Bewegungsstau durch Hitzestau? Nein danke!

von Kirsten

Das Klima wird wärmer, der Sommer naht endlich, die Temperaturen steigen. Und damit auch die Angst vor dem Uhthoff-Phänomen, das zu einer vorübergehenden Verschlechterung einiger MS-Symptome führen kann.

Als Gegenmaßnahmen wurde bisher u.a. empfohlen, bei sommerlichen Temperaturen Anstrengungen zu vermeiden, Sport eher in der kühleren Jahreszeit auszuüben, die pralle Sonneneinwirkung zu meiden und sich mit Wasser bzw. Kühlkleidung abzukühlen [1], [2]. Klingt zunächst nach guten gemeinten Ratschlägen. Doch bedeuten diese leider auch, dass man sich einschränken soll. Und dass Bewegung bzw. Sport (und damit auch deren Benefits) womöglich zu kurz kommen könnten. Aber muss das wirklich sein? Oder geht das vielleicht auch anders?

Betrachten wir nun die verschiedenen Arten der Thermoregulation, die unser Körper leisten kann – und wie wir diese bei MS für unser Wohlbefinden nutzen können.

Wärmestrahlung

Da gibt es z.B. die Wärmestrahlung, bei der Wärme als Infrarotstrahlung über das Blut zur Haut und somit vom Körperinneren nach Außen abgestrahlt wird. Diese Wärmestrahlung wird u.a. gestört durch hohe Aussentemperaturen. Sowie durch falsche Kleidung, die zu einem Hitzestau zwischen Haut und Kleidung führen kann. Was kann hier Abhilfe schaffen?

Funktionskleidung, die einen Wärmeaustausch mit der Luft ermöglicht und somit einen möglichen Hitzestau reduziert bzw. verhindert.

Auch das Tragen kurzer statt langer Kleidung hat einen positiven Effekt. Gerade die Hautstellen, die viel trainiert werden und somit viel Energie produzieren, sollten nach Möglichkeit frei von Kleidung sein, um vor allem dort die Energie möglichst effizient abstrahlen zu können. So ist es nicht verwunderlich, dass z.B. Muskelshirts keine Ärmel besitzen.

Und schließlich kann Wärme auch gerade dann abgestrahlt werden, wenn eine gute Durchblutung gewährleistet ist – und somit Bewegung auch an warmen Tagen durchaus sinnvoll erscheint – sofern Ihnen dies möglich ist und Sie es nicht übertreiben!

Wärmeleitung

Gemäß den Gesetzen der Physik fließt Wärme immer nur in Richtung niedrigerer Temperatur [3]. Das heißt also, dass wir unsere Körper durch Kontakt mit kalten Gegenständen bzw. Medien durchaus abkühlen können. Der ein oder anderen von Ihnen dürfte in diesem Zusammenhang schon Erfahrungen mit Kühlkleidung gemacht haben. Forschungen in diesem Bereich belegen tatsächlich eine Reduktion der Fatigue und damit eine gesteigerte Leistungsfähigkeit [4], [5]. Trotz einer Vielzahl an wissenschaftlichen Belegen für die Wirksamkeit von Kühlkleidung bei MS, kann man diese bisher leider nicht auf Kosten der Krankenkassen verordnet bekommen. Bestrebungen dies zu ändern, gibt es bereits seit vielen Jahren [6]. Sollten Sie sich Kühlkleidung anschaffen wollen, achten Sie bitte darauf, dass diese weitestgehend luftdurchlässig ist und nicht zu einem Hitzestau (siehe vorheriges Kapitel) führt. Kühltücher z.B. für Arme, Nacken oder Stirn können hier durchaus eine wohltuende Wirkung zeigen. Leider sind einige Kühlkleidungen eher für Motorradfahrer konzipiert als für MS-Erkrankte. Sie setzen z.B. bei Kühlwesten eher auf die Verdunstungskälte (siehe nächstes Kapitel) durch den Fahrtwind und sind somit für MS-Hitzegeplagte ohne äussere sowie genügende Windeinwirkung weniger empfehlenswert.

Sie können sich natürlich auch abkühlen, indem Sie hin und wieder kaltes Wasser über die Hände laufen lassen oder ein kaltes Fußbad nehmen (sofern Sie nicht zu Blasenentzündungen neigen oder akut daran leiden). Selbst das Kneippsche Unterarmbad hat hier einen positiven Effekt, eben auch weil es neben dem kühlenden Effekt des Wassers die Durchblutung und somit die Wärmeabstrahlung fördert (siehe vorheriges Kapitel). Auch Barfußlaufen auf kalten Böden (sofern Sie keine Blasenentzündung haben bzw. dazu neigen) kann helfen, eine übermässige innere Hitze zu vermeiden bzw. zu reduzieren. Bei stärkerer körperlicher Belastung sollte allerdings von Barfussaktivitäten abgesehen werden, um andere Gelenke (wie z.B. die Kniee) nicht übermäßig zu strapazieren.

Schließlich können Sie Bewegung/Sport in kühlen Medien ausführen. Also kann Bewegung/Sport in Innenräumen durch den Einsatz von Ventilatoren angenehmer gestaltet werden. Und gerade im Sommer ist das Schwimmen im kühlen Nass eine effektive Massnahme, um Überhitzung wenigstens zeitweise gut zu vermeiden und dennoch die Muskulatur sanft zu lockern.

Schwitzen

Durch Schwitzen gelangt ein wässriges Sekret aus den Schweißdrüsen an die Hautoberfläche. Verdunstet dieses, empfinden wir dies als Kälte (auch bekannt als Verdunstungskälte). Das Schwitzen wird daher im Allgemeinen als Teil der Thermoregulation unseres Körpers betrachtet, die die Temperatur im Körperinneren möglichst konstant halten soll.

Allerdings zeigen viele MS-Erkrankte eine tendenziell später einsetzende und geringere Schweißproduktion als nicht erkrankte [7]. Man könnte nun schlussfolgern, dass somit auch die Thermoregulation gestört wäre und möglicherweise hierdurch u.a. das Uhthoff-Phänomen begünstigen könnte. Gemäß wissenschaftlichen Studien scheinen allerdings temperatur-induzierte MS-Symptome nicht die Folge einer übermäßigen Erhöhung der inneren Körpertemperatur (Kerntemperatur) aufgrund von Störungen der Thermoregulation zu sein [8], da bei der Kontrollgruppe ein ähnlich großer Temperaturanstieg bei Hitzeeinwirkung zu verzeichnen war. Das verminderte Schwitzen selbst hätte somit also keinen allzu großen Effekt auf die Thermoregulation des Körpers, die hauptsächlich vom Hypothalamus geregelt wird.

Schwitzen hat zudem noch weitere Funktionen, wie z.B. die Regulierung des Salzhaushalts. Neben den Nieren unterstützt also auch die Haut mit ihren Schweißdrüsen die Ausscheidung von Natrium- und anderen Ionen, insbesondere aus dem darunter liegenden Gewebe [9]. Natriumionen spielen bei der Erregung von sensorischen Nerven sowie der Schmerzempfindung eine große Rolle [10]. Eine neurodegenerative Wirkung von erhöhten Natriumkonzentrationen auf Nervenzellen wurde bereits in der wissenschaftlichen Literatur beschrieben [11]. Eine Temperaturerhöhung (z.B. ausgelöst durch Sport/Bewegung) wurde außerdem mit einem erhöhten Natriumtransport ins Axon in Verbindung gebracht – und könnte somit die Verstärkung von MS-Symptomen durch Hitze erklären [11]. Das Ausschwemmen von Natriumionen durch Schwitzen kann folglich eine Übererregung von sensorischen Nerven und somit das Ausmaß des Uhthoff-Phänomens reduzieren [11], [12].

Das Schwitzen scheint also mit der Nervengesundheit und unserem Wohlbefinden in Verbindung zu stehen. Menschen, die wenig schwitzen, profitieren zwar tendenziell weniger von diesem Effekt – aber: Schwitzen ist trainierbar! Regelmäßiger Sport/Bewegung sowie Saunagänge können durchaus dazu beitragen, die Schweißrate langfristig zu erhöhen und somit den wohlbringenden Benefit zu steigern [13]. Achten Sie dabei stets auf eine ausreichende Trinkmenge. Stressen Sie Ihren Körper gerade zu Beginn nicht zu extrem – um das Ausmaß hitzebedingter MS-Symptome nicht unnötig groß werden zu lassen. Versuchen Sie es zunächst mit weniger intensiven Trainingseinheiten bzw. niedertemperierten Sauna und steigern Sie sich mit der Zeit Stück für Stück, soweit es Ihnen möglich ist.

Abkühlung von Innen

Eine weitere vielversprechende und einfache Möglichkeit, um die körperliche/sportliche Belastungsfähigkeit zu steigern, ist die Einnahme von kühlen Getränken. Studienergebnisse zeigen, dass die Belastungsgrenzen durch eisgekühltes Wasser positiv beeinflusst werden können. Probanden konnten durch den Konsum von 1,5 °C kaltem Wasser vor und während des Trainings um 30 % längere Trainingseinheiten absolvieren als die Kontrollgruppe, die 37 °C warmes Wasser eingenommen hatte – ohne dass Körper- und Hauttemperatur sowie Puls beeinflusst wurden [14].

