirnregionen, die für zielgerichtetes Handeln wichtig sind [2]. Gerade Bereiche, in denen u.a. Gedächtnisinhalte gespeichert werden (Präfrontalcortex) bzw. Gedächtnisinhalte vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis überführt werden (Hippocampus), leiden unter Stresseinwirkung, sodass das Speichern und Abrufen von Informationen nur schlecht möglich ist [3]. Ein weiterer Effekt von chronischem Stress ist ausserdem, dass sich manche Hirnregionen vergrössern, wie z.B. die Amygdala. Diese spielt u.a. bei der Entstehung von Angst eine grosse Rolle, was wiederum ein Gestresst-Sein nach sich ziehen kann. Auch hier wieder ein Teufelskreis. 

Auslöser einer verminderten kognitiven Leistungsfähigkeit 

Sie haben womöglich gerade eine Stosstherapie hinter sich? Dann kann das Gewusel im Kopf eine Folge der Stosstherapie bzw. des Absetzens der Stosstherapie sein – denn diese besteht ja aus hochdosierten Cortisol-Derivaten und triggert daher einige stress-assoziierte Prozesse. Dieser Effekt kann noch einige Wochen nach der Stosstherapie andauern. Ein solcher Effekt kann prinzipiell auch durch manch andere Medikamente ausgelöst bzw. verstärkt werden. Einen möglichen Wechsel auf ein anderes Präparat sollten Sie vorher bitte mit Ihrem Arzt oder Apotheker besprechen. 

Vielleicht befinden Sie sich gerade in einem akuten Schub. Manche Nerven im Hirn sind entzündet und funktionieren daher nicht mehr so gut wie früher. Entzündungen bedeuten generell Schwellungen bzw. Wasseransammlungen sowie das zusätzliche Vorhandensein von Molekülen und Zellen, die ohne Entzündung nicht bzw. weniger präsent wären. Das «Abwassersystem» des Gehirns (auch als «Glymphatisches System» bezeichnet), funktioniert daher nicht mehr so gut und ist «etwas verstopft». Sie können sich vorstellen, dass die Informationen «im Stau» stehen und eben nicht wie auf einer freien Autobahn schnell ans Ziel kommen. Da hilft Ihnen Stress auch nicht viel weiter, die Information schneller ans Ziel zu treiben. Er kann sogar kontraproduktiv sein, in dem er den Stau durch das Ausschütten von noch mehr Botenstoffen und Molekülen weiter verstärkt. 

Manche Nervenzellen sind nicht mehr entzündet, sondern bereits vernarbt? Hier kann die Information also nicht von einer Sackgasse auf die Autobahn springen, um schnell ans Ziel zu kommen und braucht daher Abzweigungen und Umwege. Abgestorbene Neuronen im Hirn wachsen zwar nicht wieder nach. Aber das Nervengewebe kann sich z. T. selbst reparieren: Direkt nach der Schädigung im Hirn wird das Gewebe um die Läsion herum nämlich besonders flexibel. Neue Zellausläufer verbinden dann Bereiche intakter Regionen miteinander und sorgen dafür, dass diese neue Aufgaben übernehmen – sofern die Schädigung nicht zu gross ist, man das Gehirn für eine Weile regenerieren lässt und es dabei nicht stört [4]. Eine Pause erscheint hier also unbedingt notwendig! 

Massnahmen zur Steigerung der kognitiven Leistungsfähigkeit 

Was sich recht positiv auf die Funktionsfähigkeit des glymphatischen Systems auswirkt, ist Schlafen. Denn gerade dann ist das glymphatische System besonders aktiv und kann seiner Aufgabe als Entsorgungssystem für Abfallstoffe nachgehen. Eine möglichst gute Schlafqualität ist daher von grosser Bedeutung. Die Länge des Schlafes sollte hierfür auch ausreichend sein. Gestört wird die Aktivität des glymphatischen Systems u.a. durch Stresshormone wie z.B. Noradrenalin, womit wir schon beim nächsten Punkt wären. 

Wie bereits erwähnt: Stressreduktion! Wie diese im Detail aussieht, müssen Sie für sich entscheiden, denn da gibt es unterschiedliche Ansätze. Nicht jedem liegt z.B. Yoga oder Ausdauersport (sofern dies körperlich möglich ist). Wenn Sie noch nicht wissen, was Ihnen guttut, dann probieren Sie doch verschiedene Sachen aus (sofern dies körperlich möglich ist) und entscheiden dann, was Ihnen am besten bekommt: Feldenkrais, Yoga, Qi Gong, Tai Chi, Spazierengehen, Ausdauersport, Muskelaufbausport, Meditation (z.B. Body Scan für den Anfang), malen, fotografieren, kochen, … Es sollte auf jeden Fall etwas sein, dass Sie «erdet» und wofür Sie regelmässig (und möglichst gerne) Zeit aufbringen!  

Unterstützend wäre ausserdem die körperliche Bewegung zu nennen (sofern Ihnen dies möglich ist). Ob Spazierengehen, Sport, Hippotherapie, Dehnübungen, Ergometertraining, Laufbandtraining, Massage, Lymphdrainage: Bewegen Sie die (Gewebs-)flüssigkeiten (in der alternativen Therapie als «Säfte» bekannt) in Ihrem Körper, so dass eine bessere Versorgung der (Nerven-)Zellen stattfinden kann und Abfallstoffe schneller abtransportiert und abgebaut werden können. Wird der ganze Körper mit einbezogen, dann hat dies auch Einfluss auf den Stofftransport in Gehirn und Rückenmark und somit die Nervengesundheit [5]. Unterstützen können hierbei ausserdem noch Lebensmittel, die als «blutreinigend» oder «entgiftend» gelten, wie z.B. Gemüse und Kräuter, die geniessbare Bitterstoffe enthalten [6].  

Kommen wir nun von der Bewegung der Körperflüssigkeiten zum Denksport! Auch wenn Sie körperlich stark eingeschränkt sind, könnte dieser Sport für Sie dennoch gut durchführbar sein. Ob Kreuzworträtsel, Puzzeln, Sudoku, Quiz, Knobelaufgaben, Strategiespiele, Merkspiele, Brettspiele, Klavier spielen, Matheaufgaben, Sprachenlernen, Geschichten- oder Gedichte-Schreiben: Gehirnjogging wirkt dem mentalen Abbau entgegen [7]. Sie können also ihre kognitiven Fähigkeiten ein Stück weit trainieren und verbessern. Versuchen Sie (wenn möglich) verschiedene Denksport-Arten in Ihren Alltag zu integrieren. Denn das Lösen von gleichen Rätselformaten führt langfristig zu einer Automatisierung und nicht unbedingt zum Entwickeln neuer Strategien. Fordern Sie Ihr Hirn immer wieder neu. Ärgern Sie sich nicht, wenn Sie ein Rätsel nicht lösen können, denn das bringt nur wieder Stress mit sich. Bleiben Sie kreativ und spielerisch und gönnen Sie sich auch hin und wieder Pausen, wenn Sie welche brauchen! 

Fazit 

Eine verminderte kognitive Leistungsfähigkeit kann ausgelöst werden durch Erkrankungen, die Einnahme von Medikamenten oder durch Stress. 

Gesteigert werden kann die kognitive Leistungsfähigkeit durch Stressreduktion, Schlaf, regelmässige Bewegung und Denksport. 


Referenzen

[1] S. Ouanes and J. Popp, “High Cortisol and the Risk of Dementia and Alzheimer’s Disease: A Review of the Literature,” Front. Aging Neurosci., vol. 11, Mar. 2019, doi: 10.3389/fnagi.2019.00043. 

[2] L. Schwabe, M. Tegenthoff, O. Höffken, and O. T. Wolf, “Simultaneous Glucocorticoid and Noradrenergic Activity Disrupts the Neural Basis of Goal-Directed Action in the Human Brain,” J. Neurosci., vol. 32, no. 30, pp. 10146–10155, Jul. 2012, doi: 10.1523/JNEUROSCI.1304-12.2012. 