Fazit für den Umgang von MS-Erkrankten mit Sommerhitze

Um den Sommer trotz MS bestmöglich zu genießen und aktiv zu bleiben, ist es wichtig, gezielte Maßnahmen zu ergreifen, die Überhitzung verhindern und das Wohlbefinden fördern. Hier kommt noch einmal die Maßnahmen-Übersicht:

1. Tragen Sie Funktionskleidung, die einen Wärmeaustausch ermöglicht. Kurze, luftdurchlässige Kleidung hilft, Wärme effektiv abzuleiten und einen Hitzestau zu vermeiden.

2. Pfarrer Kneipp lässt grüßen: nutzen Sie kaltes Wasser, um sich abzukühlen. Kühlkleidung, kalte Fußbäder, oder das Einlassen kalten Wassers über die Hände können wohltuend sein. Barfußlaufen auf kühlen Böden kann ebenfalls helfen, sollte aber bei starker körperlicher Belastung zur Schonung der Gelenke vermieden werden.

3. Verlegen Sie sportliche Aktivitäten in kühlere Innenräume und nutzen Sie Ventilatoren. Schwimmen im kühlen Wasser ist besonders effektiv, um Überhitzung zu vermeiden und die Muskulatur zu lockern.

4. Schwitzen kann man trainieren. Regelmäßige Bewegung und Saunagänge können die Schweißabsonderungsrate erhöhen, was die Thermoregulation verbessert. Beginnen Sie mit weniger intensiven Einheiten und steigern Sie sich langsam, sofern Sie Saunagänge vertragen.

5. Trinken Sie gekühlte Getränke vor und während des Trainings, um die Belastungsfähigkeit zu steigern. Dies kann die Trainingsdauer und -intensität erhöhen, ohne die Körpertemperatur zu beeinflussen.

Mit diesen Maßnahmen können MS-Betroffene auch bei sommerlicher Hitze aktiv bleiben und von den positiven Effekten der Bewegung profitieren. Bleiben Sie motiviert und passen Sie die Empfehlungen Ihren individuellen Bedürfnissen an. Denken Sie daran, dass jeder Mensch individuell reagiert. Probieren Sie einzelne Maßnahmen aus, spüren Sie deren Wirkung nach und entscheiden Sie erst dann, ob Sie weitermachen und andere Möglichkeiten hinzufügen oder einzelne ersetzen.


Referenzen

[1]          “Uhthoff-Phänomen,” Wikipedia. Apr. 23, 2021. Accessed: May 18, 2024. [Online]. Available: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Uhthoff-Ph%C3%A4nomen&oldid=211214710

[2]          C. Strasser, “Multiple Sklerose: 10 Gesetze für den Jahrhundertsommer,” Multiple Sklerose Gesellschaft Wien. Accessed: May 18, 2024. [Online]. Available: https://www.msges.at/2019/07/multiple-sklerose-10-gesetze-fuer-den-jahrhundertsommer/

[3]          “Wärmeleitung,” Wikipedia. Mar. 07, 2024. Accessed: May 18, 2024. [Online]. Available: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=W%C3%A4rmeleitung&oldid=242887537

[4]          F. Özkan Tuncay and M. Mollaoğlu, “Effect of the cooling suit method applied to individuals with multiple sclerosis on fatigue and activities of daily living,” J. Clin. Nurs., vol. 26, no. 23–24, pp. 4527–4536, 2017, doi: 10.1111/jocn.13788.

[5]          C. J. Stevens, G. Singh, B. Peterson, N. T. Vargas, and J. D. Périard, “The effect of cooling garments to improve physical function in people with multiple sclerosis: A systematic review and meta-analysis,” Mult. Scler. Relat. Disord., vol. 78, p. 104912, Oct. 2023, doi: 10.1016/j.msard.2023.104912.

[6]          D. Ä. G. Ärzteblatt Redaktion Deutsches, “Multiple Sklerose: Fachgesellschaft befürwortet Kühlkleidung,” Deutsches Ärzteblatt. Accessed: May 18, 2024. [Online]. Available: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/138358/Multiple-Sklerose-Fachgesellschaft-befuerwortet-Kuehlkleidung

[7]          A. Saari et al., “Sweating impairment in patients with multiple sclerosis,” Acta Neurol. Scand., vol. 120, no. 5, pp. 358–363, Nov. 2009, doi: 10.1111/j.1600-0404.2009.01164.x.

[8]          “Blunted sweating does not alter the rise in core temperature in people with multiple sclerosis exercising in the heat | American Journal of Physiology-Regulatory, Integrative and Comparative Physiology.” Accessed: May 18, 2024. [Online]. Available: https://journals.physiology.org/doi/full/10.1152/ajpregu.00090.2020?rfr_dat=cr_pub++0pubmed&url_ver=Z39.88-2003&rfr_id=ori%3Arid%3Acrossref.org

[9]          “Physiology of sweat gland function: The roles of sweating and sweat composition in human health – PMC.” Accessed: May 18, 2024. [Online]. Available: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6773238/

[10]       M. Devor, “Sodium Channels and Mechanisms of Neuropathic Pain,” J. Pain, vol. 7, no. 1, Supplement, pp. S3–S12, Jan. 2006, doi: 10.1016/j.jpain.2005.09.006.

[11]       M. Kanagaratnam, C. Pendleton, D. Souza, J. Pettit, J. Howells, and M. Baker, “Diuretic sensitive electroneutral Na + movement and temperature effects on central axons,” J. Physiol., vol. 595, Feb. 2017, doi: 10.1113/JP273963.

[12]       T. Coates, O. Woolnough, J. Masters, G. Asadova, C. Chandrakumar, and M. Baker, “Acute temperature sensitivity in optic nerve axons explained by an electrogenic membrane potential,” Pflugers Arch., vol. 467, Feb. 2015, doi: 10.1007/s00424-015-1696-2.

[13]       “You can train your sweat glands – News – Maastricht University.” Accessed: May 18, 2024. [Online]. Available: https://www.maastrichtuniversity.nl/news/you-can-train-your-sweat-glands

[14]       G. K. Chaseling, D. Filingeri, M. Barnett, P. Hoang, S. L. Davis, and O. Jay, “Cold Water Ingestion Improves Exercise Tolerance of Heat-Sensitive People with MS,” Med. Sci. Sports Exerc., vol. 50, no. 4, pp. 643–648, Apr. 2018, doi: 10.1249/MSS.0000000000001496.

Allgemeiner Hinweis

Dieser Artikel wurde durch einen Vortrag von Dr. Alexander Tallner inspiriert.


Bildquelle: Foto von Jarosław Kwoczała auf Unsplash


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Permanente Muskelanspannung? Kann man die wegkleben?

von Kirsten

Bild von Angelo Esslinger auf Pixabay

Kennen Sie das? Ihre Muskeln spannen selbst in Ruhe an, obwohl sie das gar nicht sollten? Nicht nur Ihre Muskeln sind unentspannt. Sie insgesamt sind es – eben auch verstärkt durch diese permanente Muskelanspannung. Und diese führt u.a. auch immer wieder zu Kopfschmerzen.

Irgendwie läuft da etwas falsch! Irgendetwas sagt meinen Muskeln, dass sie permanent arbeiten müssen. Irgendwas, das unbewusst abläuft. Mir fällt diese Muskelanspannung immer wieder auf und dann kann ich die Muskulatur bis zu einem gewissen Grad bewusst “loslassen”. Das passiert leider nicht bis zum Grad der vollständigen Entspannung. Aber es ist dennoch ein erleichterndes Gefühl. Das Problem hierbei ist allerdings, dass diese Muskelentspannung nur von kurzer Dauer ist und ich unbewusst wieder in dieser permanenten Anspannung ankomme.

Da ich also noch in der Lage bin, die Anspannung bewusst ein wenig zu lösen, sollte ich mir dies zu Nutze machen. Ich muss also etwas finden, das meine Rückmeldung zwischen Muskeln und Hirn ein wenig beeinflussen kann.

Zufällig (und eigentlich auch nicht im Kontext mit MS) bin ich dabei auf Aku-Taping gestossen. Aku-Taping ist eine Weiterentwicklung des kinesiologischen Tapings, das Meridiane und Akupunkturpunkte der traditionell chinesischen Medizin mit einbezieht. Bei dieser Therapie werden spezielle Klebebänder auf bestimmte Körperstellen geklebt. Bei Knieschmerzen z.B. werden in einem bestimmten Muster Klebestreifen entlang des schmerzenden Kniegelenks angebracht und verbleiben dort für einige Tage.

Nun ist MS nicht unbedingt eine Krankheit, die primär zu Knieschmerzen führt. Aber ich muss gestehen, dass die Klebebänder durchaus eine entspannende Wirkung zeigen. Ich habe mir Klebebänder nicht am Knie, sondern im Brust- und Halswirbelbereich anbringen lassen und durfte erstaunt feststellen, dass sich meine unbewusste Muskelanspannung dadurch zeitweise reduziert hat. Und das nicht nur direkt am Rücken, sondern auch darüber hinaus. Denn auch wenn diese Klebestreifen keine tatsächliche Haltefunktion ausüben (wie es bei Stützkorsetts der Fall wäre), hat es dennoch einen positiven Einfluss auf die Muskeln. Irgendwie haben diese Klebebänder (bzw. die überklebten Rezeptoren meiner Haut) meinem Hirn mitgeteilt, dass da etwas ist, was mich “hält”. Das hat wiederum meinen Muskeln suggeriert, dass sie das nicht tun müssen – zumindest nicht in dem bisherigen übermässigen Ausmass.