[3] “Kurz- und langfristige Folgen von starkem Stress.” Accessed: Sep. 01, 2024. [Online]. Available: https://www.psychologie.uzh.ch/de/bereiche/dev/lifespan/erleben/berichte/folgenvonstress.html 

[4] “Neuroplastizität: Wie das Gehirn sich selbst heilt.” Accessed: Sep. 01, 2024. [Online]. Available: https://www.spektrum.de/magazin/neuroplastizitaet-wie-das-gehirn-sich-selbst-heilt/1935982 

[5] R. L. Olegário, O. T. Nóbrega, and E. F. Camargos, “The newly discovered glymphatic system: the missing link between physical exercise and brain health?,” Front. Integr. Neurosci., vol. 18, Apr. 2024, doi: 10.3389/fnint.2024.1349563. 

[6] A. C. Duarte et al., “Bitter taste receptors profiling in the human blood-cerebrospinal fluid-barrier,” Biochem. Pharmacol., vol. 177, p. 113954, Jul. 2020, doi: 10.1016/j.bcp.2020.113954. 

[7] “Was Denksport wirklich bringt,” geo.de. Accessed: Sep. 01, 2024. [Online]. Available: https://www.geo.de/magazine/geo-kompakt/710-rtkl-gehirntraining-was-denksport-wirklich-bringt 


Bildquelle:

Auf ein mittig im Bild zu sehendes Modell eines Gehirn prasseln viele Eindrücke und Einflüsse unterschiedlichster Art ein;
Bild erstellt mit DALL-E by OpenAI im Monat Oktober 2024.



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Life-SMS und sonst so: Hochdosiertes Vitamin D verringert Krankheitsaktivität beim klinisch isolierten Syndrom

An dieser Stelle weisen wir auf aktuelle Beiträge aus dem Netz hin, die einen engen Bezug zu unserem Kernthema lebensstil-orientierte und eigenverantwortliche Behandlung der MS haben. Die dort wiedergegebenen Meinungen dienen als Anregung zur kritischen Auseinandersetzung. Sie entsprechen – außer bei Beiträgen von anderen Projekten der DSGiP – nicht zwingend den von uns vertretenen Positionen, sind aber in allen Fällen eine Bereicherung der Diskussionsgrundlage.

Machen Sie sich selbst ein Bild!

Hochdosiertes Vitamin D verringert Krankheitsaktivität beim klinisch isolierten Syndrom – eine neue Behandlungsmöglichkeit bei MS? [medscape.com; 4.10.2024]

Kopenhagen – Eine hochdosierte orale Supplementation mit Cholecalciferol (Vitamin D3) verringert die Krankheitsaktivität bei Patienten mit klinisch isoliertem Syndrom erheblich. Die Supplementation war sicher und gut verträglich, wie eine Studie zeigt. Details wurden auf dem 40. Kongress des European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis (ECTRIMS) 2024 vorgestellt.

EBV und MS: ausführlich erklärt – Medizin/Therapie – Multiple Sklerose News – AMSEL e.V.

Dass es einen Zusammenhang zwischen dem Epstein-Barr-Virus und Multipler Sklerose gibt, scheint klar zu sein. Warum MS dennoch keine Infektionskrankheit ist, erklärt Prof. Mathias Mäurer in seiner MS-Docblog-Reihe

Autoimmunität: Immunzellen entgehen Therapie durch ruhenden Zustand [bionity.com; 9.9.2024

Einem Forschungsteam ist es gelungen, krankheitsverursachende T-Zellen bei Autoimmunerkrankungen aus dem Blut zu isolieren und zu analysieren

[Bem. d. Red.: Wissenschaftlich sehr interessant, aber mit zweifelhaften Schlussfolgerungen der Forscher]

Glatirameracetat: Warnung wegen möglicher anaphylaktischer Reaktionen [aerzteblatt.de; 19.8.2024]

Bei der Therapie einer Multiplen Sklerose mit dem Wirkstoff Glatirameracetat kann es noch Monate bis Jahre nach Beginn der Behandlung zu einer anaphylaktischen Reaktion kommen. Das geht aus einem neuen Rote-Hand-Brief hervor, den verschiedene Arzneimittelhersteller in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinpro­dukte (BfArM) erstellt haben.

MS an der Blut-Hirn-Schranke stoppen? [medical-tribune; 5.8.2024]

Die Schädigung der Blut-Hirn-Schranke durch Neuroinflammation spielt bei der Multiplen Sklerose eine fundamentale Rolle. Im Frühstadium ermöglicht sie die Infiltration des ZNS durch Immunzellen, später ist sie für die Atrophie der grauen Substanz und kognitive Einbußen mitverantwortlich. Wie lässt sich die Barriere erhalten?

Symptome bei MS: Multiple Sklerose (MS) und Kognition [amsel.de; 29.4.2024]

Nahezu jeder zweite MS-Kranke leidet unter kognitiven Problemen. Doch was versteht man unter kognitiven Funktionen? Warum und inwieweit können diese durch die MS eingeschränkt sein? Welche Bedeutung haben sie? Wie lassen sie sich diagnostizieren und behandeln?

Bildquelle:

Image generated using DALL·E by OpenAI, October 2024


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Prä-, Pro- und Postbiotika: Eine Begriffsbestimmung, nicht nur für MS-Betroffene

Mindmap Prä-, Pro- und Postbiotika  ©Life-SMS 2024

Unsere Follower wissen inzwischen sehr genau, wie wichtig eine gesunde bzw. die Gesundung der Darmflora zur Reduktion der Krankheitsaktivität und Wiedererlangung verloren gegangener Fähigkeiten bei Multipler Sklerose ist [1] – [6]. Diese Tatsache wird in der medizinischen Wissenschaft heute nicht mehr in Frage gestellt. Übrigens gilt dies praktisch für alle chronischen Erkrankungen und insbesondere Autoimmunerkrankungen.

Da insbesondere findige Werbetreibende mit Begriffen wie Ballaststoffen, Probiotika oder Präbiotika nur so um sich werfen, soll in diesem Artikel versucht werden, die Begriffe zu definieren und Klarheit zu schaffen.

Ausgangspunkt

Die drei Komponenten Prä-, Pro- und Postbiotika arbeiten synergetisch zusammen, um eine gesunde Darmflora zu fördern.

Präbiotika dienen als Nahrung für nützliche Darmbakterien.

Probiotika fügen dem Darm direkt lebende nützliche Bakterien hinzu.

Postbiotika liefern die vorteilhaften Stoffwechselprodukte dieser Bakterien.

Der Begriff „Biotika“ ist also ein Sammelbegriff für verschiedene natürliche Substanzen oder Organismen, die einen Einfluss auf die Darmflora und die Gesundheit haben können.

Präbiotika

Präbiotika haben einen signifikanten Einfluss auf die Darmflora und tragen zur Förderung einer gesunden Darmumgebung bei. Alle Präbiotika sind Ballaststoffe, aber nicht alle Ballaststoffe sind Präbiotika. Als unverdauliche Nahrungsbestandteile dienen sie als selektive Nahrungsgrundlage für nützliche Darmbakterien, insbesondere für Bifidobakterien und Milchsäurebakterien. Durch die Förderung des Wachstums und der Aktivität dieser gesundheitsfördernden Bakterien unterstützen Präbiotika ein gesundes Gleichgewicht im Darm-Mikrobiom. Sie können zudem bei Problemen wie Darmträgheit, Durchfall und Verstopfung helfen. Darüber hinaus erschweren sie die Ausbreitung krankmachender Bakterienstämme wie Clostridien und bestimmter E. coli-Arten, was zur allgemeinen Darmgesundheit beiträgt.

Vorkommen

Präbiotika kommen in vielen natürlichen Lebensmitteln vor, insbesondere in Gemüse und Vollkornprodukten. Einige Beispiele sind:

  • Chicorée
  • Topinambur
  • Zwiebeln
  • Knoblauch
  • Schwarzwurzeln
  • Artischocken
  • Grüne Bananen (resistente Stärke)

Auf dem Nahrungsergänzungsmittelmarkt wird häufig Inulin als Präbiotikum angeboten. Es handelt sich um ein unverdauliches Kohlenhydrat, das zu den Fructanen gehört und als Speicherstoff in verschiedenen Pflanzen vorkommt.

Probiotika

Genau wie Präbiotika als Nahrung für Bakterien haben Probiotika, insbesondere auch in Kombination mit ersteren wesentlichen Einfluss auf die Darmgesundheit und das Immunsystem. Sie kommen in verschiedenen Nahrungsmitteln wie Joghurt, Kefir, Sauerkraut und anderen fermentierten Produkten vor. Diese lebenden Mikroorganismen, darunter häufig Milchsäurebakterien und Bifidobakterien, fördern das Wachstum nützlicher Darmbakterien und tragen dazu bei, schädliche Bakterien zu verdrängen. Durch die Stärkung der Darmbarriere tragen sie zur Verbesserung der Darmgesundheit bei und unterstützen gleichzeitig das Immunsystem. Probiotika können die Verdauung und Nährstoffaufnahme optimieren, was insbesondere bei Verdauungsproblemen wie Durchfall und Verstopfung hilfreich ist. Darüber hinaus spielen sie eine wichtige Rolle in der Prävention von entzündlichen Darmerkrankungen, Autoimmunerkrankungen und Allergien, da sie zur Erhaltung eines gesunden Darmmilieus beitragen.

Vorkommen

Einige Beispiele für natürliche Probiotikaquellen bei den fermentierten Lebensmitteln sind:

  • Naturjoghurt (nicht pasteurisiert)
  • Kefir
  • Sauerkraut
  • Kimchi
  • Miso
  • Kombucha
  • Sauerteigbrot
  • Milchsauer vergorenes Gemüse (z.B. Gurken, Bohnen)

Probiotika als Nahrungsergänzungsmittel haben einige problematische Aspekte, die beachtet werden sollten. Ein wichtiger Punkt ist die stammspezifische Wirkung, da nicht jeder probiotische Bakterienstamm die gleiche Wirkung entfaltet. Die Auswahl des richtigen Präparats erfordert daher fundiertes Fachwissen. Zudem müssen die probiotischen Bakterien die Magen-Darm-Passage überleben, um im Darm ihre Wirkung entfalten zu können, was nicht immer gewährleistet ist. Ein weiteres Problem ist die individuelle Wirksamkeit von Probiotika, da ihre Wirkung von Person zu Person variieren kann und stark vom jeweiligen Krankheitsbild abhängt. Dies macht es oft schwierig, allgemeingültige Empfehlungen auszusprechen. An dieser Stelle lohnt es sich Fachwissen bei Ärzten oder Heilpraktikern einzuholen.

Postbiotika

Sozusagen das, was bei den Darmbakterien hinten herauskommt. Die in einem Fermentationsprozess entstehenden bakteriellen Endprodukte werden auch als Postbiotika bezeichnet. Postbiotika sind eine relativ neue Kategorie von Substanzen, die aus der mikrobiellen Fermentation hervorgehen und gesundheitsfördernde Eigenschaften aufweisen. Sie werden als Präparate definiert, die aus nicht lebensfähigen Mikroorganismen und/oder deren Komponenten bestehen und nachweislich einen gesundheitlichen Nutzen für den Wirt haben. Sie stammen von Mikroorganismen ab, sind jedoch selbst nicht mehr lebensfähig, was sie von Probiotika unterscheidet. Postbiotika umfassen sowohl Zellbestandteile als auch Stoffwechselprodukte der Mikroorganismen, wie zum Beispiel kurzkettige Fettsäuren, Enzyme oder Proteine, die eine positive Wirkung auf die Gesundheit entfalten können. Ihre Wirkung auf das Immunsystem, die Unterstützung der Darmgesundheit und ihre entzündungshemmenden Eigenschaften machen sie zu einer vielversprechenden Ergänzung im Bereich der Therapie von Dysbiosen und entzündlichen Erkrankungen.

Arten und Vorkommen

Zu den Postbiotika gehören verschiedene Substanzklassen:

  • Kurzkettige Fettsäuren (z.B. Buttersäure, Propionsäure)
  • Mikrobielle Zellfragmente
  • Funktionelle Proteine und Enzyme
  • Extrazelluläre Polysaccharide
  • Zelllysate: Produkte, die durch den Aufschluss (Lyse) von Zellen entstehen
  • Teichonsäuren und andere Zellwandbestandteile
  • Vitamine und Aminosäuren

Postbiotika kommen in den schon weiter oben genannten verschiedenen fermentierten Lebensmitteln vor, da sie durch den Abbau und die Aktivität von Mikroorganismen entstehen. Also:

  • Fermentierte Milchprodukte: Joghurt, Kefir und Buttermilch enthalten nicht nur Probiotika, sondern auch deren Stoffwechselprodukte (Postbiotika), wie kurzkettige Fettsäuren und bioaktive Peptide.
  • Fermentiertes Gemüse: Sauerkraut, Kimchi und andere fermentierte Gemüsesorten enthalten Postbiotika, die durch die Aktivität der Bakterien während des Fermentationsprozesses entstehen.
  • Fermentierte Sojaprodukte: Produkte wie Miso, Tempeh und Natto enthalten ebenfalls postbiotische Substanzen, die durch die Fermentation von Sojabohnen gebildet werden.
  • Essig: Apfelessig und andere Arten von Essig, die durch Fermentation hergestellt werden, enthalten ebenfalls postbiotische Verbindungen.
  • Kombucha: Dieses fermentierte Teegetränk enthält neben Probiotika auch verschiedene Stoffwechselprodukte der Mikroorganismen, die als Postbiotika gelten.

Durch den Konsum solcher fermentierter Lebensmittel nimmt man also sowohl Probiotika als auch deren Postbiotika auf, die beide positive gesundheitliche Effekte insbesondere auch bei Autoimmunerkrankungen haben.

Bei den Nahrungsergänzungsmittel ist MS-Betroffenen unbedingt zu empfehlen die kurzkettige Fettsäure Propionsäure 2 x 500 mg/Tag als NEM einzunehmen. Die positiven Effekte sind durch eine Reihe von Studien belegt [4].

Fazit

Eine gezielte Ernährung, die sowohl Prä-, Pro- als auch Postbiotika beinhaltet, kann synergistisch wirken, um die Darmflora zu fördern und das Immunsystem zu unterstützen. Präbiotika dienen als Nahrung für nützliche Bakterien und bereiten den Boden für eine gesunde Darmflora. Probiotika fügen lebende, nützliche Bakterien hinzu, die das Gleichgewicht im Darm stabilisieren und das Immunsystem stärken. Postbiotika, die Stoffwechselprodukte dieser Bakterien, entfalten zusätzlich entzündungshemmende und immunmodulierende Effekte. Der Konsum von Präbiotoka und fermentierten Lebensmitteln ermöglicht es, alle drei Komponenten gleichzeitig aufzunehmen, was besonders für MS-Betroffene von Vorteil ist. Zusätzlich gehört die Supplementierung mit Propionsäure zum Baukasten der selbstverantwortlichen Behandlung bei MS.

Zur Vertiefung

[1] Die fünfte Säule der Überwindung von Autoimmunerkrankungen wie MS – Darmgesundheit | Life-SMS (lifesms.blog)

[2] Bakterien gegen Osteoporose? | Life-SMS (lifesms.blog)

[3] Bitte(r) genießen: Bitterstoffe in Bitterkräutern und -gemüsen  | Life-SMS (lifesms.blog)

[4] Die wichtige Rolle der Propionsäure bei der Behandlung von Multipler Sklerose | Life-SMS (lifesms.blog)

[5] Klingt unappetitlich, kann aber sehr wirksam bei MS sein: Fäkaltransplantation | Life-SMS (lifesms.blog)

[6] Faktenblatt Darmflora und MS – lsms.info (dsgip.de)


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Aktuelle Übersichtsarbeit: Omega-3-Fettsäuren zur Modulation von Entzündungen bei Autoimmunerkrankungen wie MS

Das Leben mit Multipler Sklerose (MS) oder die Behandlung von Patienten mit dieser Krankheit bedeutet oft, dass man nach Wegen sucht, um insbesondere unterschwellige Entzündungen in den Griff zu bekommen, die eine wichtige Rolle beim Fortschreiten der Krankheit spielen. Jüngste Forschungsergebnisse unterstreichen wieder einmal das Potenzial von Omega-3-Fettsäuren zur Verringerung von Entzündungen und zur möglichen Verlangsamung des Fortschreitens von Autoimmunkrankheiten, einschließlich MS. In diesem Newsletter werden die Ergebnisse einer kürzlich erschienenen Übersichtsarbeit [1] vorgestellt, die die Rolle von Omega-3-Fettsäuren bei der Regulierung von Entzündungen und Immunität untersucht, wobei der Schwerpunkt in unserem Artikel auf ihrer Bedeutung für MS liegt. In diesem Review wird auf über 150 separate Studien und wissenschaftliche Veröffentlichungen verwiesen, was den Umfang der Arbeit verdeutlicht.