In wissenschaftlicher Literatur wurde im Kontext mit dem Myofasziales Schmerzsyndrom bereits beschrieben, dass kinesiologisches Taping hilfreich bei Schwellungen und Entzündungen ist, Schmerzen lindert, den Lymphfluss sowie den Blutfluss fördert, Reparaturvorgänge im Gewebe beschleunigen und motorische Funktionen verstärken bzw. vermindern kann [1]. Es wurde ausserdem festgestellt, dass die Position der angebrachten Tapes durchaus Einfluss auf die Effizienz der positiven Wirksamkeit zeigt [2].

Mir persönlich hilft das Aku-Taping immer wieder. Ob andere Taping-Therapien den gleichen Effekt zeigen, wie das Aku-Taping, kann ich nicht sagen. Das habe ich nicht ausprobiert. Es wäre aber denkbar.

Bitte beachten Sie bei dieser Therapie, dass es unterschiedliche Klebebänder (bzw. Hersteller von Klebebändern) gibt, die z.T. unterschiedliche Klebstoffe verwenden und daher unterschiedlich verträglich sein können. Bei einer Sorte z.B. fängt meine Haut nach 2 Tagen an zu jucken. Bei einer anderen Sorte ist dies nicht der Fall.

Meiner Muskulatur helfen diese Klebebänder meist aber auch noch einige Tage länger, also auch nachdem ich die Bänder entfernt habe. Aber leider hält der Effekt nicht auf Dauer an; und so wiederhole ich – gerade in Zeiten verstärkter Muskelanspannung – diese Therapie immer mal wieder.

Leider kann ich mir die Bänder nicht selbst am Rücken anbringen. Das Abziehen hingegen ist mir unter der Dusche (also im nassen Zustand) ohne Hilfe möglich. Was das Anbringen der Bänder betrifft, ist es daher hilfreich, wenn Sie z.B. ein Familienmitglied oder jemand aus Ihrem Freundeskreis mit einbinden können. Es braucht nicht viel Zeit, sollte aber dennoch nach Anleitung (z.B. aus einem Buch) erfolgen. Oder Sie finden einen Therapeuten in Ihrer Nähe, der Taping anbietet.

Hinweise zur Anwendung

Auch wenn Taping grundsätzlich nebenwirkungsfrei ist sollten Sie die folgenden Punkte beachten:

Wenn das Aku-Tape zu straff angelegt wird, kann es zu Durchblutungsstörungen und Verlangsamung des Blutflusses kommen.

  • Bei empfindlicher Haut können Hautreizungen oder Allergien durch den Klebstoff des Tapes auftreten.
  • Eine falsche Anlagetechnik oder zu starke Dehnung des Tapes kann die Bewegungsfreiheit einschränken und Gelenkbewegungen behindern.
  • Bei offenen Wunden oder Infektionen im Anlagebereich ist von einer Anwendung abzuraten, da das Tape die Heilung beeinträchtigen kann.
  • In seltenen Fällen kann es durch die Reizung der Haut zu Muskelverkrampfungen oder Schmerzen kommen.

Bei Auftreten von Beschwerden sollte das Tape umgehend entfernt werden.

Fazit

Heilsame Effekte des kinesiologischen Tapings wurden bereits in wissenschaftlicher Literatur beschrieben. Gerade auf das weit verbreiteten MS-Symptom der erhöhten Muskelanspannung kann es positiven Einfluss nehmen.

Aus dem kinesiologischen Taping wurde außerdem das Aku-Taping entwickelt, das u.a. die Meridiane aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) beim Klebemuster berücksichtigt.

Da das korrekte Positionieren der Tapes die wohlbringende Wirkung verstärkt, sollte das Anbringen durch einen Therapeuten bzw. anhand einer Anleitung erfolgen. Insgesamt kann es sich also für MS-Betroffene mit erhöhter Muskelspannung Taping-Verfahren, insbesondere auch das Aku-Taping, ausprobieren.

Weitere Infos zum Aku-Taping können Sie z.B. den Büchern weiter unten entnehmen: [3],[4],[5]

Referenzen

[1]          A. S. Alqahtani and S. Parveen, ‘Kinesio Taping as a Therapeutic Tool for Masticatory Myofascial Pain Syndrome—An Insight View’, Int. J. Environ. Res. Public. Health, vol. 20, no. 5, p. 3872, Feb. 2023, doi: 10.3390/ijerph20053872.

[2]          G. Öztürk, D. G. Külcü, N. Mesci, A. D. Şilte, and E. Aydog, ‘Efficacy of kinesio tape application on pain and muscle strength in patients with myofascial pain syndrome: a placebo-controlled trial’, J. Phys. Ther. Sci., vol. 28, no. 4, pp. 1074–1079, Apr. 2016, doi: 10.1589/jpts.28.1074.

[3]          H. U. Hecker and K. Liebchen, Aku-Taping – Wirksam bei akuten und chronischen Schmerzen und Beschwerden, vol. 4. Trias Verlag in Georg Thieme Verlag KG, 2019. [Online]. Available: https://shop.thieme.de/Aku-Taping/9783432109473

[4]          H. U. Hecker, K. Liebchen, H. M. Koch, and A. T. Römer, Aku-Taping – Akupunkturpunkte, viszerale und myofasziale Triggerpunkte, vol. 1. Karl F. Haug Verlag, 2014. [Online]. Available: https://shop.thieme.de/Aku-Taping/9783830477877

[5]          ‘Taping für Heilpraktiker | 9783132417007 | Thieme Webshop’, Thieme. Accessed: Mar. 11, 2024. [Online]. Available: https://shop.thieme.de/Taping-fuer-Heilpraktiker/9783132417007


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Wie Vitamin-D bei progressiver MS geschlechterspezifisch unterschiedlich wirkt: Einblicke aus einem Tiermodell

Bei der Behandlung von progressiver MS könnte ein Schlüssel in der Vitamin-D-Supplementierung liegen – doch die Wirkung ist nicht bei allen gleich. Forschungen zeigen, dass Männer und Frauen unterschiedlich darauf reagieren. Dieser Artikel bringt Licht ins Dunkel der geschlechtsspezifischen Unterschiede und erläutert, wie diese Erkenntnisse unser Verständnis und die Behandlung von MS deutlich verbessern könnten

Sonne, fetter Seefisch und Supplemente als Vitamin D-Quellen

Progressive MS und Vitamin-D: Ein Überblick über eine aktuelle Studie

Die Rolle von Vitamin D in der Behandlung von Multipler Sklerose (MS), insbesondere der progressiven Form der Erkrankung, ist ein Forschungsgebiet, das in den letzten Jahren zunehmend Beachtung gefunden hat. Eine jüngst veröffentlichte Studie [1] hebt die Bedeutung von Vitamin D hervor und wirft ein neues Licht auf die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Reaktion auf dieses Vitamin bei progressiver MS.

Progressive bzw. progediente Verlaufsformen der MS (PMS) unterscheiden sich von anderen Formen der MS durch ihren stetigen Verlauf ohne Remissionen, was die Behandlung und das Management der Krankheit erschwert. Vitamin D, das oft als „Sonnenvitamin“ bezeichnet wird, spielt eine wichtige Rolle im Immunsystem und hat entzündungshemmende Eigenschaften, die bei Autoimmunerkrankungen wie MS von Vorteil sind. Wir berichten schon seit Jahren über diese Zusammenhänge.

Geschlechtsspezifische Reaktionen auf Vitamin-D bei progressiver MS

In der Diskussion um geschlechtsspezifische Reaktionen auf Vitamin-D bei der Behandlung von progressiver Multipler Sklerose (MS) bietet die aktuelle Studie aufschlussreiche Daten. Um den Mangel an geeigneten Tiermodellen für PMS zu beheben, hatte das Forschungsteam ein Tiermodell entwickelt, das die zellulären Merkmale der fortschreitenden Krankheitsphase gut nachbildet. Untersucht wurde, wie männliche und weibliche Dark Agouti Ratten, auf Vitamin-D-Supplementierung reagieren.

Die Forscher fanden signifikante Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Tieren. Weibliche Ratten wiesen eine bessere TAC (Total Antioxidative Capacity = Antioxidative Gesamtkapazität) und höhere Mengen an PP (Protektive Polyphenole) auf. Darüber hinaus zeigten weibliche Tiere eine bessere Myelin-Erhaltung, eine geringere Mikroglia-Aktivierung und ein besseres neuronales Überleben, während sie mehr apoptotische Zellen aufwiesen als männliche Ratten.

Infobox

Microglia sind spezialisierte Makrophagen-ähnliche Zellen im Zentralnervensystem (ZNS), die als Immunwächter fungieren. Sie machen etwa 10-15% der Zellen im Gehirn aus. Aktivierte Microglia tragen durch Freisetzung schädlicher Substanzen, Phagozytose und Förderung der Neuroinflammation maßgeblich zur Pathogenese der MS bei. Eine Modulation der Microglia-Aktivierung ist daher ein vielversprechender Ansatz für neue Therapiestrategien.

Phagozytose ist ein aktiver Prozess, bei dem spezialisierte Zellen, sogenannte Phagozyten, feste Partikel, Mikroorganismen oder andere Zellen aus der extrazellulären Umgebung aufnehmen und in ihr Zellinneres transportieren. 

Bei den weiblichen Tieren wurde sogar eine Verzögerung der Erreichung des Höhepunkts der Krankheit festgestellt. Insgesamt profitierten beide Geschlechter von der VD-Supplementierung, was sich in deutlich weniger kortikalen, neuroaxonalen und oxidativen Schäden zeigte. Unerwarteterweise hatten männliche Ratten einen noch höheren Gesamtnutzen, was höchstwahrscheinlich auf Unterschiede in der oxidativen Kapazität und den Abwehrsystemen der beiden Geschlechter zurückzuführen ist.