Hintergrund der Arbeit

Unter dem Titel „Modulation of Inflammation and Immunity by Omega-3 Fatty Acids“ (Modulation von Entzündung und Immunität durch Omega-3-Fettsäuren) [1] untersucht die Arbeit die signifikante Verschiebung in der westlichen Ernährung in den letzten 30 Jahren von Omega-3-reichen Quellen hin zu einem Omega-6-dominierten Konsum. Während Omega-3-Fettsäuren für ihre entzündungshemmenden Eigenschaften bekannt sind, haben Omega-6-Fettsäuren, die vor allem in raffinierten Pflanzenölen und verarbeiteten Lebensmitteln vorkommen, entzündungsfördernde Wirkungen. Dieses Ungleichgewicht trägt mit hoher Sicherheit zur Zunahme von Autoimmunerkrankungen, einschließlich MS, bei.
Das Immunsystem greift bei MS fälschlicherweise die Schutzhülle der Nerven an, was zu Entzündungen, Nervenschäden und verschiedenen neurologischen Symptomen führt. Omega-3-Fettsäuren, die vor allem in fettem Fisch wie Lachs und Sardinen enthalten sind, haben nachweislich eine entzündungshemmende Wirkung, die bei der Behandlung von MS-Symptomen von Vorteil sein genutzt werden kann.

Schwerpunkte der Arbeit

In der vorliegenden Studie wurde untersucht, wie Omega-3-Fettsäuren, insbesondere Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA), Entzündungen und Immunreaktionen beeinflussen. Dabei wurden sowohl frühere klinische Studien als auch Laborexperimente berücksichtigt, in denen die Auswirkungen einer Omega-3-Supplementierung auf Autoimmunkrankheiten, einschließlich Multipler Sklerose, untersucht wurden. Die Schwerpunkte der Arbeit:

  • Eine zentrale Fragestellung war, wie Omega-3-Fettsäuren Entzündungen regulieren können. Hierbei wurden insbesondere die Auswirkungen auf Entzündungszytokine, also Proteine, die Entzündungsprozesse im Körper regulieren, untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass Omega-3-Fettsäuren eine entzündungshemmende Wirkung haben können und somit zur Regulierung von Entzündungen beitragen können.
  • Eine weitere wichtige Fragestellung der Studie betraf die Frage, inwiefern Omega-3-Fettsäuren Immunzellen modulieren können. Besonders T-Zellen, die eine entscheidende Rolle bei Autoimmunreaktionen spielen, standen im Fokus der Untersuchungen. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass Omega-3-Fettsäuren die Aktivität von T-Zellen beeinflussen können und somit Autoimmunreaktionen abschwächen können.
  • Ein weiterer interessanter Aspekt der Studie war der Vergleich zwischen den Auswirkungen von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Insbesondere wurde darauf eingegangen, wie sich ein unausgewogenes Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3, wie es in der westlichen Ernährung häufig vorkommt, auf Entzündungen und Immunreaktionen auswirken kann. Die Ergebnisse zeigten, dass eine erhöhte Omega-6-Zufuhr im Vergleich zu Omega-3 zu einer verstärkten Entzündungsreaktion führen kann und somit ein ausgewogenes Verhältnis der Fettsäuren von Bedeutung ist.

Resultate

Die Untersuchung ergab, dass Omega-3-Fettsäuren die Produktion von entzündungsfördernden Zytokinen wie Interleukin-6 (IL-6) und Tumor-Nekrose-Faktor-alpha (TNF-α), die bei Autoimmunerkrankungen wie MS häufig erhöht sind, verringern können. EPA und DHA, zwei Arten von Omega-3-Fettsäuren, scheinen auch die Produktion von Molekülen zu fördern, die bei der Auflösung von Entzündungen helfen, wie z. B. Resolvine und Protectine.

In Bezug auf die Immunantwort wurde gezeigt, dass Omega-3-Fettsäuren die Aktivität von T-Zellen beeinflussen und die Produktion von entzündungsfördernden Th1- und Th17-Zellen verringern. Gleichzeitig erhöhten sie die Zahl der regulatorischen T-Zellen, die dazu beitragen, das Gleichgewicht des Immunsystems aufrechtzuerhalten und übermäßige Immunangriffe auf gesundes Gewebe – wie sie bei MS auftreten – zu verhindern.


Die Forscher stellten u.a. auch fest, dass Völker mit einer höheren Aufnahme von Omega-3, wie die grönländischen Eskimos, deutlich seltener an Autoimmunkrankheiten, einschließlich MS, erkrankten als Menschen, die eine westliche, Omega-6-reiche Ernährung zu sich nahmen.

Bedeutung für MS-Betroffene

Wir haben an dieser Stelle schon öfter auf die positive Wirkung eines gesunden Verhältnisses von Omega 6/Omega-3-Fettsäuren in der Ernährung hingewiesen. Dieses sollte zwischen 1,5:1 – 2:1 liegen. Die hier vorgestellte Übersichtsarbeit unterstreicht diese Empfehlung wieder einmal.

[Siehe auch: Faktenblatt Fettsäuren und MS]


Die Forschungsergebnisse bestätigen den Ansatz durch Ernährung und Nahrungsergänzung, Entzündungen zu bekämpfen und den Krankheitsverlauf, insbesondere den degenerativen Teil, zu stoppen oder zu verlangsamen. Zu den Vorteilen für MS-Patienten gehört die Verringerung von Entzündungen, da Omega-3-Fettsäuren nachweislich Entzündungsmarker senken, was wiederum einige MS-Symptome lindern kann. Außerdem haben Omega-3-Fettsäuren eine modulierende Wirkung auf das Immunsystem. Indem sie die Aktivität von T-Zellen beeinflussen und entzündungsfördernde T-Zellen hemmen, verlangsamen sie das Fortschreiten der Krankheit. Obwohl Omega-3-Fettsäuren kein Allheilmittel sind, kann ihre regelmäßige Einnahme dazu beitragen, die Schwere der Krankheitsschübe zu verringern, die Neurodegeneration aufzuhalten und das allgemeine Wohlbefinden von MS-Patienten zu verbessern.

Fazit und Schlussfolgerungen

Omega-3-Fettsäuren bieten also vielversprechende Vorteile bei der Behandlung von Entzündungen, insbesondere bei Autoimmunerkrankungen wie der Multiplen Sklerose. Erkenntnisse zeigen, dass der Verzehr von Omega-3-reichen Nahrungsmitteln, wie fettem Fisch, oder die Einnahme von Omega-3-Präparaten eine zugängliche Möglichkeit ist, die Behandlung von MS zu unterstützen. MS-Betroffenen empfehlen wir seit langem, sich auf die Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren zu konzentrieren und die Aufnahme von Omega-6-Fettsäuren, insbesondere aus verarbeiteten Lebensmitteln und raffinierten Ölen, zu reduzieren. Eine zielgerichtete Ernährung, die reich an Omega-3 und arm an entzündungsfördernden Omega-6-Fettsäuren ist, hilft, Entzündungen zu verringern, Neurodegeneration zu stoppen und das Immunsystem zu stärken, was im Umgang mit MS entscheidend ist. Omega-3-Fettsäuren sind somit ein wertvoller Bestandteil der MS-Behandlungsstrategie,.

Lesen Sie auch den themenverwandten, aktuellen Beitrag bei unserem Schwesterprojekt, der NährstoffAllianz:

Die Anti-Entzündungsformel: Entzündungsfaktor FETT!?

Bildnachweis

Foto von Fredrik Öhlander auf Unsplash

Referenz

[1] Poggioli R, Hirani K, Jogani VG, Ricordi C. Modulation of inflammation and immunity by omega-3 fatty acids: a possible role for prevention and to halt disease progression in autoimmune, viral, and age-related disorders. Eur Rev Med Pharmacol Sci. 2023 Aug;27(15):7380-7400. doi: 10.26355/eurrev_202308_33310. PMID: 37606147. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37606147/


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Die wichtige Rolle der Propionsäure bei der Behandlung von Multipler Sklerose

Über das Thema Propionsäure haben wir schon verschiedentlich berichtet [1], [2]. Eine aktuelle Studie (Juni 2024) unterstreicht wieder einmal unsere Empfehlungen zur Supplementation mit Propionsäure [3].