Diese Ergebnisse unterstützen die Hypothese, dass Vitamin D eine protektive Rolle in der Pathophysiologie der MS spielt, indem es zur Stabilität der Myelinscheiden beiträgt und entzündliche Prozesse im Zentralnervensystem moduliert. Es wirkt also auf Prozesse, die direkt die mit der Progression von MS assoziiert sind.

Eine Aussage, die von Life-SMS schon seit Jahren getroffen wird!

Die Erkenntnisse aus dieser Studie unterstreichen zudem die Notwendigkeit, geschlechtsspezifische Unterschiede in der Behandlung der progressiven MS zu berücksichtigen. Sie werfen auch Licht auf die möglichen Mechanismen, durch die Vitamin D seine Schutzwirkung in männlichen und weiblichen Organismen unterschiedlich entfalten kann. Diese Ergebnisse sind entscheidend für die Entwicklung zukünftiger, personalisierter Therapieansätze, die auf das Geschlecht und individuelle Reaktionen der Patienten abgestimmt sind. Weitere Forschung in diesem Bereich wird dazu beitragen, die Behandlungsmöglichkeiten für alle Betroffenen zu verbessern und zu optimieren.

Fazit

Zusammenfassend gibt die in der Zeitschrift „Nutrients“ veröffentlichte Studie „Sex Differences under Vitamin D Supplementation in an Animal Model of Progressive Multiple Sclerosis“ von Haindl et al. (2024) signifikante Einsichten in die geschlechtsspezifischen Reaktionen auf Vitamin D bei progressiver Multipler Sklerose (MS) und unterstreicht die Bedeutung weiterer Forschung in diesem Bereich. Die Ergebnisse zeigen, dass Vitamin D das Potential hat, neuroprotektive Effekte zu verstärken und die Entzündungsaktivität im Gehirn zu modulieren, was zu einer Verlangsamung der Krankheitsprogression führen kann. Diese Entdeckungen sind besonders wertvoll, da sie dazu beitragen können, die Behandlungsmöglichkeiten für progressive MS zu erweitern und zu personalisieren, indem sie spezifische Unterschiede in der Reaktion auf die Behandlung zwischen den Geschlechtern beleuchten.

Diese Erkenntnisse legen weiter nahe, dass eine patientenspezifische Supplementierung mit Vitamin D in die Behandlungsstrategien für MS integriert werden muss. Die Notwendigkeit für personalisierte Medizin wird immer deutlicher, um die Behandlungsergebnisse zu verbessern und den Betroffenen ein längeres, qualitativ hochwertigeres Leben zu ermöglichen.

Schlussfolgerung für Betroffene

Wir empfehlen daher allen Betroffenen, regelmäßig den Vitamin-D-Spiegel im Blut zu messen und einen Wert von 60 – 90 ng/ml anzustreben. Gerade bei Patienten mit einer progredienten Verlaufsform der MS und insbesondere bei Männern kann dies einen entscheidenden Beitrag zur Stabilisierung des Gesundheitszustandes leisten und eine Verschlechterung vermeiden. Dies gilt aus unserer Sicht vor allem auch mit Blick auf den Übergang von schubförmiger auf sekundär progediente bzw. progressive MS.

Bleiben Sie informiert

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Quelle:

[1] Haindl MT, Üçal M, Tafrali C, Wonisch W, Erdogan C, Nowakowska M, Adzemovic MZ, Enzinger C, Khalil M, Hochmeister S. Sex Differences under Vitamin D Supplementation in an Animal Model of Progressive Multiple Sclerosis. Nutrients. 2024; 16(4):554. https://doi.org/10.3390/nu16040554; https://www.mdpi.com/2072-6643/16/4/554

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Life-SMS und sonst so: Fluorid, der unsichtbare Gegenspieler unserer Intelligenz?

Foto von Priyanka Singh auf Unsplash

An dieser Stelle weisen wir auf aktuelle Beiträge aus dem Netz hin, die einen engen Bezug zu unserem Kernthema lebensstil-orientierte und eigenverantwortliche Behandlung der MS haben. Die dort wiedergegebenen Meinungen dienen als Anregung zur kritischen Auseinandersetzung. Sie entsprechen – außer bei Beiträgen von anderen Projekten der DSGiP – nicht zwingend den von uns vertretenen Positionen, sind aber in allen Fällen eine Bereicherung der Diskussionsgrundlage. Am Ende erwähnen wir zudem aktuelle möglichst frei verfügbare Studien, die unseren Ansatz untermauern. 

Machen Sie sich selbst ein Bild!

Fluorid: Der unsichtbare Gegenspieler unserer Intelligenz? [nährstoffallianz.dsgip.de; 7.3.2024]

Fluorid, ein Element, das in der Natur, in unserer Nahrung und im Trinkwasser vorkommt, ist seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der Zahnpflege. Seine Fähigkeit, Karies vorzubeugen und den Zahnschmelz zu stärken, ist unbestritten. Doch hinter dieser scheinbar wohltätigen Fassade verbirgt sich eine potenziell dunklere Wahrheit, die dringend weitere Aufmerksamkeit erfordert. 

Von wirksam bis bedenklich: Alternative und komplementäre Therapien der MS [amsel.de; 26.2.2024]

Zusätzlich zu den durch die Leitlinien beschriebenen Standard-Therapieformen der MS gibt es eine Fülle weiterer Therapien, die sich hinsichtlich Wirksamkeit und Sinnhaftigkeit stark unterscheiden.

Vitamin-D-Mangel: Diese Symptome können bei Frauen auftreten [augsburger-allgemeine.de; 16.1.2024]

Vitamin D ist wichtig für die Knochen, das ist mittlerweile bekannt, ist aber bei Weitem nicht die einzige Funktion im Körper. Gibt es Mangel-Symptome, unter denen Frauen häufiger leiden? … Vitamin D hat einen stärkeren therapeutischen Effekt bei Frauen mit Multipler Sklerose (MS)

Analyse von Erbgut: Nordeuropäer bekommen besonders oft Multiple Sklerose. Ein Grund liegt in der Steinzeit [spiegel.de; 12.1.2024]

Menschen mit nordeuropäischer Herkunft sind überdurchschnittlich anfällig für eine MS-Erkrankung. Einige Risikogene stammen offenbar von Hirten, die vor Jahrtausenden aus der asiatischen Steppe einwanderten.
[Bem.: Ein aus wissenschaftlicher Sicht ein interessanter Artikel. Grundsätzlich sind aber Lebensstilfaktoren i.a.R. die entscheidenden Trigger der Erkrankung]

Neuer Beleg für Epstein-Barr-Virus als Risikofaktor [pharmazeutische-zeitung.de; 10.1.2024]

Schon länger wird vermutet, dass eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV) im späteren Leben eine Multiple Sklerose (MS) auslösen kann. Neue Erkenntnisse dazu, wie das vonstatten gehen könnte, liefert eine aktuelle Studie.

Merck erleidet Flop mit Pharma-Hoffnungsträgern [aerzteblatt.de, 6.12.2024]

Beim Darmstädter Merck-Konzern ist ein wichtiger Hoffnungsträger aus dem Pharmageschäft gefloppt. Das Mittel Evobrutinib erreichte in entscheidenden klinischen Tests bei Patienten mit schubförmiger Multiple Sklerose die von den Forschern erhofften Ziele nicht.

Lesenswerte Studien:

Kobayashi EH, Suzuki T, Funayama R, Nagashima T, Hayashi M, Sekine H, Tanaka N, Moriguchi T, Motohashi H, Nakayama K, Yamamoto M. 2016. Nrf2 suppresses macrophage inflammatory response by blocking proinflammatory cytokine transcription. Nat Commun 7:11624. doi: 10.1038/ncomms11624.https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27211851/
(relevant in Bezug auf die unterstützende Wirkung von Wildkräutern)

Laeeq T, Vongsavath T, Tun KM, Hong AS. The Potential Role of Fecal Microbiota Transplant in the Reversal or Stabilization of Multiple Sclerosis Symptoms: A Literature Review on Efficacy and Safety. Microorganisms. 2023 Nov 22;11(12):2840. doi: 10.3390/microorganisms11122840. PMID: 38137984; PMCID: PMC10745313. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38137984/ 
(relevant in Bezug auf das Thema: Einfluss der Darmgesundheit)

Klingt unappetitlich, kann aber sehr wirksam bei MS sein: Fäkaltransplantation

Das Thema dieses Beitrags wird oft nur unter vorgehaltener Hand diskutiert, da es unappetitlich wirkt und teilweise Ekelgefühle hervorruft. Bevor wir also in Studienergebnisse einsteigen, sehen wir uns die Methodik der Fäkaltransplantation doch einmal etwas genauer an.

Das Verfahren

Die Fäkaltransplantation, auch als fäkale Mikrobiota-Transplantation (FMT), fäkaler Mikrobiomtransfer oder fäkale Bakterientherapie bekannt, ist ein Verfahren, bei dem der Stuhl eines gesunden Spenders in den Darm eines Patienten übertragen wird [1]. Dieses Verfahren wird hauptsächlich zur Behandlung von Darmkrankheiten eingesetzt, bei denen das Gleichgewicht der Darmflora gestört ist. Mehr zum Verfahren und zu Kliniken in Deutschland findet man bei Krankenhaus.de [2].

Der Prozess beginnt mit einem umfangreichen Screening des Spenders, um sicherzustellen, dass keine Infektionen übertragen werden. Der gespendete Stuhl wird dann verflüssigt, gereinigt, gemischt und in einer Kochsalzlösung mit 40% Glycerin suspendiert (in eine Mischung aus Flüssigkeit und Feststoffen gewandelt). Diese Lösung wird dann in säureresistente Kapseln gefüllt, die bei -90°C bis zu neun Monate gelagert werden können.

Die Fäkaltransplantation kann auf verschiedene Weisen durchgeführt werden, darunter die Infusion in den Zwölffingerdarm oder die Verabreichung über Kapseln. Die Methode der Verabreichung hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der spezifischen Bedürfnisse des Patienten und der Präferenzen des behandelnden Arztes.

Man erkennt also schnell, dass Ekelgefühle und Scham fehl am Platz sind!

Es ist wichtig zu beachten, dass die Fäkaltransplantation, obwohl sie bei bestimmten Erkrankungen wirksam sein kann, auch Risiken birgt. Dazu gehören mögliche Nebenwirkungen und das Risiko der Übertragung von Infektionen. Daher ist es wichtig, dass das Verfahren von qualifizierten medizinischen Fachleuten durchgeführt wird und dass Spender sorgfältig gescreent werden.

Die aktuelle Studie

Multiple Sklerose (MS) ist eine neurologische Erkrankung, von der weltweit Millionen Menschen betroffen sind. In den letzten Jahren haben sich die Hinweise darauf verstärkt, dass ein wesentlicher Faktor bei Entwicklung und Progression der Erkrankung eine Störung des mikrobakteriellen Umfelds im menschlichen Darm ist – eine sogenannte Dysbiose. Wir haben darüber schon verschiedentlich berichtet, z.B. in:

Die fünfte Säule der Überwindung von Autoimmunerkrankungen wie MS – Darmgesundheit

Jüngste Studien haben einen neuen Ansatz für die Behandlung vorgeschlagen – die fäkale Mikrobiota-Transplantation (FMT). Die hier besprochene Arbeit aus dem Jahr 2023 [3] befasst sich mit einer umfassenden Literaturübersicht, die durchgeführt wurde, um die Wirksamkeit und Sicherheit der FMT bei der Behandlung von MS zu verstehen.

Ausgangspunkt

MS ist in erster Linie eine immunvermittelte entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Ihr komplexes Zusammenspiel von genetischen und umweltbedingten Faktoren macht ihre Behandlung zu einer Herausforderung. Die Studie befasst sich zunächst mit der weltweit steigenden Prävalenz von MS und ihrer erheblichen Belastung, insbesondere in jüngeren Bevölkerungsgruppen.

Auswahl der Studien:

Die Forscher führten eine umfassende Literaturrecherche in mehreren Datenbanken durch. Sie legten spezifische Ein- und Ausschlusskriterien fest und konzentrierten sich dabei auf Studien, in denen die FMT als Behandlung von MS eingesetzt wurde. Dies führte zur Auswahl von 5 Schlüsselstudien, die relevante Informationen lieferten.

An diesen Studien nahmen 15 erwachsene MS-Patienten teil, die wegen gastrointestinaler Symptome eine FMT erhielten. Das primäre Ergebnis dieser Untersuchung war die Bewertung der Wirkung der FMT auf die Umkehrung und Verbesserung der motorischen Symptome bei MS-Patienten, während das sekundäre Ergebnis die Bewertung der Sicherheit der FMT in dieser Patientengruppe war.

Hauptergebnisse:

Die Ergebnisse sind vielversprechend. Alle Patienten, die FMT gegen gastrointestinale Symptome erhielten, zeigten eine deutliche Verbesserung ihrer neurologischen Symptome im Zusammenhang mit MS. Diese Verbesserungen umfassten eine bessere motorische Funktion, eine geringere Schwäche und sogar eine Umkehrung bestimmter Symptome. Bemerkenswert ist, dass die positiven Auswirkungen der FMT über Jahre hinweg anhielten, was auf einen langfristigen Nutzen hindeutet.

Im Detail:

Wie gerade erwähnt wurde in diese Übersichtsarbeit festgestellt, dass bei allen eingeschlossenen Probanden, die eine fäkale Mikrobiota-Transplantation zur Behandlung ihrer gastrointestinalen Symptome erhielten, eine Verbesserung und Umkehrung ihrer neurologischen Symptome im Zusammenhang mit Multipler Sklerose zu verzeichnen war. Gangstörungen gehören zu den auffälligsten Behinderungen im Zusammenhang mit Multipler Sklerose. Bei den eingeschlossenen Patienten mit Multipler Sklerose, wurde ein deutlicher Effekt beim Gang/Gehen festgestellt. Sechs Patienten bemerkten eine Verbesserung des Gehens und der Kraft sowie eine Verringerung der Schwäche in den unteren Extremitäten. Darüber hinaus zeigte eine eingeschlossene Studie einen signifikanten und anhaltenden Anstieg des Brain-Derived Neurotrophic Factor (BDNF) mit verbesserten Gangwerten. Insgesamt führte die Transplantation der fäkalen Mikrobiota zu einer signifikanten Verringerung der Morbidität und der Funktionsstörungen im Zusammenhang mit Multipler Sklerose.

Besonders bemerkenswert waren die Ergebnisse bei einer 80-jährigen Patientin mit MS, die 5 FMTs erhielt und bei Start der Behandlung über eine schwere Muskelschwäche mit entsprechenden Schwierigkeiten beim Gehen klagte. Sie konnte nach 8 Monate lange Strecken ununterstützt über lange Strecken gehen und war 2 Jahre nach der FMT asymptomatisch. Sicher ist dieses Ergebnis nicht verallgemeinerbar, aber es zeigt das Potenzial des Verfahrens auf.

Fazit und Bedeutung für Multiple-Sklerose-Patienten

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die FMT die MS-Behandlung grundlegend verändern könnte. Sie bietet einen neuen Weg zur Behandlung von MS-Symptomen, insbesondere für Patienten, die auf andere Behandlungen (konventionelle und komplementärmedizinische) nicht gut ansprechen. Die Studie unterstreicht wieder einmal die entscheidende Rolle der Darm-Hirn-Achse bei MS und eröffnet neue Forschungswege.

Es besteht die Hoffnung, dass die FMT für MS-Patienten einen neuen Therapieansatz darstellt, der ihre Symptome lindern und ihre Lebensqualität signifikant verbessern könnte.

Referenzen:

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Stuhltransplantation

[2] https://www.krankenhaus.de/behandlungen/stuhltransplantation-ablauf-und-geeignete-kliniken/

[3] Laeeq T, Vongsavath T, Tun KM, Hong AS. The Potential Role of Fecal Microbiota Transplant in the Reversal or Stabilization of Multiple Sclerosis Symptoms: A Literature Review on Efficacy and Safety. Microorganisms. 2023 Nov 22;11(12):2840. doi: 10.3390/microorganisms11122840. PMID: 38137984; PMCID: PMC10745313. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38137984/

Weiterführende Studien zum Thema ohne Verweis im Text:

1. Tan, A., Shen-Yang Lim, & A. Lang. (2022). The microbiome–gut–brain axis in Parkinson disease — from basic research to the clinic. Nature Reviews Neurology, 18, 476-495. [Nature Reviews Neurology], https://www.semanticscholar.org/paper/0a81cd1ea6bf5caa7df52a45ad566bc32799fc05)

2. Cryan, J., et al. (2019). The Microbiota-Gut-Brain Axis. Physiological Reviews, 99(4), 1877-2013. [Physiological Reviews], https://www.semanticscholar.org/paper/2eab14181e1fa161d6cdc041e87a8427305c995a

3. Carabotti, M., Scirocco, A., Maselli, M., & Severi, C. (2015). The gut-brain axis: interactions between enteric microbiota, central and enteric nervous systems. Annals of Gastroenterology, 28, 203-209. [Annals of Gastroenterology], https://www.semanticscholar.org/paper/936a8181a4ea19a07f757a216fbf3dade73c9851)

4. Banc, R., et al. (2023). The Impact of Ellagitannins and Their Metabolites through Gut Microbiome on the Gut Health and Brain Wellness within the Gut–Brain Axis. Foods, 12. [Foods], https://www.semanticscholar.org/paper/1a8f223702c120140df5f9b36457e9b5eb37462b

5. Clarke, G., et al. (2013). The microbiome-gut-brain axis during early life regulates the hippocampal serotonergic system in a sex-dependent manner. Molecular Psychiatry, 18, 666-673. [Molecular Psychiatry], https://www.semanticscholar.org/paper/3d5abab291fdc8449b25d82de7556be2c1d8b088

(Hinweis: Diese Referenzen bieten weitere Einblicke in die Beziehung zwischen der Mikrobiota-Darm-Hirn-Achse und neurologischen Erkrankungen und unterstützen die Ergebnisse und Diskussionen in diesem Blogbeitrag).

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Zum Jahresausklang: Alles Gute für 2024 und erreichbare Ziele setzen!

Viele Neujahrsvorsätze scheitern, weil sie unrealistisch oder zu vage sind. Menschen – und dies gilt sicher auch für MS-Betroffene – setzen sich oft zu viele Ziele auf einmal und verlieren dann die Motivation. Um dies zu vermeiden, ist es hilfreich, konkrete und erreichbare Ziele zu setzen. Außerdem kann es helfen, die Vorsätze schriftlich festzuhalten und sich regelmäßig an sie zu erinnern. Eine Unterstützung durch Freunde oder Familie sowie die Aufteilung großer Ziele in kleinere Schritte können ebenfalls dabei helfen, die Vorsätze umzusetzen. Übernehmen Sie sich also bitte nicht bei Ihren Vorsätzen für das kommende Jahr.