Studienhintergrund

Wie unsere Leser wissen, ist Multiple Sklerose (MS) eine schwerwiegende Autoimmunerkrankung, die das zentrale Nervensystem angreift und zu Neurodegeneration und dem Verlust neurologischer Funktionen führen kann. Die derzeitigen Behandlungen zielen hauptsächlich auf das Immunsystem ab, um die Entzündung zu verringern, sind aber nur eingeschränkt wirksam, um das Fortschreiten der Krankheit zu verhindern. Forscher untersuchen weiterhin alternative Ansätze zur Behandlung der MS, darunter die Auswirkungen der Ernährung und des Darmmikrobioms auf MS. Ein Bereich von besonderem Interesse ist der potenzielle therapeutische Nutzen von kurzkettigen Fettsäuren (SCFAs), wie z. B. Propionsäure, die von der Darmmikrobiota über Fermentation aus Nahrungsfasern (Ballaststoffen) produziert werden.

Methodik der Studie

Die Studie wurde von einem Forscherteam der Ruhr-Universität Bochum in Deutschland durchgeführt, zu dem Experten aus den Bereichen Neurologie, Molekularmedizin und Virologie gehörten. Das Team wurde von Dr. Aiden Haghikia geleitet und umfasste Beiträge von mehreren anderen Forschern mit dem gemeinsamen Ziel, neue Behandlungsmöglichkeiten für neurodegenerative Krankheiten wie MS zu finden. Die Forscher konzentrierten sich darauf, zu verstehen, wie Propionsäure die Erholung von Neuronen bei Menschen mit MS beeinflusst. Sie verwendeten ein Labormodell, das MS nachahmt, indem sie Neuronen, die aus Stammzellen von Menschen mit MS stammen, schädigten. Diese geschädigten Neuronen wurden dann mit Propionsäure behandelt, um die Auswirkungen auf ihre Regenerationsfähigkeit zu beobachten.

Studienergebnisse

Die Ergebnisse zeigten, dass Propionsäure die Erholung und das Nachwachsen von Neuriten (die Fortsätze von Nervenzellen, die Signale übertragen) in den geschädigten Neuronen deutlich fördert. Die Studie zeigte, dass dabei Propionsäure durch die Aktivierung spezifischer Rezeptoren auf den Neuronen und durch die Hemmung von Enzymen wirkt, die ansonsten die Erholung der Neuronen verlangsamen würden. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass das Vorhandensein einer anderen SCFA, der Buttersäure, die Wirkung der Propionsäure verstärkt und die Regeneration der Neuronen weiter verbessert.

Konsequenzen für Menschen mit Multipler Sklerose

Für MS-Betroffene bieten diese Ergebnisse eine weitere Grundlage für die eigenverantwortliche Behandlung der MS. Die Studie legt nahe, dass eine Nahrungsergänzung mit Propionsäure, möglicherweise in Kombination mit anderen SCFAs wie Buttersäure, die Erholung der Neuronen unterstützen und das Fortschreiten der Neurodegeneration verlangsamt. SCFAs wie Propionsäure werden im Darm produziert, wenn bestimmte Arten von Ballaststoffen von nützlichen Bakterien fermentiert werden. Daher kann der Verzehr von ballaststoffreichen Nahrungsmitteln, insbesondere von Obst (Äpfel, Bananen), Gemüse (Wurzelgemüse, Zwiebeln, Brokkoli, Kohl und andere Kreuzblütler), Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten aus Hafer und Gerste sowie resistenter Stärke (abgekühlter Reis und abgekühlte Kartoffeln) den Gehalt an SCFAs im Körper auf natürliche Weise erhöhen. Dieser Ansatz bietet einen weiteren Mosaikstein zur Bewältigung der MS, indem er nicht nur auf das Immunsystem, sondern auch auf die Regenerationsfähigkeit des zentralen Nervensystems abzielt.

Schlussfolgerung

Durch die Fähigkeit zur Förderung der Erholung der Nervenzellen sollte Propionsäure ein wichtiger Bestandteil einer umfassenden und selbstverantwortlichen Behandlungsstrategie für MS sein. Durch geeignete Nahrungsbestandteile und/oder die Supplementierung mit Propionsäure als Nahrungsergänzungsmittel werden die natürlichen Reparaturprozesse des Nervensystems ohne Nebenwirkungen und Risiken unterstützt. Die empfohlene Dosis für die Supplementierung mit Propionsäure beträgt 2 x 500 mg täglich.


Bildquelle

Einkaufskorb, gefüllt mit verschiedenen Lebensmitteln, die die Darmgesundheit fördern. Bild erstellt mit DALL-E am 31. August 2024.

Referenzen

[1] Die kurzkettige Propionsäure beweist erneut ihr Potential in der MS-Behandlung | Life-SMS (lifesms.blog)

[2] Bakterien gegen Osteoporose? | Life-SMS (lifesms.blog)

[3] Gisevius B, Duscha A, Poschmann G, Stühler K, Motte J, Fisse AL, Augustyniak S, Rehm A, Renk P, Böse C, Hubert D, Peters K, Jagst M, Gömer A, Todt D, Bader V, Tokic M, Hirschberg S, Krogias C, Trampe N, Coutourier C, Winnesberg C, Steinmann E, Winklhofer K, Gold R, Haghikia A. Propionic acid promotes neurite recovery in damaged multiple sclerosis neurons. Brain Commun. 2024 Jun 3;6(3):fcae182. doi: 10.1093/braincomms/fcae182. PMID: 38894951; PMCID: PMC11184351.


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Künstliche Intelligenz – ein vielversprechender Einsatz bei Multipler Sklerose? (2. Teil)

von Kirsten 

Während wir uns in Teil 1 dieses Artikels mit den Grundlagen der KI und der Anwendung in Bezug auf die Bewertung des Erkrankungsrisikos, genetischer Muster und der Interpretation von Biomarkern beschäftigt haben, widmen wir uns im Folgenden klassischen Mustererkennungsaufgaben. 

Bilderkennung bei MRT-Aufnahmen von Nervengewebe («Neuroimaging») 

Mit der Bilderkennung ist es z.B. möglich, dass der Computer selbstständig erkennt, ob auf einem Bild ein Hund oder eine Katze abgebildet ist. Mit gut trainierten neuronalen Netzen ist es auch möglich, Unterscheidungen zwischen Bildern vorzunehmen, die für Menschen schwieriger zu erkennen sind – wie z.B. bei MRT-Aufnahmen.  

Bei der Diagnose von MS werden seit mehr als 20 Jahren MRT-Aufnahmen von Nervengewebe (Hirn, Rückenmark) miteinbezogen. Weisen diese Aufnahmen einige Kriterien auf, die vor einiger Zeit von McDonald definiert wurden, scheint eine MS-Erkrankung naheliegend [16],[17]. Generell sollten Auffälligkeiten in den MRT-Aufnahmen von anderen (demyelinisierenden) Krankheitsbildern gegenüber einer MS-Erkrankung abgegrenzt werden. Die Auswertung der MRT-Aufnahmen erfolgte bisher durch Radiologen bzw. geschulte Neurologen. 

Bei der Magnetresonanztomographie (MRT, MRI, Kernspin) wird im Allgemeinen ein Magnetfeld angelegt, um vor allem wasserstoffhaltige – und somit vor allem wasserhaltige (also tendenziell weiche) – Gewebe bildlich darzustellen [18]. Entzündetes (wasserreiches) oder vernarbtes (wasserarmes) Gewebe wird folglich anders abgebildet als gesundes Gewebe – und ermöglicht hierdurch die Diagnose von Erkrankungen. Die Bildgebung selbst findet in mehr oder weniger kontrastreichem Schwarz-Weiß statt und beinhaltet somit lediglich Graustufen zur Differenzierung. 

Künstliche Intelligenz kann im Neuroimaging prinzipiell auf verschiedene Weise angewendet werden, wie z.B.: 

  1. MRT-Bilder können von neuronalen Netzen automatisch so verarbeitet werden, dass sie selbstständig Auffälligkeiten auf den Bildern kontrastreicher darstellen. Somit könnte die anschließende manuelle Auswertung dem Arzt erleichtert werden. 
  1. Neuronale Netze könnten selbst auswerten, wie viele Läsionen vorhanden sind und deren Größe ermitteln. Diese numerischen Daten könnte der Arzt entsprechend für eine Diagnose heranziehen, ohne selbst manuell zählen und ausmessen zu müssen. 
  1. MRT-Bilder können von künstlichen neuronalen Netzen selbst insoweit analysiert werden, dass diese selbstständig eine Diagnose stellen könnten. Ist aber ethisch betrachtet kaum einsetzbar. 

Im Hinblick auf die MS-Diagnose braucht es zusätzlich zu den MRT-Aufnahmen auch MS-spezifische Symptome. Sind Läsionen z.B. im Hirn entdeckt worden, ohne dass der Patient MS-typische Beschwerden hat, wird dies als Klinisch Isoliertes Syndrom betrachtet [19]. Dies könnte ein Hinweis auf eine MS-Erkrankung im frühen Stadium darstellen und wäre daher im Bereich der Früherkennung denkbar.  

Hat ein Patient (ohne MS-Diagnose) allerdings keine MS-typischen Beschwerden, die MRT-Aufnahmen veranlassen würden, könnten vorhandene Läsionen nicht erkannt werden. Eine Rolle der KI in der Früherkennung mittels MRT-Aufnahmen erscheint in einem solchen Fall eher unwahrscheinlich, denn kostspielige MRT-Aufnahmen werden im klinischen Bereich selten ohne das Vorliegen von Beschwerden erstellt. 

Eine größere Rolle könnte die KI im Bereich Bilderkennung bei der Verlaufskontrolle spielen, indem es die Zunahme von Anzahl und Größe der Läsionen der MRT-Aufnahmen analysiert. Wird die zeitliche Komponente noch mit erfasst – also in welchem Zeitraum zusätzliche / vergrößerte Läsionen entstanden sind – wäre auch eine Prognose über den zukünftigen Verlauf der MS-Erkrankung möglich.  

Allerdings sagt die Zahl oder das Volumen der Läsionen oft nur sehr wenig über den Krankheitsverlauf aus; siehe: https://lsms.dsgip.de/ms-intro/mrt/ 

Spracherkennung («Speech Recognition») 

Mithilfe der KI ist es prinzipiell auch möglich, die Sprech-Fähigkeit zu analysieren [20]. Manche MS-Erkrankte zeigen Auffälligkeiten in verschiedensten Aspekten, die zur Sprachbildung beitragen, wie z.B. Atmung, Phonation (Erzeugen von Sprachtönen in den Stimmlippen), Prosodie (z.B. Satzmelodie, Tempo, Rhythmus, Sprechpausen), Artikulation (z.B. abgehackte, unpräzise, monotone oder stakkatoartige Aussprache von Wörtern) sowie Resonanz (Klarheit und Lautstärke des Gesagten) [21].  

Früher wurden Sprachschwierigkeiten mittels Sprachtests ausgewertet, bei dem der Zuhörer (z.B. Arzt) Punkte anhand einer Skala bezüglich verschiedener Sprechkomponenten vergeben hat [22],[23]. Mit KI hingegen ist es möglich, deutlich schnellere, standardisierte (und somit vergleichbarere) sowie automatisierte Analysen hinsichtlich verschiedenster Komponenten gleichzeitig vorzunehmen. Diese Analysen könnten in höherem Detailierungsgrad durchgeführt werden, als das bisher mit Skalenwerten von z.B. 0 bis 10 der Fall wäre.  

Wie bei der Bilderkennung wären auch hier verschiedene Set-Ups denkbar. So könnte die KI z.B. «nur» die Art und Häufigkeit der Auffälligkeiten als Zahlenwerte ausgeben und somit die Grundlage für eine manuelle Diagnose des Arztes darstellen. Es wäre aber prinzipiell auch denkbar, dass die KI selbst die Schwere der Sprech-Schwierigkeiten anhand der ermittelten Kriterien einstuft.  

Generell sei erwähnt, dass Sprech-Schwierigkeiten nach bisherigem Verständnis vor allem in einem späteren Krankheitsstadium bzw. mit höherer körperlicher Beeinträchtigung vorzufinden sind [24]. Im Bereich MS-Diagnostik würde nach derzeitigem Stand diese Analyse zur Diagnosestellung somit weniger hilfreich erscheinen. Sie wäre eher beim Monitoring des Krankheitsverlaufs (ebenso wie bei anderen neurologischen Erkrankungen wie Demenz oder Parkinson) einsetzbar. Doch wenn die Sprachschwierigkeiten tendenziell erst in einem weiter fortgeschrittenerem Stadium eintreten, ist fraglich, ob das Sprach-Monitoring hier noch einen großen Nutzen bringt. Zukünftige Studien könnten aber durchaus zeigen, dass für den Menschen nicht hörbare Unterschiede von einer KI durchaus frühzeitig detektierbar wären und deren Einsatz demzufolge auch zu einem früheren Zeitpunkt sinnvoll erscheinen könnte. 

Sprachanalyse wird bei MS derzeit u.a. in der Forschung eingesetzt, um Zusammenhänge von Sprache, Denken, Depressionen und Müdigkeit zu untersuchen [25], [26]. Es ist also ein Puzzlestück, das mittels Analyse durch KI zum besseren Verständnis der Erkrankung und dessen Verlauf beiträgt.  

Ganganalyse 

In Rahmen der Ganganalyse können z.B. Schrittlänge, Gehgeschwindigkeit, Schrittfrequenz, Gelenkwinkel und Muskelaktivität untersucht werden [27]. Man könnte hierfür prinzipiell folgende Daten heranziehen [28]: 

  1. Daten aus Videosequenzen (zur Bewegungsanalyse im Hinblick auf Zeit und Raum) 
  1. Daten von tragbaren Sensoren (zur Analyse von Geschwindigkeit, Beschleunigung, Orientierung) 
  1. Daten von Sensoren am Boden (zur Belastungsanalyse des Körpergewichts auf die Füße bzw. der Füße auf den Boden) 

Eine KI könnte den Gang eines Menschen detaillierter analysieren, als dies mittels Skalen (z.B. der Expanded Disability Status Scale [29]) möglich wäre. Zudem könnten auch kleinste Gangunsicherheiten von der KI entdeckt werden, die dem Blick eines Menschen möglicherweise nicht sofort auffallen würden. Auch hierfür braucht es einiges an Trainingsdaten (z.B. Videosequenzen, Sensordaten) von verschiedenen Probanden.  

In der Forschung werden z.B. Daten von «Wearables» (z.B. Fitnessarmbänder oder Ähnliches), also Sensordaten, genutzt, um mittels KI z.B. das Sturzrisiko von MS-Patienten zu analysieren und somit die Grundlage für Sturzpräventions-Maßnahmen zu schaffen [30]. Daten aus komplexeren Ganganalyse-Systemen, die bereits im klinischen Bereich eingesetzt werden, wurden ebenfalls im Rahmen einer Studie mittels KI verarbeitet. Diese zeigten sogar, dass KI bereits pathologische Gehmuster in einer frühen Erkrankungsphase der MS erkennen kann [31]. Der unterstützende Einsatz der KI im klinischen Bereich wäre hier durchaus denkbar.  

Textbasierte Kommunikation («Natural Language Processing») 

Chatbots wie ChatGPT oder LLaMA nutzen künstliche Intelligenz in Form von Natural Language Processing (NLP). Durch NLP soll ein Computer in der Lage sein, menschliche Sprache zu verstehen, zu interpretieren und entsprechenden Output zu generieren. Dieser Output könnte z.B. die Antwort auf eine Frage sein oder auch ein Arztbrief, der aus den Befund-Daten automatisch generiert wird. Diese Technologie könnte also auf beiden Seiten genutzt werden – vom Patienten zur Informationsbeschaffung sowie vom Arzt bzw. dem Gesundheitssystem zum Patientenmanagement.  