In einer etwas älteren Studie der University of Scranton, USA [1] wurden die Selbstveränderungsversuche von 200 Neujahrsvorsätzen über einen Zeitraum von zwei Jahren prospektiv verfolgt, um die entscheidenden Faktoren für die Aufrechterhaltung der Vorsätze und den natürlichen Verlauf von Abweichungen und Rückfällen in alte Verhaltensmuster besser zu verstehen.

77 % der Befragten hielten sich eine Woche lang an ihre Neujahrsvorsätze, aber nur 19 % hielten sich zwei Jahre lang daran. Erfolgreiche Probanden berichteten, dass sie während der zwei Jahre deutlich mehr Stimuluskontrolle (Impulskontrolle), Verstärkungsstrategien (z.B. Belohnungen) und Willenskraft einsetzten als erfolglose Probanden. Soziale Unterstützung und zwischenmenschliche Beziehungen sagten den Erfolg vor sechs Monaten nicht voraus, wohl aber danach.

Gegenkonditionierung und Ausblenden negativer Einflüsse wurden rückblickend als die wirksamsten Bewältigungsstrategien benannt. Mangelnde Willenskraft und fehlende Reizkontrolle wurden als die größten Hindernisse für die Aufrechterhaltung der Vorsätze genannt. 53 % der erfolgreichen Gruppe erlebten mindestens einen Ausrutscher bei ihren Vorsätzen, und die durchschnittliche Anzahl der Ausrutscher über den Zeitraum von zwei Jahren betrug 14. Auslöser für diese Ausrutscher waren in der Regel ein Mangel an persönlicher Kontrolle, übermäßiger Stress und negative Emotionen.

Was bedeutet das nun?

Wie bereits erwähnt, sollte man sich zunächst erreichbare Ziele in kleinen Schritten setzen. Ist ein Ziel zunächst objektiv nicht erreichbar – schaut man auf die Liste der anderen, für einen selbst wichtigen Ziele und kümmert sich um diese. Später kann man immer noch auf das ursprünglich gewählte Ziel zurückkommen, wenn sich die Rahmenbedingungen (bei vielen der aktuelle Gesundheitszustand) zum Besseren verändert haben.

Wenn man seine eigenen Ziele mit Hilfe einer Gruppe erreichen kann – sei es Sport oder Training oder auch gemeinsames Singen, Malen etc. – hilft dies langfristig die guten Vorsätze beizubehalten und negative Einflüsse (z.B. Abkapselung oder mangelnde Bewegung) zu vermeiden bzw. auszublenden.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2024 und dass Sie die Ziele ohne große Rückschläge erreichen, die Sie sich für das Jahr gesetzt haben!

Ihr

Life-SMS Team

Quelle:

[1] Norcross JC, Vangarelli DJ. The resolution solution: longitudinal examination of New Year’s change attempts. J Subst Abuse. 1988;1(2):127-134. doi:10.1016/s0899-3289(88)80016-6; https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/2980864/

Foto von Ian Schneider auf Unsplash


Für die Wissbegierigen unter uns gibt es nachfolgend noch einige Hinweise auf Artikel aus dem Netz, die uns in den letzten Monaten aufgefallen sind. Sie entsprechen – außer bei Beiträgen von anderen Projekten der DSGiP – nicht zwingend den von uns vertretenen Positionen, sind aber in allen Fällen eine Bereicherung der Diskussionsgrundlage.

Machen Sie sich selbst ein Bild!

„Winterblues“ bei Multipler Sklerose (MS) [lifepr.de;7.12.2023]

Wenn die Tage kürzer und kühler werden und weniger Sonnenlicht zur Verfügung steht, müssen sich Menschen, gerade auch mit Multipler Sklerose (MS), auf neue Gegebenheiten einstellen. Grund ist die abnehmende Ausschüttung des „Glückshormons“ Serotonin und der gleichzeitige Anstieg von Melatonin im Körper.

Multiple Sklerose: Frühere Behandlung dank Biomarkern [dw.com; 8.11.2023]

Bei Multipler Sklerose kündigen Biomarker die typischen Nervenschäden bereits viele Monate vor den ersten Symptomen an. Durch die Entdeckung dieser Biomarker kann die Behandlung viel früher beginnen.

Gesundheitsverhalten bei MS im Frühstadium [gelbe-liste.de, 26.10.2023]

Ein Forschungsprojekt soll das Selbstmanagement von Personen mit Multipler Sklerose unterstützen. In einem ersten Schritt wurde eine Umfrage durchgeführt, um bislang fehlende Baseline-Daten zum Gesundheitsverhalten von Personen mit MS im Frühstadium zu erheben.

VERLAUF DER MS: Genvariante für rasche MS-Progression [amsel.de, 14.6.2023]

Mehr als 200 „MS-Gene“ sind mittlerweile bekannt. Wobei die Gene allein nicht ausreichen, um eine MS auszulösen. Daneben braucht es, so der Stand der Wissenschaft, sogenannte Umweltfaktoren: Umstände und Einflüsse, die im weiteren Leben dazukommen, etwa bestimmte Viren oder mangelnde Sonnenexposition.

Neue Analysen verleiten zu Spekulationen: Übergewichtig durch Vitamin-D-Mangel? [medscape.com; 12.6.2023]

In den vergangenen Monaten wurden 2 Studien veröffentlicht, die den Zusammenhang zwischen Übergewicht und Vitamin-D-Mangel näher beleuchten. Über die Ergebnisse wird nun in den Medien viel spekuliert. Könnte eine Vitamin-D-Supplementierung zur Behandlung von Adipositas hilfreich sein?

Welt-MS-Tag: Multiple Sklerose ist keine Einbahnstraße [natuerlich.haug-verlag.de, 30.05.2023]

Diagnose Multiple Sklerose: Ein persönlicher Erfahrungsbericht über den Umgang mit MS und Wege neben der schulmedizinischen Medikation.

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Tai-Chi: Ein Schlüssel zu besserem Gleichgewicht und Lebensqualität für MS-Patienten

Tai-Chi, oft als „Meditation in Bewegung“ bezeichnet, ist eine alte chinesische Kampfkunst, die tiefe Atmung mit fließenden Bewegungen kombiniert. Basierend auf der chinesischen Philosophie und traditionellen Medizin basiert Tai-Chi auf dem Prinzip, das Yin und Yang auszugleichen – die gegensätzlichen Kräfte im Körper. Durch die Harmonisierung dieser Kräfte zielt Tai-Chi darauf ab, ‚Qi‘ oder Lebensenergie zu kultivieren, um das physische, mentale und spirituelle Wohlbefinden zu fördern.


Die Studie wurde sorgfältig entworfen, um die Zuverlässigkeit der Ergebnisse zu gewährleisten. Für die Teilnehmer wurden folgende Einschluss- und Ausschlusskriterien festgelegt:

  • Klinisch definierte MS
  • Alter zwischen 20 und 60 Jahren
  • Fähigkeit, mindestens 200 m selbstständig zu gehen und ohne Hilfsmittel zu stehen
  • Kein Schub innerhalb von 3 Monaten vor der Studie oder während der Studie
  • Keine Änderung der krankheitsmodifizierenden Medikation während der Studie
  • Keine Schwangerschaft
  • Keine Beteiligung an einem anderen Trainingsprogramm
  • Kein schweres kognitives Defizit (definiert durch den Montreal Cognitive Assessment Score ≤ 19)
  • Keine andere gesundheitliche Bedingung, die ein Trainingsprogramm beeinträchtigen würde

Im Endeffekt wurden 15 Teilnehmerinnen eingeschlossen, die das 12 Monate dauernde Programm absolvierten.

Methodik

Alle Teilnehmerinnen nahmen an Tai-Chi-Chuan-Kursen teil, die einmal wöchentlich 90-minütige Gruppentrainingsstunden im Tai-Chi-Trainingszentrum in Bratislava beinhalteten. Diese wurden von einem erfahrenen Tai-Chi-Instruktor durchgeführt und von einem Arzt überwacht.
Jede Patientin wurde instruiert, zweimal wöchentlich individuelle Hausaufgaben anhand eines Anleitungsvideos zu erledigen. Das Tai-Chi Training basierte auf den Grundformen des Tai Chi Yang Stils.

Die Wirkung von Tai-Chi auf Multiple Sklerose

Die Studie untersuchte somit die Auswirkungen von Tai-Chi auf Frauen mit Multipler Sklerose über einen Zeitraum von einem Jahr. Die Ergebnisse zeigten deutliche Verbesserungen in verschiedenen Bereichen:

  • Es gab eine signifikante Verbesserung im Gleichgewicht und Gehfähigkeit der Teilnehmerinnen, gemessen durch verschiedene Tests wie den Mini-BESTest oder den 25 Feet Walk Test.
  • Die Studie zeigte zudem eine Verringerung von Depression und Angstzuständen bei den Teilnehmerinnen.
  • Es gab auch eine sichtbare Verbesserung in kognitiven Tests, die die geistige Funktion bewerten.
  • Die Lebensqualität, gemessen durch den EQ-5D-5L-Fragebogen, zeigte ebenfalls einen Trend zur Verbesserung.