Gerade der Bereich der Schulmedizin ist von Zeitmangel geprägt [32]. Da erscheint die Möglichkeit, dass sich der Patient selbst umfassend über seine Erkrankung sowie schulmedizinische und alternative Behandlungsmöglichkeiten informieren kann, zunächst sinnvoll. Es stellt somit einen Baustein zur Selbstfürsorge (Self-Care) und damit der Gesundheitsförderung dar, da der Patient durch Informationen unterstützt werden kann, sich um seine eigene physische und psychische Gesundheit zu kümmern. Die Nutzung von NLP soll hierbei nicht den Arzt ersetzen, kann aber als unterstützendes Medium fungieren. Es muss allerdings berücksichtig werden, dass es bisher keine ausreichende Qualitätssicherung in diesem Bereich gibt, die korrekte Information / Antworten zu den angefragten Themen garantieren kann. Seitens des Gesundheitssystems gibt es bereits digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) für MS-Erkrankte wie «elevida» [33] oder «levidex» [34], die vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte angeboten werden und vom Arzt verordnet werden können. Diese Anwendungen wurden von einer Firma erstellt, die auch künstliche Intelligenz nutzt, um zumindest den klinischen Benefit ihrer Apps für den Patienten zu verbessern [35], nicht aber um die bestmöglichen Antworten schnell aus dem Internet via NLP bereitzustellen. 

NLP kann auch eingesetzt werden, um das zeitaufwändige Schreiben von Dokumenten wie z.B. Arztbriefen zu automatisieren. Das Fraunhofer Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS entwickelt hierfür einen Arztbriefgenerator, der bis Ende 2024 auf den Markt kommen soll [36]. Für die Zukunft erwartet man außerdem, dass mittels NLP-Daten jeglicher Art (z.B. tabellarische Daten wie Laborwerte; MRT-Bilder) automatisch und im Kontext interpretiert werden können. 

Medizinprodukte 

Bis heute sind die genauen Ursachen bzw. deren Zusammenspiel und Mechanismen der MS nicht genau bekannt, was die Entwicklung MS-spezifischer Medikamente erschwert. Insbesondere vor dem Hintergrund der multifaktoriellen Natur der MS sind Versuche, das «eine Medikament für alle» zu finden, von vornherein zum Scheitern verurteilt. Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, die Ursachen zu identifizieren und dadurch das Designen neuer Medikamente bzw. Behandlungsansätze zu unterstützen. Es wäre zudem möglich, mittels Einsatzes von KI die Effizienz von (neuen) Medikamenten bzw. deren Nebenwirkungen abschätzen zu können. Und sogar das Design neuer Wirkstoffmoleküle könnte von einer KI ermittelt werden.  

In Anbetracht der erfolgsversprechenden neuen Technologie haben sogar die Regulationsbehörden verschiedener Gebiete / Länder (FDA, EMA, BfArM) den Einsatz künstlicher Intelligenz für bestimmte Medizinprodukte zugelassen [37], [38], [39]. Nicht nur für die Entwicklung neuer Medizinprodukte, sondern auch zum Vermeiden von Lieferengpässen soll künftig KI unterstützend eingesetzt werden [40]. 

Fazit 

Die genauen Ursachen der Multiplen Sklerose sind bis heute noch nicht geklärt [41]. Auch Zusammenhänge im Hinblick auf den Schweregrad der Erkrankung sind nicht bekannt. Gerade hier kann die künstliche Intelligenz helfen, bessere Einblicke und somit ein umfassenderes Verständnis für die MS-Erkrankung zu erlangen. Voraussetzung ist allerdings, dass hierfür entsprechende Daten zur Verfügung stehen bzw. zugänglich sind. Wird an etwas nicht im Kontext mit MS geforscht bzw. bestimmte Daten nicht im Kontext mit MS erhoben, kann auch eine KI nicht alle Rätsel der MS-Erkrankung entschlüsseln. Zudem ist sowohl beim Einsatz künstlicher als auch menschlicher Intelligenz darauf zu achten, Daten richtig zu interpretieren und nicht aus einem Indiz falsche Schlüsse zu ziehen. 

Der Einsatz von KI im klinischen Bereich soll nach derzeitigem Wissensstand v.a. unterstützend stattfinden. Gerade zur Verlaufskontrolle wäre der Einsatz von KI bei der Auswertung von MRT-Aufnahmen sowie Sprachfunktionstests und Ganganalysen gut geeignet – um auch bereits kleine Verschlechterungen oder Verbesserungen besser erkennen zu erkennen. Großes Potenzial gibt es auch zur Erkennung verlässlicher Biomarker, um möglicherweise ein Vorliegen sowie den Verlauf der Erkrankung bereits am Blutbild erkennen zu können – und somit im besten Fall auf invasive sowie zeitaufwändige (und somit meist auch kostenintensive) Untersuchungsmethoden verzichten zu können). 

Inwieweit sämtliche Forschungsfelder der Künstlichen Intelligenz bei MS tatsächlich zukünftig im klinischen Bereich Anwendung finden werden, ist nicht nur eine Frage der Zuverlässigkeit der KI. Gerade im Gesundheitsbereich müssen (gemäß gesetzlicher Richtlinien) potenzielle Risiken durch den Einsatz der KI vorab abgeklärt werden. Auch hinsichtlich der Kostenfrage (z.B. durch die Krankenkasse) und dem Datenschutz wird es noch Klärungsbedarf geben. Allgemeine Vorschläge zum Einsatz von KI in der Klinik wurden bereits erarbeitet [42]. 

Referenzen 

[1] ‘Künstliche Intelligenz’, Wikipedia. May 23, 2024. Accessed: May 25, 2024. [Online]. Available: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=K%C3%BCnstliche_Intelligenz&oldid=245234182 
[2] D. Ä. G. Ärzteblatt Redaktion Deutsches, ‘Künstliche Intelligenz: Ethikrat empfiehlt strenge Vorgaben in der Medizin’, Deutsches Ärzteblatt. Accessed: May 25, 2024. [Online]. Available: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/141824/Kuenstliche-Intelligenz-Ethikrat-empfiehlt-strenge-Vorgaben-in-der-Medizin 
[3] S. Beck, M. Faber, and S. Gerndt, ‘Rechtliche Aspekte des Einsatzes von KI und Robotik in Medizin und Pflege’, Ethik Med., vol. 35, no. 2, pp. 247–263, Jun. 2023, doi: 10.1007/s00481-023-00763-9. 
[4] ‘Ethikrat: Künstliche Intelligenz darf menschliche Entfaltung nicht vermindern’. Accessed: May 25, 2024. [Online]. Available: https://www.ethikrat.org/mitteilungen/mitteilungen/2023/ethikrat-kuenstliche-intelligenz-darf-menschliche-entfaltung-nicht-vermindern/?cookieLevel=not-set 
[5] ‘Künstliche Intelligenz: Diese Regeln fordern Ethik-Experten’, ZDFheute. Accessed: May 25, 2024. [Online]. Available: https://www.zdf.de/nachrichten/politik/ki-regeln-gesetz-ai-act-eu-ethik-experten-100.html 
[6] S. Ghafouri-Fard, M. Taheri, M. D. Omrani, A. Daaee, and H. Mohammad-Rahimi, ‘Application of Artificial Neural Network for Prediction of Risk of Multiple Sclerosis Based on Single Nucleotide Polymorphism Genotypes’, J. Mol. Neurosci., vol. 70, no. 7, pp. 1081–1087, Jul. 2020, doi: 10.1007/s12031-020-01514-x. 
[7] Y. Naji, M. Mahdaoui, R. Klevor, and N. Kissani, ‘Artificial Intelligence and Multiple Sclerosis: Up-to-Date Review’, Cureus, vol. 15, no. 9, p. e45412, doi: 10.7759/cureus.45412. 
[8] J. Lin and K. Y. Ngiam, ‘How data science and AI-based technologies impact genomics’, Singapore Med. J., vol. 64, no. 1, pp. 59–66, Jan. 2023, doi: 10.4103/singaporemedj.SMJ-2021-438. 
[9] W. Barrie et al., ‘Elevated genetic risk for multiple sclerosis emerged in steppe pastoralist populations’, Nature, vol. 625, no. 7994, pp. 321–328, Jan. 2024, doi: 10.1038/s41586-023-06618-z. 
[10] M. Hartmann, N. Fenton, and R. Dobson, ‘Current review and next steps for artificial intelligence in multiple sclerosis risk research’, Comput. Biol. Med., vol. 132, p. 104337, May 2021, doi: 10.1016/j.compbiomed.2021.104337. 

[11] A. Jafari, A. Babajani, and M. Rezaei-Tavirani, ‘Multiple Sclerosis Biomarker Discoveries by Proteomics and Metabolomics Approaches’, Biomark. Insights, vol. 16, p. 11772719211013352, Jan. 2021, doi: 10.1177/11772719211013352. 
[12] J. Lötsch et al., ‘Machine-learning based lipid mediator serum concentration patterns allow identification of multiple sclerosis patients with high accuracy’, Sci. Rep., vol. 8, no. 1, p. 14884, Oct. 2018, doi: 10.1038/s41598-018-33077-8. 
[13] N. Ziliotto et al., ‘Coagulation Factor XII Levels and Intrinsic Thrombin Generation in Multiple Sclerosis’, Front. Neurol., vol. 9, p. 245, Apr. 2018, doi: 10.3389/fneur.2018.00245. 
[14] K. Göbel et al., ‘Prothrombin and factor X are elevated in multiple sclerosis patients’, Ann. Neurol., vol. 80, Oct. 2016, doi: 10.1002/ana.24807. 
[15] F. Nabizadeh et al., ‘Artificial intelligence in the diagnosis of multiple sclerosis: A systematic review’, Mult. Scler. Relat. Disord., vol. 59, p. 103673, Mar. 2022, doi: 10.1016/j.msard.2022.103673. 
[16] W. I. McDonald et al., ‘Recommended diagnostic criteria for multiple sclerosis: Guidelines from the international panel on the diagnosis of multiple sclerosis’, Ann. Neurol., vol. 50, no. 1, pp. 121–127, 2001, doi: 10.1002/ana.1032. 
[17] C. H. Polman et al., ‘Diagnostic criteria for multiple sclerosis: 2010 Revisions to the McDonald criteria’, Ann. Neurol., vol. 69, no. 2, pp. 292–302, Feb. 2011, doi: 10.1002/ana.22366. 
[18] ‘Wie funktioniert eine MRT? | Stiftung Gesundheitswissen’. Accessed: May 03, 2024. [Online]. Available: https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/gesundes-leben/koerper-wissen/was-ist-eine-magnetresonanztomographie-mrt 
[19] Y. Hou, Y. Jia, and J. Hou, ‘Natural Course of Clinically Isolated Syndrome: A Longitudinal Analysis Using a Markov Model’, Sci. Rep., vol. 8, no. 1, p. 10857, Jul. 2018, doi: 10.1038/s41598-018-29206-y. 
[20] E. Svoboda et al., ‘Assessing clinical utility of machine learning and artificial intelligence approaches to analyze speech recordings in multiple sclerosis: A pilot study’, Comput. Biol. Med., vol. 148, p. 105853, Sep. 2022, doi: 10.1016/j.compbiomed.2022.105853. 

[21] F. J. F. Gerald, B. E. Murdoch, and H. J. Chenery, ‘Multiple Sclerosis: Associated Speech and Language Disorders’, Aust. J. Hum. Commun. Disord., Dec. 1987, doi: 10.3109/asl2.1987.15.issue-2.02. 
[22] ‘GRBAS.pdf’. Accessed: May 03, 2024. [Online]. Available: https://www.pucsp.br/laborvox/dicas_pesquisa/downloads/GRBAS.pdf 
[23] P. Plotas et al., ‘Speech deficits in multiple sclerosis: a narrative review of the existing literature’, Eur. J. Med. Res., vol. 28, no. 1, p. 252, Jul. 2023, doi: 10.1186/s40001-023-01230-3. 
[24] G. Noffs et al., ‘Speech metrics, general disability, brain imaging and quality of life in multiple sclerosis’, Eur. J. Neurol., vol. 28, no. 1, pp. 259–268, 2021, doi: 10.1111/ene.14523. 
[25] ‘Premiere: MS-Zentrum nutzt Sprachtests als digitale Biomarker’. Accessed: May 03, 2024. [Online]. Available: https://www.uniklinikum-dresden.de/de/presse/aktuelle-medien-informationen/premiere-ms-zentrum-nutzt-sprachtests-als-digitale-biomarker 
[26] ‘Zentrum für klinische Neurowissenschaften Dresden – Sprachanalyse’. Accessed: May 03, 2024. [Online]. Available: https://msz.uniklinikum-dresden.de/studien/sprachanalyse 
[27] ‘Ganganalyse’, Wikipedia. Jan. 16, 2024. Accessed: May 25, 2024. [Online]. Available: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Ganganalyse&oldid=241237575 
[28] A. S. Alharthi, S. U. Yunas, and K. B. Ozanyan, ‘Deep Learning for Monitoring of Human Gait: A Review’, IEEE Sens. J., vol. 19, no. 21, pp. 9575–9591, Nov. 2019, doi: 10.1109/JSEN.2019.2928777. 
[29] J. F. Kurtzke, ‘Rating neurologic impairment in multiple sclerosis’, Neurology, vol. 33, no. 11, pp. 1444–1444, Nov. 1983, doi: 10.1212/WNL.33.11.1444. 
[30] B. M. Meyer et al., ‘Wearables and Deep Learning Classify Fall Risk From Gait in Multiple Sclerosis’, IEEE J. Biomed. Health Inform., vol. 25, no. 5, pp. 1824–1831, May 2021, doi: 10.1109/JBHI.2020.3025049. 

[31] K. Trentzsch et al., ‘Using Machine Learning Algorithms for Identifying Gait Parameters Suitable to Evaluate Subtle Changes in Gait in People with Multiple Sclerosis’, Brain Sci., vol. 11, no. 8, Art. no. 8, Aug. 2021, doi: 10.3390/brainsci11081049. 
[32] M. S. und G. Enwaldt, ‘Ärzte unter Zeitdruck: Medizin im Hamsterrad’, tagesschau.de. Accessed: May 03, 2024. [Online]. Available: https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/arzt-zeitmangel-100.html 
[33] ‘DiGA-Verzeichnis’. Accessed: May 25, 2024. [Online]. Available: https://diga.bfarm.de/de/verzeichnis/00419 
[34] ‘DiGA-Verzeichnis’. Accessed: May 25, 2024. [Online]. Available: https://diga.bfarm.de/de/verzeichnis/00752 
[35] ‘GAIA – Digital Therapeutics | News’, Machine Learning Algorithms Reveal New Insights on GAIA’s Treatment Software. Accessed: May 25, 2024. [Online]. Available: https://gaia-group.com/news/machine-learning-algorithms-reveal-new-insights-on-gaia-treatment-software.html 
[36] ‘Künstliche Intelligenz wird bald Arztbriefe schreiben’, Fraunhofer-Gesellschaft. Accessed: May 25, 2024. [Online]. Available: https://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2023/august-2023/kuenstliche-intelligenz-wird-bald-arztbriefe-schreiben.html 
[37] C. for D. and R. Health, ‘Artificial Intelligence and Machine Learning (AI/ML)-Enabled Medical Devices’, FDA, May 2024, Accessed: May 25, 2024. [Online]. Available: https://www.fda.gov/medical-devices/software-medical-device-samd/artificial-intelligence-and-machine-learning-aiml-enabled-medical-devices 
[38] ‘Reflection paper on the use of artificial intelligence in the lifecycle of medicines | European Medicines Agency’. Accessed: May 25, 2024. [Online]. Available: https://www.ema.europa.eu/en/news/reflection-paper-use-artificial-intelligence-lifecycle-medicines 
[39] ‘Künstliche Intelligenz am Forschungsdatenzentrum im BfArM zur Erforschung von Anonymisierungsmöglichkeiten und AI-readiness (KI-FDZ)’. Accessed: May 25, 2024. [Online]. Available: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/ministerium/ressortforschung/handlungsfelder/digitalisierung/ki-fdz 
[40] ‘BfArM – Pressemitteilungen des BfArM – Big Data gegen Lieferengpässe: BfArM fordert mehr Transparenz von der Pharmaindustrie’. Accessed: May 25, 2024. [Online]. Available: https://www.bfarm.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2021/pm11-2021.html 
[41] ‘Multiple Sklerose’, Wikipedia. May 06, 2024. Accessed: May 25, 2024. [Online]. Available: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Multiple_Sklerose&oldid=244726430 
[42] M. Chen and M. Decary, ‘Artificial intelligence in healthcare: An essential guide for health leaders’, Healthc. Manage. Forum, vol. 33, no. 1, pp. 10–18, Jan. 2020, doi: 10.1177/0840470419873123. 

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KI-generiertes Foto


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