Schlussfolgerung und Empfehlungen

Die Studie zeigt, dass Tai-Chi potenziell vorteilhafte Auswirkungen auf Frauen mit Multipler Sklerose haben kann. Es hilft nicht nur bei körperlichen Problemen wie Gleichgewichtsproblemen, sondern wirkt sich auch positiv auf die geistige Gesundheit aus, indem es die Stimmung und die kognitiven Funktionen verbessert. Der ganzheitliche Ansatz des Tai-Chi, der körperliche Bewegung mit Achtsamkeit verbindet, macht es zu einer wertvollen nicht-pharmakologischen Intervention für MS-Patienten. Die positiven Wirkungen von Tai-Chi sind weder auf weibliche Trainierende beschränkt noch auf das Krankheitsbild Multiple Sklerose (siehe auch [2] – [5]). Es kann sich also in vielerlei Hinsicht lohnen, es einmal auszuprobieren. Wir empfehlen Ihnen, sich einen qualifizierten Tai Chi Lehrer zu suchen, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

Referenzen:

[1] Menkyova I, Stastna D, Novotna K, et al. Effect of Tai-chi on balance, mood, cognition, and quality of life in women with multiple sclerosis: A one-year prospective study [published online ahead of print, 2023 Aug 6]. Explore (NY). 2023;S1550-8307(23)00171-4. doi:10.1016/j.explore.2023.07.011, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37596158/

[freier Zugang]

[2] Wang C, Bannuru R, Ramel J, Kupelnick B, Scott T, Schmid CH. Tai Chi on psychological well-being: systematic review and meta-analysis. BMC Complement Altern Med. 2010; 10:23. Published 2010 May 21. doi:10.1186/1472-6882-10-23, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2893078/

Die Studie zeigte eine Verbesserung des psychologischen Wohlbefindens, einschließlich der Verringerung von Stress, Angst, Depressionen und Stimmungsschwankungen sowie einer Steigerung des Selbstwertgefühls.

[freier Zugang]

[3] Zou L, Wang H, Xiao Z, et al. Tai chi for health benefits in patients with multiple sclerosis: A systematic review. PLoS One. 2017;12(2):e0170212. Published 2017 Feb 9. doi:10.1371/journal.pone.0170212; https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28182629/

Dieser systematische Überblick bewertet die Wirksamkeit und Sicherheit von Tai-Chi bei der symptomatischen Behandlung von Patienten mit Multipler Sklerose.

[freier Zugang]

[4] Zhang YH, Hu HY, Xiong YC, et al. Exercise for Neuropathic Pain: A Systematic Review and Expert Consensus. Front Med (Lausanne). 2021;8:756940. Published 2021 Nov 24. doi:10.3389/fmed.2021.756940

Dieser Artikel diskutiert Bewegungsempfehlungen für neuropathische Schmerzsymptome, einschließlich solcher, die mit Multipler Sklerose zusammenhängen.

[freier Zugang]

[5] Taylor E, Taylor-Piliae RE. The effects of Tai Chi on physical and psychosocial function among persons with multiple sclerosis: A systematic review. Complement Ther Med. 2017;31:100-108. doi:10.1016/j.ctim.2017.03.001, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28434462/

Dieser Überblick konzentriert sich auf die physischen und psychosozialen Vorteile von Tai-Chi für Personen mit Multipler Sklerose.

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Jade Lee auf Unsplash

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Vitamin D – ein wirksames Antioxidans in einem Tiermodell für progrediente Multiple Sklerose

Hintergrund:

Wie Sie wissen, ist Multiple Sklerose (MS) eine chronische Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems. Oxidativer Stress spielt eine wichtige Rolle in der Pathogenese der MS. Ziel der hier analysierten Studie war es, die potenzielle antioxidative Wirkung von Vitamin D in einem Tiermodell für progressive Formen MS zu untersuchen. Vitamin D-Studien beziehen sich fast immer auf Schubraten und die Ergebnisse bei schubförmigen Verläufen. Die hier vorliegende Studie [1] bildet eine löbliche Ausnahme.

Methodik:

Für die Studie wurden Dark Agouti (DA)-Ratten verwendet, die in zwei Gruppen aufgeteilt wurden: Vitamin D-supplementiert (VD+) und nicht supplementiert (VD-). Die Vitamin D-supplementierte Gruppe erhielt ab der Entwöhnungsphase von der Muttermilch wöchentlich einen Tropfen einer Vitamin D-Lösung, der 400 IE (Internationale Einheiten) Vitamin D entsprach, auf oralem Wege.

Dark Agouti (DA)-Ratten sind eine spezielle Rattenrasse, die in der wissenschaftlichen Forschung häufig als Modell für verschiedene Krankheiten und Zustände verwendet wird. Sie sind nach ihrer dunklen Agouti-Färbung benannt, einer Art von Fellfärbung, die durch eine Mischung aus schwarzen, braunen und grauen Haaren gekennzeichnet ist. DA-Ratten sind z.B. sehr empfänglich für die Induktion von akuter und chronischer Arthritis, was sie zu einem guten Modell für die Untersuchung dieser Erkrankung macht, aber auch von Autoimmunerkrankungen.

Wichtigste Ergebnisse:

Die Studie ergab, dass eine Vitamin-D-Supplementierung einen positiven Einfluss auf die Verringerung des oxidativen Stresses im Tiermodell hatte. Die Ergebnisse zeigten, dass Vitamin D als wirksames Antioxidans wirkt. In dieser Studie verbesserte VD die Remyelinisierung und verhinderte neuroaxonale und oxidative Schäden, wie Demyelinisierung und Neurodegeneration, und bietet somit möglicherweise neuroprotektive Vorteile bei progressiven Formen von MS.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Facetten der Vitamin-D-Wirkung vielfältig sind und an mehreren Stellen des Entzündungsprozesses ansetzen, und höchstwahrscheinlich ist es eine Kombination all dieser Wirkmechanismen, die zu der positiven Gesamtwirkung führen, die die Forscher bei ihren Tieren feststellen. Die Wirkung könnte jedoch noch durch die Tatsache verstärkt werden, dass die Tiere bereits im Alter von drei Wochen mit Vitamin D versorgt wurden und mit ausreichenden Vitamin-D-Spiegeln aufwuchsen. Es scheint wahrscheinlich, dass der Nettoeffekt weniger ausgeprägt ist, wenn die VD-Supplementierung zu einem späteren Zeitpunkt im Leben beginnt.

Auswirkungen auf den Menschen:

Die Studie gibt zwar Aufschluss über die potenziellen Vorteile einer Vitamin-D-Supplementierung in einem Tiermodell, aber es ist wichtig zu beachten, dass die an Tieren verabreichten Dosen nicht direkt auf den Menschen übertragen werden können. Der Stoffwechsel, das Körpergewicht und die allgemeine Physiologie unterscheiden sich erheblich zwischen den Spezies. Die Dosis von 400 IE pro Woche für Ratten kann jedoch als moderate Dosis angesehen werden. Nimmt man ein Körpergewicht von 400 g für eine Ratte an, entspricht die verabreichte Wochendosis ungefähr 70.000 I.E. für Menschen mit einem Körpergewicht von 70 kg. Menschen mit diesem Gewicht können risikolos 5000 I.E. täglich einnehmen und mehr ist nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin zu empfehlen. Übrigens ist eine tägliche Vitamin-D-Einnahme sehr viel besser als eine wöchentliche.

[siehe auch: Toxizität – welche Vitamin D-Dosen sind sicher? und Vitamin D-Einnahme-Intervall ]

Schlussfolgerung:

Die kontinuierliche Einnahme von Vitamin D in angemessenen Dosen scheint eine vielversprechende Hilfe für Menschen mit progressiven Formen der Multiplen Sklerose zu sein. Obwohl die Ergebnisse aus Tierversuchen nicht direkt auf den Menschen übertragen werden können, sind die Aussichten auf gesundheitliche Vorteile durch die Einnahme von Vitamin D in jedem Fall positiv. Wir empfehlen daher, so früh wie möglich mit einer Vitamin-D-Supplementierung zu beginnen, um dieses Potenzial zu nutzen.

Referenzen

[1] Haindl MT, Üçal M, Wonisch W, et al. Vitamin D-An Effective Antioxidant in an Animal Model of Progressive Multiple Sclerosis. Nutrients. 2023;15(15):3309. Published 2023 Jul 26. doi:10.3390/nu15153309 (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC10421326/pdf/nutrients-15-03309.pdf ) [Volltext]

Zur Vertiefung, ohne Hinweis im Text:

[2] Almgren, M., Tegnér, J.N., et al. (2017). Functional Genomics Analysis of Vitamin D Effects on CD4+ T Cells in Vivo in Experimental Autoimmune Encephalomyelitis. *Proc. Natl. Acad. Sci. USA*, 114(15), E1678–E1687. [Link] (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28196884/ ) [Volltext] |

[3] Scazzone, C., Agnello, L., Bivona, G., Lo Sasso, B., & Ciaccio, M. (2021). Vitamin D and Genetic Susceptibility to Multiple Sclerosis. *Biochem. Genet.*, 59(1), 1–30. [Link]( https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33159645/ )|

[4] Engelhardt, B., Vajkoczy, P., & Weller, R.O. (2017). The movers and shapers in immune privilege of the CNS. *Nat. Immunol.*, 18, 123–131. [Link](https://www.nature.com/articles/ni.3666 ) |

[5] Agrawal, S., Anderson, P., Durbeej, M., van Rooijen, N., Ivars, F., Opdenakker, G., & Sorokin, L.M. (2006). Dystroglycan is selectively cleaved at the parenchymal basement membrane at sites of leukocyte extravasation in experimental autoimmune encephalomyelitis. *J. Exp. Med.*, 203(4), 1007–1019. [Link]( https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16585265/ ) [Volltext]|

[6] Olson, J.K. (2010). Immune response by microglia in the spinal cord. *Ann. N. Y. Acad. Sci.*, 1198, 271–278. [Link]( https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20536942/ )

Foto:

Foto von Brett Jordan auf Unsplash

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In eigener Sache: Änderung der Spendenplattform – Bitte nutzen Sie WeCanHelp

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer,

manchmal trifft einen unerwartet ein formales Problem, mit dem man nicht gerechnet hatte. Leider musste unsere Trägerorganisation, die Deutsche Stiftung für Gesundheitsinformation und Prävention (DSGiP), dies vor Kurzem erleben. Die Spendenplattform betterplace hat die Zusammenarbeit mit der DSGiP beendet. Daher sind wir nun gezwungen, auf alternative Spendenplattformen auszuweichen.

Wir möchten jedoch betonen, dass unsere Projektarbeit davon nicht berührt ist. Wir werden in gewohnter Weise weiter an der Analyse von Studien und anderen Informationen arbeiten und deren Ergebnisse im Sinne einer lebensstilorientierten MS-Behandlung aufbereiten.

An dieser Stelle möchten wir uns herzlich für Ihre jahrelange finanzielle Unterstützung und die wertvollen Ratschläge und Ideen bedanken. Wie Sie wissen, ist unser Projekt ausschließlich auf private Spenden angewiesen. Ohne Ihre Unterstützung wäre die Weiterführung des Projektes einfach nicht möglich.

Daher würden wir Sie bitten, Ihre regelmäßigen Spenden oder Einzelspenden ab sofort entweder direkt über einen Dauerauftrag zugunsten der Stiftung oder über die Plattform WeCanHelp zu tätigen. WeCanHelp bietet dabei die Möglichkeit, sowohl Einzelspenden als auch Dauerspenden einzurichten.

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Herzliche Grüße,

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Schwitzen Sie es aus: Die Kombination von Aerobic- und Krafttraining zur Verbesserung von MS-Symptomen

Wir sind in vergangenen Newslettern schon auf die verschiedenes Trainingsarten und ihre positiven Auswirkungen auf die Symptome und den Verlauf der Multiplen Sklerose (MS) eingegangen. Die Aussage war immer, dass körperliche Betätigung ein bewährtes Mittel ist, um die Krankheitssymptome zu bewältigen und die Lebensqualität zu verbessern.

Im Artikel: Multiple Sklerose und Ausdauertraining – ideal in Kombination mit Krafttraining,

sind wir schon auf die positiven Effekte des Ausdauertrainings im Zusammenspiel mit Krafttraining in Bezug auf die aerobe Fitness und die MS eingegangen. Die Ergebnisse der dort genannten Studien wurden nun durch eine im Mai 2023 veröffentlichte Studie [1] eindrucksvoll untermauert.

In diesem Beitrag befassen wir insofern nochmals mit den Auswirkungen verschiedener Arten von Bewegung auf die Fitness von Menschen mit MS, wobei wir uns hier auf die Erkenntnisse der o.g. umfassenden Studie stützen.

In dieser Studie [1] wurde eine sogenannte Netzwerk-Metaanalyse (NMA) durchgeführt, ein wissenschaftlicher Ansatz, der es Forschern ermöglicht, die Wirksamkeit verschiedener Arten von Maßnahmen zu vergleichen. Sie umfasste 72 randomisierte kontrollierte Studien (diese gelten als „Goldstandard“ für Forschungsstudien) mit 2543 Teilnehmern, die an MS leiden. Diese Art der Analyse ist praktisch ein Fitness-Wettbewerb, bei dem verschiedene Arten von Übungen gegeneinander antreten, um herauszufinden, welche für Menschen mit MS am wirksamsten ist. Untersucht wurden dabei die Trainingsarten Aerobes Training, Krafttraining, deren Kombination, Körper-Geist-Übungen und Sensomotorisches Training.

Das Bild zeigt das Netzwerk der verfügbaren Vergleiche zwischen verschiedenen Arten von Trainingsmaßnahmen zur Fitness bei Multipler Sklerose: (A) muskuläre Fitness; (B) kardiorespiratorische Fitness.

Die Größe der Knoten ist proportional zur Anzahl der eingeschlossenen Studien für jede Intervention, und die Linienbreite entspricht den Studien, die die beiden Interventionen direkt vergleichen. Die Farbflächen entsprechen dem Anteil der Studien jedes Knotens, die die Transitivitätsannahmen (Übertragbarkeitsannahmen) erfüllen. Grün bedeutet die vier Kovariaten (die unabhängigen Variablen: weiblich [%], Alter, Krankheitsschwere und Krankheitsdauer) sind in den ausgewählten Studien berücksichtigt, gelb steht für zwei oder drei dieser Faktoren. Man erkennt also leicht, dass der Einfluss dieser Kovariaten bzw. Kovariablen in den statistischen Auswertungen berücksichtigt worden ist und damit die Aussagen der Analyse hochsignifikant sind.

Betrachten wir also die beiden wichtigsten Arten von Sport: Aerobic und Krafttraining.

Aerobes Training, oft auch als „Cardio-Training“ bezeichnet, umfasst Aktivitäten, die die Atmung und Herzfrequenz erhöhen, wie z. B. zügiges Gehen, Joggen, Radfahren, Rudern oder Schwimmen. Man trainiert also Herz, Lunge und Muskeln, um diese effektiver arbeiten zu lassen. Krafttraining, manchmal auch Widerstands- oder Gewichtstraining genannt, umfasst dagegen Aktivitäten, bei denen ein Widerstand eingesetzt wird (z B. Gewichtheben, Übungen am Seilzug oder Übungen mit dem eigenen Körpergewicht), um Muskelkraft, Tonus und Ausdauer aufzubauen.

Der Studie zufolge sind aerobe Übungen am wirksamsten, um die kardiorespiratorische Fitness (CRF) zu verbessern, d. h. die Fähigkeit des Körpers, bei anhaltender körperlicher Aktivität Sauerstoff zu liefern. Andererseits erwiesen sich Krafttraining und kombiniertes Training (eine Mischung aus Aerobic- und Krafttraining) als am effektivsten für die muskuläre Fitness, die sich auf die Gesundheit und Stärke der Muskeln bezieht.

Die Resultate

Lassen Sie uns nun die Ergebnisse der Studie etwas genauer untersuchen. Interessanterweise hing die Wirksamkeit der beiden Trainingsarten auch mit dem Schweregrad der MS zusammen. Bei Personen mit leichter MS schienen Krafttraining, kombiniertes Training und aerobes Training die größten Vorteile zu bieten. Die Daten für andere Schweregrade der Erkrankung waren jedoch nicht schlüssig, was darauf hindeutet, dass weitere Forschungen in diesem Bereich erforderlich sind. Dennoch ist auch für diesen Personenkreis moderates kombiniertes Ausdauer- und Krafttraining sicherlich empfehlenswert.

Interessanterweise ergab die Studie auch, dass die Kombination von Kraft- und Ausdauertraining einen positiven Einfluss auf die muskuläre Fitness hat. Das bedeutet, dass ein Trainingsprogramm, das sowohl das Heben von Gewichten (Krafttraining) als auch zügiges Spazierengehen, Schwimmen, Laufbandtraining, Fahrradfahren oder Ergometertraining (Ausdauertraining) umfasst, für Menschen mit MS sehr vorteilhaft sein können.

Diese Studie vernachlässigt nicht die Einschränkungen und Herausforderungen, denen Menschen mit MS bei körperlichen Aktivitäten begegnen können. Schließlich ist der Weg eines jeden MS-Patienten einzigartig. Es ist wichtig, dass Sie sich mit Ihrem medizinischen Betreuer oder einem Physiotherapeuten beraten, bevor Sie ein neues Trainingsprogramm beginnen, denn sie können Ihnen dabei helfen, herauszufinden, welche Trainingskombination für Ihre spezielle Situation sicher und effektiv ist.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich nur wiederholen, dass körperliche Betätigung ein wirksames Mittel ist, um Ihre Fitness zu verbessern und Ihre Lebensqualität mit MS zu steigern. Die Kombination von Kraft- und Aerobic-Übungen, die auf Ihre individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten zugeschnitten sind, sollte Ihnen aus wissenschaftlicher Sicht und aufgrund der positiven Erfahrungen vieler Betroffener den größten Nutzen bringen.

Denken Sie daran, dass jeder noch so kleine Schritt auf dem Weg zu einer besseren Fitness zählt. Vermeiden Sie unbedingt Überanstrengungen. Gehen Sie keine Risiken ein, die mit möglicherweise vorhandenen körperlichen Einschränkungen verbunden sind und machen Sie häufig Pausen!

Referenz

[1] Reina-Gutiérrez S, Meseguer-Henarejos AB, Torres-Costoso A, et al. Effect of different types of exercise on fitness in people with multiple sclerosis: A network meta-analysis [published online ahead of print, 2023 May 24]. Scand J Med Sci Sports. 2023;10.1111/sms.14407. doi:10.1111/sms.14407 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37226414/

Bisher erschienen in dieser Reihe:

Sport, Training und Bewegung bei MS: Eine Einführung

MS, Sport und Immunsystem

Multiple Sklerose und Training – Einfluss auf Symptome der MS

Multiple Sklerose und Krafttraining

Multiple Sklerose und Ausdauertraining – ideal in Kombination mit Krafttraining


Wenn Sie mehr zum Thema Sport und MS wissen wollen, sei Ihnen auch die

🖹 Life-SMS Veröffentlichung: Sport und MS aus dem Jahr 2017 empfohlen, auf die wir in dieser Artikelserie an vielen Stellen zurückgreifen.


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